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1 Die Referenten: Ronen Steinke: Ronen Steinke, Dr. jur., geboren 1983, arbeitet als Journalist in der Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Zuvor studierte er Jura und Kriminologie, arbeitete in Anwaltskanzleien, einem Jugendgefängnis und zuletzt beim UN-Jugoslawientribunal in Den Haag. Am 1. Oktober 2013 erscheint seine Biographie Fritz Bauers, für die er zahlreiche Gespräche mit Zeitzeugen geführt hat, "Fritz Bauer: oder Auschwitz vor Gericht", im Piper Verlag. Copyright Ulrike Steinke Vortrag: Fritz Bauer: Ein Leben für die Aufklärung Fritz Bauer war einer der außergewöhnlichsten politischen Köpfe der deutschen Geschichte: Inmitten einer Justiz, die in der Nachkriegszeit noch immer von braunen Seilschaften geprägt war, setzte er den großen Frankfurter Auschwitz-Prozess durch. Er kooperierte mit dem israelischen Geheimdienst, um Adolf Eichmann vor Gericht zu bringen. Dabei wurde auch seine eigene, persönliche Geschichte als jüdischer Sozialdemokrat, der selbst im KZ war zum Politikum. Nach seinem plötzlichen Tod 1968 geriet er lange in Vergessenheit. Ronen Steinke schildert Leben und Werk eines großen Juristen und Humanisten.

2 Werner Renz: M.A., Studium der Germanistik, Linguistik und Philosophie. Seit 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut (Frankfurt am Main). Neuere Publikationen:»Der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess und die deutsche Öffentlichkeit. Anmerkungen zur Entmythologisierung eines NSG-Verfahrens«, in: NS- Prozesse und deutsche Öffentlichkeit. Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR, hrsg. von Jörg Osterloh und Clemens Vollnhals. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, S ;»Fritz Bauer zum Zweck der NS-Prozesse. Eine Rekonstruktion«, in: Einsicht 07. Bulletin des Fritz Bauer Instituts (April 2012), S ; Werner Renz (Hrsg.), Interessen um Eichmann. Israelische Justiz, deutsche Strafverfolgung und alte Kameradschaften. Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag, 2012; Raphael Gross, Werner Renz (Hrsg.), Der Frankfurter Auschwitz-Prozess ( ). Kommentierte Quellenedition, 2 Bde, Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag, Vortrag: Der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess, die»strafsache gegen Mulka und andere«, war und ist das bedeutendste bundesdeutsche Verfahren gegen nationalsozialistische Gewaltverbrecher. Dieser Strafprozess nimmt sowohl erinnerungspolitisch als auch rechtshistorisch eine Ausnahmestellung ein. In seinem Vortrag stellt Werner Renz die Vorgeschichte und den Verlauf des Verfahrens dar und zeigt auf, mit welchen Schwierigkeiten Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre Juristen zu kämpfen hatten, die in Verantwortung vor der Geschichte und ihrem unvergänglichen Erbe, nach Recht und Gesetz die NS-Verbrechen zu verfolgen und zu ahnden versuchten. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess endete mit einem Urteil, das verantwortliche»ss-führer«in wichtigen Funktionsstellungen als Gehilfen und niedere Chargen, die eigenmächtig getötet hatten, als Täter qualifizierte. Die Gehilfen kamen mit zeitigen Freiheitsstrafen davon, die Exzesstäter wurden zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Der Vortrag schlägt den Bogen zum Münchner Demjanjuk-Prozess, in dem eine Rechtsauffassung zum Tragen kam, die bereits von der Anklagevertretung im Auschwitz-Prozess vorgetragen wurde.

