Inhalt. Einblicke. Höhepunkte Projekte und Einrichtungen. Partner und Freunde. SOS in der Welt. Aus der Organisation.

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1 Jahresbericht 2013

2 Inhalt Einblicke Höhepunkte 2013 Projekte und Einrichtungen Partner und Freunde SOS in der Welt Aus der Organisation Mut und Zuversicht für junge Menschen Benachteiligung abbauen Chancen schaffen Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Chancengerechtigkeit für alle Kinder Bericht der Geschäftsführung Neue Perspektiven für Kinder und Familien Aus dem Verwaltungsrat Familie ein ganz besonderer Ort Vorstand und Verwaltungsrat des SOS-Kinderdorf e.v. Gemeinsam ist vieles möglich Mit Vertrauen in die Zukunft Hoher Besuch in Grimmen Angela Merkel zu Gast beim SOS-Jahresempfang 20 Jahre SOS-Kinderdorf in Gera Vielfältige Hilfen für Kinder und Familien 50 Jahre SOS-Kinderdorf Harksheide Vom ländlichen Dorf zum modernen Hilfeverbund 40 Jahre SOS-Jugendhilfen in Detmold Mit voller Kraft Richtung Zukunft SOS-Kinderdorf Schleswig-Holstein Rückenwind für den Erfolg in der Schule Kooperationspartner Union Investment Nachhaltiges Engagement für Kinder SOS-Einrichtungspatenschaften in Deutschland Gezielt helfen vor der eigenen Tür»Kinder laufen für Kinder«Gemeinsam mit Erfolg über die Ziellinie Helene-Lange-Gymnasium Markgröningen Pogo für Togo und SOS-Kinderdorf SOS-Kinderdorf International Siddhartha Kaul der neue Präsident Übersichtskarte SOS-Kinderdorf e.v. in der Welt SOS-Aufbauhilfe nach der Katastrophe Haitis Kinder brauchen uns auch weiterhin SOS-Familienstärkung in Burundi Mit den Bananen wächst die Hoffnung SOS-Kinderdorf Bosnien und Herzegowina Wir machen Familien Mut Neues aus Forschung und Pädagogik Frühe Hilfen: Auch im Internet gut beraten Weiterbildung: Wissen, das Kinder schützen hilft Struktur des Vereins So ist der SOS-Kinderdorf e.v. organisiert Einrichtungs- und Angebotsentwicklung Wege in ein selbstbestimmtes Leben Vom Kinderdorf bis zur Berufsausbildung Angebote des SOS-Kinderdorf e.v. Weil jeder Euro wertvoll ist Transparenz und Kontrolle Übersichtskarte SOS-Kinderdorf e.v. in Deutschland Zahlen und Fakten Jahresabschluss 2012 Gewinn- und Verlustrechnung 2012 Gesamtkostenverfahren Gewinn- und Verlustrechnung 2012 Umsatzkostenverfahren Bilanz zum 31. Dezember 2012 Erläuterungen zur Gewinn- und Verlustrechnung 2012 Erläuterungen zur Bilanz 2012 Aufwendungen und Ausgaben entsprechend ihrer Verwendung Bestätigungsvermerk Jahresabschluss 2012/DZI-Spenden-Siegel

3 EINBLICKE Mut und Zuversicht für junge Menschen Benachteiligung abbauen _ Chancen schaffen Benachteiligung für junge Menschen abzubauen und Chancen zu schaffen: Das hat sich SOS-Kinderdorf zur Aufgabe gemacht. Benachteiligung entsteht auf vielfältige Weise, etwa durch Armut oder Diskriminierung aufgrund einer Behinderung, durch Krankheit oder das soziale Umfeld. Benachteiligte junge Menschen benötigen daher ganz unterschiedliche Formen der Unterstützung; manchmal brauchen sie eine zweite oder dritte Chance. Denn Kinder und Jugendliche, die Benachteiligung erfahren, leiden auf vielerlei Weise darunter. Sie haben das Gefühl, nirgends richtig dazuzugehören, häufig können sie ihr persönliches Potenzial nicht entwickeln. In der Folge haben viele Schwierigkeiten, sich in sozialen Gemeinschaften zu bewegen und einzubringen. Es fehlt ihnen an Orientierung und an Vorbildern, die ihnen den Weg in eine chancenreiche Zukunft weisen. Benachteiligt zu sein schränkt so auch die Teilhabemöglichkeiten am