Dekontamination bei Einsätzen mit ABC-Gefahren

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1 vfdb-richtlinien vfdb 10/04 Dekontamination bei Einsätzen mit ABC-Gefahren Entwurf einer Neufassung zur Diskussion anlässlich der vfdb- Jahresfachtagung 2014 in Dortmund Stand: Haftungsausschluss: Dieses Dokument wurde sorgfältigst von den Experten der vfdb erarbeitet und vom Präsidium der vfdb verabschiedet. Der Verwender muss die Anwendbarkeit auf seinen Fall und die Aktualität der ihm vorliegenden Fassung in eigener Verantwortung prüfen. Eine Haftung der vfdb und derjenigen, die an der Ausarbeitung beteiligt waren, ist ausgeschlossen. Vertragsbedingungen: Die vfdb verweist auf die Notwendigkeit, bei Vertragsabschlüssen unter Bezug auf vfdb-dokumente die konkreten Leistungen gesondert zu vereinbaren. Die vfdb übernimmt keinerlei Regressansprüche, insbesondere auch nicht aus unklarer Vertragsgestaltung. Technisch-Wissenschaftlicher Beirat (TWB) der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.v. Postfach 1231, Altenberge 1-37

2 Inhalt 1 VORWORT ABKÜRZUNGEN DEFINITIONEN DEKON-GRUNDSÄTZE STUFENKONZEPT Dekon-Stufe I: Notdekontamination Dekon-Stufe II: Standardgrobreinigung Dekon-Stufe III: Erweiterte Dekontamination EINSATZORGANISATION Führungsorganisation Zeitvorgaben Gliederung des Raumes Dekon-Platz Schutz des Dekon-Personals Erneuter Einsatz von Personal und Schutzkleidung PERSONAL-DEKONTAMINATION (DEKON P) VERLETZTEN-DEKONTAMINATION (DEKON V) Allgemeines Phasenmodell der Verletzten-Dekontamination Phase I: BLS, Sichtung und Priorisierung Phase II: Entkleiden und Spot-Dekontamination Phase III: Erweiterte medizinische Maßnahmen Phase IV: Nassdekontamination Dekon-Stufen bei der Verletzten-Dekontamination Not-Dekon von Verletzten (Dekon-Stufe I) Standard-Grobreinigung von Verletzten (Dekon-Stufe II) Erweiterte Dekontamination von Verletzten (Dekon-Stufe III) Dekontamination bei einem Massenanfall kontaminierter Verletzter

3 9 GERÄTE-DEKONTAMINATION (DEKON G) Grundsätze Einsatzgeräte FAHRZEUG- UND GERÄTEAUSSTATTUNG Ausstattung der Löschfahrzeuge Sondergeräte zur Dekontamination Reinigungsgerät Dekon-Mittel ENTSORGUNG AUS- UND FORTBILDUNG DEKON-MAßNAHMEN FÜR EINSATZPERSONAL IN ABHÄNGIGKEIT VON DER DEKON-STUFE UND DEN KONTAMINATIONEN (DEKON-MATRIX)

4 1 Vorwort Feuerwehreinsätze mit ABC-Gefahren bedingen neben der eigentlichen Gefahrenabwehr auch Maßnahmen für eine Dekontamination von Geräten und Personen nach dem Verlassen des Gefahrenbereiches. Das Referat 10 der vfdb hat die Problematik aufgegriffen: Die vfdb-richtlinie 10/04 - Dekontamination bei Feuerwehreinsätzen mit ABC- Gefahren wurde 1998 verabschiedet und 2006 aktualisiert. Nach der zwischenzeitlichen Überarbeitung der FwDV 500 war es erforderlich, diese Richtlinie erneut zu aktualisieren. Eine konzeptionelle Abstimmung mit den Planungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ist erfolgt. Ebenso wurden die Inhalte des Bund-Länder-Rahmenkonzeptes zur Verletzten-Dekontamination, Stand September 2005, sowie als eine Umsetzung davon besonders das aktuelle ABC-Schutzkonzept des Landes Nordrhein-Westfalen berücksichtigt. Neu aufgenommen wurden umfangreiche Empfehlungen zum Umgang mit kontaminierten Verletzten. Ausgehend von ausgewählten Länderkonzepten werden Vorgehensweisen zur Erstversorgung, Sichtung, Dekontamination und Übergabe an den Rettungs- bzw. Sanitätsdienst empfohlen. Die vorliegende Richtlinie zur Dekontamination bei Feuerwehr-Einsätzen mit ABC- Gefahren ist als Rahmenrichtlinie und Ergänzung zur FwDV 500 zu verstehen. Jeder Anwender muss bei der Umsetzung dieser Richtlinie sowohl die örtliche Leistungsfähigkeit der Feuerwehr (Fahrzeuge, Geräte, Schutzausrüstung, Personal etc.) als auch die eventuell vorhandenen besonderen Gefahrenquellen in seiner Einsatztaktik, der Ausbildung, der Einsatzplanung und der vorgehaltenen Ausrüstung berücksichtigen. Bei allen Einsätzen sind die Grundsätze der Einsatzstellenhygiene zu beachten, wie sie z. B. für Brände in der vfdb-richtlinie 10/03 beschrieben sind. Es ist notwendig, bei Einsätzen der Gefahrengruppen III nach FwDV 500 auch für die Dekontamination Expertenwissen einzuholen. Grundsätzlich ist zu beachten, dass bei B-Gefahren ein Kontaminationsnachweis derzeit nicht möglich ist und daher auf Verdacht desinfiziert werden muss. Gleiches gilt für die Dekontamination beim C-Einsatz, falls ein Kontaminationsnachweis nicht zeitgerecht möglich ist. Besteht ein Kontaminationsverdacht, ohne dass bekannt ist, ob es sich um A-, B-, oder C-Stoffe oder eine Kombination daraus handelt, so muss zunächst auf Verdacht desinfiziert und dann dekontaminiert werden. Anschließend muss eine Überprüfung auf A-Gefahrstoffe erfolgen (siehe dazu auch 4). 4-37

5 Zur Festlegung von Art und Umfang der Dekontamination sowie Entscheidung über die Notwendigkeit einer weiteren Versorgung/Behandlung von Betroffenen und/oder eigenem Personal sind speziell qualifizierte Führungskräfte erforderlich (siehe dazu auch 12). Häufig werden Dekontaminationsmaßnahmen im Rahmen der Amtshilfe für andere Fachbehörden durchgeführt. In diesem Fall erfolgen Festlegungen über Art, Umfang und Durchführung der Maßnahmen durch die zuständige Fachbehörde, da die Feuerwehr nur unterstützend tätig wird! 2 Abkürzungen ATF = Analytische Task-Force BBK = Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe BGR = Regel der Berufsgenossenschaft BLS = Basic Life Support (Basismaßnahmen zur Lebenserhaltung) CBRN(E) = chemical, biological, radiological, nuclear, (explosive) CSA = Chemikalienschutzanzug Dekon = Dekontamination (durch Einsatzkräfte) FA = Feuerwehrangehörige/r FB = Fachberater/in FwDV = Feuerwehr-Dienstvorschrift GUV-I = Informationsblatt der gesetzlichen Unfallversicherung GW Dekon P = Gerätewagen Dekontamination Personal KSA = Kontaminationsschutzanzug (für den A-Einsatz) MANV = Massenanfall von Verletzten/Betroffenen PA = Pressluftatmer PES = Peressigsäure PSA = Persönliche Schutzausrüstung RL = (vfdb-)richtlinie RTW = Rettungswagen TUIS = Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem der chemischen Industrie vfdb-rl = vfdb-richtlinie 5-37

6 3 Definitionen Basic Life Support (BLS) oder Basismaßnahmen zur Lebenserhaltung BLS-Maßnahmen (auch Lebensrettende Handgriffe) werden unmittelbar beim ersten Kontakt mit Verletzten am Auffindeort (soweit im ABC-Einsatz möglich) oder an einer Patientenablage ergriffen, noch bevor eine Sichtung oder Priorisierung erfolgt. Sie dienen der Abwehr akut lebensbedrohlicher Situationen. Dazu zählen die Maßnahmen: 1. Freimachen von (verlegten) Atemwegen inkl. Verbringen in die stabile Seitenlage 2. Blutstillung bei massiven Blutungen Werden diese Maßnahmen nicht beim ersten Kontakt zum Verletzten ergriffen, ist ein Überleben unwahrscheinlich. Dekontamination durch die Feuerwehr Dekontamination durch die Feuerwehr im Sinne dieser Richtlinie ist die Verringerung bzw. Beseitigung eines Gefahrstoffes von Oberflächen (vorrangig von Haut, Schutzkleidung und eigenen Geräten). Sie kann als Trocken- oder Nass-Dekontamination erfolgen. Direkt vor Ort kann bei Haut, Schutzkleidung und eigenen Geräten in der Regel nur eine Grobreinigung durchgeführt werden, die einen Transport der betroffenen Personen und Geräte erlaubt. Um die volle Einsatzbereitschaft wieder herzustellen, muss ihr in den meisten Fällen eine Feindekontamination folgen, bis gesetzliche Grenzwerte unterschritten werden. Als Abkürzungen werden Dekon (allgemein), Dekon P (Dekontamination von Personal mit PSA), Dekon V (Dekontamination von Verletzten und ungeschützten Personen) und Dekon G (Dekontamination von Geräten inkl. PSA und Infrastruktur) und verwendet. Dekon-Platz Der Dekon(taminations)-Platz ist der Bereich der Einsatzstelle, in dem die Dekontamination von Verletzten, Personal und/oder Geräten durchgeführt wird. Er ist in der Regel eindeutig markiert und liegt außen an der Grenze des Gefahrenbereichs bzw. ist mit diesem durch einen abgesperrten Weg verbunden. 6-37

