Universal oder Trennbankensystem

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1 Institut für Bankrecht und Bankwirtschaft der Universität Rostock Bankrechtsabend, 18. Juni 2013 Universal oder Trennbankensystem Welche Bankenstruktur braucht die Realwirtschaft in Ostdeutschland? Klaus Wagner Wieduwilt Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Ostdeutscher Bankenverband e.v.

2 Wer wir sind der Ostdeutsche Bankenverband e.v.: Folie 2

3 Was ist seit 2007 geschehen? 1. Krise: Subprimekrise 2. Welle: nach der Insolvenz von Lehman Brothers Seit 2010: Schuldenkrise von Staaten im EURO Raum Bankenrettungspakete Konjunkturpakete Hilfen für hoch verschuldete Staaten (GR: sogar Schuldenschnitt) Konsequenzen aus den Krisen: Geschäftsmodelle (Maßstab: Orientierung der Produktangebote am Kundenbedarf) Vergütungssysteme (Orientierung an nachhaltigen Kriterien) Risikomanagement, Derivateregeln etc. Basel III (Eigenkapital etc.) Anlageberatung (Beratungsprotokolle, Beraterregister, Produktinfoblätter) Neue Bankenaufsichtsstruktur (EBA) Aufsicht über Rating Agenturen Bankenabgabe etc. Gesetz Trennbanken Banken und Regulierung waren nicht tatenlos, sondern viele Schritte zur Stärkung der Stabilität des Finanzsystems sind gemacht! Folie 3

4 Veränderung der Wirtschaftsstruktur seit 1993 Wirtschaft in Ostdeutschland: enormen Strukturwandel erfolgreich bewältigt! Folie 4

5 Wirtschaftsentwicklung der letzten 10 Jahre Verarbeitendes Gewerbe: langfristig der Wachstumsmotor! Folie 5

6 Größenklassen der Unternehmen in Ostdeutschland Fast 40% der Unternehmen erzielen Jahresumsätze unter 5 Mio.! Folie 6

7 Kernbranchen im Verarbeitenden Gewerbe Vielfältige Einzelbranchen mit sehr unterschiedlicher Auslandsorientierung! Folie 7

8 Umsatzentwicklung der Industrie (Inland/Ausland) Anteil der Auslandsumsätze seit 1996 mehr als verdoppelt! Folie 8

9 Exporte aus Ostdeutschland 2012 Länder außerhalb des EURO Raums stark im Fokus! Folie 9

10 Mittelstandsfinanzierung in Ostdeutschland Optimierung der Gesamtfinanzierung aus: Hausbankkredit Komplementäre Finanzierungsinstrumente (stille Beteiligung der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft, Bürgschaft der Bürgschaftsbank etc.) Förderinstrumente der Investitionsbank, der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) etc. Am Bedarf des Kunden orientierter richtiger Mix ist strategisch wichtig! Folie 10

11 Derivate für KMU in Ostdeutschland wichtig? Risiken bei ausländischen Geschäftsbeziehungen für Beschaffung oder Absatz: Wechselkursveränderungen Rohstoffpreisveränderungen Marktpreisveränderungen Zinsänderungen Zahlungsrisiken Auch derivative Produkte haben in Ostdeutschland realwirtschaftlichen Hintergrund! Folie 11

12 Bankenregulierung: Basel I bis III 1974: BIZ (Basel) 1988: Basel I 2007: Basel II 2014: Basel III Gründung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel Committee on Banking Supervision) bei der dortigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich Einführung eines international einheitlichen Standards: Für jedes Risiko muss eine Bank in der Regel 8% Eigenkapital binden Jede Bank muss insgesamt mindestens 8% Eigenkapital binden, je Einzelrisiko aber differenziert (= gerechtere Bepreisung der Risiken!) Deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen als Lehre aus der globalen Finanzmarktkrise 2008 / 2009 Eigenkapitalanforderungen an Banken: Grundpfeiler der Bankenregulierung Folie 12

13 Von Basel II zu Basel III Weiterentwicklung der Drei Säulen Aufsicht Bereits Ansätze nach Basel II: international und sehr engmaschig Folie 13

14 Von Basel II zu Basel III Neue Mindestkapitalanforderungen Deutliche quantitative und qualitative Verschärfung der Regeln Folie 14