gesellschaftlichen Leben ein. Diesen unheilvollen Kreislauf zu durchbrechen ist das Ziel der SOS-Fachkräfte in den verschiedenen SOS-Einrichtungen. Hier finden Kinder, Jugendliche und ihre Eltern Men- schen, die ein offenes Ohr für ihre Fragen und Sorgen haben. Die SOS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter begleiten junge Menschen, Mütter und Väter mit Rat und Hilfeangeboten, die sich an deren individuellen Bedürfnissen orientieren. So können sie ihre Fähigkeiten und Stärken entdecken und erproben. Mehr dazu lesen Sie zum Beispiel auf den Seiten 11 und 14 in den Berichten über die SOS-Kinderdorfeinrichtungen in Gera und Detmold. Dass die SOS-Einrichtungen immer am lokalen Bedarf orientiert arbeiten, zeigt auch das Engagement des SOS-Kinderdorfes Schleswig-Holstein in der Schulsozialarbeit. Diesen Beitrag finden Sie auf Seite 15. Es ist ein zentrales Anliegen des SOS-Kinderdorf e.v., die Lebensbedingungen sozial benachteiligter Kinder und ihrer Familien nachhaltig zu verbessern. Daher macht der SOS- Kinderdorfverein Familien möglichst frühzeitig bedarfsgerechte Angebote. So bietet etwa das SOS-Familienzentrum Berlin im Bereich der Frühen Hilfen jetzt zusätzlich eine Online-Beratung an (Seite 24). Auch hier engagieren sich die Mitarbeitenden mit hoher Professionalität, viel Herz und großer Offenheit. Damit jedes Kind in einer Familie sicher geborgen gut aufwachsen kann. Glücklich und fit fürs Leben: Der SOS-Kinderdorfverein setzt sich dafür ein, dass Kin der geborgen aufwachsen und ihr Potenzial entfalten können. Jahresbericht

4 EINBLICKE Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Chancengerechtigkeit für alle Kinder Benachteiligte junge Menschen brauchen faire Chancen, um selbstständige und verantwortungsvolle Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Das betont Prof. Dr. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender des SOS-Kinderdorf e.v. Herr Prof. Münder, Sie sagen: Kinder brauchen mehr als nur gleiche Chancen, sie brauchen gerechte Chancen. Was ist der Unterschied? Lassen Sie es mich mit Rückgriff auf ein Bild verdeutlichen: In einem Urwald stehen an einer Startlinie aufgereiht ein Löwe, ein Elefant, ein Vogel sowie ein Affe. Der Wettbewerbsveranstalter sagt zu ihnen:»ihr habt alle die gleichen Chancen, es geht los: Wer ist zuerst auf dem Baum?«Die Szene macht deutlich: Chancengerechtigkeit schaffen heißt für faire Startbedingungen sorgen! Wie sehen diese Startbedingungen aus? Für Kinder sind das vor allem verlässliche Beziehungen und ein Zuhause, in dem sie sich geborgen fühlen und ihre Fähigkeiten entwickeln können. SOS-Kinderdorf setzt sich seit Jahrzehnten für ein förderliches familiäres Umfeld auch für benachteiligte Kinder ein. Zu unserem Kernangebot, den SOS- Kinderdorffamilien, sind zahlreiche Angebote hinzugekommen, die junge Menschen und ihre Familien unterstützen und stärken. Damit sie die Chance bekommen, die an sie gestellten Herausforderungen zu bewältigen. Seit einiger Zeit bietet SOS auch Schulsozialarbeit an, warum? Für die Zukunftschancen eines Kindes ist die Schulsituation entscheidend. Leider steht in Deutschland noch im - mer eine schlechte materielle Familiensituation in Zusammenhang mit dem Schulerfolg. Hier setzt Schulsozialarbeit an. Sie unterstützt insbesondere sozial benachteiligte Schüler darin, Nur gemeinsam lassen sich neue Perspektiven für Kinder schaffen, betont Prof. Dr. Johannes Münder. ihre Bildungschancen wahrzunehmen. So beugt sie sozialer Ausgrenzung und Bildungsarmut