Risikobewusstsein schaffen bzw. der Umgang mit dem so genannten Restrisiko am Beispiel des Machlanddammes

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1 Risikobewusstsein schaffen bzw. der Umgang mit dem so genannten Restrisiko am Beispiel des Machlanddammes Autoren: DI Albert Schwingshandl, DI Clemens Liehr (riocom Ingenieurbüro für Kulturtechnik und Wasserwirtschaft, 1200 Wien) Das Bewusstsein der Bevölkerung sowie behördlicher Verantwortungsträger gegenüber Risiken ist eine wesentliche Voraussetzung für ein strukturiertes Management von Naturgefahren. Die Wahrnehmung von Risiken ist dabei subjektiv gefärbt, wodurch deren Bewertung oft nicht mit der physikalischen Definition korreliert. Die Erfahrungen, die jemand bereits mit Hochwasser gemacht hat, die Dauer seit dem letzten Hochwasser, Bildungsstand, Geschlecht und vieles mehr beeinflussen die Art und Weise wie Risiken wahrgenommen werden und wie damit umgegangen wird. Demzufolge gibt es starke Unterschiede bei der Bereitschaft von Betroffenen, Information an- bzw. aufzunehmen, sich an spezifischen Projekten zu beteiligen oder gar selbst Maßnahmen zur Eigenvorsorge zu treffen. Laut der EU-Hochwasserrichtlinie ist das Hochwasserrisiko die Kombination der Eintritts wahrscheinlichkeit eines Hochwasserereignisses und der hochwasserbedingten Schäden. Diese Schäden werden als potenzielle nachteilige Folgen auf die menschliche Gesundheit, die Umwelt, das Kulturerbe und die wirtschaftliche Tätigkeit gemessen. Die Richtlinie liefert auch eine Definition für Hochwasser, das als zeitlich beschränkte Überflutung von Land, das normalerweise nicht mit Wasser bedeckt ist, insbesondere durch Ströme, Flüsse, Bäche und Seen zu verstehen ist. Davon ausgenommen sind Überflutungen aus Abwassersystemen oder Hangwasser. Die konsequente korrekte Verwendung von Begriffen ist in der Risikokommunikation wichtig, damit gewährleistet ist, dass alle von denselben Dingen sprechen. Ein Beispiel dafür ist die Bezeichnung HQ100, das für eine Abflussmenge steht, die statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt. Nicht selten wird im Hochwasserfall dann von einem Hochwasser gesprochen wie es seit 100 Jahren nicht mehr vorgekommen ist. Hier kommt im Besonderen den Medien eine wichtige Rolle zu, da sie ein starker Multiplikator im Bereich der Risikokommunikation sind im Positiven, wie auch im Negativen. Klarerweise sind die Menschen verunsichert, wenn solche Jahrhundertfluten im zeitlichen Abstand von 10 Jahren auftreten, wie es in der jüngsten Vergangenheit, 2002 und 2013, gewesenen ist. Diese Erfahrungen zeigen, dass die Fachleute in der externen Kommunikation eher von den Begriffen wie HQ100 (hundertjährliches Hochwasser) weggehen und sie durch Begriffe wie häufiges, mittleres oder seltenes Hochwasser ersetzen sollten.

2 Zur Unterscheidung der Begriffe Gefahr und Risiko liefert ein Leitfaden zur Risikokommunikation (Stickler et al., 2012) ein anschauliches Beispiel: Sowohl die Gefahr als auch das Risiko sind hoch, wenn man alleine einem Löwen gegenüber steht. Geschieht das allerdings in einem Zoo, wo sich der Löwe hinter Gittern befindet, bleibt die vom Löwen ausgehende Gefahr zwar gleich hoch, es besteht aber ein nur minimales Risiko. Für die Praxis bedeutet das: Wenn man auch die Gefahr meist nicht beeinflussen kann, so kann man versuchen, das Risiko zu reduzieren. Die fünf Handlungsfelder des Hochwasserrisiko-Managements Die gemäß EU-Hochwasserrichtlinie und österreichischem Wasserrecht zu erstellenden Hochwasserrisikomanagementpläne (HWRMP) definieren insgesamt fünf Handlungsfelder, in die die Maßnahmen gegliedert sind und die auch für die Risikokommunikation von wesentlicher Bedeutung sind. Vorsorge (z.b. Gefahrenzonenplanung) Schutz (z.b. Schutz- und Regulierungswasserbauten) Bewusstsein (z.b. Bereitstellung von Informationen) Vorbereitung (z.b. Katastrophenschutzpläne für Hochwasser) Nachsorge (z.b. Instandsetzungsmaßnahmen)

