GESCHÄFTSMODELLE IM»INTERNET DER DIENSTE«

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1 FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR ARBEITSWIRTSCHAFT UND ORGANISATION IAO Nico Weiner, Thomas Renner, Holger Kett GESCHÄFTSMODELLE IM»INTERNET DER DIENSTE«TRENDS UND ENTWICKLUNGEN AUF DEM DEUTSCHEN IT-MARKT UNTERSTÜTZT VON

2 Nico Weiner Thomas Renner Holger Kett Mit freundlicher Unterstützung durch den BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.v. 1

3 Autoren Nico Weiner, Thomas Renner, Holger Kett Kontaktadresse Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO Nobelstraße 12, Stuttgart Telefon: +49 (0) 711/ Telefax: +49 (0) 711/ Web-Adressen: & Hinweis auf das Forschungsprogramm THESEUS Das diesem Dokument zugrunde liegende Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie unter dem Förderkennzeichen 01MQ07017 gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autoren. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar. ISBN: Druck und Weiterverarbeitung IRB Mediendienstleistungen Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB, Stuttgart Verlag und Druck Fraunhofer Verlag, Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau IRB Postfach , Stuttgart Nobelstraße 12, Stuttgart Telefon: +49 (0) 711/ Telefax: +49 (0) 711/ Web-Adresse: Für den Druck des Buches wurde chlor- und säurefreies Papier verwendet. Copyright Fraunhofer IAO, 2010, Alle Rechte vorbehalten Dieses Werk ist einschließlich aller seiner Teile urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die über die engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes hinausgeht, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Speicherung in elektronischen Systemen. Die Wiedergabe von Warenbezeichnungen und Handelsnamen in diesem Buch berechtigt nicht zu der Annahme, dass solche Bezeichnungen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und deshalb von jedermann benutzt werden dürften. Soweit in diesem Werk direkt oder indirekt auf Gesetze, Vorschriften oder Richtlinien (z.b. DIN, VDI) Bezug genommen oder aus ihnen zitiert worden ist, kann der Verlag keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität übernehmen. 2

4 Geschäftsmodellforschung innerhalb des THESEUS Programms THESEUS ist ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) initiiertes Forschungsprogramm mit dem Ziel, neue Technologien und Methoden für das»internet der Dienste«zu entwickeln. Unter dem Dach von THESEUS arbeiten über 60 Forschungspartner aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Die entwickelten Technologien und Methoden werden den Zugang zu Informationen vereinfachen, Daten zu neuem Wissen vernetzen und die Grundlage für die Entwicklung neuer Dienstleistungen im Internet schaffen. Die in THESEUS entwickelten Technologien und Lösungen sind für viele Unternehmen und Organisationen von großem Interesse. Ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Nutzung innovativer Lösungen im Markt ist die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells. Aus diesem Grund wurde eine THESEUS- Arbeitsgruppe zum Thema Geschäftsmodelle gegründet, die vom Fraunhofer IAO als neutrale Instanz geleitet wird. Ein wichtiges Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, den Umgang mit dem komplexen Konstrukt der Geschäftsmodelle zu erleichtern und damit Expertenwissen bereitzustellen. Darüber hinaus werden Konzepte und Lösungen für das»internet der Dienste«vertieft. Dabei wird teilweise auf traditionelle und verstärkt auf neuartige, sogenannte»next Generation Business Models«gesetzt. Informationen zu den aktuellen Arbeiten der Geschäftsmodellgruppe werden im Internet unter der Adresse veröffentlicht. Aktuelle Ergebnisse des THESEUS-Forschungsprogramms werden unter veröffentlicht. Die zentrale Webseite mit Neuigkeiten, Ankündigungen und weiteren Informationen zum Forschungsprogramm ist unter zu erreichen. 1

