Model Code II Verhaltensweisen bei Handelsgeschäften

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1 Model Code II Verhaltensweisen bei Handelsgeschäften Skriptum für ACI Dealing und Operations Certificate und ACI Diploma In Zusammenarbeit mit den ACI-Organisationen Deutschland, Luxembourg, Österreich und Schweiz Stand: 02. April 2010 Für den Inhalt verantwortlich: Finance Trainer International Ges.m.b.H.

2 MODEL CODE II 1. Handelszeiten Persönliches Verhalten Back Office, Zahlungen und Bestätigungen Streitfälle, Differenzen, Vermittlung und Erfüllung Berechtigung, Dokumentation und Telefon-Bandaufnahmen Broker und Provisionen Handelspraxis Handelspraxis für spezielle Transaktionen Allgemeine Regeln für das Risikomanagement im Handel Richtlinien für Handel mit Firmenkunden mit eigenem Treasury...34 FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 2 von 35

3 MODEL CODE II Entwicklung und Ziele Im Mai 2000 präsentierte das Committee for Professonalism (CfP) des ACI erstmals den Model Code, mit dem Ziel einen weltweit akzeptierten Verhaltenskodex im Geld- und Devisenhandel zu etablieren. Die Bestimmungen und Ausführungen der wichtigsten Codes of Conduct in der jeweiligen Letztfassung wurden zusammengeführt und zu einem einheitlichen Regelwerk geformt. Folgende Codes bildeten dabei die Grundlage: ACI Code of Conduct (Fassung 1998) The Guidelines for Foreign Exchange Trading Activities (1995) The London Code of Conduct (1999) The French Code of Conduct (1999) The Singapore Guide to Conduct and Market Practices for Treasury Activity (1998) The Code of Conduct of the Tokyo Foreign Exchange Market Committee (1998) Wirkungsbereich Der Model Code gilt für folgende OTC (Over the Counter) und außerbilanzielle Geschäfte bzw. Instrumente: FX Spot und Forward FX-Optionen Geldmarktgeschäfte Zinsoptionen FRAs Zins- und Cross Currency Swap Gold und Edelmetalle FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 3 von 35

4 Schlichtungsverfahren Das CfP ist auch auf Ansuchen bereit, in Konfliktfällen zu vermitteln und die betroffenen Parteien bei einer raschen und fairen Lösung des Problems zu unterstützen. Zu diesem Zweck bestehen im Model Code detaillierte Rules for Expert Determination Service". Struktur Der Model Code ist in elf Kapitel gegliedert, die sich systematisch mit Bereichen des Handels befassen und die Marktterminologie beschreiben. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 4 von 35

5 1. Handelszeiten Handel außerhalb der Geschäftszeiten bzw. Bank Sollten von einem Händler Transaktionen außerhalb der Geschäftszeiten und / oder in Räumlichkeiten außerhalb der Bank getätigt werden, bedarf dies der ausdrücklichen Genehmigung des Managements. Regeln und Vorkehrungen sind für die Dokumentation und Bestätigung dieser Geschäfte aufzustellen. Dazu gehören unter anderem die Verpflichtung, Bestätigungen der Geschäfte sofort an geeignete Personen in der Bank zu senden sowie die Geschäftspartner über jene Personen zu informieren, die außerhalb der Geschäftsräumlichkeiten Geschäfte machen dürfen. Im Handelsraum können Telefonanrufbeantworter installiert werden, auf denen Händler die Bedingungen der Geschäfte, die sie außerhalb des Handelsraumes machen, aufsprechen. Entsprechende Sicherheitsvorkehrungen sind zu treffen, damit die Aufzeichnungen nicht ohne Zustimmung der Geschäftsleitung gelöscht werden können. 24 Stunden Handel Um Probleme mit der Behandlung von Risikolimiten (speziell dem Intra Day und Overnight Limit) zu vermeiden, soll ein interner, inoffizieller Handelsschluss für jeden Tag festgelegt werden, zu dem die Positionen überprüft und bewertet werden. Beginn / Ende der Handelswoche Jedes Geschäft, das direkt oder über einen Broker vor 5 Uhr früh, Sydney Zeit, abgeschlossen wurde, wurde außerhalb der Handelszeiten und unter nicht marktüblichen Umständen geschlossen. Daher ist die offizielle Beginnzeit für Währungsmärkte Montag Morgen 5 Uhr, Sydney Zeit. Die offizielle Schlusszeit ist Freitag, 17 Uhr, New Yorker Zeit. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 5 von 35

