7 Gebote für Börsianer

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1 VORWORT G ene Marcial und ich haben etwas gemeinsam: Jeden Morgen beim Aufwachen und jeden Abend beim Schlafengehen denken wir an Aktien. Wenn man so auf Geldanlage konzentriert und so davon besessen ist wie wir, entwickelt man gewisse Ansichten darüber. Es gibt natürlich eine Menge Ideen, wie man am Aktienmarkt Geld verdienen kann, von denen manche ernster zu nehmen sind als andere. Es haut mich immer wieder vom Hocker, wenn ich etwas über neu aufkommende Theorien lese vor allem die verrücktesten, die meinen, sie könnten die Entwicklungsrichtung des Gesamtmarktes voraussehen. Eine meiner Lieblingstheorien ist der Rocksaum-Indikator, der auch als Haussen und nackte Knie bekannt ist. Demnach steigen die Aktien, wenn die Röcke kürzer werden. Wenn der Saum fällt, dann fallen auch die Aktien. Ich bin ein großer Football-Fan und deshalb halte ich auch den guten alten Super-Bowl-Indikator für ein Juwel: Wenn eine Mannschaft der American Football League (früher AFL, jetzt AFC) die Meisterschaft gewinnt, endet das Jahr im Minus. Wenn eine Mannschaft der National Football League (früher NFL, jetzt NFC) gewinnt, soll der Markt steigen, steigen und steigen. Populäre Theorien können sich auch auf einzelne Aktien beziehen. In der Zeit des Wahnsinns 1929 und während der Nachwehen beobachteten die Anleger mit religiösem Eifer den Ticker. Damals glaubte man allgemein, wenn eine Aktie fällt, müsste man sie schnellstens verkaufen. Wenn sie steigt, müsste man sie kaufen. Im Jahr 1934 zeig te ein Buch von Graham und Dodd mit dem Titel Wertpapierana ly se 7

2 7 Gebote für Börsianer einen Ausweg aus dieser Massenstimmung. Anstatt Aktien nur als Papier zu betrachten, sahen Graham und Dodd darin Anteile an einem Unternehmen, deren Wert sich mit der Zeit dem Wert des Unternehmens anpassen würde. Sie drängten die Investoren, nicht auf die Kurse zu schauen, sondern sich auf die Unternehmen zu konzentrieren, die hinter den Aktienurkunden stehen. Ben Graham schuf eine methodische Grundlage für die Auswahl von Aktien. Er suchte nach Unternehmen mit einem Sicherheitspolster er sagte, als Anleger müsse man unbedingt darauf achten, dass eine große Lücke zwischen dem Preis, den man zu zahlen bereit ist, und dem geschätzten Wert der Aktie besteht. Diese beiden Pioniere erfanden den Beruf des Wertpapieranalysten, den ich gelernt habe. Für einen anderen Anleger Warren Buffett war das Studium unter diesen beiden heißen Nummern in den 1950er-Jahren ein einschneidendes Erlebnis. Er wurde reich dafür belohnt, dass er sich an ihre Prinzipien hielt. Gene Marcial fasst in diesem Buch die Erfahrungen zusammen, die er in den mehr als 30 Jahren gesammelt hat, in denen er zuhört und über Aktien schreibt. In dieser Zeit hat es schlechte Marktlagen gegeben, gute Marktlagen und schwankende Marktlagen. Graham und Dodd personifizierten die launischen Marktbewegungen in Mr. Market, der jeden Tag an die Börse kommt, um zu kaufen oder zu verkaufen. Mr. Market ist ein komischer Kauz. Er unterliegt allerlei unberechenbaren Stimmungsschwankungen und die wirken sich auf den Preis aus, den er bezahlen oder akzeptieren will. Gene teilt uns seine sieben Gebote mit und bietet uns damit eine praktische Anleitung, die durch seine reichhaltigen Erfahrungen geschliffen wurde und die einem hilft, Mr. Market zu umschiffen. Das sind solide, gründlich ausgeführte Gebote, die denjenigen, die sie befolgen, schon erheblichen Gewinn beschert haben. Wenn man Nachforschungen anstellt, Gefühle aus seinen Anlageentscheidungen verbannt, sich auf seine besten Ideen konzentriert, langfristig investiert, nicht versucht, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, und 8

