Nachhaltigkeit als globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts

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1 Ausgabe 12 Herbst 2009 SAAS News Sustainability Assurance & Advisory Services Nachhaltigkeit als globale Herausforderung des 21. Jahrhunderts Anfang November 2009 hat Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in ihrer vielbeachteten Rede vor dem US-Kongress die Themen Frieden und Sicherheit, Wohlstand und Gerechtigkeit sowie den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen als globale Herausforderungen unserer Zeit identifiziert. Diese Bewährungsproben für die Menschheit können nur durch einen gemeinsamen Kraftakt aller Staaten, der Weltwirtschaft und nicht zuletzt der einzelnen Bürger bewältigt werden, so Kanzlerin Merkel. * Mit Ernst & Young und wir ist in dieser Publi kation die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprü fungs gesellschaft als selbst ständiges und rechtlich unabhängiges Mit glieds unter nehmen der inter nationalen Ernst & Young-Organisation gemeint. SAAS steht für Sustainability Assurance & Advisory Services, unsere umfangreichen Beratungs- und Prüfungsleistungen im Bereich Nachhaltigkeit. Die vorliegende 12. Ausgabe unseres digitalen Nachhaltigkeitsmagazins zeigt, wie sich diese Sichtweise nahtlos in das Konzept einer nachhaltigen Unternehmensführung einfügt. So konkretisiert beispielsweise der World Wide Fund for Nature (WWF) anhand einer sozialökologischen Bilanz Themen wie Artensterben, Klimawandel und Armut als zentrale globale Herausforderungen, mit denen sich alle gesellschaftlichen Akteure konfrontiert sehen. Renommierte Unternehmensvertreter wie die Bayer AG, die SAP AG und die SolarWorld AG erläutern in der vorliegenden Ausgabe der SAAS News anschaulich, wie sie Nachhaltigkeit in ihrem Geschäftsalltag leben und in ihre Risiko- und Reputationsmanagement systeme integriert haben. Gerne weisen wir Sie auf den Arbeitskreis Nachhaltige Unternehmensführung (AKNU) der Schmalenbach-Gesellschaft hin, in dem sich Ernst & Young aktiv engagiert. In dem inter disziplinären Arbeitskreis werden zur Zeit konkrete Handlungsempfehlungen und Strategien zur Überwindung von Umsetzungshemmnissen nachhaltiger Unternehmensführung entwickelt. Dazu untersucht der AKNU, welchen einzelnen Beitrag die unternehme rischen Verant wortungsträger leisten können und auf welche Art und Weise sie dies besonders effektiv tun können. Zwischenzeitlich haben auch über 100 bedeutende Führungspersönlichkeiten, darunter Rosely Schweizer, Vorsitzende des Beirats und Gesellschafterin der Dr. August Oetker KG, und Dr. h.c. Helmut Maucher, Ehrenpräsident der Nestlé AG, angesichts der aktuellen Weltwirtschafts- und Finanzkrise Stellung zur Thematik bezogen. Weiter führende Informa tionen finden Sie unter Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre und freuen uns auf den Dialog mit Ihnen! Bitte schreiben Sie uns unter was Ihnen an dieser Ausgabe besonders gefallen bzw. nicht gefallen hat und welche Art von Beiträgen wir zukünftig zusätzlich für Sie mit aufnehmen sollen. Ihr Rudolf X. Ruter Ihre Nicole Höschen

2 Inhalt 1 Vorwort 3 Was kostet die Welt? 6 Das Bayer-Klimaprogramm Wir helfen mit Lösungen 9 Fehlgeleitet, opportunistisch oder strategisch 12 Nachhaltigkeitsmanagement im Financial-Services-Bereich 18 Die Wogen der Finanzkrise glätten sich Folgt jetzt die Greenwashing -Welle? 21 The concept and business case of sustainability 27 SolarWorld AG: Nachhaltigkeit hat Priorität Sind Solarunternehmen automatisch nachhaltige Unternehmen? 30 Umweltmanagementsysteme und die Vorteilhaftigkeit einer Zertifizierung 33 In einer Wertekultur trennt sich die Spreu vom Weizen 35 Studenten in Deutschland 2009 Was sie bewegt. Wohin sie wollen. 37 Anti-Korruptionsmaßnahmen: Abwehr einer internen und externen Gefahr 40 Steuerliche Aspekte eines nachhaltigen Energie-Contractings 42 Pioniere der Nachhaltigkeit: Werner von Siemens 44 CSR Aktuell 47 CSR Events 2