6 Neue Bankfeiertage / Spezielle Feiertage / Marktstörungen Für den Fall neu eingeführter Bankfeiertage oder anderer öffentlicher Feiertage, die ein Settlement des Geschäftes nicht zulassen, sollte folgendes Vorgehen zur Anpassung der Valuta ausstehender FX-Transaktionen gewählt werden: Die neue Valuta ist der nächste gemeinsame Banktag (für beide gehandelten Währungen) nach der ursprünglichen Valuta. Fällt der neue Bankfeiertag auf einen Monatsultimo, so ist der letzte, für beide Währungen gültige, Handelstag vor dem Ultimo zu wählen. Es gibt kein Splitting der Valuta. Es gibt keine Anpassung der Wechselkurse auf die offenen Kontrakte. Stop Loss Orders Für eine Stop Loss Order müssen die Bedingungen für diese Anweisung exakt festgelegt sein. Beide Parteien (Händler und Kunde) müssen darin übereinstimmen. Jeder Händler muss für den Notfall Möglichkeiten haben, mit dem Kunden zu kommunizieren, um im Falle außergewöhnlicher Kursbewegungen oder anderer ungewöhnlicher Situationen rückzufragen. Akzeptiert eine Institution eine Stop Loss Order, muss sie jede Anstrengung unternehmen, um sie beim vereinbarten Preis auszuführen. Der Auftraggeber darf jedoch eine Stop Loss Order nicht als Fixpreis-Garantie auffassen. Sollte ein Streit zwischen Partnern darüber entstehen, ob das Limit erreicht wurde, können Broker nur als Informationsquelle herangezogen werden. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Broker lediglich ihre individuelle Bandbreite der Quotierungen nennen können, die jedoch nicht die gesamten Marktbewegungen widerspiegeln. Position Parking Das Management sollte verbieten, dass Positionen bei einer anderen Partei mit der Absicht, dieses Geschäft zu einem späteren Zeitpunkt zu historischen Kursen in die Bücher rückzuführen, geparkt werden. Position Parking führt zu einer verfälschten Darstellung der Risikoposition. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 6 von 35

7 2. Persönliches Verhalten Verbotene Substanzen Das Management soll alle vernünftigen Schritte setzen, um sich und die Mitarbeiter über die Anzeichen und Auswirkungen von Drogengebrauch, inklusive Alkohol und Medikamente, zu informieren. Es sollen Vorgehensweisen zum Umgang mit Mitarbeitern, die Drogen missbrauchen, entwickelt und intern veröffentlicht werden. Generell sind alle Mitarbeiter, die von solchen Substanzen abhängig sind, anfällig für Anreize von außen, die meistens nicht zum Vorteil der Firma oder des Marktes sind. Geschenkannahme Weder das Management noch Händler sollen bei anderen Institutionen für Geschäfte werben. Geschenke und Einladungen dürfen im Geschäftsleben angenommen werden, solange sie nicht zu wertvoll oder zu häufig sind. Das Management soll: Art, Häufigkeit und Wert der Geschenke und Einladungen an die Händler beobachten. Richtlinien erlassen, welche Geschenke angenommen bzw. verschenkt werden dürfen und wie mit wertvollen Geschenken umzugehen ist, die aus Gründen der Höflichkeit nicht zurückgegeben werden können. Bei den angenommen und verteilten Geschenken sollte Transparenz sichergestellt sein. Es sollen keine Einladungen ausgesprochen oder akzeptiert werden, die man als Gastgeber nicht besucht. Wettspiel Wetten oder Spiel unter Marktteilnehmern sollte nicht erlaubt sein. Wird es gestattet, sind unter allen Umständen Richtlinien zu erlassen, auf deren Einhaltung genau zu achten ist. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 7 von 35

