PresseMitteilung. ACE Fact-Sheet zu Fahrrad und Alkohol. 53. Deutscher Verkehrsgerichtstag 2015 Arbeitskreis III: Neue Promillegrenze für Radfahrer

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1 PresseMitteilung ACE Auto Club Europa e.v. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Rainer Hillgärtner Schmidener Str Stuttgart Tel.: 0711 / /277 Fax: 0711 / Deutscher Verkehrsgerichtstag 2015 Arbeitskreis III: Neue Promillegrenze für Radfahrer ACE Fact-Sheet zu Fahrrad und Alkohol Stuttgart / Goslar (ACE) Januar 2015 Seit dem Jahr 2003 ist die Zahl der alkoholisierten Fahrradfahrer als Beteiligte an Unfällen mit Personenschaden deutlich zurückgegangen. Binnen elf Jahren sank die Zahl der unter Alkoholeinfluss verunfallten Radler von um 27,4 Prozent auf Dennoch bleibt das Fahren unter Alkoholeinfluss vor allem für die Nutzer unmotorisierter Zweiräder ein Problem. Im Vergleich zur Gesamtzahl der Verkehrsteilnehmer sind bei den alkoholisierten Radfahrern über alle Altersklassen hinweg sichtbar höhere Unfallbeteiligungen zu verzeichnen. Die Höchstwerte erreichen hier die Altersgruppen zwischen 25 und 55 Jahren. Auf den unrühmlichen Spitzenwert pro Jahrgang bringen es die 25- bis 35- Jährigen mit einer Unfallbeteiligung unter Alkoholeinfluss von 7,2 Prozent. Von den Radfahrern, die im Jahr 2013 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, hatten Alkohol im Blut. Der Anteil der unter Alkoholeinfluss stehenden Radler liegt knapp doppelt so hoch wie bei den Pkw-Fahrern (2,3%) und mehr als dreimal so hoch wie bei Motorradfahrern (1,44%). Bedenklich erscheint, dass die in einen schweren Unfall verwickelten Fahrradfahrer überwiegend trotz hoher Blutalkoholkonzentrationen aufs Rad gestiegen waren. Fast jeder vierte betrunkene Fahrradfahrer wies einen Alkoholwert zwischen 2 und 2,5 Promille auf. Immerhin 87,4 Prozent der alkoholisierten Beteiligten an schweren Unfällen waren männlich. 20

2 Bereits geringe Mengen Alkohol können sich auf die physische und psychische Verfassung eines Menschen auswirken. Bereits ab 0,3 Promille nimmt die Aufmerksamkeit ab und Entfernungen sind schlechter einschätzbar. Bei mehr als einem Promille sind eine enthemmte Risikobereitschaft und Anzeichen von Aggressivität zu beobachten. Als problematisch gilt, dass der Betroffene sein verändertes Verhalten selber oft nicht wahrnimmt, da Alkohol auch die Selbsteinschätzung beeinträchtigt. Die höchsten Alkoholkonzentrationen werden etwa ein bis eineinhalb Stunden nach dem Konsum erreicht. Der menschliche Körper ist in der Lage, pro Stunde zwischen 0,1 und 0,2 Promille abzubauen. Im Ausland gelten zum Teil deutlich striktere Alkoholgrenzen für Radfahrer als in Deutschland. 13 europäische Staaten haben bereits Promillegrenzen zwischen 0,0 und 0,8 Promille eingeführt. Der ACE Auto Club Europa ist Mitglied im Verbund Europäischer Automobilclubs (EAC), 21

3 Daten und Fakten: Fahrrad und Alkohol Eine Studie des ACE Auto Club Europa 1 Überblick 2 Entwicklung 3 Anteil beteiligter Radfahrer an Alkoholunfällen 4 Promillewert verunfallter Radfahrer 5 Wirkung von Alkohol 6 Alkoholgrenzen für Fahrradfahrer im Ausland 22