5 2

6 Danksagung Ein besonderer Dank geht an alle Beteiligten für die Mitwirkung an der Befragung. Ihre Antworten ermöglichten es, Trends, Potenziale und Herausforderungen von»software as a Service«und»Cloud Computing«zu ermitteln und durch diese Ergebnisse einen Beitrag zum Fortschritt der Themen zu leisten. Die Autoren bedanken sich herzlich auch bei allen weiteren mitwirkenden Personen, die durch Kommentare und Diskussionen im Rahmen von Veranstaltungen und Workshops sowie in persönlichen Gesprächen einen wertvollen Beitrag zu dieser Studie geleistet haben. Herzlichen Dank gebührt auch dem BITKOM und seinem Arbeitskreis»Software as a Service«, der diese Studie sowohl inhaltlich als auch durch die Kommunikation an Mitglieder unterstützt hat. 3

7 Die mitwirkenden Personen der THESEUS Arbeitsgruppe Geschäftsmodelle sowie die mitwirkenden Mitglieder des BITKOM Arbeitskreises»Software as a Service«(in alphabetischer Reihenfolge): Maike Albers, Medien Bildungsgesellschaft Babelsberg Bernd Becker, Siemens AG Klaus Bossert, Acosta Consult GmbH Michael Böttger, raumobil GmbH PD Dr.-Ing. habil. Catherina Burghart, FZI Karlsruhe Fernando Chaves, Fraunhofer IITB Tobias Conte, FZI Karlsruhe Dr. Philipp Daumke, Averbis GmbH Thomas Dominikowski, Attensity Europe GmbH Nicole Dufft, Berlecon Research GmbH Michael Eble, Fraunhofer IAIS Jürgen Falkner, Fraunhofer IAO Alexander Firyn, Fraunhofer ISST Ulrich Flamm, Microsoft Deutschland GmbH Dr. Regine Gernert, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) Dr. Manuel Görtz, Infoman AG Sven Haidan, Infoman AG Dr. Jan Hannemann, Deutsche Nationalbibliothek Gerhard Held, SAP AG Philipp Huy, Pidoco GmbH Dietmar Ihlenburg, Festo AG & Co. KG Kurt Kammer, regify AG Dr. Wassili Kazakos, disy Informationssysteme GmbH Florian Koch, BITKOM e.v. Werner Kohnert, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Chrys Kontoyannis-Fullarton, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Alexander Krebs, Siemens C-Lab Florian Kuhlmann, neofonie GmbH Marcel Kunze, KIT Karlsruhe, SCC Dr. rer. nat. Patrick Lay, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Jörn Lehmann, VDMA Verlag GmbH Sonja Lehmann, SAP CEC Darmstadt Dr. Götz Marczinski, CIM Aachen GmbH Dr. Walter Mattauch, Fraunhofer ISST Steve Mattuschka, Billomat GmbH & Co. KG Dr. Oliver Niese, Attensity Europe GmbH Thomas Niessen, Attensity Europe GmbH Martin Oesterer, CAS Software AG Markus Ott, Festo AG & Co. KG Dr. Mathias Petri, StoneOne AG Rudi Pieper, Deutsche Thomson ohg Peter Poths, B2M Software AG Stefan Prasse, VDMA Verlag GmbH Martin Praetorius, ESG Consulting GmbH Dr. Ralph Schäfer, Fraunhofer HHI Dr. Jörg Schneider-Brodtmann, KLEINER Rechtsanwälte Dr. Stefan Schröder, DATEV eg Jürgen Schulze, MeisterLabs GmbH Dr.-Ing. Thomas Sporer, Fraunhofer IDMT Simon Stücher, Billomat GmbH & Co. KG Dr. Orestis Terzidis, SAP AG Anke Thede, B2M Software AG Ralph Traphöner, Attensity Europe GmbH Joachim Tresp, T-Systems International GmbH Dr.-Ing. Uwe Vaihinger, VRG Vereinigte Rechenzentren GmbH Stefan Volland, Attensity Europe GmbH Prof. Dr. Herbert Weber, Fraunhofer ISST 4