3 Vorwort wenn man versucht, Unternehmen mit Abschlag auf ihren inneren Wert zu kaufen, dann steigen die Chancen auf finanziellen Erfolg. Wir bezeichnen diesen inneren Wert als persönlichen Marktwert und wir konzentrieren uns auf einen Katalysator, auf ein Ereignis, das dazu beiträgt, dass der Wert des Unternehmens zutage tritt. Es gibt zwar viele Katalysatoren, aber ein aussagekräftiger Katalysator, den Gene in diesem Buch erwähnt, ist der Aktienrückkauf. Wenn die Unternehmensleitung Aktien zurückkauft, fragt sich der Analyst, mit welcher Begründung sie das tut. Soll der Rückkauf der Verwässerung durch Bezugsrechte entgegenwirken? Sollen die Ak tionäre gewissermaßen einen Lohn bekommen? Oder kauft sie unterhalb des Preises, den wir bei Gabelli als persönlichen Marktwert bezeichnen? Der Kauf von Aktien durch ein Unternehmen oder durch eine Einzelperson vor allem wenn damit keine indirekte oder offene Übernahmedrohung verbunden ist kann sich somit als praktischer Ausgangspunkt für die Ideensuche erweisen. Außerdem hat Gene die Geschichte des Marktes studiert. Momentum-Investoren machen manchmal tonnenweise Geld, aber zu anderen Zeiten werden sie von klassischen Blasen dahingerafft. Den Drang, in Indexfonds zu investieren, habe ich noch nie verstanden. Angebliche Investoren kaufen ungeachtet des Preises einfach weiter und kennen nicht einmal die Namen der Unternehmen, in die sie investieren! Meiner Erfahrung nach ist langfristige, fundamental orientierte Aktienauswahl der Schlüssel zur Bildung oder Erhaltung von Vermögen. Gene hat einen guten Riecher für Aktien. Wir haben im Auftrag unserer Kunden Aztar langfristig gehalten. Wir hatten so viele Aktien, dass wir uns bei der Glücksspiel-Aufsichtsbehörde von Nevada registrieren mussten. Das Unternehmen betrieb das Tropicana Casino and Hotel in Las Vegas und in Atlantic City. Wir konzentrierten uns auf das Kronjuwel des Unternehmens, nämlich knapp 14 Hektar schlecht genutzte Grund stücke am Strip in Las Vegas. Wir dachten uns, die wären für andere Kasinobetreiber interessant. Im Juni

4 7 Gebote für Börsianer berichtete Gene in seiner Kolumne über Aztar. Er befasste sich mit dem Übernahmepotenzial von Kasinobetreibern und empfahl Aztar aufgrund dieses Potenzials, als die Aktie 31,50 Dollar kostete. Am 13. März 2006 bot Pinnacle Entertainment 38 Dollar pro Aktie in bar und es begann ein Kampf der Bieter. Drei Bieter übertrumpften einander in den nächsten zwei Monaten immer wieder und schließlich kaufte Columbia Entertainment das Unternehmen für 54 Dollar in bar pro Aktie. Genes Ziel ist es, die geistige Einstellung der Privatanleger so zu verändern, dass sie Gelegenheiten besser ausnutzen können. Mit den sieben Geboten gerüstet kann man als Anleger zuversichtlich und intelligent den Markt betreten. Lassen Sie sich von Genes über drei Jahrzehnte gesammelter Klugheit zum besseren Anleger machen. Mario Gabelli Chief Investment Officer von Gabelli & Co. Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzender von Gamco Investors Inc. Mitglied des Barron s Roundtable 10

5 DANKSAGUNGEN M ein Dank geht an meine vielen vertrauenswürdigen Nachrichtenquellen an der Wall Street, die dazu beigetragen haben, dass dieses Buch ein scharfer Verfechter intelligenter, realistischer und mutiger Börsenmaximen für den Privatanleger geworden ist. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung meines guten Freundes und Mentors Seymour Zucker, eines ehemaligen leitenden Redakteurs der Zeitschrift BusinessWeek; er hat mich bei diesem Unterfangen von Anfang an ermutigt. Er war so freundlich, die erste Manuskriptfassung zu lesen. Bevor er im Jahr 2005 in den Ruhestand ging, war er leitender Redakteur bei BusinessWeek und er hat die Kolumne Inside Wall Street dorthin gesteuert, wo sie heute steht. Ihm verdanke ich, dass mehr Energie und mehr umsichtige Perspektiven in die Kolumne eingeflossen sind. Das Gleiche hat er für dieses Buch getan. Besonderer Dank geht an John A. Byrne, den Chefredakteur von BusinessWeek, für seine frühzeitige Unterstützung. Ohne seine freundliche Ermunterung hätte ich nicht zuversichtlich an diesem Buch arbeiten können. Außerdem möchte ich Jim Boyd, dem Cheflektor von Pearson Education, Financial Times Press und Wharton School Publishing danken. Sein Rat und seine Hilfe haben sehr viel dazu beigetragen, dass dieses Buch fertig wurde. Er hat mich vor mehreren Jahren angespornt, dieses Projekt anzugehen, und dafür bin ich dankbar. Außerdem möchte ich meine Anerkennung für die freundliche und sachkundige Hilfe durch mehrere andere Lektoren von Pearson, FT Press und Wharton School Publishing ausdrücken, unter anderem Amy Neidlinger, Russ Hall, Julie Phifer, Gina Kanouse und Betsy Harris. 11

6 7 Gebote für Börsianer Besonderer Dank auch an Patricia O Connell, eine der Ersten, die half, die Idee zu diesem Buch zu zünden. Außerdem bin ich John Cady, Susan Ziegel und Yvette Hernandez für ihre unschätzbare Hilfe bei der Recherche von Informationen und Zahlen zu Dank verpflichtet. Gene G. Marcial im November

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