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1 Kreative Ökonomie und Kreative Räume: Kultur- und Kreativwirtschaft in der integrierten Stadtentwicklung Endbericht ILS Institut für Landesund Stadtentwicklungsforschung ggmbh

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3 Kreative Ökonomie und Kreative Räume: Kultur- und Kreativwirtschaft in der integrierten Stadtentwicklung Endbericht Im Auftrag des Ministeriums für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen ILS Institut für Landesund Stadtentwicklungsforschung ggmbh ILS Prof. Dr. Rainer Danielzyk Deutsche Straße 5, D Dortmund Fon: +49-(0)231/ Fax: +49-(0)231/ STADTart Planungs- und Beratungsbüro Kultur Freizeit Sport Dipl.-Ing. Ralf Ebert, Dr. Friedrich Gnad Gutenbergstr. 34, D Dortmund Fon: +49-(0)231/ Fax: +49-(0)231/

4 Bearbeiter: Dipl.-Ing./Stadtplaner NW Ralf Ebert (STADTart) Prof. Dr. Rainer Danielzyk (ILS) Dipl.-Ing. Cord Rüdiger Carl (ILS) Dipl.-Geogr. Uwe van Ooy (STADTart) Redaktion, Layout und Fotos STADTart, Dortmund Mai 2008

5 Inhaltsverzeichnis 1 Auftrag und Zielsetzung der Untersuchung Kreative Ökonomie und Kreative Räume eine Einführung in das Forschungsfeld Kultur- und Kreativwirtschaft, Kreative Räume, Kreatives Handeln in der Stadtentwicklung: ein Überblick Kultur- und Kreativwirtschaft als Handlungsfeld in ausgewählten Städten Europas Vergleich kommunaler Konzepte und Strategien am Beispiel der Städte Berlin, Amsterdam, Manchester und Linz Erfahrungen und Schlussfolgerungen für die Stadtpolitik im Handlungsfeld Kultur- und Kreativwirtschaft Standortfaktoren in der Kultur- und Kreativwirtschaft und Schlussfolgerungen für die Stadtpolitik Ergebnisse einer Studie in Berlin Ergebnisse einer Studie in Dortmund Schlussfolgerungen für die Stadtpolitik Stadtentwicklung und Kultur- bzw. Kreativwirtschaft in ausgewählten Städten des Landes NRW Konzepte, Maßnahmen und Initiativen Fazit Arbeitshypothesen zu Raumtypen der Kultur- und Kreativwirtschaft in den Kommunen des Landes Kultur- und Kreativwirtschaft in der Hierarchie der Städte Raumtypen der Kultur- und Kreativwirtschaft: Kreative Räume, ein Ansatz in der Stadtentwicklungsplanung Kreative Räume der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Metropolregion Berlin/Brandenburg: Ansatz und Ergebnisse Modelle zu den Raumtypen der Kultur- und Kreativwirtschaft im Städtesystem des Landes NRW Schlussfolgerungen und Darstellung der weiteren Vorgehensweise. 53 Literatur... 62

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7 1 Auftrag und Zielsetzung der Untersuchung In einer immer stärker von den Merkmalen der Wissensökonomie geprägten Wirtschaft und Gesellschaft ist Innovationsfähigkeit nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Städte und Regionen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Folgerichtig betonen sowohl die neuen Leitlinien zur Stadtentwicklungspolitik auf Bundesebene als auch die Strukturpolitik der EU die zentrale Rolle, die den Städten als Zentren der Entwicklung von Wissen und Innovation zukommt. Innovationsfähigkeit erfordert dabei einerseits Bildungs-, Forschungs- und Transferinfrastrukturen auf hohem Niveau, andererseits aber auch ganz allgemein gesprochen kreativitätsfördernde Rahmenbedingungen. Diese finden sich vor allem in den Städten, da soziale, kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt sowie die Auseinandersetzung zwischen und der Umgang mit verschiedenen Lebensformen, Werthaltungen und Milieus schon immer Kennzeichen der Europäischen Stadt waren. Daher finden sich auch hochwertige Dienstleistungen und kreative Berufe in weit überdurchschnittlichen Ausmaßen in großen Städten. Attraktive Stadtzentren und lebendige Quartiere stellen für sie offenkundig ein gutes Umfeld dar. Mit dem Wandel in Richtung einer wissens- und kreativitätsbasierten Ökonomie geht somit auch eine Neubewertung der Qualitäten der Europäischen Stadt einher. So hebt u. a. Richard Florida hervor, dass die Schlüsselfaktoren für den Erfolg moderner wissensbasierter Ökonomien Talents, Tolerance, Technology eng mit urbanen Milieus verknüpft seien (Florida 2007). Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat zu Beginn des Jahres 2007 eine neue Phase der Standort- und Strukturpolitik eingeleitet, deren Leitbild die Stärkung der kreativen Ökonomie in NRW ist und die dabei ausdrücklich auf die Qualifizierung städtischer Räume abhebt: Ideen und Kreativität werden das wichtigste Wirtschaftsgut des 21. Jahrhunderts sein Es geht also nicht nur um eine kleine Wissenselite, sondern um die ganze Gesellschaft. Und das heißt im Klartext: Wir sind auf dem Weg zu einer kreativen Ökonomie. Das ist nichts weniger als eine zweite industrielle Revolution. Die große Aufgabe ist, alle auf diesem Weg mitzunehmen. Kunst und Kultur rücken damit ins Zentrum wirtschaftlicher Prosperität. Sie sind nicht mehr nur Luxus oder Zugabe. Sie sind elementar. Denn symbolische Deutungen und Bedeutungen spielen eine immer größere Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg gerade in der globalisierten Wissensgesellschaft. Sie lebt davon, dass Produkte und Dienstleistungen, ja dass städtische Räume und ganze Regionen eine besondere Bedeutung bekommen. Erst dann werden sie für Menschen attraktiv (Rüttgers 2007). ILS / STADTart 1

