«Denn siehe, es ist mein Werk und. meine Herrlichkeit, die Unsterblichkeit. und das ewige Leben des Menschen. zustande zu bringen.

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1 1 Zum 150. Jubiläum «Denn siehe, es ist mein Werk und meine Herrlichkeit, die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.» («Die Köstliche Perle», Mose 1:39) «Ich lehre sie richtige Grundsätze, und sie regieren sich selbst.» (Joseph Smith, ) Kirchengeschichte = Familiengeschichte Die Kirchengeschichte ist eine Geschichte der Familien, denn es sind Familien, die Kirchengeschichte schreiben. Die Existenzberechtigung der Kirche liegt letztlich im Bereitstellen, Entwickeln, Erhalten und Vermitteln göttlich vorgegebener Verhaltensmuster, Rahmenbedingungen und Infra strukturen, die es der Familie und damit dem Einzelnen ermöglichen, ihren bzw. seinen Platz im ewigen Plan der Erlösung einzunehmen und damit den von Gott bestimmten Zweck des Menschen zu erfüllen, der da lautet: «Denn siehe, es ist mein Werk und meine Herrlichkeit, die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen zustande zu bringen.» (Köstliche Perle, Mose 1: 39). Kirchenpräsident Gordon B. Hinckley (seit 1995) drückte das wie folgt aus: «Wir lehren, wir schulen, wir bauen auf, wir erziehen, wir geben Gelegenheit zum Wachstum und zur Entwicklung.» («Liahona», August 2000). Der Mittelpunkt des Erlösungsplans ist Jesus Christus. Der Prophet Jesaja hat das in einem kurzen, aber träfen Satz wie folgt zum Ausdruck gebracht: «Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.» (Jesaja 53:10). Seit über 150 Jahren in der Schweiz Es ist nun über 150 Jahre her, seitdem eine Hand voll unerschrockener Mormonen-Missionare in der Abgeschiedenheit der Berge beschloss, in die Schweiz aufzubrechen. Hier wollten sie den Menschen die lebendige Botschaft der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi bringen es war eine gute Entscheidung. Der Setzling, den sie pflanzten, wuchs zu einem mächtigen Baum heran. Er «hat gesprosst und ist aus der Erde hervorgekommen, und Rechtschaffenheit fi ng an vom Himmel herabzublicken, und Gott sandte seine Mächte, Gaben und Engel hernieder, dass sie in seinen Zweigen nisten.» (Joseph Smith). Das Konzept Die Ausstellung ist so aufgebaut, dass anhand historischer Ereignisse die vielfältigen Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage beleuchtet und erläutert werden. Der Betrachter und die Betrachterin kann sich das «Menü» dabei selbst zusammenstellen. Auch die Intensität, mit der dieses aufgenommen werden soll: Die detaillierten Texte bieten die Möglichkeit zu einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Thema, wohingegen die verschiedenen Bereiche auch nur durch das Bildmaterial genügend erklärt werden. Die Ausstellung gliedert sich nach den folgenden Schwerpunkten: Die Evangeliumszeiten 2 6 Die Anfänge der Kirche in den verschiedenen Regionen der Schweiz 8 11, Was es mit der «Sammlung» und der Auswanderung auf sich hat 7, Die Mehrehe: Stein des Anstosses in Amerika und der Schweiz Die Organisation der Kirche: Das Priestertum und die Hilfsorganisationen Wie sich der Grundsatz fortlaufender Offenbarung in der Kirchenliteratur niederschlägt 21, 24 Kurzbiographien 20, 31 Ausgewählte, kirchentypische Lehren und Ansichten 12, 29 30, 32

2 2 Die Evangeliumszeiten: Adam und Henoch «Und unser Vater Adam sprach zum Herrn und sagte: Wieso müssen die Menschen umkehren und sich im Wasser taufen lassen? Und der Herr sprach zu Adam: Siehe, ich habe dir deine Übertretung im Garten von Eden vergeben. Daher kam unter dem Volk überall die Rede auf, der Sohn Gottes habe die ursprüngliche Schuld gesühnt...>>. (Die Köstliche Perle, Mose 6:53-54) Die Evangeliumszeit Adams Als Krönung der Schöpfung schuf Gott den Menschen. Adam und Eva waren die ersten Men schen auf der Erde. Im Garten von Eden lebten sie in der Gegenwart Gottes und waren der Sterb lichkeit noch nicht unter worfen; auch er kannten sie den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht. Gott belehrte und unter wies Adam und Eva in allen Lebensbereichen. Eine der Weisungen Gottes lautete, dass Adam und Eva von der Frucht ei nes bestimmten Bau mes nicht essen durften. Aufgrund der Täu schungen Satans übertraten sie dieses Gebot jedoch. Als Folge davon erkannten Adam und Eva Gut und Böse und wurden aus dem Garten gewiesen; sie leb ten fortan ge trennt von Gott. Diese Trennung zwischen den Menschen und Gott wird als «geistiger Tod» bezeichnet. Auch waren sie von nun an der Sterblich keit unterworfen, das heisst, sie und ihre Nach kommen würden den sogenannten «kör perlichen Tod» er leiden. Adam und Eva starben aber nicht sofort. Gott gewähr te ihnen einen Zeitraum, in dem sie von ihren Verfehlungen um kehren und Gehorsam den Ge boten Gottes gegenüber lernen konnten. Das Erden le ben war für sie wie für ihre ganze Nach kom menschaft, zu der auch wir gehören zu einem Zu stand der Be wäh rung geworden. Eine weitere Folge ihrer Sterblichkeit war, dass Adam und Eva Kinder haben konnten, womit der «Plan der Er lösung» überhaupt seinen Fortgang nehmen konnte: «Adam fiel, damit Men schen sein können, und Men schen sind, damit sie Freude haben können.» (Das Buch Mormon, 2. Nephi 2:25). Um Adam und Eva nicht sich selbst zu überlassen, sandte Gott himm lische Boten Engel zur Erde, die sie darin unterwie sen, wie sie und ihre Nachkommen trotz des gefallenen Zu stands Erlösung finden und zu Gott zurückkehren könnten: Durch das Befolgen der Gebote Gottes und das sühnende Opfer Jesu Christi, das dieser in der Zeitenmitte vollbringen würde. Die Evangeliumszeit Henochs Viele hundert Jahre waren seit Adam vergangen. Die Menschen waren schlecht geworden und wandelten nicht mehr auf den Wegen Gottes. Da berief Gott den Propheten Henoch, dem Volk Umkehr zu predigen. Henochs Glaube war so gross, dass sogar Berge hinweg wichen und Flüsse sich aus ihrem Lauf wandten. Er predigte mit grosser Kraft und Vollmacht, sodass sich ihm viel Volk anschloss. Der Herr nannte dieses Volk «Zion», weil sie eines Herzens und eines Sinnes waren und in Rechtschaffenheit lebten; auch gab es keine Armen unter ihnen. «Und Henoch und all sein Volk wandelten mit Gott, und er wohnte mitten in Zion; und es begab sich: Zion war nicht mehr, denn Gott nahm es in seinen Schoss auf. Und von daher kommt die Rede: Zion ist geflohen.» (Die Köstliche Perle, Mose 7:69). Gott hatte Zion zu sich genommen, während die Welt in Schlechtigkeit versank.

3 3 Die Evangeliumszeiten: Noach und Abraham «Aufgrund des Glaubens wurde Noach das offenbart, was noch nicht sichtbar war, und er baute in frommem Gehorsam eine Arche zur Rettung seiner Familie... Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte... So stammen denn auch von einem Menschen... viele ab: zahlreich wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meeresstrand, den man nicht zählen kann.» (Hebräer 11:7, 8, 12) Die Evangeliumszeit Noachs Auch zur Zeit Noachs hatten sich die Menschen grosser Schlechtigkeit zugewandt, und all ihr Sinnen und Trach ten war immer nur böse. «Nur Noach fand Gnade in den Augen des Herrn.» (Genesis 6:8). Gott beschloss, alles Fleisch auf der Erde in einer grossen Flut umkommen zu lassen. Mit Noach aber schloss er einen Bund: Er gebot ihm, eine Arche zu bauen, mittels der Noach und seine Familie sowie allerart Tiere die drohen de Flut überleben sollten. Noach gehorchte dem Gebot des Herrn in allem genau so, wie Gott es ihm aufgetra gen hatte. Er baute die Arche, legte sich Vorräte an und bestieg die Arche zusammen mit seiner Familie und den Tieren, die zu ihm gekommen waren. Dann kam die Flut, in der alle Wesen aus Fleisch verendeten. Über hundertfünfzig Tage trieb die Arche auf dem Wasser, bis sie im Gebirge Ararat aufsetzte. Nachdem sich das Wasser ganz verlaufen hatte, schloss der Herr einen weiteren Bund mit Noach: «Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verder ben.» (Genesis 9:11). Die Evangeliumszeit Abrahams Abraham wuchs in Ur im Land der Kaldäer auf. Er sah, dass es für ihn nötig wurde, einen anderen Wohnsitz zu erlangen, weil sich die Kaldäer und Abrahams Familie dem Götzendienst zugewandt hatten. Der Herr sprach zu Abraham: «Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.» (Genesis 12:1). Von besonderer Bedeutung ist der Bund, den Gott mit Abraham in Kanaan schloss und der sich auf alle Men schen erstreckt, die das Evangelium Jesu Christi annehmen. Der Apostel Paulus hat erklärt: «Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt. Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheis sung.» (Galater 3:26-27, 29). Der Bund Gottes mit Abraham umfasst die drei folgen den wesentlichen Merk male: 1. Die Rechte des Priestertums. Durch die Nachkommen Abrahams sollten die geistlichen Segnungen des Priestertums das sind die Segnungen des ewigen Lebens zu allen Nationen getragen werden. 2. Eine zahllose, ewige Nachkommenschaft, so unzählbar und unendlich wie die Sterne des Himmels. 3. Ein Erbteil auf der Erde, im Falle Abrahams ganz Kanaan. Abraham hatte zwei Söhne: Ismael und Isaak. Die Verheissungen Gottes erstrecken sich auf die Nachkommen beider Söhne. Isaak aber, von dem das Volk Israel stammt, hat das Erstgeburtsrecht inne, weshalb ihm eine be sondere Führungsaufgabe und Verantwortung in der Familie Abra hams zufällt. Was den Besitz des Landes Palästina anbelangt, ermahnte der Herr die Israeli ten durch den Propheten Ezechiel: «Ihr sollt es als Erbbesitz unter euch und unter die Fremden verlosen, die bei euch leben und die bei euch Söhne und Töchter gezeugt haben. Sie sollen für euch wie einheimische Israeliten sein und sollen sich mit euch zusammen ihren Erbbesitz mitten unter den Stämmen Israels erlosen.» (Ezechiel 47:22).

