Gleichstellung auf dem Kölner Arbeitsmarkt wie ist die Lage, was bleibt zu tun?

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1 Gleichstellung auf dem Kölner Arbeitsmarkt wie ist die Lage, was bleibt zu tun? von Noomi Frommann Am 5. April 2013 durfte das Allerweltshaus die Referentin Eva Pohl zu dem Vortrag Gleichstellung auf dem Kölner Arbeitsmarkt wie ist die Lage, was bleibt zu tun? begrüßen. Die Veranstaltung wurde von Hanna Obert moderiert. Eva Pohl ist seit 1998 Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit in Köln. Außerdem ist sie in zahlreichen Netzwerken tätig und seit vielen Jahren mit den Fragestellungen der Chancengleichheit vertraut. Sie informiert, berät und unterstützt Interessierte in Fragen zur Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsmarkt und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eva Pohl zeigt in ihrem Vortrag die Gründe für die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt auf und untermauert die Chancenungleichheit zwischen Mann und Frau außerdem mit einigen Zahlen. Gleichberechtigung im Gesetz verankert Schon im Grundgesetz Artikel 3 wurde festgelegt, dass alle Menschen u.a. unabhängig vom Geschlecht gleich vor dem Gesetz sind. Der Staat hat dabei die Verantwortung Nachteilen entgegen zu wirken und die Gleichberechtigung zu fördern Das Sozialgesetzbuch (SGB III) verfolgt ebenfalls das Ziel der Gleichberechtigung von Mann und Frau, dabei geht es jedoch ganz konkret um die Arbeitsförderung. Das bedeutet, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern als durchgängiges Prinzip der Arbeitsförderung zu verfolgen ist. Und die Leistungen der Arbeitsförderung sollen unter anderem darauf gerichtet sein, die berufliche Situation von Frauen zu verbessern. Die Bundesagentur für Arbeit ist dabei verantwortlich den Anforderungen aus dem SGB III nachzukommen. Die EU gibt die Vorgabe und überprüft, dass 66% der Frauen einer Gesellschaft erwerbstätig sind. In Deutschland lag der Anteil der Frauen, die berufstätig sind lange darunter.

2 Chancenungleichheit in Deutschland Der Fokus liegt auf den Frauen, da diese auf dem Arbeitsmarkt hauptsächlich benachteiligt sind. Doch wodurch zeichnet sich diese Benachteiligung in der heutigen Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft aus? Zum einen arbeiten Frauen sehr häufig in Dienstleistungssektoren wie dem Reinigungs- oder Produktionsgewerbe, die vom Abbau bedroht und zudem schlecht bezahlt sind. Außerdem lässt sich feststellen, dass sehr wenige Frauen in wirtschaftsnahen und zukunftsorientierten Dienstleistungsbereichen (Bsp.: IT Branche) vertreten sind. Die Qualifikationsanforderungen verändern sich durch eine Zunahme an Dienstleistungen, was für Frauen mit hochqualifizierten Abschlüssen einen Vorteil darstellt. Frauen die im Vergleich aber schlechter qualifiziert sind, sehen sich nach wie vor einen Beschäftigungsabbau konfrontiert. Ein weiterer sehr bekannter Faktor ist, dass Arbeitgeber Frauen ungern mit dem Risiko einer bevorstehenden Schwangerschaft einstellen bzw. Frauen nach einer längeren Betreuung der Familie große Mühe haben auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Allerdings zeichnen sich die heutigen Arbeitsstrukturen durch höhere Flexibilität aus, wodurch die Möglichkeit für Frauen wächst erwerbstätig zu sein. Die Kehrseite ist jedoch, dass sie dadurch in Arbeitsverhältnisse gelangen, die wenig oder nicht abgesichert sind (Bsp.: Minijob oder befristete Arbeitsverträge). Dazu lässt sich anmerken, dass Männer häufig neben ihrem eigentlichen Job noch einen Minijob haben, Frauen lediglich neben ihrem Haushalt. Außerdem fallen Paare oder Ehepaare, sobald sie ein Kind erwarten in traditionelle Rollenverhältnisse zurück. Die Mutter nimmt Elternzeit und trägt Sorge für das Kind, während dem der Vater arbeiten geht. Durch die Einführung einer Elternzeit, die ausdrücklich auch Vätermonate vorsieht, wurde dem versucht entgegen zu wirken. Dies sind lediglich einige Bereiche, um aufzuzeigen, dass Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht die gleichen Chancen besitzen wie Männer. Im zweiten Teil ihres Vortrags, stelle Eva Pohl anhand einiger Statistiken die Lage von Frauen auf dem Arbeitsmarkt dar. Arbeitslosigkeit Im Februar 2013 gab es nach SGB II + III ca Arbeitslose in Köln. Die Dunkelziffer liegt aber bei Die restlichen 7000 sind nicht als arbeitslos eingetragen, da sie zum Beispiel an bestimmten Maßnahmen der aktiven Arbeitsförderung teilnehmen und deshalb nach der Definition nicht als