8 Vor diesem Hintergrund sind in den letzten Monaten eine Vielzahl von Initiativen zur Förderung der Kreativität und Innovationsfähigkeit sowie insbesondere zur Stärkung der kreativen Ökonomie in NRW gestartet worden. Beispielhaft sei hier zunächst hingewiesen auf den Wettbewerb Create.NRW des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, der im Rahmen des EU-NRW- Ziel 2-Programms 2007 gestartet wurde. Ziel des Wettbewerbes ist es, Ideen und Konzepte für die Weiterentwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft in den Teilbranchen sowohl auf regionaler Ebene wie auch auf Landesebene zu generieren, mit denen entsprechend den Zielen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), eine Stärkung von Innovationssystemen und zusätzliche Beschäftigung in NRW und seinen Regionen erreicht werden sollen (MWME 2007, 7). Hervorzuheben ist auch der von der Landesregierung veranstaltete internationale Kongress Kulturwirtschaft 07: Wandel durch Kulturwirtschaft Perspektiven einer Zukunftsbranche am 17./ in Essen. Auf diesem Kongress ist eine Essener Erklärung verabschiedet worden, die zahlreiche Begründungen und Hinweise für eine Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft enthält (ohne Autor 2007). Im Hinblick auf das Ruhrgebiet sei hier noch erwähnt, dass sowohl die Initiative Zukunft Ruhr der Landesregierung als auch die Aktivitäten im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Kulturhauptstadt 2010 einen Schwerpunkt auf die Förderung der Kreativität und die Stärkung der kreativen Ökonomie im Ruhrgebiet setzen. Vitale Städte und insbesondere lebendige urbane Milieus gelten vielfach, wie oben schon erwähnt, als eine wichtige Voraussetzung für Kreativität und Innovationsfähigkeit. Die Stadtentwicklungspolitik des Landes NRW hat schon in der Vergangenheit durch verschiedene Initiativen und Ansätze zur Förderung sozialer und kultureller Innovationen und kreativer Milieus beigetragen. Erwähnt seien hier zum Beispiel die Internationale Bauausstellung Emscherpark, in deren Programmatik das ein ausdrücklicher Schwerpunkt war, aber auch das Programm Initiative ergreifen sowie Teilaspekte des Programms Soziale Stadt. Insoweit gibt es schon über mehr als ein Jahrzehnt Erfahrungen mit entsprechenden Ansätzen und Initiativen im Kontext der Stadtentwicklungspolitik, die zu beachten, a- ber auch angesichts der veränderten wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Rahmenbedingungen fortzuentwickeln sind. Besonders deutlich wird dieser Wandel etwa im REGIONALE-Ansatz, der sich im Laufe der Zeit immer mehr zu einem strukturpolitischen Ansatz, der auch die Rahmenbedingungen für Kreativität und Innovationsfähigkeit verbessern will, entwickelt hat (MBV NRW/ILS NRW 2006). An dieser Stelle sei auch noch einmal besonders betont, dass die Zielvorstellungen einer kreativitätsorientierten Stadtentwicklungspolitik und einer zeitgemäß verstande- 2 ILS / STADTart

9 nen Wirtschaftsförderpolitik nicht im Gegensatz zueinander stehen, sondern sich vielmehr überschneiden und ergänzen. Das wurde schon in den 1990er Jahren unter dem Stichwort Bedeutungsgewinn weicher Standortfaktoren diskutiert, gerät nun a- ber noch stärker ins Bewusstsein der beteiligten Akteure. Ein besonders wichtiger Aspekt ist dabei, dass hochqualifizierte Beschäftigte (im Sinne von Humankapital ) eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sind. Nach allen vorliegenden Erkenntnissen sind vielfältige urbane Milieus für sie gleichermaßen Anziehungspunkt wie auch Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten. Ein Defizit an entsprechend qualifizierten Arbeitskräften könnte zu einem Entwicklungshemmnis werden, da wirtschaftliche Dynamik vor allem von wissensintensiven Wirtschaftsbereichen ausgeht, die auf hochqualifizierte Arbeitskräfte angewiesen sind (vgl. dazu ausführlich Helbrecht/Meister 2007). Vor diesem Hintergrund muss es also darum gehen, eine Stadtentwicklungspolitik zu initiieren, die Urbanität und urbane Milieus stärkt. Ein entsprechender strategischer Ansatz der Stadtentwicklungspolitik ergänzt andere wirtschafts- und kulturpolitisch ausgerichtete Initiativen und Ansätze um spezifische sozialräumliche Aspekte. Dabei stellen sich selbstverständlich viele Fragen, nicht nur nach geeigneten Instrumenten und Prozessen sowie den relevanten Akteuren, sondern auch nach den konkreten Ansatzpunkten für entsprechende Maßnahmen. Darüber hinaus stellen sich Grundsatzfragen nach der Möglichkeit und dem Ausmaß der Plan- und Gestaltbarkeit kreativer Milieus. Hier scheint ein grundsätzlicher Widerspruch zu bestehen, der darauf verweist, dass es eher um Rahmen setzende Strategien (im Sinne einer Kontextsteuerung ) gehen muss. Des Weiteren entstehen Innovationen und Kreativität vielfach in sozial spannungsreichen Situationen, die aus sozial- wie sicherheitspolitischer Perspektive eigene Probleme mit sich bringen können. Insofern ist im Zusammenhang mit einer kreativitätsfördernden Stadtentwicklungspolitik eine Vielzahl von grundsätzlichen und praktischen Aspekten und Problemen zu diskutieren. Nicht zuletzt ist auch zu erörtern, welche Unterstützung seitens der Landesebene für eine letztlich nur sehr lokalspezifisch zu realisierende kreativitätsfördernde Stadtentwicklungsstrategie gegeben werden kann. In diesem Sinne ist vom Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes NRW ein Forschungsprojekt an das ILS NRW und das Büro STADTart vergeben worden, das die aufgeworfenen Fragen behandeln und ein Spektrum von handlungsorientierten Bausteinen für eine kreativitätsorientierte Stadtentwicklungspolitik erarbeiten soll. Entsprechende Bausteine müssen stadtspezifisch (d. h. in Abhängigkeit von Stadtgröße, Entwicklungstyp usw.) und quartiers-, nutzungs- und entwicklungsspezifisch (z. B. für Innenstädte, Innenstadtrandgebiete, Stadtteilzentren, Brachflächen usw.) zugeschnitten sein. Der zu erarbeitende Ansatz ist in engem Zusammenhang mit anderen Aspekten der Stadtentwicklungspolitik des Landes NRW zu sehen und soll nicht nur ILS / STADTart 3