4 4 Die Evangeliumszeiten: Mose Vor seinem Tod gab Jakob jedem seiner Söhne einen väterlichen Segen. «Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat. Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.>> (Johannes 3:14-15) Die Evangeliumszeit Moses Der Herr erneuerte den Bund, den er mit Abraham geschlossen hatte, sowohl mit dessen Sohn Isaak als auch mit Isaaks Sohn Jakob. Jakob, auch Israel genannt, hatte zwölf Söhne, aus denen die zwölf Stämme Israels her vor gingen. Einer der Söhne, Josef, wurde von seinen Brüdern nach Ägypten ver kauft. Dort erlangte er nach viel Drangsal und mit der Hilfe des Herrn die Gunst des Pharao, der ihn zum Verwalter über ganz Ägyp ten be stellte. Als eine grosse Hungersnot Ägypten und die Völker ringsum heimsuchte, holte Josef seine Brüder, die ihm einst feindselig gesinnt waren und seinen Vater nach Ägypten, denn dort war aufgrund der Vor sehung Got tes genug Nahrung vorhanden. Josef sagte: «Gott aber hat mich vor euch hergeschickt, um von euch im Land einen Rest zu erhalten und viele von euch eine grosse Rettungstat erleben zu lassen.» (Genesis 45:7). Der Pharao gab der Familie Jakobs das Land Goschen als neue Wohnstätte. Das Erstgeburtsrecht und damit die Führung im Haus Israel ging von Josef auf dessen Sohn Efraim über. Nach vierhundert Jahren waren die Israeliten in Ägypten zunehmend in Knechtschaft geraten. Der Herr berief daher Mose, das Volk aus Ägypten zurück ins Land Kanaan zu führen, das Abraham einst als Erbteil verheissen worden war. Mose erfüllte den Auftrag des Herrn. In der Wüste Sinai wollte der Herr den Israeliten das Gesetz des Evangeliums geben. Wegen ihrer Schlechtigkeit aber gab er ihnen ein niedrigeres Gesetz, das soge nannte «mosaische Gesetz», ein Gesetz der äusserlichen Verrich tungen und Verordnungen. Aber auch dieses Gesetz sollte den Sinn der Menschen auf das Opfer Jesu Christi hinweisen, der in der Mitte der Zeit kommen würde: «Siehe, meine Seele erfreut sich daran, meinem Volk die Wahrheit des Kommens Christi zu bestätigen; denn zu diesem Zweck ist das Gesetz des Mose gegeben worden; und alles, was den Menschen von Anfang der Welt an von Gott gegeben worden ist, weist sinnbildlich auf ihn hin.» (Das Buch Mormon, 2. Nephi 11:4). Als Strafe für ihren Ungehorsam führte der Herr die Israeliten 40 Jahre lang durch die Wüste. Er gebot Mose, ihm eine heilige Stätte zu errichten, wo er sich dem Propheten und dem Volk offenbaren konnte. Das soge nannte «Offenbarungszelt» war ein mobiler Tempel, der das Volk Israel während der ganzen Wanderschaft durch die Wüste begleitete. Moses Nachfolger Josua wurde es vom Herrn ge stattet, das ver heissene Land in Besitz zu nehmen. Später war es König Salomon ein Sohn König Davids der vom Herrn den Auftrag erhielt, ihm einen Tempel zu erbauen. Er sollte dem Herrn als Wohnstätte dienen und den Pries tern als Heiligtum, wo die ver schiedenen Opfergaben des Gesetzes dargebracht werden konnten. Salomon tat, was der Herr von ihm verlangte und errichtete ihm ein prächtiges Gebäude. Bei der Königsnachfolge Salomos kam es im Volk zu Uneinigkeit, die dazu führte, dass sich Israel in ein Nord- und in ein Südreich spaltete. Das Nordreich, bestehend aus zehn der zwölf Stämme, verfiel bald in Götzendienst und wurde vom Herrn verworfen. Es geriet in Gefangenschaft und seine Einwohner wurden in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Das Südreich, aufgrund der Dominanz des Stammes Juda bald Judäa ge nannt, geriet etwa 600 v. Chr. in babylonische Gefangenschaft, wurde dann aber 70 Jahre später vom Perser könig Kyrus in die alte Heimat entlassen, wo der zerstörte Tempel wieder aufgerichtet wurde. Auf Geheiss Gottes bauten die Israeliten in der Wüste einen mobilen Tempel, das sogenannte Offenbarungszelt, worin die Priester die verschiedenen Opfergaben darbrachten.

5 5 Die Evangeliumszeiten: Jesus Christus Die Evangeliumszeit Jesu Christi Durch die Übertretung Adams waren sowohl der geistige Tod als auch der körperliche Tod in die Welt gekom men. Aus eigener Kraft ist es dem Menschen nicht möglich, diese beiden Tode zu überwinden. Das Sühnopfer Jesu Christi bezweckt daher zweierlei: «... Und das ist der Zweck dieses letzten Opfers, nämlich jenes herzliche Erbarmen zustande zu bringen, das die Gerechtigkeit überwältigt und das dem Menschen die Mittel bietet, wodurch er Glauben zur Umkehr haben kann. Und so kann die Barmherzigkeit die Forderungen der Gerechtigkeit befriedigen und umfängt ihn mit den Armen der Sicherheit...» (Alma 34:15-16) 1. Drei Tage, nachdem Christus am Kreuz sein Leben freiwillig hingegeben hatte, nahm er sein Leben wieder auf. Er war auferstanden. Die Macht des Todes war gebrochen. Dies bedeutet, dass sich Geist und Körper eines jeden Lebewesens, das je über die Erde ging, geht und noch gehen wird, im Zeitpunkt der Aufer stehung in verherrlichtem Zu stand vereinigen werden, um nie mehr getrennt zu werden. 2. Durch sein Leiden in Getsemani nahm Christus alle Sünden, alles Leid und allen Schmerz der ganzen Schöpfung auf sich. Dies bedeutet, dass an die Stelle einer unerbitterlichen Gerechtig keit die Barmherzig keit trat; dass Christus die Strafe für das Übertreten der Gesetze Gottes stell vertretend für jedes Ge schöpf beglichen hat. Für den Menschen wird diese stellvertretende Sühne allerdings nur wirksam, wenn er sich voll Demut den Bedingungen Christi unterwirft. Die ersten Grundsätze und Verordnungen seines Evangeliums lauten: ers tens der Glaube an den Herrn Jesus Christus; zweitens die Umkehr, drittens die Taufe durch Unter tauchen zur Sündenvergebung; viertens das Händeauflegen zur Gabe des Heiligen Geistes. Danach wird vom Menschen verlangt, dass er sein Leben lang den Gesetzen Christi treu bleibt. Der Heilige Geist, der jedem Menschen nach der Taufe gespendet wird, ist ihm auf diesem Weg ein War ner und Tröster, ein Freund und Begleiter. Das «Wunder der Vergebung» ermöglicht es dem Men schen, den Prozess der Umkehr immer wieder auf sich an zu wenden. Es werden dabei die folgen den Schritte durchlaufen: 1. Die Einsicht, dass man gesündigt hat. 2. Die Abkehr von der Sünde. 3. Die Erleichterung durch das Bekennen der Sünde. 4. Das Wiedergutmachen des begangenen Unrechts. Jesus Christus hat den Menschen durch sein vorbildliches, sündenloses Leben gezeigt, wie sie leben müssen, damit sie vor bereitet sind, dereinst über ihr Leben Rechenschaft abzulegen und in die Gegenwart Gottes ein zugehen. «Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.» (Johannes 13:1). Und: «Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Ur he ber des ewigen Heils geworden.» (Hebräer 5:8-9). In Jesus Christus wurde das Gesetz des Mose erfüllt: das Opfer wurde nicht mehr nur sinnbildlich dargebracht, es ge langte tatsächlich zur Ausführung; der bittere Kelch, den der Vater ihm zu trinken gegeben hatte, hat Christus bis zur Neige geleert. Jesus Christus wirkte an die drei Jahre unter dem jüdischen Volk. Er führte die Kirche, die er gegründet hatte, auch nach seiner Himmelfahrt weiter. Er tat dies durch Offenbarung an seine Apostel, denen er zu diesem Zweck Voll m acht übertragen hatte.

6 6 Die Evangeliumszeiten: Joseph Smith Aufführung im Jubiläumsjahr 1930 (100 Jahre seit der Gründung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 1830), mit Szenen bedeutender Ereignisse der verschiedenen Evangeliumszeiten. «Nach der Ordnung des Himmels schickt Gott immer dann eine neue Evangeliumszeit in die Welt, wenn die Menschen von der Wahrheit abgefallen sind und das Priestertum verloren haben.» (Joseph Smith, ) Die Evangeliumszeit Joseph Smiths Während Jesus Christus «nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel» (Matthäus 15:24) gesandt war, gab er seinen Jüngern den Auftrag, das Evangelium vom Reich Gottes «allen Völkern» (Matthäus 28:19) zu predigen. In der Folge bereisten die Apostel alle umliegenden heidnischen Völker, um ihnen die Evangeliumsbotschaft zu bringen. Dies führte dazu, dass immer neue heidnische Überlieferungen die klare, einfache Lehre Christi ent stellten. Die Briefe des Apostels Paulus sind voll von Ermah nun gen an solche Gemeinden. Die junge Kirche Christi litt unter heftiger Verfolgung, und die Apostel, die die Kirche führten, wurden einer nach dem anderen getötet oder verbannt. Weil nun die Führung fehlte, begannen einige Ge mein den, die christliche Lehre nach eigenem Gutdünken auszulegen: Die ur sprüngliche Kirche Jesu Christi war auf der Erde nicht mehr vor handen man benannte sie auch nicht mehr nach ihm. Wohl versuchten einige mutige Persönlichkeiten wie Calvin, Luther oder Zwingli in der Zeit der Refor ma tion, das Joch der kirch lichen Unterdrückung wegzubrechen. Aber die Kraft und Vollmacht des ur sprüng lichen Evangeliums konnten auch sie nicht zurückbringen. Im Jahr 1820 setzte sich im fernen Amerika der 14-jährige Bauernjunge Joseph Smith mit den verschiedenen, sich widerstreitenden Religionsgruppen auseinander. Wohl besuchte er ihre Gottes diens te, aber ihre unter schiedlichen Auslegungen ein und derselben Bibelstelle vermochten ihn nicht zu überzeugen. Er begann, selbst ernsthaft die Bibel zu studieren, und stiess dabei auf eine Schrift stelle, die ihn tief aufrüttelte: «Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf.» (Jakobus 1:5). Angetrieben vom tiefen Verlangen, herauszufinden, wo das wirkliche Evangelium Jesu Christi zu finden war, beschloss er, mit dem Wort Gottes einen Versuch zu machen: Er würde Gott selbst um Antwort auf seine Fragen bitten. In den ersten Frühlingstagen des Jahres 1820 begab er sich am Morgen eines strahlend schönen Tages in einen nahegelegenen Wald, um dort in der Ruhe der Abgeschiedenheit zu beten. Er erzählt: «Nachdem ich mich an den Ort zurückgezogen hatte, den ich vorher dazu ausersehen hatte, blickte ich um mich und sah, dass ich allein war. Ich kniete nieder und fi ng an, Gott meinen Herzenswunsch vorzutragen. Kaum hatte ich das getan, da wurde ich auch schon von einer Gewalt gepackt, die mich gänzlich überwältigte und eine so erstaunliche Macht über mich hatte, dass sie mir die Zunge lähmte und ich nicht sprechen konnte. Dichte Finsternis zog sich um mich zusammen, und ich hatte eine Zeitlang das Gefühl, als sei ich plötzlicher Ver nichtung an heim gegeben... Und gerade in dem Augenblick, wo ich verzweifeln und mich der Vernichtung preis geben wollte... sah ich gerade über meinem Haupt eine Säule aus Licht, heller als die Sonne, allmäh lich herabkommen, bis es auf mich fi el. Kaum war es erschienen, da fühlte ich mich auch schon von dem Feind be freit, der mich gebunden gehalten hatte. Als das Licht auf mir ruhte, sah ich zwei Gestalten von unbe schreib licher Helle und Herrlichkeit über mir in der Luft stehen. Eine von ihnen redete mich an, nannte mich beim Na men und sagte, dabei auf die andere deutend: Dies ist mein geliebter Sohn. Ihn höre!» Wieder hatten sich die Himmel geöffnet und Gott zu den Menschen gesprochen. Durch Joseph Smith sollten die Verordnungen (Sakramente) aller früheren Evangeliumszeiten in ihrer Gesamtheit wiederher gestellt werden.

