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1 IMS Health Flashlight 47. Ausgabe Juli 2015

2 IMS Health Flashlight 47. Ausgabe - Juli 2015 Liebe Leserinnen und Leser, in dieser letzten Ausgabe unseres Newsletters vor der Sommerpause warten wir mit einer Vielfalt von Themen auf. In der Rubrik Gesundheitspolitik geht es dieses Mal um das Thema Zuzahlung und Aufzahlung im Kontext von Festbeträgen und Rabattverträgen. In der Sparte Pharmamarkt steht der Einsatz von Produkten zur Wundversorgung im Fokus. Der Themenbereich Healthcare Welt beinhaltet einen Beitrag zur Untersuchung der Compliance bei Diabetes; ferner stellen wir einen Ansatz aus der Beratung vor, der in Vorbereitung strategischer Unternehmensentscheidungen Hilfestellung bietet. Zwei weitere Beiträge bestücken die Rubrik Technology & Applications : Wir stellen ein Software-Tool vor, das Pharma-Unternehmen hilft, die zur Dokumentation und Pflege erforderlichen Aktivitäten im Rahmen des Transparenzkodex in eine Datenbank zu integrieren und zu analysieren. Außerdem berichten wir über Erkenntnisse zur Nutzung von Gesundheitsinformationen im Zeichen von Social Media. In unserer News-Spalte skizzieren wir dieses Mal zwei ganz unterschiedliche neue Kooperationen von IMS Health, mittels derer wir unsere Kunden bei bestimmten Fragestellungen noch besser unterstützen möchten. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und einen schönen Sommer, Ihr Dr. Frank Wartenberg, President Central Europe Inhalt Gesundheitspolitik Zuzahlung und Aufzahlung im Zusammenspiel mit Festbeträgen und Rabattverträgen Pharmamarkt Medizintechnik: Bei Wundversorgung helfen Arzt und Apotheker Healthcare-Welt Versorgungsforschung: Compliance bei Diabetes noch verbesserungsfähig Healthcare-Welt Strategische Unternehmensentscheidungen benötigen valide Daten Technology & Applications Transparenzkodex soll Vertrauen schaffen und stellt Unternehmen vor Herausforderungen Technology & Applications Nutzung von Gesundheitsinformationen im Zeichen von Social Media IMS Health Termine Next Generation Healthcare Technology IMS News Artikelstammdaten als Basis für die Abwicklung von elektronischen Geschäftsprozessen IMS News Unternehmens-Allianz erforscht bislang unbekannte Effekte bekannter Medikamente 2

3 GESUNDHEITSPOLITIK Zuzahlung und Aufzahlung im Zusammenspiel mit Festbeträgen und Rabattverträgen Die Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung haben sich an den Kosten bestimmter Leistungen zu beteiligen. Der Eigenanteil soll bewirken, dass die Versicherten im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf eine kostenbewusste und verantwortungsvolle Inanspruchnahme von Leistungen Wert legen, so steht es im Informationsblatt zu den Zuzahlungsregelungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung zu lesen 1). Allein die Eigenbeteiligungsregelungen für Arzneimittel sind äußerst komplex und dürften für viele Versicherte nur schwer verständlich sein. Grundsätzlich müssen Versicherte für zu Lasten der GKV verordnete Arzneimittel eine Zuzahlung von 10 Prozent, mindestens aber 5 Euro und höchstens 10 Euro leisten, sofern nicht einer der zahlreichen Befreiungstatbestände zutrifft. So können Festbetrags-Arzneimittel vom GKV-Spitzenverband von der Zuzahlung befreit werden, wenn ihr Preis 30 Prozent unter dem Festbetrag liegt. Mit Stand Dezember 2014 unterlagen 65 Prozent der Festbetragspräparate gleichzeitig einem Rabattvertrag. Sind rabattierte Arzneimittel in der Zuzahlungsbefreiungsliste des GKV-Spitzenverbandes aufgeführt, sind diese auch von der Zuzahlung befreit. Für Arzneimittel, die der GKV-Spitzenverband nicht von der Zuzahlung freigestellt hat, kann die Krankenkasse über die Rabattverträge die Zuzahlung um die Hälfte ermäßigen oder ganz aufheben, wenn hieraus Einsparungen zu erwarten sind. 2) Jeder Versicherte muss pro Kalenderjahr über alle Leistungsbereiche höchstens Zuzahlungen bis zu seiner individuellen Belastungsgrenze bezahlen. Diese beträgt 2 Prozent der zu berücksichtigenden Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Bei chronisch Kranken gilt eine reduzierte Zuzahlungsgrenze von einem Prozent der Einnahmen. Bei Festbetrags-Arzneien, deren Listenpreis über dem Festbetrag liegt, muss der Versicherte zusätzlich zur Zuzahlung eine Aufzahlung in Höhe der Differenz zwischen Listenpreis und Festbetrag leisten. Für diese Aufzahlung gibt es abweichend von der Zuzahlung keine Härtefallregelungen und Überforderungsklauseln. Nach den letzten Festbetragsanpassungen insbesondere zum Juli 2014 konnten oder wollten viele Hersteller dem Preisdruck nicht weiter nachgeben und haben ihre Preise nicht auf oder sogar unter Festbetragsniveau gesenkt. Folglich stiegen nicht nur die Zuzahlungen auf rund zwei Milliarden Euro (+3,5 %) an, sondern auch die Aufzahlungen für Festbetragsprodukte nahmen erheblich zu. Fielen im Jahr 2013 noch für 4,1 % der im Festbetragsmarkt abgegebenen Packungen Aufzahlungen an, so ist dieser Wert 2014 auf 6,3 % bzw. 32,6 Mio. Packungen gestiegen. Insgesamt wurden 517 Mio. Packungen im Festbetragsmarkt abgegeben. 1 Infoblatt zu den Zuzahlungsregelungen in der gesetzlichen Krankenversicherung 2 https://www.gkv-spitzenverband.de/service/versicherten_service/zuzahlungen_und_befreiungen/befreiungsliste_arzneimittel/befreiungsliste_arzneimittel.jsp 3

