Forschung und Entwicklung in Singapur. Zielmarktanalyse Singapur, September BMWi-Markterschließung für KMU

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1 Forschung und Entwicklung in Singapur Zielmarktanalyse Singapur, September 2014 BMWi-Markterschließung für KMU 1

2 Impressum Herausgeber: Deutsch-Singapurische Industrie-und Handelskammer (SGC) 25 International Business Park I # German Centre I Singapore Tel: (+65) I Fax: (+65) Mail: I Stand: September 2014 Gestaltung und Produktion: Deutsch-Singapurische Industrie-und Handelskammer (SGC) Bildnachweis: Deutsch-Singapurische Industrie-und Handelskammer (SGC) Redaktion: Katja Münzer Jens Martin Haftungsausschluss Trotz gründlicher Quellenauswertung und größtmöglicher Sorgfalt bei der Erstellung übernimmt AHK Singapur keine Haftung für die Inhalte der vorliegenden Marktstudie bzw. für Schäden, die sich - direkt oder indirekt - durch Entscheidungen ergeben, die auf Grundlage der Inhalte der vorliegenden Marktstudie getroffen werden. Nachdruck und Fotokopien, auch teilweise, sind unter genauer Angabe der Quelle und mit Hinweis auf erstens AHK Singapur und zweitens die Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gestattet. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ist für den Inhalt der Marktstudie nicht verantwortlich. Es werden ausschließlich Meinungen und Auffassungen der Verfasser wiedergegeben. 2

3 Übersicht Singapur ist eines der wichtigsten Handelszentren in Asien. Die gleichzeitig westlich und asiatisch geprägte Löwenstadt ist als Business Hub auch bei internationalen Unternehmen sehr beliebt. Die Worte hochmodern, multikulturell und wirtschaftlich stark wachsend beschreiben Singapur sehr zutreffend. Die EU ist einer der wichtigsten Handelspartner Singapurs. Aus diesem Grunde wird an der Absegnung eines Freihandelsabkommens gearbeitet. Deutschland wiederrum ist einer der wichtigsten Handelspartner der ASEAN-Staaten, also auch Singapurs. Im Jahr 2013 betrug das Gesamthandelsvolumen zwischen Deutschland und Singapur rund 21 Mrd. SGD. Da Singapur zwar eine Bevölkerung von über 5 Mio. Menschen hat, jedoch lediglich über eine Fläche von 715,8 km 2 verfügt, bietet das Land kaum Raum für eigene Landwirtschaft oder große industrielle Produktionen. Forschung und Entwicklung (F&E) benötigt weder große Anlagen, noch eigene Ressourcen und passt somit sehr gut in das Anforderungsprofil Singapurs. F&E hat sich zu einen strategisch eichtigem Standbein Singapurs entwickelt und wird von der Regierung stark unterstützt. Die Investitionen in relevante Infrasruktur, Institutionen und Fördermittelprogramme haben in den lezten Jahren stetig zugenommen. Die Etablierung Singapurs als führender Forschungsstandort Südostasiens ist das langfristige Ziel und wird mit weitreichenden Initativen und Programmen von öffentlicher Seite verfolgt. Im Rahmen dieser Marktstudie wird der Forschungsstandort Singapur analysiert, herausragende Bereiche vorgestellt, Potential für deutsche Unternehmen herausgearbeitet und Stärken und Schwächen abgewogen. Das Ziel der Studie ist die Vermittlung eines Gesamtüberblicks über die Forschungslandschaft in Singapur, sowie die exemplarische Analyse einiger Forschungsgebiete. Die Studie gliedert sich inhaltlich in vier Hauptbereiche. Im dritten Abschnitt werden die grundlegenden Parameter der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft vorgestellt, gefolgt von einem tieferen Einblick in die Forschungslandschaft des Inselstaats. Weiterhin werden die wichtigsten Förderprogramme und Institutionen erläutert. Im fünften Abschnitt werden einzelne strategische Forschungsgebiete exemplarisch analysiert und Unterschiede zu anderen Standorten aufgezeigt. Der lezte Abschnitt zieht ein Fazit, indem das Potential des Forschungsstandort allgemein analysiert wird und Potential für deutsche Unternehmen aufgezeigt wird. 3