7 7 Der Sammlungsgedanke Der Tempel in Kirtland, der erste von der Kirche erbaute, wurde am 27. März 1836 eingeweiht. Am 3. April 1836 erschienen dem Propheten Joseph Smith und Oliver Cowdery Jesus Christus, der den Tempel annahm. Weitere himmlische Boten überbrachten Schlüsselgewalten des Priestertums. So Mose, der die Schlüsselgewalt zur Sammlung Israels aus den vier Teilen der Erde auf Joseph Smith und Oliver Cowdery übertrug. «Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker.» (siehe Jesaja 2:2-3). Der Bundesstaat Utah ist nach den dort lebenden Ute-Indianern benannt worden. Die Bezeichnung «Ute» bedeutet etwa soviel wie «hoch oben auf dem Berg». Mit dem Tempelbau inmitten der Felsen gebirge und der Segnungen, die von jedem Tempel der Kirche in die Welt hinaus strahlen, erfüllt sich die Prophezeiung des Jesaja täglich von neuem. gamma / dukas Daniel erklärt König Nebukadnezzar den Traum vom Stein, der sich ohne Zutun von Menschenhand von einem Berg löste, gegen ein Standbild donnerte und am Ende die ganze Erde erfüllte. Orson Hyde weihte das Heilige Land am 24. Oktober 1841 für die Rückkehr der Zerstreuten Judas. «An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; sein Wohnsitz ist prächtig. An jenem Tag wird der Herr seine Hand von neuem erheben, um den übriggebliebenen Rest seines Volkes zurückzugewinnen... Er stellt für die Völker ein Zeichen auf, um die Versprengten Israels wieder zu sammeln, um die Zerstreuten Judas zusammenzuführen von den vier Enden der Erde.» (Jesaja 11:10-12) 1830: Gründung der Kirche Jesu Christi in Fayette, Bundesstaat New York Am 6. April 1830 wurde die Kirche Jesu Christi im Bundesstaat New York formell gegründet. Zur Unter scheidung von der christlichen Urkirche wurde später der Zusatz «der Heiligen der Letzten Tage» ange bracht. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass sich die Mitglieder als Nachfolger Christi verstehen in der Zeitepoche, die seinem Zweiten Kommen unmittelbar vorausgeht. In einem Traum, den König Nebukadnezzar hatte und der von Daniel gedeutet worden war, sah der König, wie in unserer Zeit «ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste» (Daniel 2:34). Der Stein zer schlug ein Standbild, wurde zu einem grossen Berg und erfüllte die ganze Erde. Daniel deutete: «Zur Zeit jener Könige wird aber der Gott des Himmels ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht; dieses Reich wird er keinem anderen Volk überlassen.» (Daniel 2:44). Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage betrach tet sich als dieses Reich. Joseph Smith war we der getauft noch ge hörte er irgendeiner Glaubensgemeinschaft an, als ihm im Jahr 1820 Gott Vater und sein Sohn Jesus Christus erschienen und ihm geboten, sich keiner der bestehenden Kirchen anzuschliessen. Vielmehr sollte die ur sprüng liche Kirche Jesu Christi durch ihn wieder hergestellt werden. Der Stein hatte sich «ohne Zu tun von Menschenhand» gelöst. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage trägt die Botschaft vom Reich Gottes in die Welt, indem sie Mis sionare aussendet und ihre Mitglieder anhält, durch ihre Lebensweise der Welt «ein Licht» (Matthäus 5:14) zu sein. Durch die Zerstreuung des Volkes Israel in alter Zeit haben sich die Nachkom men Abrahams mit allen Völ kern der Erde vermischt. Allen Menschen sind daher die be sonderen Segnungen des Bun des, den Gott mit Abraham schloss, zugänglich. Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind ein Bundes volk, und sie betrachten sich als Teil des Hauses Israel. Ausgerüstet mit dem Erstgeburtsrecht Efraims und den entspre chen den Voll machten des Priestertums (siehe Tafel 28) unter nimmt die Kirche grosse An strengun gen, die «Versprengten Israels wieder zu sammeln», indem sie den Völkern der Erde zuruft: «Kehrt um zu ihm, Israels Söhne, von dem ihr euch soweit entfernt habt.» (Jesaja 31:6). 1841: Orson Hyde weiht das Heilige Land für die Rückkehr der Juden Während die Bekehrten in Zion und seinen Pfählen (siehe Tafel 19) gesammelt werden sollen, sollte das jüdische Volk nach langer Zeit der Zerstreuung ins Heilige Land zurückgeführt werden. In Vorbereitung darauf sandte der Prophet Joseph Smith den Apostel Orson Hyde, nach Palästina. Am 24. Oktober 1841 stieg dieser auf den Öl berg und weihte das Heilige Land für die Rückkehr der Übriggebliebenen und Zerstreuten Judas. Orson Hyde selbst war jüdischer Abstammung. Seit diesem Tag machten sich von Gott ge lenkte Kräfte daran, die Sammlung der Juden im Heiligen Land herbeizuführen. Diese wurde mit der Ausrufung des Staa tes Israel am 14. Mai 1948 durch David Ben Gurion für alle Welt sichtbare Wirklichkeit.

8 8 Die ersten Missionare auf dem europäischen Festland Lorenzo Snow eröffnete die Mission in Italien. John Taylor eröffnete die Missionen in Frankreich und Deutschland. «Mir erschienen [die Waldenser] wie eine Rose in der Wildnis oder wie ein Regenbogen. Ihre Herkunft lässt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen, doch es gab diese Ab- 1841: Kritische Stimmen in der Schweiz Auf dem Weg nach Jerusalem durchreiste Orson Hyde die Niederlande und Deutschland, wo er Ab schriften einer Ansprache, die sich an die Juden richtete, verteilte. Erste Nachrichten von der Tätigkeit Apostel Hydes, aber auch der an haltenden Missionserfolge in Grossbritannien, erreichten zu dieser Zeit die Schweiz. Anlässlich der berni schen Generalsynode 1841 warnte Pfarrer Abraham Samuel Rüfenacht von Wattenwil im Gürbetal: «Es sei Besorgnis vorhanden, dass sich diese Mormonitensecte, wahrscheinlich mit amerikanischen Länderei kaufsspeculationen verbunden, auch im Canton Bern zu verbreiten suchen werde, und dass sich Agenten der selben deren einer, ein ursprünglich bernischer Angehöriger ihm [Rüfenacht] persön lich bezeichnet worden sei, in der hiesigen Gegend herumtreiben dürften. Es sei nothwendig, dass die Geistlichkeit auf diese in gefährlich schlauer Form auftretende Seelenverkäuferei ein wachsames Auge habe.» Pfarrer Karl Rudolf Anneler von Oberdiessbach hingegen fand, «sie nicht so gefährlich, indem das Volk den plumpen Betrug doch leicht zu durchschauen im Stande sei.» Nachdem sich die Dichterin Eliza R. Snow der Kirche angeschlossen hatte, lud sie ihren Bruder Lorenzo zu sich nach Kirtland, Ohio, ein, wo er sich 1836 der Kirche anschloss. Erastus Snow eröffnete die Mission in Skandinavien. Blick vom «Fels der Prophezeiung» auf dem «Berg Brigham» auf Torre Pellice im Piemont. weichler von Rom schon Jahrhunderte vor Luther. Ihr Lebensraum wurde durch die heftige Verfolgung, der sie ausgesetzt waren, sehr eingeschränkt. Eine Flut des Lichts schien sich in meinen Sinn zu ergiessen, als ich über diese Angelegenheit nachsann... Ich war bald davon überzeugt, dass dieses Volk würdig sei, dass ihm die erste Verkündigung des Evangeliums in Italien zuteil wer- 1850: Lorenzo Snow im Piemont Anlässlich der Generalkonferenz der Kirche in Salt Lake City im Oktober 1849 berief die Erste Präsi dentschaft etliche Älteste auf Missionen in die Länder Europas. Seit 1837 hatte die Kirche mit be trächt lich em Erfolg in Grossbritannien gewirkt, und die ser Erfolg sollte jetzt auf die übrigen Länder Euro pas aus gedehnt wer den. Die verschiedenen Missionen wur den durch Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel ge leitet: John Taylor wurde nach Frankreich und Deutsch land gesandt, Lorenzo Snow nach Italien und Erastus Snow nach Skandinavien. Am 23. Juni 1850 kam Lorenzo Snow in Begleitung von Joseph Toronto, einem Ältesten aus Utah mit sizili ani schen Vorfahren, und dem gebürtigen Schotten Thomas Brown Holmes Stenhouse, einem Missionar aus Gross britannien, in Genua an. Die Arbeit unter der streng katholischen Bevölkerung Italiens erwies sich als we nig fruchtbar, sodass die Ältesten Toronto und Stenhouse, in der Hoffnung auf mehr Erfolg, zu den protestantischen Waldensern in die Täler des Piemont aufbrachen. Am Fusse der Alpen, im Städtchen La Tour, dem heutigen Torre Pellice in der Provinz Torino, liessen sie sich nieder. Lorenzo Snow reiste ihnen alsbald nach. Als Jesus Christus die zwölf und später die zweiundsiebzig Jünger aussandte, tat er dies mit dem ausdrück lichen Auftrag, «das Reich Gottes zu verkünden und zu heilen», und er rüstete sie mit der Kraft und Voll macht aus, «Dämonen auszutreiben und die Kranken gesund zu machen.» (siehe Lukas 9:1-6 und 10:1-12). Diesem Beispiel folgend, trachteten besonders die frühen Mis sionare der Kirche nach Gelegenheiten, Kranke zu heil en. Damit sollte die Bevölkerung davon überzeugt werden, dass sie tatsächlich im Auftrag Gottes unterwegs waren. So auch Lorenzo Snow und seine Mitarbeiter: Nach intensivem Fasten und Beten in der Abgeschiedenheit der Berge wurde der todkranke dreijährige Joseph Grey mit Hilfe eines Priestertumssegens geheilt, zur unfass baren Freude der Familienangehörigen. Dieses Ereignis sorgte für grosses Aufsehen in der Ortschaft, und einige Familien schlossen sich daraufhin der Kirche an. den solle.» (Lorenzo Snow, )

9 9 Auf dem Berg Brigham Fanny Stenhouse geb. Warn, die sich während eines dreijährigen Jugendaufenthalts in Frankreich gute Französischkenntnisse angeeignet hatte, unterstützte ihren Mann bei der Missionsarbeit in der Romandie massgeblich. «Für der Berge Kraft wir preisen dich, unsrer Väter Gott, du machst deine Kinder mächtig in des stolzen Gebirges Hort. 1850: Auf dem Berg Brigham Die noch bescheidenen missionarischen Erfolge unter den Waldensern ermutigten Lorenzo Snow und seine Ge fährten, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Italien offiziell zu gründen. Am 19. September 1850 fanden sie sich zu diesem Zweck auf dem markanten Berg Castelùs unweit des Städtchens Torre Pellice ein. Jeder der Anwesenden prophezeite und legte Zeugnis ab; der eben falls anwesende Älteste Jabez Wood ard verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, dass sich «das Werk Gottes schliesslich von diesem Land in andere Natio nen der Erde ausbreiten werde». Von den Ereig nissen des Tages überwältigt, regte Lorenzo Snow an, «dass die ser Berg dem Gottesvolk von nun an, hinfort und für immer als BERG BRIGHAM bekannt sein solle [in Anlehnung an den damaligen Präsi denten der Kirche, Brigham Young] und der Fels, auf dem wir stehen, als der FELS DER PROPHE- ZEIUNG. Das Felsentor auf dem «Berg Brigham», durch welches man auf die überhängende Felsplattform gelangt, die von Lorenzo Snow und seinen Mitstreitern als «Fels der Prophezeiung» bezeichnet worden war. Thomas B. H. Stenhouse bei Schuhmacher Jean-Claude Ma zuire in Genf. 24. November 2000: Eine Gruppe von wenigen Mitgliedern aus der ganzen Schweiz gedenkt 150 Jahre nach der Entsendung Elder Stenhouses in die Schweiz dieses historischen Ereignisses auf dem «Fels der Prophezeiung». Du hast Israel geführet, gabst ihm der Freiheit Pfand. Für der Berge Kraft wir preisen dich, Gott, in jedem Land. Herr, du schafftest Ruh und Frieden, wo der Berge Bollwerk steht, als Beschützer der Erwählten, die du brachtest von Ost und West. Für die Felsen und die Wasser, für des Tales fruchtbar Feld, für der Berge Kraft wir preisen dich, Gott und Herr der Welt.» 1850: Aufbruch in die Schweiz und Beginn in Genf Am 24. November 1850 ordinierte Lorenzo Snow seinen Weggefährten Thomas B. H. Stenhouse auf dem Berg Brigham zum Hohenpriester. Elder Stenhouse wurde in die Schweiz geschickt mit dem Auftrag, dort mit der Ver kündigung des Evangeliums Jesu Christi zu beginnen. Früh im Monat Dezember traf Elder Stenhouse in Genf ein. Der französischen Sprache nicht mächtig, verbrachte er den Winter hauptsächlich in seinem Zimmer, eifrig in einer französischen Grammatik studierend. In der Rue Neuve-du-Molard lernte er den Franzosen Jean-Claude Mazuire kennen, den er wegen Schuhrepara tu ren aufgesucht hatte. Während der Schuhmacher arbeitete, unterhielt er sich mit dem Missionar. Die beiden lernten sich im Laufe der Zeit besser kennen. Oft sass Elder Stenhouse neben Jean-Claude Mazuire und las ihm aus dem Neuen Testament in Französisch vor, während sich der gutmütige Schuhmacher darum bemühte, die Aussprache des Missionars zu verbessern. Am 5. März 1851 liess sich Jean-Claude Mazuire in der Rhone als erstes Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in der Schweiz taufen. Im Februar 1851 erhielt Elder Stenhouse Besuch von Lorenzo Snow. Die beiden arbeiteten während ungefähr einem Monat zusammen in Genf und Umgebung. Lorenzo Snow zeigte sich «sehr erfreut über die Aussichten, das Evangelium [dort] zu eta blie ren. Ich fühle mich frei und in einer freien Umge bung und [möchte] Gutes von der Schweiz prophezeien.» Wäh rend seines Aufenthalts in der Schweiz weihte Lorenzo Snow das Land für die Verkündigung des Evangeliums. (Gesangbuch der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Nr. 21, Strophen 1 und 3)