8 Geldwäsche Für Banken ist wichtig, die Kunden zu kennen und sich zu versichern, dass deren Geschäfte nicht genutzt werden, um Geld zu waschen. Als Teil der internationalen Bemühungen, derartige Aktivitäten speziell das Waschen von Drogengeldern zu bekämpfen, gab der Basler Ausschuß (gegründet von den Notenbanken der G-10-Länder) 1988 das Basel Statement Of Principles" heraus. Im Juli 1989 schuf die G-7 die Financial Action Task Force zur Bekämpfung der Geldwäsche. Jede Firma ist angehalten, Prozeduren zu entwickeln, die mit den Empfehlungen der G-10 bzw. G-7 konform gehen und die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten. Es soll im Ermessen der Geschäftsleitung liegen, ob mit Institutionen gehandelt wird, die für Dritte tätig werden. Händler sollen sich ihrer Verpflichtung bewusst sein, alle verdächtigen Transaktionen an den Verantwortlichen für Geldwäsche zu melden. Ebenso sollen Broker auf Verdachtsmomente achten und diese anzeigen. Betrug Betrugsversuche gibt es fast täglich. Viele davon werden peinlich genau geplant. Große Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter ist nötig, vor allem wenn Gespräche nicht über die Standardtelefonleitungen hereinkommen. Es wird dringend empfohlen, dass alle Details eines Geschäftes über Telefon, die nicht vereinbarte Standardkonditionen (d.h. SSI) beinhalten, vom Geschäftspartner schriftlich per Telex oder einem ähnlichen Medium bestätigt werden, um zu sehen, ob das Geschäft in Ordnung ist. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Geldflüsse zugunsten einer dritten Partei getätigt werden. Auf jeden Fall haben Händler alle verdächtigen Vorkommnisse sofort an das Management zu melden. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 8 von 35

9 Handel auf eigene Rechnung Das Management hat festzulegen, ob Händler für ihr eigenes Konto Geschäfte abschließen dürfen. Wo dies erlaubt ist, sollten ausreichende Kontrollen und eine klare, schriftliche Anleitung zur Geschäftsabwicklung vorhanden sein, um Missbrauch auszuschließen. Damit soll die Vertraulichkeit sensibler, nichtöffentlicher Informationen gewährleistet sein, sowie Insider-Geschäfte verhindert und Handlungen unterbunden werden, welche die Interessen der Firma oder der Kunden beeinträchtigen können. Die Richtlinien des Managements sollen folgende Punkte behandeln: persönliche Investitionen des Händlers Investitionen des Händlers für Familien- oder andere Firmenangehörige, inklusive Management Instrumente, die zum Eigenhandel erlaubt sind, um Interessenskonflikte mit dem Tagesgeschäft zu vermeiden Transparente Offenlegung aller auf eigene Rechnung gemachten Geschäfte, besonders wenn der Handel auf eigene Rechnung während des Handelstages erlaubt ist. So soll gewährleistet sein, dass die Interessen der Bank über persönlichen Interessen stehen. Händler sollen Interessenskonflikte weitgehend vermeiden. Vertraulichkeit Vertraulichkeit ist essenziell für den Ruf und die Effizienz eines Marktes. Händler und Makler sind in gleichem Maße dafür verantwortlich. Ohne die ausdrückliche Erlaubnis des Geschäftspartners dürfen keine Informationen über ausgeführte oder sich anbahnende Geschäfte weitergegeben werden. Beim Gebrauch von Telefonlautsprechern sollte ganz besonders auf die Vertraulichkeit Bedacht genommen werden. Händler dürfen die Räume anderer Händler nur mit Genehmigung des Managements aufsuchen. Händler sollen nicht in den Räumlichkeiten von Brokern Geschäfte abschließen und Broker sollen keine Geschäfte außerhalb ihrer Büros tätigen. Es ist nicht mit der Ethik eines Händlers vereinbar, ein Geschäft über einen Broker zu initiieren, um den Namen der anderen Partei herauszufinden und das Geschäft direkt mit dem Partner zu machen. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 9 von 35

