Behindertenstudium: Theorie und Praxis. Oberrat Mag. Gerhard Höllerer Ombudsstelle für Studierende

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1 Behindertenstudium: Theorie und Praxis Oberrat Mag. Gerhard Höllerer Ombudsstelle für Studierende

2 Abbau von Barrieren Durch den Abbau von Barrieren an Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen wird es für Menschen mit Behinderung immer selbstverständlicher ein Studium zu beginnen.

3 Spezielle Prüfungsmodalitäten Im Universitätsgesetz 2002 sind u. a. die Rechte und Pflichten der Studierenden geregelt. 59 (1) Zi. 12 legt fest: umfasst insbesondere das Recht, auf eine abweichende Prüfungsmethode, wenn die/der Studierende eine länger andauernde Behinderung nachweist, die ihr/ihm die Ablegung der Prüfung in der vorgeschriebenen Methode unmöglich macht

4 Prüfungsordnung an Universitäten Die Prüfungsordnung ist jener Teil des Curriculums, in dem die Arten der Prüfungen, die Festlegung der Prüfungsmethode und nähere Bestimmungen für das Prüfungsverfahren festgehalten sind.

5 Abweichende Prüfungsmethoden an Fachhochschulen Studierende an Fachhochschulen, die eine länger andauernde Behinderung nachweisen, die ihnen die Ablegung der Prüfung in der vorgeschriebenen Methode unmöglich macht, haben gemäß 13 Abs. 2 FHStG das Recht auf eine abweichende Prüfungsmethode, wenn eine Behinderung nachgewiesen wird, die die Ablegung der Prüfung in der vorgeschriebenen Methode unmöglich macht und der Inhalt und die Anforderungen der Prüfung durch die abweichende Methode nicht beeinträchtigt werden. Das bedeutet, wie auch bereits bei den Studierenden an den Universitäten, dass statt einer schriftlichen Prüfung eine mündliche Prüfung abgehalten werden kann, statt einer mündlichen Prüfung eine schriftliche Prüfung bzw. eine Kombination. Es kann auch eine Verlängerung der Prüfungszeit gewährt werden. Grundsätzlich handelt es sich um einen Rechtsanspruch, eingeschränkt dadurch, dass keine Beeinträchtigung der Prüfung durch eine abweichende Methode erfolgt.

6 Prüfungsordnung an Fachhochschulen Die Prüfungsordnung ist Teil des Antrages auf Akkreditierung eines Fachhochschulstudienganges an die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria. Spezielle Prüfungsmethoden könnten zusätzlich in diesen Studien- und Prüfungsordnungen oder im Ausbildungsvertrag festgelegt werden.

7 Prüfungsordnungen an Pädagogischen Hochschulen Vorgaben für die Prüfungsordnung befinden sich im Hochschulgesetz 2005 und in der Hochschul-Curricula-Verordnung.

8 Hochschulzulassungsverordnung Erfordernisse für die Zulassung an Pädagogischen Hochschulen (Hochschulzulassungsverordnung): Sprech- und Stimmleistung ( 3) Körperlich-motorische Eignung

9 Prüfungen Ein große Zahl von behinderten Studierenden stößt bei bestimmten Lehrund Prüfungsmethoden auf Schwierigkeiten. Zur Vermeidung von behinderungsbedingten Problemen gibt es im UG 2002 und FHStG eine Reihe von Sonderregelungen für Studierende mit Behinderung.

10 Alternative Prüfungsmethoden Im 59 Abs. Z 12 UG 2002 und 13 Abs.2 FHStG sind die erweiterten Rechte bei Prüfungen geregelt. Motorische Behinderungen: verlängerte Prüfungszeiten Blinde Studierende: mündlich statt schriftliche Prüfungen Menschen mit Hörbehinderungen: schriftlich statt mündliche Prüfungen Sehbehinderte Studierende: Prüfungsvorlagen in Großschrift Wichtig: Die Methode ist stets in Absprache mit den PrüferInnen und studienrechtlichen Organen festzulegen!

11 Satzungen der Universitäten Die Satzungen der jeweiligen Universität sowie die Studien und Prüfungsordnungen der einzelnen Fachhochschulen können die speziellen Regelungen für behinderte Studierende noch detaillierter festschreiben. Die Satzungen werden auf der Homepage der Universitäten veröffentlicht, die Studienprüfungsordnungen müssen öffentlich zugänglich sein.