10 10 Erfolge in der Romandie Serge Louis Ballif und seine Frau Elise-Marie geb. Le Coul tre gehörten zu den ersten Bekehrten in Lausanne. Serge L. Ballif war später Präsident der Schweizerisch-Deutschen Mission von 1879 bis 1881; ausserdem präsidierte sein Sohn Serge Frederick Ballif von 1905 bis 1909 sowie von 1920 bis 1923 über die gleiche Mission. «La maison Ballif», wo sich im Sommer 1852 vorübergehend der Hauptsitz der Kirche befand. «Wir wünschen aber von dir zu hören, was du denkst; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, dass sie überall auf Widerspruch stösst... Vom Morgen bis in den Abend hinein erklärte und bezeugte er ihnen das Reich Gottes und versuchte, sie... für Jesus zu gewinnen. Die einen liessen sich durch seine Worte überzeugen, die andern blieben ungläubig.» (Apostelgeschichte 28:22-24) 1851: Widerstand regt sich Kaum zeitigten die Bemühungen der Missionare Stenhouse und Snow erste bescheidene Erfolge, da regte sich auch schon Widerstand gegen die neuartige Sekte. Ein erster öffentlicher Vortrag in Genf im Frühjahr 1851 gegen den sogenannten Mormonismus sorgte für be trächtliche Aufregung in der Stadt. Elder Stenhouse stellte fest, dass «uns in einem Abend grössere Bekanntheit verschafft [wurde], als wir sie mit unseren eigenen Leistungen während mehreren Mona ten hätten erreichen können.» Zwischen dem journalis tisch begabten Missionar und seinen Kritikern in der Westschweiz entbrannte ein eigentlicher «Traktaten-Krieg» : Ausweitung der Mission auf Lausanne Aufgrund der schriftlichen Anfrage eines Spitalverwalters in Lausanne begab sich Elder Stenhouse in den Kanton Waadt. In Lausanne angekommen, setzte er sich mit Jacques Francois Stoudeman in Verbindung und begann, diesem die Lehren der Kirche zu erläutern. Am 7. August 1851 liess sich Jacques Francois Stoude man taufen. Ein knappes Jahr später schloss sich der aus einer angesehenen Waadtländer Familie stammende Serge Louis Ballif der Kirche an. Die gläubige Familie Ballif hatte schon lange unter dem Einfluss eines von Mystik gepräg ten Denkens gestanden und pflegte eine pietistische Lebensform, was im weiteren Kreis der Verwandten und Be kannten eigentlich selbstverständlich war. Der Grossvater, Jean-François Louis Ballif, war Pfarrer an der Kathedrale in Lau sanne sowie Professor für Griechisch und Moral an der dortigen Akademie gewesen, und auch der Urgross vater, Gabriel Jacob Ballif, hatte Theologie studiert. Zusammen mit Pfarrer Jean-Phillipe Dutoit-Membrini hatte Professor Ballif die mystische Versammlung «Ames Intérieurs» gegründet, die sich in der kleinen Betkapelle gegenüber der Akademie in Lausanne zusammenfand. «La maison Ballif» war 1781 in den Besitz Professors Ballif übergegangen. Im Sommer 1852 wurde «la maison Ballif» vorübergehend Hauptsitz der Kirche in der Schweiz. Serge L. Ballif diente der Kirche von 1879 bis 1881 als Missionspräsident in der Schweiz. Seine älteste Tochter, Louise Alexandrine Ballif, war die Grossmutter von Ezra Taft Benson, dem Apos tel der Kirche und Landwirtschaftsminister der Vereinigten Staaten von Amerika im Kabinett Eisen hower ( ). Von 1985 bis 1994 diente Ezra Taft Benson als der 13. Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. 1853: Die Zeitschrift «Le Réflecteuer» Unter tatkräftiger finanzieller Mithilfe von Serge L. Ballif erschien im Januar 1853 die erste in der Schweiz publizierte, monatlich herausgegebene Kirchenzeitschrift Le Réflecteur in Lausanne. Die Heraus gabe dieser Zeit schrift verfehlte selbst in der Deutschschweiz ihre Wirkung nicht: Das «Wo chen blatt der Bezirke Meilen und Hin wil» im Kanton Zürich schrieb: «Die Mormonen, die Hei li gen der Letzten Tage, wie sie sich nen nen, die jetzt ihre Hauptniederlassung, ihr irdisches Canaan, am grossen Salzsee im fernen unbewohnten Wes ten der Vereinigten Staaten haben, - diese höchst sonderbare Religionssekte soll auch in der Schweiz Prosely ten machen. Der Hauptsitz der Werbung soll Lausanne sein, wo sie ein eigenes Organ, Le Réflecteur, gegrün det haben. Auch in Genf soll eine Mormonengemeinde sich bilden. Der Unsinn ist ansteckend.» (12. Februar 1853).

11 11 Ausdehnung der Mission auf die Deutschschweiz Die Familie des Schneiders François Frédéric oder Frederick Roulet wanderte 1852 nach Utah aus und war damit die erste schweizerische Familie, die diesen Schritt wagte. Zusammen mit Missionspräsident Stenhouse und Serge L. Ballif unternahm Frederick Roulet erste Versuchte zur Verkündigung des Evangeliums in der Deutschschweiz. «Am 22. Januar 1853 kam ich... nach Hamburg, fand dort aber kaum Freiheit vor und betete zum Herrn, er möge mir ein Betätigungsfeld in der 1853: Das Buch Mormon in Basel bereits bekannt Anfang 1853 begab sich Missionspräsident Stenhouse in Begleitung von Serge L. Ballif und Frederick Roulet nach Basel im Bestreben, die Missionstätigkeit auf die deutschsprachige Schweiz auszu deh nen. In Basel angekom men, waren sie nicht wenig überrascht, das Buch Mormon im Schaufenster eines Buchhändlers vorzufinden. Auf Anfrage erklärte der Buchhändler, er habe in einer Berliner Zei tung von den Mormonen gelesen und daraufhin das Buch bestellt (siehe Tafel 12). Das Buch Mormon wurde 1851 in Hamburg von Apostel John Taylor und dem Missionar George P. Dykes in die deut sche Sprache übersetzt wurde es in Deutschland veröffentlicht. Im gleichen Jahr erfolgte die Veröffentlichung der französischen Übersetzung des Buches Mormon, an dessen Übertragung der Missionar Curtis E. Bolton massgeblich mitgearbeitet hatte. Am 26. März 1853 reiste Elder George Mayer als erster Deutsch sprechender Missionar in die Schweiz. Der Bauernhof der Familie Briner oder Bryner in Wiedikon bei Zürich, kurz vor dem Abbruch in den 60-er Jahren. Die Familien Briner und Mathys gehörten zu den ersten, die sich in Zürich der Kirche anschlossen. Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich Die erste Ausgabe des deutsch-französischen Buches Mormon 1852 war so angelegt, dass sich der deutsche und der französische Text gegenüberstanden. Schweiz eröffnen. Bruder Carn erhielt ein Schreiben, in dem Präsident Stenhouse ihn bat, ihm ein, zwei Missionare zu schicken. Über diese Neuigkeit war ich hocherfreut, und am 26. März selbigen Jahres verliess ich auf Anraten von Präsident Carn und mit seinem Segen und seiner Hilfe Hamburg in Richtung Basel, versehen mit einigen Büchern in deutscher Sprache.» (George Mayer, ) : George Mayer in Basel Aufgrund der positiven Erfahrungen in Basel hielt Missionspräsident Stenhouse die Zeit für gekom men, mit der Verkündigung des Evangeliums in der Deutschschweiz zu beginnen. Er bat den Präsi den ten der Deut schen Mission, Daniel Carn, ihm einen oder zwei Deutsch sprechende Missionare zu schicken. Diesem Gesuch wurde entsprochen, und schon am 26. März 1853 reiste Elder George Mayer nach Basel ab. Sogleich nahm er die Arbeit auf. Elder Mayer hatte in Basel einige Erfolge. Von den Behörden wurde ihm jedoch eine Aufenthaltsbewilli gung versagt, wes halb er nach Birsfelden im Kanton Baselland umzog. Von dort aus setzte er seine Tätigkeit mit noch grösserem Erfolg fort. 1854: In Zürich Anfang Dezember 1853 wurde Elder Mayer als neues Arbeitsgebiet der Kanton Zürich zugewiesen. Gleich in der ersten Woche suchte er die Familie des ehemaligen Gemeindeschreibers Johann Jakob Hug in Weiningen auf, dessen 21-jäh ri gen Sohn Johannes er im September in Basel getauft hatte. Weitere Mitglieder der Familie Hug zeigten Interes se an den Lehren der Kirche und schlossen sich ihr an. In Wiedikon knüpfte Elder Mayer im Januar 1854 Kontakt zur Familie Hans Ulrich Bryner, deren Sohn Ulrich im Alter von 26 Jahren bei einem Arbeitsunfall das Augenlicht verloren hatte. Bevor der Kontakt zum Mormonen mis sio nar zustande gekommen war, hatte der blinde Ulrich von einem Mann «von hoher Gestalt und grauem Barte» ge träumt, der ihn «um die halbe Erde führte auf eine grüne Hochebene mit einer wunderschönen Stadt». Nach Bekannt werden der Ankunft Mayers in Zürich auf dem Lindenhof drängte Ulrich seine Mutter, diesen aufzu su chen und auf den Bauernhof in Wiedikon einzuladen. Fast die ganze Familie Bryner und etliche Personen aus der Nach barschaft, darunter die Familie Mathys, schlossen sich der Kirche an. Elder Mayer hatte weitere Erfolge, und schon nach wenigen Monaten nahmen jeweils bis zu sechzig Mitglieder am Abend mahlsgottesdienst in der Werdmühle-Badeanstalt teil, die am Wohnort von Heinrich Bär in der Werdmühlegasse gelegen war.

