Ausbildung zur Elektrofachkraft im R+S-Handwerk

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1 Vorwort In den letzten Wochen und Monaten gab es viele Anfragen zur Ausbildung zur Elektrofachkraft, die für das tagtägliche Geschäft der R+S-Fachbetriebe große Bedeutung haben. Kaum eine Markise kommt noch ohne Motor und Steuerung aus; motorisierte Rollläden, die punktgenau öffnen und schließen, werden gut nachgefragt. Die verstärkte Kundennachfrage nach Steuerungen und modernen Antriebslösungen ist eine hervorragende Marktchance, die man möglichst selbst nutzen sollte. Dieses Merkblatt soll über alles informieren, was für die Betriebe, Innungen, Berufsschulen und Prüfungsausschüsse zum Thema Ausbildung zur Elektrofachkraft im R+S-Handwerk wichtig ist. Der Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.v. übernimmt jedoch keinerlei Verantwortung oder Haftung für die Angaben in diesem Merkblatt. Bei den nachfolgenden Ausführungen handelt es sich um allgemeine Informationen, die nicht auf die eventuell besonderen Bedürfnisse bestimmter Personen oder Unternehmen abgestimmt sind. Sollten Sie daher Fragen haben, stehen Ihre Innung und wir Ihnen gern zur Verfügung. Bonn, im März 2011 Christoph Silber-Bonz Hauptgeschäftsführer RA Ingo Plück Abt. Recht und Berufsbildung Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.v. Hopmannst r Bonn Seite 1 von 5

2 I. Qualifikationsstufen im Bereich Elektrotechnik Um Elektroarbeiten aus einer Hand anbieten zu können, sind Fachkenntnisse erforderlich, die in den einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften definiert werden. Im Bereich Elektrotechnik sind nach 2 BGV A 3/BGG 944 verschiedene Qualifikationsstufen (aufsteigend) zu unterscheiden; zur richtigen Einordnung ist die Verwendung der korrekten Terminologie unerlässlich: Elektrotechnischer Laie: Dieser bringt keinerlei ausreichende Voraussetzun- gen für unsere Arbeiten mit; Elektrotechnisch unterwiesene Person: Sie verfügt trotz einiger Grundkenntnisse ebenfalls über keine ausreichende Qualifikation für unsere Arbeiten; Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten: Deren Qualifikationsmerkmale reichten für die RS-Branche über viele Jahre aus; sie ist jedoch ein Auslauf- modell; Elektrofachkraft: Nur diese Qualifikationsstufe bringt den heute erforderlichen Standard; sie wird regulär vermittelt t durch die duale Ausbildung zum Rolllaund Sonnenschutzmechatroniker (im Folgenden: R+S-Mechatroniker); daneben kann man sich die Ausbildungsinhalte natürlich auch durch Weiter- bildungen aneignen; den- Elektromeister, Elektrotechniker, Elektroingenieur o.ä. Demnächst soll eine neue BG-Information die Begrifflichkeiten und Qualifizierungsstufen Elektrofachkraft (einschließlich Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten ) und Elektrotechnisch unterwiesene Person neu beschreiben. Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.v. Hopmannst r Bonn Seite 2 von 5

3 II. Verhältnis der Qualifikationsstufen zur Erstausbildung im R+S-Handwerk Es ist zu unterscheiden zwischen der Ausbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten gemäß BGG 944 im Anschluss an eine Berufsausbildung und der Ausbildung zur Elektrofachkraft im Rahmen einer entsprechenden Berufsausbildung gemäß 2 Abs. 3 BGV A 3. Im R+S-Handwerk erfolgt bei den Gesellen, die in der Regel bis 2007 noch als Rolladen- und Jalousiebauer ausgebildet wurden, fakultativ die Ausbildung zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten nach BGG 944, und zwar gemäß Ziff. 2 Abs. 1 stets nach abgeschlossener Berufsausbildung. Diese wird vom BVRS etwa für Altgesellen nach wie vor durch den Elektrofachkurs von BVRS, BVT-Tore und Technischer Akademie Wuppertal angeboten. Bei den Lehrlingen zum R+S-Mechatroniker erfolgt seit August 2004 die Ausbildung zur Elektrofachkraft nicht als Zusatzausbildung nach BGG 944, sondern ist nach den Festlegungen der Kultusministerkonferenz in die Ausbildung und die Gesellenprüfung zum R+S-Mechatroniker integriert. Da somit die Ausbildungskriterien nach der BGG 944 im Rahmen der Berufsausbildung zum R+S-Mechatroniker nicht anwendbar sind, ist hier auch keine vorangestellte, abgeschlossene Berufsausbildung erforderlich. III. Organisation der Elektrofachkraft-Ausbildung im Rahmen der Berufsausbildung Die duale Ausbildung zum R+S-Mechatroniker ist so konzipiert, dass hierdurch die Ausbildungsinhalte einer Elektrofachkraft vermittelt werden. Die zuständige Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) unterstellt, dass die Lehrlinge während der Ausbildung in der Berufsschule (s.u.1.) und im Betrieb (s.u.2.) insgesamt zirka 300 Stunden (bereinigt) elektrotechnische Ausbildung absolvieren. 1. Berufsschulunterricht Die Inhalte für den Berufsschulunterricht sind durch den von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Rahmenlehrplan zum Ausbildungsberuf R+S-Mechatroniker mit Lernfeldern vorgegeben. Dabei handelt es sich ausdrücklich um Mindestanforderungen, die ggf. durch eigene Lehrpläne der Länder und dann durch den Schullehrplan umgesetzt werden. Die Lernfelder 4, 8 und 13 mit insgesamt 140 Stunden haben ausschließlich elektrotechnische Inhalte; hinzu kommen weitere elektrotechnische Lerninhalte aus den meisten übrigen Lernfeldern (z.b. 1, 3, 6, 7, 9, 10, 11, 12). Die Berufsschulausbildung sieht somit wenigstens 160 bis 170 Stunden vor. Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.v. Hopmannst r Bonn Seite 3 von 5