4 Inhaltsverzeichnis Übersicht... 3 Tabellenverzeichnis... 6 Abbildungsverzeichnis... 7 Abkürzungsverzeichnis Einleitung Überblick über Politik, Wirtschaft und Kultur in Singapur Politischer Hintergrund Wirtschaftlicher Überblick Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Singapur Investitionsklima und förderung in Singapur Kulturelle Besonderheiten Allgemein Geschäftsetikette Gesetzliche Feiertage Überblick über die Forschungsstruktur in Singapur Allgemein Die F&E Landschaft One North Biopolis Fusionopolis Mediapolis Institutionen in Singapur Economic Development Board A*STAR National Research Foundation Hochschullandschaft National University of Singapore Nanyang Technological University, Singapore Singapore Management University Förderprogramme Research, Innovation, Enterprise (RIE) Steuervorteile Forschungsgelder im privaten Sektor

5 3.6 Geistiges Eigentum in Singapur Intellectual Property Office of Singapore Singapur als IP Hub Die Strategischen F&E-Bereiche Singapurs Biomedizin Überblick Biomedizin Stärken und Schwächen Solar- und Wassertechnologien Überblick Wassertechnologie Überblick Solartechnologien Interaktive & Digitale Medien Zahlen und Fakten Förderung Beispiele Stärken & Schwächen Marktpotenziale F&E Deutscher Unternehmen in Singapur Allgemein Beispiele Expertenratschläge SWOT-Analyse Künftige Marktentwicklungen/ Markttrends Bibliography Anhänge Anhang 1: Messen und Veranstaltungen Anhang 2: Behörden und Institutionen

6 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Basisdaten im Überblick Tabelle 2: Politische Eckdaten Tabelle 3: Wirtschaftsdaten im Überblick Tabelle 4: Handelsvolumen zwischen Singapur und Deutschland Tabelle 5: Deutsche Hauptexporte und importe Tabelle 6: Gesamthandel, Importe und Exporte (in Mio. SGD) zu aktuellen Preisen Tabelle 7: Foreign Direct Investment (FDI)/ Direktinvestitionen in Mio. SGD Tabelle 8: Gesetzliche Feiertage in Singapur 2014 & Tabelle 9: Aufteilung der Mitarbeiter im F&E Sektor nach Berufsgruppe Tabelle 10: Aufteilung der Mittelverwendung für F&E in Singapur in Mio. SGD Tabelle 11: Die fünf Phasen von Biopolis Tabelle 12: Vergleich der IP Standorte Singapur und Deutschland Tabelle 13: Aufschlüsselung von Unternehmen und Jobs auf die Subsektoren Tabelle 14: Übersicht SWOT Singapurs als F&E Standort

7 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Karte von Singapur Abbildung 2: Hauptindustriezweige, Quelle: GTAI, Abbildung 3: F&E Organisationen in Singapur im Jahr Abbildung 4: Investitionsquellen für Singapurs F&E Sektor Abbildung 5: Mittelverwendung für F&E in Singapur im Jahr 2012 nach Sektor Abbildung 6: Mittelverwendung für F&E in Singapur im Jahr 2012 nach Forschungsfeldern Abbildung 7: Anteile des privaten und öffentlichen Sektors an den Patenten im Jahr Abbildung 9: PV Kapazitäten Singapur Abbildung 10: IDM Subsektoren Abbildung 11: Aufschlüsselung von Unternehmen und Beschäftigten auf Start-Ups, SMEs und MNCs im Jahr Abbildung 12: Aufschlüsselung von Unternehmen und Beschäftigten im Jahr

8 Abkürzungsverzeichnis A*STAR BIP BMAC BMRC BSA CEPO CERT CREATE CRP DSI EDB ERIAN EIPO EIRP EWI EWPR F&E FDI FTA I2R IDA IDM IDMI Agency for Science, Technology & Research Bruttoinlandsprodukt Health Services Research Competitive Research Grants Biomedical Research Council Biomedical Science Accelarator Clean Energy Programme Office Clean Energy Reseach and Testbedding Programme Campus for Research, Excellence & Technological Enterprise Competitive Research Programme Data Storage Institute Economic Development Board Singapore Energy Research NTU Energy Innovation Programme Office Energy Innovation Research Programme Environment & Water Industry Office Environment & Water Research Program Forschung und Entwicklung Ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment) Freihandelsabkommen (Free Trade Agreement) Institute for Infocomm Research Infocomm Development Authority Interaktive und digitale Medien Interaktive und digitale Media Institute 8