12 12 Das Buch Mormon ein weiterer Zeuge für Jesus Christus Überfahrt der Familien Lehis und Ischmaels ins «Verheissene Land», um das Jahr 600 v. Chr. Wie sich später herausstellte, war das «Verheissene Land» der amerikanische Kontinent. Man vermutet, dass sich die Kolonie hauptsächlich in Mittelamerika ausbreitete. Nach seiner Himmelfahrt zu Jerusalem erschien der auferstandene Jesus Christus seinen «anderen Schafen», den Bewohnern des amerikanischen Kontinents. Am 22. September 1827 erhielt Joseph Smith nach vierjähriger Vorbereitungszeit die goldenen Platten und konnte mit der Übersetzung des Buches Mormon in die englische Sprache beginnen. Diese ging zuerst nur schleppend voran, weil allerlei Versuche unternommen wurden, ihm die Platten wegzu nehmen. Am 5. April 1829 lernte Joseph Smith den Lehrer Oliver Cowdery kennen. Zwei Tage später setzte Joseph Smith die Übersetzung des Buches Mormon fort und Oliver Cowdery fi ng an, für ihn zu schreiben. Joseph Smith erklärte später, er habe die Platten mit der «Macht und Gabe Gottes» übersetzt. Grabstein von David Whitmer in Richmond, Missouri. David Whitmer war einer der drei Zeugen für das Buch Mormon. Ihm, Oliver Cowdery und Martin Harris zeigte der Engel Moroni die goldenen Platten. Es war ihnen geboten worden, vor der Welt Zeugnis für die Wahrheit des Buches Mormon abzulegen. Obwohl sich alle drei zeitweise von der Kirche abwandten, widerriefen sie ihr Zeugnis nie. David Whitmer liess es sogar in seinen Grabstein meisseln. «Während ich so im Begriffe war, Gott anzurufen, bemerkte ich, wie in meinem Zimmer ein Licht erschien, das immer stärker wurde, bis der Raum schliesslich heller war als am Mittag. Gleich darauf wurde an meinem Bett eine Gestalt sichtbar, und der Betreffende stand in der Luft, denn seine Füsse berührten den Boden nicht... Er nannte mich beim Namen und sagte zu mir..., Gott habe eine Arbeit für mich... Es sei ein Buch verwahrt, auf goldenen Platten geschrieben, und darin sei ein Bericht über die früheren Bewohner dieses Erdteils und ihre Herkunft zu fi nden.» (Joseph Smith Lebensgeschichte 1:30, 33-34) Ein weiteres Zeugnis für Jesus Christus Das Buch Ezechiel im Alten Testament spricht davon, dass zu der Zeit, da der Herr Israel von neuem sammeln werde, die Berichte zweier Völker zusammenkommen würden: Die Bibel «das Holz Judas», die durch die Nachkommen Judas geführt und bewahrt werden würde und eine weitere Schrift «das Holz Josefs (das in der Hand Efraims ist)», die durch die Nachkommen Josefs geführt und bewahrt werden würde (vgl. Ezechiel 37:15-18). Diese Schrift Josefs ist das Buch Mormon. Das Buch Mormon ist in erster Linie ein religiöser Bericht eine heilige Schrift, in dessen Mittelpunkt das Wirken Jesu Christi und seine Bedeutung für die ganze Menschheit steht. Das Titelblatt drückt das wie folgt aus: «Die ses Werk soll dem Überrest des Hauses Israel zeigen, was der Herr Grosses für ihre Väter getan hat; und sie sollen die Bündnisse des Herrn erkennen und wissen, dass sie nicht für immer verstossen sind. Auch sollen die Juden und die Andern (Nichtisraeliten) davon überzeugt wer den, dass Jesus der Christus ist, der ewige Gott, der sich allen Nationen kundtut.» Ferner ist das Buch Mormon ein historischer Bericht: Es schildert den Auszug zweier Familien aus Jerusalem auf göttliches Geheiss um 600 v. Chr., kurz vor der Einnahme des jüdischen Reichs durch die Babylonier. Beide Familien entstammen der Linie Josefs. Ihre Wanderschaft führt sie ans Meer, vermutlich an die Küste der ara bi schen Halbinsel. Wieder auf göttliches Geheiss bauen sie ein Schiff, mit dem sie in ein «verheissenes Land» gelangen. Es handelt sich dabei, wie wir heute wissen, um den amerikanischen Kontinent. Den beiden Familien entspringt ein grosses Volk, das sich jedoch bald in zwei sich rivalisierende Gruppen teilt. Höhepunkt des Buches Mormon ist zweifellos der Besuch des auferstandenen Herrn Jesus Christus bei die sem Volk, kurz nach seiner Himmelfahrt zu Jerusalem. Jesus Christus sagte zu seinen Jüngern in der Alten Welt: «Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und dann wer den sie auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.» (Johannes 10:15). Mit den «anderen Schafen» meinte er die israelitischen Abkömmlinge auf dem amerikanischen Kontinent, von denen das Buch Mormon berichtet; ebenso eine weitere verstreute Gruppe des Hauses Israel. Nach einer 200-jährigen Friedensepoche kommt es zu einem grossen Abfall vom Glauben, dessen Folge ein schrecklicher Krieg ist; ein Grossteil des Volkes wird getötet. Der zu dieser Zeit lebende Prophet Mormon fasst die ihm vorliegenden Schriften aller Propheten und Berichtführer der vergangenen rund Jahre zusammen. Er wählt das aus, von dem er weiss, dass es für spätere Generationen von Wert sein wird. Aufgrund seiner Autorenschaft gibt er der Zu sammenfassung den Namen «Das Buch Mormon». Sein Sohn Moroni verbirgt den auf goldene Plat ten gravierten Bericht schliesslich in einem Hügel im Norden des heutigen Bundesstaates New York. Im Jahr 1823 erschien der gleiche Moroni als nunmehr auferstandenes Wesen dem jungen Joseph Smith. Er gab ihm den göttlichen Auftrag, die Platten in die englische Sprache zu übersetzen. Nach einer Vorbereitungszeit von vier Jahren er hielt Joseph Smith 1827 die Erlaubnis, die Platten zu holen und mit der Über setzung zu beginnen. Später erklärte er, er habe die Platten «mit der Macht und Gabe Gottes» übersetzt wurde die erste englische Ausgabe veröffentlicht.

13 Die Mormonen, die sich nach 1833 in Missouri niederliessen, erlitten mancherlei Verfolgung durch ihre Nachbarn. Diese befürchteten, die Mormonen könnten zu stark werden und zuviel Einfluss in der Gesellschaft gewinnen, weshalb sie zu tyrannischen Methoden griffen, um die Fremdlinge loszuwerden. Es kam zu viel Blutvergiessen. Ab 1838 liessen sich die Mormonen in der von ihnen gegründeten Stadt Nauvoo im Bundesstaat Illinois nieder, wo sie eine Zeitlang in Ruhe gelassen wurden. Am 27. Juni 1844 wurden Joseph Smith und sein Bruder Hyrum von einem bewaffneten Pöbel im Gefängnis von Carthage, einige Kilometer südöstlich von Nauvoo, umgebracht. Wiederum setzte eine Verfolgungswelle ein, die die Mormonen im Winter 1845/46 zwang, sich auf den Weg in die Felsengebirge zu machen. Nach beschwerlichen Fussmärschen über Tausende von Kilometern unwegsamen Geländes langten die ersten im Sommer 1847 im Tal des Grossen Salzsees an. 13 Pressekampagnen «Ich hatte tatsächlich ein Licht gesehen, und mitten in dem Licht hatte ich zwei Gestalten gesehen, und sie hatten wirklich zu mir gesprochen. Und wenn man mich auch hasste und verfolgte, weil ich sagte, ich hätte ein Vision gehabt, so war es doch wahr. Und während man mich verfolgte und schmähte und mich auf alle mögliche Weise böse verleumdete, weil ich das sagte, musste ich mich fragen: <Wieso verfolgen sie mich, wo ich doch die Wahrheit sage?>» (Joseph Smith Lebensgeschichte 1:25) 1854: «Die Freien Stimmen» von Zürich Die Bemühungen George Mayers zur Gewinnung neuer Mitglieder blieben in der Öffentlichkeit, nament lich bei der Geistlichkeit, nicht unbemerkt. Angefacht durch die zahlreich kursierenden und teilweise gezielt ge streuten Gerüchte über die Mormonen, nahmen sich verschiedene Zeitungen des Themas an. «Die Freien Stimmen» in Zürich nahmen eine führende Rolle ein. Am 15. März 1854 starteten die «Freien Stimmen» eine Artikel serie, die aus der gleichen seltsamen Mischung an Auf klärung, tatsachenwidrigen Behauptungen und Verwunderung bestand, wie sie seither in journalis tischen Abhandlungen über die Kirche immer wieder anzutreffen war. Freilich in einer Gehässigkeit, die besonders den streitbaren Autoren im 19. Jahr hun dert zueigen war: «Da in neuster Zeit viel von Mormonen auch bei uns geredet wird und sogar zwei dieser Apostel in der Schweiz angelangt sind, um unser Vaterland mit ihren sonderbaren Ansichten und Lehren zu beglü cken und sogar Pro selyten zu machen, so kann es unsern Lesern nur erwünscht sein, diese neuen Heiligen und ihre Tendenzen etwas näher kennen zu lernen.» Über die Familie Smith schrieb das Blatt: «Der Vater war träge und händelsüchtig, ein Säufer und ein Lüg ner; die Söhne waren nicht viel besser. Einer derselben, Joseph, war im Gegentheil noch schlimmer. Zu allen Las tern seines Vaters trat bei ihm die Wollust und die Verstellung.» Über das Buch Mormon: «Mit seinem s. g. Goldenen Buche hat es nicht bessere Bewandtnis. Einst bekam er von einem eben so sauberen Gesellen, als er selbst war, ein gestohlenes Buch über die religiösen Gebräuche einer untergegangenen Race. Einsehend, dass damit etwas zu machen sei, fügte er schnell einige Sätze hinzu, und publizierte es als die goldene Bibel. Dieselbe enthält ein Gemisch von Sprüchen der uralten Bibel und eige nen Geistesfunken, so zusammengestellt, dass der Gläubige gut dabei wegkommt. Es erlaubt z. B. die Poly gamie, unter dem Vorwande, die Erschaffung von Seelen sei der ehrenvollste und rechtlichste Akt, den ein Mann nur begehen könne. Der Koran ist hundert Mal besser als dieses Buch.» Über die Besiedlung und Vertreibung der Mormonen aus dem Bundesstaat Missouri: «Die Ansiedlung wurde bald ein Rendez-vous der notabelsten Diebe und Hurer. Die Nachbarn sahen sich gezwungen, einzuschreiten. Zuerst wurden sie zurückgeschlagen; als sie aber mit der Bevölkerung aller umliegenden Kantone heranrückten, da zogen die Mormonen den Kürzern.» Und über die Ermordung Joseph Smiths und dessen Bruder Hyrum: «Bei hellem Tage griff ein Hauffen Verkleideter ihr Gefängnis an, tödete den Propheten und seinen Bruder. Das Mormonenthum, anstatt durch den Tod seines Gründers der Auflösung entgegenzugehen, gewann vielmehr durch dessen Märtyrerthum: seine Jünger be trach ten ihn nun als einen Heiligen. Smith war ohnedies nicht der Mann, um eine Gemeinde durch alle Ge fah ren zu führen; an seine Stelle trat Brigham Young, der jetzige Leiter, der etwas vorsichtiger zu Werke geht, aber dennoch als Schweinigel bekannt ist.» Fazit: «Diesem Treiben nun der fremden, hergelaufenen Industrieritter haben wir schon seit längerer Zeit still schweigend zugesehen.» Und: «Diesem niederträchtigen und gemeinen Treiben der hergelaufenen, leider nur zu lange hier geduldeten Mormonen können wir nicht länger stillschweigend zusehen.»

