Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen!

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1 Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen! Hungersnöte im Spiegel der Sozial- und Kulturgeschichte Dr. Andrea Fadani Museum der Brotkultur

2 0. Der Wendepunkt Bilder des Hungers 2. Rolle Hohenheims im 19. Jahrhundert 3. Herausforderungen im 21. Jahrhundert

3 0. Der Wendepunkt 1789

4 Marie-Antoinette ( ) Königin von Frankreich «S'ils n'ont pas de pain, qu'ils mangent de la brioche!» Wenn sie kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen! Josef Hauzinger: Marie Antoinette, Öl auf Leinwand, um 1776 Tatsächlich geht der Satz auf Jean-Jacques Rousseau zurück.

5 Jean-Jacques Rousseau ( ) «Enfin je me rappelai le pis-aller d'une grande princesse à qui l'on disait que les paysans n'avaient pas de pain, et qui répondit: Qu'ils mangent de la brioche.» (Les Confessions, Livre VI) Endlich erinnerte ich mich des Notbehelfs einer großen Prinzessin, der man sagte, die Bauern hätten kein Brot, und die antwortete: Dann sollen sie Brioche essen! (Die Bekenntnisse, Buch VI), publiziert 1782 Jean-Jacques Rousseau, Pastell von Maurice Quentin de La Tour, 1753

6 Joseph-François Foullon (25. Juni Juli 1789) «Si cette canaille n'a pas de pain, qu'elle mange du foin» Wenn das niedere Volk kein Brot hat, dann sollen sie Heu fressen Französsiche Schule, Joseph-François Foullon, um 1780

7 Pierre Gabriel Berthault nach Jean-Louis Prieur - Bertier de Sauvigny erkennt den Kopf von Foullon, 1789

8 Alexandre Debelle: Du pain! (Brot!), Nationalversammlung 5. Oktober 1789, um 1840, Sammlung Museum der Brotkultur

9 Guerre des farines sog. Mehlkrieg Aufstand in Frankreich im April und Mai 1775 aufgrund der stark angestiegenen Mehl- und Brotpreise Ursache: Aufhebung der staatlichen Preisbindung von Getreide im Jahre 1774 Wirkung: massive Spekulation mit Getreide. Aufgrund der Preissteigerung Unruhen in den Städten und Plünderungen der Getreidelager Soldaten schlugen die Revolte nieder. Die staatliche Preisbindung wurde wieder eingeführt.

10 1. Bilder des Hungers

11 Pharao Amenophis III. ( v. Chr.) Der Pharao ließ seine Klage über eine Hungersnot am ersten Nil- Katarakt in Granit meißeln: Während meiner Herrschaft hat der Nil das Land sieben Jahre lang nicht überflutet. Das Korn ist knapp, und die Nahrung fehlt. Die Vorratskammern sind ausgeräumt und leer. Nur noch der Wind bläst durch sie. Alles ist zu Ende.

12 Raphael Urbino Joseph deutet Pharaos Träume, um 1680, Sammlung Museum der Brotkultur

13 Daniel Hopfer Kornwucherer, 1684, Sammlung Museum der Brotkultur

14 Wer satt ist, wird nie einen Hungrigen verstehen.

15

16 Flämischer Maler Arm und Reich oder Krieg und Frieden, um 1600, Sammlung Museum der Brotkultur

17 Pieter Brueghel d. J. Die sieben Werke der Barmherzigkeit, zwischen 1616 und 1638, Sammlung Museum der Brotkultur

18 Wer hungrig ist, dem ist kein Brot zu schwarz.

19 Käthe Kollwitz Brot!, 1924 Sammlung Museum der Brotkultur

20 2. Rolle Hohenheims im 19. Jahrhundert

21 Wer Brot will, darf den Schweiß nicht scheuen.

22 Pieter Bruegel d. J. Der Sommer, zwischen 1620 und 1635, Sammlung Museum der Brotkultur

23 Große Hungersnot 1771/72 Herzog Carl von Württemberg verfügt per Reskript vom , daß ab sofort bei jedem Gottesdienst ein öffentliches Buß-Gebet zu sprechen ist, um die Sünden zu tilgen und Gott zu bewegen, die Strafe der Hungersnot vom Land zu nehmen.