3 arbeitslos gelten. Der Männeranteil beträgt 55,3% und der Frauenanteil der Arbeitslosen beträgt 44,7%. Doch auch diese Angabe ist niedriger, als der tatsächliche Anteil von Frauen, die keine Arbeit haben. Entweder die Frauen melden sich nicht, gelten nicht als arbeitslos oder haben Familie, was für viele als Grund dient, um kein Arbeitslosengeld zu beantragen. Grundlage für die Nicht Meldung bei der Arbeitsagentur ist der weit verbreitete Gedanke: Ich kriege nichts, deswegen melde ich mich nicht. Dabei könnten sie auch beraten und unterstützt werden, wenn sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben. Der Frauenanteil bei den Alleinerziehenden beträgt 91,8%, dem hingegen sind nur 8,2% der Alleinerziehenden Männer im Jobcenter als arbeitslos gemeldet und beziehen Hartz IV. Auch der Anteil der Frauen an den Berufsrückkehrerenden ist deutlich höher. Hier sind 95,5% Frauen, jedoch nur 4,5% Männer. Die Differenz ist so hoch, weil viel mehr Frauen die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Verwandten übernehmen. Als Berufsrückkehrer/innen gelten Personen, die ihre berufliche Tätigkeit für mindesten ein Jahr für Familienarbeit unterbrochen haben und dann wieder erwerbstätig werden wollen. Teilzeitbeschäftigung Anhand einer Erhebung ( Sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frauen (ohne Auszubildende) NRW - Statistik der Bundesagentur für Arbeit) über den Anteil von Frauen in einer Teilzeitbeschäftigung in den Jahren lässt sich feststellen, dass zwar mehr Frauen teilzeitbeschäftigt sind, jedoch nahmen allgemein die Arbeitsstunden der Frauen nicht zu. Außerdem wurden im Rahmen dieser Statistik nur Frauen berücksichtigt, die Sozialversicherungspflichtig sind. Die Hans-Böckler Stiftung hat eine Statistik ( Deutsche Frauen oft in Teilzeit ) herausgebracht, die aufzeigt, dass im Jahr ,3% der Frauen in Deutschland in Teilzeit arbeiteten. Nur die Niederlande lag mit 75,8% darüber. Außerdem lässt sich feststellen, dass Frauen deutlich häufiger in einem Teilzeitverhältnis arbeiten als Männer. Im Jahr 2013 arbeiten insgesamt 47,5% der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit, dem hingegen sind nur 8,1% der Männer in einem Teilzeitverhältnis. Auch die Gründe für eine Teilzeitbeschäftigung sind bei Frauen und Männern