14 14 Übergriffe Johann Jakob Hug Johann Rudolph Hug Die Familie des Gemeindepräsidenten von Gündlischwand im Berner Oberland, Johannes Boss, schloss sich Mitte der 1870er-Jahre der Kirche an. Die drei ältesten Söhne konnten mit dem neuen Glauben nichts anfangen, weshalb sich die Familie immer mehr an dieser Frage entzweite wanderte Johannes Boss nach Utah aus, was dem Familien- und Dorfzwist ein Ende setzte. Regula Hug David Hug Angehörige der Familie Hug aus Weiningen im Kanton Zürich. Mehr als einmal drang eine wilde Horde aufgebrachter Dorfbewohner ins Haus der Familie Hug ein, weil man es auf die dort versteckten Mormonen-Missionare abgesehen hatte. Die meisten Familienmitglieder zogen es daher vor, schon bald nach der Taufe im Jahre 1854 nach Utah auszuwandern. «Gegen acht Uhr abends... versammelte sich eine Menschenmenge um das Haus, die uns beschimpfte und verfluchte. Sie brachen die Fensterläden auf und betraten schliesslich den äusseren Eingangsbereich des Hauses, wo sich einige Brüder bereitgemacht hatten, mit ihnen zu sprechen. Die wütende Menge war nicht willens zuzuhören, sondern erzwang sich den Weg ins Zimmer, wobei sie die Brüder zurückstiess. Wir versuchten unterdessen, sie daran zu hindern. Die wilde Horde... gab ein Freudengeheul von sich, als sie mich entdeckte... Einige Männer legten sofort Hand an mich und zerrten mich alsbald zur Tür. Als die Brüder das sahen, unternahmen sie einen weiteren Versuch und befreiten mich schliesslich, sodass eine allgemeine Schlägerei ausbrach, soweit das den sieben oder acht Personen gegen die vierzig oder fünfzig, die zahlenmässig in die Stube passten, eben möglich war. An diesem Punkt des Geschehens erlosch das kleine Licht, das auf dem Tisch stand, und wir befanden uns plötzlich im Dunkeln...». (William Budge, ) Übergriffe auf Mormonen Kampagnen wie solche in den «Freien Stimmen» trugen ihren Teil dazu bei, dass Übergriffe auf Mor monen bis weit ins 20. Jahrhundert an der Tagesordnung waren; sei es, dass regelrechte Treibjagten gegen Missionare unternommen wurden, wie beispielsweise 1876 bei Chur, als die aufgebrachte Be völkerung die Missionare von einem hohen Felsen ins Tal zu stürzen drohte, denen aber wie durch ein Wunder die Flucht gelang. Oder, dass sich eine Volksmenge ver sammelte, um eine Taufe zu stö ren oder gar zu verhindern, wie etwa 1854 in Weiningen im Kanton Zürich, als dies zu einem grös se ren Handgemenge zwischen Dorfbewohnern und den Söhnen der Mormonen-Familie Hug führte. Öfter ging Mobiliar zu Bruch und regelmässig wurden Fensterscheiben eingeschlagen. Es wird berichtet, in Wiedikon bei Zürich sei selbst die Kanzel der Mormonen in den Feuerweiher geworfen wor den. Es kam vor, dass einzelne Familienangehörige, die sich der Kirche anschlossen, im Elternhaus regel recht verprügelt wurden, sodass sie bleibende körperliche Schäden davon trugen. Andere wur den mit Schimpf und Schande davongejagt, aus der Familie ausgeschlossen, enterbt. Noch weit häufiger als tätliche Übergriffe waren angedrohte Strafaktionen, mit denen man «verirrte» Dorf- oder Familienangehörige zur Räson bringen wollte. Solche Drohgesten führten in fast allen Fällen dazu, dass sich die Betroffenen entweder zur schnellen Auswanderung in den Mormonenstaat Utah entschlossen, oder aber den neuen Weg bald wieder verliessen. Der nachfolgende Auszug aus der Familiengeschichte Boss aus Gündlischwand im Berner Oberland fasst solches gut zusammen (von Peter Boss, erschienen im Oberländischen Volksblatt vom ). Es ereignete sich dies alles um das Jahr 1886: «Dann plötzlich erschüttern eine ganze Reihe von Beben das Familien- und Dorfleben. Das Klirren eines Stein wurfs durchs Wohnstubenfenster während der samstäglichen Abendversammlung ist das Fanal für weitere und grössere Ereignisse... An einem milden Samstagabend im Spätsommer war es: Ein kleiner Umzug festlich gekleideter Ge stalten, ein paar junge Mädchen, eines in langem, weissen Gewand, einige Kinder, zwei fremde, junge Herren, der Patri arch. Man folgt der alten Strasse, biegt dann nach rechts ab durch lichtes Gehölz, das ein kleines Stück Wies land am Fluss freigibt. Die Strö mung zieht gegen das andere Ufer; hier, an der Innenseite, im seichten Wasser entlang der Kiesbank, soll die Taufe stattfinden. Es beginnt zu däm mern. Ernste Worte sind zu hören, im Halb kreis umsteht die kleine Gemeinde den Taufplatz. Eben will der Missionar die Tochter zum Wasser geleiten, als es im Unterholz knackt. Vier, fünf Gestalten lösen sich aus dem Halbdunkel, sind in wenigen Sprüngen bei der Gruppe. Ein Kreischen der Mädchen, ein kurzes Handgemenge im knietiefen Wasser, ein paar halblaute Flüche, ein kräftiger Schwung und weg sind sie wie der. Draussen kämpft der junge Missio nar mit der Strömung, wird abgetrieben, kommt kurz auf die Füsse, strau chelt und verschwindet einen Augenblick ganz im kalten Wasser. Man ruft, rennt, bringt Hilfe, kann den jungen Mann nass und kaum verletzt bergen und nach Hause geleiten. Von Taufe spricht niemand mehr... An einem Sonntagmorgen sitzt auf dem Spritzenhaus breitbeinig und steif eine Strohpuppe, schwarz geklei det, den Hut tief ins halmige Gesicht gedrückt; ein riesiges Buch Mormon hängt ihr an einer Schnur um den Hals...».

15 15 Verhaftungen, Krankheit und Tod Sowohl William Budge (links) als auch Charles R. Savage (rechts) wurden 1854 in Weiningen und in Zürich inhaftiert, weil sie als Mormonen-Missionare unterwegs waren. Elder Budge setzte seine Mission in England fort, von wo aus er nach Sachsen reiste, um die Familien Mäser und Schönfeld im Evangelium zu unterweisen. Unmittelbar am Wohnort von Heinrich Bär, einem der ersten Mitglieder in Zürich, befand sich die Werdmühle-Badeanstalt. Es wird berichtet, es hätten im Jahre 1854 sechzig Mitglieder an den Abendmahlsgottesdiensten in der Badean stalt teilgenommen. Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich Richard Theodor Haag war ein begnadeter Dichter und Übersetzer. Sein Bruder Adolph verstarb 1892 als Missionar in Haifa. Eine besondere Wehmut muss Richard T. Haag empfunden haben, als während der Übersetzung des Liedes «Ihr Heilgen, schauet auf zu Gott» die Erinnerung an den verstorbenen Bruder geweckt wurde. 1854: George Mayer, William Budge und Charles R. Savage inhaftiert Anfang April 1854 wurde Elder Mayer in Zürich verhaftet. Bis der Rekurs gegen die Ablehnung seiner Auf ent halts bewilligung entgegengenommen war, verbrachte er acht Tage im Gefängnis. Doch auch hier ruhte er nicht von sei nem Auftrag, das Evangelium zu verkündigen und predigte es seinen Mit häft lingen. Nach seiner Entlassung ver langte der Regierungsrat, Elder Mayer dürfe weder in Zürich predigen noch weitere Menschen zu Proselyten des Mor monen glaubens machen. George Mayer jedoch widersetzte sich dieser Anweisung mit der Begründung, er habe gegen kein Gesetz verstossen und würde demnach in seinen Bemühungen fortfahren wie bis anhin, und das sei das Erteilen von Englischlektionen sowie das Beantworten von Fragen in Bezug auf sein Land, seinen Glauben und seine Religion. Im gleichen Jahr wurden auch die Missionare William Budge und sein Mitarbeiter Charles R. Savage in Zürich inhaftiert. Elder Budge: «Ich wurde in eine unterirdische Zelle gebracht und eingeschlossen. Sie war ungefähr zweieinhalb Meter lang und knapp zwei Meter breit, mit einem kleinen Fenster, das sich in Höhe der Strasse befand, und zu allem Übel grauenhaft schmutzig war... Im Laufe des Tages wurden einige Gefangene ohne grosse Umstände hineingestossen und kurz danach wieder abgeholt. Obwohl die meisten alles andere als angenehme Kameraden waren, unterbrach die Abwechslung doch die Eintönigkeit der langen Stunden im Gefängnis.» Fast die meisten der ersten Missionare in der Schweiz konnten sich zwar eine gewisse Zeit lang in ver schiedenen Kantonen versteckt halten. Über kurz oder lang wurden sie aber des Landes verwiesen und mussten ihre Mission im toleranteren England fortsetzen. Krankheit und Tod Es gehen zahlreiche Gerüchte um, dass in der Schweiz Missionare umgebracht worden seien. Solche Geschichten konnten bis jetzt nicht erhärtet werden. Es ist jedoch richtig, dass einige Missiona re in der Schweizerisch-Deutschen Mission an Krankheiten verstarben. Darunter Elder Adolph G. Haag, der 1892 in Palästina verstarb. Er hatte für kurze Zeit im Büro der Schweizerisch-Deutschen Mission gear beitet. Sein Bruder, Richard T. Haag, übersetzte später das Lied «Ihr Heilgen, schauet auf zu Gott» (Gesangbuch, Nr. 76), welches in seiner Schwermut noch heute die Gefühle erahnen lässt, die den trauern den Bruder bewegt haben müssen. Weiter zu erwähnen ist Elder Gottfried Alder, der 1899 an Krankheit verstarb und in Chur beigesetzt wurde. Ausserdem Elder Gott fried Knutti, der 1903 im Kantonsspital Zürich an Bauchfellentzündung verschied. «Seine Mission schien beendigt zu sein und der Herr nahm ihn zu sich in ein neues Arbeitsfeld, wo er das Werk der Menschenerlösung fort setzen kann.» («Der Stern», 1. September 1903). Immer wieder verloren Missionare ihr Leben im Missionsfeld. In der Regel verstarben sie an Krankheit oder Unfällen, einige wurden jedoch umgebracht. Als besonders heimtückisch erwies sich die Türkische Mission, zu der unter anderem der Nahe Osten gehörte. Hier kam es immer wieder zu Krankheitsfällen, die tödlich endeten.

16 16 Fruchtbarer Boden im Berner Oberland Jacob Foutz Secrist, der erste Missionar im Berner Oberland, und seine Frau, Anna Eliza geb. Logan. Auf dem Rückweg von seiner Mission war Elder Secrist wie damals üblich Leiter einer Auswanderergruppe von England nach Salt Lake City. Unter den Immigranten brach auf dem Marsch durch die Prärie Cholera aus, und Elder Secrist starb daran in der Nähe von Kearney, Nebraska, wo er begraben wur de. Er hinterliess nebst seiner Ehefrau fünf Kinder, von denen er den jüngs ten Sohn, der erst nach seiner Abreise auf Mission geboren worden war, nie sah. Johannes Kunz III und seine sechste Ehefrau, Elisabeth Kunz geb. Boss, mit ihrer Tochter Lucy Mae Kunz; Elisabeth Kunz verstarb bei der Geburt ihrer fünften Tochter Lydia am 13. Mai 1900 in Bern, Idaho. Die vier älteren Kinder von Johannes und Elisabeth Kunz, stehend, von links nach rechts: Peter Parley Kunz; Agnes Ruth Kunz, deren Enkelin, Bonnie Rae Dansie Parkin, seit 2002 der General präsident schaft der Frauenhilfsvereinigung angehört; Julia Esther Kunz. Sitzend: Hedwig Hazel Kunz. Elisabeth Galli aus Gündlischwand, die sich als erste im Kanton Bern taufen liess, neben ihrem Sohn Joseph und dessen Familie sitzend; Joseph Galli wanderte 1861 mit der Familie seines Onkels nach Utah aus, seine Mutter folgte ein Jahr später nach. «Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfi ngen den Heiligen Geist.» (Apostelgeschichte 8:14-17) Das Haus der Familie Kunz auf dem Blattenschwand in Meniggrund ob Zwischenflüh, wo Missionspräsident Karl G. Mäser die Grosseltern Kunz im Herbst 1868 besuchte. Etliche Familienmitglieder schlossen sich daraufhin der Kirche an. 1854: Missionar Secrist ins Berner Oberland gesandt Elder Jacob Foutz Secrist, wurde 1854 vom Missionspräsidenten Stenhouse beauftragt, von Zürich ins Ber ner Oberland zu gehen, um dort einige Neubekehrte zu taufen. Ein gewisser Peter Brawand, der sich 1852 in Dänemark der Kirche angeschlossen hatte, hatte das Evangelium in der Oberländer Heimat seinen Verwandten und Bekannten gepredigt. Weil ihm jedoch der Auftrag und möglicherweise die Vollmacht zu taufen noch nicht übertragen worden war, wurde nun Elder Secrist mit einem solchen dorthin entsandt (vergleiche eine ähnliche Begebenheit in Apostelgeschichte 8:14-17). In den Tälern des Berner Oberlands fi elen die Predigten Elder Secrists sowie die eifrigen Bemühungen der Neube kehr ten zur Gewinnung neuer Mitglieder auf fruchtbaren Boden. Dies blieb auch Pfarrer Karl Howald und Kirchen vorstandspräsident Ulrich Horn aus Sigriswil nicht verborgen. Sie beriefen auf den 10. August 1854 eine aus serordentliche Sitzung des Vorstands ein, «weil sich seit eini gen Wochen ein amerikanischer Mormonen lehrer in [der] Gemeinde herumtreibe, der Versamm lungen halte und bereits einige Leute habe überreden könne[n], sich im See neu taufen zu lassen.» Die Fehde zwischen Pfarrer Ho wald und Missionar Secrist dauerte für rund einen Monat an. Sie fand ihren Höhepunkt in einem Kreisschreiben des Direktors der Justiz und Polizei des Kantons Bern, Migy, der am 11. Sep tember den obersten Polizeistellen sämtlicher Kantone mitteilte, er sähe sich veran lasst, Elder Secrist «aus dem Gebiete des Kantons Bern fortzuweisen... [weil] er sich mit der Ver breit ung der, wie sich aus den mit ihm vorgenommenen Abhörungen un zweifelhaft ergeben, ebensowohl durch aus unchristlichen, als auch mit den Grundsätzen menschlicher Staatsordnung wider streitenden Leh ren seiner Sekte abgegeben hat». Trotz der Bemühungen der ortsansässigen Mitglieder unter Füh rung des Tabak fabri kanten Bühler wurde Elder Secrist unter polizeilichem Geleit etap penweise nach Basel an die Landesgrenze ge bracht, wo er Ende November aus dem Lande ausgewiesen wurde. In ihrer Antwort auf den Rekursbrief hielt die Regierung des Kantons Bern fest, dass «die Bittsteller... in keiner Weise zu diesfälliger Beschwerdeführung legitimirt» seien. Im Berner Oberland schlossen sich zahlreiche Familien der Kirche an. So auch die Familie Kunz in Zwischen flüh, die sich 1868 von Karl G. Mäser im Evangelium hatte unterweisen lassen. Auch hier folgten Wundertaten dem Glauben nach. Johannes Kunz jun. berichtete, wie er im Herbst 1870 mittels Telegramm aufgerufen worden sei, sofort ins obere Simmental zu gehen, «wo ein junger Mann von 17 Jahren so heftig erkrankt sei, dass die herbeige rufenen Ärzte sowie die eigenen Eltern an seinem Auf kom men zweifelten.» Im strömenden Regen nahm er die gefährliche Reise über die Berge und reis sen den Bäche unter die Füsse. Am Bestimmungsort angelangt, war «das erste, dem Kranken die Hände auf zu legen für die Gabe der Heilung, und dem Zerstörer zu gebieten, von seinem System zu weichen. So schnell als thunlich nahm ich ihn in den Fluss und taufte ihn durch Unter tauchen unter das Wasser für die Vergebung seiner Sünden, obgleich der wilde Bergstrom, welcher in seinem Ungestüm und aller Fesseln entbunden, zentnerschwere Steine mit sich riss, es für uns fast lebens gefährlich machte. Ich verfehlte nicht, nachher in einer Versammlung in jenem Hause mein Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums laut und deutlich abzulegen, und verliess den jungen Mann am andern Tage gesund.»