3 Gastbeitrag Was kostet die Welt? Eine salopp formulierte Redewendung, die im Alltag nur allzu selbstgefällig verwendet wird. Doch die Frage im eigentlichen Sinne sollte wachrütteln: Was kostet die Welt? Was ist sie uns überhaupt wert? Der Versuch einer sozial-ökologischen Bilanz aus der Sicht von Artensterben, Klimawandel und Armut. Armand Colard Corporate Relations WWF Austria Ottakringer Str Vienna Austria Weitere Informationen finden Sie unter bzw. Konsum und Wirtschaftsweise der Industrieländer haben zweifellos grausame Folgen: Umweltverbrauch und Armut. Während die Natur unser CO 2 schluckt, Abfälle hortet und als schier endlos erscheinendes Ressourcenlager fungiert, besteht die Armutsfalle aus einem Sog von unfairen Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit, Niedrigstpreisen, Bildungsmangel und einem nahezu unerreichbaren Ausstiegsszenario. Geld spielt die entscheidende Rolle und das Streben nach immer höheren Renditen hält den Motor am Laufen. Fakten, die Betroffenheit auslösen. Betroffenheit, die schließlich zu Reaktion führen muss privat und im betrieblichen Umfeld. Ein Planet und seine Zahlen, Daten, Fakten Der Ökologische Fußabdruck hat sich in den letzten Jahren als wissenschaftlich basier te Umweltkennzahl etabliert. Er berech net, wie viel Fläche (Umwelt) notwendig ist, um die Ressourcen des täglichen Gebrauchs zu produzieren bzw. bereitzustellen. Daraus lässt sich ein Benchmark ableiten, wie viel Fläche jedem Erdenbewohner in einer idealen Welt zur Verfügung stünde. Die ökologische Bilanz lautet: Angebotsseitig stehen uns im Weltdurchschnitt 2,1 globale Hektar (gha) pro Person zur Disposition, Nachfrageseitig verbrauchen wir aber 2,7 gha. 1 Wir liegen damit also rund 30 Prozent über der Tragfähigkeit der Erde und beanspruchen derzeit rechnerisch 1,3 Planeten (Deutschland braucht hochge rechnet ca. 2, Österreich rund 2,3 und die Schweiz knapp 2,4 Planeten). Das bedeutet: Wir haushalten nega tiv. Das bedeutet: Wir verlieren Kapital. Das bedeutet: Wir laufen Gefahr, langfristig mit unserer Welt und diese besteht nun einmal hauptsäch - lich aus Umwelt bankrott zu gehen. Die Hauptleidtragenden sind die ärmsten Länder der Welt, zu deren Nachteil wir unseren Standard aufrechterhalten. Ganz besonders betrof fen sind Menschen in Ländern wie 1 Living Planet Report 2008, WWF International 3

4 Gastbeitrag Was kostet die Welt? Malawi, Afghanistan, Haiti, Kongo oder Bangladesch, die mit ihrem tragischen Substandard das Schlusslicht des ökologischen Rankings bilden (sie verbrauchen weniger als 0,25 Planeten und sind somit unfreiwillig nachhaltig ). Allesamt Länder, die laut Human Development Index (HDI), der die Faktoren Lebenserwartung, Bildungsniveau und Einkommen berücksichtigt ebenfalls unter den am gering sten entwickelten Staaten rangieren. 2 Auch der Klimawandel wird als (eine) direkte Folge der beschriebenen Überbeanspruchung des Planeten genau diese Regionen der Erde am stärksten treffen, sofern weltpolitisch nicht rechtzeitig eingelenkt wird (mit Blick auf die heran nahende Weltklimakonferenz in Kopen hagen). Afrikas landwirtschaftliche Produktion könnte laut dem letzten IPCC- Report um bis zu 50 Prozent zurückgehen. 