Facts&Figures Das neue Rechnungslegungsrecht

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1 Facts&Figures Das neue Rechnungslegungsrecht Ziele / Inkraftsetzung / Übergang Am 23. Dezember 2011 haben die eidgenössischen Räte das neue Rechnungslegungsrecht verabschiedet. Ziel der Revision war es, das als veraltet empfundene Rechnungslegungsrecht grundlegend zu über - arbeiten und ein leicht verständliches Konzept zu schaffen, mit dem die wirtschaftliche Lage einer Gesellschaft möglichst zuverlässig beurteilt werden kann. Zudem sollten Erleichterungen für die KMU s geschaffen Das neue Gesetz tritt auf den 01. Januar 2013 in Kraft und ist nach einer Übergangsfrist von zwei Jahren also spätestens ab Jahresrechnung 2015 anwendbar. Für die Bestimmungen zur Konzernrechnung gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren. Diese kommen also spätestens 2016 zur Anwendung. Bezüglich der Angaben zum Vorjahr besteht keine Pflicht, diese anzupassen, soweit sich im Anhang ein entsprechender Hinweis dazu findet. Grundzüge des neuen Rechnungslegungsrechts Die Rechnungslegung wird rechtsformneutral Dazu wird im 32. Titel des Obligationenrechtes eine einheitliche Ordnung für alle juristischen Personen sowie Einzelfirmen und Personengesellschaften mit einem Umsatz von mehr als CHF geschaffen. Die besonderen Vorschriften der Aktien gesell - schaft in Art werden aufgehoben. Neu wird nach Unternehmensgrösse differenziert Die kleinen und mittleren Unternehmen erstellen nach wie vor eine sehr knapp gehaltene Jahres - rechnung, bestehend aus Bilanz, Erfolgsrechnung und Anhang. Die Mindestgliederungsvorschriften dazu sind jedoch verfeinert worden und ent spre - chend detaillierter und systematischer als bisher. Grössere Unternehmen müssen unter anderem er gänzend eine Geldflussrechnung sowie einen Lage bericht erstellen und zusätzliche Angaben im An hang machen. Ferner muss in gewissen Fällen ein anerkannter Rechnungslegungsstandard an ge - wendet und/oder eine Konzernrechnung erstellt Als grössere Unternehmen gelten Publikums - gesellschaften und Unternehmen, die die Grössen - kriterien 20/40/250 überschreiten, wobei 20 Mio. Franken für die Bilanzsumme, 40 Mio. für den Umsatz und 250 für die Anzahl Mitarbeiter gelten. Unverändert übernommen wurde: Das Vorsichtsprinzip und die Möglichkeit zur Bildung von stillen Reserven (kein true and fair) Es dürfen also weiterhin stille Reserven gebildet Die Möglichkeiten zur Bildung von Rück - stellungen sind sogar noch etwas grosszügiger for - muliert als im bisherigen Recht. So sind z.b. Rück - stellungen für die Sanierung von Sachanlagen nun explizit im Gesetz vorgesehen. Grundsätze der Rechnungslegung Die Grundsätze zur Rechnungslegung (Verrech - nungs verbot, Vollständigkeit, Vorsicht, Stetigkeit, Unternehmensfortführung) sind unverändert übernommen worden und gelten unabhängig von der Rechtsform. Gespannt sein darf man auf die Interpretation der Gerichte zum neuen, explizit erwähnten Grundsatz, dass die Rechnungslegung verlässlich sein muss. Emmenegger Fides AG Leberngasse Olten Telefon +41 (0) Telefax +41 (0) Mitglied der Treuhand-Kammer

