Nicht von schlechten Eltern?!

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1 Jugenddelinquenz als Kindeswohlgefährdung: Das Familiengericht als Kooperationspartner von Jugendamt und Polizei Nicht von schlechten Eltern?! Polizei & Sozialarbeit XIX Dr. Thomas Meysen Frankfurt a.m., 13. Juni 2014

2 Familiengericht als Partner Jugendamt Polizei Familiengericht Eltern Vormund Jugend liche/r

3 Familiengericht als Partner Jugendamt Polizei Familiengericht Eltern Vormund Freie Träger Jugend liche/r

4 Familiengericht als Partner Sind (nicht waren) die Eltern das Problem? Jugendamt Polizei Familiengericht Eltern Vormund Freie Träger Jugend liche/r

5 Familiengericht als Partner Ist der Vormund die Lösung? Jugendamt Polizei Familiengericht Eltern Vormund Freie Träger Jugend liche/r

6 Kindeswohlgefährdung Kindeswohlgefährdung nach 1666 Abs. 1 BGB ist eine gegenwärtige, in einem solchen Maße vorhandene Gefahr, dass sich bei der weiteren Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussagen lässt. (BGH FamRZ 1956, S. 350)

7 Kindeswohlgefährdung gegenwärtige Gefahr: Delinquenz nicht nur ubiquitär, sondern anhaltend und damit aktuell weiter erwartbar Schädigung: erhebliche Belastung für Entwicklung zu eigenverantwortlicher und gemeinschaftsfähiger Persönlichkeit ziemliche Sicherheit: Karriere nimmt Verlauf, der ohne Intervention bedrohlichen Fortgang erwarten lässt bei Intensivtäter/inne/n oft gegeben

8 elterliche Erziehung Elternverhalten nach 1666 Abs. 1 BGB fordert dann einen Eingriff, wenn die Eltern nicht gewillt oder nicht in der Lage sind, die Gefahr abzuwenden.

9 elterliche Erziehung Einschätzung der gefährdenden Erziehung (Kindler u.a./kindler 2006, Kap. 65) Ist der Elternteil von seiner Lebenssituation und Persönlichkeit her stabil genug, um dem Kind Regeln und Werte zu vermitteln? Zeigt der Elternteil ein Mindestmaß an Interesse und Engagement bei der Vermittlung von Regeln und Werten? Bietet das beim Elternteil vorhandene Bild des Kindes realistische Ansatzpunkte für eine angemessene Vermittlung von Regeln und Werten? Verfügt der betreffende Elternteil über grundlegend angemessene Ziele und Vorgehensweisen bei der Vermittlung von Regeln und Werten? Welche Erfolge zeigen sachkundige Maßnahmen zur Förderung einer angemessenen elterlichen Vermittlung von Regeln und Werten?

10 elterliche Erziehung Einschätzung der gefährdenden Erziehung (Kindler u.a./kindler 2006, Kap. 65) Ist der Elternteil von seiner Lebenssituation und Persönlichkeit her stabil genug, um dem Kind Regeln und Werte zu vermitteln? anhaltende Schwierigkeiten bei alltäglichen Lebensbewältigung ausgeprägt instabile Familienbeziehungen ggf. Einfluss psychiatrischer Erkrankungen

11 elterliche Erziehung Einschätzung der gefährdenden Erziehung (Kindler u.a./kindler 2006, Kap. 65) Zeigt der Elternteil ein Mindestmaß an Interesse und Engagement bei der Vermittlung von Regeln und Werten? sehr geringe Informiertheit über Entwicklung, Stärken, Probleme, Gleichaltrigenkontakte und Aufenthaltsorte des eigenen Kindes ausbleibenden Reaktionen des Elternteils auf Informationen über bedeutsame Fehlentwicklungen beim Kind (zb durch Kindergarten, Schule, Ärzte/-in) geringe Anzeichen einer inneren Auseinandersetzung mit der Erziehungsaufgabe