3 Wüstenbildungen und der Rückgang von Trinkwasserreservoirs würden die arme Bevöl kerung weltweit an den Rand der ohnehin knappen Existenz drängen. Ein steigender Meeresspiegel würde zwar sämtliche Küstenregionen der Welt gleichermaßen betref fen, jedoch können reiche Länder sich zumindest Gegenmaßnahmen, wie den Bau von Schutzdämmen, leisten. Bei den immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen mit Schäden in Milliardenhöhe sind aber auch privilegierte Staaten schutzlos. Eine Frage des Wertesystems Nicht unter Schutz stehende natürliche Lebens räume werden in Industrie- und Entwicklungsländern gleichermaßen ausgebeutet und ökologisch minderwertig bzw. irre parabel beschädigt hinterlassen. Diese Lebensräume enthalten eine Vielfalt an oftmals endemischen Arten, die direkt bedroht sind auszusterben. Die Bestände von Wirbeltierarten haben zwischen 1970 und 2005 um fast 30 Prozent abgenommen, wie der Living Planet Index des WWF zeigt. 4 Die Vereinten Nationen (UNEP United Nations Environment Programme) schätzen, dass durch menschliche Eingriffe täglich bis zu 130 Tier- und Pflanzenarten für immer verloren gehen. 5 Die Wertefrage ist meist eng mit einem monetären Wertesystem verbunden. Die Weltnaturschutzunion IUCN schätzt beispielsweise den Wert der Güter und Dienstleistungen der Natur auf 33 Billionen USD im Jahr. 6 Dies entspricht dem jährlichen BIP von Nordamerika und Mitteleuropa bzw. rund 60 Prozent des globalen BIP (2007). 7 Natur- und Umweltressourcen stellen somit eine nicht unwesentliche 2 Human Development Report 2009, 3 Climate Change 2007, Fourth Assessment Report des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), 4 Living Planet Report 2008, WWF International 5 United Nations Environment Programme (UNEP); Quelle: 6 International Union for Conservation of Nature (IUCN); Quelle: 7 Handbook of Statistics 2008, United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) 4

5 Gastbeitrag Was kostet die Welt? realökonomische Größe dar, obwohl deren Schutz mit Ausnahme des CO 2 -Handels bisher kaum in den Weltmarkt eingepreist ist. Immer noch zahlt die Allgemeinheit den Großteil der Schäden anstelle der Verursacher, ob sie nun Handlungen einzelner Personen oder ganzer Industrien und Länder betreffen. Nach einer konservativen Schätzung des indischen Ökonomen und Leiters der Green Economy Initiative des UNEP, Pavan Sukhdev, sollen uns bis 2050 aufgrund des Artensterbens jährlich globale Wohlfahrtsverluste von rund 7 Prozent bevor stehen. Weiter rechnet er, dass heute bereits 5 Billionen USD weltweit mit Naturschutzgebieten erwirtschaftet werden. 8 Dies entspricht beinahe 10 Prozent der globa - len Wirtschaftsleistung. 9 Sir Nicholas Stern, ehemaliger Chefökonom der Weltbank, bezif fert die künftigen Reparaturkosten für Folgeschäden aus dem Klimawandel auf zumin dest 5 Prozent des weltweiten BIP pro Jahr (könnte sogar bis 20 Prozent reichen!). Demgegenüber stünden heute Kosten von jährlich rund einem Prozent des globa len BIP, um zu verhindern, dass die weltweite Treibhausgaskonzentration über die kritische Marke von 550 ppm (parts per million) steigt. 10 Diese Marke hätte einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf zwei Grad Celsius zur Folge mit den bereits beschriebenen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Das eine Klimaschutz-Prozent würde beachtliche 500 bis 600 Milliarden USD im Jahr kosten 11 (das wären derzeit ungefähr zwischen 370 und 410 Milliarden EUR), jedoch angesichts der ungleich höheren Folgekosten eine ökonomisch sinnvolle Investition, die außerdem Wirtschaftsleistung und Arbeitsplätze generieren würde. Zum Vergleich: Letztes Jahr wurde allein in Deutschland ein knapp 500 Milliarden EUR schweres Banken-Rettungspaket zur Stabilisierung des Finanzmarktes in Form von Haftungsgarantien beschlossen. Ein Welthunger-Rettungspaket sowie Artenverlust- und Klimafolgen-Rettungspakete müssten ebenfalls dringend geschnürt werden. Noch ein Wort zu CSR und betrieblicher Verantwortung Was bedeutet Corporate Social Responsibility (CSR), wenn sie häufig nur an einer PR-Oberfläche kratzt? Andererseits schlummert hier auch eine große Chance auf Veränderung, wenn und das ist