9 IDMPO IDS IHPC IKT IMD IME IMRE INTECH IP IPOS IRC IRIS LTA MDA MNC NERI NEWRI NFIE NHG NITHM NPI NRF NTU NTUC NUH Interaktive und digitale Media R&D Programme Office Innovation Development Scheme Institute of High Performance Computing Informations- und Kommunikationstechnologie Institute for Management Development Institute of Microelectronics Institute of Material Research & Engineering Initiatives for New Technologies Geistiges Eigentum (Intellectual Property) Intellectual Property Office Singapore International Research Centre Incentive for Research & Innovation Scheme Land Transport Authority Media Development Authority Multinational Corporation NUS Environmental Research Institute Nanyang Environmental & Water Research Institute National Framework for Research, Innovation and Enterprise National Healthcare Group Nanyang Institute of Technology in Health and Medicine Nature Publishing Index National Research Foundation Nanyang Technological University National Trade Union National University Hospital 9

10 NUS NYP PAP PR PV RIE RIEC RISC SDA SDP SERC SERIS SGD SIM Tech SME SMU SPH SRP SSCC STEP TCR TUM WHO WP WTO National University of Singapore Nanyang Polytechnic People s Action Party Permanent Resident Photovoltaic Research, Innovation, Enterprise Research, Innovation and Enterprise Council Research Incentive Scheme for Companies Singapore Democrativ Alliance Singapore Democratic Party Science and Engineering Research Council Solar Energy Research Institute of Singapore Singapore Dollar Singapore Institute of Manufacturing Technology Small and Medium Size Enterprise Singapore Management University Singapore Press Holdings Signature Research Program Singapore Stem Cell Consortium Science, Technology & Enterprise Plan Translational & Clinical Research Technische Universität München Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation) Worker s Party of Singapore Welthandelsorganisation (World Trade Organisation) 10

11 1. Einleitung Bereits seit Jahren gilt der Stadtstaat Singapur, gelegen im Herzen Südostasiens, als äußerst attraktiver Standort für internationale Unternehmen und hat sich als erfolgreiches Finanz- und Handels-, und mittlerweile auch Innovationszentrum, etabliert. Innerhalb weniger Jahrzehnte wandelte sich die Löwenstadt von einem Entwicklungsland in eine hochmoderne und erfolgreiche Wirtschaftsmetropole. Dabei lag der wirtschaftliche Fokus bei Gründung des Landes im Jahre 1965, ähnlich wie in vielen anderen asiatischen Ländern, vor allem auf der Produktion und Fertigung. Da die Regierung jedoch von Anfang an die ökonomische Entwicklung stark kontrollierte und steuerte und man merkte, dass Singapur z.b. auf Grund seiner geringen Landmasse nicht die idealen Voraussetzungen für einen solchen Wirtschaftsfokus bietet, verlagerte man um die Jahrtausendwende herum den wirtschaftlichen Schwerpunkt. Während in den 1980er und 1990er Jahren Länder wie China immer mehr zur Fabrik der Welt wurden, began Singapur bereits in Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Innovationen und Entrepreneurship zu investieren. Dies wurde in den 2000ern zur expliziten nationalen Strategie. Heutzutage gehört Singapur mit seiner hochmodernen F&E Landschaft zu einem der wichtigsten F&E Standorte der Welt. Obwohl der Stadtstaat in diesem Sektor noch sehr jung ist, kann es bereits mit vielen westlichen Nationen mithalten und einige sogar übertrumpfen. Singapur bietet im Bereich F&E enorme Möglichkeiten und Potenziale. Internationalen Unternehmen werden viele Anreize, Förderungen und Vorteile. Diese Marktstudie, durchgeführt von der Deutsch-Singapurischen Industrie- und Handelskammer, gibt nicht nur einen detaillierten Überblick über F&E in Singapur, sondern liefert eine Analyse der Markteintrittschancen deutscher F&E Unternehmen. Dabei wurde zunächst ein allgemeines Portfolio Singapurs mit detaillierten Hintergrundinformationen erstellt, bevor konkret auf die F&E Landschaft in Singapur eingegangen wird. Fokussiert wird dabei insbesondere auf die Bereiche Biomedizin, Solar- und Wassertechnologien und interaktive und digitale Medien (IDM). Abschließend werden anhand der Stärken und Schwächen des Landes als F&E Standort die Chancen und Risiken für F&E deutscher Unternehmen im singpurischen Markt analysiert und Marktpotenziale sowie künftige Entwicklungen aufgezeigt. Die Studie stützt sich auf umfassende Recherchen sowie gezielte Leitfadeninterviews mit renommierten Experten des singapurischen Marktes. Ziel der Studie ist es, den deutschen F&E Unternehmen nicht nur tiefe Einblicke in die Zusammenhänge des komplexen Marktgeschehens zu liefern, sondern ihnen darüber hinaus Informationen zur Verfügung zu stellen, die den Markteintritt unterstützen und vereinfachen sollen. 11