10 zur Förderung wirtschaftlicher Dynamik beitragen, sondern auf Raumverträglichkeit und soziale Integration ausgerichtet sein. Die Bausteine sollen vor allem dazu beitragen, mögliche Handlungsstrategien zur Schaffung eines kreativitätsfördernden urbanen Umfeldes zu formulieren und zu unterstützen. Im Sinne des oben begründeten Ansatzes der Kontextsteuerung wird es dabei vor allem um ein zielgerichtetes Einwirken auf die Rahmenbedingungen und eine Beeinflussung der Ressourcenausstattung gehen müssen. Von wesentlicher Bedeutung sind dabei, im Sinne der obigen Ausführungen, die Ansprüche der hochqualifizierten Arbeitskräfte ( kreative Klasse ), die insbesondere auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig sind, an das städtische und stadtregionale Umfeld. Im Ergebnis sind also Instrumente und Verfahren zu benennen, die kontextuell Standortbedingungen für eine kreative Stadt stärken helfen. Es besteht kein Zweifel, dass entsprechende Bausteine nur in enger Kooperation mit Kommunen erarbeitet werden können, um einerseits auf ggf. vorliegende Erfahrungen zurückzugreifen, andererseits aber auch sicherzustellen, dass die Handlungsvorschläge für die Planungs- und Politikpraxis vor Ort angemessen sind. Von daher sind im Rahmen des Forschungsprojektes sowohl praktische Erfahrungen ausländischer und deutscher Städte mit entsprechenden Ansätzen als insbesondere auch die konkreten Bedingungen der Städte in NRW zu berücksichtigen. Vor dem Hintergrund des allgemeinen Diskussionsstandes als auch der spezifischen Anforderungen an dieses Forschungsprojekt gliedert sich der vorliegende Bericht wie folgt: Zunächst werden der fachliche Diskussionsstand zur Thematik skizziert, der Betrachtungsgegenstand eingegrenzt und einige Definitionen zur besseren Verständigung in einem durchaus zu Unschärfen neigenden Diskurs vorgenommen (Kapitel 2). Im Anschluss werden die Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft vor dem Hintergrund veränderter Rahmenbedingungen und die daraus resultierenden spezifischen Anforderungen der Selbstständigen und Unternehmen an kreative Räume bzw. an die Stadtentwicklung erörtert (Kapitel 3) sowie Erfahrungen europäischer Städte mit vorhandenen kommunalen Strategien zur Kreativitätsförderung geschildert (Kapitel 4). Es folgt ein Kapitel über Standortfaktoren in der Kultur- und Kreativwirtschaft (Kapitel 5). Danach werden Konzepte, Maßnahmen und Initiativen vier ausgewählter Städte aus Nordrhein-Westfalen zum Themenfeld Stadtentwicklung und Kultur- und Kreativwirtschaft vorgestellt (Kapitel 6). Die verschiedenen Betrachtungsansätze münden dann in differenzierten Überlegungen zu Raumtypen und Standorten der Kreativitätswirtschaft in den Kommunen des Landes NRW (Kapitel 7). Den Abschluss bildet ein Ausblick auf künftig sinnvolle und notwendige Schritte (Kapitel 8). 4 ILS / STADTart