entscheidend die Wertschöpfungskette von Unternehmen damit gemeint ist. Wahre CSR geht vom Kern des Geschäftes aus, dort wo es am meisten schmerzt, und überlegt sich innovative Lösungen für aus dem Betrieb entstandene soziale und Umweltprobleme, selbstverständlich ohne die Ökonomie außer Acht zu lassen. Und genau das macht es so schwierig und gleichzeitig so reizvoll für krea tive Köpfe maßgeschneiderte und wertschöpfende CSR-Lösungen für Unternehmen zu finden. IBM hat es beispielsweise geschafft, durch Energieeffizienzmaßnahmen 100 Millionen USD im Jahr einzusparen und gleichzeitig 12 Prozent ihrer CO 2 - Emissionen. JohnsonDiversey investiert 19 Millionen USD in Treibhausgas-Vermeidungsstrategien und erwartet bereits in drei Jahren einen Rückfluss von 36 Millionen USD. Dies entspricht einem ROI von beinahe 1 : 2 für eine betriebliche Klimaschutzinvestition! 12 Die Öko- und Sozialinnovatoren von heute werden die Gewinner der morgigen Wirtschaft sein. Sie haben als early mover bereits jetzt Risiken (gerade auch monetär in ihren Bilanzen) berücksichtigt, die später tragend werden können und ihnen besonders in Krisenzeiten und darüber hinaus den entscheidenden Wettbewerbsvorteil liefern. Integriertes Risikomanagement als erfolgreiche Unternehmensstrategie, anders ausgedrückt: nachhaltig. Fazit: Kreislauf Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit besteht nicht nur aus drei starren Säulen Ökologie, Soziales und Ökonomie. Sie ist vielmehr ein in engem Zusammenhang stehender lebendiger Kreislauf. Ein stabiler Markt ist langfristig auf nachwachsende Ressourcenlager angewiesen. Und ebendiese Lager bilden sich nur in nachhaltigen und intakten Ökosystemen, die einen Nachschub gewährleisten. Solange aber Armut und Elend weltweit dominieren, ist es schwer zu verlangen, dass sich Menschen in Entwicklungsländern an ökologische Normen halten. Dort geht es um Sub sistenzwirtschaft, um das tägliche Überleben. Hier um ein Leben im Übermaß. Irgendwo dazwischen liegt die Lösung. 8 The Economics of Ecosystems and Biodiversity (Interim Report 2008) 9 oder laut aktueller Studie der Boston Consulting Group die Schmälerung des weltweiten Börsenwertes aller Banken in der Finanzkrise (ca. 5,5 Billionen USD) 10 The Economics of Climate Change: The Stern Review; Cambridge University Press auf Basis des globalen BIP von 2007 (Quelle: Handbook of Statistics 2008 des UNCTAD) 12 Quelle: (Climate Savers Summit 2009) 5

6 Gastbeitrag Das Bayer-Klimaprogramm Wir helfen mit Lösungen Der Klimawandel gehört zu den größten Herausforderungen unserer Zeit. Als Vorreiter im Umweltschutz haben wir bei Bayer frühzeitig erkannt, dass der Klimawandel heute und in Zukunft unsere Geschäftsaktivitäten beeinflussen wird. Daher vertreten wir als Unternehmen mit weltweiten Produktionsstandorten die Überzeugung, dass der Einklang von ökonomischen und ökologischen Interessen die Basis für nachhaltiges Wirtschaften ist. Nur, wenn wir mit den vorhandenen Ressourcen sparsam und verantwortungsbewusst umgehen und neue klimafreundliche Produkte bereit stellen, werden wir langfristig erfolgreich sein. Bayer AG Dr. Wolfgang Große Entrup Leiter des Konzernbereichs Environment & Sustainability Weiterführende Informationen über das Bayer-Klimaprogramm finden Sie auch unter Den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht 2008 der Bayer AG finden Sie als Online-, Download- oder bestellbare Printversion unter Uns ist bewusst, dass wir als ein Unternehmen, das Treibhausgase emittiert, Teil des Problems sind. Aus diesem Grund hat die Bayer AG schon frühzeitig Schritte unternommen, um Produktionsverfahren zu verbessern, neue Technologien einzuführen sowie in der Energieversorgung auf die effiziente Kraft-Wärme-Kopplung zu setzen. Doch Bayer ist auch in besonderer Weise