Kinder brauchen Stifter

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1 Kinder brauchen Stifter Wie sich Menschen für Kinder in aller Welt einsetzen

2 Stiften für Kinder! Inhalt Kinder haben Rechte...4 Kinderarmut ist ein Teufelskreis...6 Masern sind nicht tödlich...8 Arme Kinder brauchen Bildung...10 Straßenkinder sind Opfer, nicht Bedrohung...12 Behinderung ist keine Strafe Gottes...14 Kinder brauchen eine gesunde Umwelt...16 Ausbildung darf kein Privileg sein...18 Eine eigene Kinderstiftung...20 Stiftungen & Impressum...23 Die Situation von Kindern sowohl in Entwicklungsländern als auch in Deutschland ist erschreckend: Allein in Deutschland sind fast drei Millionen Kinder und Jugendliche von Armut betroffen. In Entwicklungsländern kämpfen 40 Prozent aller Kinder jeden Tag ums Überleben. Mit mir und meiner Familie hat es das Schicksal gut gemeint. Deswegen setze ich mich mit meiner Stiftung für traumatisierte Kinder ein. Und ich hätte nicht gedacht, wie viel Freude eine eigene Stiftung macht: Ich kann genau den Kindern helfen, die mir am Herzen liegen und ich kann verfolgen, wie sich ihr Leben zum Besseren wendet. Mit der Initiative Stiften für Kinder möchten wir Menschen auf ihrem Weg zur eigenen Stiftung begleiten. Wir stellen erfolgreiche Stifter und ihre Projekte vor. Dabei muss man kein Bill Gates sein, um eine eigene Stiftung zu errichten. Die Stifter, die wir porträtieren, sind großteils ganz normale Menschen wenn auch mit einem besonders großen Herzen. Um Interessenten den Einstieg zu erleichtern, zeigen wir auf, wo sie konkrete Hilfe bei der Gründung, Verwaltung und Gestaltung ihrer Stiftung bekommen können. Angesichts der weltweiten Not von Kindern und Jugendlichen hoffe ich, dass viele Menschen zu Stiftern werden und sich langfristig für eine bessere Zukunft der Jugend engagieren. Ihr Alexander Brochier Vorsitzender des Stifterrats der Stiftung Stifter für Stifter Träger des Deutschen Stifterpreises

3 Kinder haben Rechte 1989 wurde die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Stiftung Children for a better World Am 20. November 1989 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, die UN-Kinderrechtskonvention. Jeder Mensch unter 18 Jahren erhielt damit verbriefte Rechte darunter das Recht auf Überleben, auf Bildung, auf Schutz vor Missbrauch und Gewalt, aber auch das Recht, an Entscheidungen beteiligt zu werden. Die Kinderrechtskonvention hat den Grundstein für eine kinderfreundlichere Welt gelegt. Alle Staaten mit Ausnahme der USA und Somalias haben die Konvention ratifiziert. Die Kinderrechte sind kein vages Versprechen, sondern eine völkerrechtlich bindende Verpflichtung für Staat und Gesellschaft, das Wohlergehen der Kinder zur Kernaufgabe zu machen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Kinderrechtskonvention zum politischen Rahmen für alle Anstrengungen geworden, die Lebenssituation der Kinder zu verbessern. Sie hat das Bewusstsein für Verstöße gegen die Grundrechte der Kinder geschärft. Gewalt gegen Kinder, Kinderprostitution oder der Einsatz von Kindersoldaten sind offiziell geächtet und werden auch stärker verfolgt als früher. Doch täglich werden die Rechte von Millionen Jungen und Mädchen weiter verletzt. Die Konvention hat die Kinderrechte auf allen Kontinenten gestärkt, aber die Herausforderungen zu ihrer Verwirklichung für jedes Kind bleiben groß in Deutschland und weltweit. Ich habe immer gesagt: zehn Prozent, sowohl vom Einkommen als auch von der Zeit das ist die alte biblische Zahl. Realiter ist es mehr. Es ist für mich ein großes Glück, an die Gesellschaft ein Stück zurückzugeben, es gibt spannende Kontakte mit Menschen, die ich sonst nicht kennen lernen würde, und einfach eine andere Art zu arbeiten. Es geht mir nicht um Gewinn im üblichen Sinn, sondern um Gewinn von Menschlichkeit, von humaneren Lebensbedingungen für alle, die es brauchen gründeten Florian Langenscheidt und Gabriele Quandt mit 32 anderen die Kinderhilfsorganisation Children for a better World. Um die Arbeit langfristig zu sichern, wollten sie dem Verein 2007 eine Stiftung an die Seite stellen. Sie warben bei Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft und konnten im gleichen Jahr mit über 30 Gründungsstiftern die Stiftung mit einem Vermögen von 5,2 Millionen Euro gründen. Beide gaben jeder 1 Million Euro und Alfred Ritter unterstützte sie mit derselben Summe. Im Vordergrund der Arbeit stehen Auslandsprojekte, der Kampf gegen Kinderarmut in Deutschland und die Förderung des sozialen Engagements und des Gemeinsinns von Jugendlichen. Wir wissen alle aus Erfahrung, dass private Hilfe weitaus effizienter und menschlicher ist als die des Staates. Dieser Verantwortung wollen wir uns stellen! Dr. Florian Langenscheidt, Stifter Die UN-Kinderrechtskonvention will nicht nur Unrecht verhindern, sondern fordert alle Menschen auf, Kinder und