2 Das Massgeblichkeitsprinzip der Handelsbilanz für die Gewinnbesteuerung Der ordnungsmässige Buchhaltungsabschluss bildet daher weiterhin die Basis für die Bemessung der Gewinnsteuern. Die bisherigen Möglichkeiten von stillen Reserven in Form eines pauschalen Del kre - deres, des Warendrittels durch Über- und Ein mal - abschreibungen auf dem Anlagevermögen oder durch Rückstellungen etc. bleiben erhalten. Dies wie bisher immer unter der Voraussetzung, dass sämt - liche Buchungen geschäftsmässig begründet sind und keine Abweichungen zu den steuerlichen Be - stimmungen bestehen. Das Anschaffungs- und Herstellungskostenprinzip Es wird also am Kostenwertprinzip festgehalten, was bedeutet, dass Aktiven höchstens zu den fort - geführten Anschaffungs- bzw. Herstellungs kosten bilanziert werden dürfen. Das Prinzip des Impairments Danach sind beim Bestehen von konkreten An zei - chen einer Überbewertung von Aktiven oder für zu geringe Rückstellungen die Werte zu über prüfen und gegebenenfalls anzupassen. KMU-Erleichterungen (Unternehmen 20/40/250) Höhere Grössenkriterien Die Grössenkriterien für die ordentliche Revision wie auch die Konzernrechnung betragen neu 20/40/250. Von der Erhöhung der Schwellenwerte können jedoch nicht alle Unternehmen sofort profitieren. Dies, weil der Gesetzgeber es verpasst hat, gleichzeitig mit dem Rechnungslegungsrecht auch die Bestimmungen zur Konsolidierung anzupassen. So können Gesellschaften, die weiterhin eine Konzernrechnung (10/20/200) erstellen müssen, noch nicht von den Neuerungen profitieren. Es darf jedoch davon ausgegangenen werden, dass die gültigen Bestimmungen zur Konzernrechnung in den nächsten zwei bis drei Jahren nachgebessert bzw. harmonisiert Milchbüchleinrechnung Für Einzelfirmen und Personengesellschaften mit einem Umsatz von weniger als CHF besteht neu die Möglichkeit, lediglich über die Einnahmen und Ausgaben sowie über die Vermögenslage Buch zu führen. Dasselbe gilt für Vereine und Stiftungen, die nicht im Handelsregister eingetragen werden müssen. Keine Angaben mehr zur Risikobeurteilung im Anhang Damit verschwindet eine anlässlich der letzten Aktien rechtsrevision eingeführte Bestimmung für die kleinen Unternehmen wieder. Wir sind je doch der Meinung, dass sich jeder Unternehmer trotzdem sporadisch systematisch mit dem Um feld so wie mit den für seine Unternehmung rele vanten Risi ken auseinandersetzen und diese schriftlich festhalten sollte. Keine zeitlichen Abgrenzungen mehr bei Umsatz CHF Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als CHF können auf zeitliche und sachliche Abgrenzungen verzichten. Diese Bestimmung dürfte für die wenigsten KMU Anwendung finden. Kleine Unternehmen brauchen keinen Jahresbericht mehr zu erstellen Diese Bestimmung entbindet jedoch nicht vom Ab halten einer Generalversammlung. Es entfällt lediglich die Genehmigung des Jahresberichtes. Neuerungen bei den Bilanz- und Gliederungsvorschriften Bilanzvorschriften Klare Definition der Aktiven und des Umlaufvermögens Als Aktiven müssen Vermögenswerte bilanziert werden, wenn aufgrund vergangener Ereignisse über sie verfügt werden kann, ein Mittelzufluss wahrscheinlich ist und ihr Wert verlässlich geschätzt werden kann. Andere Vermögenswerte dürfen nicht bilanziert Nach dieser Bestimmung dürfen künftig z.b. Gründungkosten nicht mehr aktiviert Zum Umlaufvermögen gehören nur noch Posten, die innerhalb eines Jahres realisiert werden können. Alle übrigen Posten müssen als Anlagevermögen bilanziert Klare Definition und Gliederung der Passiven Die Passiven werden in Fremd- und Eigenkapital unterteilt, wobei zusätzlich noch zwischen lang- und kurzfristigem Fremdkapital unterschieden werden muss. Verbindlichkeiten müssen als Fremd kapital bilanziert werden, wenn sie durch vergan gene Ereignisse bewirkt wurden, ein Mittelabfluss wahrscheinlich ist und ihre Höhe verlässlich geschätzt werden kann.