12 Zulassungstests zu Studienrichtungen EMS für Human- und Zahnmedizin Betriebswirtschaft Tiermedizin Kommunikationswissenschaft und Publizistik Psychologie Da es als Einstufungstest gesehen wird und keine Prüfung im herkömmlichen Sinne ist, finden derzeit auch die Regelungen für alternative Prüfungsmethoden keine Anwendung. Weiters ist auch fraglich, ob der / die Studienwerber/in bereits den Bestimmungen des UG unterliegt, da er / sie noch kein/e Student/in ist.

13 Zulassung an Fachhochschulen Es ist unklar, ob der / die Studienwerber/in bereits den Bestimmungen des FHStG im Bezug auf alternative Prüfungsmethoden unterliegt, da er / sie noch kein/e Student/in ist.

14 UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung Die Präambel der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung bereits besagt, dass Bildung für alle möglich sein muss. Artikel 8 III führt aus, dass behinderte Menschen alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll genießen können, müssen Sie vollen Zugang zur physischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Umwelt, zu Gesundheit und Bildung sowie zur Information und Kommunikation haben.

15 UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung Artikel 24 Bildung Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Integratives Bildungssystem Inklusion auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen Ziele: Förderung der menschlichen Möglichkeiten Förderung des Bewusstseins und der Würde Förderung des Selbstwertgefühls des Menschen Achtung vor den Menschenrechten, Grundfreiheiten und Stärkung der menschlichen Vielfalt

16 UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung Bei der Verwirklichung dieses Rechts stellen die Vertragsstaaten sicher, dass Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführenden Schulen ausgeschlossen werden. Menschen mit Behinderungen innerhalb des allgemeinen Bildungssystems die notwenige Unterstützung geleistet wird, um ihre erfolgreiche Bildung zu erleichtern.

17 Forderungen der Ombudsstelle für Studierenden Behinderten Studienwerber/inne/n sollte bei Zulassungsverfahren eine abweichende Prüfungsmethode ermöglicht werden, wenn die/der Studierende eine längere andauernde Behinderung nachweist, die ihr/ihm die Ablegung der Prüfung in der vorgeschriebenen Methode unmöglich macht, und der Inhalt und die Anforderung der Prüfung durch eine abweichende Methode nicht beeinträchtigt werden.

18 Forderungen der Ombudsstelle für Studierende Es sollte möglich werden, prinzipiell mit jeder Behinderung fast alle Studien beginnen und betreiben zu können, wenn im Bedarfsfall eine abweichende Prüfungsmethode beantragt werden kann. Zu beachten ist allerdings, dass Inhalt und Anforderung des Studiums nicht beeinträchtigt werden dürfen.

19 Forderungen der Ombudsstelle für Studierende Bei Fachhochschulen müssten die Regelungen bezüglich Zulassungsverfahren für behinderte Studierende in alternativen Prüfungsmethoden in deren Aufnahmeverfahren eine Regelung finden. Die Regelung von alternativen Prüfungsmethoden müsste auch in den Studien- und Prüfungsordnungen sowie explizit in den Ausbildungsverträgen festgeschrieben werden, um so eine spezielle Regelung für die Bedürfnisse jedes einzelnen/einzelner behinderten Studierenden zu finden.

20 Forderungen der Ombudsstelle für Studierende Für die Zulassung an einer Pädagogischen Hochschule für Bachelorstudien zur Erlangung des Lehramts an Volks- und Sonderschulen müssten die Begriffe wie Erforderliche Sprechund Stimmleistung oder körperlich- motorische Eignung aus der Hochschulzulassungsverordnung entfernt werden, da diese Voraussetzungen viele Behinderungsgruppen zum Studium an einer Pädagogischen Hochschule ausschließt.

21 Forderung der Ombudsstelle für Studierende An Privatuniversitäten sollten, in Analogie zu den öffentlich-rechtlichen Universitäten, Studierendenrechte und pflichten festgelegt werden, darunter auch die alternativen Prüfuingsmethoden.

22 UN-Konvention Da die Vertragsstaaten und auch Österreich die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung anerkennen, anerkennen sie auch das Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderung.

23 UN-Konvention Damit dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit verwirklicht werden kann, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und ein lebenslanges Lernen.

24 Forderungen der Ombudsstelle für Studierende BILDUNG MUSS ZUKÜNFTIG AUCH FÜR BEHINDERTE MENSCHEN IM GESAMTEN TERTIÄREN BILDUNGSBEREICH MÖGLICH SEIN, WOZU AUCH DIE FERNSTUDIEN ZÄHLEN!

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