Jugendliche als Mitbürger ernst zu nehmen, ihrer Stimme weltweit mehr Gehör zu verschaffen und sie in ihrem Engagement zu unterstützen. CHILDREN will mit der Initiative JUGEND HILFT! genau das und zeichnet in seinem Wettbewerb jedes Jahr engagierte Kinder und Jugendliche aus: Integrationslotsen, Schüler, die Seniorenheime besuchen, Jugendliche, die ein Navigationsgerät für Rollstuhlfahrer entwickeln, Kinder, die durch Schuheputzen auf die Missstände von Kinderarbeit aufmerksam machen. Die Gewinner kommen für vier Tage zur Preisverleihung nach Berlin und nehmen an Workshops teil. CHILDREN unterstützt die Projekte der Kinder und Jugendlichen mit bis zu Euro. Bei CHILDREN reden und bestimmen die Kinder mit. In Kinderbeiräten in München, Berlin und Hanau entscheiden sie über Förderanträge. Sie beschäftigen sich mit Armut und Krankheit in Entwicklungsländern, den Folgen von Bürgerkriegen oder Migration in Deutschland. Alle Anträge werden von den Kindern diskutiert, bevor sie gemeinsam entscheiden. In zwei Sitzungen im Jahr bewilligen sie insgesamt bis zu Euro. 4 5

4 Kinderarmut ist ein Teufelskreis 40 Prozent aller Kinder in Entwicklungsländern leben von weniger als einem US-Dollar pro Tag. Kinderfonds Stiftung children s net Die meisten Probleme, mit denen Kinder weltweit konfrontiert sind, beruhen auf Armut. Arme Kinder leiden an Hunger und haben kein richtiges Zuhause. Sie leiden an Krankheiten, ohne zum Arzt gehen zu können, sie können nicht zur Schule gehen und finden als Erwachsene keine angemessene Arbeit. Sie sind anfälliger für sexuelle Ausbeutung, haben ein größeres Risiko, sich an HIV anzustecken und ihre Lebenserwartung ist wesentlich kürzer als die anderer Kinder. Armut ist jedoch nicht nur die Ursache für all diese Übel, sondern auch die Folge. Armut schafft mehr Armut oder anders gesagt: Armut ist ein Teufelskreis. Allerdings stellt die Bekämpfung von Kinderarmut eine gewaltige globale Herausforderung dar. Die Weltbank legt die Armutsgrenze bei einem US-Dollar pro Tag fest. Demnach lebt rund ein Sechstel der Weltbevölkerung in Armut. In den Entwicklungsländern müssen mehrere Hundert Millionen Kinder als arm bezeichnet werden. Man weiß, dass allein 640 Millionen Kinder in keiner angemessenen Wohnung leben. In Folge der Finanzkrise hat sich die Armut in den Entwicklungsländern sogar noch erhöht. In Südasien können 33 Prozent der Menschen ihren täglichen Mindestbedarf an Kalorien nicht decken. Fast jedes zweite Kind ist untergewichtig. Auch in Ländern wie Nepal, Pakistan und Afghanistan stieg die Zahl der vom Hunger bedrohten Menschen im Jahr 2009 drastisch an. Viele Familien müssen 60 bis 70 Prozent ihres Einkommens allein für Nahrung ausgeben. Auch in reichen industrialisierten Ländern gibt es Kinderarmut, die sogar in vielen dieser Länder zunimmt. Es ist nur ein schwacher Trost, dass die Armut in reichen Ländern zumindest nicht lebensbedrohend ist. Beate Blaha ist Fernsehjournalistin. Durch ihre humanitäre Arbeit bei den Sternstunden, der Kinder-Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, hatte sie bereits viel Erfahrung mit Not leidenden Kindern. Nach der Reportage über die Müllkinder von Klaipeda, dem ehemaligen Memel, beschloss sie, unter dem Dach der Stiftung Kinderfonds eine eigene Stiftung, children s net, zu gründen. Die Müllhalde gibt es nicht mehr, aber es gibt noch die vielen Kinder und Jugendlichen, die aufgefangen werden müssen. Denn die weltweite wirtschaftliche Krise hat vor allem die Länder im Osten Europas stark gebeutelt. Wer arm war, ist heute noch ärmer. In vielen Familien in Klaipeda sind Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Gewalt an der Tagesordnung. Die Kinder und Jugendlichen leiden unter Hunger und psychischen Problemen. Sie können sich nicht konzentrieren, haben in der Schule große Defizite und zeigen massive Verhaltensauffälligkeiten. Trotzdem entwickeln sie einen beeindruckenden Überlebenswillen. In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und anderen sozialen Trägern baute Beate Blaha in Klaipeda eine Tageseinrichtung für stark vernachlässigte Kinder und Jugendliche auf. Die Suche nach Haus und Geldern war ein Kraftakt, aber es gelang ihr, große Organisationen wie die UNESCO und die Sternstunden, aber auch zahlreiche Firmen und Privatspender für den Aufbau dieses Zentrums, das sich an modernsten pädagogischen Richtlinien orientiert, zu begeistern. Inzwischen zählt es zu den führenden Einrichtungen des Landes. Die Kinder genießen erstmals in ihrem Leben Geborgenheit, freuen sich in Schule und Ausbildung über erste Erfolgserlebnisse. Mein Engagement für Kinder begann, als ich für den Bayerischen Rundfunk einen Film drehte über litauische Kinder, die in unvorstellbarem Elend auf und vom Müll lebten. Ich sah ihre Traurigkeit und entsetzliche Armut, aber auch die besondere Kraft, die in ihnen steckte. Beate Blaha, Stifterin Children s net versucht, den gesunden Kern dieser Kinder zu finden, ihnen Mut zu machen und sie vor allem durch Förderung ihrer Kreativität zu stärken. 6 7

