8. GRUNDBEGRIFFE DER AUßENWIRTSCHAFT

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1 8. GRUNDBEGRIFFE DER AUßENWIRTSCHAFT

2 Die Zahlungsbilanz erfasst (im Prinzip) alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Inländern und der übrigen Welt. Sie erfasst Stromgrößen und keine Bestandsgrößen. Aktiv Zahlungsbilanz Passiv Alle Transaktionen die zu Zahlungen an das Inland führen oder führen können. Alle Transaktionen, die zu Zahlungen an das Ausland führen oder führen können. 2

3 Teilbilanzen der Zahlungsbilanz. Leistungsbilanz a) Handelsbilanz (Güterexporte und -importe) b) Dienstleistungsbilanz (Dienstleistungsexporte und -importe) c) Übertragungsbilanz (laufende Übertragungen) d) Saldo der Erwerbs- und Vermögenseinkommen 2. Bilanz der Vermögensübertragungen 3. Kapitalbilanz (Zu- und Abnahme des Nettoforderungsbestandes gegenüber der übrigen Welt) 4. Devisenbilanz (Zu- und Abnahme des Nettoforderungsbestandes der Zentralbank) 3

4 Teilbilanzen der Zahlungsbilanz Merke: Jede Teilbilanz der Zahlungsbilanz kann einen Saldo aufweisen. Die Zahlungsbilanz insgesamt hat niemals einen Saldo. 4

5 Aktiv Passiv Saldo Warenexporte 5000 Ausfuhr von Dienstleistungen Empfangene laufende Übertragungen Warenimporte Einfuhr von Dienstleistungen Gezahlte laufende Übertragungen Empfangene Erwerbs- und Vermögenseinkommen Gezahlte Erwerbs- und Vermögenseinkommen Leistungsbilanzaktiva gesamt Leistungsbilanzpassiva gesamt Empfangene Vermögensübertragungen Gezahlte Vermögensübertragungen Abnahme Auslandsforderungen, ohne ZB (Kapitalimport) Abnahme Auslandsforderungen der ZB Zunahme Auslandsforderungen, ohne ZB (Kapitalexport) Zunahme Auslandsforderungen der ZB Achtung! Gegenbuchung fehlt. Bitte einfügen! 5

6 Wechselkurse (a) Preisnotierung E Preis = Einheiten Inlandswährung eine Einheit Auslandswährung Beispiel: Um einen US-Dollar zu kaufen, musste man am 5. Juni 20 0,70 Euro bezahlen. E Preis = 0,7 EUR USD 6

7 Wechselkurse (b) Mengennotierung E Menge = Beispiel: Einheiten Auslandswährung eine Einheit Inlandswährung Mit einem Euro konnte man am 5. Juni 20,43 US-Dollar kaufen.,43 USD E Menge = EUR Merke: E Menge = E Preis Gängig ist heute die Mengennotierung. Im Beispiel: 0,70 EUR USD =,43 USD EUR 7

8 Umrechnung in Inlandswährung Bei Exporten und Importen muss entschieden werden, in welcher Währung sie bezahlt (fakturiert) werden. Beispiel: Annahmen: Wir befinden und im Euro-Raum. Exporte werden in Euro bezahlt. Importe müssen in US-Dollar bezahlt werden. C = 42 Mrd. EUR I = 395 Mrd. EUR G = 472 Mrd. EUR X = 979 Mrd. EUR Im = 64 Mrd. USD E =,40 USD/EUR 8

9 Wir erinnern uns: Y = Im Beispiel: C + I + G + X - Im Y = 42 Mrd. EUR Mrd. EUR Mrd. EUR Mrd. EUR 64 Mrd. USD,4 USD EUR = 2398 Mrd. EUR (Daten aus 2009) Wenn Importe in Auslandswährung fakturiert werden, dann gilt demnach bei Anwendung der Mengennotierung: Y = C + I + G + (X - Im E ) 9

10 Das um Außenhandel erweiterte einfache Makromodell Z C + I + G + ( X - Im E ) Definition Nachfrage C = c 0 + c ( Y - T ) I = I G = G T = T X = X Verhaltensgleichungen Im = im ( Y - T ) mit 0 < im < Y = Z Gleichgewichtsbedingung 0

11 Eingesetzt folgt daraus Y = c 0 + c ( Y - T ) + I + G + ( X - im E ( Y - T ) ) Y = c 0 + c Y - c T + I + G + X - im E Y + im E T etwas aufgeräumt: Y - c Y + im E Y = c 0 - ( c - im E ) T + I + G + X oder: ( - c + im E ) Y = c 0 - ( c - im E ) T + I + G + X schließlich: Y = c + im E [c 0 - ( c - im E ) T + I + G + X ]

12 Beispiel : Der Staatsaausgabenmultiplikator dy dg = c + im E zum Vergleich ohne Außenhandel: Weil 0 < im < und E > 0, gilt: Annahme: c = 0,8 ; im = 0,2 ; E = dann gilt: und: 0,8 + 0,2 = 0,4 0,8 = 0,2 dy dg = c c + im < E c = 2,5 mit Außenhandel = 5 ohne Außenhandel 2

13 Beispiel 2: Der Steuermultiplikator dy dt = - c im E c + im E zum Vergleich ohne Außenhandel: dy dt = - c c Weil 0 < im < und E > 0, gilt: c im E c + im E < c c Annahme: c = 0,8 ; im = 0,2 ; E = dann gilt: 0,8 0,2 0,8 + 0,2 = 0,6 =,5 0,4 mit Außenhandel und: 0,8 0,8 = 0,8 = 4 0,2 ohne Außenhandel 3

14 Grundsätzlich gilt: Je offener ein Land, desto höher seine marginale Importquote und desto kleiner seine Multiplikatoren. Kleiner Länder tendieren zu hohen marginalen Importquoten. Fiskalpolitik ist daher in den USA wirksamer als in Luxemburg, Estland oder Malta. 4

15 Umrechnung in Inlandswährung Die Kaufkraftparitätentheorie behauptet, dass der Wechselkurs (langfristig) immer dazu tendiert, die Preise handelbarer Güter auszugleichen, wenn man sie in eine Währung umrechnet. P = Inländischer Preis in Inlandswährung P E KKP Ausländischer Preis umgerechnet in Inlandswährung P : Preis inländische Güter (Inlandswährung) P* : Preis ausländischer Güter (Auslandswährung) E KKP : Wechselkurs (Mengennotierung) zu Kaufkraftparitäten Damit wäre der Wechselkurs E KKP = P P 5

16 Beispiel: Auto aus dem Euroland bzw. Japan P : EUR P*: YEN Dann würde sich langfristig als Wechselkurs einpendeln: E KKP = P P YEN = EUR = 4 YEN EUR Weicht der tatsächliche Wechselkurs E von E KKP ab, so verzerrt das die internationalen Handelsströme. 6

17 Der reale Wechselkurs Die potentialen Handelsverzerrungen misst man mit Hilfe des realen Wechselkurses: E : nominaler Wechselkurs (wie bisher) ε : realer Wechselkurs Beispiel: P ε = E P P [EUR]; P* [USD]; E [USD/EUR] ε = E [ USD EUR ] P [EUR] P [USD] Der reale Wechselkurs ist eine dimensionslose Zahl 7

18 Der reale Wechselkurs Weil nun: E KKP = und weil: gilt auch: P P ε = E ε = E P P E KKP Wenn der aktuelle Kurs E der Kaufkraftparität entspricht, dann ist E = E KKP und ε =. Wenn ε, dann werden internationale Handelsströme verzerrt. 8

19 Verzerrung von Handelsströmen ε = E P P > : Exporte sinken, Importe steigen ε = E P P < : Exporte steigen, Importe sinken Merke: Reale Wechselkursschwankungen gibt es auch in einer Währungsunion. In einer Währungsunion gilt: E = E ε = E P P 9

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