4 GESUNDHEITSPOLITIK Je nach Präparategruppe Unterschiede im Anteil mit Aufzahlung Besonders hoch war im Jahr 2014 der Anteil der Packungen mit Aufzahlung bei Schilddrüsenmedikamenten, Thrombozytenaggregationshemmern und topischen Rhinologika (Abbildung 1). Die Ursachen für diesen hohen Aufzahlungsanteil sind je nach Präparategruppe sehr unterschiedlich. Bei den ausschließlich rezeptpflichtigen Schilddrüsenpräparaten ist es den Patienten wichtig, ihr gewohntes Medikament zu erhalten und sie sind bereit, dafür auch eine Aufzahlung zu leisten. Wegen der individuell notwendigen Einstellung auf die Medikation wurde Levothyroxin auch auf die Substitutionsausschlussliste gesetzt. Dagegen werden Rhinologika zu 80 % über die Selbstmedikation abgegeben. Das Verhältnis von Festbetrag und Listenpreis spielt in diesem Markt für die Preisfindung der Hersteller eine untergeordnete Rolle. Bei Verordnungen fallen daher eher Aufzahlungen an. Abbildung 1: Bei den absatzstärksten 25 Arzneigruppen im GKV-Markt gibt es erhebliche Unterschiede im Anteil mit Aufzahlung Arzneimittelgruppen mit höchstem Aufzahlungsanteil innerhalb der TOP 25 Gruppen auf ATC* 3 Niveau KEINE AUFZAHLUNG AUFZAHLUNG GKV-Absatz im FB-Markt in Mio. Packungen im Jahr 2014 GKV-Festbetragsmarkt 94% 6% 517,0 H03A THYREOIDPRAEPARATE 49% 51% 20,8 B01C THROMBOZYTENAGG.HEMMER 74% 26% 6,9 R01A RHINOLOGIKA, TOPISCH 83% 17% 9,4 D07A REINE CORTICOSTER.TOP. 84% 16% 7,9 J01F MACROLIDE + VERGL.SUBST. 92% 8% 8,6 R03A BETA-2-STIMULANTIEN 94% 6% 9,1 H02A CORTICOST.SYSTEM.REIN 95% 5% 7,6 N02B SONSTIGE ANALGETIKA 96% 4% 37,6 C08A CALCIUMANTAGONISTEN,REIN 96% 4% 18,6 C07A BETA-BLOCKER REIN 96% 4% 37,8 Quelle: IMS PharmaScope ; Spezialdatenbank Aufzahlung; nach Absatz führende 25 Präparategruppen auf ATC3-Niveau im Festbetragsmarkt ATC: Anatomisch-therapeutische Klassifikation Gemessen am Umsatz waren für 5 % des Festbetragsmarktes Aufzahlungen zu leisten. Daraus resultierten im Jahr 2014 Aufzahlungen in Höhe von 115 Mio. Euro, 22 % mehr als im Vorjahr. Diese Aufzahlungen fielen primär bei nicht mehr patentgeschützten Präparaten, sog. Alt-Originalen, und Generika an. 43 % des von Aufzahlung betroffenen Marktsegmentes und 55 % der Aufzahlungen entfielen auf Alt-Originale (Abbildung 2). 4

5 GESUNDHEITSPOLITIK Abbildung 2: Im Jahr 2014 belief sich das Volumen für Aufzahlungen bei Festbetragsprodukten im GKV-Markt auf 115 Millionen Euro Umsatz im Festbetragsmarkt: 12,4 Mrd. Euro (AVP) (+0,4 %) Festbetragssegment mit Aufzahlung: 639 Mio. Euro (+46 %) Aufzahlung: 115 Mio. Euro (+22 %)** 95% 5% 11% 9% 43% 55% +14 % 11,7 Mrd. Euro (-1,3 %) 37% 18% 16% +29 % +67 % 10% +10 % AUFZAHLUNG JA AUFZAHLUNG NEIN Nicht länger geschützte Präparate (+42 %) Geschützte Präparate (+21 %) Generika (+80 %) Restgruppe (+6 %) Quelle: IMS PharmaScope ; Spezialdatenbank Aufzahlung; GKV-Umsatz zu AVP, *Differenz Listpreis zu Festbetrag, Mehrkostenverzicht 11,9 Mio. Euro Allerdings können Arzneimittel, für die ein Rabattvertrag abgeschlossen wurde, von den betreffenden Krankenkassen von der Aufzahlung befreit und die Patienten damit entlastet werden. Über diesen Mehrkostenverzicht reduzierte sich die Aufzahlung in 2014 um 11,9 Mio. Euro. Mit Stand Dezember 2014 fielen 90 Prozent der Aufzahlungen für Arzneimittel ohne Rabattvertrag an. 10 Prozent der Aufzahlungen entfielen auf Festbetragsprodukte mit Rabattvertrag. Diese waren annähernd komplett über den Mehrkostenverzicht von der Aufzahlung frei gestellt. Dagmar Wald-Eßer 5