5 Dr. Martin Andreas Stiftung Ärzte für Kinder in Not Gemeinsam mit anderen Ärzten reist der Zahnarzt Dr. Martin Andreas immer wieder auf eigene Kosten in medizinisch unterversorgte Länder und Krisengebiete dieser Welt, um dort während seines Urlaubs ehrenamtlich zu arbeiten. Die persönliche und oft schockierende Konfrontation mit den unzähligen, meist bettelarmen, kranken und vielfach hilflosen Kindern haben ihn 2005 zur Gründung einer eigenen Stiftung veranlasst. Dank des großen Engagements der ehrenamtlich arbeitenden Ärzte und der enormen Großzügigkeit von Spendern und Zustiftern konnte er mit seiner Stiftung bislang mehr als Kinder in Nepal, Indien und Bhutan zielgerichtet und langfristig medizinisch behandeln. Hier leiden viele Kinder an Unterernährung und Infektionskrankheiten. Oft gibt es für sie keine medizinische Hilfe, denn die Behandlungskosten würden ihre Familien finanziell ruinieren. Auch Fehlbildungen, Verbrennungen und Verkrüppelungen bleiben häufig unbehandelt die Kinder sterben oder leiden ein Leben lang an den Folgen. Als Zahnarzt reise ich immer wieder in Entwicklungsländer. Hier helfe ich Kindern, die sonst keine medizinische Hilfe bekämen. Meine Stiftung hilft mir dabei. Dr. Martin Andreas, Stifter Durch umfangreiche Impfprogramme schützt die Stiftung Kinder vor Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung und Hepatitis B. Ergänzend werden die unterernährten Kinder mit vollwertiger Spezialnahrung und Vitaminpräparaten versorgt, um der weit verbreiteten Erblindung durch Vitaminmangel entgegenzuwirken. Masern sind nicht tödlich Jedes Jahr sterben 4 Millionen Kinder in ihren ersten 4 Lebenswochen. Im Jahr 2006 starben weltweit 9,7 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag etwa 70 Prozent von ihnen starben an Krankheiten, die durch moderne Medizin relativ einfach verhindert oder geheilt werden können. Besonders dramatisch ist die Sterblichkeitsrate bei den Neugeborenen: Von den 9,7 Millionen Kindern starben circa vier Millionen in den ersten vier Lebenswochen, fast sieben Millionen innerhalb des ersten Lebensjahres. Da 99 Prozent dieser Todesfälle in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen auftreten, kann man sagen: Je ärmer die Familien sind, desto größer ist die Gefahr, dass Neugeborene erkranken. Und je jünger die Kinder sind, desto größer ist die Gefahr für sie, auch an einfachen Krankheiten zu sterben. Weiterer Schwerpunkt der Stiftung ist die Organisation und Finanzierung von Operation-Camps. Spezialisierte Chirurgen fliegen während ihres Urlaubs als Team in die betroffenen Länder und operieren unentgeltlich Kinder, die sonst niemals Aussicht auf eine adäquate Behandlung hätten. Gleichzeitig werden einheimische Ärzte im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe in diesen speziellen Operationstechniken geschult. Die Kosten für die benötigten Medikamente, OP-Materialien und medizinischen Geräte übernimmt die Stiftung, ebenso für den Transport der Teams vor Ort und die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur wie Strom- und Wasserversorgung und eine umfassende Nachsorge. So sorgt die Stiftung dafür, dass die Kinder nach ihrer Genesung die Chance auf ein menschenwürdiges, normales Leben bekommen. Die häufigsten Todesursachen bei Kindern sind Lungenentzündung, Masern, Kinderlähmung, Durchfallerkrankungen, Malaria und AIDS. Für all diese Krankheiten gibt es effektive Methoden zur Prävention oder Heilung. Geeignete Ernährung, ausreichende Hygiene, einfache Impfstoffe und Medikamente oder die Verwendung von Moskitonetzen würden vielen Kindern das Leben retten. 8 9

6 Arme Kinder brauchen Bildung Weltweit besuchen 101 Millionen Kinder keine Grundschule. Schönebeck Stiftung Zukunft für Kinder Nur wer als Kind regelmäßig eine Schule besucht, kann den Teufelskreis aus Armut und mangelnder Bildung durchbrechen. Viele arme Familien können es sich jedoch nicht leisten, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Zum einen müssen die Kinder arbeiten und zum Familieneinkommen beitragen. Zum anderen sind Schulgebühren, Schuluniformen und Lehrmaterialien für sie oft unerschwinglich. Laut UNICEF gehen trotz weltweit gestiegener Einschulungsraten immer noch 101 Millionen Kinder nicht zur Schule. Über 60 Prozent von ihnen leben in Konflikt- und Krisenländern vor allem in Afrika und Asien. Entweder sie sind gar nicht eingeschult oder sie besuchen die Schule nur unregelmäßig. Die meisten dieser Kinder lernen nie lesen und rechnen und haben daher keine Chance, einen geeigneten Beruf zu erlernen. Auf diese Weise wird die Bildungsarmut von Generation zu Generation weitervererbt. Ein weiterer Aspekt ist die Qualität der Bildung. Überfüllte