10 Broker sollen die Namen von Banken niemals weitergeben, bevor das Geschäft abgeschlossen ist. Händler sollen keinen Druck auf Broker ausüben, um vertrauliche Informationen zu erhalten. Dazu zählt auch die explizite oder implizite Drohung, den Geschäftsumfang reduzieren zu wollen. Banken sollen Broker nicht auffordern, Details über Transaktionen mit Dritten weiterzugeben. Händler sollen dem Druck durch Kunden standhalten, vertrauliche Informationen weiterzugeben. Auch Kundenhändler sollen keinen Druck ausüben, um an Informationen zu kommen. Vertrauliche Informationen dürfen nicht zum persönlichen Vorteil genutzt werden. Für den Fall, dass der Grundsatz der Vertraulichkeit verletzt wird, hat das Management sofort Maßnahmen gemäß einer dokumentierten Vorgehensweise zu ergreifen. Fehlinformation und Gerüchte Händler und Broker sollen keine Informationen verbreiten, die falsch sind. Informationen, die ungenau sind oder einem Dritten schaden könnten, sind nur mit großer Vorsicht zu diskutieren. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 10 von 35

11 3. Back Office, Zahlungen und Bestätigungen Back Office-Einrichtung, Funktionstrennung, Berichtslinien Die inhaltlichen Aufgaben von Handel und Back Office, sowie die Berichtslinien sind strikt voneinander zu trennen. Nimmt das Middle Office Kontroll- oder Administrativfunktionen wahr, ist auch hier auf eine entsprechende Funktionstrennung zu achten. Eine räumliche Trennung von Back- und Front Office ist eine Entscheidung des Managements. Wird die Trennung aufgehoben, sind geeignete Kontrollen einzurichten. Werden die Back Office-Aktivitäten internationaler Banken an einem Sitz zusammengefasst (üblicherweise nahe bei der Zentrale), dann ist die Zustimmung der Aufsichtsbehörden in den Handelszentren einzuholen. Das Entlohnungssystem des Back Office soll völlig von dem der Händler abgekoppelt sein. Schriftliche Bestätigungen Die Ausstellung und Überprüfung der Bestätigungen ist eine Aufgabe des Back Office. Diese Arbeit sollte unabhängig von denen, die das Geschäft abgeschlossen haben, erfolgen. Bestätigungen sind so schnell wie möglich zu erstellen und auf sicherem Weg, bevorzugt über elektronische Medien, an das Back Office oder die Abwicklung des Geschäftspartners zu schicken. Der Inhalt dieser Bestätigung variiert von Geschäft zu Geschäft, jedoch soll auf Rahmenvereinbarungen hingewiesen werden, damit Inhalt und Format korrekt sind. Auf jeden Fall müssen folgende Informationen enthalten sein: Datum der Transaktion verwendetes System (Makler, Telefon, Telex, Handelssystem) Name und Adresse des Geschäftspartners Kurs, Betrag und Währung Art und Seite (Kauf / Verkauf) des Geschäfts Wertstellungsdatum, Ablaufdatum und alle anderen wichtigen Daten (z.b. Ausübungstag) angewandte Standardkonditionen (z.b. FRABBA, BBAIRS, ISDA, ICOM...) alle sonstigen wichtigen Informationen FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 11 von 35

