Arbeitsunfähigkeit Eingliederung Die IV und ihre Eingliederungsbemühungen. Lic. Phil. Rolf Schürmann Leiter IV-Stelle Basel-Stadt

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1 Arbeitsunfähigkeit Eingliederung Die IV und ihre Eingliederungsbemühungen Lic. Phil. Rolf Schürmann Leiter IV-Stelle Basel-Stadt

2 Ziel des heutigen Referates Integrationsdimension der IV verständlich machen Ansätze zu einer Partnerschaft zwischen Ärztinnen und IV darstellen Keine Diskussionen um abgelehnte Rentengesuche und die Divergenz zwischen Gutachter und behandelnden Ärztinnen

3

4 Anteil der NeurentnerInnen in der Schweiz, nach Geschlecht, * Der starke Rückgang 2006 ist auf die Verzögerung der Geschäftsabwicklung durch die Wiedereinführung des Vorbescheids in der IV auf den 1. Juli 2006 zurückzuführen.

5 Invalide RentnerInnen , absolut (ohne Unfall)

6 Invalide RentnerInnen , relativ (ohne Unfall)

7 Leistungen der IV - Übersicht Berufliche Eingliederung: Früherfassung Frühintervention Medizinische Massnahmen Integrationsmassnahmen Massnahmen beruflicher Art Hilfsmittel Taggelder zur Eingliederung Andere: Medizinische Massnahmen Hilfsmittel Hilflosenentschädigungen Assistenzbeitrag (2012) Renten (Leistungen der AHV) 7

8 Vorbemerkungen Invalidenrente Hauptvoraussetzung für eine Invalidenrente ist das Bestehen einer Invalidität im Sinne des IV-Gesetzes. Was bedeutet Invalidität in Bezug auf eine IV- Rente? Körperlicher, geistiger oder psychischer Gesundheitsschaden als Folge von Krankheit oder Unfall mit voraussichtlich längerer Erwerbsunfähigkeit 8

9 Invalidenrente Die Elemente einer Invalidität MEDIZINISCHES ELEMENT Körperlicher, geistiger oder psychischer Gesundheitsschaden Voraussichtlich längerfristige Erwerbsunfähigkeit KAUSAL- ZUSAMMENHANG WIRTSCHAFTLICHES ELEMENT 9

10 Invalidenrente Arbeitsunfähigkeit Erwerbsunfähigkeit! ARBEITSUNFÄHIGKEIT Aufgrund Gesundheitsschaden nicht mehr oder nur teilweise arbeitsfähig im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich Grad der Arbeitsunfähigkeit wird durch den Arzt festgelegt ERWERBSUNFÄHIGKEIT Aufgrund Gesundheitsschaden nicht mehr oder nur teilweise arbeitsfähig auf dem gesamten, in Betracht kommenden, ausgeglichenen) Arbeitsmarkt Der aus der Erwerbsunfähigkeit resultierende IV-Grad wird von der IV-Stelle festgelegt 10

11 Invalidenrente Rein ökonomische Betrachtung - Einkommensvergleich Mann 48, ohne abgeschlossene Berufsausbildung Als Bauhilfsarbeiter 100% arbeitsunfähig (Herzleiden/Diskushernie) Leichtere Tätigkeit in Teilzeit zumutbar (Erwerbsfähigkeit) med. zumutbare Tätigkeit: Staplerfahrer, 5 Tage à 5 Std. Verdienst als Bauhilfsarbeiter (gesund) möglicher Verdienst als Staplerfahrer CHF CHF

12 Invalidenrente Praxisbeispiel - Einkommensvergleich Erwerbseinkommen ohne Gesundheitsschaden (Valideneinkommen) Bauhilfsarbeiter 13 x CHF Erwerbseinkommen mit Gesundheitsschaden (Invalideneinkommen) Leichte Hilfsarbeiten 13 x CHF Erwerbseinbusse CHF x 100 Invaliditätsgrad = 64% = 3/4-Rente

13 Die berufliche Eingliederung in der IV Invalideneinkommen Erwerbseinkommen der versicherten Person nach Eintritt Invalidität, welches sie durch eine zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte oder kann und zwar nach Durchführung medizinischer Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen 13

14 Die berufliche Eingliederung in der IV Verhinderung Rente - Produkteübersicht 1. Medizinische Massnahmen 2. Früherfassung 3. Massnahmen der Frühintervention 4. Integrationsmassnahmen 5. Massnahmen beruflicher Art 6. Hilfsmittel 14

15 Verfahren IV - Fokus Eingliederung KTV und Arbeitgebende Ärztinnen/Ärzte Therpeuten/innen Andere Sozialleistungen Eingliederung? Rentenprüfung? Früherfassung Eingang Anmeldung Triage «Intake» Frühinterventionsmassnahmen «Integrationsmassnahmen» Massnahmen beruflicher Art Abschluss Eingliederung Rentenprüfung Rente Eingliederungsorientierte Rentenrevision Triage Eingegliedert Andere Sozialleistungen Eingliederung? Weiterhin Rente? Evtl. Beratung und Begleitung / Schutzfrist 15

16 Instrumente der Eingliederung Früherfassung / Frühintervention Ziel: Kein Verschleppen einer invalidisierenden Krankheit Rasche Einbindung der wichtigen Akteure/innen Erhalt des Arbeitsplatzes durch schnelle Massnahmen zur Stabilisierung der Arbeitssituation, Oder rasche Platzierung bei einem neuen Arbeitgeber. 16

17 Instrumente der Eingliederung Früherfassung IV- Basel-Stadt rund Meldungen jährlich

18 Instrumente der Eingliederung Frühintervention Prozess: Assessment Eingliederungsplan Zielvereinbarungen Coaching des Versicherten Zusammenarbeit & Koordination mit allen beteiligten Partnern - Arbeitgebern, Ärzten, RAV, KTV, Sozialdienste Dauer in der Regel nicht länger als 6 Monate 18