Klassenräume, kaum ausgebildete und schlecht bezahlte Lehrer, fehlende Hefte, Stifte, Schulbücher, Tische oder sanitäre Anlagen bestimmen den Schulalltag in den Entwicklungsländern. Ohne weitere massive Investitionen in Schulen und die Ausbildung von Lehrern werden viele afrikanische Staaten südlich der Sahara und Südasiens das Millenniumsziel Grundbildung für alle bis zum Jahr 2015 nicht erreichen. Womit hat unsere Familie das Glück verdient, in Deutschland aufzuwachsen? Ein paar Flugstunden entfernt, sähe die Zukunft unserer Kinder ganz anders aus. Herbert Schönebeck, Stifter Wir haben den Mut gehabt, sechs Kinder in diese Welt zu bringen. Sechs Kinder, die mit Gottes Segen gesund sind und denen es gut geht. Kinder, die eine Zukunft haben. Eine Urlaubsreise entfernt, sähe die Zukunft unserer Kinder ganz anders aus. Diese Erkenntnis war für das Ehepaar Schönebeck der Antrieb sich zu engagieren. Zunächst unterstützten sie mit Hilfe von Plan International ein Patenkind, und bald darauf errichteten sie im Plan Stiftungszentrum eine eigene Stiftung. Hier können sie ihr ganzes Engagement bündeln. Während sie früher relativ willkürlich an verschiedene Organisationen spendeten, setzt sich die ganze Familie nun gezielt für bestimmte Bildungsprojekte in Entwicklungsländern ihrer Wahl ein. Ein weiterer Meilenstein war die erste Stifterreise der Schönebecks hatte ihre Stiftung in Nepal den Bau einer Schule finanziert. Mutter Henriette und Sohn Frederik reisten zur Einweihung, und für beide war es ein großartiges Erlebnis, die glücklichen Schüler und engagierten Mitarbeiter vor Ort persönlich kennen zu lernen. Noch Jahre später besteht ein freundschaftlicher Kontakt nach Nepal zu einem der Projektleiter. Zurück in Deutschland wird die Werbetrommel gerührt. Immer mehr Menschen aus dem Umfeld der Schönebecks folgen ihren Spendenaufrufen: Zwar kommt das meiste Geld aus der Familie, aber auch Freunde, Bekannte, Mitarbeiter oder Kommilitonen unterstützen ihre Projekte. Dabei kommt Henriette Kolandt-Schönebeck, die als Vorstand fungiert, zu Gute, dass eine eigene Stiftung sehr transparent ist. Sie sieht genau, wann welcher Spender wie viel gegeben hat, kann sich bei ihm persönlich bedanken und später berichten, was aus seinem Beitrag geworden ist. Und vor allem kann sie immer wieder für mehr Solidarität mit den Kindern in anderen Regionen der Welt werben: Uns Mitteleuropäern sollte klar sein, dass es ein großes Glück ist, auf dieser Hälfte der Erdkugel geboren worden zu sein

7 Straßenkinder sind Opfer, nicht Bedrohung 33 Millionen Kinder leben weltweit auf der Straße. Stiftung Human Network do Brasil Im Gegensatz zu hungernden, kranken oder ausgebeuteten Kindern werden Straßenkinder häufig nicht als Opfer, sondern als Bedrohung empfunden: Sie hängen auf der Straße herum, nehmen Drogen, betteln oder stehlen sogar. In Ländern wie Brasilien ist die Ablehnung gegen Straßenkinder so groß, dass jedes Jahr Hunderte von ihnen getötet werden. Weltweit leben mindestens 33 Millionen Kinder auf der Straße. Andere Schätzungen sprechen sogar von 150 Millionen. Die meisten Straßenkinder haben zwar eine Unterkunft, verbringen aber die meiste Zeit auf der Straße, wo sie betteln oder als Straßenverkäufer, Schuhputzer, Boten oder Lastenträger arbeiten. Andere stehlen oder verkaufen Drogen. Sie gehören häufig Kinderbanden an oder arbeiten für erwachsene Kriminelle. Viele von ihnen werden Opfer extremer Gewalt und von Missbrauch. Kinder obdachloser Familien leben gemeinsam mit ihren Familien auf der Straße. Diese Kinder leben zwar in extremem Elend, genießen aber immer noch die Fürsorge und den Schutz einer Familie wenn auch unter schwierigen Umständen. Obdachlose Kinder müssen auf der Straße leben, weil sie überhaupt kein Zuhause haben. Einige sind Waisen, andere sind wegen Gewalt oder sexuellem Missbrauch von zu Hause weggelaufen, manche haben den Kontakt zu ihren Familien im Zuge einer Flüchtlingskrise verloren, andere wiederum sind der Sklaverei beziehungsweise extrem ausbeuterischer Arbeit entflohen. Obdachlose Kinder sind die verletzlichsten aller Straßenkinder, weil sie keinen Erwachsenen haben, an den sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. Die Unternehmerfamilien Eckes sind eng mit Brasilien verbunden. Mit der Produktion von Säften, die großteils aus brasilianischen Früchten stammen, hat die Familie viel Geld verdient. Darum engagieren sich Michael Eckes und seine Frau Maria Rosa Oliveira seit vielen Jahren für Straßenkinder in der Provinz Bahia, einer der ärmsten Regionen Brasiliens. Direkt nach dem Studium ging Michael Eckes nach Brasilien, um Fruchtplantagen aufzubauen. Dem 26-Jährigen fiel sofort auf, wie schlecht die Situation der Kinder in Bahia war. Für die Kinder der Plantagenarbeiter gab es nicht einmal eine Schule. Sehr schnell beschloss der junge Unternehmer, zu helfen. Wir wollten denen etwas