6 PHARMAMARKT Medizintechnik: Bei Wundversorgung helfen Arzt und Apotheker Unter dem Motto Qualität der Wundbehandlung fand vom 18. bis 20. Juni der 18. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e. V. (DGfW) in Ludwigshafen statt. Ziel des Kongresses war, das Spektrum zwischen Patientenbedürfnis, notwendiger Therapie und ökonomischem Sachzwang (zu) beleuchten 1. Welche Arten von chronischen Wunden es gibt, wo ihre Ursachen liegen, wie die Wundheilung unterstützt werden kann und wie sich der Absatz von Produkten für die Wundversorgung in Apotheke und Klinik entwickelt, zeigt dieser Beitrag. Bei Wunden denkt man zunächst an Verletzungen: Von der kleinen Schnittverletzung aus dem Alltag über Verbrennungen oder Abschürfungen bis hin zu den Auswirkungen von Haushalts-, Arbeits- und Verkehrsunfällen. Für die Behandlung derartiger Akutwunden hält die Apotheke eine breite Palette von Pflastern, Binden und Wundauflagen bereit. Soweit keine chirurgische Intervention erforderlich ist, heilen Akutwunden in der Regel bei fachgerechter Versorgung von allein ab. Wunden aufgrund von Erkrankungen Von chronischen Wunden hingegen spricht man, wenn sie nach vier Wochen noch keine Heilungstendenzen zeigen. Ursache ist meist keine Verletzung, sondern eine spezifische Grunderkrankung, die zunächst ursächlich zu behandeln ist. Ulcus cruris venosum: Beim sogenannten offenen Bein ist meist der Rückfluss des venösen Blutes aufgrund einer Veneninsuffizienz beeinträchtigt, insbesondere zurückzuführen auf defekte Venenklappen. Therapieansatz ist die Kompression der Beine durch Kompressionsbinden oder -strümpfe, um durch den zusätzlichen Druck den Blutrückfluss gegen die Schwerkraft zu fördern. Diabetisches Fußsyndrom: Schlecht eingestellte Diabetiker mit zu hohem Blutzuckerspiegel leben mit dem Risiko, eine ganze Reihe von Folgeerkrankungen zu entwickeln. Schädigungen von feinen Blutgefäßen und Nerven in den Extremitäten können zum Diabetischen Fußsyndrom führen. Schlechte Durchblutung und reduziertes Schmerzempfinden machen anfällig für Läsionen, die bei unzureichender Therapie Amputationen erforderlich machen können. Ohne eine normoglykämische Blutzuckereinstellung wird auch eine professionelle Wundversorgung scheitern. Dekubitus: Ein Druckgeschwür gilt als Pflegefehler. Werden immobile Patienten im Bett nicht regelmäßig umgelagert, entstehen durch den dauerhaften Druck auf das Gewebe Geschwüre, die sich von anfänglichen Rötungen bis zu tiefen und großflächigen Wunden entwickeln können. Es liegt auf der Hand, dass eine Druckentlastung der betroffenen Körperstellen erforderlich ist. Ambulant wurden 2014 ca. 2,7 Mio. Patienten wegen einer akuten Wunde ärztlich behandelt (Abbildung 1). Datenquelle ist der IMS Disease Analyzer, der in einem Ärztepanel anonymisierte Beobachtungsprofile erfasst und hochrechnet. 1 Aus dem Grußwort von Kongresspräsident Prof. Dr. med. Paul Alfred Grützner, 6

7 PHARMAMARKT Abbildung 1: Ambulant wurden ,7 Mio. Patienten mit Akutwunden behandelt und insgesamt 1,4 Mio. mit einer chronischen Wunde Anzahl Patienten pro Jahr beim niedergelassenen Hausarzt, Dermatologen oder Chirurgen Akute Wunden Ulcus cruris Dekubitus Diab. Fuß Quelle: IMS Disease Analyzer Trotz der Vermeidbarkeit bei richtiger Pflege führt der Dekubitus die Rangfolge der chronischen Wunden an: Patienten sind zu verzeichnen, mit Ulcus cruris und mit Diabetischem Fußsyndrom. Wundheilung unterstützen Für schwer heilende, chronische Wunden hält die Apotheke spezielle Wundauflagen und Fixiermaterial bereit. Anders als bei der klassischen Wundversorgung, mit Pflastern und Verbandstoffen bei akuten Verletzungen der Haut, geht es nicht nur um die Aufnahme von Blut unmittelbar nach der Verletzung und den Schutz der Wunde vor mechanischen Einflüssen, um die Wundruhe zu gewährleisten. Sondern es geht zusätzlich um die Aufnahme von Wundexsudat, das bei chronischen Wunden in großen Mengen abgesondert wird, ohne dabei die Wunde trocken zu saugen. Denn ein weiteres wichtiges Prinzip ist das Feuchthalten der Wunde, damit neue Zellen im feuchten Milieu einwandern können. Neben Wundruhe und feuchtem Klima sind dies die Prinzipien der Wundheilung: Die Wundauflagen sollen spezifisch den Phasen der Wundheilung angepasst sein und sie unterstützen (Wundreinigung, Granulierung und Epithelisierung). Der Wundgrund soll Kontakt mit der Wundauflage haben. Infektionen behindern die Wundheilung. 95 % der in der Apotheke abgegebenen Wundauflagen sind für akute Wunden wie Abbildung 1 zeigt, gemessen in einzelnen Stück (nicht in Packungen). Die aktuelle Tendenz ist leicht rückläufig. Insgesamt werden etwa 1 Mrd. Stück Wundauflagen pro Jahr abgegeben. 7

8 PHARMAMARKT Absatzentwicklung in der Apotheke Im Folgenden wird der Absatz von Produkten für die Versorgung von Wunden betrachtet. Dazu wurde zum einen die Datenbank IMS MSA (Medizinischer Sachbedarf in der Apotheke) herangezogen, die Apothekeneinkäufe des vollsortierten Pharmazeutischen Großhandels (PHAGRO) vollständig erfasst. Zum anderen wurden die sonstigen Einkäufe der Apotheken (z. B. direkt vom Hersteller) aus dem IMS Apothekenpanel mit über repräsentativ ausgewählten Apotheken hochgerechnet. Abbildung 2: Leichter Rückgang im aktuellen 12-Monatszeitraum in der Apotheke Absatz in Stück 0,0% -2,7% ,3% ,2% ,5% 95,7% 95,8% 95,5% MAT MAT MAT Spezielle Wundversorgung Klassische Wundversorgung Quelle: IMS MSA ; MAT = Moving Annual Total, gleitender Einjahreszeitraum, endend mit Mai des jeweiligen Jahres Die Absatzbetrachtung führt zunächst zu der Schlussfolgerung, dass die spezielle Wundversorgung in der Apotheke unbedeutend ist. Ein Blick auf die Umsatzzahlen (bewertet zu Grossopreisen) in Abbildung 3 zeigt, dass Produkte für die Versorgung von Wunden mit schlechter Heilungstendenz an Umsatzbedeutung zunehmen und insgesamt der Treiber für Wachstum in der Apotheke sind. Hierunter fallen vor allem hydroaktive Auflagen (Abbildung 4), die in der Lage sind, das Exsudat stark nässender Wunden aufzunehmen, ohne sie trocken zu saugen. Silberhaltige Wundauflagen sind geeignet, lokal Keime abzutöten, und werden bei infizierten Wunden eingesetzt. 8