7 Kontamination Kontamination im Sinne dieser Richtlinie ist die Verunreinigung der Oberfläche von Lebewesen, des Bodens und/oder von Gegenständen mit radioaktiven, biologischen oder chemischen Gefahrstoffen. Im Sinne dieser Richtlinie gelten auch mit ABC- Gefahrstoffen verunreinigte Flüssigkeiten als kontaminiert. Nass-Dekontamination Als Nass-Dekontamination wird die Anwendung von flüssigen Dekontaminationsmitteln zur Oberflächenreinigung bezeichnet. Das Verfahren besteht aus Aufbringen, ggf. mechanischer Einarbeitung bzw. Einwirken lassen und Abspülen des Reinigungsmittels. Trocken-Dekontamination Trocken-Dekontamination ist das Reinigen von Oberflächen ohne Verwendung von flüssigen Dekontaminationsmitteln. Als Verfahren kommen hier z. B. Absaugen, Abtupfen, Abwischen und der Einsatz von Bindemitteln in Frage. Im erweiterten Sinne gehört auch die sichere Fixierung einer staubförmigen Kontamination durch Sprühkleber auf Geräten bzw. PSA zur Trocken-Dekontamination. Spot-Dekontamination Als Spot-Dekontamination oder Teilkörperdekontamination wird eine vorgezogene, schnelle Grobreinigung einzelner Körperstellen (Gesicht, Armbeuge, Wunden o. ä.) bezeichnet. Ziel der Maßnahme ist es, die schädigende Einwirkung einer Kontamination auf die Haut zu verringern und eine medizinische Erstversorgung ohne Inkorporation zu ermöglichen. Patientenablage im Schwarzbereich In der Patientenablage im Schwarzbereich werden Betroffene und Verletzte mit Kontamination(sverdacht) an der Einsatzstelle gesammelt, erstversorgt, registriert und gesichtet, bevor sie der Dekontamination unterzogen und der weiteren medizinischen Versorgung im Krankenhaus oder einem Behandlungsplatz (als Puffer) zugeführt werden. Auch erfolgen an der Patientenablage bereits erste Basis- Dekontaminationsmaßnahmen. 7-37

8 Bei zahlreichen Betroffenen kann es erforderlich sein, nach der Dekontamination eine weitere Patientenablage im Weißbereich einzurichten, von der aus der Weitertransport zu einem Krankenhaus oder einem Behandlungsplatz erfolgt. 4 Dekon-Grundsätze Die Regeln der allgemeinen Einsatzstellenhygiene für Einsatzkräfte (vgl. vfdb-rl 10/03) gelten auch bei ABC-Einsätzen. Weitere allgemeine Grundsätze für die Dekontamination sind: - Eine Inkorporation während der Dekontamination ist auszuschließen! - Eine Kontaminationsverschleppung aus dem Gefahrenbereich bzw. aus dem Schwarzbereich des Dekon-Platzes ist zu vermeiden; Abwässer sind aufzufangen. - Bei Beteiligung von A-Gefahrstoffen sind Abwässer und abgelegte Schutzkleidung auf radioaktive Stoffe zu prüfen. - Bei Verdacht auf Mehrfachkontamination mit A-, B- und/oder C-Gefahrstoffen gilt für Oberflächen (ausgenommen Haut) folgende Dekon-Reihenfolge: 1.) B-Dekon: Aufbringen von Desinfektionsmittel, Einwirken 2.) C-Dekon: Entfernen chemischer Kontaminationen (inkl. Desinfektionsmittel) mit Wasser und ggf. Reinigungszusätzen 3.) A-Dekon: Kontaminationsnachweis nach Ablegen der dekontaminierten Schutzkleidung bzw. nach der C-Dekon - Hautkontamination ist möglichst schnell zu entfernen und dabei möglichst nicht weiter zu verteilen (z. B. Abtupfen). Anschließend ist ggf. eine Desinfektion und in jedem Fall eine gründliche Körperreinigung mit Wasser 1 und neutraler Seife 2 oder ggf. mit speziellen Dekon-Mitteln (siehe auch 10.4) durchzuführen. Besteht der Verdacht auf Kontamination / Inkorporation, so ist die Person einem geeigne- 1 Die Wassertemperatur soll so gewählt werden, dass sie angenehm empfunden wird und vor allem nicht zur Unterkühlung führt. Als Orientierung kann normale Duschwassertemperatur dienen. 2 Die Kombination aus Wasser und neutraler Seife hat sich als universelles Dekon-Mittel für die C-Dekon bewährt. Dies wurde u.a. auch durch ein Forschungsvorhaben im Auftrag des BBK bestätigt. 8-37

9 ten bzw. ermächtigten Arzt vorzustellen 3. Dabei ist auf die Art der Kontamination (kontaminierter Bereich, Stoff, Dauer der Einwirkung etc.) hinzuweisen. Ferner ist eine Registrierung der kontaminierten Personen erforderlich (vgl. MANV). 5 Stufenkonzept Das nachfolgende Stufenkonzept gilt für die Dekon P und grundsätzlich auch für die Dekon V. Festlegungen zur Dekontamination von Geräten sind im Abschnitt 9 getroffen. Eine Übersicht für die Dekon P enthält die Dekon-Matrix im Abschnitt Dekon-Stufe I: Notdekontamination 4 Diese Stufe ist sofort von den ersten Einheiten sicherzustellen, sobald in den Gefahrenbereich vorgegangen wird! Sie ist z. B. bei Beschädigung der Schutzausrüstung, bei Kontamination der Haut, bei Atemluftmangel oder bei Verletzungen, die sofort behandelt werden müssen, notwendig. UUWesentliche Merkmale: Notmaßnahme zur Absicherung von Erstmaßnahmen, zur Rettung von Menschenleben bzw. zur Verhinderung von schweren Gesundheitsschäden (vgl. auch ABC-Selbsthilfe des Katastrophenschutzes). Sie wird in der Regel akut erforderlich (z.b. durch plötzliche Lageänderungen) oder wird an der Grenze des Gefahrenbereichs vorbereitet. Die Wahl des Ortes soll dabei ermöglichen, dort später auch eine Dekon-Platz (Stufe II) einzurichten 5. 3 Die Eignung bzw. Ermächtigung ergibt sich u.a. aus den entsprechenden arbeitsmedizinischen Regelungen. 4 Erstmaßnahmen zur Notdekontamination von Personen müssen von allen Einsatzkräften beherrscht werden, da auch bei Brand- oder sonstigen Einsatzstellen plötzliche Kontaminationen, z. B. durch vorher nicht erkannte Gefahrstoffe, auftreten können. 5 Es erleichtert die Einsatzorganisation, wenn Dekontamination an einer räumlich definierten Stelle stattfindet. 9-37

10 Die Dekon-Stufe I muss von jeder Feuerwehreinheit beherrscht werden, da sie jederzeit in jedem Einsatz erforderlich werden kann. Die entsprechenden Kenntnisse gehören daher in den Ausbildungsumfang jeder/jedes Feuerwehrangehörigen ab Truppmann-Ausbildung! 5.2 Dekon-Stufe II: Standardgrobreinigung Diese Stufe ist planmäßig bei jedem ABC-Einsatz mit persönlicher Schutzausrüstung der Formen 2 oder 3 (z. B. CSA, KSA 6 ) sicherzustellen. Sie muss auch erlauben, Verletzte zu dekontaminieren. Die Dekon-Stufe II findet an einem Dekon-Platz statt. Wesentliche Merkmale: Standardvorgehen bei jedem ABC-Einsatz; Sachgerechte Grobreinigung und Auskleiden ohne Kontaminationsverschleppung und ohne Gefährdung des Dekon-Personals sowie Dekontamination einzelner Verletzter. Planung und Organisation der Dekon-Stufe II erfolgen in der Regel auf der Ebene der Gemeindefeuerwehr. Nicht jede einzelne Einheit muss über diese Fähigkeit verfügen. Erfolgt die Durchführung von ABC- Einsätzen durch überörtliche Zusammenarbeit, kann auch die Dekon- Stufe II überörtlich organisiert werden, solange die Zeitvorgaben (siehe 6.2) sicher erreicht werden. 5.3 Dekon-Stufe III: Erweiterte Dekontamination Diese Stufe ist z. B. bei umfangreichen Dekon-Maßnahmen wie z.b. bei einem Massenanfall kontaminierter Verletzter sicherzustellen. Dekon-Plätze der Stufe III können auch räumlich abgesetzt vom Gefahrenbereich liegen, z.b wegen Ihres Platzbedarfs. Der Weg zwischen Gefahrenbereich und Dekon-Platz muss dann entsprechend gesichert sein, da er zum Schwarzbereich zählt. 6 Schutzkleidung der Form 1 ist vor Ort nicht dekontaminierbar. Wenn Kräfte unter Form 1 vorgehen gelten die Dekon-Grundsätze sinngemäß: Stiefelreinigung, Vorsichtig entkleiden, Kontaminierte Hauptpartien dekontaminieren. Atemschutz zuletzt ablegen (Inkorporationsgefahr!) 10-37

11 Wesentliche Merkmale: Erweiterung der Dekon-Stufe II, z. B. durch kontinuierliche Bereitstellung von warmem Wasser, Verwendung besonderer Dekon-Mittel, Duschmöglichkeiten, Bereitstellung beheizter Aufenthaltsbereiche (Zelte), sachgerechte Sammlung und Entsorgung auch größerer Abwassermengen, Gewährleistung eines lange andauernden Betriebs, sanitätsdienstliche Versorgung und Dekontamination auch zahlreicher Verletzter. Die Dekon-Stufe III wird meist auf der Ebene der unteren Katastrophenschutzbehörde organisiert, d.h. im Regelfall auf Kreisebene. Zur Deon-Stufe III gehören auch ortsfeste Dekon-Stellen, wie z.b. Notfallstationen in der Umgebung kerntechnischer Anlagen. 6 Einsatzorganisation 6.1 Führungsorganisation An der Einsatzstelle sollte ab der Dekon-Stufe II grundsätzlich ein eigener Einsatzabschnitt "Dekontamination" eingerichtet werden. Not-Dekon-Maßnahmen der Stufe I werden i.d.r. dem Einsatzabschnitt Gefahrenbereich zugeordnet bleiben. Wird ein eigener Verletzten-Dekontaminationsplatz eingerichtet, so muss entschieden werden, ob dieser dem Abschnitt Dekon oder dem Abschnitt Medizinische Rettung zuzuordnen ist. Die Führungsorganisation richtet sich im Übrigen nach der FwDV 500 und ergänzenden landesweiten oder örtlichen Festlegungen. 6.2 Zeitvorgaben Besteht die Gefahr einer Kontamination der eingesetzten Trupps, so dürfen Kräfte im Gefahrenbereich erst eingesetzt werden, wenn die Dekontamination am Ein