4 sehr unterschiedlich. Bei Frauen liegt eine Arbeit in Teilzeit vorwiegend der familiären Betreuung zugrunde (77,2%). Die wenigsten arbeiten in diesem Verhältnis aufgrund dessen, dass Vollzeit nicht gewünscht oder nicht zu finden ist. Der Hauptgrund bei Männern, weshalb sie Teilzeit arbeiten ist, dass sie eine Vollzeitbeschäftigung nicht finden (39.0%). Im Vergleich ist die familiäre Betreuung für Männer nur zu 23,4% ein Grund Teilzeit zu arbeiten. Die Referentin hat neben diesen Bereichen noch kurze Einblicke in folgende Themenkomplexe gegeben: Mütter in Paarfamilien sind mehr erwerbstätig, als Frauen, die alleinerziehend sind Die Branche der Zeitarbeit fordert ein hohes Maß an Flexibilität und ist häufig im Produktionsbereich angesiedelt, weshalb sie als Männerdomäne gilt. Wenn jedoch ein Mangel aufkommt, werden die Anforderungen z.b. familienfreundlicher gestaltet (Bsp.: Pflegebereich) Frauen erlangen tendenziell höhere Schulabschlüsse, wohingegen im Vergleich mehr Männer ihren Abschluss in einem Förderschwerpunkt oder gar keinen Abschluss machen die Renten der Frauen sind zwar gestiegen, dennoch sind sie im Vergleich zu den Renten, die die Männer erhalten deutlich geringer. Im Jahr 2011 betrug die Differenz fast 500 Gleichstellung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe Konkrete Maßnahmen, um die Gleichstellung zwischen Mann und Frau sicherzustellen, wären vor allem die Frauen bei der Betreuung von Kindern oder Angehörigen effizienter zu unterstützen. Das bedeutet z.b., dass mehr Plätze für Kinder in Tageseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden, Gründung von mehr Betriebskindergärten und privaten Tageseinrichtungen und eine flexiblere Öffnungszeiten von eben solchen Institutionen. Ein weiterer Faktor, der maßgeblich zur Gleichstellung beitragen kann, ist dass Arbeitszeitmodelle eingeführt werden, die sich durch Flexibilität und ein familiennahes Konzept auszeichnen. Außerdem sollen Väter mit in die Angebote einbezogen werden, die dazu beitragen Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Zudem ist es wichtig spezielle Beratungsangebote, Berufsperspektiven und Qualifikationsmöglichkeiten für Frauen mit Familie breitgefächerter zu

5 verbreiten und bekannt zu machen. Fazit und Ansätze in Köln Die Herausforderung für Frauen mit Familienaufgaben besteht darin, dass es aufgrund der Anforderungen in Familie und Beruf meistens immer noch schwierig ist diese miteinander zu vereinbaren. Dazu tragen statische Arbeitsbedingungen und nicht flexible Arbeitszeiten bei. Zudem sehen sich Frauen mit Vorbehalten bei der Einstellung konfrontiert, dass Frauen eine Fehlinvestition seien. Dahinter steckt das Gedankengut, dass Frauen nun mal schwanger werden und Männer von Natur aus mehr schaffen und leistungsfähiger sind. Außerdem haben Frauen aufgrund von Familienzeiten häufiger keine abgeschlossene, anerkannte oder veraltete Berufsausbildung, was den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt erschwert. Doch es gibt Ansätze in Köln, die Frauen helfen sollen auf dem Arbeitsmarkt ihren Platz zu finden. Zunächst ist zu berücksichtigen, dass diese Ansätze nicht als Vorgaben gelten, sondern lediglich einen Unterstützungswert haben. Die Arbeitsagentur bietet Veranstaltungen für BerufsrückkehrerInnen an, die als Beratungsangebot und Hilfestellung dienen sollen, um den Einstieg auf dem Arbeitsmarkt zu erleichtern. Die Referentin Eva Pohl hat, unterstützt durch die Vorsitzende der Geschäftsführung, Roswitha Stock, eine sehr informationsreiche Broschüre Kompass für Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer herausgegeben, die viele Tipps und Anlaufstellen für Frauen und Männer beinhaltet, die nach einer Familienzeit wieder anfangen wollen zu arbeiten. Das Jobcenter hat außerdem eine Jobbörse nur für Alleinerziehende und beschäftigt zwei Arbeitsvermittlerinnen, die gerade Alleinerziehenden helfen und unterstützen einen Job zu finden. Außerdem bietet das Jobcenter seit vielen Jahren für alleinerziehende Mütter und Väter eine betriebliche Einzelumschulung an, die dazu beiträgt, Familie und Beruf zu vereinbaren. Dabei besteht die Möglichkeit später vom Betrieb, bei dem man die Ausbildung gemacht hat, übernommen zu werden. Zum Schluss hob Eva Pohl hervor, dass es wichtig ist, dass die verschiedenen Einrichtungen und Programme, zur Förderung der Steigerung der Erwerbsarbeit von Frauen, als Netzwerk zusammenarbeiten und sich fortwährend austauschen. Fotos: Lisa Gauges

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