11 2 Kreative Ökonomie und Kreative Räume eine Einführung in das Forschungsfeld An die Stelle klassischer Produktionsmittel, die vor allem im Industriezeitalter die Wertanlage eines Unternehmens verkörperten, treten in der Wissensgesellschaft die Mitarbeiter als Vermögenswert. Humankapital stellt in der postindustriellen Wirtschaft inzwischen die entscheidende Größe dar. Kreative Ökonomie und Kreative Räume in der Stadtforschung Sailer stellt fest, dass Forschungsarbeiten im Bereich der Human Ressources den Raum bzw. die baulich-räumliche Gestaltung als Einflussgröße auf das kreative Arbeitskräftepotential lange Zeit vernachlässigten (Sailer 2004, 2). Raum galt entweder als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen oder als Produkt menschlichen Handelns. Selten nur wurde er aber als Potential verstanden, das in geeigneter Weise gestaltet zur Attraktion von Arbeitskräften oder zur Unterstützung ihres Schaffens beitragen kann. Neuere Forschungsansätze gehen davon aus, dass Innovation dort entsteht, wo Lebensstil und Lebensgefühl optimal integriert sind. Menschen in innovationsorientierten Wirtschaftsbereichen fragen offenkundig vor allem Standorte nach, die sowohl urbane Dichte und Vielfalt (kulturell, sozial) als auch genügend Grün- und gestalterischen Freiraum bieten. Städtischer Raum muss für sie als Ort der Kommunikation, der Rekreation, der Inspiration und des Schaffens spezifische Qualitäten und kreative Nutzungsmöglichkeiten bieten (vgl. dazu ausführlich Kapitel 6). Entsprechend stellen aktuelle Studien zur Kreativen Stadt den Zusammenhang zwischen Innovationskraft und räumlichen Umfeldbedingungen heraus. Landry rechnet der räumlichen Konstellation des Ortes eine große Bedeutung für die Entstehung innovativer Strukturen zu (Landry 2006, 133). A creative milieu is a place either a cluster of buildings, a part of a city, a city as a whole or a region that contains the necessary preconditions in terms of hard and soft infrastructure to generate a flow of ideas and inventions. Such a milieu is a physical setting where a critical mass of entrepreneurs, intellectuals, social activists, artists ( ) can operate in an open-minded, cosmopolitan context and where face to face interaction creates new ideas ( ). Landry legt einen Fokus auf das Wechselspiel zwischen räumlicher Nähe, sozialer Nähe und institutioneller Nähe, die als Voraussetzungen für die Entstehung von Innovation und die Generierung von Wissen gelten können (Institutioneller Ansatz). Die Stadt als Standort der Wissensproduktion ist darüber hinaus deutlich mehr als ein Knotenpunkt in einem Netzwerk von Akteuren, Institutionen, Informationsflüssen und Tauschbeziehungen. Helbrechts Ansatz vom geographischen Kapital und vom look and feel des Standortes geht über die netzwerkökonomischen Theorien von Urbanisations- und Lokalisationsvorteilen der Stadt weit hinaus und bezieht die sinnlich ILS / STADTart 5

12 wahrnehmbare Umgebungsqualität sowie die physiognomisch wahrnehmbare Ausstattung des Stadtraumes in die Überlegungen ein (Helbrecht 2006). In ihrer Untersuchung am Beispiel der Städte Vancouver und München kommt Helbrecht zum Ergebnis, dass das sich wohlfühlen am Standort für kreative Dienstleister zu den primären Aspekten bei der Auswahl des Firmensitzes zählt (in München noch vor den Mietkosten, in Vancouver an dritter Stelle nach Mietkosten und Kundennähe). Eine abschließende Antwort darauf, was die sinnlich wahrnehmbare Qualität und physiognomische Ausstattung des Raumes ausmacht, gibt auch Helbrecht nicht; wohl aber wichtige Hinweise auf die verschiedenen Dimensionen, die das geografische Kapital einer Stadt haben kann (Übersicht 2.1). Legt man zudem Floridas These zugrunde, dass Kreative nicht zwingend dorthin gehen, wo sie eine Beschäftigung finden ( people follow jobs ), sondern dorthin, wo das geografische Kapital aus ihrer Sicht am höchsten ist ( jobs follow people ) und dort dann Arbeitsplätze entstehen (Florida 2004), dann wird Folgendes deutlich: Neben die Human Resources treten in zunehmendem Umfang die Spatial Resources als wichtigste Eigenschaft einer Kreativen Stadt (Sailer 2004), in der der Raum als Katalysator zu verstehen ist. Wissen hätte damit die klassischen Standortfaktoren in weiten Teilen abgelöst und wird selbst durch die Qualität des Standortes angezogen. Raumbezogene Fragestellungen zur Kreativen Stadt im Zeitalter der Wissensökonomie stehen daher im Zentrum dieser Untersuchung. Übersicht 2.1: Ressourcen der Wissensgesellschaft Ressource Raum (Space) Objektive, physisch messbare Eigenschaft von Gebieten - Geometrie - Flächen - Höhen, Tiefen - Lage, Erreichbarkeit - Dichte - Ressource Ort (Place) Lokal spezifische soziale Gegebenheiten - soziale Beziehungen - soziale Identitäten - politische Regulierung - ökonomische Praktiken - Historische Entwicklungen -. Ressource Landschaft (Landscape) Wirkung der geografischen Substanz auf die Wahrnehmung des Standortes - Subjektive Gefühle - Normative Bilder - Atmosphäre - Kulturelles Bild - Quelle: nach Helbrecht 2006, ILS / STADTart