12 satzort (mind. Stufe II) gewährleistet ist - Menschenrettung 7 ausgenommen! Der Dekon-Platz muss grundsätzlich spätestens 15 min 8 nach dem Anschließen der Pressluftatmer der eingesetzten Trupps betriebsbereit sein. Eine Not-Dekon (Stufe I) muss sofort ab Einsatzbeginn möglich sein! Bei Verwendung von Isoliergeräten wird auch während der Dekontamination vom Schutzkleidungsträger weiterhin Atemluft aus dem Luftvorrat verbraucht. Dies ist bei der Einsatzplanung zu berücksichtigen! Zum Beispiel beträgt die Einsatzzeit eines CSA mit Behältergerät (1600l Luftvorrat) wird in der Regel 20 Minuten zzgl. 10 Minuten Dekon-Zeit. Bei einem Dreiertrupp stehen somit 3 Minuten je Einsatzkraft, bei einem Zweiertrupp 5 Minuten je Einsatzkraft für die Dekontamination zur Verfügung. Wenn die Dekontamination des einzelnen CSA- Trägers mehr Zeit erfordert, muss entweder die Einsatzzeit gekürzt werden oder der Dekon-Platz muss so erweitert werden, dass mehrere CSA-Träger parallel dekontaminiert werden können bzw. es muss ein zweiter Dekon-Platz parallel eingerichtet werden. Für die Einsatzplanung gilt allgemein: Eine Dekon-Einheit ist zu alarmieren, sobald die Beteiligung von ABC- Gefahrstoffen erkennbar ist; spätestens wenn der Einsatz von ABC- Schutzkleidung der Form 2 oder 3 abzusehen ist 6. Gerade im B-Einsatz ist zu erwägen, Langzeit-PA einzusetzen, um am Dekon- Platz längere Einwirkzeiten von Desinfektionsmitteln zu ermöglichen, ohne den Atemschutz vorher unterbrechen zu müssen (z.b. durch Systemwechsel auf Filter). Die Vorgaben der Schutzkleidungs- und Atemschutzgerätehersteller (Geräteauswahl, Zulassung, Tragezeitbegrenzungen) sind dabei zu beachten! Über die räumliche Verteilung von Dekon-Einheiten auf die jeweilige Gebietskörperschaft oder über die Mitführung von geeigneter Dekon-Ausrüstung auf den Einsatzfahrzeugen mit Schutzkleidung ist sicherzustellen, dass der Dekon-Platz zeitgerecht einsatzbereit ist (siehe auch 10.1). 7 Menschenrettung schließt hier neben dem In-Sicherheit-Bringen von Personen auch Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ein, die dazu geeignet sind, Menschen vor weiteren Schaden durch die Einwirkung von ABC-Stoffen zu schützen, z. B. das Schließen einer Leckage. 8 Hier wird von PA mit ca l Luftvorrat und normalen Schutzanzügen ohne externe Luftversorgung ausgegangen. Ferner gilt der Grundsatz, dass Trupps geschlossen vorgehen und geschlossen den Rückweg antreten! 12-37

13 6.3 Gliederung des Raumes Bei allen ABC-Einsätzen sind um die Gefahrenstelle ein Gefahren- und ein Absperrbereich festzulegen. Näheres regelt die FwDV 500. Die Lage des Dekon-Platzes wird durch den Einsatzabschnittsleiter Dekon in Absprache mit der Einsatzleitung bestimmt. Sie orientiert sich an der Festlegung des Gefahrenbereiches 9. Der Dekon-Platz soll in der Regel auf der windzugewandten Seite des Gefahrenbereiches (Luv) liegen (Abb ). Bei der Erkundung und Festlegung des Dekon-Platzes sind u. a. folgende Punkte zu berücksichtigen: - Abstand zum Gefahrenbereich (im B- und C-Einsatz möglichst nah, im A-Einsatz so weit entfernt, dass die Nullrate am Dekon-Platz festgestellt werden kann! 10 ) - Ist mit mehreren Verletzten zu rechnen, so muss vor dem Dekon-Platz, außerhalb des eigentlichen Gefahrenbereichs, eine Platzreserve zur Einrichtung einer Patientenablage vorgesehen werden. - eindeutige Kennzeichnung der verschiedenen Bereiche des Dekon-Platzes - günstige Zu- und Abwege (diese sind ebenfalls zu kennzeichnen z. B. durch Abtrassieren) - Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten (Strom, Wasser, Abwasser), ggf. Auffangmöglichkeiten für Abwasser - Witterungseinflüsse (z. B. Regen- oder Sonnenschutz) - Geländegegebenheiten (z. B. Gefälle) Insbesondere der Raumbedarf für den Dekon-Platz muss von Beginn an in die Raumordnung der Einsatzstelle eingeplant werden. Der Gefahrenbereich darf nur über einen Dekon-Platz verlassen werden. 9 Das gilt auch bei Änderungen am Gefahrenbereich im Einsatzverlauf! Ggf. muss der Dekon-Platz bei raschen Lageänderungen (z. B. Explosionsgefahr) aufgegeben und neu eingerichtet werden! 10 An der Grenze des Gefahrenbereichs kann im A-Einsatz eine Gamma-Ortsdosisleistung von bis zu 25 µsv/h vorliegen. Bei dieser Gamma-Ortsdosisleistung ist kein Kontaminationsnachweis möglich, so dass der Dekon-Platz zwangsläufig in einigem Abstand errichtet werden muss! Der Weg zum Dekon-Platz ist abzutrassieren! 13-37

14 Abb : Lage der Dekon-Plätze und Verlauf der Wege an einer ABC-Einsatzstelle 6.4 Dekon-Platz Ein Dekon-Platz ist bei jedem ABC-Einsatz mit Kontaminationsgefahr, der mit persönlicher Schutzausrüstung (z. B. CSA, KSA) durchgeführt wird, einzurichten. Er hat die Funktion einer Schleuse und verhindert eine Gefährdung des eingesetzten Personals beim Ablegen der persönlichen Schutzausrüstung und eine Verschleppung von Kontaminationen aus dem Gefahrenbereich (auch durch Verletzte und Gerät). Der Dekon-Platz ist in einen Schwarzbereich (unreiner Bereich) und einen Weißbereich (sauberer Bereich) aufgeteilt. Alternativ kann der Dekon-Platz auch in drei Zonen (rot, gelb, grün) aufgeteilt werden. Die rote Zone gilt als schmutziger Bereich, in der gelben Zone erfolgt die eigentliche Dekontamination und in der grünen Zone werden Registrierung und Nachsorge durchgeführt. Die rote und die gelbe Zone sind mit dem Schwarzbereich gleichzusetzen, während die grüne Zone dem Weißbereich entspricht. Beide Modelle für die Einteilung werden bundesweit verwendet. Den Bereichen/Zonen sind die in Abb dargestellten Aufgaben zugeordnet

15 Abb : Raumordnung und Aufgaben am Dekon P-Platz Umfang und materielle Ausstattung des Dekon-Platzes variieren in Abhängigkeit von der notwendigen Dekon-Stufe (II oder III) und den vorhandenen Kontaminationen. 6.5 Schutz des Dekon-Personals Der Schutz des Dekon-Personals ist durch geeignete PSA stoffabhängig zu gewährleisten, diese umfasst z. B.: - Feuerwehrschutzanzug, - Kontaminationsschutzhandschuhe 11 - Gummistiefel - geeigneter Atem- und Gesichtsschutz, z. B. Vollmaske mit Filter Handschuhe zum Schutz gegen gefährliche Chemikalien mit einer entsprechenden CE-Kennzeichnung

16 ggf. ergänzt durch - flüssigkeitsdichte Schutzkleidung (Form 2 nach FwDV 500, z. B. Typ 3 nach EN ), in Ausnahmefällen CSA. Die Festlegung einer höheren Schutzstufe bzw. die Abweichung vom Mindestschutz bestimmt der Abschnittsleiter "Dekon" bzw. der Einsatzleiter. In besonderen Fällen kann anschließend eine Dekontamination des Dekon-Personals erforderlich werden. Für länger andauernde Dekon-Einsätze, insbesondere bei der Dekon V mit zahlreichen Verletzten, haben sich auch Gebläsefiltergeräte bzw. Gebläsefilteranzüge bewährt. Aufgrund ihrer Funktionsweise haben diese Atemschutzgeräte keinen Einatemwiderstand und erlauben daher ein komfortableres und längeres Arbeiten als herkömmliche Filter- oder Behältergeräte. Bei Gebläsefilteranzügen sind jedoch die Tragezeitbegrenzungen der Hersteller bzw. der Arbeitsschutzregelwerke sowie ggf. erforderliche gesundheitliche Eignungskriterien zu beachten! Da Gebläsefiltergeräte umluftabhängig sind, müssen ferner die Einsatzgrenzen der Filter unbedingt beachtet werden. Im Falle einer notwendigen Versorgung Verletzter in einer Patientenablage im Schwarzbereich bzw. am Dekon-Platz, muss die Schutzstufe des Rettungsfachpersonals mindestens dem Schutz des Dekon-Personals entsprechen. Das Rettungsfachpersonal muss im Umgang mit der PSA geschult und ggf. arbeitsmedizinisch tauglich sein! Den Abschluss der Dekontaminationsmaßnahmen bildet die Eigendekontamination der an den Dekon-Arbeiten beteiligten Einsatzkräfte und des im Schwarzbereich genutzten Geräts. Dadurch wird eine Gefährdung des Dekon-Personals durch Kontaminationsverschleppung verhindert. 12 Der ABEK2P3-Filter liefert einen guten Breitbandschutz. Je nach Lage muss ggf. auf geeignete spezifische Filter zurückgegriffen werden. Bei der Dekontamination in kleinen geschlossenen Räumen (z. B. in Zelten) kann die Schadstoffkonzentration so hoch werden, dass ein Einsatz von Filtern nicht mehr die nötige Sicherheit bietet. Dann ist auf Isoliergeräte zurückzugreifen. 13 Anzüge dieser Art gehören zur Normbeladung des Gerätewagens Gefahrgut nach DIN : Die durch den Bund als Ergänzung des Overgarments beschaffte flüssigkeitsdichte Schutzkleidung erfüllt ebenfalls diese Anforderungen. Die Anzüge müssen ggf. zusätzlich durch Abkleben abgedichtet werden. Optimalerweise sollten die Anzüge auch die Anforderungen als Schutz gegen radioaktive Partikel gem. EN und als Schutz gegen Infektionserreger nach EN erfüllen, um in allen ABC-Einsätzen verwendet werden zu können