12 2. Überblick über Politik, Wirtschaft und Kultur in Singapur Singapur ist mit seinen ca. fünf Mio. Einwohnern eines der stärksten Wirtschaftszentren Südostasiens. Dank langfristiger planerischer Vorausschau ist die Stadt hochentwickelt, sehr sauber und bietet mit seinen zahlreichen Parks und Naturreservaten viel Grün- und Naherholungsfläche. Die multikulturelle Vielfalt aus Chinesen, Malaien und Indern sowie das Erbe der britischen Kolonialherrschaft prägen Singapurs einzigartige Kultur bis heute nachhaltig. Das Hoheitsgebiet besteht aus der Insel Singapur und ca. 50 kleineren, angrenzenden Inseln. Die offiziellen Landessprachen sind Englisch, Mandarin, Malaiisch und Tamil. Die von nahezu allen gesprochene und verstandene Geschäftssprache ist Englisch. Die Temperaturen in Singapur bewegen sich während des ganzen Jahres relativ konstant zwischen 25º C und 32º C. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei durchschnittlich 84 %. Abbildung 1: Karte von Singapur Quelle: Encyclopaedia Britannica, Inc.,

13 Basisdaten im Überblick Fläche 715,8 km 2 5,399 Mio. (einschließlich Ausländer mit Einwohner (2013) Daueraufenthaltsgenehmigung, ausländische Arbeitnehmer) Bevölkerungsdichte (2012) Einwohner/km² Bevölkerungszuwachs (2013) 1,6 % APEC, AFTA, ASEAN, ESCAP, Colombo-Plan, Indian Ocean Rim Association für Regional Cooperation, Welthandelsorganisation (WTO), Commonwealth, Teilnehmer an Europäisch-Asiatische Gipfeltreffen Mitgliedschaft in regionalen (ASEM) Wirtschaftsunionen ASEAN - Staaten als wichtigster Binnenmarkt in Südostasien (gesamt ca. 600 Mio Einwohner in den Mitgliedstaaten Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam, Brunei, Kambodscha, Laos, Myanmar; Gründung: 1967) In Kraft: ASEAN-Staaten, Australien, China, Jordanien, Japan, Südkorea, Neuseeland, Panama, Peru, ESFTA (Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island), USA, Chile, Indien, EFTA Freihandelsabkommen Unterzeichnet: EU (12/2012), Arab States of the Gulf (GCC), Costa Rica Weitere in Verhandlung: Taiwan, Canada, Mexiko, Pakistan, Ukraine, ASEAN-India Services & Investment, ASEAN-Japan Services & Investment Währung Singapur Dollar (SGD): 1 Euro = 1,66 SGD (08/2014) 74,2 % Chinesen, 13,3 % Malaien, 9,2 % Inder, ca. 3,3 % Ethnische Gruppen Sonstige Religionen Buddhismus, Taoismus, Islam, Christentum, Hinduismus Amtsprachen: Englisch, Mandarin, Tamil, Malaiisch, Sprachen Verkehrs-, Handels- und Verwaltungssprache ist Englisch, zudem Mandarin und andere chinesische Dialekte Arbeitskräfte (2013) 3,493 Mio. (64,8 % ) Tabelle 1: Basisdaten im Überblick Quellen: Department of Statistics Singapore, Population: Births and Deaths, 2014; Department of Statistics Singapore, Singapore in Figures 2013, 2013; Ministry of Manpower,