zurückgeben, denen wir selbst so viel verdanken, erinnert sich Eckes heute. Da sich die Behörden als träge und uneffektiv erwiesen, nahm die Familie den Bau der Schule selbst in die Hand. In der Folge baute Michael Eckes mit sehr viel persönlichem Einsatz eine ganze Reihe von Hilfsprojekten auf, die er bald in dem Verein Human Network do Brasil zusammenfasste. Später kam der Wunsch auf, diesem Lebenswerk eine langfristige Perspektive zu verschaffen. Denn Eckes weiß: Das wichtigste ist, dass seine Hilfe verlässlich ist. Die Gründung einer rechtlich selbstständigen Stiftung kam nicht in Frage. Eckes hatte im Familienkreis erlebt, wie kompliziert und aufwändig eine Stiftungsgründung sein kann. Erst als er vom Instrument der Treuhandstiftung erfuhr, hatte er eine Rechtsform gefunden, mit der er schnell und einfach starten konnte, die keine hohen Verwaltungskosten auslöst und die er per Zustiftung oder Testament zu einer starken Stiftung ausbauen kann zumal Eckes Kinder mit seinem Engagement groß geworden sind und die Stiftung gerne fortführen wollen. Statt Golf zu spielen, engagiere ich mich lieber für unsere Projekte in Bahia. Michael Eckes, Stifter Eckes ist kein Freund von Charity Veranstaltungen. Viel lieber bemüht er sich in seinem persönlichen Umfeld um Spender. Er lädt Gäste zu Projektbesuchen ein und schreibt viele Briefe an Freunde und Geschäftspartner. Trotzdem stammen rund drei Viertel der Fördergelder von ihm selbst. Im Jahr 2009 konnte die Stiftung rund Euro für Schulen, Straßenkinderprojekte und Ausbildungsprogramme ausschütten. Obwohl Eckes sehr vielen Kindern hilft, ist ihm jedes einzelne wichtig. Als das ehemalige Straßenkind Liomarques dank der individuellen Förderung sogar einen Abschluss als Rechtsanwalt schaffte, flog Eckes extra nach Ilhéus, um seinem Schützling zu gratulieren

8 Manfred-Rothe-Stiftung Ich will Spuren hinterlassen. Manfred Rothe, Stifter Manfred Rothe gründete 2002 unter dem Dach der Kindernothilfe-Stiftung eine eigene Stiftung. Im Laufe der Jahre brachte der Ravensburger Gehörlosenlehrer Kapital und Immobilien im Wert von Euro in die Manfred-Rothe-Stiftung ein Geld, das er sein Leben lang gespart hatte. Behinderung ist keine Strafe Gottes 97 Prozent der behinderten Kinder in Entwicklungsländern bekommen keine Rehabilitation. In den Industrieländern können Kinder mit Behinderung ein langes und erfülltes Leben führen. In den Entwicklungsländern dagegen fehlt eine angemessene medizinische Versorgung. Dort gibt es zu wenig Ärzte, Kliniken und Rehabilitations-Einrichtungen. 97 Prozent der behinderten Kinder in Entwicklungsländern bekommen keine Rehabilitation und 98 Prozent keine angemessene Schulbildung. Die Bedeutung der Menschenrechte ist heute unbestritten. Doch die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderungen werden oft missachtet. Viele leiden unter gesellschaftlicher Ausgrenzung und Vorurteilen. Selbst ihr Grundrecht auf Überleben ist nicht selbstverständlich. Kinder und Jugendliche mit Handicaps leben sehr oft in extremer Armut. Zusätzlich werden diese Mädchen und Jungen oft ausgebeutet und missbraucht. Für viele von ihnen gibt es nur zwei Perspektiven: Entweder sie werden von ihren Familien zum Betteln auf die Straße gesetzt oder sie werden in den Häusern versteckt. Immer noch gilt Behinderung in vielen Entwicklungsländern als Strafe Gottes. Als Manfred Rothe elf Jahre alt war, musste ihm ein Bein amputiert werden. Schon damals stützte ihn sein Glaube. Seine spätere Arbeit als Gehörlosenlehrer machte ihn besonders sensibel für die Sorgen und Nöte behinderter Kinder. Für ihn war es selbstverständlich, sich außerhalb des Berufs für andere Menschen zu engagieren unterstützte er mit seinem ersten Gehalt ein Patenkind in Indien. Trotz seiner Behinderung unternahm Rothe viele Reisen und lernte dabei auch viele Not leidende Kinder kennen. Das Schicksal der Straßenkinder hat mich tief berührt, erzählt Manfred Rothe. Statt zu spielen und zu lernen, müssen sie als Schuhputzer arbeiten, um sich und ihre Familien zu ernähren. Als Stifter konnte er sein Engagement nach seinen Vorstellungen gestalten und kontinuierlich ausbauen. Zunächst finanzierte er Patenschaften, dann etablierte das internationale Kinderhilfswerk Kindernothilfe auf seine Anregung hin die erste Frühfördergruppe für 15 spastische Kleinkinder am Zentrum für Behinderte im indischen Trivandrum. Außerdem fördert seine Stiftung 50 Patenkinder in drei Wohnheimen in Indien, die so eine wertvolle Planungssicherheit genießen. Da Rothe als Stiftungsvorstand jedes Jahr zehn Wochen bei seinen Projekten in Indien verbringt, sieht er unmittelbar, was aus seinem Geld wird: Ich bin sehr glücklich, dass ich die Entwicklung der Kinder durch meine jährlichen Besuche verfolgen und miterleben kann. Rothe, selbst kinderlos, konnte auch seine Familie für die Stiftung begeistern: einer seiner Neffen möchte später den Vorstand übernehmen und so sein Engagement fortführen