17 6.6 Erneuter Einsatz von Personal und Schutzkleidung Besteht die Notwendigkeit, Personal und Ausrüstung an ABC-Einsatzstellen erneut einzusetzen, so sollte wie folgt verfahren werden: Der Abschnittsleiter Dekon muss anhand von Materialbeständigkeitslisten und der Kontamination entscheiden, ob und womit eine Grobreinigung, ggf. mit notwendiger Folgebehandlung, und eine anschließende Weiterverwendung möglich sind. Z. B. kommt für einfache Schutzkleidung (Einmalanzüge), die gegen den Stoff nur kurze Zeit beständig ist, eine Dekontamination und Wiederverwendung auch unter Katastrophenbedingungen nicht in Frage. Bei der Dekontamination von Schutzkleidung ist in jedem Fall darauf zu achten, dass eine Kontaminationsverschleppung in das Anzuginnere oder auf das Dekon-Personal vermieden wird! Besteht der Verdacht auf eine Kontamination des Anzuginneren, scheidet ein erneuter Einsatz aus! Die Anzüge sollten aus hygienischen Gründen innen mit einem geeigneten Desinfektionsspray behandelt werden. Auf eine ausreichende Einwirk- und Trocknungszeit ist zu achten. Diese kann erheblich sein! 7 Personal-Dekontamination (Dekon P) 14 Im ABC-Einsatz ist sicherzustellen, dass Einsatzkräfte, die unter PSA in den Gefahrenbereich vorgehen, den Gefahrenbereich nach dem Einsatz über einen Personal- Dekontaminationsplatz wieder verlassen. Die Personal-Dekontamination erfolgt definitionsgemäß nicht auf der Haut der Personen, sondern auf ihrer PSA. Eine Kontamination wird dabei soweit reduziert, dass ein gefahrloses Ablegen der PSA ohne Kontaminationsverschleppung auf die Haut erfolgen kann. Unabhängig, ob die Dekon P der Stufe I, II oder III entspricht, muss darauf geachtet werden, dass dem Dekon-Platz von vornherein so wenig Kontamination wie möglich zugeführt wird! Dies erleichtert die Dekon-Maßnahmen, schützt das Einsatz- und das Dekon-Personal und verringert das Risiko einer Kontaminationsverschleppung. Vorgegangene Einsatzkräfte sollen daher zum Einen grundsätzlich bestrebt sein, Kontamina

18 tion zu vermeiden und zu Anderen versuchen, unmittelbar bei Verlassen des kontaminierten Bereichs vor dem Aufsuchen des Dekon-Platzes bereits möglichst viel Kontamination zu entfernen. Dies gelingt z.b. durch - Stiefelvorreinigung, auch um den Weg zum Dekon-Platz nicht unnötig zu kontaminieren - trockenes Abwischen der Handschuhe und anderer sichtbar kontaminierter Stellen 15 - gegenseitige Kontrolle und Hilfestellung im Trupp bei den genannten Maßnahmen Bei A-Einsätzen ist eine Freimessung mit einem Kontaminationsnachweisgerät durchzuführen. Wird die dreifache Nullrate am gesamten Körper unterschritten, gilt die Person als kontaminationsfrei. Die Freimessung erfolgt grundsätzlich nach dem Ablegen der Schutzkleidung. Der Atemanschluss und andere sensible Bereiche der Schutzausrüstung können lageabhängig zusätzlich auch vor dem Ablegen ausgemessen werden, wenn ausreichend Zeit bzw. Atemluftreserve zur Verfügung steht. Die zentrale Maßnahme ist aber das sorgfältige Freimessen der ausgekleideten Einsatzkraft, nicht die Überprüfung der Schutzkleidung! Bei B-Einsätzen ist in jedem Fall eine Desinfektion durchzuführen. Dabei ist besonderer Wert auf die richtige Auswahl der entsprechenden Desinfektionsmittel zu achten. Die Desinfektionsmittel müssen z.b. mit dem Schutzkleidungsmaterial verträglich sein! Bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln sind die produktspezifischen Parameter (z. B. Zulassung, Konzentration, Einwirkzeit, Anwendungstemperaturen) zu beachten. Haut darf nur mit dafür zugelassenen Präparaten desinfiziert werden! Ggf. kann ein staatl. geprüfter Desinfektor hinzugezogen werden. Für jede im Gefahrenbereich mit Atemschutzgerät eingesetzte Einsatzkraft muss am Dekon-Platz mindestens ein ABEK2P3-Filter zur Verfügung stehen. So kann bei Ende des Atemluftvorrates von Isoliergeräten sofort ein Filter in die Maske eingesetzt und damit eine Inkorporation von Gefahrstoffen möglichst ausgeschlossen werden (Systemwechsel) 16. Je nach Art und Umfang der Kontamination muss abgewogen werden, ob eine vollständige oder teilweise Nass-Dekontamination oder eine Trocken- Dekontamination der Schutzkleidung die richtige Maßnahme ist. Sorgfältiges Ausklei- 14 Die Feuerwehr-Dienstvorschrift 500 verwendet den Begriff Personen-Dekontamination. Dieser ist hier in Personal- Dekontamination (Dekon P) und Verletzten-Dekontamination (Dekon V) differenziert! 15 Hinweis: Diese Maßnahme sollte ggf. auch im Einsatzverlauf gelegentlich durchgeführt werden, um durch anhaftende Kontamination keinen Durchbruch durch die PSA vor deren Ablegen zu provozieren! 18-37

19 den zur Vermeidung einer Kontaminationsverschleppung ist in jedem Fall erforderlich! Kontaminierte Kleidung muss sicher verpackt und gekennzeichnet werden. Mehrfach verwendbare Anzüge der Form 3 müssen nach dem Ablegen geschlossen werden, um eine Kontaminationsverschleppung in das Anzuginnere zu vermeiden. Ein Schneidwerkzeug zur Notöffnung eines Schutzanzugs von außen sollte an der Einsatzstelle vorhanden sein Verletzten-Dekontamination (Dekon V) 8.1 Allgemeines Je länger sich Personen ohne ausreichenden Atem- und Körperschutz im ABC- Gefahrenbereich aufhalten, desto höher ist das Risiko einer Hautkontamination bzw. einer Inkorporation und desto schwerer kann die Schädigung durch die ABC- Gefahrstoffe sein. Dabei spielen die Gefahreneigenschaften der Kontamination eine wesentliche Rolle für die Wahl der Dekon-Maßnahmen. Grundsätzlich soll jede schädigende Kontamination so schnell wie möglich von der Haut entfernt werden. Das Ausmaß der Schädigung ist bei gleicher Einwirkzeit aber von Stoff zu Stoff verschieden, d.h. es gibt Substanzen, die sehr schnell wirken, während andere ihre schädigende Wirkung auf der Haut nur langsam entfalten oder nur durch Inkorporation dem Menschen schaden können. Danach muss sich auch die Dekontamination ausrichten. A- und B-Gefahrstoffe wirken in der Regel weniger schnell schädigend auf die Haut. Unverzügliches Handeln (z. B. Schwalldusche mit dem Strahlrohr) ist hier in der Regel nicht erforderlich! Vielmehr steht Zeit zur Verfügung, um die Dekon-Maßnahmen strukturiert vorzubereiten und durchzuführen. 16 Bei CSA mit innen liegendem PA muss dazu der Anzug geöffnet werden. Dabei ist besonders auf die Vermeidung einer Kontaminationsverschleppung ins Anzuginnere bzw. auf den Träger zu achten! 17 In CSA mit innen liegendem PA kann der Anzugträger auch nach Verbrauch der Atemluft in der Pressluftflasche noch einige Minuten aus dem Luftvolumen des Anzugs weiteratmen, wenn er den Lungenautomaten bzw. die Maske abnimmt. Es sollte gut überlegt sein, ob man den Anzugträger selbst mit Schneidwerkzeugen ausstattet, ihm so die Möglichkeit zum unkontrollierten Öffnen der kontaminierten Schutzkleidung gibt und damit ggf. die Gefahr einer Kontamination über die Anzugaußenseite erzeugt