8 Inhalt Inhalt Geschäftsmodellforschung innerhalb des THESEUS Programms 1 Danksagung 3 Inhalt 5 Abbildungen 7 Management Summary 9 1 Motivation und Hintergrund dieser Marktstudie Die Vision des»internet der Dienste«als wichtiger Trend in der deutschen und internationalen IT-Welt Der»Cloud Computing-Stack« Der Hintergrund der Studie Zielsetzung dieser Marktstudie 13 2 Befragung von IT-Anbietern mit deutschem Zielmarkt Methodik und Aufbau der Befragung Ergebnisse der Befragung von IT-Anbietern Struktur der befragten Unternehmen Trends im Bereich deutscher IT-Angebote Aktuelle und zukünftige Bedeutung des Cloud Computing Trendaussagen zu Software as a Service Attraktivität von Infrastruktur-Angeboten Vorteile und Herausforderungen von Software as a Service Vorteile von Software as a Service Herausforderungen von Software as a Service Pläne zur Umsetzung von SaaS-Angeboten und Kooperationen mit Partnern Zukünftige SaaS-Angebote Partner und deren Rolle bei Software as a Service- Angeboten Aktuelle Realisierung von Software as a Service-Angeboten Basis der Implementierung Positionierung im Portfolio 50 5

9 Inhalt Zielkunden Anzahl an Standardversionen Kriterien der Preisgestaltung Integration in bestehende Anwendungslandschaften 54 3 Abgeleitete Fragestellungen eines Geschäftsmodells für Anbieter von Internet-basierten Anwendungen 56 4 Zusammenfassung und Ausblick Die deutsche IT-Industrie auf dem Weg in das»internet der Dienste« Ausblick 61 5 Referenzen 62 6 Anhang Befragung des Fraunhofer IAO in Kooperation mit dem Bitkom e.v. 63 6

10 Abbildungen Abbildungen Abbildung 1: Aufbau des Befragungsteils 16 Abbildung 2: Alter des Unternehmens 17 Abbildung 3: Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen 17 Abbildung 4: Zielgruppen der befragten Unternehmen 18 Abbildung 5: Bevorzugte Größe der Zielkunden 18 Abbildung 6: Produkt- und Dienstleistungsangebot der befragten Unternehmen 19 Abbildung 7: Geografische Zielmärkte 19 Abbildung 8: Unternehmensbereich bzw. Tätigkeitsbereich des Befragten 20 Abbildung 9: Google Trends mit den Begriffen Cloud Computing und»financial Crisis«21 Abbildung 10: Aktuelle und zukünftige Bedeutung der Cloud 24 Abbildung 11: Das wirtschaftliche Potenzial der Cloud 25 Abbildung 12: Das wirtschaftliche Potenzial der Cloud, Aufteilung in n=89 und n=25 25 Abbildung 13: SaaS-Trends im Bereich Markt und Wettbewerb 26 Abbildung 14: SaaS-Trends im Bereich Produktangebot 27 Abbildung 15: SaaS-Trends im Bereich Partnernetzwerk 28 Abbildung 16: SaaS-Trends im Bereich Kunden und Anwender 29 Abbildung 17: Attraktivität von Infrastrukturangeboten wie Amazon Elastic Compute Cloud (EC2), SaaS-Anbieter 30 Abbildung 18: Attraktivität von Infrastrukturangeboten wie Amazon Elastic Compute Cloud (EC2), keine SaaS-Anbieter 31 Abbildung 19: Attraktivität von Infrastrukturangeboten wie Amazon Elastic Compute Cloud (EC2), Durchschnitt über alle Anbieter 31 Abbildung 20: Geschäftsstrategische Vorteile eines SaaS-Angebots 32 Abbildung 21: Technische Vorteile eines SaaS-Angebots 34 Abbildung 22: Geschäftsstrategische Herausforderungen eines SaaS-Angebots 35 Abbildung 23: Technische Herausforderungen eines SaaS-Angebots 37 Abbildung 24: Geplantes Vorgehen zur Umsetzung eines SaaS-Angebots 38 Abbildung 25: Ausgewählte Aufgaben in einem Partnernetzwerk bei SaaS-Angeboten 39 Abbildung 26: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Software-Entwicklung 40 Abbildung 27: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Software-Anpassung 41 7