14 2.1 Politischer Hintergrund Die Republik Singapur ist eine parlamentarische Demokratie nach dem Westminster-Modell (Einkammersystem). Das Staatsoberhaupt ist der Präsident. Dieser wird für eine Amtsperiode von sechs Jahren gewählt. Der aktuelle Präsident ist Dr. Tony Tan Keng Yam, der seit 2011 im Amt ist. Das Parlament wird alle fünf Jahre landesweit gewählt und unterliegt der Führung des Premierministers, derzeit Lee Hsien Loong (seit 2004). Aktuell gibt es 23 registrierte politische Parteien. Das zurzeit regierende Parlament zählt 87 Parlamentarier, bestehend aus 81 Vertretern der People s Action Party (PAP) und sechs Vertretern der Worker s Party of Singapore (WP). Die Judikative bildet zusammen mit der Legislativen und der Exekutiven die drei Säulen der Regierung. Als Staatsorgan fungiert die Judikative als unabhängige Rechtsprechung. Die Funktion und Unabhängigkeit des judikativen Staatsorgans ist in der Verfassung der Republik Singapur verankert. 1 Die Wahlen in 2011 bestätigten die ungebrochene Dominanz der PAP, welche seit 1959 an der Macht ist und politische Stabilität im Land repräsentiert. Die Regierung betreibt eine aktive Einwanderungspolitik, die auf beruflich hochqualifizierte Arbeitskräfte ausgerichtet ist. Von den rund 5,18 Mio. Einwohnern Singapurs sind ca. 2 Mio. Ausländer, davon ca. 0,53 Mio. sogenannte Permanent Residents. Weitere Prinzipien der Regierungsarbeit sind beispielsweise der Erhalt und Ausbau der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, die Schaffung eines hohen Lebensstandards für die Bevölkerung sowie Harmonie zwischen den verschiedenen Ethnien und Religionen. Eine straff geführte Regierung und ein hochqualifizierter, sehr gut bezahlter und daher nicht korruptionsanfälliger Verwaltungsapparat stehen im Fokus der Arbeit genauso wie Bekämpfung der Kriminalität in jeder Form, insbesondere Terrorismus, Korruption und Drogenmissbrauch. Menschenrechte werden grundsätzlich durch den Grundrechtekatalog der Verfassung geschützt. Politische Rechte, insbesondere Versammlungs-, Rede- und Medienfreiheit, sind allerdings stark eingeschränkt. 2 1 (EDB Singapore) 2 (Auswärtiges Amt, 2013) 14

15 Politische Eckdaten Parlamentarische Demokratie, Einkammersystem, derzeit 87 Staatsform Parlamentssitze Dr. Tony Tan Keng Yam, Staatspräsident der Republik Singapur, Staatsoberhaupt seit Premierminister Lee Hsien Loong, PAP, seit Außenminister Kasiviswanathan Shanmugam, seit Parlamentspräsident Halimah Yacob, PAP, seit Regierungspartei People's Action Party (PAP) Eine Reihe kleiner, gemäßigter Parteien, WP, Singapore Democratic Alliance (SDA; Zusammenschluss von vier kleinen Opposition Parteien) und Singapore Democratic Party (SDP). Zurzeit gehören nur sieben von 87 gewählten Mitgliedern des Parlaments Oppositionsparteien an. Gewerkschaften sind politisch und personell eng mit der Regierung Gewerkschaften verflochten. Der Generalsekretär des National Trade Union Congress (NTUC), Lim Swee Say, ist Mitglied der Regierung. Vereinte Nationen und Sonderorganisationen, Commonwealth, Verband Südostasiatischer Staaten (ASEAN), Internationale Welthandelsorganisation (WTO), Asiatisch-Pazifische Organisationen Wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC), Teilnehmer an Europäisch-Asiatischen Gipfeltreffen (ASEM) Medienkonzerne: Singapore Press Holdings (SPH), MediaCorps neun Tageszeitungen, darunter: The Straits Times (Englisch, Auflage ca ), Today (Englisch, Auflage ca ), My Paper (Chinesisch/Englisch, Auflage ca ), Lianhe Zaobao (Chinesisch, Auflage ca. Wichtigste Medien ) Sieben Fernsehsender in 4 Sprachen, einen Digital TV Sender sowie zahlreiche internationale Kabelkanäle (einschließlich Deutsche Welle) 13 lokale Radiosender (einschließlich Expat Radio XFM96.3) sowie das World Service Programm von BBC Tabelle 2: Politische Eckdaten Quelle: Auswärtiges Amt Singapur,

16 2.2 Wirtschaftlicher Überblick Singapur befindet sich im Zentrum Südostasiens und wird zu Recht als dessen priorisiertes Wirtschaftszentrum bezeichnet. Seine günstige geografische Lage macht den Stadtstaat zu einem verkehrstechnischen Dreh- und Angelpunkt für die Region. Die hochentwickelte Infrastruktur mit einem der drei geschäftigsten Containerhäfen der Welt und dem Changi International Airport mit ca. 250 Städteverbindungen sucht ihresgleichen 3. In maximal drei Flugstunden sind sämtliche ASEAN-Mitgliedsländer zu erreichen. Mit einer fortschrittlichen Freihandelspolitik, regional und weltweit, konnte die Regierung diese Position weiter verstärken. Um die rasante Entwicklung des Stadtstaates nachvollziehen zu können, wird zunächst das wirtschaftliche Profil kurz skizziert. Singapur verfügt über eine stark diversifizierte Wirtschaftsstruktur. So sollen neben dem hohen Anteil des Dienstleistungssektors auch dauerhaft etwa % des Bruttoinlandprodukts (BIP) durch produzierende Industrien erwirtschaftet werden. Innerhalb der Wertschöpfungskette konzentriert sich Singapur auf Forschung und Entwicklung sowie auf Fertigungstechnik. Die Kernindustrien sind Biomedizin, chemische Industrie, Bildung, elektronische Industrie, Maschinenbau, verarbeitendes Gewerbe, Finanzen, Gesundheit, Telekommunikation, Medien und Logistik. Die wichtigsten, zum BIP beitragenden Wirtschaftszweige des verarbeitenden Gewerbes sind die elektronische Industrie, die pharmazeutische und chemische Industrie, Maschinen und Ausrüstungen (besonders für Ölbohrungen) sowie die petrochemische - und die Schifffahrtsindustrie. Entscheidende, von der Regierung Singapurs identifizierte und geförderte Wachstumsindustrien sind u. a. die biomedizinische Wissenschaft, Umwelt- und Wassertechnologien sowie interaktive und digitale Medien. 3 (Changi Airport, 2014) 16

17 Abbildung 2: Hauptindustriezweige, Quelle: GTAI, 2013 In den Dienstleistungsindustrien, wie z.b. Transport, Logistik und Finanzen wird Singapur als führendes regionales Zentrum betrachtet. Die Regierung Singapurs beabsichtigt dieser herausragenden Position in Zukunft weitere Industrien wie Bildung, digitale Medien und Gesundheit hinzuzufügen. Das Land zielt auf eine weltweit führende Stellung in ausgewählten hochmodernen Technologien, wie z. B. Halbleiter- und Informationstechnologie, Biotechnologie und Genetik, ab. Um dieses Ziel zu erreichen, will die Regierung bis zum Jahr ,5 % des BIP, d. h. ca. 56,7 Mrd. SGD, in den Forschungsund Entwicklungssektor investieren. Dabei sollen 2,5 % aus dem privaten und 1 % aus dem öffentlichen Sektor finanziert werden. Des Weiteren fördert das Ministry of Trade and Industry (MTI) ausländische Investitionen und den Tourismus. Deutsche Unternehmen vor Ort schätzen an Singapur besonders die wirtschaftsorientierte Politik, Rechtssicherheit und Stabilität. Der Stadtstaat gilt als eines der unternehmerfreundlichsten Länder der Welt und bietet umfassende organisatorische sowie finanzielle Unterstützung für ausländische Unternehmen. Darüber hinaus eignet sich Singapur in besonderem Maße als Standort für regionale Veranstaltungen, auf denen deutsche Unternehmen asiatische Entwicklungs- und Schwellenländer erschließen können. Entscheidungsträger aus internationalen und auch vielen deutschen Unternehmen mit regionaler Vernetzung nutzen Singapur bereits als sichere Basis für Vertriebs - und andere Geschäftsaktivitäten in der südostasiatischen Region und ASEAN. Insbesondere mit Malaysia, Indonesien, Vietnam und Thailand, aber auch zu weiter entfernten Ländern wie 17