vor. Wie macht SOS-Kinderdorf Kindern Mut? Wir machen Kindern, Jugendlichen und Familien Mut, indem wir ihnen in schwierigen Lebenslagen Perspektiven aufzeigen. Unsere Arbeit setzt präventiv an damit wir schon unterstützen können, bevor sich ihre Lebenssituation negativ entwickelt. Un sere Schulsozialarbeiter nehmen solche Signale frühzeitig wahr. Sie stehen Schülern so - wie Lehrern mit Rat und Tat zur Seite. Unsere Fachleute unterstützen die Schüler beispielsweise mit Hausaufgabenhilfe oder individueller Lernförderung. Lehrer begleiten wir bei neuen Herausforderungen wie der Ein führung der Ganztagsschulen oder der Inklusion. Unsere Erfahrungen zeigen: Schulsozialarbeit verbessert die Chancen junger Menschen. Trotzdem kommt es auch immer auf die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen an. Daher engagieren wir uns für ein förderliches politisches und gesellschaftliches Umfeld für Kinder und Jugendliche. Was fordert SOS-Kinderdorf von der Politik? SOS-Kinderdorf will einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit leisten. Im Rahmen unserer Advocacy-Arbeit* setzen wir uns dafür ein, dass im Kinder- und Jugendhilfegesetz ein Rechtsanspruch auf Bildung und Teilhabe verankert wird. Um für alle Kinder Chancengerechtigkeit herzustellen, for - dern wir den Ausbau der Infrastruktur in der lokalen Jugendhilfe. Dazu gehören die Angebote der Jugendarbeit eben so wie Ganztagsschulen, Kindertagesbetreuung und auch die Schulsozialarbeit. * siehe Kasten Eine Stimme für junge Menschen Neben der pädagogischen Arbeit ist es dem SOS-Kinderdorf e.v. ein wichtiges Anliegen, Kindern eine Stimme zu geben. Er setzt sich über die SOS-Einrichtungen hinaus anwaltschaftlich für Kinder, Jugendliche und ihre Familien ein. Diese anwaltschaftliche Arbeit (Advocacy-Arbeit) bedeutet, Partei zu ergreifen für die Belange junger Menschen und sich gesellschaftspolitisch in ihrem Sinne zu engagieren. Ziel ist es, politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen mitzugestalten, um so positive Lebensumfelder für Kinder, Ju - gend liche und ihre Familien zu schaffen sowie junge Menschen dabei zu unterstützen, ihre Rechte wahrzunehmen. Themen, zu denen sich SOS in der Vergangenheit positioniert hat und es auch zukünftig tun wird, sind zum Beispiel: die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz, Chancengerechtigkeit in der Bildung und bei gesellschaftlicher Teilhabe sowie Be - nachteiligung von Kindern, die in Armut leben. Die Positionen basieren auf unserer langjährigen Erfahrung in der pädagogischen Arbeit sowie Forschungsergebnissen unseres Sozialpädagogischen Instituts. Um unsere Positionen angemessen vertreten zu können, haben wir diesen Bereich auch personell verstärkt. 4 Jahresbericht 2013

5 EINBLICKE mitten in der Stadt. Damit Kinder, Jugendliche und Eltern Entlastung, Rat und Hilfe finden. Bericht der Geschäftsführung Neue Perspektiven für Kinder und Familien SOS macht vielen Kindern Mut und Hoffnung, freut sich Dr. Kay Vorwerk. Eine glückliche Kindheit, eine gute Ausbildung und eine chancenreiche Zukunft: Das wünschen sich Eltern weltweit für ihre Kinder. Aber was, wenn sie in Krisen- und Armutsregionen nicht einmal für das Nötigste sorgen können? 