Teil der Lösung. Viele Produkte unseres Unternehmens leisten einen Beitrag zur Energieeinsparung und somit auch zu ge ringeren CO 2 -Emissionen. Bayer strebt eine noch stärkere Rolle im Kampf gegen den Klimawandel und bei der Verwirklichung von Klimaschutzzielen an. Aus diesem Grund startete Bayer Ende 2007 das Bayer-Klimaprogramm. Dieses langfristig angelegte Programm bündelt eine Vielzahl unterschiedlichster Kompetenzen der Teilkonzerne und Servicegesellschaften mit dem Ziel, den Klimaschutz weiter zu stärken. Im Kern der Bayer-Klima - politik steht unser Motto Wir helfen mit Lösungen. Um die Treibhausgas-Emissionen in der eigenen Produktion weiter zu senken, haben wir teilkonzernspezifische Reduktionsziele definiert. Deren Erfüllungsgrad legen wir in einer transparenten Berich terstattung gemäß dem Greenhouse Gas Protocol gegenüber unabhängigen Wirtschaftsprüfern und anderen Stakeholdergruppen dar. Unseren detaillierten Kalkulationen zufolge gehen wir davon aus, dass wir die konzernweiten Treibhausgas- Emissionen trotz Produktionsanstieg bis 2020 auf dem Niveau von 2007 halten können. Die Umsetzung unserer Ziele erfolgt mittels eines langfristig angelegten Maßnahmenpakets. Von 2008 bis 2010 investiert Bayer eine Milliarde Euro in klimaschutzrelevante Forschung und Entwicklung sowie in verschiedene Einzelprojekte. Zu den ersten Leuchtturm-Projekten, die im Rahmen des Bayer-Klimaprogramms umgesetzt werden, zählt das EcoCommercial Building. Dabei handelt es sich um ein Geschäftsmodell von Bayer MaterialScience, um gemeinsam mit Partnern Lösungen für nach - haltiges Bauen anzubieten. Gebäude verursachen heute fast 20 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen. Zukünftig soll mit dem weltweit realisierbaren Konzept des EcoCommercial Building ein bedeutender Beitrag zum Klimaschutz im Gebäudesektor geleistet werden. Ein Marktsegment mit beträchtlichem Wachstumspotenzial. Potenziellen Bayer-Kunden können wir das Zusammenspiel aus integraler Gebäudeplanung, klimagerechter Architektur, hochwertigen Dämmstoffen und Baumaterialien sowie dem Einsatz regenerativer Energien demnächst bereits vor Ort zeigen: an Referenzgebäuden der Bayer AG. Mit dem Innovation Center in Indien von Bayer MaterialScience und dem kürzlich eröffneten Betriebskindergarten Die Sprösslinge von Bayer CropScience in Deutschland 6

7 Das erste Bayer EcoCommercial Building, die Kindertagesstätte Die Sprösslinge, wurde Anfang November 2009 in Monheim eröffnet. wird Bayer das Konzept erstmals umsetzen und somit über zwei Gebäude verfügen, die sich durch einen klima neutralen Betrieb aus zeichnen. Bayer MaterialScience wird seine Werkstoff-Kompetenz und seine weltweite Präsenz einsetzen, um Investoren oder Projektentwickler zum Thema nachhaltiges Bauen zu beraten. Die Partner des Programms EcoCommercial Building bieten ihre Planungskompetenz sowie ihre Produkte und Verarbeitungstechnologien auch extern an. Durch dieses umfassende Angebot können Investoren, Projektentwickler und andere Entscheidungsträger der Bauindustrie nachhaltige Bauprojekte realisieren, die umwelt freundlich und wirtschaftlich zugleich sind. In einem weiteren Leuchtturm-Projekt entwickelte Bayer Technology Services den Bayer Climate Check. Dieses Instrument hat zum Ziel, in der industriellen Produktion die Energieeffizienz zu steigern und den Treibhausgas-Ausstoß zu senken. Mit dieser Methodik, die vom TÜV zertifiziert wurde, kann das Unternehmen weltweit die Energieeffizienz von Produktionsstätten und Gebäu den prüfen, um deren Auswirkungen auf das Klima zu bestimmen und zu ermitteln, ob und wo Potenziale für Emissionseinsparungen bestehen. Bis Ende 2009 überprüfen wir weltweit über 100 Produktionsstätten. Damit sind etwa 85 Prozent des Bayer-Energiebedarfes abgedeckt. Die Poten ziale werden nach ihrer wirtschaftlichen und technischen Umsetzbarkeit klassifiziert. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Konzern durch den Bayer Climate Check seinen gegenwärtigen Ausstoß an Treib hausgasen in den untersuchten Bereichen um etwa 5 bis 10 Prozent senken kann. Aufgrund der positiven internen Analyse - er gebnisse werden wir den Bayer Climate Check zukünftig auch extern anbieten. Bayer hat weitere innovative Ansätze zur Energieeffizienz vorzuweisen. Durch den Einsatz der Sauerstoffverzehrkathode kann bei der Herstellung von Chlor über 30 Prozent an Energie eingespart werden. Auf Grund der erfolgreichen Anwendung in unse ren eigenen Produktionsanlagen haben wir uns entschlossen, diese moderne Technologie auch extern zu vermarkten. Bayer erforscht die Stresstoleranz von Pflanzen. Durch den Klimawandel droht, dass sich Probleme wie Hitzewellen und Dürreperioden, die bereits jetzt für einen Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge verantwortlich sind, weiter verschärfen. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung, während die verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche begrenzt bleibt. Das Ziel muss sein, die Qualität der Kulturpflanzen zu steigern, um die Erträge zu erhöhen. Wissenschaftler von Bayer CropScience setzen Möglichkeiten der Biotechnologie und der modernen Pflanzenzucht ein, um Pflanzen gegen die klimatischen Bedingungen widerstandsfähiger zu machen und ihre sogenannte Stresstoleranz zu erhöhen. 7

8 Gastbeitrag Das Bayer-Klimaprogramm Wir helfen mit Lösungen erstmals 2009 in Berlin an Professor em. Dr.-Ing. Eberhard Jochem vom Fraunhofer- Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, von der Bayer Science & Education Foundation verliehen. Der Bayer Climate Award ist mit Euro dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Nachhaltigkeits-Seminare, die von unabhängigen Organisationen veranstaltet werden, bieten Chancen, um aus erster Hand Informationen über den Klimaschutz zu erhalten und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Die Bayer Science & Education Foundation vergibt jedes Jahr Stipendien an Schüler, damit sie sich an diesen Seminaren beteiligen können. Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Wenning (2.v.r.), Bayer-Vorstandsmitglied Dr. Wolfgang Plischke (r.) und Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, Generalsekretär des Europäischen Forschungsrates (l.), zeichnen in Berlin den ersten Träger des Bayer Climate Award aus: Professor Eberhard Jochem vom Fraunhofer-Institut für Systemund Innovationsforschung. Darüber hinaus stellt Bayer CropScience schon heute Pflanzenschutzmittel bereit, die helfen, den Ertrag von Pflanzen auch unter Stressbedingungen zu sichern oder sogar zu erhöhen. Neben den drei aufgeführten Leuchtturm- Projekten unternimmt Bayer weitere Maßnahmen zur Senkung von Treibhausgas- Emissionen in den Bereichen Dienstfahr - zeuge, Geschäftsreisen und IT. Bayer will bis 2012 die von seinen Dienstfahrzeugen verursachten Treibhausgas- Emissionen um 20 Prozent senken. Im ersten Jahr des Klimaprogramms wurden durch die beschleunigte Einführung von Dienstfahrzeugen mit verbrauchsoptimierter Motorentechnologie und alternativen Antriebssystemen (z. B. Hybrid) in bisher 20 Ländern insgesamt bereits 5 Prozent der entsprechenden Treibhausgas-Emissionen reduziert. Durch die Einrichtung sogenannter Telepräsenzräume tragen wir nicht nur zur signifikanten Treibhausgasreduktion bei, die durch Flugreisen verursacht werden; wir erzielen durch die neue Videotechnologie auch enorme Kosteneinsparungen und verringern die Anstrengungen langer Dienstreisen für unsere Mitarbeiter. Die ersten Telepräsenzräume werden bereits an den Standorten Leverkusen, Monheim sowie Lyon, Raleigh und Pittsburgh