9 Kinder brauchen eine gesunde Umwelt Täglich sterben Kinder weil sie in einer ungesunden Umwelt leben. Martin-Görlitz-Stiftung für Energie, Umwelt und Soziales Jedes Jahr sterben Millionen Menschen, weil die Umwelt, in der sie leben, zerstört ist oder krank macht. Wichtigste Ursachen sind schmutziges Trinkwasser und schlechte Abwasserentsorgung. Sehr viele Menschen sterben, weil sie in unbelüfteten Wohnungen und Hütten Holz und Kohle verbrennen und dadurch dauerhaft extrem verschmutzte Luft einatmen. Die meisten Opfer sind Kinder. Auch bei Naturkatastrophen sind die Schwächsten am stärksten betroffen. Es sind vor allem die Kinder, die unter Umweltkatastrophen wie der verheerenden Flut in Pakistan leiden. Ein Viertel der Weltbevölkerung verbraucht heute drei Viertel aller Ressourcen, die uns die Erde zur Verfügung stellt. Die anderen drei Viertel der Menschheit haben hieran keinen Anteil, sondern tragen die Hauptlast von Klimawandel, Wüstenbildung und Zerstörung des Artenreichtums. Wir nehmen den Kindern heute Entwicklungsmöglichkeiten, wenn sie in einer ungesunden Umwelt aufwachsen müssen oder ihre Heimat durch Hurrikans oder den Anstieg des Meeresspiegels zerstört wird. Mit fortschreitender Umweltzerstörung nehmen wir zukünftigen Generationen die Chance, ihre Bedürfnisse nach ihren eigenen Vorstellungen zu befriedigen, wie es uns heute möglich ist. Viele Jugendliche bekommen heute zu wenig praktische Anregungen, sich frühzeitig mit den Grundlagen eines handwerklichen, naturwissenschaftlichen oder ingenieursmäßigen Berufsweges zu beschäftigen. An die Stelle von Basteln und Experimentieren sind Computerspiele und Medienkonsum getreten, Passivität statt konstruktivem Handeln. Dem will ich mit meiner Stiftung etwas entgegen setzen. Unsere Kinder erben eine Welt mit vielen Problemen. Energie, Umwelt und die Nachhaltigkeit unserer Existenz sind die Kernthemen. Das Mindeste, was wir tun können, ist, ihnen das Handwerkszeug zur Lösung dieser Probleme an die Hand zu geben. Von unseren Kindern erwarten wir schließlich die Gestaltung der Zukunft. Wir sollten unseren Kindern eine Welt hinterlassen, in der es sich zu leben lohnt und an der man erkennt, dass wir unserer Verantwortung gerecht geworden sind. Martin Görlitz, Stifter Die Martin-Görlitz-Stiftung will Kinder und Jugendliche zu einem aktiven und bewussten Umgang mit ihrer technischen Umgebung anregen und dabei nachhaltiges Denken und Handeln fördern. In der Jugendwerkstatt Energie & Technik erkunden Kinder und Jugendliche unterschiedliche Themen aus den Bereichen Technik und Umwelt. Dabei stehen der praktische Bezug und das eigene handwerkliche Tun im Mittelpunkt. Die Themen reichen vom Energiemaschinen Experiment über Schrott wird flott bis zur Solarblockhütte, einem der Kurse, die speziell für Mädchen angeboten werden. Dazu kommt der Solarboot Cup : Schüler aus 50 Schulen in Rheinland-Pfalz erarbeiten eigene Konzepte für solargetriebene Boote, bauen die Boote und tragen anschließend einen Wettbewerb aus. Durch eigenes Handeln entsteht hier ein Verständnis für Umwelt und Gesellschaft. Nicht selten ergibt sich daraus ein konkreter Berufswunsch und gesteigertes Verantwortungsbewusstsein

10 Ausbildung darf kein Privileg sein In Deutschland sind Jugendliche arbeitslos. Dr. Ursula Schmid-Kayser Stiftung In Deutschland sind knapp Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren arbeitslos. Das entspricht einer Quote von über zehn Prozent. Gut 1,2 Millionen Jugendliche sind auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen, weil sie oder ihre Eltern zu wenig verdienen: fast eine Million Jugendliche bezieht Hartz IV; knapp erhalten Arbeitslosengeld oder beteiligen sich an staatlichen Förderkursen. Viele dieser Jugendlichen werden sich für den Rest ihres Lebens nicht aus der Armutsfalle befreien können. Ausgangspunkt für diese Misere sind die schlechten Startchancen vieler Jugendlicher. Junge Menschen, die aus sozial schwachen Familien kommen, haben von Anfang an Defizite. Schon bei der frühkindlichen Bildung hinken sie hinterher, und später leidet die Schulbildung unter der familiären Situation. Häufig erreichen sie keinen Schulabschluss und erhalten weder Ausbildungsplatz noch Arbeitsstelle. Insbesondere Kinder und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln wachsen unter erschwerten Bedingungen auf: sie kämpfen von Anfang an mit mangelnden Sprachkenntnissen und müssen unterschiedliche Wertesysteme miteinander vereinen. Dr. Ursula Schmid-Kayser musste im Zweiten Weltkrieg alleine für ihre drei kleinen Kinder sorgen, nachdem innerhalb eines Jahres sowohl ihr Vater als auch ihr Mann gefallen waren. Unter schwierigsten Umständen studierte sie Medizin. Erst ab 1948, als sie ihr Studium beendet hatte, konnte sie die Familie ernähren. Seit