24 Ausbruch des Vulkans Tambora, Indonesien im April = Jahr ohne Sommer

25 Johann Thomas Stettner Schraubtaler, 1817, Museum der Brotkultur

26 Johann Thomas Stettner Schraubtaler, 1817, Museum der Brotkultur

27 Johann Thomas Stettner Schraubtaler, 1817, Museum der Brotkultur

28 König Wilhelm I. von Württemberg ( ) Im Hungerjahr 1817 teilte der König der Ständeversammlung mit: Die durch die Unergiebigkeit der letzten Ernte und die außerordentliche Teuerung der Lebensmittel in vielen einzelnen Gegenden Unseres Königreichs entstandene und noch fortdauernde Not war seit dem Antritte Unserer Regierung ein Gegenstand Unserer steten Aufmerksamkeit und Sorgfalt.

29 Johann Hans Feier des Erntefestes in Ulm am 5. August 1817, Anfang 19. Jahrhundert, Sammlung Museum der Brotkultur

30 4 wichtige Maßnahmen Wilhelm I. zur Stärkung der Landwirtschaft Aufhebung der Leibeigenschaft 18. Nov Gründung der Unterrichts- und Versuchsanstalt Hohenheims Schaffung von Sparvereinen Schaffung des landwirtschaftlichen Hauptfest auf dem Cannstatter Wasen

31 Erste Aufgabe Hohenheims Johann Nepomuk Schwerz, erster Rektor (Direktor) Hohenheims: Da der Ackerbau oder die Erzeugung der zum Unterhalt der Bevölkerung nötigen Produkte der Erde ohne Zweifel der Hauptgrundpfeiler jedes Staates sei, sei es Aufgabe der Anstalt, durch richtige Lehre und passendes Beispiel der Verbesserung des württembergischen Ackerbaus zu dienen.

32 Landwirt Ein Landwirt in Deutschland ernährt zusätzlich Städter Quelle: Museum der Brotkultur, 2005

33 3. Herausforderungen im 21. Jahrhundert

34 Kofi Annan (*1938) Hunger ist eine der schlimmsten Verletzungen der Menschenwürde. In einer Welt des Überflusses liegt es in unserer Hand, den Hunger zu beenden. Dieses Ziel nicht zu erreichen, müsste jeden von uns mit Scham erfüllen. Die Zeit für Versprechen ist vorbei. Es ist Zeit zu handeln. Es ist Zeit zu tun, was wir seit langem versprochen haben den Hunger auf der Welt zu beseitigen. Welternährungsgipfel in Rom,

35 Landwirtschaftlich nutzbare Fläche je Erdenbürger 0,44 ha 0,22 ha 0,17 ha Quelle: FAO STAT, Rom, 2003

36 2008: Unruhen in den Städten Quelle: Die Zeit, 2009

37 Tödliche Geschäfte Spekulieren mit Lebensmitteln Chicago Stock Exchange 2008 Unruhen in Tunesien 2011

38 Rohstoff- und Energieverbrauch 17 % der Weltbevölkerung verbrauchen ca. 80 % der verfügbaren Rohstoffe und Energie. Quelle: UNDP, 2002

39 Zukünftige Aufgaben der Universität Hohenheim Im Allgemeinen: Erkenntnis und Bildung, Forschung und Studium sind Auftrag und Aufgabe der Universität. Wo hin soll Hohenheim sich entwickeln (wachsen)? Spitzenforschung stärken Zukunftsfelder besetzen und Lösungsansätze der Gesellschaft präsentieren Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu einer institutionellen Gestaltungsaufgabe machen Universitäten als Bildungsstätten und kulturelle Einrichtungen bewahren

40 Die Sattgefressenen sprechen zu den Hungernden von den großen Zeiten, die kommen werden. Bertold Brecht, 1936

41 Ich glaube fest daran, dass wir eine Welt frei von Armut schaffen können, wenn wir es gemeinsam wollen. In einer Welt frei von Armut, wird der einzige Platz um Armut zu sehen sich in Museen befindet. Wenn Schulkinder beim Besuch dieser Museen erfahren unter welchen Bedingungen Menschen in Armut haben leben müssen, dann werden sie ihre Vorfahren dafür anklagen, wie lange sie diese unmenschliche Situation für so lange Zeit und so viele Menschen tolerieren konnten. Mohammad Yunus, Friedensnobelpreisträger 2006

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