erfolgreich verwendet. Weitere Bayer-Hauptstandorte, vor allem in Asien, werden folgen. In jedem Großunternehmen bietet auch die IT Potenziale für beträchtliche Energieeinsparungen. Mit einer Vielzahl von Maßnahmen wollen wir den Energieverbrauch un serer drei Rechenzentren an den Konzernsitzen Leverkusen, Pittsburgh, USA und Singapur bis 2012 um 20 Prozent reduzieren. Zu dem Projekt gehören Energie sparende Konzepte für die Installation von Servern und für die Nutzung von Rechnern sowie für die Senkung des Papierverbrauchs. In zwei weiteren Initiativen fördert Bayer die wissenschaftliche und gesellschaftliche Debatte über die Herausforderungen des Klimawandels und zeichnet konkretes persönliches Engagement in diesem Bereich aus. Der Bayer Climate Award ist der erste internationale Preis für herausragende Leistungen in der Grundlagenforschung der Klimawissenschaften. Der Preis wurde Bestätigung für unser Engagement im Klima schutz erhalten wir auch von unabhängigen Institutionen. Bayer ist 2009 als das weltweit beste Unternehmen in den Carbon Disclosure Leadership Index aufgenommen worden. Mit der Höchstzahl von 95 bei 100 möglichen Punkten führt Bayer als alleiniger Spitzenreiter die Liste der insgesamt 50 im Leadership Index vertretenen Unternehmen an. Mit der erneuten Aufnahme ist Bayer als einziges europäisches Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie das fünfte Mal in Folge in diesem ersten weltweiten und von in - sti tutionellen Anlegern getragenen Klima- Index gelistet. Solche und andere Auszeichnungen bestärken uns darin, unsere Aktivitäten in Sachen Klimaschutz auch in Zukunft konsequent weiter zu verfolgen. Um dies zu ermöglichen, ist eine transparente und international verbindliche politische Rahmengebung unabdingbar. Daher fordern wir von der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember ein faires Abkommen zum globalen Klimaschutz, das eine aktive Beteiligung aller großen Emittentenländer und die Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen vorsieht. Denn nur so können wir als Industrie- Vertreter mit Lösungsbeiträgen im Klima - schutz vorangehen und unserer Verant - wortung als Unternehmen gerecht werden. Mit dem Bayer-Klimaprogramm haben wir dazu bereits die richtigen Weichen gestellt. 8

9 Gastbeitrag Fehlgeleitet, opportunistisch oder strategisch Unangesagter Test. Was ist passiert? +20 0? -20 SAP AG Peter Graf Executive Vice President and Chief Sustainability Officer Nasdaq -0,55 Jul 07 Okt 07 Jan 08 Apr 08 Angaben in Prozent Weitere Informationen zu Nachhaltigkeit und den jeweiligen Lösungen finden Sie unter Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Ausgabe Oktober-Dezember 2009 von SAP Insider(http://sapinsider.wispubs.com). Er ist hier mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers WIS publiziert. Wie schlagen Sie sich in puncto Nachhaltigkeit? SAP-Kunden verursachen ein Sechstel der weltweiten CO 2 -Emissionen. In unserer gesam ten Kundenbasis beobachten wir eine Entwicklung von Nachhaltigkeitsansätzen, die teils als fehlgeleitet, teils als opportunistisch sowie teils auch als strategisch bezeichnet werden können. Wie schlagen Sie sich in dieser Hinsicht? Unternehmen mit einem Ansatz, der das Prädikat fehlge leitet verdient, müssen mit hohen Kosten rechnen. Wir alle erinnern uns an die Artikel über Unter nehmen, die unwissentlich bleihaltige Spielzeuge, verseuchtes Essen und mithilfe von Kinderarbeit hergestellte Produkte verkauften. Solche Unbesonnenheiten können drastische Konsequenzen haben. Sinkende Aktienpreise, Gerichtsverfahren, groß angelegte Produktrückrufaktionen sowie ein nicht wiedergutzumachender Schaden für das Markenimage sind nur einige Beispiele dafür. Diese Art von gesetzlichem und wirtschaftlichem Risiko können Sie nicht