9 PHARMAMARKT Abbildung 3: Wertmäßig wächst der Markt deutlich, mit steigendem Anteil der Speziellen Wundversorgung Umsatz in EUR zu Grossopreisen in der Apotheke +7,0% ,0% ,8% 42,3% 44,0% 59,2% 57,7% 56,0% MAT MAT MAT Spezielle Wundversorgung Klassische Wundversorgung Quelle: IMS MSA ; MAT = Moving Annual Total, gleitender Einjahreszeitraum, endend mit Mai des jeweiligen Jahres Abbildung 4: Hydroaktive Wundauflagen haben an der Speziellen Wundversorgung den größten Anteil Gesamt: 47,3 Mio. Stück Gesamt: 221,7 Mio. 8,5% 3,8% 5,0% 41,5% 11,2% 7,6% 4,9% 2,0% 54,1% 30,3% 20,1% 10,8% Hydroaktive Wundauflagen Silberhaltige Auflagen Salbengitterkompressen Kompressen mit Superasbsorber Transparentverbände sonstige Quelle: IMS MSA ; MAT , MAT = Moving Annual Total, gleitender Einjahreszeitraum, endend mit Mai

10 PHARMAMARKT Hydroaktive Wundauflagen sind teurer als klassische. Untersuchungen zur Wirtschaftlichkeit zeigen jedoch häufig, dass sie durch seltenere Verbandwechsel und größere Heilungsfortschritte ihre Berechtigung haben. Sowohl nach Umsatz als auch nach Absatz sind Schaumverbände die wichtigste Kategorie. Es folgen silberhaltige Produkte zur Keimbekämpfung, die wiederum häufig als Schäume, Alginate oder Tülle angeboten werden. Seit Jahren sind hier Zuwächse zu verzeichnen, sicherlich auch befeuert durch die öffentliche Diskussion um die Auswirkungen von Krankenhauskeimen. Ein Blick auf die Klinik Mit 1,6 Mrd. Stück ist der Markt für Produkte zur Versorgung von Wunden in der Klinik etwa um die Hälfte größer als der Apothekenmarkt (Datenquelle: IMS DKB (Krankenhaus-Sachbedarfs-Studie), eine Hochrechnung aus einem Panel mit ca. 320 repräsentativ ausgewählten Akutkrankenhäusern). Nicht überraschend entfallen dort 98 % auf klassische Produkte, denn in Kliniken geht es vor allem um die Versorgung von akuten Verletzungen und intraoperativ von OP-Wunden. Michael Poersch 10

11 HEALTHCARE-WELT Versorgungsforschung: Compliance bei Diabetes noch verbesserungsfähig Diabetes mellitus ist eine Volkskrankheit. Nach verschiedenen Angaben 1 sind in Deutschland etwa 8 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Infolge dieser hohen Prävalenz und teilweise komplexen Behandlung entstehen vergleichsweise hohe Kosten. Für die Patienten ist die Erkrankung aufgrund der Chronifizierung, diagnostischer Maßnahmen wie etwa Blutzuckerkontrolle und ggflls. dem Spritzen von Insulin belastend, hinzu kommt die potenzielle Lebensbedrohlichkeit bei Unterzuckerung. Die Verbesserung mangelnder Therapietreue gilt allgemein als eine der wichtigsten Stellgrößen, um Einsparungen bei den Gesundheitsausgaben zu erzielen wie das IMS Institute for Healthcare Informatics allgemein herausgefunden hat 2. In Verbindung mit den oben genannten Fakten zur Erkrankung Diabetes ließe eine Verbesserung der Compliance sowohl einen individuellen als auch gesellschaftlichen Nutzen erwarten, wenn es denn um die Therapietreue bei dieser Indikation nicht optimal bestellt sein sollte. Dieser Frage ist IMS Health nachgegangen. Datenbasis bildet das Krankheitsregister IMS DIAREG, das über epidemiologische Kennzahlen hinaus anonymisierte, prospektiv erhobene Daten beinhaltet. In Kombination mit ebenfalls anonymisierten Behandlungsverläufen aus der Datenbank IMS Disease Analyzer, die eine retrospektive Analyse ermöglicht, wurden für die Jahre 2013 und 2014 insgesamt 983 Patienten aus 76 hausärztlich tätigen und 155 Patienten aus 9 diabetologischen Praxen in die Untersuchung eingeschlossen. Damit leistet die Studie einen Beitrag zur Versorgungsforschung, die als zunehmend wichtiger betrachtet wird, um den Nutzen medizinischer Interventionen einschließlich Arzneimittel zu beurteilen. Versorgungsforschung Ein wesentliches Ziel von Versorgungsforschung besteht darin, die Behandlung von Erkrankungen unter Alltagsbedingungen zu untersuchen und möglichst Ansätze zur Verbesserung anzudenken. Ein Beispiel hierfür stellt die Frage nach der Compliance der Patienten im Lebensalltag dar. Untersucht werden dabei Einflussfaktoren auf die Therapietreue, die von soziodemografischen Merkmalen über die Art der Pharmakotherapie bis hin zur Art der Facharztausrichtung behandelnder Ärzte reichen können. Ergebnisse Die Compliance der Patienten wurde von den behandelnden Ärzten auf einer sechsstufigen Skala von sehr schlecht bis sehr gut geschätzt. Als complient galten Patienten mit einer Beurteilung von gut oder sehr gut. Alle in die Studie einbezogenen Patienten wurden über mindestens sechs Monate mit oralen Antidiabetika (OAD) oder Insulin behandelt. 1 S. z. B. Robert Koch-Institut (Hrsg) (2014) Diabetes mellitus. Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie»Gesundheit in Deutschland aktuell 2012«. RKI, Berlin (Stand: ) 2 IMS Institute for Healthcare Informatics, 2012: Responsible Use of Medicines Report. Link: 11