17 17 Von der Ostschweiz in den Süden Utahs Die «Bommelisegg» bei Friltschen, Kanton Thurgau: Anwesen der Weber-Familie Bommeli, die sich 1854 der Kirche anschloss. «Es hält sich seit einigen Tagen ein Engländer, William Budge, in hiesigem Bezirk auf, welcher die polizeiliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Es wurde mir vorges- 1854: Auf der Bommelisegg Zwei Tage vor Weihnachten 1854 kam Elder George Mayer nach zweitägigem Fussmarsch im Regen bei der Familie Bommeli auf der «Bommelisegg» im Kanton Thurgau an. Drei Mitglieder der Familie, die Halbbrüder Johann Georg und Johann Daniel sowie dessen Schwester Maria, hatte Elder Mayer im Laufe des Jahres 1854 in Zürich getauft. Bereits am Tag nach seiner Ankunft taufte er den Vater und die Mutter Bommeli sowie die drei jüngeren Schwestern Daniel Bom melis, ebenso einen 33-jährigen Bekannten aus Wein felden. Auch Elder William Budge versteck te sich vor den Behörden auf der Bommelisegg. Die Halbbrüder Johann Georg und Daniel Bonelli, wie sie sich schon kurz nach der Taufe zum Zei chen des «neuen Zeitalters», das in ihrer Familie Einzug hält, nannten, erwiesen sich als äusserst eifrige Verkünder des Evange liums. Bis zu ihrer Auswande rung nach Utah in den Jahren 1859 (Johann Georg) und 1860 (Daniel) vollzogen sie in der Heimat 241 Taufen; 1857 begab sich Daniel auf eine sogenannte Auslandmission nach England, wo er ebenfalls grossen Erfolg verzeichnen konnte. Er war einer der ersten Vollzeitmissio nare aus der Schweiz, die eine solche Auslandmission erfüllten. Familienphoto vor einem sogenannten «Sod House»: Der Siedlungsbau vollzog sich nach Ankunft der Pioniere im Salzseetal immer in mehreren Etappen: Zuerst baute man überdeckte Erdlöcher, in denen es sich notdürftig hausen liess; danach folgten die Sod-Häuser, einfache Hütten aus Grasziegeln; als drittes errichtete man die «Log Cabines», Blockhütten mit meist nur einem oder zwei Räumen; diese wurden dann sukzessive weiter ausgebaut, bis zuletzt stattliche Wohnhäuser entstanden. Johann Georg Bommeli mit Ehefrau und einem Sohn. Das «Sturzeneggerhaus» in der Nassschwendi bei Ebnat-Kappel: Ab 1905 fanden sich hier die Toggenburger Mitglieder zu Kirchenversammlungen ein, die unter der Aufsicht der St. Galler Missionare durchgeführt wurden. Niklaus Sturzenegger, dessen Mutter Elisabetha geb. Brunner sich 1864 als eine der ersten im Toggenburg hatte taufen lassen, heiratete 1888 Elisabetha Künzli. Zusammen mit fünf der neun Kinder wanderte die Familie 1914 nach Utah aus, wohin Tochter Verena schon 1912 ausgewandert war. tern hinterbracht... er suche Anhang für seine Glaubenslehre, es soll sich namentlich das schöne Geschlecht nicht unempfi ndlich dagegen zeigen.» (Statthalter Kesselring im Bachtobel, in einem Brief an das Polizeidepartement Frauenfeld vom 6. Februar Er verlangt weiter «behördliche Weisung», was mit diesem Budge zu geschehen habe. Der Kanton antwortet schon zwei Tage später, es sei dem Budge zu eröffnen, dass er den Kanton Thurgau sofort zu verlassen habe.) «Kuhmelken» an den «Swiss Days» in Santa Clara : Im Toggenburg und im Appenzellerland Bei ihren Ausweichmanövern vor den Behörden verschiedener Kantone drangen die Missionare in immer neue Gegenden vor. So kam Elder Mayer im Januar 1855 ins Toggenburg, wo er sich einige Tage bei Familien in Oberhelfenschwil und auf dem Schmidberg aufhielt. Im Toggenburg behauptete sich eine kleine aber zähe Gruppe von Mitgliedern fast durchgehend seit den 1860er-Jahren unternahmen die einheimischen Missionare Bonelli und Hug einige erfolg reiche Anstrengungen im Appenzellerland, wo sie mehrere Taufen vollziehen konnten. 1860: Santa Clara im Süden Utahs Im Herbst 1860 ordnete Kirchenpräsident Brigham Young an, dass 85 nach Utah ausgewanderte Schweizer unter dem Kommando von Daniel Bonelli in den Süden Utahs ziehen sollten, um dort Weintrauben und andere Früch te sowie Baumwolle anzubauen. Als umsichtiger Führer brachte Bonelli die Gruppe sicher nach St. George und Santa Clara, wo sie nach beschwerlicher Reise die Strasse war teilweise schlimmer als ein Bachbett an langten. Unter schwierigsten Bedingungen gelang es den ehemaligen Ostschweizer und Emmentaler Bauern, den ihnen gänzlich fremden, alkalischen Wüsten boden urbar zu machen: Dämme und Kanäle wurden gebaut, die ausgedörrten Felder bewässert und ein Moskitosumpf trockengelegt. Dieser war als Ursache für auftreten de Malaria und Gelbfieber aus ge macht worden. Mit ungewohnten Pflanzen wie Baumwolle, Aprikosen und Pfir sichen versuchten die Bauern, etwas Geld zu verdienen. Nur langsam gelangten sie zu Wohlstand. Nach zwei Jahren intensivster Aufbauarbeit wurde Daniel Bonelli berufen, mit einem Dutzend Siedler das Moapa- Valley mit dem Muddy River zu urbanisieren und zu besiedeln. Das Tal war ein Moskitosumpf und der Fluss «... zu dickflüssig, um zu trinken, und zu dünn, um zu pflügen...». Daniel Bonelli pflanzte Weizen an und hatte als erster eine Dreschmaschine. Heute noch wird an den «Swiss Days» in Santa Clara alljährlich der Schweizer Einwanderer gedacht, indem anlässlich grosser Volksfeste das alte Schweizer Brauchtum zelebriert wird.

18 18 Auswanderung nach Zion Abschiedslied, gewidmet 1915 den Geschwistern Teuscher aus Luzern. Anwesen von Johannes Huber, der aus dem Kanton Thurgau nach Utah auswanderte und sich in Midway niederliess. Während seiner Mission in der Schweiz ( ) dichtete er beim Anblick des Rheinfalls das Lied «Denke dir den Lauf der Welten». Südöstlicher Eckstein des Tempels, der ab 1831 in Independence, Missouri, als Ausgangspunkt des «Neuen Jerusalem» hätte erbaut werden sollen. Ab 1833 wurden die Mormonen aber systematisch vertrieben, zuerst in die nördlicheren Kreise, und dann aufgrund eines «Ausrottungsbefehls» des Gouverneurs ganz aus dem Bundesstaat. Auf der anderen Seite des Mississippi fanden sie vorerst Zuflucht im Bundesstaat Illinois. Auswandererdenkmal in Bremerhaven, Deutschland. «Wenn der Bund seinem Wesen nach nicht Alles reguliren kann, so kann er doch wenigstens den Auswanderern in der Ferne seinen Schutz angedeihen lassen, denken dieselben doch auch in Freud und Leid an uns.» (Bundesrat Jonas Furrer, , Nationalratsdebatte vom , zitiert in der NZZ vom ). Schuldschein des «Ständigen Auswanderungsfonds», mit dessen fi nanzieller Unterstützung schätzungsweise konvertierte Mormonen nach Utah einwandern konnten. «Das Auswandern nach Amerika wollte uns nicht in den Kopf...» schilderte Ulrich Bryner 1878 die Zeit, als die Familie von Missionar George Mayer dahingehend belehrt wurde, dass sie bei einem Kirchenbeitritt «nach Zion» auszuwandern hätte. In der Tat war diese etwas eigentümlich anmutende Lehre von der «Sammlung in Zion» neben derjenigen der Mehr ehe einer der Hauptgründe, weshalb die Mormo nen ihren Nachbarn suspekt vorkamen. Die Auswanderung nach Amerika war im 19. Jahrhun dert an sich nichts Ungewöhnliches. Dutzende von Familien des alten Europa suchten ihr wirtschaftliches Heil im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten», wie auch die NZZ vom 13. Januar 1853 feststellte: «Die Auswanderung ist wohl eines der Hauptmittel zur Beseitigung der durch die Übervölkerung entstanden Übel. Sie hilft in gewissem Grade der steigenden Konkurrenz ab. Es ist daher nur sehr begreiflich, dass dieselbe immer mehr um sich greift. Die Schweiz hat schon viele ihrer Be wohner nach Amerika, zumal nach den Vereinigten Staaten abgegeben. Von diesen sind weitaus die Meisten mit Erfolg in ihre neue Stellung eingetreten, nur Wenige waren unglücklich.» Der einsetzende Auswanderungsboom führte zur Gründung von sogenannten «Auswanderungsagen turen», die mehr oder weniger seriös die Auswanderungswilligen nach Amerika schleusten. Der Natio nal rat diskutierte daher am 27. Januar 1853 einen «Kommissionalbericht über das Kreditbegehren von 18,000 Fr. für Auswanderungsagenturen» auf eidgenössischer Ebene. Bis dahin hatten die einzelnen Kantone die Emigranten unterschiedlich behandelt, und der Bundesrat hatte einen Nachtragskredit zum Voranschlag des Jahres 1853 von CHF beantragt, zum Zweck, für die Schweizer Auswanderer ein Büro in Basel einzurichten und den Konsulaten in New York und New Orleans «die nöthige Aushilfe zu verschaffen», um sicherzustellen, dass die Auswanderer nicht von Scharlatanen ausgenutzt wurden. «Kommt nach Zion, kommt nach Zion» Im Gegensatz zu den meisten Schweizer Auswanderern waren die mormonischen Emigranten recht gut auf das Abenteuer Auswanderung vorbereitet. Die Kirchenzeitschriften wie «Der Darsteller» oder «Der Stern» brachten regelmässig «Verschiedene Bemerkungen über Vorbereitung und Ausrüstung zur Auswanderung nach Amerika». Auch wurden die Mormonen in der Regel nicht von wirtschaft lichen Motiven angetrieben, ihre Heimat zu verlassen viele von ihnen waren gut situiert und recht wohlhabend, sondern von religiösen: Nur wenige Monate nach der Gründung der Kirche, im September 1830, empfing Joseph Smith eine Offen barung, in der erwähnt wird, dass «die Stadt Zion» an der «Grenze bei den Lamaniten» (siehe Lehre und Bündnisse 28:9), also an der Grenze zum von den Indianern besiedelten Gebiet, erbaut werden sollte; wie sich später herausstellte, war damit der westliche Teil des Bundesstaates Missouri gemeint. An an de rer Stelle erklärt der Herr, dass mit dem Begriff «Zion» ein Volk gemeint ist, das «eines Sinnes ist und in Rechtschaffenheit lebt und unter dem es keine Armen gibt.» (vgl. Köstliche Perle, Mose 7:18). In Zion sollte man sich, ungestört von den Verlockungen der Welt, auf die erwartete Wiederkunft Christi vorbereiten.