3 Abbildung 1: Die fünf Handlungsfelder der Hochwasserrisikomanagementpläne Diese Handlungsfelder decken das Spektrum der Aktivitäten ab, die für ein strukturiertes Management von Hochwasserrisiko relevant sind. Für jedes Handlungsfeld ist dabei genau zu überlegen welchem Akteur welche Rolle zukommt und in welcher Weise mitwirken kann. Beispielsweise können Einsatzorganisationen wie die Feuerwehr oder das Rote Kreuz sehr wohl in unterschiedlichen Handlungsfeldern sich aktiv einbringen und Aufgaben übernehmen, auch wenn sie de facto nicht dafür verantwortlich sind. Speziell im Bereich der Kommunikation von Risiken kommt den Einsatzorganisationen eine besondere Rolle zu, da sie in der Bevölkerung durchwegs gut verankert sind und ihnen großes Vertrauen entgegenbracht wird. Risikomanagement inkl. Restrisiko am Beispiel des Machlanddammes Die fünf Handlungsfelder der EU-Hochwasserrichtlinie lassen sich am Beispiel des Machlanddammes in Oberösterreich veranschaulichen. Vorsorge: Als Reaktion auf vergangene Hochwasserereignisse haben sich im Jahr 1993 die Machlandgemeinden (Bezirk Perg, OÖ) Mauthausen, Naarn, Mitterkirchen, Baumgartenberg, Saxen, Grein und St. Nikola zum Hochwasserschutzverband Machland Nord zusammengeschlossen. Erklärtes Ziel war der Schutz weiter Teile der Region vor immer wieder auftretenden Hochwasserereignissen, der Machlanddamm. Dafür wurde eine Studie in Auftrag gegeben, die die schützenswerten Gebiete ausweisen sollte.

4 Es wurde eine Gefahrenanalyse durchgeführt und die Überflutungsflächen für unterschiedlich große Hochwässer berechnet und planlich dargestellt. Schutz: Zwecks Errichtung der Schutzanlage wurde die Machland-Damm GmbH gegründet, die die Planung und Errichtung abwickeln sollte. Im Jänner 2009 haben die Bauarbeiten begonnen, seit Sommer 2012 ist der Machlanddamm funktionstüchtig und betriebsbereit. Der Machlanddamm schützt etwa Menschen vor den Auswirkungen eines Hochwasserereignisses, das statistisch gesehen alle 100 Jahre wiederkehrt (HQ100). Es ist heute Stand der Technik, dass ein Erddamm mit befestigten Überströmstrecken, oft auch Notüberläufe genannt, errichtet wird. Falls größere Ereignisse als das Bemessungshochwasser auftreten, strömt das Wasser an diesen Stellen kontrolliert über und das Dammbauwerk wird dabei nicht zerstört. In Hinblick auf mögliche Überlastfälle (z.b. Überströmung der Schutzanlage bei Hochwasser größer als HQ100 oder Gebrechen an einer mobilen Schutzwand) wurden vorausschauend umfangreiche Restrisikoanalysen durchgeführt, die in Katastrophenschutzpläne der Gemeinden und der Bezirkshauptmannschaft Eingang gefunden haben (siehe Vorbereitung ). Mit der Errichtung der Schutzanlage hat sich die Hochwasserrisikosituation drastisch verändert. Überflutungen bei Hochwasser kleiner HQ100 sind im bisherigen Ausmaß nicht mehr zu erwarten. Das wird in den nächsten Jahrzehnten einen Verlust des Risikobewusstseins nach sich ziehen. Hier sind die Behörden angehalten der Bevölkerung die veränderte Risikosituation bzw. das Restrisiko zu kommunizieren (siehe Handlungsfeld Bewusstsein ). Bewusstsein: Dieses Handlungsfeld beinhaltet Maßnahmen bezüglich Information, Kommunikation und Bildung von Betroffenen. Am Beispiel des Machlanddammes bedeutet das einerseits die laufende Information und Kommunikation mit der Bevölkerung im Trockenwetterfall als auch im Hochwasserfall. So werden beispielsweise Informationsveranstaltungen durchgeführt, wo die speziell für das Machland entwickelten Katastrophenschutzpläne vorgestellt werden und die Bevölkerung erfährt was im Vorfeld und bei Hochwasser von den Bewohnerinnen und Bewohnern getan werden kann. In Trockenwetterphasen ist es dabei nicht nur Aufgabe der Gemeinden die Bürgerinnen und Bürger über die Gefahren und die richtigen Vorsorgemaßnahmen zu informieren. Der österreichische Zivilschutzverband ist hier wesentlicher Akteur, um zielgruppen- und bedarfsgerechte Information zu streuen. Erwähnenswert ist hier ein spezielles SMS-Service, über das man mehrmals pro Jahr mit nützlichen Informationen zu unterschiedlichen Zivilschutzthemen versorgt wird ( Im Hochwasserfall ist es absolut wichtig, der Bevölkerung die nötigen Informationen zukommen zu lassen. Für Akutsituationen ist dabei das österreichweite Warn- und