12 HEALTHCARE-WELT Die Analysen führen im Blick auf die untersuchten möglichen Einflussfaktoren auf die Therapietreue zu einigen interessanten Ergebnissen. Während Männer und Frauen sich hinsichtlich der Compliance nicht unterscheiden, verbessert sich die Therapietreue statistisch signifikant mit steigendem Alter der Patienten. So werden rund 63 % der 40- bis 60-Jährigen von den Ärzten als therapietreu eingestuft, jedoch 69 % der 61- bis 70-Jährigen und 74 % der über 70-Jährigen. Abbildung 1: Die Compliance bei Diabetes Typ 2 wird von mehreren Faktoren beeinflusst %-Anteil Compliance nach Arztausrichtung %-Anteil Compliance nach Arzneitherapie %-Anteil Compliance nach Patientenalter 78% 69% 75% 67% 59% 63% 69% 74% Diabetologische Schwerpunktpraxen Hausärztliche Praxen Orale Antidiabetika (OAD) Insulin Komb. OAD + Insulin Jahre Jahre > 70 Jahre Quelle: IMS DIAREG, IMS Disease Analyzer Auch die Art der Pharmakotherapie spielt eine Rolle: von den Patienten, die auf orale Antidiabetika eingestellt sind, werden rund 75 % als compliant beurteilt, deutlich mehr als bei einer Therapie unter Insulin (67 %) oder gar einer Kombinationstherapie aus beiden Medikationen (59 %). In diabetologischen Schwerpunktpraxen schließlich wird mehr Patienten (78 %) eine höhere Compliance zuerkannt als in hausärztlichen Praxen (69 %). Welche Gründe jeweils für diese Unterschiede maßgeblich sind, wäre in einem weiteren Schritt zu untersuchen, um auf Verbesserungen der Compliance gezielt hinzuwirken. Ginge eine schlechtere Therapietreue bei Jüngeren bspw. auf eine andere Bewertung der Krankheit zurück, so wäre ggflls. bei der Aufklärung und Information über die Erkrankung und die Therapie anzusetzen; spielt hingegen bspw. eine Rolle, das Handling der Therapie mit dem Alltagsmanagement zu vereinbaren, so wäre hier u.u. Hilfestellung und individuelle Beratung ein möglicher Weg. Allerdings ist bei der Interpretation der Ergebnisse eine wichtige Limitation zu beachten. Bei der Bewertung der Compliance handelt es sich um subjektive Einschätzungen der Ärzte, und es ist nicht auszuschließen, dass diese die Therapietreue auch als von Blutzuckerwerten abhängig einstufen. 12

13 HEALTHCARE-WELT Auch wenn die hier berichteten Complianceraten im Vergleich mit anderen Erkrankungen 3 eher hoch ausfallen, so zeigen die Subgruppenanalysen, dass noch Verbesserungsbedarf besteht, gerade bei der jüngeren Gruppe von Diabetes Typ 2-Patienten. Die Therapietreue dieser Patienten zu optimieren ist wichtig in Anbetracht ihrer Lebensperspektive. Außerdem muss im Zuge des demografischen Wandels gerade auch eine älter werdende Gesellschaft allgemein ein Interesse daran haben, dass bei chronischen Erkrankungen, die dann immer mehr Menschen betreffen, eine möglichst gute Compliance erreicht wird, denn dies hilft Kosten zu sparen. Prof. Dr. Karel Kostev / Dr. Gisela Maag 3 S. z. B. Schöffski, O., J.-M. Graf v.d.schulenburg, 2000: Gesundheitsökonomische Evaluationen. Berlin, Heidelberg, New York. 13

