Titel des Interviews: Elektronische Zahlungssysteme für den E-Commerce

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1 E-Interview Titel des Interviews: Elektronische Zahlungssysteme für den E-Commerce Name: Dr. Armin Sageder Unternehmen: d.paysafecard.com GmbH, Düsseldorf Funktion im Unternehmen: Gründer, Sprecher des Vorstands paysafecard.com Wertkarten AG, Wien und Geschäftsführer d.paysafecard.com GmbH, Düsseldorf Kurzeinführung in das Titel-Thema: Nach einer Welle der Euphorie musste der B2C E-Commerce im letzten Jahr mit den Pleiten zahlreicher Dotcoms und den Kurseinbrüchen am Neuen Markt starke Rückschläge hinnehmen. Nach verbreiteter Ansicht lag dies daran, dass die Infrastruktur für den E-Commerce noch unzureichend entwickelt war, während gleichzeitig Milliardenbeträge für Marketing ausgegeben wurden. Ein Bestandteil dieser Infrastruktur sind elektronische Zahlungssysteme, die das Thema dieses Interviews mit Herrn Dr. Sageder, Geschäftsführer der paysafecard.com GmbH in Düsseldorf, bilden. Sehr geehrter Herr Dr. Sageder, Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Meinung nach erfüllt sein, damit E-Commerce ein Einkaufsmedium für die breite Masse der Konsumenten werden kann? Wie groß ist die Bedeutung funktionsfähiger elektronischer Zahlungssysteme für den E-Commerce? Noch steht die Internet-Wirtschaft am Anfang. Zur Zeit sind etwa 20 Millionen Deutsche online, etwa 8 Millionen nutzen das Netz täglich. Die Möglichkeiten des Internet stehen daher der breiten Masse der Konsumenten im Moment noch nicht zur Verfügung. Damit E-Commerce ein Einkaufsmedium für alle Konsumenten werden

2 kann, muss zunächst gewährleistet sein, dass auch alle Zugang zum Internet besitzen. Weitere Voraussetzung ist eine geeignete Infrastruktur, vor allem im Bereich Logistik, die sicherstellt, dass die Produkte den Endkonsumenten erreichen. Besonders bedeutsam in diesem Zusammenhang ist das Vorhandensein eines Zahlungssystems, das den Anforderungen der breiten Masse gerecht wird. Jedoch sind in der heutigen Zeit technische und infrastrukturelle Gegebenheiten nicht mehr das einzig Entscheidende, um aus dem Internet ein Einkaufsmedium für die breite Masse der Konsumenten zu machen. Shoppen im Internet muss vielmehr gegenüber den traditionellen Einkaufsmethoden einen attraktiven Mehrwert bieten. Das Web muss zum Erlebnis für den User werden oder neue Möglichkeiten eröffnen, die im stationären Handel nicht geboten werden. Welche Bedingungen muss ein elektronisches Zahlungssystem erfüllen, um von privaten Kunden akzeptiert zu werden? Welche grundsätzlichen Modelle von Zahlungssystemen halten Sie für die erfolgversprechendsten? Ein genauerer Blick auf die Motive jener User, die bisher das Internet nicht zum Shoppen nutzen, gibt Aufschluss über die Bedingungen, die an ein elektronisches Zahlungssystem gestellt werden. Zunächst sollte jeder Internet User die Möglichkeit haben, das Zahlungssystem zu nutzen. Es sollten somit keinerlei Beschränkungen hinsichtlich Alter, privatem Hintergrund oder technischen Voraussetzungen existieren. So verfügen beispielsweise nur circa 30% aller Berufstätigen in Deutschland über eine Kreditkarte. Alle unter 18-jährigen sind aufgrund der strengen Bonitätsanforderungen der Kartenorganisationen und Banken vom Kreditkartenbesitz ausgeschlossen. Für viele bereits bestehende Zahlungssysteme müssen entweder Hardware angeschafft oder Software heruntergeladen werden. Auch sind bei den meisten Methoden Vertragsabschlüsse notwendig, die aus Altersgründen oft nicht möglich und teilweise mit Gebühren verbunden sind. Hinter dieser Problematik verbirgt sich die Forderung