2015 läuft die Frist für das Erreichen der Milleniumsziele der Vereinten Nationen aus. Der Zwischenbericht 2013* macht deutlich: Jeder achte Mensch leidet immer noch an Hunger, darunter viele Kinder. Nach wie vor können 57 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen. Aufgrund von Armut und den Auswirkungen der Weltwirtschafts- und Finanzkrise ha - ben in vielen Ländern immer weniger junge Menschen Aussicht auf Ausbildung und Arbeit. Wege in eine bessere Zukunft Auch in anderen Ländern mit besonderem Hilfebedarf brauchen junge Menschen weiter unsere Unterstützung. So leistet SOS-Kinderdorf in Burundi, ei - nem der kleinsten und ärmsten Länder Afrikas, durch Familienstärkungsprogramme gezielt Hilfe zur Selbsthilfe (Seite 24). Leider ist die Zahl der durch Konflikte verfolgten und entwurzelten Menschen weltweit so hoch wie in den letzten 18 Jahren nicht mehr*. Besonders hart trifft das Kinder, zum Beispiel in Syrien, Somalia und im Sudan. Immer wieder sind wir in Sorge um unsere dortigen SOS-Kinderdörfer und Einrichtungen. Aber trotz der schwierigen Lage stehen wir dort den Familien und Kindern weiter zur Seite. Kinder brauchen faire Chancen Alle Kinder brauchen faire Chancen, ob in Deutschland oder weltweit. Deshalb unterstützen wir gezielt Eltern, die ihren Kindern diese Chancen alleine nicht geben können. Besonders schwer fällt das manchmal Familien mit Migrationshintergrund oder Alleinerziehenden.»Anfangs war ich mutlos. Hier traue ich mich, über meine Sorgen zu sprechen und finde immer einen Rat. Und dann die tollen Angebote für mei - ne Tochter. Ich bin froh, dass es SOS in unserem Stadtviertel gibt!«diese positive Rückmeldung einer jungen Mutter aus Berlin-Moabit macht auch uns Mut. Das Miteinander, die Offenheit und das herzliche Aufeinanderzugehen wird bei SOS-Kinderdorf überall groß geschrieben, und das von Anfang an. Deshalb bauen wir an vielen unserer Stand - orte derzeit unsere Frühen Hilfen aus. Ganz neu und schon sehr beliebt ist etwa die neue Online-Beratung des SOS- Familienzentrums Berlin (Seite 26). Auch dort bekommen junge Eltern Antworten auf ihre Fragen zum Beispiel zum richtigen Umgang mit ihrem Baby. Das Wohl junger Menschen im Mittelpunkt Im Mittelpunkt stehen bei all unserem Engagement das Wohl und die Förderung junger Menschen. Dazu gehört das Herzstück unserer Arbeit: die SOS- Kinderdorffamilie. Seit September 2013 finden drei Kinderdorffamilien nun auch im neu eröffneten SOS-Kinderdorf Gera ein Zuhause (Seite 11). Ein herzliches Dankeschön an alle, die uns dabei unterstützt haben. Besonderer Dank gilt auch den Schülerinnen und Schülern, die dieses Jahr wieder viele tolle Ideen hatten, um Kinder zu unterstützen, denen es nicht so gut geht wie ihnen selbst (Seite 18/19). Nur gemeinsam mit unseren Förderern, Stiftern, Paten und Spendern gelingt es uns, immer wieder dort für Kinder und Familien aktiv zu werden, wo sie uns am dringendsten brauchen. Unser schönster Erfolg sind Kinder, die freudig und optimistisch in die Zukunft schauen. Dr. Birgit Lambertz Geschäftsführerin Dr. Kay Vorwerk Geschäftsführer * The Millennium Development Goals Report, United Nations 2013 Auch 2013 ein voller Erfolg:»Kinder laufen für Kinder«. Dr. Birgit Lambertz (Mitte) war in Bremen dabei. Besonders schwer fällt es Haitis Jugend, ihren Weg in eine bessere Zukunft zu finden. Nach dem schweren Erdbeben 2010 muss das Land noch immer viele Herausforderungen meistern. Während andere Hilfsorganisationen Haiti wieder verlassen haben, hat SOS-Kinderdorf dort den Grundstein für ein neues Kinderdorf und eine Hermann-Gmeiner-Schule in Les Cayes gelegt (Seite 22). Wir freuen uns, bald im Stuttgarter Stadtteil Fasanenhof und in Frankfurt- Sossenheim, den vielen dort lebenden Familien ebenfalls bedarfsorientierte Angebote machen zu können. