Bildungsstreik 2009 DER BOL DER OGNA BOL -PROZEß PR, SEINE VOR V GESCHICHTE OR UND UND SEINE AUS A WIRKUNGEN US

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1 Bildungsstreik 2009 DER BOLOGNA-PROZEß, SEINE VORGESCHICHTE UND SEINE AUSWIRKUNGEN

2 VORGESCHICHTE European Round Table of Industrialists (ERT, Lobby-Organisation der Industrie, Mitglieder u.a. Bertelsmann, Siemens, Daimler-Benz) publizierte im Februar 1995 einen 33-seitigen Bericht Education for Europeans Towards the Learning Society

3 FORDERUNGEN DES BERICHTS vollständige Abstimmung auf die Bedürfnisse der europäischen Wirtschaft (S. 11) einheitliche Bildungsstandards in ganz Europa (S. 12), in allen europäischen Ländern kompatible Abschlüsse, die in den neuen, sich ändernden Arbeitsumgebungen von Wert sind (S. 12, 13) Schlüsselqualifikationen (interpersonal skills, S. 13) Modularisierung der Studiengänge (S. 24) bessere Kooperation zwischen Universitäten und Industrie.

4 BERTELSMANN Gründet 1994 zusammen mit der Hochschulrektorenkonferenz das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) Chef wird Detlef Müller-Böling CHE soll Reformwerkstatt sein für das deutsche Hochschulwesen Ideologische Grundlage: Müller-Bölings Entfesselte Hochschule

5 DIE ENTFESSELTE HOCHSCHULE Autonomie Die autonome Hochschule erstickt nicht mehr in der Regelungsdichte staatlicher Detailsteuerung und selbstverschuldeter Denkund Handlungsblockaden

6 DIE ENTFESSELTE HOCHSCHULE Wissenschaftlichkeit Die wissenschaftliche Hochschule erkennt Exzellenz als Richtschnur für die Bewältigung ihrer Aufgaben an. Profilbildung Die profilierte Hochschule tritt mit einem besonderen Leistungsportfolio in Erscheinung.

7 DIE ENTFESSELTE HOCHSCHULE Wettbewerb Die wettbewerbsorientierte Hochschule konkurriert national und international um Studienanfänger, Studierende, Wissenschaftler, Ressourcen und Reputation.

8 DIE ENTFESSELTE HOCHSCHULE Wirtschaftlichkeit Die wirtschaftliche Hochschule sichert ihre wissenschaftliche Existenz durch ökonomisch sinnvolles Handeln, ohne sich allein erwerbswissenschaftlichen Interessen zu verschreiben

9 DIE ENTFESSELTE HOCHSCHULE Internationalisierung Die internationale Hochschule zeichnet sich durch die Einrichtung international kompatibler Studiengänge, qualitative Erfolge bei der Anwerbung ausländischer Studierender und die Pflege belastbarer internationaler Partnerschaften aus

10 DIE ENTFESSELTE HOCHSCHULE Virtualisierung Die virtuelle Hochschule erweitert die klassische Präsenz-Lehre um digitale Elemente. Sie optimiert für Forschung, Lehre und Verwaltung das Informations- und Wissensmanagement

11 CHRONOLOGIE DES BOLOGNA-PROZESSES Mai 1998: Sorbonner Erklärung: Treffen der Bildungsminister Frankreichs, Deutschlands, Englands und Italiens an der Universität Sorbonne/Paris. Juni 1999: Bologna-Erklärung der Bildungsminister von 29 europäischen Staaten: Wir verpflichten uns hiermit, diese Ziele im Rahmen unserer institutionellen Kompetenzen und unter uneingeschränkter Achtung der Vielfalt der Kulturen, der Sprachen der nationalen Bildungssysteme und der Autonomie der Universitäten umzusetzen, um den europäischen Hochschulraum zu festigen.

12 CHRONOLOGIE DES BOLOGNA-PROZESSES Seitdem Treffen der Bildungsminister alle 2 Jahre: 2001: Prag 2003: Berlin 2005: Bergen 2007: London 2009: Leuven

13 ZIELE DES BOLOGNA-PROZESSES Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums bis zum Jahre 2010.

14 EINBETTUNG IN DIE LISSABON-STRATEGIESTRATEGIE Die Lissabon-Strategie ist ein auf einem Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs im März 2000 in Lissabon verabschiedetes Programm, das zum Ziel hat, die EU innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.

15 AUSZÜGE AUS DER BOLOGNA-ERKLÄRUNG A clearly defined common goal: to create a European space for higher education in order to enhance the employability and mobility of citizens and to increase the international competitiveness of European higher education

16 ABER: It is a commitment freely taken by each signatory country to reform its own higher education system or systems in order to create overall convergence at European level. The Bologna Declaration is not a reform imposed upon national governments or higher education institutions.

17 UND: The Bologna process aims at creating convergence and, thus, is not a path towards the standardisation or uniformisation of European higher education. The fundamental principles of autonomy and diversity are respected.

18 INSTRUMENTE die Einführung gestufter Studiengänge mit den drei Stufen undergraduate, graduate und Promotion die Vereinfachung der Anerkennung u. a. durch die Verwendung des Diploma Supplements (rechtliche Grundlage: Lisbon Recognition Convention) die Einführung des Kreditpunktesystems ECTS die Kooperation im Bereich der Qualitätssicherung die Förderung der Mobilität der Hochschulangehörigen die Stärkung einer europäischen Dimension der Hochschulbildung.

19 LISBON RECOGNITION CONVENTION Die Lisbon Recognition Convention (1997) ist ein Instrument des Bologna-Prozesses Sie ist eine gemeinsame Konvention des Europarates und der UNESCO Ziele: Verbesserung der Vergleichbarkeit der Universitätsabschlüsse und Qualitätssicherungsmaßnahmen

20 BACHELOR UND MASTER Die Convention on the Recognition of Qualifications concerning Higher Education in the European Region erwähnt nicht das Wort Bachelor

21 BACHELOR UND MASTER Die Bologna-Erklärung sagt dazu nur folgendes: Adoption of a system essentially based on two main cycles, undergraduate and graduate. Access to the second cycle shall require successful completion of first cycle studies, lasting a minimum of three years. The degree awarded after the first cycle shall also be relevant to the European labour market as an appropriate level of qualification. The second cycle should lead to the master and/or doctorate degree as in many European countries;

22 BACHELOR UND MASTER Die Bezeichnungen suggerieren, als bezögen sich Bachelor und Master auf die USamerikanischen Studiengänge gleichen Namens Tatsächlich sind sie aber nicht zu vergleichen! Die ersten zwei Jahre entsprechen eher der gymnasialen Oberstufe. Der amerikanische Bachelor-Abschluss ist also primär ein allgemeinbildender Abschluss

23 AKKREDITITERUNG Kultusministerkonferenz beschließt 1998 den Akkredititierungsrat Der Akkredititierungsrat hat 17 Mitglieder (Vertreter der Bundesländer, Hochschulen, Studierenden etc.) Der Akkredititierungsrat soll wiederum Akkredititierungsagenturen akkreditieren Diese akkreditieren wiederum Studiengänge.

24 AKKREDITITERUNG: KRITIK Abgabe der Fachaufsicht über die Hochschulen an private Agenturen Aufblähung der Bürokratie Ein Verfahren kostet ca Der bayerische Bildungsminister schätzte 2006 die Gesamtakkreditierungskosten auf 100 Mio. Der Verfassungsrechtler Joachim Lege meint 2006 in einem Gutachten, dass die Akkreditierung gegen den Artikel 5.III des Grundgesetzes verstößt ( Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. ) : Deutscher Hochschulverband will zu Boykott gegen Programmakkreditierung aufrufen

25 AKKREDITITERUNG: KRITIK Zieht man eine Bilanz zur Akkreditierung, so fällt diese sehr kritisch aus: Die Akkreditierung von Studiengängen ist teuer, aufwendig, zunehmend regulierend, rechtsstaats- und grundrechtsproblematisch - und sie konterkariert die Bemühungen zu einer eigenständigen Qualitätssicherung. (Martin Winter, Programm-, Prozess-, Problemakkreditierung. Die Akkreditierung von Studiengängen und ihre Alternativen. In: Forschung & Lehre, 2/08, S. 100)

26 MITLÄUFERTUM Wolfgang Frühwald, ehemaliger Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG): Ich kenne kaum jemanden - ehrlich gesagt: niemanden -, den die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master begeistert. Wer die Veränderungen voranbringt, sind die Universitätsspitzen, die Wissenschaftsorganisatoren und die Politik. Die Reformen kommen von oben; der Graben zwischen denjenigen, die die Reform konzipieren und den Betroffenen ist groß.

27 HUMBOLDTSCHES BILDUNGSIDEAL Autonomie des Individuums Weltbürgertum Akademische Freiheit Einheit von Lehre und Forschung

28 AUSBLICK Julian Nida-Rümelin, Prof. an der LMU: Bleibt sie [die Universität] der humanistischen Substanz der europäischen Universitätsidee treu (Humboldt) oder gerät sie in den Sog einer umfassenden Ökonomisierung an deren Ende nur ein zerklüftetes Trümmerfeld stehen könnte mit einzelnen von der Industrie abhängigen hochdotierten und anwendungsorientierten Forschungszentren, einigen elitären hohen Schulen und dem großen Rest provinzieller Colleges, deren Absolventen zwar einen berufsbefähigenden Bachelor-Abschluss vorweisen können, aber mit dem wissenschaftlichen Studium nicht in Berührung gekommen sind (McKinsey).

29 LITERATUR Kurt Reinschke (2008): Bologna-Prozess und Bachelorisierung der deutschen Hochschulen. Bund Freiheit der Wissenschaft Bologna-Deklaration: logna.pdf J. Nida-Rümelin (2005): Die Universität zwischen Humboldt und McKinsey. Perspektiven wissenschaftlicher Bildung (Festrede Deutscher Studienpreis 2. Mai 2005 Berlin)

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