3 nach der einfachen Handhabung der Zahlungsmethode. Die Nutzung sollte für den User mit möglichst wenig Aufwand verbunden und einfach zu verstehen sein. Daran schließt sich direkt die Forderung nach der Sicherheit. Viele User haben Sicherheitsbedenken und scheuen aus diesem Grund davor zurück, das Internet als Einkaufsmedium zu nutzen. Diese Sicherheitsbedenken beziehen sich vor allem auf die Angst vor Missbrauch oder Hackern. Dieses Thema wird überdies in letzter Zeit sehr stark in der Presse diskutiert und aufgebauscht. Immer lauter wird die Forderung nach Anonymität. Sehr häufig müssen bei unterschiedlichsten Diensten im Internet persönliche Daten angegeben werden, die teilweise auch für Marketingzwecke benutzt werden. Der Nutzer möchte jedoch gerade mit Hinblick auf bestimmte Bereiche wie z.b. Erotik anonym bleiben. Laut einer Studie ist für 85% der User Anonymität der wichtigste Einflussfaktor bei der Nutzung des Internet. 81% der Internet-User haben Angst vor Eingriffen in ihre Privatsphäre und 68% der User würden auch shoppen, wenn die Sicherheit gewährleistet werden könnte. 1 In Zukunft werden voraussichtlich solche Zahlungssysteme am erfolgreichsten sein, die entweder all diese Bedingungen bestmöglich erfüllen oder zumindest einigen dieser Forderungen vollständig gerecht werden können. Erfolg werden diejenigen Systeme haben, die auf eine große Akzeptanz in der Masse der Endkonsumenten zurückgreifen können. Hierbei gilt es jedoch zu beachten, dass nicht nur die Wünsche der User berücksichtigt werden sollen, sondern auch die Web-Shops ihren Nutzen aus dem jeweiligen Zahlungssystem ziehen müssen. Ebenso wie für den Endkonsumenten soll das Zahlungssystem für den Web-Shop einfach zu implementieren und möglichst kostengünstig sein. Von zusätzlichem Vorteil ist natürlich auch ein System, das micropaymentfähig ist und damit neue Geschäftsmodelle eröffnen kann. 1 Quelle:

4 Zur Zeit befinden sich mindestens ein Dutzend elektronische Zahlungssysteme in unterschiedlichen Stadien der Erprobung. Konkurrieren diese Systeme alle miteinander oder können Sie sich auch vorstellen, dass verschiedene elektronische Zahlungsmittel koexistieren? Wie viele Zahlungssysteme werden sich Ihrer Ansicht nach längerfristig am Markt etablieren? Die bis jetzt existierenden elektronischen Zahlungssysteme haben alle ihre Stärken und Schwächen. Es sind teilweise Verfahren, die eigentlich für einen anderen Einsatz konzipiert wurden (z.b. Kreditkarten). Andere sind nur in bestimmten Bereichen des Internet einsatzfähig, da sie zum Beispiel nicht micropaymentfähig sind. Viele erfüllen die Forderung nach Sicherheit nicht, einige verlangen eine Investition in zusätzliche Hardware wie Lesegeräte oder die Installation von Software. Kaum eine der bestehenden Methoden kann absolute Anonymität garantieren. Es hängt nun von den Bedürfnissen und der Bereitschaft des jeweiligen Users ab, für welches Zahlungssystem er sich letztendlich entscheidet. Manche sind bereit, Investitionen vorzunehmen, um in jedem Fall anonym zu bleiben. Andere machen Abstriche bei der Sicherheit der Transaktionen und legen dafür größeren Wert auf die einfache Handhabung. Somit ist es durchaus wahrscheinlich, dass auch in Zukunft noch mehrere verschiedene Zahlungssysteme nebeneinander existieren werden. Der Kunde trifft letztendlich die Entscheidung über seine Zahlungsoption. Der Online-Start der paysafecard ist in Deutschland für den 31. Mai 2001 vorgesehen. Was ist das Konzept der paysafecard und worin bestehen seine Vorteile für Händler und Endkonsumenten? Paysafecard ist Europas erste Prepaid-Karte zum Shoppen im Internet und zur Nutzung von Telefon- und Mobilfunkdiensten. Ab 31. Mai ist paysafecard im stationären Handel, wie z.b. Bertelsmann Der Club, Commerzbank Shops und Tankstellen, erhältlich und kann sofort nach dem Kauf benutzt werden. Über einen

5 16-stelligen PIN-Code, der auf der Rückseite freigerubbelt wird, kann der User Produkte bei unseren Partner-Web-Shops einkaufen. Der Benutzer muß keinerlei persönliche Daten preisgeben, Angaben zu Bankverbindungen oder Kreditkartennummern sind nicht nötig. Zur Benutzung der paysafecard sind weder Softwareinstallationen noch zusätzliche Hardware erforderlich. Somit stellt paysafecard ein besonders einfaches Zahlungsmittel fürs Shoppen im Internet dar, das zudem geeignet ist für all jene, die, wie z.b. Jugendliche, keine Kreditkarte besitzen oder davor zurückscheuen, ihre Kreditkarte im Web einzusetzen. Im Hinblick auf Web-Shops ermöglicht die paysafecard den Zugang zu Kundengruppen, die bisher für bestehende Zahlungsmittel nicht zu erschließen waren. Dieses Neukundenpotential kann proportional wachsende Umsatzsteigerungen mit sich bringen. Als Prepaid-Karte bringt die paysafecard eine Zahlungsgarantie mit sich, da der Kartengegenwert vorausbezahlt werden muss. Zusätzlich eröffnen sich für viele Web-Shops neue Geschäftsmodelle, da die paysafecard micropaymentfähig ist, d.h. es kann ab 1 Euro Cent abgerechnet werden. Das System der paysafecard scheint zunächst nur für Privatkunden geeignet zu sein. Lässt sich Ihrer Ansicht nach das Konzept auch auf den Handel zwischen Unternehmen übertragen? Welche Modifikationen wären gegebenenfalls dafür erforderlich? Mit paysafecard sprechen wir als User die Endkonsumenten an, denn dies ist die Zielgruppe, die bis dato mit den existierenden Zahlungsmitteln im Internet noch nicht die erwarteten Umsätze tätigt. B2B Geschäftsbeziehungen sind zwar angesichts der Umsätze interessant, hier bestehen aber in der Regel langjährige vertragliche Geschäftsbeziehungen, die nun auch über das Internet abgewickelt werden. D.h. das Risiko eines Zahlungsausfalls ist relativ gering, Anonymität ist nicht erwünscht, und die Geldströme werden auf den klassischen offline Wegen abgewickelt. Die Abwicklung von Transaktionen über B2B Marktplätze, denen keine langfristigen Geschäftsbeziehungen zugrunde liegen müssen, stellt zwar z.t. ähnliche