13 Branchen und Berufsgruppen der Kreativen Ökonomie Die zunehmende Bedeutung von Wissen, Innovation und Kreativität stellt neue Anforderungen an die Stadtentwicklungsplanung. Wissensintensive und kreative Berufsgruppen verfügen über eine hohe Affinität zur Stadt und zu städtischem Leben, Kreativwirtschaft gilt mithin als ausgesprochen urbane Ökonomie (Noller/Georg 1994). Die Diskussion um den Wandel von der industriellen zur kreativen Stadt wird damit unmittelbar von der Frage nach ihren neuen Akteuren und Branchen begleitet. Die Schaffung eines für kreative Berufe attraktiven und förderlichen Umfeldes, setzt aus planerischer Sicht ein genaueres Begriffsverständnis voraus. Über die Bedeutung des Kreativen selbst als Akt des schöpferischen Denkens und Handelns kann sicherlich schneller Einvernehmen erzielt werden, als über den Inhalt des Begriffs der Kreativen Ökonomie und die diesem Wirtschaftszweig zugehörigen Akteure. Weder lassen sich einzelne Branchen trennscharf in kreative und nichtkreative Gruppen fassen, noch lässt sich das Maß der Kreativität einzelner Menschen und ihrer ausgeübten Tätigkeiten präzise messen, methodisch vergleichbar und damit kategorisierbar machen. Gegenwärtig arbeiten in den europäischen Industrienationen zwischen 25 und 30 Prozent aller Erwerbstätigen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, in technologiebasierten Industriezweigen, in Kunst, Musik, Kultur, Ästhetik und Design sowie in den wissensbasierten Berufen der Gesundheitswirtschaft, des Finanzwesens und Rechts (Tinalgi/Florida 2006, 19). Entsprechend besteht eine Vielzahl von Systematisierungsansätzen, die kreative von nicht kreativen Wirtschaftsbranchen zu unterscheiden versuchen. Sie reichen von der negativ definierten Abgrenzung des Wissensarbeiters als non-producion-worker (vgl. auch Helbrecht/Meister 2007) über seine statistikgestützte Zuordnung als Mitglied einer Kreativen Klasse bestimmter Berufsgruppen (vgl. Florida 2004) bis hin zur branchenscharfen Unterscheidung der Kreativwirtschaft, wie sie in zahlreichen Kultur- und Kreativwirtschaftsberichten der Länder oder der Kommunen vorgenommen wird. Dieser Untersuchung liegt im Grundsatz ein zunächst sehr weit gefasstes Verständnis von Kreativer Ökonomie und den ihr zugeordneten Berufsgruppen zugrunde, das sich in Anlehnung an den offenen Definitionsrahmen von Horx (Horx o. J.) wie folgt darstellen und mit den von Florida gebildeten Berufsgruppen in Teilen vergleichen lässt (vgl. Fritsch/Stützer 2006): 1. Unter den klassischen Kulturberufen können Autoren, Schauspieler, Musiker, Maler, Regisseure, Tänzer und zahlreiche weitere Kulturschaffende subsumiert werden. Sie stellen als Bohemiens (Florida) den künstlerischen Teil der Kreativen Klasse dar und stehen durch ihre Anwesenheit für Offenheit und Vielfalt einer Region (Florida 2004, 8). Nicht zuletzt wirkt ihre Gegenwart anziehend und inspirierend auf die weiteren Gruppen. ILS / STADTart 7

14 2. Eine zweite Untergruppe bildet die der erweiterten Kulturberufe, zu denen all jene Beschäftigte zählen, in denen das Kreative Prinzip Einzug in die Arbeit gefunden hat. Neben Werbern, Textern und Kommunikationsspezialisten gehören hierzu beispielsweise auch Finanzdienstleister, Analysten und Berater, die durch ihre spezifische Arbeitsweise zu Floridas Creative Professionals (u.a. keine Routine- Tätigkeiten, Anwenden von Wissen in immer neuen Zusammenhängen) gerechnet werden können (Florida 2004). 3. Schließlich wächst auch die Bedeutung der Kreativen in konventionellen Berufen. Statt durch Masse und Wiederholung ihrer Tätigkeit nachzugehen, wenden auch sie ihr Wissen in neuen Zusammenhängen, mit neuen Materialien oder Techniken an und schaffen auf diese Weise innovative Angebote. Horx nennt als ein Beispiel Winzer, die sich mit Avantgarde-Architekten verbünden und in die kreative Gastronomie expandieren. Kunzmann spricht in diesem Zusammenhang vom Geigenbauer, der mit seinem exklusiven handwerklichen Produkt die räumliche Nähe zu den unter 1. genannten klassischen Kulturberufen (hier Musiker) suchen wird (STADTart/ILS NRW 2007). Auch mit dieser Dreigliederung lassen sich nicht alle Berufsgruppen kreativer Milieus abschließend fassen und einordnen. Zu ergänzen wäre unter anderem der Bereich Forschung und Entwicklung, der nur in Floridas ( creative core ), nicht aber in Horxs Systematisierung kategorisch berücksichtigt wird. Anders als bei Horx fehlen bei Florida und bei vielen auf seinem Forschungsansatz basierenden Regionalstudien weiterer Autoren allerdings die kreativ ausgeübten konventionellen Berufe weitgehend. Von ihren Dienstleistungen geht jedoch eine bedeutende Wirkung auf andere Lebensbereiche und Berufsgruppen aus. Sie tragen damit zu einem großen Teil zur Prägung urbaner Vielfalt bei. Letztlich kommt es an dieser Stelle aber nicht auf eine abschließende Eingrenzung dessen an, was Kreative Ökonomie ist und welche Berufsgruppen darunter zu begreifen sind. Dies sollte vor Ort unter objektiver Einschätzung des vorhandenen Humanvermögens und der damit verbundenen Zukunftsziele fallweise definiert werden. Kreativ- und Kulturwirtschaft in der weiteren Untersuchung Für eine bessere Operationalisierbarkeit wendet sich die Untersuchung im Folgenden zunächst der Kultur- und Kreativwirtschaft als Teilbereich der Kreativen Ökonomie zu (Übersicht 2.2). Dies ist zweckmäßig, da sich hochqualifizierte Arbeitskräfte nicht als vollkommen homogene Gruppe mit deckungsgleichen Raumpräferenzen begreifen lassen. Auch wenn Überschneidungen vorliegen, sind ihre Standortanforderungen auf eine Weise branchendeterminiert, dass einzelne Wirtschaftszweige der Kreativen Ökonomie diesbezüglich gesondert betrachtet werden sollten (Markusen/Schrock 2001). 8 ILS / STADTart