unternehmensintern in den Griff bekommen. Sie müssen die gesamte Logistikkette einbeziehen. Nachhaltigkeit ist eine der größten Herausforderungen, die die Unternehmen heutzutage im Hinblick auf ihre Logis - tik kette bewältigen müssen. Sie bietet aber auch große Chancen. Eine kürzlich von einem führenden Getränkeunternehmen durchgeführte Studie, die den CO 2 -Fußabdruck im Lebenszyklus der eigenen Orangensaftproduktion untersuchte, zeigt diese Chancen auf. Die Studie zeigte, dass der gewichtigste Faktor bei der Ermittlung des CO 2 -Fußabdrucks des Safts im gesamten Lebenszyklus nicht der Transport oder die Verpackung ist, sondern der Dünger. Die Produktion und die Verwendung von Dünger ist für 58 % der Treibhausgasemissionen im Produktlebenszyklus verantwortlich. Das Unternehmen erkannte, dass es durch die Unterstützung der Landwirte bei einem verantwortungsvollerem Umgang 9

10 Gastbeitrag Fehlgeleitet, opportunistisch oder strategisch Sustainability Performance Mgt Assured Reporting Benchmark & Analytics Strategy & Risk Financial Performance Energy and Carbon Energy-efficient Assets Energy Management Carbon Management Smart Grids Product Safety and Stewardship Product Compliance Material & Product Safety Recycling & Re-Use Recall Management Product Footprint Sustainable Design Sustainable Supply Chain Procurement Traceability Commodity Trade & Risk Management Resource Optimization Supply Chain Optimization Environment, Health and Safety Enviromente Compliance Occupational Health Industrial Hygiene & Safety Emergency Managemetn Sustainable Workface Labor Compliance & Rights Diversity Talent Management IT Infrastructure Availability, Security, Accessbility & Privacy Green IT mit Düngemitteln sowohl den CO 2 -Fußabdruck des Produkts als auch die Produktionskosten senken kann. Das ist kein Einzelfall. Andere Kunden von uns führen Studien durch, um Möglichkeiten zur Senkung des Wasserverbrauchs zu bestim men und auf diese Weise den Gewinn erheblich zu steigern. Unter unseren Kunden in der Herstellung finden sich Unternehmen, die mit als erste Kunststoff ohne Bisphenol A (BPA) auf den Markt brachten. Für die Hersteller von Babyfläschchen war dies gleichbedeutend mit führenden Marketing- und Vertriebspositionen. Aus diesen Beispielen lässt sich folgendes Fazit ziehen: Wenn Sie Ihre Logistikkette nur unter dem Kostenaspekt betrachten, werden Sie die Chancen für Ihr Unternehmen nicht wahrnehmen. Wenn Sie aber den CO 2 -Fuß abdruck sowie die Nutzung von Wasser und Ressourcen untersuchen und Ihre Logis - tikkette im Hinblick auf Nachhaltigkeit überprüfen, werden ineffiziente Vorgänge und Kosteneinsparungen deutlich, die Sie auf andere Weise nie erkannt hätten. Deshalb lohnt es sich, Lösungen wie SAP Carbon Impact näher zu betrachten. Mit ihrer Hilfe können Sie Treibhausgasemissionen und andere Umweltfaktoren sowohl in Ihrem Unternehmen als auch in der gesamten Logistikkette messen, senken und in Gewinn umwandeln. Nachhaltigkeit ist eine der größten Herausforderungen, die die Unternehmen heutzutage im Hinblick auf ihre Logistikkette bewältigen müssen. Sie bietet aber auch große Chancen. Drei unmittelbare Faktoren, die helfen, die Nachhaltigkeitsleiter heraufzuklettern Diejenigen Unternehmen, die meinen, dass Nachhaltigkeit sich nicht mit Rentabilität vereinbaren lässt, liegen falsch. Die Fakten geben ein anderes Bild wieder. Abgesehen von den moralischen Aspekten (die an sich schon ausschlaggebend sind) gibt es drei unmittelbare Faktoren für Unternehmen, sich für Nachhaltigkeit zu engagieren: Geringere Kosten für Compliance: Compliance ist ein Muss. Jedes Unternehmen muss entsprechende Vorgaben erfüllen. Die Frage dabei lautet: Wie viel muss die Compliance kosten? Unternehmen, 10

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