12 Alle Bestätigungen sollen so schnell wie möglich genau geprüft werden. Im Falle von Differenzen ist der Geschäftspartner sofort und bevorzugt schriftlich auf elektronischem Wege zu informieren. Dann muss eine neue Bestätigung angefordert werden, die von der anderen Seite auch zur Verfügung gestellt werden muss. Bei Geschäften über einen Makler hat dieser beiden Seiten eine Bestätigung auszustellen. Bei Derivaten ist es durchaus üblich, dass nur eine Partei eine Bestätigung schickt. Die andere Partei muss prompt antworten und die Zustimmung geben bzw. Einsprüche geltend machen. Jene Partei, welche die Bestätigung ausstellt, muss ein Vorgehen entwickeln, um nach wenigen Stunden fehlende Rückmeldungen anzufordern. Die Praxis, einer elektronischen Bestätigung eine schriftliche (auf dem Postweg) folgen zu lassen wird nicht empfohlen, da dadurch Unklarheiten entstehen können, wenn die zweite Bestätigung möglicherweise erst nach dem Settlement-Tag eintrifft. Werden Bestätigungen automatisch im Handelssystem erstellt, dann müssen keine weiteren Bestätigungen versendet werden, wenn die automatischen Bestätigungen durch das Back Office verifiziert wurden. Bestätigungen, mündliche Überprüfung Viele Händler verlangen eine mündliche Bestätigung oder eine Bestätigung durch Telex vor einem Austausch und einer Überprüfung von geschriebenen oder elektronisch übermittelten Bestätigungen. Dies hilft, vor allem bei Geschäften über Makler oder mit ausländischen Geschäftspartnern, die Fehler zu reduzieren. Mündliche Bestätigungen sind besonders in schnelllebigen Märkten, wie z.b. FX-Spot, oder bei Geschäften mit kurzer Settlementperiode (z.b. taggleiche Valuta) nützlich. Jede Firma sollte mit ihren Maklern aushandeln, ob und wenn ja, wie oft pro Tag dieser Dienst angeboten wird. Bei nur einer Überprüfung pro Tag wird empfohlen, dies eher gegen Ende des Geschäftstages durchzuführen. Kann ein Broker nicht sofort eine vollständige Bestätigung schicken (z.b. in der Nacht), dann soll die Bank mit dem Broker alle Geschäfte mündlich rückbestätigen. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 12 von 35

13 Die Gegenparteien sollen sich bewusst sein, dass die Überprüfungen erst dann abgeschlossen sind, wenn beide Partner dem Geschäft zustimmen und Diskrepanzen geklärt sind. Jeder Streitfall ist rasch einer Lösung zuzuführen. Sollte aus der offenen Position ein Risiko entstehen, so soll das Geschäft, unabhängig vom Ergebnis der Schlichtung, sofort am Markt geschlossen werden. Wird eine Geschäftspartei auf einen Fehler oder eine Abweichung hingewiesen und antwortet nicht darauf, so kann die fehlende Antwort nicht als Zustimmung gewertet werden. Zahlungs- und Abwicklungsbedingungen Anweisungen sollten prompt weitergegeben werden, um eine schnelle Abwicklung zu gewährleisten. Der Gebrauch standardisierter Zahlungsbedingungen (Standard Settlement Instructions SSI) zwischen Parteien, die regelmäßig miteinander Geschäfte abschließen, wird dringend empfohlen. Sie dient der Verringerung möglicher Differenzen. SSI sollen über eine authentisierte SWIFT Botschaft oder einen eingeschriebenen Brief übermittelt werden. SWIFT Broadcast eignet sich nicht zur Verbreitung von SSI. In manchen FX- und Depotmärkten erteilt der Broker keine Zahlungsanweisungen, wenn beide Parteien im Land des Brokers sitzen. Die Anweisungen müssen dann unverzüglich zwischen den Parteien direkt ausgetauscht werden. Bei direkten Geschäften und Geschäften mittels Makler haben die Auftraggeber darauf zu achten, dass Abweichungen von den ursprünglichen Zahlungsbedingungen, insbesondere Abweichungen von der Zahlungsstelle, den Geschäftspartnern unverzüglich bekannt gegeben werden. Wurde ein Broker zwischengeschaltet, so ist dieser zu informieren, wenn der Geschäftspartner im Ausland sitzt. Die Verständigung soll von einer schriftlichen Ausführung der neuen Bedingungen begleitet werden. Der Erhalt der neuen Anweisungen ist von der anderen Partei zu bestätigen. Wird der Broker nicht über geänderte Zahlungsbedingungen informiert, so trägt der Auftraggeber die Kosten möglicher Abweichungen. Ist der Begünstigte einer Transaktion eine dritte Partei, dann hat das Management dafür zu sorgen, dass ausreichende Kontrollen für eine Zahlungsabwicklung existieren. Kommt es zu Streitfällen, weil der Broker Zahlungsanweisungen falsch ausgestellt hat, ist bei der Bestimmung der Haftung des Brokers darauf zu achten, in welchem Ausmaß der Fehler direkt auf sein Verhalten zurückzuführen war. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 13 von 35