15 Übersicht 2.2: Branchenstruktur der Kulturwirtschaft, der Kernbereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft und der Kreativwirtschaft Kulturwirtschaft Musikwirtschaft, Literatur-, Buch- und Pressemarkt, Kunstmarkt, Designwirtschaft, Film- und TV-Wirtschaft, Theatermarkt, Architektur, Werbung vorgelagerte Bereiche der Kulturwirtschaft u.a. Herstellung von Musikinstrumenten Rundfunk-, fernseh- und phonotechnischen Geräten Foto-, Projektionsund Kinogeräten u.a. Selbstständige Künstler/innen, Schriftsteller/innen, Journalist/innen, Artist/innen, Restaurator/innen Verlagsgewerbe, Musikverlage, Tonstudios, Film- und TV-Herstellung Konzerthallen, Filmtheater, Varietés, Kleinkunstbühnen Kernbereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft Einzelhandel mit Büchern, CDs/Schallplatten, Musikinstrumenten, Kunstgegenständen Theater- und Konzertveranstalter Architektur- und Designbüros Werbegestaltung nachgelagerte Bereiche der Kulturwirtschaft u.a. Vervielfältigung von Bild- und Tonträgern Diskotheken und Tanzlokale Antiquariate Übersetzungsbüros Druckereien Videotheken Werbevermittlung Verlegen von Software Softwareberatung und Entwicklung Kreativwirtschaft (Creative Industries) Teilmärkte der Kulturwirtschaft und Softwarebranchen Quelle: Arbeitsgemeinschaft Kulturwirtschaft NRW 2007 Die Kultur- und Kreativwirtschaft eignet sich aufgrund ihrer spezifischen Stellung im Gesamtgefüge der Kreativen Ökonomie zudem in besonderer Weise als Einstieg in die Untersuchung von Raumtypen und Standortanforderungen. Kreative Berufe und Dienstleistungen befinden sich durch ihr Aufgabenfeld an der Schnittstelle zwischen Kunst, Kultur und Wirtschaft. Ihre Arbeitsergebnisse (z.b. aus dem Bereich Design) fließen in nahezu alle weiteren auch traditionellen Wirtschaftszweige ein und kön- ILS / STADTart 9

16 nen als Antrieb für Innovationen und technische Neuerungen gelten (Wiesand 2006, 11). Sofern man die Kultur- und Kreativwirtschaft also als Nukleus der Kreativen Ökonomie auffasst, sind mit ihr weitere Branchen der Wissensökonomie auf unterschiedliche Weise auch räumlich vergesellschaftet. In zweiter Ebene tragen Kultur- und Kreativwirtschaft wesentlich zu Image, Atmosphäre und urbanem Lebensstil der Stadt bei und gelten damit als wichtige Standortbildner für weitere wissensintensive Branchen. Die Kreativ- und Kulturwirtschaft stellt aus stadträumlicher Perspektive sowohl ein Potenzial als auch ein Attraktionsfaktor für weitere Branchen der Kreativen Ökonomie dar. 10 ILS / STADTart

17 3 Kultur- und Kreativwirtschaft, Kreative Räume, Kreatives Handeln in der Stadtentwicklung: ein Überblick Die Kultur- und Kreativwirtschaft, eine Querschnittsbranche ähnlich wie beispielsweise die Tourismus- und Sportwirtschaft, hat entgegen des derzeitigen Hypes um deren Bedeutung als Branche in dem einen oder anderen Teilmarkt (z.b. im Buch- und Pressemarkt) oder in einzelnen Segmenten wie der Herstellung von Musikinstrumenten eine lange Tradition. Sie setzt sich in einer an Wertschöpfungsketten orientierten Abgrenzung aus einer Vielzahl von kulturbezogenen oder als kreativ eingeschätzten Wirtschaftszweigen und über die Wertschöpfungskette zusammen. In den 80er und 90er Jahren verzeichnete die Wirtschaftsbranche bundesweit ein deutlich überdurchschnittliches Wachstum (Übersicht 3.1). Dies galt über viele Jahre für nahezu alle Teilmärkte sowohl hinsichtlich der Umsätze, der Anzahl der Selbstständigen bzw. Unternehmen als auch der Beschäftigten (Arbeitsgemeinschaft Kulturwirtschaft NRW 2007). Kultur- und Kreativwirtschaft Für die im Vergleich zu vielen anderen Wirtschaftsbranchen überdurchschnittliche Dynamik der Kultur- und Kreativwirtschaft dieser Zeit gibt es mehrere Gründe: So hat die Ausdifferenzierung der kulturellen Interessen (z.b. der Musikstile), bei gleichzeitig eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten der Kommunen im Kultursektor (u.a. aufgrund der weitgehenden Festlegung auf kulturelle Großeinrichtungen wie Theater, Konzerthäuser), die Zunahme erwerbswirtschaftlich getragener Kulturangebote ermöglicht; Übersicht 3.1: Ansätze, Abgrenzungskriterien und Handlungsfeld zur Kulturwirtschaft, Kreativwirtschaft und Kreativen Ökonomie Kulturwirtschaft Kreativwirtschaft Kreative Ökonomie Bezugsgröße Kultur Kreativität human ressources - Wissen Abgrenzungskriterium Wertschöpfungskette Kreative mit Urheberrechten Hochqualifizierte in Kunst und Wissenschaft Handlungsfeld Strukturpolitik, Wirtschaftsförderung Kulturförderung, Forschungs- und Innovationspolitik Struktur- und Standortpolitik Quelle: STADTart 2007 ILS / STADTart 11