20 Haben A- und B-Gefahrstoffe aber neben der ionisierenden Strahlung bzw. der Infektionsgefahr auch chemische (z.b. Ätzwirkung) oder physikalische (z.b. sehr heiß, sehr kalt) Gefahreneigenschaften, gelten die Grundsätze der C-Dekon. Dabei steht häufig keine Zeit für aufwändige Vorbereitungen zur Verfügung, und nur unverzügliches Handeln (i.d.r. Schwalldusche mit Wasser) schützt die Betroffenen vor weiterer Schädigung. Die Entscheidung, wie viel Zeit bis zum Beginn der Dekon-Maßnahmen vertretbar ist, stellt eine der großen Herausforderungen bei der Dekon-V dar. Dazu können bei bekannten Stoffen die toxikologischen Daten herangezogen werden. Bei unbekannten Stoffen muss sich die Entscheidung letztlich aus dem Zustand der Verletzten ableiten. Sind diese bereits erkennbar akut durch die Kontamination geschädigt, darf kein Zeitverzug in Kauf genommen werden. Viele beschriebene Dekon-V-Konzepte sind gerade für diese Fälle aufgrund ihrer Vorlaufzeiten dann letztlich keine wirksame Option! Als kontaminierte Verletzte gelten nach dieser Richtlinie: - Personen, die im Gefahrenbereich waren und nicht über geeignete PSA verfügten, z. B. ersteintreffende Kräfte nach unaufschiebbaren Rettungsmaßnahmen, Zivilbevölkerung, Polizei, nicht ausreichend geschütztes Rettungsdienstpersonal. Dies gilt nicht, wenn eine Kontamination ausgeschlossen werden kann. - Einsatzkräfte, bei denen ein Ablegen der PSA ohne ausreichende vorherige Dekontamination erfolgt ist, z.b. durch eine Notfallsituation. - Einsatzkräfte, bei denen nach Ablegen von PSA noch der Verdacht einer Kontamination der Haut oder der Bekleidung besteht. Dabei ist zunächst unerheblich, ob die Personen über ihre Kontamination (oder dem Verdacht auf diese) hinaus noch medizinisch verletzt oder erkrankt sind. Dies hat aber Auswirkungen auf die Priorisierung bzgl. der Reihenfolge der Dekontamination und der weiteren Versorgung

21 8.2 Phasenmodell der Verletzten-Dekontamination Kontaminierte Verletzte werden nach der Rettung aus dem akuten Gefahrenbereich schnellstmöglich in die Patientenablage im Schwarzbereich oder direkt zum Dekon- Platz gebracht. Je nach örtlichen Gegebenheiten, jedoch spätestens wenn mit mehr als 20 kontaminierten Verletzten zu rechnen ist, ist als Einsatzunterabschnitt ein eigener Verletzten- Dekontaminationsplatz einzurichten. Dieser wird außerhalb des Gefahrenbereiches (Schadengebiet) in der Regel vor dem Behandlungsplatz eingerichtet und leitet die dekontaminierten Verletzten nach der Dekontamination an die anschließende medizinische Behandlung weiter. Grundsätzlich sind kontaminierte Verletzte vor dem Weitertransport in eine Behandlungseinrichtung einer Grobreinigung zu unterziehen. Dabei muss aber auch die notwendige medizinische Versorgung gewährleistet bleiben. Lässt der medizinische Zustand eines Verletzten im Ausnahmefall eine Grobreinigung an der Einsatzstelle nicht zu, so muss dies allen (auch späteren) Kontaktpersonen bekannt sein. Die weiteren Glieder der Rettungskette (Rettungsdienst, Krankenhaus) müssen informiert werden. Der Verletzte muss dann unter (der Gefährdung durch die Kontamination angepassten) Schutzmaßnahmen transportiert werden. Das Risiko und die Folgebeeinträchtigungen durch die Kontaminationsverschleppung können erheblich sein. Sowohl das Transportfahrzeug als auch das Zielkrankenhaus fallen ggf. durch einen solchen Verletzten für die Versorgung jeglicher weiterer Patienten aus! Mindestens das Entkleiden des Verletzten an der Einsatzstelle muss daher immer erfolgen! Die Versorgung von kontaminierten Verletzten wird in folgende Phasen eingeteilt: Phase I: Phase II: Phase III: Phase IV: BLS, Sichtung und Priorisierung Entkleiden und Spot-Dekontamination Erweiterte medizinische Maßnahmen Nassdekontamination 21-37

22 8.2.1 Phase I: BLS, Sichtung 18 und Priorisierung Nach der Rettung der Verletzten müssen in der Patientenablage im Schwarzbereich bzw. am Dekon-Platz als erster Schritt BLS-Maßnahmen ( lebensrettende Handgriffe ) durchgeführt, die unmittelbar erforderlich sind, um den sofortigen Tod des Patienten zu verhindern. Hierbei handelt es sich um 1. das Freimachen von (verlegten) Atemwegen inkl. des Verbringens in die stabile Seitenlage und 2. die Blutstillung bei massiven Blutungen. Außerdem wird bei mehreren Verletzten eine Priorisierung erforderlich, um die Reihenfolge der Dekontamination und der weiteren Versorgung festzulegen. Die Einstufung muss im Verlauf der Versorgung immer wieder überprüft und ggf. korrigiert werden. Im Verlauf der Sichtung soll bereits versucht werden, kontaminierte (Ober)bekleidung abzulegen bzw. zu entfernen sowie das Gesicht abzuwischen (Spot-Dekontamination). Der Gesundheitszustand wird nach den allgemeinen medizinischen Sichtungskategorien (aus dem MANV) festgelegt: I. schwerverletzt, vital bedroht > ROT II. schwerverletzt, nicht vital bedroht > GELB III. leicht verletzt > GRÜN IV. abwartende Behandlung > BLAU V. tot > SCHWARZ Als Besonderheit bei kontaminierten Verletzten muss darüber hinaus auch die Gefahr durch die Kontamination berücksichtigt werden, die wie folgt zu priorisieren 19 ist: 18 Die Sichtung ist eine ärztliche Maßnahme. In vielen Ländern haben sich jedoch inzwischen Systeme einer Vorsichtung oder einer qualifizierten Inaugenscheinnahme durch nichtärztliches Personal etabliert. Auch diese sind als Sichtung im Rahmen dieser Richtlinie zu verstehen. 19 Grundlage der Kategorien ist die Inkorporationsgefahr (rot: sehr hoch, durch Wunden, Schleimhäute, Mund und Nase; gelb: hoch, durch Hautresorption, grün: gering, aber Gefahr der Kontaminationsverschleppung auf die Haut) 22-37

23 - Wundbereiche kontaminiert > höchste Priorität - Gesicht kontaminiert > hohe Priorität - ist Haut- / Körperoberfläche kontaminiert > erhöhte Priorität - (Ober-)Bekleidung kontaminiert > normale Priorität Hinweis: Bereits erfolgte Inkorporationen werden bewusst nicht berücksichtigt, denn einerseits wirkt sich die Inkorporation bei hoher Toxizität unmittelbar auf eine dramatische Verschlechterung des Gesundheitszustandes aus, was somit automatisch zu den medizinischen Kategorien GELB oder ROT führt. Sehr wohl muss eine Inkorporation aber dokumentiert und ü- bergeben werden! Das Ergebnis der Sichtung richtet sich zunächst nur nach den medizinischen Sichtungskategorien! Zwischen Verletzten mit derselben Sichtungskategorie soll dann nach der Kontamination priorisiert werden. Das Sichtungsergebnis ist zu dokumentieren. Dabei sollten z.b. auf einer Patientenanhängekarte erkannte Kontaminationen von erkannten Verletzungen zu unterscheiden sein. Dies gelingt, wenn z.b. Verletzungen mit einem Kreuz (X), Erkrankungen mit einem Kreis (O) und Kontaminationen durch Schraffierung (///) gekennzeichnet werden. Abb : Kennzeichnung von Verletzung (X), Erkrankung (O) und Kontamination (///) auf einer Patientenanhängekarte 23-37

24 8.2.2 Phase II: Entkleiden und Spot-Dekontamination Die Bekleidung wirkt als vorübergehender Schutz gegen den direkten Kontakt mit einer Kontamination. Ist sie selbst kontaminiert, erhöht sich jedoch das Kontaktrisiko. Deshalb ist das Ablegen kontaminierter Bekleidung einer der entscheidenden Schritte in der Dekontamination. Anhand der bekannten Neuner-Regel lässt sich abschätzen, dass selbst bei sommerlichen Temperaturen etwa 50% der Körperoberfläche durch Kleidung bedeckt sind, im Winter steigt dieser Wert auf deutlich über 90%. Durch Ablegen der Kleidung kann daher ein erheblicher Teil der Kontamination entfernt werden! Die (Ober-) Bekleidung des liegenden Verletzten sollte durch mind. 2 Einsatzkräfte entfernt werden. Je höher die Toxizität des Stoffes ist, desto schneller muss diese Maßnahme durchgeführt werden, damit ein Hautkontakt mit dem Gefahrstoff (z.b. durch Durchdringen der Kleidung) vermieden wird. Idealerweise befindet sich der Verletzte dazu auf einem Tragebrett, einer Trage o.ä., worauf sich eine Folie befindet. Sowohl aus medizinischer als auch aus dekontaminationstechnischer Sicht ist ein Aufschneiden der Bekleidung erheblich günstiger als ein Ausziehen (Gefahr der Aufwirbelung und/oder Verteilung von Gas- und Staubpartikeln). Dabei ist vom sauberen (i.d.r. körpernah) zum schmutzigen (Extremitäten) Bereich zu schneiden. Anschließend ist die Bekleidung zu beiden Seiten vom Körper weg zu klappen, so dass die Bekleidungsinnenseite nun nach außen zeigt und ein Kontakt mit dieser in den meisten Fällen unbedenklich ist. Anschließend kann der Verletzte aus seiner Kleidung herausgehoben werden. Die verbleibende, kontaminierte Kleidung soll daraufhin in die darunterliegende Folie eingeschlagen und in einen Sack verpackt werden. Dieser ist mit den Personalien des Verletzten zu beschriften. Nach dem Entkleiden erfolgt die Spot-Dekontamination. Dadurch sollen die Inkorporation des Gefahrstoffes über Mund- und Nase sowie über die Haut (besonders Schürfwunden, kleinere Wunden) und die weitere Schädigung der Haut vermieden werden. Die Spot-Dekontamination ist in folgender Reihenfolge standardisiert durchzuführen: 1. Augen 2. Nasen-Rachenraum (anschl. O2- oder I-Schutz-Maske (FFP) als Inkorporationsschutz aufsetzen) 3. noch nicht versorgte Wunden (auch kleine Wunden, Schürfwunden etc. / Ausspülen mit Vollelektrolyt-Infusionslösung), bereits angelegte Druckverbände bleiben aber geschlossen! 4. sichtbar kontaminierte Körperteile 24-37