5 Alarmsystem von Bedeutung, mit dem mittels Sirenen das Signal Warnung oder Alarm abgegeben werden kann. Voraussetzung für die Effektivität dieses Systems ist natürlich, dass die unterschiedlichen Sirenensignale allgemein bekannt sind. Vorbereitung: Als wesentliches Element für die Vorbereitung auf Hochwasserereignisse im Machland sind eigens entwickelte Katastrophenschutzpläne zu nennen. Diese Pläne helfen den verantwortlichen Akteuren (Bezirkshauptmannschaft, Gemeinden, Einsatzorganisationen, Betreiber der Schutzanlage) bei der Umsetzung der nötigen Maßnahmen. Diese Pläne enthalten neben allgemeinen Informationen auch eine Beschreibung der Kommunikationswege, Maßnahmenkataloge und auch Kartenmaterial, u.a. mit den Ergebnissen aus der Analyse der Hochwassergefahr. In den Maßnahmenkatalogen sind außerdem die Zuständigkeiten klar definiert, damit im Hochwasserfall Klarheit herrscht wer wann welche Maßnahme zeitgerecht umzusetzen hat. Beispielsweise ist in den Katastrophenschutzplänen klar geregelt wann eine Auslösung der Zivilschutzsignale zu erfolgen hat, um die Bevölkerung vor einer drohenden Gefahr zu warnen bzw. im Notfall zu alarmieren. Hier sei auch das so genannte Zivilschutz-SMS erwähnt, das seitens des oberösterreichischen Zivilschutzverbandes den Gemeinden angeboten wird. Registrierte Bürgerinnen und Bürger können so durch die Gemeinde mit wichtigen Informationen bei Hochwasserereignissen versorgt werden. Diese SMS werden im Bedarfsfall gezielt an unterschiedliche Personengruppen oder festgelegte Regionen, Ortschaften oder auch Straßenzüge versendet. Nachsorge: Auch im Bereich der Nachsorge spielt Risikobewusstsein eine große Rolle. Speziell beim Wiederaufbau ist es notwendig eine Verbesserung des ursprünglichen Zustandes zu erzielen. Das gelingt nur dann, wenn das Wissen über die Möglichkeiten zur Reduzierung des Hochwasserrisikos vorhanden ist und Bereitschaft zur Umsetzung verschiedener Maßnahmen herrscht (siehe Handlungsfeld Bewusstsein ). Literatur: Stickler, T.; Sereinig, N.; Koboltschnig, G. (2012): Risikokommunikation im Hochwasserschutz. Anleitung und Empfehlungen für die Praxis. Leitfaden

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