18 Parallel dazu hat eine anhaltende Zahlungsbereitschaft des Kulturpublikums und die Ausweitung des Kulturkonsums im Rahmen einer sogenannten 24 Stunden und 7 Tage-Gesellschaft die Nachfrageverlagerung innerhalb des Kultursektors von öffentlich geförderten zu erwerbswirtschaftlichen Anbietern begünstigt; Des Weiteren hat die Privatisierung der bundesweiten TV-Landschaft der kleinteiligen Content-Industrie (z.b. den TV-Produktionsfirmen) zu einem Wachstumsschub verholfen; Auch haben mit dem Übergang von der fordistischen zur postfordistischen Produktion und einer weitgehenden unmittelbaren Bedarfsdeckung bei vielen Produkten und Dienstleistungen, Kommunikations- und Produktdesign eine deutliche Aufwertung erfahren. In deren Folge werden bis heute entsprechende Dienstleistungen verstärkt nachgefragt. Kreative Räume Die aus diesen positiven Marktbedingungen hervorgegangenen Potenziale der Selbstständigen bzw. erwerbswirtschaftlichen Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft haben sich in den Städten nicht gleichmäßig oder auch nicht vorwiegend in ausgewiesenen Gewerbegebieten niedergeschlagen. Die Selbstständigen bzw. die Kleinunternehmen der Querschnittsbranche in Dortmund haben beispielsweise drei Viertel aller Betriebe nicht mehr als fünf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (STADTart, Kunzmann 2007, 27) bevorzugen überwiegend innenstadtnahe Gebiete (Kapitel 6). Ausnahmen sind flächenintensive Unternehmen (z.b. in der Pressewirtschaft, bei Film- und TV-Studios), die ihren Sitz wie andere Gewerbe- und Industrieunternehmen zumeist in großflächigen Gewerbe- und Industriearealen am Stadtrand haben. Bei den innerstädtischen Gebieten lassen sich zwei unterschiedliche Gebiets- oder Raumtypen unterscheiden: multiethnisch geprägte Gebiete mit Imageproblemen und preisgünstigen Gewerbeflächen. Letzteres kommt insbesondere den zahlreichen Künstler/innen, Selbstständigen und Existenzgründer/innen (der kulturellen kreativen Klasse ) entgegen, die vielfach prekären Lebensbedingungen ausgesetzt sind; eher höherpreisige Teilräume mit einem guten Gebietsimage und vorwiegend am Markt etablierten Selbstständigen und zumeist größeren Unternehmen der Kulturund Kreativwirtschaft (z.b. in der Werbewirtschaft). Die jeweiligen Nutzergruppen haben diese Räume im Rahmen des Umbaus oder im Zusammenhang mit spektakulären kulturellen Inszenierungen (z.b. von Musik- und Theaterveranstaltungen) vielfach baulich unkonventionell in Wert gesetzt oder sie haben sich als idealer Standort für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung erwiesen. In einem metaphorischen Sinne lassen sich solche Gebiete daher als kreative Räume der Kultur- und Kreativwirtschaft bzw. der Stadt bezeichnen. 12 ILS / STADTart