3 Fritz Endemann: Der Referent Fritz Endemann war bis zu seinem Ruhestand Verwaltungsrichter in Stuttgart. Daneben hat er schon seit langem historisch gearbeitet, insbesondere durch Veröffentlichungen und Vorträgen zur juristischen Zeitgeschichte. Fritz Endemann war Initiator des Mahnmals für die Opfer der NS-Justiz am Stuttgarter Landgericht. Im Rahmen des Seminars Die braune Spur in der Nachkriegsjustiz referierte er 2011 in Königsbronn über: Deutsche Richter von der Avantgarde des Liberalismus zu Hitlers willigen Vollstreckern. Während seiner Tätigkeit als Generalstaatsanwalt in Braunschweig ( ) und in Frankfurt/Main ( ) wurde Fritz Bauer vielfach diffamiert und angefeindet; in der Justiz war er weitgehend isoliert. Nach seinem Tod wurde er fast vergessen. Erst Jahrzehnte später begann man, seine eminente Bedeutung für die Auseinandersetzung der jungen Bundesrepublik mit den NS-Verbrechen zu erkennen und zu würdigen. Heute ist immer noch viel zu tun, die historischen Verdienste Fritz Bauers der deutschen Öffentlichkeit, insbesondere auch der Justiz, nahe zu bringen. Denn diese Verdienste sind nicht nur Geschichte, sie enthalten Lektionen, die, wie jüngste Ereignisse lehren, für die Gegenwart und Zukunft unseres Gemeinwesens bedeutsam sind. Dazu möchte der Vortrag beitragen.

4 Klaus Pflieger: Geboren 1947 in Stuttgart; ab 1975 bei der Stuttgarter Justiz tätig - zunächst als Richter, dann als Staatsanwalt; zwischen 1980 und 1995 bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe vor allem zuständig für Strafverfahren gegen RAF-Mitglieder (darunter Peter-Jürgen Boock, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar), aber auch für die Ermittlungen wegen des Oktoberfestattentats 1980, der Polizistenmorde an der Startbahn 18 West 1987 und der Brandanschläge von Mölln 1992 und auf die Lübecker Synagoge 1993; ab 1995 Leiter der Staatsanwaltschaft Stuttgart und ab 2001 als Stuttgarter Generalstaatsanwalt verantwortlich für alle Staatsanwaltschaften in Württemberg; Verfasser des Buches Die Rote Armee Fraktion bis sowie Herausgeber des Buches Die Geschichte(n) der württembergischen Staatsanwaltschaften ; seit im Ruhestand.

5 Sibylle Thelen Sibylle Thelen ist Abteilungsleiterin bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden- Württemberg und dort zugleich zuständig für den Fachbereich Gedenkstättenarbeit. Sie hat Politologie, Turkologie und Kommunikationswissenschaften studiert. Zuletzt erschien ihr Buch Die Armenierfrage in der Türkei. Urheberverweis: Kottmann

6 Die Moderation: Herrn Dr. Alfred Geisel Dr. Alfred Geisel ist Sprecher der Baden-Württembergischen Regionalgruppe des Vereins Gegen Vergessen Für Demokratie der die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und an die Unrechtspolitik der SED-Diktatur wach halten will. Der gelernte Jurist gehörte von 1972 bis 1996 dem Landtag Baden-Württemberg an. Von 1980 bis zu seinem Ausscheiden war er Erster Stellvertretender Präsident des Landtags.

7 Herrn Michael Stütz Bürgermeister Michael Stütz (1961) Wurde 1990 als Bürgermeister in der Gemeinde Königsbronn gewählt. Bereits in seinem Wahlkampf versprach er, dass Thema Georg Elser aufzugreifen. Nahezu fünf Jahrzehnte wurde Georg Elser im Ort verschwiegen, vergessen und verdrängt. Bereits in seinem ersten Amtsjahr gelang es Michael Stütz einen Gemeinderatsbeschluss herbei zu führen, im Ort eine Gedenkstätte einzurichten. Zum 50. Todestag am 09. April 1995 organisierte die Gemeinde die erste Gedenkveranstaltung. Maßgeblich war Michael Stütz an der Errichtung an der Georg Elser Gedenkstätte 1998 beteiligt.

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