11 Abbildungen Abbildung 28: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Software-Integration 42 Abbildung 29: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Software-Updates bzw. -Pflege 43 Abbildung 30: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Software-Tests 43 Abbildung 31: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Infrastrukturbereitstellung 44 Abbildung 32: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Software-Einrichtung 45 Abbildung 33: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Software-Konfiguration 45 Abbildung 34: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Schulung 46 Abbildung 35: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich des Kundenservice 47 Abbildung 36: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Kundenansprache 48 Abbildung 37: Rollenverteilung bei SaaS-Angeboten in einem Partnernetzwerk im Bereich der Vertragsbeziehungen 48 Abbildung 38: Migration oder Neuentwicklung eines SaaS-Angebots 50 Abbildung 39: Positionierung eines SaaS-Angebots in einem bestehenden Portfolio, Mehrfachnennungen waren möglich 50 Abbildung 40: Bestandskunden als Zielgruppe eines SaaS-Angebots 52 Abbildung 41: Anzahl an Standardversionen bei einem SaaS-Angebot 52 Abbildung 42: Anzahl der Nennungen zu Kriterien der Preisgestaltung für SaaS, Mehrfachnennungen waren erlaubt 53 Abbildung 43: Integration von SaaS in bestehende Systeme 54 Abbildung 44: Realisierung der Integrationsleistung 55 Abbildung 45: Die fünf essenziellen Bereiche eines Geschäftsmodells 56 8

12 Management Summary Management Summary Das wirtschaftliche Potenzial des Cloud Computing in Deutschland wird unterschätzt. Zu dieser Einschätzung kommen 70 Prozent der 114 in dieser Studie befragten IT-Anbieter in Deutschland. Vor allem im Bereich»Software as a Service«wird zukünftig mit starker Zunahme der Kundenachfrage, aber auch steigendem Wettbewerbsdruck gerechnet. Für die verschiedenen Cloud-Computing-Angebote im Bereich»Infrastructure as a Service«,»Platform as a Service«und»Software as a Service«wird eine zukünftig weiter steigende Bedeutung erwartet. Die größte Bedeutung wird von den IT- Anbietern den Software as a Service-Angeboten zugemessen aktuell schätzen 32 Prozent der Befragten die Bedeutung als hoch ein; 94 Prozent gehen von einer künftig weiter zunehmenden Bedeutung aus. Vier von fünf befragten IT-Anbietern bieten bereits ein eigenes Software as a Service-Produkt an oder planen ein eigenes Angebot innerhalb der nächsten 24 Monate. Das Produktangebot richtet sich bei zwei Drittel der Unternehmen sowohl an Bestandskunden als auch an neue Kunden und besitzt das Potenzial, bestehende, herkömmliche Lösungen zu ersetzen. Software as a Service entsteht gegenwärtig eher selten durch Migration einer bestehenden Lösung, sondern zwei Drittel der befragten Anbieter entwickeln das Angebot neu. Kooperationspartnern kommt bei Software as a Service-Angeboten eine wichtige und im Vergleich zu traditionellen Modellen teilweise andere Bedeutung zu. Bei der Bereitstellung von Infrastruktur (beispielsweise Hosting) und bei Integrationsdienstleistungen setzt mehr als jedes zweite befragte IT-Unternehmen überwiegend auf die Leistungen eines Partners. Auch bei Kundenansprache, Konfiguration und Schulung spielen Partner häufig eine wichtige Rolle. Die wichtigsten Vorteile von Software as a Service werden in den Bereichen der schnellen Einführungsmöglichkeit, der Erschließung neuer Kundengruppen und Vertriebswege sowie bei Kostenvorteilen gesehen. Auch mit SaaS verbundene neue Geschäfts- und Umsatzmodelle sind für Anbieter attraktiv. Technisch begeistern vor allem Mandantenfähigkeit und Skalierbarkeit sowie einfache Fehlerbehebung und Versionspflege. Die größten technischen Herausforderungen sehen die Unternehmen in der Gewährleistung der Verfügbarkeit, in SaaS-spezifischen Fragestellungen der Softwareentwicklung (beispielsweise Multi-Mandanten-Fähigkeit), beim Monitoring von Lösungen sowie bei Fragestellungen der Integration und der Betriebskostenkalkulation. 9