18 China und Japan werden enge Kontakte unterhalten. Zurzeit gibt es über deutsche, in Singapur registrierte Unternehmen. 4 Dem vom International Institute for Management Development (IMD) veröffentlichten Buch The World Competitiveness Yearbook 2013 zufolge, ist Singapur die fünftwettbewerbsfähigste Wirtschaft der Welt nach den USA, der Schweiz, Hongkong und Schweden. Die Rangliste zur Wettbewerbsfähigkeit basiert auf vier Kategorien: der Wirtschaftsleistung, Effizienz der Regierung, der wirtschaftliche Effizienz und der Infrastruktur. 5 Da Singapur über eine hochmoderne Infrastruktur verfügt, als eines der größten Finanzzentren Asiens gilt und als globale Forschungsplattform immer mehr in den Fokus multinationaler Unternehmen rückt, wird im Folgenden auf die Struktur und Entwicklung der Löwenstadt eingegangen. Wirtschaftsdaten im Überblick BIP zu Marktpreisen (2013) BIP Wachstumsrate (2013) 6 BIP pro Kopf (2013) BIP Produzierende Industrie (2012) BIP Dienstleistungsindustrie (2012) BIP Entstehung (2012) 7 BIP Verwendung (2012) ,5 Mio. SGD 6,1 % ,51SGD = ,05 EUR (2013) ,6 Mio. SGD ,0 Mio. SGD Manufacturing (20,7 %), Construction (4,4 %), Wholesale & Retail Trade (17,0 %), Transportation & Storage (7,7 %), Finance & Insurance (11,9 %), Business Services (14,6 %) Privater Verbrauch 35,5 %; Außenbeitrag 28,2 %; Bruttoanlageinvestitionen 25,5 %; Staatsverbrauch 9,27 %; Bestandsveränderungen 2,8 % Arbeitslosenrate (2013) 1.9 % Arbeitskräfte (2013) 3.443,7 Mio. 4 (Heilmann, 2013) 5 (Ministry of Trade and Industry Singapore, 2012) 6 (TradingEconomics, 2014) 7 (Department of Statistics Singapore, Economy: National Accounts, 2014) 18

19 Inflationsrate (2014) 8 2,8 % Gesamthandel (2013) Importe (2013) 9 Exporte (2013) Leistungsbilanz (2013) Offizielle Devisenreserven (2013) ,2 Mrd. SGD ,2 Mrd. SGD Güter: Rohöl- und Petroleumprodukte, elektronische Komponenten und Geräte, Telekommunikationsequipment, Chemikalien, Lebensmittel/ Getränke, Eisen / Stahl, Kraftfahrzeuge Bedeutende Lieferanten: Europe (12,5 %), Malaysia (10,6 %), USA (10,2 %), China (10,3 %), Japan (6,2 %), South Korea (6,8 %), Saudi Arabien (4,8 %), Deutschland (2,8 %) Mrd. SGD Güter: Petroleumprodukte, Lebensmittel / Getränke, Chemikalien, Pharmazeutika, Industriemaschinen und - ausrüstungen, elektronische Bauteile und Geräte, medizinische Apparate, Telekommunikationsausrüstungen, Transportausrüstungen Bedeutende Märkte: Europe (8,9 %), Malaysia (12,3 %), China (10,8 %), Hongkong (11,0 %), Indonesien (10,6 %), USA (5,4 %), Japan (4,3 % ), Taiwan (3,5 % ), Deutschland (1,5 %) ,3 Mio. SGD ,2 Mio. SGD Tabelle 3: Wirtschaftsdaten im Überblick Auf Grund der starken Abhängigkeit von Exporten ist die Entwicklung der Industrie Singapurs sehr von den Entwicklungen der Weltwirtschaft abhängig, insbesondere denen der USA, Chinas und Europas. Die schnell wachsende Wirtschaft Chinas stellt eine spezielle Herausforderung für Singapur dar. Um Schritt zu halten und die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Landes sicherzustellen, konzentriert sich Singapur stark auf 8 (Trading Economics, 2014) 9 (Statlink, 2013) 19