3 Als kurzfristig gelten Verbindlichkeiten, die voraussichtlich innerhalb eines Jahres zur Zahlung fällig Einzelbewertung Für Aktiven und Passiven besteht der Grundsatz der Einzelbewertung. Bei gleichartigen Aktiven/ Verbindlichkeiten kann jedoch auch weiterhin eine Gruppenbewertung erfolgen. Beobachtbarer Marktpreis Neu dürfen Aktiven mit einem beobachtbaren Marktpreis in einem aktiven Markt zum Zeitwert (Wert am Bilanzstichtag) bilanziert werden, auch wenn dieser über dem ursprünglichen Anschaf - fungswert liegt. Diese Regelung ist so schwammig gefasst, dass künftig auch die Aufwertung von An lagevermögen zulässig wäre. Wir empfehlen jedoch, bei diesem Wahlrecht Zurückhaltung zu üben. Aktivierungspflicht für fakturierte Dienstleistungen Noch nicht fakturierte Dienstleistungen sind expli - zit zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten (zurechenbare Kosten) oder einem allfällig tieferen Marktwert zu bilanzieren. Das führt mit Sicherheit dazu, dass die eine oder andere bisher «mäuschen»-stille Reserve ans Tageslicht kommen wird. Eigene Kapitalanteile als Minusposten im Eigenkapital Eigene Kapitalanteile müssen als Minusposten separat im Eigenkapital bilanziert Entspre - chend können bestehende Reserven für eigene Aktien wieder mit dem Bilanzgewinn verrechnet Separate Darstellung von periodenfremdem Aufwand und Ertrag In der Erfolgsrechnung ist soweit wesentlich explizit zwischen betriebsfremdem, ausserordentlichem, einmaligem und periodenfremdem Aufwand und Ertrag zu unterscheiden. Gliederung der Bilanz Die Aktiven müssen ihrem Liquiditätsgrad entspre - chend und die Passiven nach ihrer Fälligkeit einzeln und in der unten vorgegebenen Reihenfolge mit der entsprechend richtigen Bezeichnung aus gewiesen Aktiven 1. Umlaufvermögen a. flüssige Mittel und kurzfristig gehaltene Aktiven mit Börsenkurs b. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen c. übrige kurzfristige Forderungen d. Vorräte und nicht fakturierte Dienstleistungen e. aktive Rechnungsabgrenzungen 2. Anlagevermögen a. Finanzanlagen b. Beteiligungen c. Sachanlagen d. immaterielle Werte e. nicht einbezahltes Grund-, Gesellschafteroder Stiftungskapital Passiven 1. kurzfristiges Fremdkapital a. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen b. kurzfristige verzinsliche Verbindlichkeiten c. übrige kurzfristige Verbindlichkeiten d. passive Rechnungsabgrenzungen 2. langfristiges Fremdkapital a. langfristige verzinsliche Verbindlichkeiten b. übrige langfristige Verbindlichkeiten c. Rückstellungen sowie vom Gesetz vorgesehene ähnliche Positionen 3. Eigenkapital a. Grund-, Gesellschafter- oder Stiftungskapital (ggf. gesondert nach Beteiligungskategorien) b. gesetzliche Kapitalreserve c. gesetzliche Gewinnreserve d. freiwillige Gewinnreserven oder kumulierte Verluste als Minusposten e. eigene Kapitalanteile als Minusposten

4 Ferner müssen weitere Positionen in der Bilanz oder im Anhang einzeln ausgewiesen werden, sofern dies für die Beurteilung der Vermögens- oder Finanzie - rungslage durch Dritte wesentlich oder aufgrund der Tätigkeit des Unternehmens üblich ist. Gliederung der Erfolgsrechnung Die Erfolgsrechnung kann als Produktions- oder als Absatzerfolgsrechnung dargestellt Folgende Positionen müssen je einzeln und in der vorgegebenen Reihenfolge ausgewiesen werden: Produktionserfolgsrechnung 1. Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen 2. Bestandesänderungen an unfertigen und fertigen Erzeugnissen sowie an nicht fakturierten Dienstleistungen 3. Materialaufwand 4. Personalaufwand 5. übriger betrieblicher Aufwand 6. Abschreibungen und Wertberichtigungen auf Positionen des Anlagevermögens 7. Finanzaufwand und Finanzertrag 8. betriebsfremder Aufwand und betriebsfremder Ertrag 9. ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag 10. direkte Steuern 11. Jahresgewinn oder Jahresverlust Absatzerfolgsrechnung 1. Nettoerlöse aus Lieferungen und Leistungen 2. Anschaffungs- oder Herstellungskosten der verkauften Produkte und Leistungen 3. Verwaltungsaufwand und Vertriebsaufwand 4. Finanzaufwand und Finanzertrag 5. betriebsfremder Aufwand und betriebsfremder Ertrag 6. ausserordentlicher, einmaliger oder periodenfremder Aufwand und Ertrag 7. direkte Steuern 8. Jahresgewinn oder Jahresverlust Im Fall der Absatzerfolgsrechnung müssen im Anhang der Personalaufwand sowie die Abschreibungen und Wertberichtigungen des Anlagevermögens separat ausgewiesen Weitere Positionen müssen in der Erfolgsrechnung oder im Anhang einzeln ausgewiesen werden, sofern dies für die Beurteilung der Ertragslage durch einen Dritten wesentlich oder aufgrund der Tätigkeit des Unternehmens üblich ist, so z.b. Forschungs- und Entwicklungsaufwand oder Werbeaufwand. Neuerungen im Anhang Einzelunternehmen und Personengesellschaften können auf die Erstellung des Anhangs verzichten, wenn sie nicht zur Rechnungslegung nach den Vorschriften für grössere Unternehmen verpflichtet sind (< 20/40/250) oder zusätzliche Informationen offenlegen müssen. Beim Anhang ergeben sich folgende wesentliche Neuerungen: Angaben über die angewendeten Rechnungs - legungs grundsätze; Erklärung zur Anzahl der Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt (nicht über 10 bzw. 250); Details zu Unternehmen, an denen eine direkte oder indirekte Beteiligung gehalten wird; Eventualverbindlichkeiten. Darunter sind rechtliche oder tatsächliche Verpflichtungen, bei denen ein Mittelabfluss entweder als unwahrscheinlich erscheint oder in der Höhe nicht verlässlich geschätzt werden kann, zu verstehen; Anzahl und Wert von Beteiligungsrechten oder Optionen auf solche Rechte für alle Leistungs- und Verwaltungsorgane sowie für die Mitarbeitenden; Angaben, Erläuterungen, Aufschlüsselungen und Erläuterungen zu Positionen der Bilanz und Erfolgsrechnung; Erläuterungen zu ausserordentlichen, einmaligen oder periodenfremden Positionen in der Erfolgs - rechnung; Wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag. Nicht mehr anzugeben sind: Der Brandversicherungswert der Sachanlagen; Die Angaben zur Risikobeurteilung.