4 1 Überblick Seit dem Jahr 2003 ist die Anzahl der alkoholisierten Fahrradfahrer als Beteiligte an Unfällen mit Personenschaden deutlich zurückgegangen. Binnen elf Jahren sank die Zahl der unter Alkoholeinfluss verunfallten Radler von um 27,4 Prozent auf Dennoch bleibt das Fahren unter Alkoholeinfluss vor allem für die Nutzer unmotorisierter Zweiräder ein Problem. Im Vergleich zur Gesamtzahl der Verkehrsteilnehmer sind bei den alkoholisierten Radfahrern über alle Altersklassen hinweg sichtbar höhere Unfallbeteiligungen zu verzeichnen. Die Höchstwerte erreichen hier die Altersgruppen zwischen 25 und 55 Jahren. Auf den unrühmlichen Spitzenwert pro Jahrgang bringen es die 25- bis 35- Jährigen mit einer Unfallbeteiligung unter Alkoholeinfluss von 7,2 Prozent. Von den Radfahrern, die im Jahr 2013 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, hatten Alkohol im Blut. Der Anteil der unter Alkoholeinfluss stehenden Radler liegt knapp doppelt so hoch wie bei den Pkw- Fahrern (2,3%) und mehr als dreimal so hoch wie bei Motorradfahrern (1,44%). Bedenklich erscheint, dass die in einen schweren Unfall verwickelten Fahrradfahrer überwiegend trotz hoher Blutalkoholkonzentrationen aufs Rad gestiegen waren. Fast jeder vierte betrunkene Fahrradfahrer wies einen Alkoholwert zwischen 2 und 2,5 Promille auf. Immerhin 87,4 Prozent der alkoholisierten Beteiligten an schweren Unfällen waren männlich. Bereits geringe Mengen Alkohol können sich auf die physische und psychische Verfassung eines Menschen auswirken. Bereits ab 0,3 Promille nimmt die Aufmerksamkeit ab und Entfernungen sind schlechter einschätzbar. Bei mehr als einem Promille sind eine enthemmte Risikobereitschaft und Anzeichen von Aggressivität zu beobachten. Als problematisch gilt, dass der Betroffene sein verändertes Verhalten selber oft nicht wahrnimmt, da Alkohol auch die Selbsteinschätzung beeinträchtigt. Die höchsten Alkoholkonzentrationen werden etwa ein bis eineinhalb Stunden nach dem Konsum erreicht. Der menschliche Körper ist in der Lage, pro Stunde zwischen 0,1 und 0,2 Promille abzubauen. Im Ausland gelten zum Teil deutlich striktere Alkoholgrenzen für Radfahrer als in Deutschland. 13 europäische Staaten haben bereits Promillegrenzen zwischen 0,0 und 0,8 Promille eingeführt. 23

5 2 Entwicklung Seit dem Jahr 2003 ist die Anzahl der alkoholisierten Fahrradfahrer als Beteiligte an Unfällen mit Personenschaden deutlich zurückgegangen. Binnen elf Jahren sank die Zahl der unter Alkoholeinfluss verunfallten Radler von um 27,4 Prozent auf Allerdings verdeutlicht ein Blick auf die Jahreszahlen sowohl ein gleichbleibend hohes Niveau in den Jahren bis 2009 als auch ein relativ konstantes Level seit Auffällig aber ist die zwischen 2008 und 2010 erkennbare positive Tendenz mit einem vorläufigen Tiefststand im Jahr Als Faktoren, die hierzu beitrugen, kommen das im August 2007 in Kraft getretene Alkoholverbot für Fahranfänger sowie das ab Januar 2008 in allen Bundesländern ermöglichte begleitete Fahren mit 17 infrage Alkoholisierte Radfahrer als Beteiligte bei Unfällen mit Personenschaden Datenbasis: Destatis 24

6 in Prozent 3 Anteil beteiligter Radfahrer an Alkoholunfällen Der Konsum von Alkohol lässt sich nicht mit der aktiven Teilnahme am Straßenverkehr vereinbaren. Im Laufe der vergangenen Jahre führte unter anderem die schwindende gesellschaftliche Akzeptanz dazu, dass nach dem Besuch von Party, Kneipe oder Biergarten deutlich seltener mit dem Wagen gefahren wird. Bezogen auf die Gesamtzahl der alkoholisierten Beteiligten an schweren Verkehrsunfällen fallen vor allem die Altersklassen der 18- bis 35-Jährigen auf. Auf Höchstwerte bringen es hier die 21- bis 25-Jährigen, von denen 3,9 Prozent unter Alkoholeinfluss einen Unfall verursachten. Bei den alkoholisierten Radfahrern sind über alle Altersklassen hinweg sichtbar höhere Unfallbeteiligungen zu verzeichnen. Die Höchstwerte erreichen hier die Altersgruppen zwischen 25 und 55 Jahren. Auf den unrühmlichen Spitzenwert pro Jahrgang bringen es die 25- bis 35-Jährigen mit einer Unfallbeteiligung unter Alkoholeinfluss von 7,2 Prozent. 8 Beteiligte an Unfällen mit Personenschaden ü 75 Anteil alkoholisierter Radfahrer Anteil alkoholisierter Verkehrsteilnehmer Datenbasis: Destatis, Zeitraum

7 4 Promillewerte verunfallter Radfahrer Von den Radfahrern, die im Jahr 2013 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren, hatten Alkohol im Blut. Der Anteil unter Alkoholeinfluss stehenden Radler mag mit 4,4 Prozent auf den ersten Blick gering erscheinen. Jedoch liegt er knapp doppelt so hoch wie bei den Pkw-Fahrern (2,3%) und mehr als dreimal so hoch wie bei Motorradfahrern (1,44%). Bedenklich erscheint, dass die in einen schweren Unfall verwickelten Fahrradfahrer überwiegend trotz hoher Blutalkoholkonzentrationen aufs Rad gestiegen waren. Nur etwa jeder Siebte (13,8%) hatte einen Alkoholpegel von unter 1,1 Promille, über ein Viertel der verunfallten Radler (27,3%) wiesen einen Alkoholwert von 1,1 bis 1,7 Promille auf. Fast jeder vierte betrunkene Fahrradfahrer wies einen Alkoholwert zwischen 2 und 2,5 Promille auf Promillewerte verunfallter Radfahrer bis 0,5 0,5-0,8 0,8-1,1 1,1-1,4 1,4-1,7 1,7-2,0 2,0-2,5 2,5-3,0 ü 3,0 Promille Männer Frauen Datenbasis: Destatis, Zeitraum