19 Sie entsprechen mit ihren zumeist kleinteiligen, oftmals auch baulich attraktiven und flexibel gestaltbaren Gewerbeflächenpotenzialen, in einem als urban empfundenen Wohnumfeld, den Standortanforderungen weiter Teile der Kultur- und Kreativwirtschaft (ausführlich Kapitel 5). Auch weisen die kreativen Räume aufgrund der Nutzungsmischung und der guten Erreichbarkeit günstige Rahmenbedingungen für die zumeist projektwirtschaftlich organisierten Kleinunternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft auf (für die Werbewirtschaft ausführlich Grabher 2002). Dadurch lassen sich deren Transaktionskosten minimieren. Da die Selbstständigen bzw. Unternehmen in diesen Gebieten über Produktionsnetzwerke auch mit etablierten und überregional tätigen Unternehmen an eher höherpreisigen Standorten der Stadt bzw. Region verbunden sind und diese damit zu deren Sicherung am Markt beitragen (Krätke 2002), sind auch diese räumlichen Schwerpunkte der Kultur- und Kreativwirtschaft als Kreative Räume anzusehen. Zusammen mit weiteren Kreativen Räumen der Kultur- und Kreativwirtschaft bilden sie wertschöpfungsbezogen ein interdependentes Netzwerk, ein Standortsystem der Kreativen Räume einer Stadtregion. Kreatives Handeln Die spezifischen Anforderungen der Selbstständigen bzw. Unternehmen der Kulturund Kreativwirtschaft sowie manche Rahmenbedingungen dieser kreativen Räume (z.b. eine vertraglich wenig abgesicherte Nutzungsmöglichkeit von Gewerbeflächen) erfordern und ermöglichen zugleich jenseits gängiger Konzepte und Verfahren der Stadtentwicklungsplanung (z.b. der Infrastrukturplanung, der Gewerbeflächenplanung) ein modifiziertes bzw. anderes Handeln der stadtentwicklungsrelevanten Akteursgruppen. In Anlehnung an Kreativitätskonzepte des Pragmatismus (Dewey nach Joas 1992) kann ein solches Handeln als Kreatives Handeln verstanden werden. Wie zahlreiche Projekte der Stadterneuerung der letzten Jahre zeigen (Kapitel 4), ist ein Aspekt des Kreativen Handelns die Einbindung von bislang wenig beachteten Akteuren, sowohl aus der Kultur- und Kreativwirtschaft (z.b. Veranstalter) als auch der Immobilienwirtschaft. Deren Beteiligung kann in der Stadtentwicklungsplanung kreative Prozesse auslösen und Kreatives Handeln der planenden Verwaltung ermöglichen bzw. zur Folge haben. Beispiele sind eine Reihe, teilweise auch bundesweit verfolgter und bekannter Ansätze und Projekte (Kapitel 8): Integrierte Infrastrukturprojekte im Kultursektor: Solche Projekte wie beispielsweise das Depot in Dortmund oder die Rohrmeisterei in Schwerte (Boll, Dahlheimer, Walter 2004), die vielfach im Rahmen kreativer Prozesse der IBA Emscher Park entstanden sind, verbessern durch die Integration von Räumen für Künstler/innen bzw. für Selbstständige der Kultur- und Kreativwirtschaft deren Rahmenbedingungen. Im Rahmen des Programms Initiative ergreifen werden derartige integrierte Infrastrukturprojekte seitens des Ministeriums für Bauen und Verkehr des Landes NRW seit Jahren gefördert. ILS / STADTart 13

20 Entwicklung von Kultur- und Freizeitvierteln der 2. Generation für Stadtzentren: Dabei werden im Unterschied zu ausschließlich auf öffentlichen Kultureinrichtungen basierenden Kulturmeilen der 1. Generation der 80er und 90er Jahre auch besucherbezogene Angebote der Kultur- und Freizeitwirtschaft (z.b. Kinotheater, Musikclubs) in die Entwicklung innerstädtischer Gebiete integriert (z.b. in Arnsberg, Solingen). Dadurch lassen sich gleichzeitig die Standortbedingungen für andere Segmente der Kultur- und Kreativwirtschaft wie Design- und Werbebüros verbessern (ausführlich Ebert/Siegmann 2003). Initiativen der Immobilienwirtschaft im Bestand: In letzter Zeit haben auch einige Projekte der Immobilienwirtschaft Kreative Räume hervorgebracht (Kapitel 6) wie etwa die Entwicklung des ehemaligen Vulkan-Areals in Köln zu einem Wohn- und Arbeitsstandort sowohl für Künstler/innen als auch für Selbstständige der Kulturund Kreativwirtschaft (Jäger 2005). Andere Beispiele sind das Deltawerk in Solingen oder das Walzwerk in Pulheim. Temporäre Nutzung von Gewerbe- und Industriearealen durch Kultur sowie Kultur- und Kreativwirtschaft: Musterbeispiel für die temporäre Nutzung ist in Deutschland der ehemalige, zwischen 1996 und 2002 überregional sehr erfolgreiche Kunstpark Ost in der Nähe des Ostbahnhofs in München, eine aus dem Kultursektor heraus initiierte, temporäre Nutzung eines ca. sechs ha umfassenden Gewerbekomplexes, u.a. mit Diskotheken, Musikclubs, Gastronomie, Atelierräumen für Künstler/innen, Architekt/innen etc., Probenräumen (u.a. Helbrecht 1999). Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurden einige Nutzungsbausteine des Kunstparks Ost in den zwischenzeitlichen Umbau integriert bzw. neue entwickelt (z.b. der Ausstellungsort Whitebox ) oder in unmittelbarer Nähe wieder errichtet. Ähnlich konzipierte temporäre Projekte sind u.a. der RAW-Tempel in Berlin oder der Güterbahnhof in Basel. Diese und weitere Projekte wie etwa das Unperfekthaus in Essen sind Ausdruck kreativen Handelns in der Stadtentwicklungsplanung. Dabei wurden traditionelle Ressortgrenzen der Kommunalverwaltung kooperativ überwunden und für einige Gebiete neue Ziele bzw. Handlungsansätze verfolgt (z.b. die Ansiedlung von Künstler/innen) oder jahrelang kaum beachtete Zielgruppen von der Immobilienwirtschaft angesprochen und weniger nachfragestarke Nutzergruppen in die Bestandsentwicklung integriert. Zu den kreativen Ansätzen zählen darüber hinaus vertraglich abgesicherte Nutzungskonzepte von Gewerbeflächen, die den urban pioneers der Selbstständigen bzw. Existenzgründer/innen der Kultur- und Kreativwirtschaft eine temporäre Nutzung ermöglichen, wodurch jenseits der ansonsten eingesetzten Instrumente der Wirtschaftsförderung (u.a. Aufbau von Gründungszentren) auf neue und damit kreative Weise Existenzgründungen ermöglicht werden. 14 ILS / STADTart

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