ihrer Heirat mit Walter Schmid im Jahre 1950 lebt Dr. Ursula Schmid-Kayser mit ihrer Familie in Erlangen, wo sie noch heute zu Hause ist. Nach dem Tod ihres zweiten Mannes Ende 2000 wollte sie ihrem sozialen Engagement für Alleinerziehende und junge Menschen eine neue, langfristige Perspektive geben. Unter dem Dach der Stiftung Kinderfonds gründete sie ihre eigene Stiftung. Sowohl ihr Sohn, Dr. Horst-Andreas Kayser, als auch zwei ihrer Enkelinnen, Julia und Katharina Kayser, sind aktiv an der Stiftungsarbeit beteiligt. Neben der direkten Unterstützung von Alleinerziehenden und ihren Kindern liegt ein weiterer Schwerpunkt der Stiftungsarbeit auf der Förderung junger Menschen bei ihrem Start ins Berufsleben. Mit sehr viel persönlichem Engagement von Dr. Horst-Andreas Kayser rief die Stiftung daher das Projekt Schüler Bilden Zukunft ins Leben. Hier werden in Kooperation mit dem Don Bosco Jugendwerk Bamberg und der Industrie- und Handelskammer Bamberg benachteiligte Schüler für das Berufsleben fit gemacht. Dies geschieht bisher in drei Schritten: Erstens fördert die Stiftung an ausgewählten Hauptschulen die Vermittlung sozialer Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit. Zweitens gewinnt sie engagierte Erwachsene als Schülerpaten, die den Jugendlichen unter anderem bei der Lehrstellensuche helfen. Und drittens vermittelt die Stiftung Betriebspraktika, um den Übergang zwischen Schule und Arbeitswelt zu erleichtern. Meine Erfahrungen als allein erziehende Mutter im Zweiten Weltkrieg haben meine Sinne für die Not junger Menschen geschärft. Dr. Ursula Schmid- Kayser, Stifterin 18 19

11 Eine eigene Kinderstiftung Große Gestaltungsfreiheit Eine eigene Stiftung bietet dem Stifter große Gestaltungsfreiheit: Die entscheidenden Punkte des Engagements, nämlich Stiftungszweck, Vermögensausstattung, Stiftungsname und Vorstandsbesetzung werden in einer Satzung festgeschrieben. Allein der Vorstand einer Stiftung entscheidet, wie die Stiftungsgelder verwendet werden. Kontrolliert wird eine Stiftung durch das Finanzamt, ggf. auch von der Stiftungsaufsicht und einem Wirtschaftsprüfer. Schnelle Gründung und einfache Verwaltung Die Gründung und Verwaltung einer gemeinnützigen Stiftung muss weder aufwändig noch kostspielig sein. Es gibt Rechtsformen, die das Stiften einfach machen. So genannte Treuhandstiftungen können innerhalb weniger Wochen errichtet werden. Eine Treuhandstiftung ist häufig schon mit einigen tausend Euro einfach und schnell zu gründen. Mit dem entsprechenden Know-how ist sogar die Gründung einer rechtsfähigen Stiftung problemlos zu bewerkstelligen. Auch die Verwaltung gemeinnütziger Stiftungen kann unkompliziert und kostengünstig organisiert werden. Zudem bieten verschiedene Institutionen Hilfen bei der Gründung und Verwaltung von Stiftungen an. Das Verzeichnis Wegweiser für Stifter in der Kinder- und Jugendhilfe liefert einen nützlichen Überblick über die konkreten Möglichkeiten für Stifter. Alternative Stiftungsformen Gerade in den letzten Jahren sind die Möglichkeiten des Stiftens immer vielfältiger geworden. Wer keine eigene Stiftung gründen möchte, kann Zustiftungen an bestehende Stiftungen tätigen und auch dafür großzügige Steuervorteile in Anspruch nehmen. Das so genannte Stifterdarlehen ist für Menschen interessant, die sich noch nicht endgültig von bestimmten Vermögenswerten trennen wollen. Wieder andere stiften eine Immobilie und behalten auf Lebenszeit den Nießbrauch daran. Eine besondere Variante ist die Aufbrauchstiftung. Im Gegensatz zur klassischen Stiftung ist sie nicht auf die Ewigkeit ausgelegt, sondern braucht ihr Vermögen sukzessive für den Stiftungszweck auf. Somit ist die Aufbrauchstiftung für Menschen von Vorteil, die ihr Projekt, beispielsweise den Bau eines Hospizes, in einem überschaubaren Zeitraum abschließen wollen. Kurz gesagt: Stifter können heutzutage die unterschiedlichsten Formen des Stiftens realisieren und sich somit sehr individuell und effektiv für Kinder und Jugendliche engagieren. Interessante Nachlassgestaltung Rechtlich handelt es sich bei Stiftungen um Einrichtungen, die mit Hilfe ihres Vermögens einen vom Stifter bestimmten Zweck verfolgen. Da Stiftungen weder Gesellschafter noch Mitglieder oder Eigentümer haben, sind sie im Prinzip unsterblich. Aus diesem Grund eignen sich Stiftungen nicht nur hervorragend für die Förderung von Kindern und Jugendlichen, sondern auch für die Nachlassgestaltung. Eine Stiftung kann per Testament sowohl als Vermächtnisnehmer eingesetzt als auch zum Erben bestimmt werden. Umfangreiche Steuervorteile Der Gesetzgeber ermöglicht es Stiftern, bis zu einer Million Euro steuerlich wirksam in das Vermögen einer Stiftung einzubringen. Die gestiftete Summe kann entweder komplett im Jahr der Zuwendung oder flexibel innerhalb von zehn Jahren in Abzug gebracht werden. Unabhängig davon können jährlich bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte steuerlich wirksam in eine Stiftung eingebracht werden. Wird geerbtes Vermögen innerhalb von 24 Monaten nach dem Erbfall an eine gemeinnützige Stiftung übertragen, fällt hierfür keine Erbschaftsteuer an