25 Sollte durch die Inspektion des nun ausgezogenen und punktuell dekontaminierten Verletzten neue medizinische Befunde erkannt werden, muss die Sichtungskategorie evtl. angepasst werden. Um eine Hypothermie (Unterkühlung) des Verletzten zu verhindern, ist bereits sehr frühzeitig eine Decke zum Wärmeerhalt zu verwenden. Außerdem ist für jeden neuen Verletzten eine neue Schere zu benutzen, um eine Kontaminationsverschleppung von Verletzten zu Verletzten zu vermeiden Phase III: Erweiterte medizinische Maßnahmen In dieser Phase werden die Verletzten medizinisch vorbereitet und so stabilisiert, dass sie den nachfolgenden Dekontaminationsprozess möglichst schonend durchlaufen können. Welchen Grad die medizinische Versorgung hat, wird im Wesentlichen durch die Dekontaminationsgeschwindigkeit sowie durch das Verhältnis der verfügbaren Kräfte und Mittel zu den Verletzten bestimmt: Kann die Dekontamination schnell erfolgen, beschränken sich die Maßnahmen evtl. auf die lebensrettenden Handgriffe. Je länger es bis zur Dekontamination dauert, je höher muss der medizinische Versorgungsgrad sein: Venöser Zugang, Antidot-Gabe, Analgetika-Gabe, O2-Gabe, Monitoring etc., evtl. bis hin zur Maximalversorgung (Individualmedizin). Dabei ist zu beachten, dass diese Maßnahmen im Schwarzbereich des Dekon-Platzes oder an einer Patientenablage im Gefahrenbereich erfolgen, so dass entsprechend geschütztes medizinisches Fachpersonal vorhanden sein muss Phase IV: Nassdekontamination Grundsätzlich muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob eine Nassdekontamination unbedingt notwendig ist, oder ob das bereits durchgeführte Entkleiden / Trockendekontamination ausreicht. Die Nassdekontamination bringt folgende Nachteile mit sich: - zeitaufwendig (bedeutet eine Verzögerung medizinischen Versorgung bzw. des Transportes in ein geeignetes Krankenhaus) - Risiko der Unterkühlung für den Verletzten 25-37

26 - Risiko der Kontaminationsverschleppung durch Verspritzen oder Auslaufen von kontaminierter Dekon-Flüssigkeit bis zur Gefahr der Inkorporation des Gefahrstoffes - Anfall von größeren Mengen an Dekon-Flüssigkeit und kontaminiertem Müll Ist es dennoch unumgänglich, eine Nassdekontamination durchzuführen, muss der Verletzte darauf am Dekon-Platz entsprechend vorbereitet werden. Bei medizinisch vorversorgten Verletzten (Phase III) werden hierfür Wundabdeckungen und Punktionsstellen (intravenöser Zugang, Punktionsstellen zur Entlastung eines Spannungspneumothorax s etc.) mittels Klebefolienverband, ggf. auch mit Frischhaltefolie, wasserdicht ummantelt, um eine Inkorporation während und durch die Ganzkörper- Nassdekontamination selbst zu vermeiden. Außerdem müssen Infusionen, Monitore und ähnliches medizinisches Gerät von dem Verletzten entfernt werden. Periphere Zugänge, sowie Tuben etc. werden belassen. Eine evtl. erforderliche Beatmung wird mittels eines Beatmungsbeutels mit Reservoirbeutel und Sauerstoff-Gabe fortgesetzt. Anschließend erfolgt die Nassdekontamination mit Wasser 1, ggf. unter Zugabe entsprechender Dekon-Mittel (siehe 10.4). Sind nur Körperteile, z.b. Hände oder Füße, kontaminiert, kann ggf. auf eine Ganzkörperreinigung verzichtet werden. Bei liegenden Personen dürfen die auf der Unterseite befindlichen Körperbereiche nicht vergessen werden. Dabei sollten die Verletzten wenn möglich nicht seitlich gedreht werden, sondern Beine und Oberkörper nacheinander angehoben werden, um ein Wegrutschen des (eingeseiften!) Verletzten zu vermeiden. Nach der Nassdekontamination wird der Patient in den Weißbereich des Dekontaminationsplatzes gebracht, abgetrocknet und wenn möglich auf Kontamination überprüft. Außerdem muss gerade in dieser Phase darauf geachtet werden, dass der Verletzte nicht unterkühlt (Wärmeerhalt). Anschließend wird der Patient auf eine saubere Krankentrage umgelagert und an ein Rettungsmittel (oder an das Personal des Behandlungsplatzes) übergeben. Die bisherige Gegen- oder Dekon-Maßnahmen (mit Zeitpunkt!) sind auf der Patientenanhängekarte zu vermerken. Der Rettungsdienst ist, z.b

27 mittels der Patientenanhängekarte, über eine Kontamination oder einen Kontaminationsverdacht sowie eine mögliche Inkorporation zu informieren Dekon-Stufen bei der Verletzten-Dekontamination Maßnahmen zur Verletzten-Dekontamination können in allen drei Dekon-Stufen nach FwDV 500 durchgeführt werden. Dabei sind die Phasen I bis IV nach dieser Richtlinie unterschiedlich ausgeprägt Not-Dekon von Verletzten (Dekon-Stufe I) Maßnahmen der Not-Dekon dienen der schnellen Absicherung erster Maßnahmen. Sie müssen auch für Verletzte greifen, die von den ersten eingetroffenen Kräften schnell aus dem Gefahrenbereich gerettet werden. Dies wird in der Regel erfolgen, bevor ein Dekon-Platz (Stufe II) betriebsbereit ist. An der Grenze des Gefahrenbereichs müssen folgende Maßnahmen der Phase I sofort ergriffen werden: Sichtung des Verletzungszustands und BLS/lebensrettende Handgriffe Priorisierung bei mehreren Verletzten Betreuung Lässt der Zustand der Verletzten das Abwarten der Betriebsbereitschaft eines Dekon-Platzes (Stufe II) nicht zu, müssen die folgenden Maßnahmen unverzüglich eingeleitet werden: Entfernen der Oberkleidung - dabei ist zu beachten, dass Augen und Mund zur Verhinderung einer Inkorporation zu schließen Abwischen (Spot-Dekon) des Gesichts Sofortiges Entfernen der Kontamination von der Haut ist bei akut hautschädigenden bzw. hautresorptiven Gefahrstoffen und insbesondere bei C-Kampfstoffen erforderlich, um eine weitere Schädigung zu begrenzen. 20 Für Unfälle mit A-Gefahrstoffen wurde dazu der Unfallerhebungsbogen nach GUV-I 668 eingeführt. Dieser eignet sich auch zur Dokumentation von B- und C-Kontaminationen

28 Das Abspülen mit Wasser reduziert wirksam die Kontamination auf ein weniger schädliches Maß und wirkt zudem auch psychologisch stabilisierend auf die Betroffenen 21. Bei der Kontamination mit A- und B-Gefahrstoffen, die nicht zusätzlich ätzend oder hautresorptiv sind, reicht in der Regel als erste Maßnahme das Entfernen der Oberbekleidung und Betreuen der Verletzten, bis eine fachgerechte weitere Versorgung möglich ist Standard-Grobreinigung von Verletzten (Dekon-Stufe II) Der Dekon-Platz der Dekon-Stufe II ist im Regelfall für die Dekon P ausgelegt und dient dazu, dass Einsatzkräfte den Gefahrenbereich sicher wieder verlassen können. Dennoch muss jeder Dekon-Platz der Stufe II so ausgelegt sein, dass dort auch (einzelne) liegende Verletzte dekontaminiert werden können. Neben den Maßnahmen, die auch durch die Not-Dekon (Stufe I) gewährleistet sein müssen, kommen hier weitere Maßnahmen hinzu: Sichtung des Verletzungszustands und lebensrettende Handgriffe Priorisierung (bei mehr als drei Verletzten) Betreuung ggf. Spot-Dekon zur Vorbereitung auf die Nass-Dekontamination Entkleiden und Trocken-Dekontamination ggf. erweiterte medizinische Maßnahmen inkl. Wärmeerhalt ggf. Nass-Dekontamination Umlagerung und Übergabe an den Rettungsdienst Die örtlichen Dekon-Konzepte für die Dekon-Stufe II müssen ggf. materiell und personell angepasst werden. Auch sind ggf. Abstimmungen mit dem Rettungsdienst erforderlich, um im Einsatz die Schnittstellen zwischen Dekon und frühestmöglicher medizinischer Versorgung zu beherrschen. Hier ist besonders zu beachten, dass bei schwer Verletzten in der Regel notfallmedizinische Maßnahmen durch ausreichend geschütztes 21 Hinweis: Dies gilt auch bei Stoffen, die als mit Wasser gefährlich reagierend klassifiziert sind! Hier ist nach dem trockenen Entfernen größerer Anhaftungen mit großen Mengen Wasser vorzugehen, da dies durch Verdünnung und Kühlwirkung die gefährliche Reaktion unterdrückt. Den größten Schaden richtet der Hautschweiß an, wenn auf das Abspülen verzichtet wird! 28-37