5 Grössere Unternehmen ( 20/40/250) müssen zusätzlich Angaben zu den langfristigen, verzinslichen Verbind lichkeiten, aufgeteilt nach Fälligkeit innerhalb von einem bis fünf Jahren und nach fünf Jahren machen. Ferner ist das Honorar der Revisionsstelle je gesondert für Revisionsleistungen und andere Dienstleis tungen offen zu legen. Die restlichen Pflichtangaben entsprechen im Wesent - li chen den bereits heute gültigen Bestimmungen. Weitere Neuerungen Währung Die Buchhaltung kann auch in einer für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Währung erfolgen. Sprache Die Buchführung und Jahresrechnung sind in einer der Landessprachen oder in Englisch möglich. Lagebericht für grössere Unternehmen ( 20/40/250) Der jährlich zu erstellende Lagebericht ersetzt den Jahresbericht und gibt mindestens Aufschluss über: die Anzahl der Vollzeitstellen im Jahresdurch - schnitt; die Durchführung einer Risikobeurteilung; die Bestellungs- und Auftragslage; die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit; aussergewöhnliche Ereignisse; die Zukunftsaussichten. Er darf der Darstellung der wirtschaftlichen Lage in der Jahresrechnung nicht widersprechen. Geldflussrechnung für grössere Unternehmen ( 20/40/250) Diese hat die Veränderung der flüssigen Mittel aus der Geschäftstätigkeit, der Investitionstätigkeit und der Finanzierungstätigkeit darzustellen. Weiteres Vorgehen / Handlungsbedarf Wie bereits mehrfach erwähnt, haben die Gesetzes - änderungen je nach Unternehmensgrösse und Rechts - form unterschiedliche Auswirkungen. Es bietet sich daher folgendes weiteres Vorgehen an: Bestimmen der für die Unternehmung relevanten Grössenkriterien (Bilanzsumme/Umsatz/Mit - arbeiter); Überprüfen und Anpassen des Kontenplans sowie allfälliger Accounting-Manuals; Überprüfen, ob alle neuen Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze eingehalten werden; Abklären, ob zusätzliche Informationen für den zukünftigen Anhang beschafft werden müssen; Entscheid über den Zeitpunkt der Umstellung: Jahresrechnung 2014 oder Konklusion Zusammenfassend darf man sicher feststellen, dass das neue Rechnungslegungsrecht sehr viel kompakter, übersichtlicher, moderner, systematischer und präziser geworden ist. Dies, obwohl man die Idee nicht los wird, dass bei der Formulierung der einen oder anderen Bestimmung bruchstückweise und ohne den Ge - samtkontext zu berücksichtigen, von internationalen Standards abgeschrieben worden ist. Abgesehen von der Erhöhung der Schwellenwerte für die ordentliche Revision sind die versprochenen KMU-Erleichterungen jedoch absolut minimal aus - gefallen. Im Gegenteil, die neuen Bilanzvorschriften so wie die zusätzlichen Angaben im Anhang dürften tendenziell sogar eher etwas mehr Aufwand ver ur - sa chen als bisher. Auf der anderen Seite kommt auf die bereits bisher gut geführten Schweizer Unter - nehmen bezüglich Rechnungslegung auch nicht sehr viel Neues zu. Der Umstellungs- und Anpassungs - aufwand dürfte daher in den meisten Fällen eher ge ring sein.

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