12 Stifter vernetzen sich Schon während der Gründungsphase stellen sich dem Stifter viele strategische Fragen, die für die spätere Stiftungsarbeit von großer Bedeutung sind: Die Namenswahl ist meist noch die leichteste Entscheidung. Aber wie eng oder weit sollte der Stiftungszweck gefasst sein? Welche Gremien sind sinnvoll? Und wie sollen sie besetzt werden? In welcher Relation muss die Vermögensausstattung zum Stiftungszweck stehen? Nicht minder schwierige Fragen stellen sich schon bald nach der Gründung: Welche Projekte sind förderungswürdig? Wie präsentiert sich die Stiftung in der Öffentlichkeit? Wer übernimmt die Stiftungsverwaltung? Wie findet man Gleichgesinnte? Viele Stifter sind mit der Beantwortung dieser Fragen überfordert. Daher ist es überaus wichtig, dass Stifter sich vernetzen am besten bereits vor der Stiftungsgründung. Wegweiser für Stifter im Kinder- und Jugendbereich Eine Reihe von Institutionen bietet breit gefächerte Hilfen für Stifter an. Sie beraten bei der Stiftungsgründung, stellen ggf. geeignete Förderprojekte vor, organisieren Projektkooperationen oder übernehmen die Stiftungsverwaltung. Vor allem bereichern sie das Engagement des Stifters mit viel Erfahrung, Know-how und einem guten Netzwerk. In unserer kostenlosen Broschüre Wegweiser für Stifter in der Kinder- und Jugendhilfe werden diese Organisationen und ihre konkreten Angebote kurz vorgestellt. Gerne schicken wir Ihnen dieses Verzeichnis zu. Bitte rufen Sie uns an oder schicken Sie uns eine entsprechende . Außerdem steht der Wegweiser auch im Internet unter im Service-Bereich zum Download zur Verfügung. Hintergrundinformationen Die Stiftung Stifter für Stifter gibt einen Newsletter und folgende praxisnahe Hintergrundbroschüren heraus: I Grundwissen Stiften I Steuervorteile für Stifter I Möglichkeiten der Testamentsgestaltung I Newsletter Sie können die Broschüren telefonisch oder via anfordern oder unter im Service-Bereich herunterladen. Stiftungen Stiftung Children for a better world c/o Children for a better world e.v. Kontakt: Ulrike de Vries Oberföhringer Str. 4, München T. 089 / Kinderfonds Stiftung children s net Kontakt: Michaela Bündgen Freiweidacherstr. 4c, Marquartstein T / Dr. Martin Andreas Stiftung Ärzte für Kinder in Not Kontakt: Dr. Martin Andreas Straubinger Str. 35, Landau an der Isar T / Schönebeck Stiftung Zukunft für Kinder Kontakt: Henriette Kolandt-Schönebeck Wertachstr. 7, Untermeitingen T / Stiftung für Human Network do Brasil Kontakt: Manuela Maier-Hoitz An der Wingertsmühle 12, Nieder-Olm T / Manfred-Rothe-Stiftung Kontakt über Kindernothilfe-Stiftung: Christine Taylor T / Düsseldorfer Landstr. 180, Duisburg Martin-Görlitz-Stiftung für Energie, Umwelt und Soziales Kontakt: Mirjam Chahbani Bubenheimer Weg 23, Koblenz T / Dr. Ursula Schmid-Kayser Stiftung Kontakt: Christian Stubbe Römerstr. 12, Wiesloch T / Kontakt Stiftung Stifter für Stifter Sollner Straße München T. 089 / F. 089 / Impressum Herausgeber: Stiftung Stifter für Stifter, Sollner Straße 43, München, I Redaktion: Henriette Berg, Oliver Paxmann I Gestaltung: Iris Ortner Bildnachweis: istockphoto.com: hadynyah (Titel); lilagri (S.2-3); JasonRWarren (S.4); BrandyTaylor (S.6, Mädchen); pressdigital (S.6, Frau mit Kindern); starfishdesign (S.7, Spielzeug); Antagain (S.8, Flasche); DNY59 (S.11, Schreibblock); LindaYolanda (S.12); DistinctiveImages (S.13, Kleinkind) MauricioMilan (S.13, Acerolafrüchte); poco_bw (S.14, S. 20); VikramRaghuvanshi (S.16); AnthonyBrown (S.17, Pusteblume); drflet (S.19, Schaufel); caracterdesign (S.22); ILBarranco (S.24) Michael Leis (Portrait A. Brochier, S.3); (S.5); Kinderfonds Stiftung children s net (S.7); Dr. Martin Andreas (S.8 und S.9); Schönebeck Stiftung Zukunft für Kinder (S.10); Kathrin Hartkopf, Plan Stiftungszentrum (S.11); Manfred-Rothe-Stiftung (S.15); Martin-Görlitz-Stiftung (S.17); Don Bosco Jugendwerk Bamberg, Zirkus Giovanni (S.18); Dr. Ursula Schmid-Kayser Stiftung (S.19) Druck: Druckhaus Kastner (FSC-zertifiziert) Rechtshinweis Die dargestellten Inhalte begründen keine Beratung, keine andere Form rechtsverbindlicher Auskünfte oder ein rechtsverbindliches Angebot. Alle Inhalte beruhen auf dem Rechtsstand zum Zeitpunkt des Copyrights. Nachdruck und Weiterverarbeitung, auch nur auszugsweise, nur mit Genehmigung des Herausgebers. Stiftung Stifter für Stifter Copyright 2010 GFA-COC

13 Die Initiative Stiften für Kinder wird von der Alexander Brochier Stiftung unterstützt. Stiftung Stifter für Stifter Haus des Stiftens I Landshuter Allee 11 I München Telefon 089 / I Telefax 089 / I

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