13 Management Summary Die größte Herausforderung auf strategischer Ebene ist es, die Kunden von der Datensicherheit zu überzeugen. Weitere wichtige Herausforderungen liegen im Bereich der Kundenakquisition und Kundenbindung, der Preismodelle und der richtigen Einschätzung der Marktentwicklung. Viele Unternehmen wünschen sich zudem mehr Informationen durch Best-Practice-Fälle, von denen sie lernen können. Auf dem Weg zu erfolgreichen Angeboten sehen viele Anbieter standardisierte und offene Schnittstellen, Integrationsdienste sowie ein starkes Partnernetzwerk. Ein Viertel der Anbieter setzt für den Einsatz des eigenen Angebots beim Kunden die Integration in andere Systeme zwingend voraus, die restlichen drei Viertel räumen durch entsprechende Techniken zumindest die Möglichkeit der Integration ein. Die vorliegende Studie des Fraunhofer IAO erläutert Trends, Entwicklungen und Herausforderungen im Detail. Es besteht Handlungsbedarf für Unternehmen, Wissenschaft und Politik in vielen Bereichen, um Software as a Service, Cloud Computing und das Internet der Dienste Realität werden zu lassen. Diese Studie möchte einen Beitrag dazu leisten, Handlungsfelder und wichtige Themen für nächste Schritte aufzuzeigen sowie Lösungsalternativen anzusprechen. Das Fraunhofer IAO bedankt sich bei allen Mitwirkenden und wird in weiteren Projekten, Lösungselemente für Technologien, Anwendungen und entwickeln und bereitstellen. Aktuelle Informationen werden im Internet veröffentlicht unter sowie Eine kostenlose Version dieser Studie zum Download ist dort ebenfalls abrufbar. Die Autoren freuen sich über Anregungen und Fragen zum Themenfeld. 10

14 Motivation und Hintergrund dieser Marktstudie 1 Motivation und Hintergrund dieser Marktstudie Der deutsche IT-Markt zeichnet sich durch seine starke Innovationskraft und einen stark wachsenden Beitrag zur Gesamtwirtschaft aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Fraunhofer ISI zur deutschen Software- und IT-Dienstleistungsbranche als eine der Kernkompetenzen der Wissensgesellschaft (vgl. Leimbach 2010). Deutschland ist nach aktuellen Zahlen der Studie viertgrößter Exporteur von Softwareund IT-Dienstleistungen nach den USA, Japan und Großbritannien und damit der zweitwichtigste europäische Markt. Trotz der Bedeutung der deutschen IT-Branche werden als Beispiel Internet-basierter Software-Services oftmals große amerikanische Anbieter wie Salesforce genannt. Vor allem vor dem Hintergrund der langjährigen Bestrebungen deutscher Anbieter im Bereich Internet-basierter Dienste überrascht dieser Umstand. So arbeiten einige Anbieter bereits seit den 90er Jahren erfolgreich an der Verwirklichung des Kundenwunsches nach dem Bezug von Anwendungen und Diensten über das Internet. In der vorliegenden Marktstudie zum Thema Software as a Service und den damit verbundenen Themen des»internet der Dienste«wird die aktuelle und zukünftige Situation im deutschen Markt untersucht. In den Ergebnissen wird sich zeigen, dass viele Anbieter bereits mit großen Schritten in das»internet der Dienste«voranschreiten. 1.1 Die Vision des»internet der Dienste«als wichtiger Trend in der deutschen und internationalen IT-Welt IT-Anbieter sehen sich heute mehr denn je großen Herausforderungen gegenüber. Das Internet ist mittlerweile allgegenwärtig und mehr und mehr Tätigkeiten und Anwendungsbereiche werden ins Netz verlagert. Beispiele sind die Online-Nutzung von Anwendungen wie , Office-Pakete, Kundenverwaltungen und viele mehr. Dabei entstehen viele Vorteile auf Anbieter- und Anwenderseite. Die Nutzung stets aktueller Softwareanwendungen über das Netz nutzt den Unternehmen beispielsweise durch überdurchschnittlich hohe Sicherheitsstandards und ortsunabhängige Verfügbarkeit. Anbieter schätzen beispielsweise regelmäßige Zahlungen und einen geringeren Aufwand zur Wartung und Pflege der Anwendung. Die Fokussierung der Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen ist ein Trend, der sich auch bei IT-Anbietern fortsetzt. Softwareanbieter bekommen die Möglichkeit ihre Anwendungen zu entwickeln und über das Internet bereitzustellen, ohne selbst ein eigenes Rechenzentrum vorhalten zu müssen. Für jede Spezialaufgabe gibt es einen entsprechenden Dienstleister. Die technischen Voraussetzungen zur Integration und der Betrieb solcher Anwendungen werden heute hauptsächlich über Virtualisierungstechniken sowie Service-orientierte Architekturen abgedeckt. Die Fokussierung der Unternehmen auf ihre Kernaufgaben und die gleichzeitig stattfindende technologische 11