6 Anforderungen, vor allem hinsichtlich der Sicherheit der Transaktionen und einer Zahlungsgarantie, doch geht es im dort um Beträge in Größenordnungen, für die eine Bezahlung über Prepaid-Karten nicht mehr in Frage kommt. Aus diesem Grund fokussieren wir uns auch in Zukunft weiterhin auf den Endkonsumenten. Der allgemeinen Erfahrung nach ist die überwiegende Zahl der Internet-Nutzer nicht bereit, für Leistungen (z.b. Informationen, Musik oder Software) zu bezahlen. Erwarten Sie, dass sich dies in absehbarer Zeit ändert und dass micropaymentfähige Zahlungsmittel dazu beitragen können? Bis jetzt gab es kein marktrelevantes Zahlungssystem, das sich im Bereich Micropayment etablieren konnte. Deshalb sind die Informationen bis dato auch kostenfrei. Dennoch verfügen viele Content-Anbieter über Informationen, die sie bis jetzt nicht im Netz, sondern ausschließlich offline oder in Memberbereichen online publiziert haben. Dies können Informationen aus Datenbankrecherchen, tagesaktuelle News oder Downloads sein. So wird sich zukünftig die Informationstiefe im Internet deutlich steigern lassen. Für diese Art von Informationen werden die User auch bereit sein, Kleinstbeträge zu bezahlen, wenn sie sich dadurch z.b. den Weg zum Kiosk oder in die Buchhandlung ersparen können. Aus der Erfahrung unserer Gespräche mit Partnern gehen wir davon aus, dass micropaymentfähige Zahlungssysteme diese neuen Geschäftsmodelle realisierbar machen werden. Wie gewinnt man Kunden und Händler für ein neues Zahlungssystem? Welche Marketing-Maßnahmen werden in diesem Zusammenhang eingesetzt? Welche Rolle spielen dabei Online- und Offline- Marketing? Sind für verschiedene Zielgruppen auch unterschiedliche Marketing-Strategien erforderlich?

7 Bis zum Markteintritt am werden wir ein attraktives Angebot an Web Shops und Vertriebsstellen akquiriert haben, welches sich täglich erweitern wird. Die Akquisition unterstützen wir marketingseitig durch gezielte B2B Maßnahmen, wie z.b. Pressearbeit und Auftritte auf Messen und Veranstaltungen (CeBIT, Internet World, Perfect Cash). Die User werden durch eine umfassende Marketing- Kampagne angesprochen, die ein ausgewogenes Verhältnis von Off- und Online- Maßnahmen umfasst. Diese Maßnahmen werden auf unsere Zielgruppen abgestimmt und in entsprechend affinen Medien gestreut. Der Onlinestart der paysafecard in Österreich liegt etwa ein halbes Jahr zurück. Wie sind Sie mit dem bisher Erreichten zufrieden? In welche Länder außer Deutschland wollen Sie in Ihrem ersten Geschäftsjahr noch expandieren? Wie sieht Ihre weitere Planung für die nächsten drei Jahre aus? In Österreich sind wir seit Mitte November auf dem Markt. Nach dem ersten halben Jahr können wir von einem sehr erfolgreichen Start sprechen. Paysafecard erfreut sich einer hohen Bekanntheit und wird von den Usern und unseren Partnern gut angenommen. Der Markteintritt in Deutschland Ende Mai wird dem österreichischen Geschäft einen weiteren Schub bringen, da wir im Zuge der Akquisition von Webshops die Einsatzmöglichkeiten der paysafecard deutlich erweitern werden. Internationalisierungsplanungen sind bereits seit einigen Monaten im Gange. Der Focus liegt hierbei zunächst auf dem europäischen Markt. Unser Ziel ist es, nächstes Jahr zwei weitere Länder anzuschließen und so bis 2003 Europas führendes Prepaid Zahlungsmittel im Internet zu werden. Vielen Dank, Herr Dr. Sageder, für das Interview!

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