29 und ausgebildetes Rettungsfachpersonal vor der Dekontamination unbedingt erforderlich sind! Erweiterte Dekontamination von Verletzten (Dekon-Stufe III) Für die Verletzten-Dekontamination der Stufe III gibt es inzwischen zahlreiche örtliche und überörtliche, oder gar landesweite Einsatzkonzepte. Ziel dieser Dekon-Konzepte ist die vollständige Gewährleistung der Phasen I bis IV unter möglichst optimalen technischen und personellen Bedingungen. Nachteil nahezu jedes Dekon V-Konzepts der Stufe III ist jedoch der zum Teil erhebliche Zeitverzug bis zur Betriebsbereitschaft des Dekon V-Platzes von bis zu 60 Minuten nach Eintreffen (zuzgl. Alarmierungs- und Anmarschzeiten). Es ist daher sehr wichtig, umfassende Dekon-Konzepte zu entwickeln, die über alle drei Dekon-Stufen hinweg eine Verletzten-Dekontamination vom Eintreffen der ersten Einheit (Not-Dekon) über die Organisation des Standard-ABC-Einsatzes (Dekon-Stufe II) bis zur Betriebbereitschaft spezieller Verletzten-Dekontaminationsplätze oder - einrichtungen (Dekon-Stufe III) gewährleistet. Auch nach der Verfügbarkeit der Stufe III sollten die Dekon-Stellen der Stufe I und II weiter Verletzte dekontaminieren, um die Zeit bis zur Versorgung des letzten zu versorgenden Verletzten insgesamt so kurz wie möglich zu halten. Niemand sollte auf seine Dekontamination warten müssen, weil am Dekon V-Platz der Stufe III ein Stau besteht, während ihm an anderer Stelle ausreichend geholfen werden könnte. Dennoch muss die Dekon P für Einsatzkräfte stets gewährleistet bleiben. Je mehr Verletzte zu versorgen sind, desto wichtiger werden auch der Betrieb und die Leistungsfähigkeit einer Patientenablage vor der Dekontamination. Viele Verletzte müssen in der Zeit bis zur Dekon zwingend notfallmedizinisch betreut werden. Zahlreiche Konzepte weisen hier bisher erhebliche Lücken auf! Bei einer sehr großen Anzahl von Verletzten müssen mehrere Dekon-(V)-Plätze eingerichtet und betrieben werden. Speziell für die A-Dekon größerer Gruppen sind in der Umgebung kerntechnischer Anlagen ortsfeste Dekon-Stellen, z. B. Notfallstationen, vorbereitet. Diese können ggf. auch für die B-Dekon verwendet werden. Für ABC-Lagen mit zahlreichen Betroffenen ist im Rahmen der Einsatzplanung zu ermitteln, ob und wo geeignete Ersatzkleidung zeitgerecht beschafft werden kann. Für 29-37

30 jeden Betroffenen sollten mindestens einfache Badeschuhe und Socken sowie ein Einweg- oder Trainingsanzug vorhanden sein Dekontamination bei einem Massenanfall kontaminierter Verletzter Wird an der Einsatzstelle eine Vielzahl von Verletzten mit Kontamination(sverdacht) angetroffen, so müssen die ersten Kräfte entscheiden, ob auf die Betriebsbereitschaft eines (Verletzten-)Dekontaminationsplatzes (Stufe II bzw. III) gewartet werden kann oder ob unverzüglich Not-Dekon-Maßnahmen eingeleitet werden müssen. In der Regel nur bei aggressiven und/oder hautresorptiven C-Gefahrstoffen - besonders bei Kampfstoffen - ein sofortiges Entfernen der Kontamination von der Haut (Not-Dekon) erforderlich, um weitere Schädigungen zu begrenzen. Um schnell eine möglichst große Wirkung zu erzielen, müssen hier einfache Basismaßnahmen angewendet werden. Durch das Ablegen der Oberbekleidung kann wie beschrieben ein erheblicher Teil der Kontamination entfernt werden. Durch Absprühen der Personen mit viel Wasser kann zumindest ein Teil der auf der Körperoberfläche verbliebenen Gefahrstoffe abgespült werden. Ein möglicher Aufbau ist in Abb dargestellt. Die Maßnahme muss daher schnellstmöglich durch Einrichtungen für die Dekon-Stufe II bzw. III und für MANV- Einsätze ersetzt bzw. ergänzt werden! Abb : Soforthilfe zur C-Dekon durch Löschfahrzeuge 30-37

31 9 Geräte-Dekontamination (Dekon G) 9.1 Grundsätze Direkt nach dem Einsatz ist eine Grobreinigung des eingesetzten Gerätes durchzuführen, wenn damit die Transportfähigkeit wieder hergestellt werden kann. Eine frühzeitige Dekontamination wirkt oft einer Materialschädigung durch den Gefahrstoff entgegen. Bei A-Einsätzen ist eine Freimessung durchzuführen. Grobgereinigtes und ungereinigtes Gerät muss vor Ort in geeigneter Weise verpackt (z. B. in Foliensäcke) und gekennzeichnet werden (z. B. Anhänger / Aufkleber mit Einsatzort, -Datum, Inhalt, ggf. Art der Kontamination). Es verbleibt grundsätzlich im (dann ggf. angepassten) Gefahrenbereich bis die zuständige Behörde über das weitere Vorgehen entschieden hat. Gemeinsam mit der zuständigen Behörde und ggf. mit dem Verursacher oder dem zuständigen Versicherer ist auch zu entscheiden, ob das Gerät an einem gesonderten Dekon G-Platz gereinigt werden muss, oder ob die Grobreinigung in geeigneter Weise im Gefahrenbereich erfolgen kann, der ohnehin später fachgerecht dekontaminiert und wieder freigegeben werden muss. Durch sinnvolle Absprachen können Aufwand und Folgekosten hier ggf. erheblich reduziert werden. Ist eine Dekontamination nicht möglich oder nicht wirtschaftlich, so ist das Gerät zu entsorgen. 9.2 Einsatzgeräte Der Transport der grob dekontaminierten Geräte darf nicht in Mannschaftsräumen von Fahrzeugen durchgeführt werden. Dieses Verbot gilt auch für den Laderaum geschlossener Fahrzeuge (z. B. Kleintransporter), wenn keine dichte Abtrennung zum Fahrerraum besteht! Je nach landesrechtlichen Vorschriften sind ggf. Kennzeichnungspflichten für die Transportfahrzeuge zu beachten. Gebrauchte Geräte dürfen erst wieder eingesetzt werden, wenn sie fachgerecht gereinigt sind 22. Über die weitere Verfahrensweise mit radioaktiv kontaminierten Geräten entscheidet (schon vor dem Transport!) die zuständige Behörde. 22 Die Kontaminationsfreiheit sollte bei Vergabe der Reinigung an Unternehmen durch entsprechende Zertifikate nachgewiesen werden. Wird die Reinigung selbst durchgeführt, sollen das Verfahren und die Prüfung auf Kontaminationsfreiheit dokumentiert werden

32 Bei Ereignissen mit außergewöhnlichem Gerätebedarf (Katastrophen) muss stoff- und lageabhängig entschieden werden, ob und wie nicht vollständig gereinigte Geräte unmittelbar erneut eingesetzt werden können. 10 Fahrzeug- und Geräteausstattung 10.1 Ausstattung der Löschfahrzeuge Für Löschfahrzeuge wird folgende Zusatzausstattung empfohlen um die Notdekontamination und die allgemeine Einsatzstellenhygiene vor Ort gewährleisten zu können: - ph-neutrale Flüssigseife - Hautdesinfektionsmittel mit möglichst breitem Wirkungsspektrum - Papierhandtücher oder Baumwolllappen zum Abtupfen - Einmaldecken und Rettungsfolien (gold/silber) zur behelfsmäßigen Bekleidung inklusive Wärmeerhalt Die DIN Teil 18 sieht ein entsprechendes Beladungsmodul Dekontamination, Satz für Feuerwehrfahrzeuge vor, mit dem die Aufgaben der Not-Dekon gewährleistet werden können. Es wird empfohlen, Wasser führende Fahrzeuge der Feuerwehren generell damit auszustatten bzw. nachzurüsten. Auf Löschfahrzeugen, die Schutzkleidung der Formen 2 oder 3 nach FwDV 500 mitführen, soll zur behelfsmäßigen Dekon der Stufe II neben dem Dekon-Satz nach DIN Teil 18 (s.o.) folgende weitere Ausstattung vorhanden sein: - eine Einrichtung zur schnellen Wasserabgabe - Einweg-Anzüge Form 2, z. B. Typ 3 nach EN 466, für den Dekon-Trupp - ABEK2P3-Filter mit Atemanschluss 23 - Kontaminationsschutzhandschuhe - Kunststoffplane (mindestens 4 x 4 m) oder eine faltbare Auffangwanne 23 Die Gesamtanzahl der Filter muss so gewählt werden, dass über den Eigenschutz der Fahrzeugbesatzung hinaus zusätzliche Filter für einen Systemwechsel bei der Dekon zur Verfügung stehen., 32-37

33 10.2 Sondergeräte zur Dekontamination Zur Darstellung der Dekon-Stufe III sollten Personenduschen, Zelte, Warmwassererzeuger, ggf. Hochdruckreiniger vorgehalten werden. 24 Die Geräte sollen mit den üblichen Feuerwehrgeräten kompatibel sein (z.b. Kupplungen). Ergänzt werden die Sondergeräte durch eine Auswahl spezieller Dekon-Mittel (vgl.10.4) Reinigungsgerät Als Mindestausstattung werden empfohlen: - (Einmal-)Bürsten 25 mit Stiel, - Strahlrohre, wenn möglich Wasser führende Waschbürsten, - Warmwassererzeuger - Sprühgeräte (z. B. wie zur Verwendung im Garten) - Fließtücher oder Putzwolle zur Trockenreinigung. - Auffangplane ca. 4 x 4 m, Geräte für den Aufbau einer Auffangwanne (notfalls Steckleiterteile, A-Saugschläuche, Doppelkammerschläuche, je in Verbindung mit der Plane; besser selbstaufrichtende Wannen etc.). - Auffangmöglichkeit für Dekon-Abwasser; diese sollte gefahrlos zu entleeren sein Foliensäcke (Durchmesser mind. 1 m) mit Verschluss- und Kennzeichnungsmöglichkeit, ggf. verschließbare Behälter und stabile Abdeckfolien. Hinweis: Die Beladung des Gerätewagens Gefahrgut nach DIN (Ausgabe Juni 2014) sieht ein Reinigungsset und Beladung zum Auffangen vor Dekon-Mittel Empfehlung für vorzuhaltende Dekon-Mittel (Verträglichkeiten beachten!): Kontamination Haut andere Oberflächen 24 Diese Geräte sind auch Teil der Beladung des Gerätewagens Gefahrgut (GW-G) nach DIN : Bei der Grobreinigung für jedes Gerät eine neue Bürste verwenden oder Bürste zwischendurch gründlich reinigen, da sonst die Gefahr einer Kontaminationsverschleppung besteht! 26 Gut bewährt haben sich hier handelsübliche Großgebinde (IBC) mit Gefahrgut-Zulassung, die anschließend auch leicht der Entsorgung zugeführt werden können, ohne das Abwasser erneut umfüllen zu müssen! 33-37