14 Netting Die Marktteilnehmer sollen bedacht sein, Settlement- und Kreditrisiken durch bilaterale Nettingvereinbarungen zu reduzieren. Der Einsatz und das Potenzial multilateraler Nettingvereinbarungen soll untersucht werden. Die Marktteilnehmer sollen mit folgenden Publikationen vertraut sein: Reducing Foreign Exchange Settlement Risk (New York FX Committee, 1994) The Supervisory Recognition of Netting for Capital Adequacy Purposes (BIZ, 1993) The G-10 Central Banks Report of the Committee on Interbank Netting Schemes (1990) FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 14 von 35

15 4. Streitfälle, Differenzen, Vermittlung und Erfüllung Streitfälle und Vermittlung Streitfälle sind durch das Management mit Integrität und mit gegenseitigem Respekt fair und rasch zu lösen. Sollte es zu keiner Einigung kommen, so sind der Vorsitzende und die Mitglieder des CfP auf Ansuchen bereit, in Konfliktfällen in Form des Expert Determination Service zu vermitteln. Das Schlichtungsverfahren kann beansprucht werden: von Mitgliedern und Nichtmitgliedern des ACI wenn der Streitfall ein vom Model Code abgedecktes OTC Instrument betrifft wenn sich der Streitfall auf eine Marktpraxis oder ein anderes im Model Code behandeltes Thema bezieht und nicht bei Gericht anhängig ist Der Model Code versteht sich in lokalen Märkten nachrangig gegenüber nationalen Codes of Conduct oder ähnlichen Regulativen. Sollte jedoch ein Streitfall zwischen zwei Institutionen vorliegen, die unterschiedlichen Regulativen unterliegen (d.h. in zwei verschiedenen Handelszentren tätig sind), dann wird der Model Code angewendet. Die meisten Probleme entstehen entweder, weil die Händler eine unklare Terminologie benutzen oder das Back Office die Bestätigung des Kontrahenten nicht sofort und ungenau kontrolliert. Differenzen zwischen Gegenparteien Sollten alle oben angeführten Maßnahmen durchgeführt werden, ist die Gefahr von Differenzen stark vermindert und die Fehler, die noch entstehen, können leichter korrigiert werden. Trotzdem kann es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen zwei Banken oder zwischen einer Bank und einem Makler kommen. Diese sollten als Regel immer dem Management zugeleitet werden. Damit wird aus Problemen zwischen Personen ein Problem zwischen Firmen. Wo es um Betragshöhen, Währungen, Wertdaten (oder andere Faktoren, die bedingen, dass eine Partei eine offene Position hat) geht, wird dringend empfohlen, diese Position möglichst nach Absprache mit der Gegenpartei zu schließen. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 15 von 35

16 Diese Aktion sollte als Beitrag zur Risikominderung gesehen werden und darf nicht als Schuldeingeständnis gewertet werden. Liegt der Grund für eine Zahlungsdifferenz darin, dass eine Zahlung falsch angewiesen wurde, sollte die irrtümlich begünstigte Partei es unterlassen, davon zu profitieren. Alle beteiligten Parteien sollten zusammenarbeiten, um eine ausgewogene Lösung zu erreichen. Differenzen mit Brokern und die Verwendung von Punkten Banken haben das Recht, einen Broker für den gestellten Preis zur Verantwortung zu ziehen, selbst dann, wenn der Broker den Preis nicht mehr halten kann ( Stuffing ). Der Broker muss dann die Differenz bzw. den Verlust aus dem ursprünglich quotierten Preis und dem Preis, zu dem abgeschlossen wurde, ersetzen. Differenzen zwischen Broker und Bank sollen nach folgenden Grundsätzen abgewickelt werden: Die Lösung soll auf Ebene der Geschäftsführung gesucht werden, um aus einem individuellen Streitfall einen institutionellen zu machen. Zahlungen sollen in Form eines Bankschecks, einer Überweisung oder einer Reduzierung der Brokerrechnung erfolgen. Alle mit dem Streitfall verbundenen Transaktionen sollen vollständig dokumentiert werden. Es ist unstatthaft, die Zahlung durch Bankscheck oder Reduzierung der Brokerrechnung abzulehnen und auf einen Namen zum vereinbarten Preis zu bestehen. Das Committe for Professionalism unterstützt nicht die Praxis des Settlement of Differences by Points. Das CfP sieht jedoch diese Usance in jenen Märkten als akzeptable Praxis, wenn die Marktteilnehmer als auch der Prozess des Settlement by Points einer Aufsichtsbehörde unterliegen. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 16 von 35