14 HEALTHCARE-WELT Strategische Unternehmensentscheidungen benötigen valide Daten Globaler Kostendruck und permanente Konzentrationsprozesse halten den Pharmamarkt im festen Griff. Das hat auch Auswirkungen auf unternehmensstrategische Ziele. Oft fehlt es einfach an den notwendigen Mitarbeitern, um Entscheidungsvorlagen vorzubereiten, die für eine rationale und nachhaltige Unternehmenssteuerung erforderlich sind. Dabei ist gerade hier die gebührende Sorgfalt besonders wichtig. International aufgestellte externe Branchenexperten wie IMS Health können helfen. National, global und sektorenübergreifend Das Technologie- und Beratungsunternehmen verfügt über eine mehr als 50 jährige Erfahrung mit Dienstleistungen für nationale und globale Unternehmen. Dabei erhebt und analysiert IMS Health mit ebenso innovativen wie bewährten Methoden nicht nur Daten aus den Unternehmen selbst, sondern führt auch auf der Ärzte-, Apotheken- und Behandlungsebene anonymisierte Datenanalysen durch. Dies erlaubt die Gesamtschau und sichert so unternehmerische Entscheidungen mit bestmöglichem Datenhintergrund ab. Unabhängig davon, ob es um die Weiterentwicklung und Steuerung interner Prozesse oder um die Akquisition neuer Unternehmen geht: Die Voraussetzung für tragfähige Entscheidungen liegt in der Zusammenstellung und Analyse belastbarer Daten. Und die Erfordernisse gehen weit über die Zusammenstellung der internen Unternehmenszahlen hinaus. Benötigt werden zudem die aktuellen Positionierungen in den verschiedenen Ländermärkten wie die Analyse der Wettbewerber. Diese Informationen werden durch Verordnungsdaten von den Ärzten, Abverkaufszahlen aus den Apotheken und selbstberichteten Behandlungsinformationen verfeinert. Unternehmen durch Marktpositionierung bewerten Um ein Unternehmen beispielsweise adäquat zu bewerten oder um künftige strategische Investments zu planen, bedarf es der Analyse, welche bereits bedienten bzw. künftig anvisierten Ländermärkte besonders attraktiv sind. IMS Health kann die hierzu notwendigen Informationen auf Grundlage einer strukturierten Methodik zusammenstellen. Neben der Erhebung von Abverkaufsmengen, Preisniveau, Wettbewerbssituation, Wachstum und Morbiditätsentwicklung werden dabei auch beispielsweise soziopolitische Faktoren wie der Entwicklungsstand des jeweiligen Landes, der durch die Regierungen verursachte Kostendruck, die Offenheit für Innovationen und Komplexität der jeweiligen Gesundheitssysteme bewertet. Dazu gehört zum Beispiel eine Analyse, wie sich der Einfluss der diversen Stakeholder (nationale und lokale Kostenträger, Ärzte, Apotheken, Patientenorganisationen und KOL s) entwickelt. Zudem wird die wirtschaftliche Lage der jeweiligen Volkswirtschaften in die Bewertung einbezogen. Denn gerade Staaten mit einer hohen Bedeutung der öffentlichen Kostenträger sind beispielsweise besonders anfällig für Folgen der diversen Finanzkrisen. Die Kumulation aller dieser Daten erlaubt gekoppelt mit dem Blick auf die finanzielle Ausstattung einen relativ genauen Blick auf die aktuelle Positionierung des Unternehmens und seine Chancen, erfolgreich neue Produkte einzuführen. Abhängig von den Kundenwünschen ist ein solches Company Assessment in rund vier Wochen zu erstellen. 14

15 HEALTHCARE-WELT Interne Kompetenz durch externen Sachverstand stärken Externe Unterstützung ist auch oft bei Dienstleistungen für Commercial Operations erforderlich. Dies gilt nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Zentralen der international aufgestellten Unternehmen weltweit auf die gleiche Methodik zurückgreifen möchten. Denn es fehlt in den Konzernen oft an einer 360 Grad-Sicht des Geschäfts und standardisierten Kennzahlen, die die Diversität der Performance in Regionen, Ländern oder auch einzelnen Marken messen können. Zudem bestehen immer wieder Adaptationsprobleme, wenn globale Markenvoraussagen z. B. an die spezifischen Attribute der EU-Märkte angepasst werden müssen. Gekoppelt mit der Personalknappheit ist dies unternehmensintern nicht immer zu leisten. In diesen Fällen ist die Unterstützung durch einen global tätigen Beratungsdienstleister wie IMS Health die Lösung der Wahl. Seine Einschaltung kommt nicht nur den Prinzipien der Kostenersparnis und der Flexibilität zugute, sondern erlaubt es den Unternehmen auch, jederzeit und kurzfristig auf die Ressourcen von Spezialisten zum Beispiel aus den Bereichen Forecast, Reporting, Sales Force-Effectiveness, für die Definition von Zielgruppen oder für Gebietsgrößenbestimmungen zurückzugreifen. So lassen sich Umsatzvoraussagen und Produktchancen mit einem Höchstmaß an Wahrscheinlichkeit treffen und schaffen damit die Basis für die Entwicklung optimaler Roadmaps. Flexible Service Modelle gestatten zudem die Zusammensetzung von Teams, deren Mitglieder direkt aus den Unternehmen oder vom Dienstleister stammen. Abbildung 1: Beispielhafte Entwicklung einer Kooperation IMS Analytic Center Vorteile Fallbezogene Partnering Unterstützung Flexibles Servicemodell (FSM) Servicestunden/ FTEs Teil des Kundenprozesses FTEs* Integration in Routineprozesse IMS ist Prozesseigner IMS Analysten-Team Innovation in Kommerzialisierungsprozessen Daten und Beratung Tiefe Unternehmenskenntnis durch weitreichende Projekterfahrung * FTE: Full time equivalent = Mitarbeiter Global aufgestellt, hoch spezialisiert und jederzeit flexibel abrufbar haben sich Beratungsdienstleister zu unverzichtbaren Partnern für die pharmazeutische Industrie entwickelt. Ihr auf die individuellen Erfordernisse abgestimmter Einsatz schafft die valide Datenbasis, die für strategische Unternehmensentscheidungen unverzichtbar ist. Christoph Haeger 15