15 Von Basel II zu Basel III Liquiditätsvorschriften Transformationsfunktion von Banken: Umwandlung kurzfristig verfügbarer Einlagen (von Sparern etc.) in längerfristige Kredite! Liquidity Coverage Ratio (LCR) Soll dafür sorgen, dass Banken in extremen Stresssituationen zumindest für die nächsten 30 Tage ausreichend liquide Aktiva (Liquiditätspuffer) vorhalten und dadurch sicher zahlungsfähig bleiben. Net Stable Funding Ratio (NSFR) Illiquide Aktiva der Bank (dazu gehören auch Firmenkredite) sollten mindestens für die nächsten 12 Monate aus stabilen Quellen refinanziert werden. Erstmalige Einführung international einheitlicher Liquiditätsregeln Folie 15

16 Neuerungen für die Banken Gesamtüberblick Banken müssen mehr und qualitativ höherwertiges Eigenkapital bilden. Dieses muss den Kapitalgebern marktgerecht verzinst werden. Das ist teuer! Liquiditätsvorschriften zwingen in niedriger verzinsliche Anlagen und beschränken Fristentransformation (Langfristfinanzierung). Leverage Ratio beschränkt zusätzlich Geschäftsmöglichkeiten. Kumulativ dazu weitere Regulierungen wie z.b.: Bankenabgabe Diskussionen über weitergehende Besteuerung Ziel eines stabileren Finanzmarktes richtig, aber Gesamtbelastung nicht aus den Augen verlieren! Folie 16

17 Diskussion Trennbanken Steinbrück ( Bundesfinanzminister):... europäische Banken mit ihrem Universalbankenmodell ein Modell, das sich derzeit gegenüber dem amerikanischen Trennbankenmodell als sehr überlegen erwiesen hat. Steinbrück ( ): Thesenpapier Neuer Anlauf zur Bändigung der Finanzmärkte ; darin u.a. Trennung von Geschäfts und Investmentbanking USA/UK/EU: in USA Volcker Rule (Bankenstrukturreform Zeitpunkt noch offen), in UK Sept Vickers Report (Umsetzung bis Anfang 2019 angestrebt), in EU Regulierungsentwurf auf Basis des Liikanen Berichts in III/2013 zu erwarten. Deutschland (ab 2014): Inkrafttreten des am 17.5./ beschlossenen Trennbankengesetzes Ziel nicht aus dem Auge verlieren: Erhöhung der Finanzmarktstabilität! Folie 17

18 Beschlossene KWG Änderungen Investmentbanking > 100 Mrd. bzw. > 20% der Bilanzsumme (ab 90 Mrd. ) Insbesondere: Eigengeschäfte (Handel auf eigene Rechnung ohne Kundenauftrag) Kredit und Garantiegeschäfte mit Hedgefonds etc. Insbesondere: Einlagen und Kreditgeschäfte Auch: Geschäfte zur Absicherung der Kundengeschäfte Auch: Geschäfte zur Zins, Währungs und Liquiditätssteuerung der Bank Kosten dieser Banken werden steigen etc., aber auch die Finanzmarktstabilität? Folie 18

19 (realwirtschaftliches Geschehen/Mittelstandsfinanzierung) Erfolgreicher Strukturwandel in Ostdeutschland seit 90er Jahren: Zunehmend anspruchsvollerer Finanzierungsbedarf der mittelständischen Unternehmen (Wachstum, Innovationen, Auslandsorientierung etc.). Finanzkommunikation mit Hausbank und anderen potenziellen Kapitalgebern: Schlüssel zu erfolgreicher Gesamtfinanzierung (passgenauer Finanzierungs Mix für jeweils aktuellen Bedarf des Mittelständlers). Derivative Finanzierungsinstrumente: als Quasi Versicherungen gegen diverse Geschäftsrisiken auch für KMU in Ostdeutschland wichtig (insbesondere im Auslandsgeschäft). Private Banken in Ostdeutschland: wichtige Partner des Mittelstandes! Folie 19

20 (Bankenregulierung) Basel III (= Kern der Neuregulierung): deutliche Erhöhung der Eigenkapitalanforderungen und der weiteren Regulierung zur Sicherung der Finanzmarktstabilität. Bankenstruktur: Trennbanken vs. Universalbanken (aus Sicht der Liikanen Gruppe hat sich in der globalen Finanzmarktkrise kein Geschäftsmodell als besonders krisenanfällig oder krisenresistent erwiesen) Erhöhung der Finanzmarktstabilität bzw. Verbesserung des Schutzes des Steuerzahlers in Krisenzeiten durch Strukturveränderung zu bezweifeln. Bankenstruktur muss zur Realwirtschaft passen für die exportorientierte deutsche Wirtschaft (Stichwort: Wohlstandsgarant) war das Universalbanksystem bislang ausgesprochen leistungsfähig, erfolgreich und zuverlässig. Global einheitliche Bankaufsichtsregeln unter Wettbewerbsaspekt unverzichtbar! Folie 20

21 Publikationen zum Thema: Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Folie 21

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