17 Beispiel für Settlement of differences by points Ausgangssituation Ein Broker quotiert EUR/USD Bank A akzeptiert EUR 10 Millionen zu verkaufen. Allerdings hat der Market Maker die Quotierung bereits zurückgezogen, der Broker hat Bank A diesbezüglich zu spät informiert. Der Preis für EUR/USD steht inzwischen bei Best Practice Der Broker verkauft die EUR 10 Millionen zu und zahlt die Differenz von 50 Punkten (d.h. 5 Punkte pro 1 Million EUR) an Bank A. Diese Abwicklung sollte von Bank A akzeptiert werden Settlement of differences by points Sollte Bank A darauf bestehen die Transaktion zum ursprünglichen Preis durchzuführen (diese Vorgehensweise wird Stuffing of the broker genannt), müsste der Broker eine Bank C finden, an die er 10 Millionen EUR zu verkaufen kann und die er für die Preisdifferenz mit USD 5,000 entschädigen kann. Oder er arrangiert alternativ einen Deal für Bank B arrangieren, bei dem diese USD 5,000 verdienen und die originalen Transaktionen durchführen kann. Erfüllung und Beschwerde Die Erfüllung der Vorschriften des Model Code sollen ein hohes Maß an Integrität und Fairness im Handel gewährleisten. Im Falle von Beschwerden soll das Management für eine faire Untersuchung sorgen, die, sofern praktikabel, von Personen, die nicht direkt in den Streitfall involviert sind, durchzuführen ist. Grundsätzlich sollen Banken und Broker Vorfälle, die dem Inhalt und Geist des Model Code nicht entsprechen, auf freundschaftliche Art lösen. Ist dies nicht möglich, soll jene Institution, die beschuldigt wird, den Model Code zu verletzen, den Beschwerdeführer auf die Möglichkeit, den Fall dem CfP zuweisen zu können, hinweisen. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 17 von 35

18 5. Berechtigung, Dokumentation und Telefon-Bandaufnahmen Berechtigung zu und Verantwortung von Handelsaktivitäten Die Kontrolle der Aktivitäten aller an einem Handelsgeschäft beteiligten Personen (Händler und Back Office), sowohl in Banken als auch bei Brokern, obliegt der Verantwortung des jeweiligen Managements. Die Geschäftsleitung soll in klarer, schriftlicher Form die Kompetenzen und Verantwortlichkeiten definieren, die dem Handel und dem Back Office zufallen. Das Management soll auch im Kundengeschäft eindeutige Regelungen erlassen, zu welchen Transaktionen jeder Händler berechtigt ist. Die Richtlinien des Managements sollen folgende Punkte enthalten: allgemeiner Handelsablauf inklusive Berichtsstruktur zum Handel berechtigte Personen gehandelte Instrumente Limitstruktur Bestätigungs- und Settlementprozess Beziehung zu Brokern und Banken andere relevante Punkte Außerdem soll das Management sicherstellen, dass alle Mitarbeiter ausreichend qualifiziert sind und sich ihrer Verantwortungsbereiche bewusst sind. Vertragsbedingungen und Dokumentation Die Dokumentation sollte so schnell wie möglich fertig gestellt und ausgetauscht werden. Der Gebrauch von Standardbedingungen, die von verschiedenen Behörden herausgegeben werden, wird dringend empfohlen. Änderungen dieser Standardbedingungen müssen vor Geschäftsabschluss bekannt gegeben werden. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 18 von 35