19 Instrumente der Eingliederung Frühintervention Sie als behandelnder Arzt sind in dieser Phase ein wichtiger Partner der IV. Da Sie Ihren Patienten gut kennen, können Sie über seine gesundheitlichen Einschränkungen und Ressourcen Auskunft geben. Sie können auch Empfehlungen zum weiteren Vorgehen in der Frühinterventionsphase abgeben. Als Massnahmen der Frühintervention kommen v.a. in Frage: Anpassungen des Arbeitsplatzes, Ausbildungskurse, Arbeitsvermittlung, Berufsberatung, Jobcoaching, sozialberufliche Rehabilitation oder Beschäftigungsmassnahmen. 19

20 Instrumente der Eingliederung Integrationsmassnahmen Integrationsmassnahmen schliessen Lücke medizinische Rehabilitation und berufliche Reintegration. Fokus Psychisch beeinträchtigte Versicherte Integrationsmassnahmen Vorbereitung auf Massnahmen beruflicher Art (im 1. Arbeitsmarkt.) Die Eingliederungsfähigkeit schrittweise im Sinne eines Stufenmodells. 20

21 Instrumente der Eingliederung Integrationsmassnahmen Arbeit als Zeitüberbrückung Aufbautraining Belastbarkeitstraining 1 Jahr Stufen-Modell +1 Jahr für Rentner 21

22 Instrumente der Eingliederung Massnahmen beruflicher Art Berufsberatung Erstmalige berufliche Ausbildung Umschulung Arbeitsvermittlung Arbeitsversuch (neu) Einarbeitungszuschuss an AG (neu vereinfacht) 22

23 Instrumente der Eingliederung Arbeitsversuch Zuweisung eines Arbeitsplatzes im 1. Arbeitsmarkt Maximal 180 Tage pro Arbeitgeber Taggeld oder Rente Es entsteht kein Arbeitsverhältnis nach OR Ziel: Abklärung Leistungsfähigkeit im Arbeitsmarkt Wichtiges Instrument um Eingliederung gerade auch von psychisch beeinträchtigten Versicherten «sanft» zu gestalten 23

24 Die IV- Eingliederungsmassnahmen auf einen Blick 24

25 Warum ist die Psychiatrie für die IV so wichtig? Psychische Erkrankungen beeinflussen über den Einkommensvergleich und den LbA den IV-Grad oft entscheidend Für den Einkommensvergleich ist zumutbare Verweistätigkeit v.a. im unteren Lohnbereich entscheidend! Körperliche Erkrankungen beeinträchtigen zumutbare Verweistätigkeiten oft unerheblich, Psychische Erkrankungen beeinträchtigen zumutbare Verweistätigkeiten erheblich! Warum? Sie beeinträchtigen oft wesentliche psychische Grundfunktionen > Einschränkung für viele berufliche Tätigkeiten

26 Warum ist die Psychiatrie für die IV so wichtig? Psychiater/innen als massgeblicher Weichensteller für soziale Leistungen und damit für Inklusion in soziale Sicherungssysteme und Exklusion vom 1. Arbeitsmarkt. Psychiatrische Behandler/innen und Gutachter/innen haben hohe Verantwortung gegenüber der versicherten Person und der Versichertengemeinschaft Psychiatrische Gutachten haben hohen Streitwert bezüglich IV-Grad, Folge für IV und Pensionskassen wegen Eigenheiten des Faches (Objektivität/Intersubjektivität / Interaterreliabilität/ Denk-/- therapieschulen/ Persönliche Einstellungen in der Diagnostik/ Therapie etc.)

27 Kritische Personenfaktoren für Rentenverhinderung/Reintegration Alter, Rentenbezugsdauer Schul-und Ausbildung Kulturelle, soziale und familiäre Integration Motivation des sozialen/therapeutischen Umfelds zur Veränderung Global geringe Ressourcen/ Migrationshintergrund (Schwere) psychische und/oder somatische Erkrankung mit langem Krankheitsverlauf und ggf. Komorbidität Langer Krankheitsverlauf ohne adäquate Behandlung / Chronifizierung

28 Positive Faktoren für Rentenverhinderung/Reintegration Offene / Faire Motivations-/Ressourcenanalyse Wertschätzung Kooperative Arbeitgebende Betonung der subjektiven Ressourcen Aufbau auf früheren Lernerfahrungen Coaching on the job, langer Atem Rückschläge besprechen, relativieren / Erfolge betonen, Perspektiven herausstellen Einbezug des sozialen/ therapeutischen Umfelds + Kontinuität bei den Betreuungspersonen

29 Ihre Rechnung an die IV Begibt sich der Arzt z.b. für eine Besprechung in eine IV-Stelle oder an den Arbeits- oder Ausbildungsort der vp, war diese Leistung im Tarmed nicht abgebildet und somit nicht verrechenbar. Für die Abgeltung derartiger ärztlicher Dienstleistungen im Auftrag der IV-Stelle legte das BSV ab dem 1. September 2011 die folgende Vergütungsregelung fest: Von der IV-Stelle veranlasste Besprechungen und andere Dienstleistungen des Arztes/der Ärztin im Rahmen der Abklärung der versicherten Person, die nicht nach Tarmed abrechenbar sind, können der IV-Stelle zu einem Ansatz von Fr pro Viertelstunde in Rechnung gestellt werden. Die IV-Stelle teilt dies dem Arzt/der Ärztin vorgängig mit.

30 Links www. ivbs.ch www. iv-pro-medico.ch ationen/index.html?lang=de

31 Ziel erreicht? Fragen? Bemerkungen? Anstösse?

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