16 TECHNOLOGY & APPLICATIONS Transparenzkodex soll Vertrauen schaffen und stellt Unternehmen vor Herausforderungen Als Meilenstein in Richtung größere Transparenz der Zusammenarbeit im Gesundheitssystem bewertete Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.v. (vfa), den Transparenzkodex, der zunächst vom europäischen Dachverband der forschenden Pharma-Unternehmen (EFPIA) im Juni 2013 aufgestellt und anschließend vom Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.v. (FSA) für Deutschland überführt wurde. Konkret zielt der Kodex auf die Selbstverpflichtung der forschenden Pharmaunternehmen ab, alle Zuwendungen an Ärzte und andere Angehörige der Fachkreise sowie medizinische Einrichtungen also beispielsweise Honorare für Vorträge, Reisekosten, Übernahme von Teilnahmegebühren zu dokumentieren und vor allem zu veröffentlichen. Zahlungen an Ärzte auf Webseiten veröffentlichen Der erste tatsächliche Meilenstein wird am 30. Juni 2016 erreicht: Dann nämlich müssen alle EFPIA- und/ oder FSA-Mitgliedsunternehmen und ihre Tochtergesellschaften jene Zuwendungen auf ihren Webseiten veröffentlichen und zwar zum einen für das komplette Jahr 2015, zum anderen möglichst individuell unter namentlicher Nennung des Empfängers sowie Angabe seiner Geschäftsadresse. Zu einer ähnlichen Verpflichtung hat sich auch der Arzneimittel und Kooperation im Gesundheitswesen e.v. (AKG) entschlossen. Jetzt kommt es darauf an, den Transparenzkodex mit Leben zu erfüllen, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, die Daten zu erfassen und die Veröffentlichung mit den Betroffenen abzustimmen, wusste Fischer 1 doch leicht gesagt, schwer getan. Für die Dokumentation muss sichergestellt werden, dass die Zahlungen aus allen Abteilungen, BU-übergreifend, europaweit, unter Einbeziehung von Dienstleistern und Lieferanten erfasst werden vollständig und richtig. Die zweite Herausforderung: Für die Veröffentlichung muss zur Beachtung des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) eine schriftliche Genehmigung des Begünstigten eingeholt werden. Stimmen Ärzte und andere Angehörige der Fachkreise sowie medizinische Einrichtungen der Veröffentlichung zu, werden ihre Daten und die Höhe der Zuwendung in einer komplexen Excel-Tabelle erfasst und via Webseite des Unternehmens zugänglich gemacht. Lehnen sie diese individuelle Offenlegung ab, werden jene Zuwendungen summiert sodass zumindest die Summe der Ausgaben für Kooperationen mit Fachgruppen ersichtlich wird. Eine Ausnahme sei hier noch erwähnt: Handelt es sich um Zuwendungen im Zusammenhang mit Forschung und Entwicklung, z. B. bei Anwendungsbeobachtungen, erfolgt von vorneherein eine zusammengefasste Veröffentlichung ohne namentliche Nennung der einzelnen Empfänger. AggregateSpend360TM führt unstrukturierte Daten zusammen Bei der Lösung dieser Herausforderungen, die sich durch den Transparenzkodex für Pharma-Unternehmen ergeben, kann die webbasierte Software AggregateSpend360TM (AGS360) von IMS Health unterstützen. AGS360 kann alle gemäß der Compliance-Regelung erforderlichen Daten in eine Datenbank integrieren, diese bei Bedarf nachhalten, außerdem analysieren. AGS360 bietet über 90 definierte Schnittstellen zu den verschiedensten Systemen und Informationsquellen und ordnet sie in einer Datenbank einer spezifischen Person zu. Diese Customer Relation Management (CRM) Software bietet außer- 1 Entnommen einer Pressemitteilung des vfa vom 30. Mai 2014: 16

17 TECHNOLOGY & APPLICATIONS dem die Möglichkeit, dass die Leistungsempfänger vor Veröffentlichung mittels Passwort die Angaben kontrollieren. Nach der Freigabe können kodexkonforme länderspezifische Berichte erstellt werden, die zur Veröffentlichung auf den Unternehmens-Webseiten geeignet sind. Schriftliche Zustimmung einholen mithilfe von medinota Sowohl nach Vorgaben des FSA, als auch nach BDSG muss der Arzt im Vorfeld darüber unterrichtet werden, dass Zuwendungen an ihn veröffentlicht werden sollen und muss dem zustimmen. Auch bei dieser Aufgabe, eine schriftliche unterzeichnete Einwilligung vor der Veröffentlichung von jedem Leistungsempfänger einzuholen, kann IMS Health unterstützen: Die Fullservice-Lösung medinota schreibt Ärzte an und bittet um Zustimmung für das entsprechende Pharmaunternehmen. Alle Antworten durchlaufen eine Sichtprüfung. Anschließend ordnet medinota in einer webbasierten Anwendung dem jeweiligen Arzt Status und Formular zu. Angebundene Systeme, wie etwa AGS360, erhalten automatisch die Zustimmungen zur weiteren Verarbeitung. Demnach ergänzen sich beide Lösungen, können aber auch getrennt voneinander eingesetzt werden. Gemeinsam in einem Boot Erste in Deutschland gesammelte Erfahrungen mit medinota zeigen, dass mehr Ärzte der Veröffentlichung ihrer Zuwendungen von Seiten der Industrie zustimmen als zunächst erwartet und das ist gut so, denn: Für Industrie und Ärzteschaft geht es gleichermaßen darum, Glaubwürdigkeit, Akzeptanz und Vertrauen gegenüber Patienten zu sichern und dem langen Schatten alter Vorurteile und neuer Missverständnisse zu entkommen, so Fischer 1. Dass der Transparenzkodex nunmehr gilt und seine Vorgaben in die Tat umgesetzt werden, ist ein Meilenstein in Richtung größerer Transparenz der Zusammenarbeit im Gesundheitssystem! Birgit Fischer, Hauptgeschäftsführerin vfa 1 Abbildung 1: Meilensteine zur Realisierung des Transparenzkodex EFPIA HCP/HCO Disclosure Code 24. Juni 2013 Nationale Umsetzung in FSA Kodex Start Datensammlung in Mitgliedsunternehmen: ab Veröffentlichung bis: Susanne Ayen 1 Entnommen einer Pressemitteilung des vfa vom 30. Mai 2014: 17