8 Dabei erweist sich, dass hauptsächlich Männer trotz vorangegangenem Alkoholkonsum aufs Rad steigen. Immerhin 87,4 Prozent der alkoholisierten Beteiligten an schweren Unfällen waren männlich, die Tendenz zu hohen Blutalkoholkonzentrationen ist bei ihnen zudem offensichtlicher als bei den verunfallten Frauen. 5 Wirkung von Alkohol Schon geringe Mengen Alkohol können sich auf die physische und psychische Verfassung eines Menschen auswirken. Bereits ab 0,3 Promille nimmt die Aufmerksamkeit ab und Entfernungen sind schlechter einzuschätzen. Bei mehr als einem Promille sind eine enthemmte Risikobereitschaft und Anzeichen von Aggressivität zu beobachten. Ab 2 Promille kommt es zu starken Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen. Alkohol wirkt nicht bei jedem Menschen gleich. Die Auswirkungen einer bestimmten Alkoholmenge hängen unter anderem vom Körpergewicht, aber auch vom Gesundheitszustand eines Menschen ab. Auch die Gewöhnung spielt hier eine Rolle, ebenso wie körperliche und seelische Belastungen. Als problematisch gilt, dass der Betroffene sein verändertes Verhalten selber oft nicht wahrnimmt, da Alkohol auch die Selbsteinschätzung beeinträchtigt. Abhängig von der Alkoholkonzentration, dem Kohlensäure- und Zuckergehalt des Getränks und dem Mageninhalt kann der Eintritt der Wirkung nach dem Konsum von Alkohol bis zu eine Stunde dauern. Die höchsten Alkoholkonzentrationen werden etwa ein bis eineinhalb Stunden nach dem Konsum erreicht. Der menschliche Körper ist in der Lage, pro Stunde zwischen 0,1 und 0,2 Promille abzubauen. 27

9 < 0,2 ab 0,3 ab 0,5 ab 0,8 1,0-1,5 2,0-2,5 ab 2,5 ab 3,5 Wirkung von Alkohol enthemmende Wirkung, Euphorie, Steigerung der Redseligkeit eingeschränktes Sehfeld, Entfernungen können schlechter eingeschätzt werden, die Aufmerksamkeit nimmt ab deutliches Nachlassen der Reaktionsfähigkeit, Erhöhung der Risikobereitschaft erste Gleichgewichtsstörungen, eingeengtes Gesichtsfeld und Tunnelblick, deutliche Enthemmung Anstieg von Aggressivität und Risikobereitschaft, Sprachstörungen starke Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, Aussprache lallendend Bewusstseinseintrübung, Ausschaltung des Erinnerungsvermögens (Filmriss), Lähmungserscheinungen, Doppeltsehen lebensbedrohliche Zustände; Gefahr einer Lähmung des Atmungszentrums, die zu Koma oder Tod führen kann 6 Alkoholgrenzen für Fahrradfahrer im Ausland Im Gegensatz zu Deutschland gelten in vielen europäischen Staaten strikte Promillegrenzen für Fahrradfahrer. In Tschechien und der Slowakei herrscht absolutes Alkoholverbot, Polen gesteht Radfahrern einen Blutalkoholwert von 0,2 Promille zu. Italien, Kroatien, Portugal und Spanien haben ebenso wie Belgien, die Niederlanden, Frankreich, Luxemburg und die Schweiz einen Höchstwert von 0,5 Promille festgeschrieben. In Österreich dürfen auch Radfahrer einen Blutalkoholwert von 0,8 Promille nicht überschreiten. Keine festen Grenzen gibt es in den skandinavischen Ländern Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland, Gleiches gilt für Großbritannien und Irland. Ein Freibrief für ungehemmtes Trinken und Radeln ist damit allerdings nicht verbunden. Auch in Ländern ohne fest fixiertes 28

10 Alkohollimit für Radfahrer kann eine Ahndung erfolgen, wenn das Rad nicht mehr sicher beherrscht wird. Belgien Dänemark Finnland Frankreich Großbritanni en Irland Italien Kroatien Luxemburg Niederlande Norwegen Österreich Polen Portugal Schweden Schweiz Slowakei Spanien Tschechien Alkoholgrenzen für Radfahrer in Europa 0,0 0,2 0,5 0,8 ohne feste Grenze 29

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