Vorbereitung von Studierenden der Medizin auf das Arzt- Patientengespräch mit Menschen mit unterschiedlichen kommunikativen

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1 Anja Seidel Vorbereitung von Studierenden der Medizin auf das Arzt- Patientengespräch mit Menschen mit unterschiedlichen kommunikativen Einschränkungen In der Konvention über die Rechte behinderter Menschen wird ausdrücklich auf den barrierefreien Zugang zu Kommunikation und Informationen als Grundlage einer selbstständigen und selbstbestimmten Lebensgestaltung hingewiesen. Artikel 25 fordert das Recht auf Information und Aufklärung in der gesundheitlichen Versorgung und verweist auf die besondere Bedeutung informierter, aufgeklärter Patienten. Dieser Anspruch muss sich auch in der Medizinerausbildung widerspiegeln. Künftigen Ärztinnen und Ärzten wird im Lehrangebot der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig vermittelt, spezifische Probleme behinderter und chronisch kranker Menschen in der medizinischen Versorgung zu erkennen, um eine adäquate medizinische Betreuung zu gewährleisten. Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Informationen zur kommunikativen Barrierefreiheit in der medizinischen Versorgung. Im Beitrag werden Lehrangebote im Fach Sozialmedizin für Studierende der klinischen Semester des Studienganges Humanmedizin vorgestellt, die auf die Kommunikation mit behinderten/chronisch kranken Patienten vorbereiten sollen. Im Querschnittsbereich 12: Rehabilitation, für alle Studierenden der Humanmedizin obligatorisch, ist die soziale Rehabilitation Teil der Ausbildung. Diese umfasst auch die Verständigung mit der Umwelt. Es werden verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation mit Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen, wie die Gebärdensprache, Bliss, Unterstützte Kommunikation und Leichte Sprache, vorgestellt und auf die Besonderheiten eines Arzt- Patienten-Gesprächs mit beeinträchtigten Patienten eingegangen. Vertiefend bietet die Sozialmedizin in Leipzig das Wahlfach "Kommunikation mit hörgeschädigten Menschen" an. Die Studierenden sind am Ende des Lehrganges in der Lage, den Kontakt zum Patienten herzustellen, ein einfaches Anamnesegespräch zu gebärden und notwendige Maßnahmen zu erläutern. Dazu stehen ertaubte Gesprächspartner zur Verfügung. Gesundheit Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Dokumentation 20. Kongress Armut und Gesundheit, Berlin 2015 Seite 1 von 2

2 Bildquellen: Fotos eigene Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e.v. Illustrator Stefan Albers, Atelier Fleetinsel, 2013 Reinhild Kassing Kontakt Anja Seidel Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health Philipp-Rosenthal-Str Leipzig Tel: Fax: Gesundheit Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Dokumentation 20. Kongress Armut und Gesundheit, Berlin 2015 Seite 2 von 2

3 Vorbereitung von Studierenden der Humanmedizin auf Patienten mit Behinderungen Anja Seidel Soziologin

4 Realität der medizinischen Betreuung behinderter Menschen Es gibt kaum Therapiestudien, in die Menschen mit Behinderungen einbezogen werden. Es gibt kaum Medikamentenstudien, in die Menschen mit Behinderungen einbezogen werden. Es gibt kaum Bedarfsanalysen zur medizinischen Betreuung behinderter Menschen. Die medizinische Versorgung behinderter Patienten wird nur unzureichend im Medizinstudium thematisiert. Die Kommunikation mit hörgeschädigten, sprachgestörten oder intellektuell beeinträchtigten Menschen wird nicht erlernt Armut und Gesundheit

5 Beispiel aus unseren Forschungsarbeiten Verunsicherungen vor allem ambulant tätiger Ärzte führt zu mehr geburtsmedizinischen Eingriffen Entbindungsart Armut und Gesundheit

6 Unser Konzept in der Einheit von Forschung, Lehre und Praxis Lehre Teilhabe Forschung Begleitung Praxis Armut und Gesundheit

7 Das Thema Leben mit Behinderungen im Medizinstudium Seminare Sozialmedizin: Hospitation in Selbsthilfegruppen/ Behindertenverbänden (1 UE) Vorlesung Sozialmedizin: Elternschaft und Behinderung (1 UE) Querschnittsfach Rehabilitation: Kommunikationshilfen, Hilfsmittel, Hilfsmitteltraining (3 UE) Wahlfach: Kommunikation mit hörgeschädigten Patienten (28 UE) Wahlfach: Sexualität, Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft mit Behinderungen (28 UE) Arm ut und Gesundheit

8 In fast allen Bildungsangeboten sind Menschen mit Behinderungen als Gesprächspartner beteiligt. Gewinn für uns: Wir erreichen mehr Authentizität in der Lehre Bei einem knappen Zeitbudget wird Lehre so sehr nachhaltig Armut und Gesundheit

9 Lernziel der Hospitationen im Fach Sozialmedizin Welche Bedeutung haben chronisch kranke und behinderte Patienten für die ärztliche Tätigkeit Welche Versorgungsansprüche haben chronisch kranke und behinderte Patienten Wo benötigt der chronisch kranke und behinderte Patient die Unterstützung des Arztes Was sollte der Arzt im Umgang mit chronisch kranken und behinderten Patienten beachten Verständnis für die lebensweltliche Dimension von chronischer Erkrankung und Behinderung Arm ut und Gesundheit