19 19 Zion - früher und heute Seit 1993 werden die halbjährlich stattfi ndenden Generalkonferenzen aus Salt Lake City via Satellit in alle Pfahlhäuser Westeuropas übertragen. Sondermarke der U.S.-Post 1947 zum 100. Jahrestag seit der Besiedlung des Salzseetals durch die Mormonenpioniere, wo sie ihr Zion endlich mehrheitlich ungestört aufbauen konnten. Pioniertanz im Regen von Mitgliedern des Pfahls Zürich, im Jubiläumsjahr 1997, anlässlich des 150. Jahrestags seit der Ankunft der mormonischen Siedler im Salzseetal. Das erste Pfahlhaus in der Schweiz wurde am 5. Mai 1968 in Zürich von Apostel Ezra Taft Benson geweiht. «Schau auf Zion, die Stadt unserer Feste! Deine Augen werden Jerusalem sehen, den Ort der Ruhe, das Zelt, das man nicht abbricht, dessen [Pfähle] man niemals mehr ausreisst, dessen Stricke nie mehr zerreissen. Mach den Raum deines Zeltes weit, spann deine Zelttücher aus, ohne zu sparen. Mach die Stricke lang und die Pflöcke fest!» (Jesaja 33:20; 54:2) Eine Art Gütergemeinschaft Damit eine Zionsgemeinschaft aufgebaut werden konnte, war es notwendig, die weit auseinander lebenden Mitglieder an einem Ort zu sammeln. Bildung und die Pflege allerlei verschiedener Künste sollten einen wichtigen Stellenwert im Gesellschaftsleben einnehmen. Wirtschaftlich sollte eine Art Güter gemeinschaft nach dem Vorbild des Neuen Testaments gelebt wer den: «Und alle, die gläubig ge worden waren, bildeten eine Gemeinschaft und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und gaben davon allen, jedem so viel, wie er nötig hatte.» (Apostelgeschichte 2:44-45). Jede Familie sollte vom Ertrag bzw. von den Überschüssen ihres Eigentums bereitwillig an die Kirche abgeben, sodass da mit Bedürftige unterstützt werden konnten. Diese wiederum hatten für die empfangenen Gü ter Ar bei ten für das Gemeinwesen zu leisten. Die Verwaltung der Waren und Geldmittel oblag dem Bischof. Aufgrund der menschlichen Natur waren die ersten Versuche einer solchermassen gelebten Gütergemeinschaft bald zum Scheitern verurteilt. Zudem behinderte die andauernde Verfolgung durch Andersgläubige das Vorhaben erheblich. An die Stelle dieses «Gesetzes der Weihung», wie es ge nannt wurde, trat 1838 das einfacher ver ständ liche «Gesetz des Zehnten», das besagt, dass vom jährlichen Ertrag 10% der Kirche zur Verfügung gestellt werden sollen. Das Geld dient hauptsächlich dem Bau und Betrieb von Gemeindehäusern und Tempeln, der Bildung, der Missionsarbeit sowie der sozialen und humanitären Hilfe, welche zusätzlich aus dem «Fast opfer fonds» gespiesen wird. Ein Sammelplatz für das neuzeitliche Israel Gemäss den alten Prophezeiungen sollten die Juden im alten Jerusalem, die übrigen vom Volk Israel und die zum Haus Israel Bekehrten in einem «Neuen Jerusalem» gesammelt werden. Dort sollte ein Tempel errichtet werden, zu dem Jesus Christus bei seiner Wiederkunft kommen könnte. Den 1838 aus Missouri und 1846 aus Illinois vertriebenen Mitgliedern gelang es nach 1847 erstaunlich gut, in der Abgeschiedenheit des Salzseetals in den Rocky Mountains eine solche Zionsgemeinschaft im Geiste des Neuen Jerusa lems aufzu bauen. Es ist interessant, dass dieses Land den geographischen Gegebenheiten im alten Israel sehr ähnlich ist, weisen doch beide einen Salzsee auf, der durch einen Fluss den Jordan mit einem höher gelegenen Süsswassersee verbunden ist. Um möglichst vielen europäischen Bekehrten die Überfahrt nach Utah zu ermöglichen, wurde 1849 der «Ständige Aus wan derungsfonds» eingerichtet, welcher das Geld an mittellose Familien vorschoss. Schätzungsweise gelangten mit Hilfe dieses Fonds nach Utah, davon die Hälfte von ausser halb der Vereinigten Staaten von Amerika. In Vorbereitung auf die Gründung des ersten Schweizer Pfahls wurde am 20. August 1961 der Grossdistrikt Zürich gebildet, mit Wilhelm Lauener (Bild Mitte, sitzend) als Präsidenten. Die Pfahlgründung in Zürich folgte kurz darauf, am 28. Oktober Weitere Pfahlgründungen erfolgten am 3. Mai 1981 in Bern und am 20. Juni 1982 in Genf. 1961: Ein erster «Zionspfahl» in der Schweiz Schon ausgangs des 19. Jahrhunderts ging man dazu über, die Mitglieder anzuhalten, in ihrem Heimat land zu bleiben und «Zion» dort aufzubauen. Die Auswanderung hielt aber weiterhin an, bis 1961 in der Schweiz und in Deutschland sogenannte Zionspfähle eingerichtet wurden. Der Begriff ist dem Buch Jesaja entnommen, wo der Prophet Zion mit einem Zelt der Zuflucht vergleicht, welches von Pfählen oder Pflöcken fest in der Erde verankert wird. Damit wurden den schweizerischen Mitgliedern sämtliche Programme und Segnungen der Kirche ermöglicht, wie sie in Utah schon lange existiert hatten.

20 20 Karl Gottfried Mäser, Geburtshaus von Karl Gottfried Mäser in Meissen, im heutigen Bundesland Sachsen. Die Brigham Young Universität in Provo, Utah, mit deren Leitung Karl Gottfried Mäser 1876 vom Kirchenpräsidenten Brigham Young beauftragt worden war. Karl G. Mäser wurde «in Meissen als Sohn eines Porzellanmalers der berühmten Manufaktur [geboren]. Doch den Sohn zog es frühzeitig zu den Büchern, handwerkliche Tätigkeit war nicht sein Metier, ein Gegenstand, der ihm später im amerikanischen Grenzerleben, wo der Umgang mit Hammer und Axt gefragt war, noch manche Probleme bereiten 1855: Ein Brief aus dem Königreich Sachsen Am 4. Juli 1855 traf im Missionsbüro in Genf ein Brief aus Dresden ein, abgeschickt von einem gewis sen Karl Gottfried Mäser. Dem Oberlehrer am Budich Gymnasium in Dresden war ein Flugblatt über die Mormonen aufgefallen, dessen «unvernünftigen Folgerungen und zynischen Einwürfe... meine Neu gierde [erweckten] und einen unwiderstehlichen Wunsch, mehr über den Gegenstand der Ver bitte rung [des Verfassers] zu erfahren...». Der Brief machte einen schlechten Eindruck auf den Missionspräsidenten Daniel Tyler. Unbeantwortet sandte er ihn umgehend an den Absender zurück, «da es höchstwahrscheinlich nur ein Streich der deutschen Polizei wäre, uns in unseren Beziehungen zu Deutschland zu fangen». Befremdet durch diese ungewöhnliche Handlungsweise, nahm Karl G. Mäser Kontakt zu Präsident John Van Cott von der Skandinavischen Mission in Kopenhagen auf. Dieser forderte Präsident Tyler auf, mit dem Sachsen Kontakt aufzunehmen. Nach einer ausführlichen Korrespondenz entsandte Präsident Tyler den aus der Schweiz ausgewiesenen und nun in England weilenden Ältesten William Budge nach Sachsen zur Familie Mäser und deren Verwandten mit dem Auftrag, die Familie in der Lehre der Kirche zu unterweisen. Am 14. Oktober 1855 wurde Karl G. Mäser in der Elbe getauft, und noch am gleichen Abend erlebte er eine wunderbare Kundgebung des Wirkens des Heiligen Geistes durch die Gabe der Zungenrede. Er schilderte diese später wie folgt: «Der Gegenstand unserer Unterhaltung [auf dem Nachhauseweg vom Taufplatz] war die Vollmacht des Priestertums, mit Bruder Budge als Dolmetscher amtierend. Mit einem Male hielt ich Bruder Budge an, nicht mehr weiter zu übersetzen, da ich in Deutsch antwortete, wo wiederum keine Verdol met schung nötig war, da Präsident Richards mich ebenfalls verstehen konnte. So fuhren wir fort uns zu unter halten, bis wir zum Abschiedsplatz kamen, als die Kundgebung plötzlich aufhörte, wie sie gekommen war. Solange es anhielt, kam es mir überhaupt nicht befremdlich vor, aber als es aufgehört hatte, fragte ich Bruder Budge, was das wohl bedeuten konnte, und erhielt zur Antwort, dass Gott mir ein Zeugnis gegeben hatte.» sollte. Pädagogische und philosophische Ansichten Goethes, Schillers, Pestalozzis waren ihm wohlbekannt. Er versuchte, alles «vollkommen» zu beherrschen. Sein Wahlspruch: Das Bildungswesen der Kirche Völlig mittellos langte Karl G. Mässer nach der Auswanderung in New York an, wo er sich vorerst mit Musik unter richt durchschlug. Auch die ersten Jahre in Utah bedeuteten für die Familie Mäser wirt schaft lich harte Zeiten kehrte er als Missionspräsident der Schweizerisch-Deutschen Mission nach Europa zurück, wo er 1869 in Zürich die Kirchenzeitschrift «Der Stern» ins Leben rief beauftragte ihn Präsident Brigham Young, die Schule in Provo, Utah, zu leiten und eine Umgebung zu schaffen «in der die Schüler durch den Geist des Herrn lernen können». Der sächsische Schulmeister Mäser beein flusste die Entwicklung der Brigahm Young University und die Erziehung und Bildung im Westen Amerikas nachhaltig, indem er neue Lehrmethoden sowie einen Ehrenkodex einführte. «Wenn du einen Raum auskehrst, so kehre die Ecken. Wenn du deine Stiefel reinigst, so putze den Absatz.» (Manfred Schütze, «Liahona» September 2001) Der Bildungsbereich ist einer der Hauptpfeiler im Wohlfahrtssystem der Kirche. Gut gebildete und ausgebildete Menschen vermögen ihre wirtschaftliche und geistige Selbständigkeit und Unabhängigkeit eher zu wahren als solche mit geringer oder gar keiner Bildung. Nebst dem Unterhalt eigener Schulen und Universitäten stellt die Kirche mit dem «Ständigen Ausbildungsfonds» (SAF) Menschen in Entwicklungs ländern kostengünstige Dar lehen zur Verfügung, mittels der sie ihre Ausbildung finanzieren kön nen. Diese Einrichtung trägt wesentlich dazu bei, dass sich Menschen aus der Armut befreien und zum Wohlergehen ihrer Familie und dem Gemeinwesen, in dem sie leben, beitragen können.

OSTERNACHT A ERSTE LESUNG. DIE ERSCHAFFUNG DER WELT (Genesis 1,1-2,2)

OSTERNACHT A ERSTE LESUNG. DIE ERSCHAFFUNG DER WELT (Genesis 1,1-2,2) OSTERNACHT A ERSTE LESUNG DIE ERSCHAFFUNG DER WELT (Genesis 1,1-2,2) Am Anfang hat Gott Himmel und Erde gemacht. Die Erde war wie eine Wüste und wie ein Sumpf. Alles war trübes Wasser vermischt mit Land.

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