19 Bei Produkten, die vom Model Code behandelt werden, sollen Händler und Broker klar machen, ob sie zu Standardbedingungen abschließen möchten oder nicht. Substanzielle Abweichungen zu den Standardbedingungen sollen vor Geschäftsabschluss verhandelt und festgelegt werden. Bei Produkten, bei denen keine Standarddokumentationen existieren, ist größter Wert auf das Aushandeln aller Bedingungen und die Dokumentation zu legen. Bei komplexeren Transaktionen, wie z.b. Swaps, haben sich Händler an das Geschäft gebunden zu fühlen, sobald diese Bedingungen festgelegt wurden. Swapgeschäfte an die Dokumentation zu binden ist unstatthaft. Es sollte jede Anstrengung unternommen werden, die Dokumentation so schnell wie möglich abzuschließen. Qualifizierte Geschäftsbedingungen Sowohl Makler als auch Händler legen vor der Transaktion deutlich fest, unter welchen Bedingungen sie Geschäfte abwickeln. Dazu gehört auch, ob Preise freibleibend oder unter der Bedingung von Kreditmöglichkeit, Gegen- oder Absicherungsgeschäften genannt werden. Sollte die Möglichkeit, ein Geschäft abzuschließen, von anderen Möglichkeiten, wie z.b. den Handelszeiten in anderen Finanzzentren abhängen, muss auch dieses unverzüglich Brokern oder potenziellen Gegenparteien bekannt gegeben werden, noch bevor Namen ausgetauscht werden. Bandaufnahmen Es hat sich herausgestellt, dass Bandaufnahmen unerlässlich sind, um Differenzen schnell ausräumen zu können. Der Gebrauch von Tonbandgeräten wird dringend empfohlen. Alle Gespräche zwischen Händlern und Kunden sowie alle Gespräche mit dem Back Office- Bereich sind aufzuzeichnen. Bei der Neuinstallierung von Aufzeichnungsgeräten sowie neuen Kunden müssen die Gesprächspartner darüber informiert werden, dass die Gespräche aufgezeichnet werden. Alle Bänder sollen mindestens zwei Monate aufbewahrt werden. Gesprächsaufzeichnungen über längerfristige Geschäfte, z.b. Zinsswaps, FRAs, sollen mindestens solange verwahrt werden, bis die erste Transaktion aus diesem Geschäft erfolgt. Der Zugang zu den Bändern ist so zu gestalten, dass eine nachträgliche Veränderung der Bänder ausgeschlossen werden kann. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 19 von 35

20 6. Broker und Provisionen Die Rolle von Broker, Händler / Broker-Beziehung Ein Broker wirkt als Intermediär zwischen zwei Kontraktparteien und soll die Übereinstimmung zwischen den Geschäftspartnern herbeiführen. Broker dürfen keine Eigenpositionen handeln. Die Geschäftsleitungen von Bank und Broker sollen die Beziehung zwischen Händler und Broker überwachen und die kommerziellen Bedingungen für die Zusammenarbeit festlegen. Weiters soll zwischen den Geschäftsführungen vereinbart werden, dass alle Aspekte des Abkommens von beiden Parteien jederzeit überprüft werden können und Problemfälle auf Geschäftsleitungsebene behandelt werden. Das Management von Banken und Brokern hat darauf zu achten, dass die internen Vorschriften im Umgang mit dem Broker bzw. der Bank den Mitarbeitern bekannt sind und eingehalten werden. Die Geschäftsleitung der Bank soll die Entscheidung über die Auswahl des Brokers treffen und in regelmäßigen Abständen überprüfen, ob es nicht zu unangebrachten Geschäftskonzentrationen mit einzelnen Brokern kommt. Die Geschäftsleitung des Brokers hat darauf zu achten, dass die Mitarbeiter die Interessen aller Kunden im selben Ausmaß berücksichtigen. Kommission / Provision In Ländern, in denen Maklergebühren frei vereinbar sind, sollten solche Gebühren nur vom Topmanagement oder von Direktoren festgelegt werden. Dies sollte schriftlich geschehen. Jede Abweichung von diesen Gebühren muss im Einvernehmen mit dem Geschäftspartner und schriftlich erfolgen. Makler nennen üblicherweise Preise ohne Provision oder Maklergebühr. Es ist unstatthaft, Brokergebühren nicht sofort zu bezahlen, da in einigen Rechtssprechungen überfällige Zahlungen von der Eigenkapitalbasis in Abzug gebracht werden und somit den Broker benachteiligen. FINANCE TRAINER International Model Code II Seite 20 von 35

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