34 Kontamination Haut andere Oberflächen A-Gefahrstoffe Radioaktive Partikel Wasser + neutrales Reinigungsmittel, kontaminierte Haut vorsichtig abwaschen. Ggf. mit Sprühkleber fixieren und auf der Oberfläche belassen. Evtl. mit geeignetem Gerät absaugen. Radioaktive Flüssigkeiten B-Gefahrstoffe Bekannte biologische bzw. infektiöse Agenzien Unbekannte biologische Agenzien Blut und andere Körperflüssigkeiten A-Spezialdekonmittel mit Komplexbildner Wasser + neutrales Reinigungsmittel, kontaminierte Haut vorsichtig abwaschen. A-Spezialdekonmittel mit Komplexbildner entsprechend geeignetes Haut- Desinfektionsmittel 27 Peressigsäure (PES), 0.2% 28 Einwirkzeit: 2 mal 1 Minute Handelsübliche Haut- oder Handdesinfektionsmittel auf alkoholischer Basis 29 A-Spezialdekonmittel mit Komplexbildner Möglichst Trocken-Dekon, um kein radioaktives Abwasser zu erzeugen. A-Spezialdekonmittel mit Komplexbildner entsprechend geeignetes Flächen-Desinfektionsmittel 27 Peressigsäure (PES), 1 % Einwirkzeit: 5 Minuten - kleine Fläche (<0,5m²): handelsübliche Flächendesinfektionsmittel auf alkoholischer Basis als Spray 30 - größere Flächen: Peressigsäure 1%, 5 min. C-Gefahrstoffe unbekannter Stoff Wasser und Seife Wasser und Seife Benzol, Aromaten Polyethylenglykol 400 (PEG 400) Polyethylenglykol 400 (PEG 400) Benzine; Mineralöle handelsübliche Flüssigseifen, Fette; höher viskose, nicht wasserlösliche Stoffe Spülmittel, Ölvlies, Putzwolle Spülmittel, behelfsmäßig auch Mehrbereichsschaummittel Kaltreiniger (in Wasser gelöst), Spülmittel, behelfsmäßig auch Mehrbereichsschaummittel Laugen / Säuren Wasser (Verdünnung!) Wasser (Verdünnung!) C-Kampfstoffe Trocken abtupfen und dann mit viel Wasser und Seife spülen Chlorkalk, Calciumhypochlorit- / Natriumhypochloritlösung (Chlorbleichlauge) Hinweise: 27 Eine gezielte Vorhaltung ist praktisch nur bei stationären Anlagen bzw. bekannten Infektionen möglich. Die Eignung ergibt sich nicht nur aus der Wirkung auf den Erreger, sondern auch durch die erforderliche Einwirkzeit. 10 Minuten sollten hier nicht überschritten werden. 28 Bei der Anwendung immer auf die Konzentrationen der Handelsprodukte achten! 0,2 % PES entspricht z. B. 0,5 % Wofasteril (40%). Hinweis: Wofasteril ist das derzeit einzige PES-Produkt mit Zulassung nach Arzneimittelgesetz. 29 Diese Desinfektionssprays können bei entsprechender Eignung auch zur behelfsmäßigen hygienischen Innendesinfektion von Schutzkleidung vor Wiederverwendung genutzt werden. Die Verträglichkeit mit dem Anzugmaterial ist zu beachten! 30 Achtung! Brand- und Explosionsgefahr beachten, besonders in engen unbelüfteten Räumen (z. B. RTW-Innenraum)! 34-37

35 Für die Spülung der Augen kann eine 0,9%ige Natriumchlorid-Lösung (isotonische Kochsalzlösung, z. B. aus dem Rettungsdienst) verwendet werden. Nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) muss Duschwasser 31 Trinkwasserqualität haben. Die Dekon-Anlagen des bundeseigenen GW Dekon P sind auf die Belange der TrinkwV ausgelegt worden. Dies erfordert regelmäßige Wartungs- und Pflegemaßnahmen. Einzelne Länder haben hierzu bereits spezielle Regelungen für Feuerwehreinsätze erlassen. Ggf. muss der Einsatzleiter über das Vorgehen - auch gegen die Vorschriften der TrinkwV - entscheiden, z. B. im Rahmen der Not-Dekon. 11 Entsorgung Stoffe, kontaminierte Gegenstände, Reinigungsflüssigkeit sowie verunreinigtes Wasser sind aufzufangen, zu sichern und der zuständigen Behörde zu übergeben. Zum Auffangen und Verpacken kontaminierten Materials sollte geeignetes Einwegmaterial (z. B. Foliensäcke aus Polyethylen oder Schraubdeckeltonnen) benutzt werden. 12 Aus- und Fortbildung Einsatzkräfte von Dekon-Einheiten müssen die Feuerwehrgrundausbildung 32 (inkl. A- temschutzgeräteträger) abgeschlossen haben und einen Lehrgang ABC-Einsatz nach FwDV 2 33 absolviert haben. Aufgrund der ggf. erforderlichen PSA (Maske mit Filter) sind auch für Einsatzkräfte anderer Organisationen am Dekon-Platz mindestens eine Tauglichkeit (inkl. ggf. notwendiger Untersuchungen) und eine Ausbildung für die Handhabung von Filtergeräten erforderlich. Für das Personal des GW Dekon P sieht die FwDV 2 den Lehrgang ABC- Dekontamination vor. Die dort behandelten Inhalte sind für alle Einsatzkräfte des Aufgabenbereichs Dekon sinnvoll, auch in Einheiten ohne GW Dekon P. 31 Das gilt nur für unbekleidete Personen, nicht für die Außenreinigung von CSA o. ä.! 32 Für Einsatzkräfte anderer Organisationen entsprechend die vollständige Grundausbildung zum Sanitäter etc. 33 Feuerwehr-Dienstvorschrift 2, Ausgabe

36 Der Abschnittsleiter Dekon soll mindestens über eine Gruppenführerausbildung sowie die Lehrgänge Führen im ABC-Einsatz und ABC-Dekontamination gem. FwDV 2 verfügen. Im Rahmen der regelmäßigen theoretischen Fortbildung und der praktischen Übungen nach Vorgabe der FwDV 500 ist die Dekontamination jährlich zu üben. Da die Dekontamination Bestandteil eines ABC-Einsatzes ist, sollte sie auch Bestandteil jeder ABC- Übung sein. Die Maßnahmen der Not-Dekon müssen von allen Einsatzkräften aller Organisationen regelmäßig geübt werden! Wenn die Dekontamination von Einsatzkräften aus verschiedenen Organisationen gemeinsam durchgeführt wird (z. B. Dekon V), so müssen die Ausbildungsinhalte abgestimmt sein! Gemeinsame Fortbildungsmaßnahmen sind unbedingt durchzuführen

37 13 Dekon-Maßnahmen für Einsatzpersonal in Abhängigkeit von der Dekon-Stufe und den Kontaminationen (Dekon-Matrix) Einsatzart Dekon-Stufe I Dekon-Stufe II Dekon-Stufe III Not-Dekon (auch für Verletzte!) Standard-Grobreinigung Erweiterte Dekon A-Einsatz Kontaminierte Kleidung ablegen! Kontaminierte Hautpartien (möglichst Schutzkleidung sorgfältig ablegen, ggf. Systemwechsel im Atemschutz durchführen. Dekontamination wie Stufe II und Nutzung bestimmter Sonderausstattung (z. B. Dusche, trocken) reinigen! Nach dem Ablegen der Schutzkleidung Person Zelte, Umkleidemöglichkeiten). Wenn möglich Person auf Restkontaminati- auf Kontamination (Kont.-Nachweisgerät) über- on (Kont.-Nachweisgerät) überprüfen. prüfen. Bei festgestellter Kontamination Person Bei Verdacht auf Hautkontamination ist die einem ermächtigten Arzt vorstellen! Person einem geeigneten Arzt vorzustellen. B-Einsatz Kontaminierte Kleidung ablegen! Haut (mind. Hände, Gesicht und kont. Desinfektion der Schutzkleidungsoberfläche (mit Flächendesinfektionsmittel). Desinfektion wie Stufe II und Nutzung bestimmter Sonderausstattung (z. B. Duschen, Zelte, Hautpartien) desinfizieren und waschen Nach der Einwirkzeit Schutzkleidung abspülen Umkleidemöglichkeiten). oder duschen! (C-Dekon) und sorgfältig ablegen. Zulassung und Einwirkzeiten beachten! Reinigungsflüssigkeit auffangen. Bei Verdacht auf Hautkontamination ist die Bei Risikogruppe 3 und 4: Immer Haut (mind. Person einem geeigneten Arzt vorzustellen. Hände, Gesicht und kont. Hautpartien) desinfizieren und waschen oder duschen! C-Einsatz Kontaminierte Kleidung ablegen! So schnell wie möglich kontaminierte Ggf. Systemwechsel im Atemschutz durchführen. Dekontamination i. d. R. mit Wasser und Hilfsmit- Dekontamination i. d. R. mit warmem Wasser (evtl. Reinigungszusätze verwenden) und Hautpartien mit Sprühstrahl reinigen! teln (vgl. 10.4). bestimmter Sonderausstattung (z. B. Dusche, Bei Verdacht auf Hautkontamination Person Schutzkleidung sorgfältig ablegen. Zelte, Umkleidemöglichkeiten). einem geeigneten Arzt vorstellen. Reinigungsflüssigkeit auffangen. Die Reinigungsflüssigkeit ist aufzufangen.

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