15 Motivation und Hintergrund dieser Marktstudie Weiterentwicklung im Internet sind wichtige Elemente der Entwicklung zum»internet der Dienste«. 1.2 Der»Cloud Computing-Stack«Für Dienstangebote im Internet werden aktuell die Bereiche zur Bereitstellung von Infrastrukturressourcen, zur Bereitstellung von Entwicklungs- und Angebotsplattformen und zur Bereitstellung von Softwareanwendungen betrachtet. Auf Basis dieser drei Dienstangebotsstufen können nun durch die Rekombination vorhandener technischer Dienste und die Ergänzung mit nicht-technischen Diensten, innovative Dienstleistungen entstehen. Infrastrukturdienste Infrastrukturdienste beinhalten die Bereitstellung von Hardwareressourcen über das Internet. Dabei wird oftmals nach Leistung der Hardware, Speicherplatz und Datenverkehr abgerechnet. Anbieter aus diesem Bereich besitzen dynamisch anpassbare Angebote und sprechen vor allem technische Anwender und Entwickler an. Dabei werden die Ressourcen für den Kunden, je nach benötigter Leistung, automatisch angepasst. Um Softwareanwendungen direkt auf Basis dieser Infrastruktur anbieten zu können, müssen Anbieter von Diensten im Regelfall erheblichen Aufwand in die Anpassung ihres Softwaredienstes stecken. Plattformangebote Besser geeignet sind dazu Plattformangebote, die bereits als Mittler zwischen Anwendungen und Hardwareinfrastruktur dienen. Plattformangebote abstrahieren von der darunterliegenden Hardware und stellen Basisdienste für die darauf aufbauenden Anwendungen zur Verfügung. Zu diesen Basisdiensten zählen zum Beispiel Abrechnungsdienste, Überwachungsdienste, Entwicklungsumgebungen für Anwendungen und bereits vorkonfigurierte Anwendungs- und Laufzeitumgebungen. Anwendungsdienste Zuletzt setzen auf den Plattformen entsprechende Softwareanwendungen auf. Diese profitieren in hohem Maße von der dynamischen Skalierung der Hardwareressourcen und nutzen die Basisdienste der Plattform, zum Beispiel zur Abrechnung und Abwicklung einer Geschäftstransaktion. Zu Internet-basierten Anwendungsdiensten zählen zunächst grundsätzlich alle Softwareanwendungen, die auch im bisherigen Offline- Betrieb angeboten werden. Einzelne Anbieter bieten eine Kombination der zuvor genannten Dienste, zum Beispiel Infrastruktur- und Plattformdienste. Liegt die Infrastruktur zur Datenspeicherung und -verarbeitung zusätzlich über mehrere Anbieter im Internet verteilt vor, spricht man vom Cloud Computing im engeren Sinne. Als Cloud Computing im weiteren Sinne versteht man die konzeptionelle Integration aller drei Teilbereiche, die Bereitstellung von Hardwareressourcen, die Bereitstellung einer Plattform zur Entwicklung und den Betrieb von Softwareanwendungen sowie die Softwareanwendungen selbst. Die 12