18 TECHNOLOGY & APPLICATIONS Nutzung von Gesundheitsinformationen im Zeichen von Social Media Alle Suchmaschinen führen zu einem bestimmten Ort im Internet. Der Online-Enzyklopädie Wikipedia ist es gelungen, sich zu diesem Ort zu entwickeln. 63 % aller im weltweiten Netz suchenden Patienten landen erst einmal bei Wikipedia. Erst nach dem die entsprechende Wikipedia-Seite zu einem medizinischen oder pharmazeutischen Begriff aufgerufen und gelesen wurde, nutzt der online-affine Patient Kanäle wie Facebook, YouTube oder Twitter bzw. besucht weitere Internetseiten zum Thema Gesundheit. Digitaler Trampelpfad Dr. Google bietet dabei den meist genutzten Einstieg in die digitale Gesundheitswelt. Mit Yahoo und Bing gibt es zwar auch weitere Suchmaschinen im Netz, in Europa kommt allerdings Google eine herausragende Stellung zu. Die meisten Menschen nutzen Google täglich. Ohne es zu wissen, folgen viele Patienten einem digitalen Trampelpfad. Der Online-Nutzer wird durch die digitale Gesundheitswelt gesteuert und selektiv mit Informationen versorgt. Pharmazeutische Unternehmen interessieren sich daher immer stärker für die medizinischen und Gesundheitsthemen auf Wikipedia. Apotheker müssen immer stärker damit rechnen, dass der Patient sich dort Wissen bzw. Halbwissen aneignet. Abbildung 1: Die Patienten folgen einem digitalen Trampelpfad Ohne es zu wissen, folgen viele Patienten einem digitalen Trampelpfad. Stringent wird der online-affine Patient durch die digitale Gesundheitswelt gesteuert. Entsprechend selektiv wird der Internet-Nutzer allerdings auch mit Informationen versorgt. YAHOO!? 63 % aller online Patienten facebook YouTube patientslikeme Google bing informieren sich bei Wikipedia Quelle: IMS Health European Thought Leadership team / Social Media trends, Thomas Altmann (IMS Health Senior Manager Social Media), Heidelberg 16. Januar 2015 Twitter WebMD Instagram 18

19 TECHNOLOGY & APPLICATIONS Zusammenhang zwischen Internetinformation und Arzneimittelkauf Wie stark der Einfluss von Wikipedia auf die Abgabe von Arzneimitteln bereits ist, hat IMS HEALTH exemplarisch untersucht. Der Besuch der Wikipedia-Seite Erkältung bzw. der Wikipedia-Seite common cold in den USA zeigt zum Beispiel eine sehr hohe Korrelation mit der Arzneimittelabgabe von Brustsalben und Inhalatoren. Abbildung 2: Nutzung von Wikipedia und Arzneimittelabgabe zeigt eine hohe Korrelation Wie stark inzwischen der Einfluss von Wikipedia auf die Abgabe von Arzneimitteln ist zeigt eine Analyse des IMS Health European Thought Leadership Teams R 2 =.97 ATC-3* Abgabe Brustsalben und Inhalatoren und Besuche der Wikipedia-Seite Erkältung in den USA? Der Besuch der Wikipedia-Seite Erkältung zeigt eine hohe Korrelation mit der Arzneimittelabgabe von Brustsalben und Inhalatoren (ATC-3 Niveau) in den USA. Basis: Abgabe einzelner Zähleinheiten Arzneimittel-Abgabe Besuche der Wikipedia-Seite Erkältung in den USA Quelle: IMS Health European Thought Leadership * Anatomical Therapeutic Chemical (ATC) Classification System, ATC-3 = Third level (3. Niveau). Korrelation zwischen chest rubs and inhalants und der Wikipedia Seite common cold in den USA Patienten informieren sich demnach über das Wissenschaftsportal von Wikipedia zu bestimmten Arzneimitteln. Detailanalysen zeigen des Weiteren, dass sich Nutzer aller Altersgruppen mittels der Online-Enzyklopädie Informationen verschaffen, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten und auf unterschiedliche Weise. Während jüngere Menschen der sog. Generation Y sich tendenziell bereits vor einem Arzt- oder Apothekenbesuch im Internet informieren, nutzen die sog. Silver Surfer Wikipedia und weitere Internetseiten, um z. B. Diagnosen oder mögliche Therapiealternativen nach dem Arzt- bzw. Apothekenbesuch zu hinterfragen. Darüber hinaus geht die Generation Y eher mobil online. Aus der mobilen Internetnutzung via Smartphone ergeben sich wiederum andere Bedürfnisse und Möglichkeiten. 19

20 TECHNOLOGY & APPLICATIONS Wir betrachten Mobile als neue Chance. ( ) Ein stationärer Rechner liefert kaum Informationen über die Nutzungssituation. Wenn Menschen jedoch über Mobile- Geräte ins Web gehen, dann lässt sich bestimmen, ob diese Nutzer beispielsweise unterwegs zur Arbeit oder beim Shoppen sind. ( ) Daniel Alegre (Google - President of Global Partner Business Solutions), Quelle: W&V Nr , S. 55 Die Aussage ließe sich z. B. wie folgt weiterführen: oder ob diese Menschen eine Erkältung haben, sich mit dem Smartphone via Google bei Wikipedia informieren und dann ein Grippemittel oder ein Rhinologikum in der nächsten Apotheke kaufen.. Der mobile Internetzugang, Google, Wikipedia und Co. bilden den digitalen Trampelpfad, dem der Nutzer folgt. Der Wettbewerbsvorteil der Vorort-Apotheke besteht darin, dass sie die Umsetzung einer Problemlösung im Hier und Jetzt bietet, wenn der mobile Internetnutzer gezielt in die Apotheke gelotst wird. Aber nicht nur die Patienten, sondern auch Ärzte verändern durch die Digitalisierung des Alltags ihr Verordnungsverhalten. Wesentliche Impulse gehen dabei oftmals von Patienten aus. Studien von Manhattan Research und Google zeigen z. B., dass 68 % aller Ärzte während bzw. direkt nach dem Patientengespräch ungeklärte Fragen im Internet recherchieren. Dabei ist wiederum Wikipedia die wichtigste Informationsplattform. Fazit: Durch die zunehmende Digitalisierung rückt der Patient immer stärker ins Zentrum der Betrachtung und beeinflusst somit das Internetverhalten von Gesundheitsversorgern. Dieser Entwicklung müssen die verschiedenen an der Versorgungskette Beteiligten Rechnung tragen. Frank Weissenfeldt 20

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