12 elterliche Erziehung Einschätzung der gefährdenden Erziehung (Kindler u.a./kindler 2006, Kap. 65) Bietet das beim Elternteil vorhandene Bild des Kindes realistische Ansatzpunkte für eine angemessene Vermittlung von Regeln und Werten? alters- und entwicklungsunangemessene Erwartungen an die Selbstständigkeit bzw das Wohlverhalten des Kindes grob verzerrende Ursachenzuschreibungen über das Verhalten des Kindes erkennbar Schuldzuweisung für bedeutsame Fehlentwicklungen im Leben des Elternteils Identifizierung mit ausgeprägt negativ erlebter Person in der Lebenswelt des Elternteils

13 elterliche Erziehung Einschätzung der gefährdenden Erziehung (Kindler u.a./kindler 2006, Kap. 65) Verfügt der betreffende Elternteil über grundlegend angemessene Ziele und Vorgehensweisen bei der Vermittlung von Regeln und Werten? verletzungsträchtige oder mit erheblichen Schmerzen bzw. Demütigungen verbundene Formen der Bestrafung Vorgehen des Elternteils ermöglicht keine Orientierung Ignorieren konkreter Erziehungsanforderungen bzw Auffälligkeiten ausgeprägte Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit bzw. empfundene Überforderung Verneinung grundlegend angemessener Erziehungsziele (zb Schulbesuch) Leitbild der Erziehung unvereinbar mit Leitbild der Selbstverantwortung und Gemeinschaftsfähigkeit (zb Anhalten zu Kriminalität)

14 elterliche Erziehung Einschätzung der gefährdenden Erziehung (Kindler u.a./kindler 2006, Kap. 65) Welche Erfolge zeigen sachkundige Maßnahmen zur Förderung einer angemessenen elterlichen Vermittlung von Regeln und Werten? sachkundige Maßnahmen zur Förderung der Erziehungsfähigkeit bleiben ohne Erfolg oder werden mangels Mitwirkungsbereitschaft nicht durchgeführt (tatsächliches Angebot ist Voraussetzung)

15 Verhältnismäßigkeit allg. Verhältnismäßigkeitsgrundsatz: Maßnahmen sind nur zulässig, wenn sie geeignet und erforderlich sind, die intendierten Ziele zu erreichen. Geeignetheit: Erwartung, dass Vormund anders als die Eltern Jugendliche/n erreichen kann Erforderlichkeit: Eltern sind nicht bereit, an den Versuchen, Jugendliche/n zu erreichen, mitzuwirken

16 Verhältnismäßigkeit Subsidiaritätsgrundsatz: (1) Maßnahmen, mit denen eine Trennung des Kindes von der elterlichen Familie verbunden ist, sind nur zulässig, wenn der Gefahr nicht auf andere Weise, auch nicht durch öffentliche Hilfen begegnet werden kann. ( 1666a Abs. 1 Satz 1 Bürgerliches Gesetzbuch). Angebot von Hilfen lässt keine Inanspruchnahme und/oder Nutzung derselben erwarten

17 Freiheitsentzug Jugendamt: höchst ausnahmsweise und ganz kurzfristig im Rahmen von Inobhutnahme ( 42 Abs. 5 SGB VIII) Polizei: mit einiger ermittlungstaktischpädagogischer Kreativität kurzzeitig, etwa über Nacht Familiengericht: auf Antrag des/der Personensorgeberechtigten ( 1631b BGB) Abwendung einer erheblichen Selbst- oder Fremdgefährdung zum Wohl des Kindes erforderlich Gefahr kann nicht auf andere Weise begegnet werden

18 Familiengericht als Kooperationspartner Blick auf sich selbst: Welche Ziele verfolge ich mit der Einbeziehung und welche Rolle spiele bei den Überlegungen meine eigenen Ohnmachtsgefühle? Blick auf Jugendliche/n: droht eine Schädigung bei weiterem Fortgang der Karriere? Blick auf Eltern: behindern Eltern die Entwicklung von Perspektiven? Blick auf sich selbst: Kann ich (und/oder ein Vormund) etwas an der Perspektivlosigkeit verändern?

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