16 Motivation und Hintergrund dieser Marktstudie Konzepte des Cloud Computing schaffen die notwendige Basis für das Angebot und die Nutzung von Dienstleistungen über das Internet. 1.3 Der Hintergrund der Studie Aufgrund dieser neuen Strukturen des Internetmarktes für Dienstangebote von IT- Anbietern ergeben sich viele Fragestellungen zu den zugehörigen Geschäftsmodellen von Diensten im Internet. Die vorliegende Marktstudie untersucht Trends und Meinungen der deutschen IT-Anbieter zu den Themen des»internet der Dienste«, dem Teilbereich Software as a Service sowie ausgewählten Themen des Cloud Computing. Dabei wird die aktuelle Situation und Beschaffenheit von Angeboten analysiert und zukünftige Trends werden aufgezeigt. Das Fraunhofer IAO hat ergänzend zu dieser Publikation eine ausführliche Darstellung zu Internet-basierten Geschäftsmodellen mit der Studie»Geschäftsmodelle im Internet der Dienste Aktueller Stand in Forschung und Praxis«veröffentlicht (vgl. Weiner et al. 2010). 1 In dieser fachlich eng verwandten Studie liegt der Fokus auf einer Einführung zu den Hintergründen von Geschäftsmodellen im Internet der Dienste. Dies umfasst eine ausführliche Darstellung der Geschäftsmodellforschung und Methoden zum Umgang mit Geschäftsmodellen, fachliche Hintergründe zum Begriff des Internet der Dienste, aber auch zukünftige Trends aus der innovationsgetriebenen Risikokapitalgeber-Branche. In der hier vorliegenden Studie wird zunächst eine Befragung des Fraunhofer IAO mit Unterstützung durch den Branchenverband BITKOM vorgestellt. Anschließend werden die wichtigsten Erkenntnisse der Befragung als Hypothesen zu Internet-basierten Geschäftsmodellen zusammengefasst, wichtige Fragestellungen zur Erstellung eines Geschäftsmodells abgeleitet und ein Ausblick für die weitere Entwicklung gegeben. 1.4 Zielsetzung dieser Marktstudie Die vorliegende Marktstudie hat das Ziel, auf Basis einer systematischen Befragung von deutschen IT-Anbietern, die aktuellen und zukünftigen Potenziale von Internetbasierten Software-Services zu bestimmen. Dabei sind die Vorteile aus Anbietersicht und die Herausforderungen für ein solches Angebot von besonderer Bedeutung. Zusätzlich werden zu erwartende Trends im Bereich von Internet-basierten Diensten dargestellt. Ein weiterer Teil stellt die Umsetzungspläne und bereits bestehenden Realisierungen der deutschen IT-Anbieter. Dadurch sind Rückschlüsse auf das zugrunde gelegte Geschäftsmodell möglich. Den folgenden Fragestellungen wurde eine besondere Bedeutung für die Befragung beigemessen: Welche Bedeutung haben Internet-basierte Dienste, speziell Infrastrukturdienste, Plattformdienste und Softwaredienste, aktuell für die deutschen IT-Anbieter? 1 Mehr Informationen zu dieser Publikation unter 13