10 Unsere Hospitationspartner Armut und Gesundheit

11 Vorbereitung der Termine und Kontaktpflege Bei Erstkontakt Erläuterung des Zieles der Hospitation, Gruppenmitglieder entscheiden über Zusammenarbeit Gruppen werden von uns angeschrieben und um Terminvorschläge gebeten Unklare Termine werden geklärt Nach Vergabe der Termine in den Seminargruppen erfolgt Rückmeldung an Hospitationsgruppen Dankschreiben an die Gruppen Auswertung der Hospitationen und Berichte mit den Hospitationspartnern im Rahmen von Seminaren Gemeinsame Fachtagungen mit den Selbsthilfegruppen und Behindertenverbänden Arm ut und Gesundheit

12 Arm ut und Gesundheit

13 Vorbereitung der Studierenden auf die Hospitation Vorstellen der Hospitationsgruppen in den Seminaren Studenten erhalten schriftlich die Termine und Daten für die Hospitation Dazu bekommen sie einen Beipackzettel, in dem die Anforderungen für Hospitation und Protokolle stehen Von den Gruppen erhalten sie spezifisches Informationsmaterial Im QSB Rehabilitation (5. Studienjahr) wird über die Erfahrungen in den Hospitationsgruppen gesprochen und Kontextfaktoren für das Leben mit Behinderungen herausgearbeitet Arm ut und Gesundheit

14 Nutzen für die Studierenden Arm ut und Gesundheit

15 D. L. (Gruppe: Trockene Alkoholiker) Zitate der Studierenden Ich war von der Hospitation bei der SHG WEG positiv überrascht, da sie sehr offen auf all unsere Fragen geantwortet haben und auch von sich aus ihre Geschichten erzählen wollten und uns somit geholfen haben, das Problem der Alkoholsucht besser zu verstehen. Vielleicht hat mir die Hospitation einige Vorurteile gegenüber Alkoholikern genommen. E. K. (Gruppe: Blindenstammtisch) Der Besuch der Gruppe hat sich für mich gelohnt, da ich vorher keinen blinden Menschen kannte und es sehr interessant war zu erfahren, wie diese die Welt erleben und welche Probleme sich bei der Bewältigung des Alltags auftun. M. W. (Gruppe: Osteoporosesportgruppe der Aktiven Senioren ) Für mich war es ein interessanter Einblick in einen Bereich der Medizin, der von vielen als solcher nicht gleich wahrgenommen wird. Es hat mir gezeigt, dass das Aufgabenfeld für Ärzte doch sehr viel breiter gefächert ist, als viele denken und dass es wichtig ist, sich darüber zu informieren, welche Möglichkeiten sich in dem Beruf als Arzt und seiner Nebentätigkeiten bieten. Arm ut und Gesundheit

16 D. Sch. (Gruppe: Deutschen Parkinson Vereinigung, RG Leipzig) Die Hospitation in der Regionalgruppe der Deutschen Parkinson Vereinigung und die persönlichen Gespräche mit Betroffenen haben mir zum einen den Eindruck über den Mut und die Stärke vieler Parkinson-Patienten vermittelt und zum anderen einen Eindruck in die Probleme des Alltags und die veränderte Lebensführung gegeben. Besonders beeindruckend für mich war die Wärme, mit der sich Betroffene und Angehörige begegnet sind und mit der sie mich in ihrem Kreise begrüßt haben Arm ut und Gesundheit

17 Kommunikation mit hörgeschädigten Patienten Bestandteil des Kurses sind lebensweltliche Probleme hörgeschädigter Menschen Anforderungen an die Arzt-Patienten-Kommunikation bei hörgeschädigten Patienten Barrierefreie Terminvereinbarung und Information Hilfsmittel und Hilfsmittelversorgung grundlegende Gebärden der Deutschen Gebärdensprache. Die Dozentin ist selbst ertaubt Armut und Gesundheit

18 Sie haben uns jungen Menschen die Angst und Hemmungen im Umgang mit den Gehörlosen genommen und uns gezeigt, wir schön es sein kann, aufeinander zuzugehen und sich mit wenigen Worten in der Gebärdensprache zu verständigen, schrieben Studierende nach Abschluss ihres Kurses Armut und Gesundheit

19 Sexualität, Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft mit Behinderung Das Ziel des Kurses besteht darin, Standpunkte und Kenntnisse zu erarbeiten zu den Themen: Entwicklung der Sexualität behinderter Jugendlicher Umgang mit Sexualität und Partnerschaft behinderter Menschen medizinische und psychosoziale Betreuung Lebenssituation behinderter und chronisch kranker Eltern rechtliche Regelungen zur Unterstützung behinderter und chronisch kranker Eltern und deren Kinder Armut und Gesundheit

20 Besonders die Einbeziehung von unterschiedlichen Experten und Eltern mit körperlichen, geistigen oder Sinnesbehinderungen bewirkt einen nachhaltigen Eindruck bei den Studierenden. Während der Kurse konnten Unsicherheiten und Berührungsängste abgebaut werden Armut und Gesundheit

21 Fazit unserer Arbeit Menschen mit Behinderungen müssen gleichberechtigt ihre Interessen selbst vertreten können In der Aus- und Weiterbildung müssen heilende, pflegende und helfende Berufe auf die Begegnung mit selbstbestimmten behinderten Menschen vorbereitet werden. Es besteht großer Bedarf an wissenschaftlichen Analysen in der Medizin und Sozialwissenschaft, um Wissenslücken zu schließen. Teilhabe in Forschung, Lehre und Praxis unser Weg zur Inklusion Arm ut und Gesundheit

22 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Danke. Sie haben gut zu-gehört Armut und Gesundheit

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