In der Realität angekommen!

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1 In der Realität angekommen! Mikrofinanz ist keine Wohltätigkeit. Sie ist ein Weg, einkommensschwachen Haushalten dieselben Rechte und Dienstleistungen zu geben, die allen anderen auch zur Verfügung stehen. Damit wird anerkannt, dass arme Menschen die Lösung sind, nicht das Problem. So beschreibt Kofi Annan, ehem. UN-Generalsekretär das Konzept Mikrofinanz. Diese Beschreibung spiegelt auch die Realität heute wieder. Soziale Investitionen werden häufig mit Nächstenliebe oder einem philanthropischen Ansatz verwechselt. Wie der Name schon sagt, geht es hierbei um Investitionen, die einen positiven sozialen Einfluss nehmen wollen. Es ist ein Instrument, welches Gemeinwohl im besten Sinne schafft indem es verantwortungsvolles Handeln/ Investieren und Rendite miteinander verbindet. Dies gilt gleichermaßen für Investitionen in Bereichen wie Erneuerbare Energien, Wiederaufforstung, Fair Trade, Bildungs- und Gesundheitsfinanzierung und der Mikrofinanz. Mikrofinanz bedeutet Menschen Finanzdienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die sonst keinen Zugang zu diesen haben. Da diese Menschen einkommensschwach sind, keine Sicherheiten bieten können und oft auch außerhalb der Einzugsgebiete der kommerziellen Banken liegen, werden sie von diesen nicht als Zielgruppe bedacht und können somit auf die Finanzdienstleistung und auch auf die zur Verfügung Stellung von Kapital zur Existenzgründung oder Selbstständigkeit nicht zurückgreifen. Mikrofinanz richtet sich an wirtschaftlich aktive Menschen, die einer unternehmerischen Tätigkeit nachgehen wollen. Hilfe zur Selbsthilfe ist die Grundlage der Mikrofinanz. Hervorgehend aus dem Konzept von Herrn Prof. Muhammad Yunus und der Grameen Bank (gegründet 1983 )hat sich die Mikrofinanz in den vergangenen 30 Jahren weltweit weiterentwickelt. Die UN hatte das Jahr 2005 zum internationalen Jahr der Mikrofinanz ausgeschrieben und Prof. Yunus, gemeinsam mit der Grameen Bank, haben für das Konzept und die Umsetzung, der Vergabe von Kleinstkredite an Existenzgründer, den Friedensnobelpreis in 2006 erhalten. Dadurch ist die Idee und das Geschäftsmodell mehr und mehr in die Öffentlichkeit gelangt. Zu Beginn der Entwicklung wurden die Mikrofinanzinstitute überwiegend aus Entwicklungsfinanzierungsmitteln oder Spenden finanziert. Heute refinanzieren sich die Mikrofinanzinstitute auch durch Investmentfonds, über Banken und Spareinlagen. Mittlerweile gibt es laut Weltbank ca Mikrofinanzinstitute, die weltweit die Idee, armen Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen, umsetzen. Diese unterscheiden sich stark in Größe, Geschäftsfeld, rechtlicher Rahmen und Prozessen.

2 . Insgesamt werden bisher weltweit ca Millionen Menschen Finanzdienstleistungen zur Verfügung gestellt. Es handelt sich hierbei nicht nur um Kredite sondern auch um Spareinlagen, Versicherungen oder sonstige Finanzdienstleistungen. Mikrofinanzinstitute werden nach ihrer finanziellen Rendite als auch ihrer sozialen Rendite bewertet. Neben einem finanziell stabilem Geschäftsmodell (damit es auch in 5 Jahren ihre Kunden noch bedienen kann), sind auch soziale Faktoren des Mikrofinanzinstituts von Bedeutung. Diese sind u.a.: - Die Kleinteiligkeit/ Verbreitung der Kredite (Größe der Kredite, Anzahl der Kredite) - Anteil der Frauen bei den Kunden - Geschäftsgebiete (Land oder Stadt) - Transparenz der Gebühren/ Zinssätze - Personalführung in den Mikrofinanzinstituten - Marketingauftritt - Kreditprozesse - Schulungen/ Trainings für Kunden

3 Die Kritik! Mikro-Kredite: Wie die Banken aus der Armut einen Finanzmarkt machen! Mehr Freiheitsräuber als Heilsbringer! Es ist abenteuerlich, was derzeit an angeblich sogar wissenschaftlich belegbaren Negativberichten zum Thema Mikrofinanz publiziert wird. Es wird so dargestellt, als ob es sich hierbei um eine nie dagewesene Innovation handelt. Dabei handelt es sich hierbei um ein Thema welches auf uralten Erfahrungen beruht. Bereits in der Antike haben wohlhabende Frauen Gelder verliehen an jede, die es brauchten. Frauen durften sich in der Männergesellschaft Roms ohne Zustimmung eines Vormunds kein Geld bei den Banken leihen. Deshalb schufen sie untereinander ein System von Mikrokrediten. Am 15. Juli habe ich (Faustilla aus Pompeji) Ohrringe für zwei Denare verpfändet. Sie hat davon ein Dreißigstel der Summe als Zins abgezogen. (Auszug aus Spiegel 12/2012) Mikrofinanz ist nichts anderes als die Wiederentdeckung des an die Realwirtschaft gekoppelten klassischen Bankgeschäfts: Spareinlagen verantwortungsbewusst verwalten und als Kredite an die Kunden zur Förderung ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit verauslagen. Das Besondere bei der heutigen Mikrofinanz ist die Zielgruppe. Dies sind Menschen, die arm sind und von den kommerziellen und Mainstream Banken ausgeschlossen werden. Daher hat Mikrofinanz die soziale Rolle/ Mission, diesen Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen und ihnen damit (hoffentlich) Wohlstand zu schaffen oder zumindest ein zusätzliches Einkommen zu generieren. Mikrofinanz ist kein Allheilmittel gegen die Armut. Sie ist ein Werkzeug um wirtschaftlich aktiven Menschen die Möglichkeit zu geben, sich unternehmerisch zu betätigen und/ oder sich ein Zusatzeinkommen zu schaffen. Oft werden diese Betriebsmittelkredite oder Investitionskredite von Frauen in Anspruch genommen, die damit für Ihre Familien ein Zusatzeinkommen generieren wollen, mit dem Ziel ihre Kinder in die Schule zu schicken oder ein feste Unterkunft zu bekommen, oder aus einem Kleinstunternehmen ein Klein-/ oder Mittelstandsunternehmen werden zu lassen. Aber es geht hier nicht nur um eine finanzielle Verbesserung des Lebens. Viele Frauen haben dadurch, dass sie zu dem Haushaltseinkommen der Familien ihren Beitrag leisten ihr Selbstbewusstsein und ihre Würde erlangt. Es gibt einige Studien die darlegen, wie positiv sich das Leben der Frauen verändert hat:

4 Cheston und Kuhn (2002) berichten von einer NGO in Nepal, die Mikrofinanz anbietet und in deren teilnehmenden Haushalten die häusliche Gewalt deutlich zurückging. Kim et. al. (2007) fand das gleiche Ergebnis in Südafrika.MkNelly und McCord (2001) fanden heraus, dass Frauen in Bolivien, die ihre Kredite mit Bildungsangeboten nutzen, sich mehr am politischen Leben beteiligen und damit ihre Bürgerrechte stärken.mahmud (2003) fand heraus, dass Frauen in Bangladesch, die Mikrofinanz nutzen, in ihrer Willensbildung freier sind. Ashraf et. al. (2006) sieht einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Mikrofinanz von Frauen auf den Philippinen und dem steigenden Konsum von besseren Gebrauchsgütern in Haushalten. (Studien können zur Verfügung gestellt werden) In einem Wachstumsmarkt wie dem Mikrofinanzmarkt, gibt es auch negative Auswüchse. Sicher gibt es - wie überall Übertreibungen und die Gefahr von Fehlentwicklungen. Punktuelle Erfahrungen jedoch zu verallgemeinern und dadurch das gesamte Konzept in Frage zu stellen ist bedenklich. Mikrofinanz wird unterschiedlich gehandhabt, je nach Region und Land. Wir haben es in jeder Region und jeden Land mit unterschiedlichen Kulturen, Mentalitäten, Religionen und Historien zu tun. Und auch die Entwicklung von Finanzdienstleistungen in einzelnen Ländern ist sehr unterschiedlich. Dies trifft z.b. besonders auf das Thema Zinsen zu. Welche für uns als Wucherzinsen erscheinen mögen, sind normale bis günstige Zinssätze in den Entwicklungsländern. Leider werden auch hier oft Äpfel mit Birnen verglichen. Es ist nicht korrekt, die Zinssätze von entwickelten und effizienten Märkten mit denen in den Entwicklungsländern/ Mikrofinanz zu vergleichen. Die zugrunde liegenden Rahmenbedingungen sind nicht vergleichbar. Auch werden oft Zinssätze von Kredithaien in den Ländern angeführt, von denen die Zinssätze der Mikrofinanzinstitute weit entfernt sind. Eine Studie der KfW und Weltbank zeigt, dass die Zinssätze für Mikrokredite in der Welt sehr unterschiedlich sind.

5 Der globale median Zinssatz liegt bei 27% p.a.. Dieser variiert jedoch sehr stark nach Region, Land, Statuts des Mikrofinanzinstituts und Geschäftsfeld des MFI. Eine statistische Analyse der Mixmarket Daten ( Datenbank von ca MFIs) sowie der MF Transparency Daten zeigt sehr stabil, dass Profitabilität und Zinssätze negativ korrelieren (ca. -0,13 bis -0,16). Interessant ist auch eine Auswertung die zeigt, dass die Zinssätze der For-Profit MFIs sich nicht wesentlich von den Non-Profit (z.b. NGOs, Stiftungen) Mikrofinanzinstituten unterscheiden. Grund dafür sind die hohen operativen Kosten, da häufig Organisationen im ländlichen Bereich angesiedelt sind und kleine Kredite in hohen Stückzahlen vergeben. In einigen Regionen sind die operativen Kosten gesunken (z.b. Afrika), welches auch im Zusammenhang mit dem Status der Regionen zu betrachten ist. Der Mikrofinanzmarkt ist sehr komplex und nicht pauschal nur durch punktuelle Beobachtungen zu beschreiben. Dies wird dem gesamten Konzept und dem Ziel, einkommensschwachen Menschen den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu gewähren, nicht gerecht. Die Idee wird seit ca. 40 Jahren angewandt und immer weiter entwickelt. Dabei kann es auch zu negativen Auswüchsen kommen, die jedoch Mikrofinanz als Ganzes nicht gefährden sollten. Ca. 200 Millionen Menschen nutzen bereits die Möglichkeit über Mikrofinanz den Zugang zu Finanzdienstleistung zu bekommen, 60 Milliarden USD wurden als Refinanzierungsmittel durch Entwicklungsbanken, Investmentfonds, Banken und großen weltweit tätigen Stiftungen zur Verfügung gestellt. Die Aufgabe der Investoren ist es, die Mikrofinanzinstitute zu unterstützen, die die Grundidee verfolgen und eine gute Balance zwischen Profitabilität sozialer Wirksamkeit erzielen.

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