4 2. Betriebliche Ausbildung Die Inhalte für die betriebliche Ausbildung sind durch den Ausbildungsrahmenplan zur Ausbildungsordnung mit Berufsbildpositionen vorgegeben. Deren Vermittlung ist dem Ausbildungsbetrieb ausdrücklich vorgeschrieben; er geht mit der Unterzeichnung des Lehrvertrages eine insoweit einklagbare Verpflichtung ein. Die Berufsbildposition 13 mit einem Zeitansatz von 12 Wochen hat ausschließlich elektrotechnische Inhalte; hinzu kommen weitere elektrotechnische Ausbildungsinhalte aus den meisten anderen Berufsbildpositionen (z.b. 3 a/b, 6 b/g, 7 d, 9 e, 11 d, 12 c, 15 c, 16 d, 18 a). Die betriebliche Ausbildung sieht somit wenigstens ca. 25 Wochen vor. Umgerechnet in Zeitstunden (bereinigt) entspricht dies wenigstens 130 bis 140 Stunden. Falls diese Inhalte durch den Betrieb nicht vermittelt werden können, muss dies wie auch bei anderen, nicht selbst vermittelbaren Lerninhalten extern erfolgen. Dies geschieht meistens durch die sogenannte Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, die in der Regel durch Innungen organisiert wird. IV. Berücksichtigung der Ausbildungsinhalte zur Elektrofachkraft im Rahmen der Gesellenprüfung R+S-Mechatroniker Zuletzt wurde eine Änderung der Gesellenprüfung (Elektrotechnik als separates Prüfungsfach, ggf. als Sperrfach) diskutiert. Mittlerweile hat sich das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) dahingehend geäußert, dass es nicht erforderlich sei, die Ausbildungsordnung zu verändern und eine Erweiterung der Prüfungsbereiche vorzunehmen. Die Gesellenprüfung kann somit weiter im Rahmen der durch 9 der Ausbildungsordnung vorgegebenen Spielräume durchgeführt werden. Die Prüfungsausschüsse können daher bei Einhaltung der jeweils geltenden Prüfungsordnung bei der Prüfung elektrotechnischer Fertigkeiten und Kenntnisse breiten Raum geben, besonders mit Blick auf den Abschluss als R+S-Mechatroniker und die Auswahlverantwortung des Unternehmers (s.u.). V. Bestellung zur Elektrofachkraft durch den Unternehmer Durch die bestandene, d.h. mindestens ausreichende Gesellenprüfung oder eine anderweitige Prüfung wird die Qualifikation zur Elektrofachkraft erlangt. Elektrofachkraft wird man jedoch erst durch Bestellung durch den Arbeitgeber in Rahmen seiner Führungs- und Auswahlverantwortung. Das BMWi hat daher ausdrücklich betont, dass die Verantwortung für die Bestellung der Elektrofachkräfte ausschließlich bei den Betriebsinhabern liegt. Diese müssen sich immer und in jedem Einzelfall umfassend über die Geeignetheit der Fachkraft informieren. Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.v. Hopmannst r Bonn Seite 4 von 5

5 Die BG ETEM hat hierzu ausgeführt, dass das Thema Bestellung zur Elektrofachkraft im Sinne von Beauftragung mit der Ausführung elektrotechnischer Arbeiten zu verstehen sei. Nachdem sich der Arbeitgeber von der ausreichenden Qualifikation überzeugt habe, etwa anhand von Abschlusszeugnissen, aussagefähigen Teilnahmebescheinigungen über entsprechende Seminarbesuche o.ä., könne er seinen Mitarbeiter mit elektrotechnischen Arbeiten beauftragen. Die Bestellung sollte durch ein einfaches Schreiben an den jeweiligen Mitarbeiter dokumentiert werden. Wichtig hierbei ist, dass das Gesellenprüfungszeugnis zwar eine Aussage über das Bestehen der Prüfung trifft, aber nicht unbedingt darüber, wie qualifiziert der Jung- Geselle in Elektrotechnik ist. Der Arbeitgeber muss daher immer abwägen: Je schlechter die Note des Gesellenprüfungszeugnisses ist, umso eher muss er dem Jung-Gesellen auf den Zahn fühlen. Die letzte Entscheidung bleibt immer beim Arbeitgeber; er ist für die Mitarbeiterauswahl verantwortlich. VI. Zusammenfassung Die früheren Lehrlinge mit dem Ausbildungsberuf Rolladen- und Jalousiebauer (bis 2007) haben die Möglichkeit, sich zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten weiterzubilden. Diese Weiterbildung setzt eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus. Für die Lehrlinge des Ausbildungsberufs Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker (seit August 2004) ist die Ausbildung zur Elektrofachkraft bereits in der Berufsausbildung enthalten. Mit der bestandenen Gesellenprüfung erhalten sie die Qualifikation zur Elektrofachkraft. In beiden Fällen bedarf es der ausdrücklichen Bestellung durch den Arbeitgeber (schriftlich, s.o.). Erst dann darf der Mitarbeiter elektrotechnische Arbeiten ausführen. Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz e.v. Hopmannst r Bonn Seite 5 von 5

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