20 Forschung und Entwicklung. An oben aufgeführten Projekten lässt sich gut nachvollziehen, wieso Singapur als Vorreiter der ASEAN Region gilt und damit als bevorzugter Handelspartner für deutsche Unternehmen. 2.3 Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Singapur Die Beziehungen zwischen Singapur und Deutschland sind sehr gut. Sie basieren auf enger Zusammenarbeit im bilateralen sowie multilateralen Bereich. Deutschland ist einer der wichtigsten europäische Handelspartner der ASEAN-Staaten und Singapur einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Deutschlands im Raum Südostasien. Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder sowie Kooperationen im Forschungsbereich werden intensiv gefördert. So finden u. a. acht vom Bund geförderte Messen 11 und das German-Singaporean Business Forum regelmäßig statt. 12 Zudem nutzen viele deutsche Firmen Singapur als einen Einstieg in den südostasiatischen Markt, sodass die Anzahl der deutschen Unternehmen und Niederlassungen in Singapur von 500 (2004) auf ca (2014) anstieg. Dies zeigt deutlich die Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Staaten über die letzten zehn Jahre hinweg. Der Trend des Marktpotenzials deutscher Unternehmen in Singapur ist auch für 2014 fast ausschließlich steigend 13. Vereinfacht werden die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen durch Wirtschaftsabkommen, wie das Doppelbesteuerungsabkommen vom (in Kraft seit dem ) 14, das Investitionsschutzabkommen vom (in Kraft seit dem ) 15 und Singapurs Mitgliedschaft in der WTO (seit ) 16. Ein Freihandelsabkommen zwischen Singapur und der EU wurde am beschlossen, ist aber derzeitig noch nicht in Kraft getreten Die 10 Die ASEAN- Gemeinschaft, welche 1967 gegründet wurden, ist einer der wichtigsten Binnenmärkte in Südostasien mit insgesamt ca. 600 Mio Einwohner in den Mitgliedstaaten Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam, Brunei, Kambodscha, Laos, Myanmar. 11 Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Webseite der AUMA: 12 (GTAI, Wirtschaftstrends kompakt Jahreswechsel 2013/14 Singapur, 2013) 13 (GTAI, Wirtschaftstrends kompakt Jahreswechsel 2013/14 Singapur, 2013) 14 (Bundesministerium der Finanzen, 2004) 15 (Bundesministerium für Wirschaft und Energie, 2014) 16 (World Trade Organisation, 2014) 17 (European Commission, 2013) 20

21 P = preliminary (vorläufig) Handelsvolumen zwischen Singapur und Deutschland Tabelle 4: Handelsvolumen zwischen Singapur und Deutschland Quelle: Department of Statistics Singapore, Trade, p Gesamthandelsvolumen in Mio. SGD , , , ,6 Deutsche Importe aus Singapur in Mio. SGD 8.369, , , ,4 Veränderung zum Vorjahr in % +0,56 % -0,89 % -1,77 % Deutsche Exporte nach Singapur in Mio. SGD , , , ,2 Veränderung zum Vorjahr in % +7,89 % +0,95 % +3,04 % Deutsche Hauptexporte nach Singapur: - Maschinen - Elektronik - Chemische Erzeugnisse - Elektrotechnik - KFZ und KFZ-Teile Deutsche Hauptimporte aus Singapur: - Datenverarbeitungsgeräte - Elektronische und optische Erzeugnisse - Chemische Erzeugnisse - Elektrotechnik - Maschinen Tabelle 5: Deutsche Hauptexporte und importe Gesamthandel, Importe und Exporte (in Mio. SGD) zu aktuellen Preisen Gesamthandel , , , , ,2 Importe , , , , ,2 Exporte , , , , Importe Asien , , , ,1 China , , , ,2 Malaysia , , , ,4 Korea , , , ,5 Amerika , , ,6 USA , , , ,1 Europa , , , ,1 EU , , , ,3 Deutschland , , , ,9 Ozeanien 6.858, , , ,3 21

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