17 Motivation und Hintergrund dieser Marktstudie Welche Bedeutung werden diese Internet-basierten Dienste zukünftig haben? Welche Strategien und Lösungen sind für ein Angebot besonders Erfolg versprechend? Wer sind die Zielkunden von Software as a Service-Angeboten? Was sind die Vorteile von Internet-basierten Software-Angeboten aus der Perspektive eines Anbieters? Was sind die Herausforderungen von Internet-basierten Software-Angeboten aus der Perspektive eines Anbieters? Wie wird ein Software as a Service-Angebot in einem bestehenden Angebotsportfolio aktuell und zukünftig positioniert? Was sind aktuelle Kriterien der Preisgestaltung für ein Software as a Service- Angebot? Wie erfolgt aktuell und zukünftig die Integration von Software as a Service- Angeboten in eine bestehende Anwendungslandschaft? Welche Rolle spielen Partnernetzwerke bei Software as a Service-Angeboten und welcher Partner übernimmt dabei welche Rolle? Auf Basis dieser Informationen sollen deutsche IT-Anbieter einerseits über das aktuelle Geschehen informiert werden, um die Chancen für ein profitables und vorausschauendes Geschäftsmodell besser einschätzen zu können. Zum anderen werden die Ergebnisse genutzt, um eine transparente Vorgehensweise zu Geschäftsmodellen im Internet der Dienste zu entwickeln und damit das Verständnis dieser Geschäftsmodelle zu verbessern. Die Studie ist deshalb für alle Anbieter von IT-Produkten und IT-bezogenen Dienstleistungen auf dem deutschen Markt interessant. Dies schließt insbesondere Softwareanbieter, IT-Berater, IT-Integratoren und Hardware-Service-Anbietern ein. Zusätzlich können die empirisch gesammelten Daten weiteren Untersuchungen im Bereich Internet-basierter Dienstleistungen dienen. 14

18 2 Befragung von IT-Anbietern mit deutschem Zielmarkt Die im Folgenden dargestellten Daten wurden im Zeitraum des 27. November 2009 bis 10. Februar 2010 erhoben. Die Befragung wurde im gesamten deutschen Markt offen gestreut. Dazu wurde ein breit gefächertes Internet-Marketing durchgeführt. Die Zahl der angesprochenen Unternehmen ist damit nicht identifizierbar. Die vorliegende Studie soll nicht als statistisch repräsentative Studie für den gesamten deutschen Markt dienen, sondern beschreibt die Meinung vor allem von IT-Anbietern, Unternehmen mit großem Interesse an Internet-basierten Diensten. Die Studie beruht auf einer Befragung von 114 Unternehmen, davon bezeichnen sich 89 Unternehmen als Software as a Service-Anbieter (siehe 2.2.4). 2.1 Methodik und Aufbau der Befragung Um das Ziel einer umfassenden Marktstudie zu erreichen, wurden im Vorfeld viele mögliche Fragestellungen zu Internet-basierten Softwareangeboten diskutiert. Aus 90 Fragen wurden 23 Fragen für einen Online-Fragebogen ausgewählt. Diese Fragen wurden in vier Teilbereiche gegliedert. Abbildung 1 zeigt grafisch den Aufbau der Studie. Im ersten Teilbereich (Abschnitt 2.2.2) wurden spezielle Fragestellungen zu aktuellen Trends im Bereich Internet-basierter Services integriert. Dieser Block ist für alle befragten IT-Anbieter gleichermaßen interessant. Anschließend wurden Fragestellungen zu Vorteilen, Herausforderungen und zu zukünftigen Umsetzungsplänen bezüglich Software as a Service in zwei weiteren Teilen (Abschnitte und 2.2.4) gestellt. Ein letzter Frageblock zielt direkt auf aktuelle und zukünftige Anbieter von SaaS ab (Abschnitt 2.2.5). Daher wurden hier Fragestellungen zur tatsächlichen Realisierung von SaaS-Angeboten integriert. Dieser Block wurde nur von SaaS- Anbietern bzw. Anbietern, die sich in der Entwicklungsphase eines entsprechenden Angebots befinden, beantwortet. Grundsätzlich werden damit in dieser Studie zwei Gruppen von Unternehmen unterschieden. Zum einen werden Unternehmen ohne ein eigenes, geplantes oder bestehendes Software as a Service-Angebot (n=25) und Anbieter mit eigenem, bestehendem bzw. geplantem Angebot (n=89) unterschieden. Zu Beginn der Auswertungen werden beide Gruppen zusammengefasst aufgeführt (n=114). Nur bei erheblichen Meinungsdifferenzen werden die Gruppen getrennt aufgeführt. Der letzte Teil der Befragung richtete sich direkt an bestehende bzw. zukünftige SaaS-Anbieter und ist daher nur von dieser Anbietergruppe beantwortet worden. Zehn Antwortbögen konnten nicht berücksichtigt werden, da diese nicht von IT- Anbietern beantwortet wurden. 15

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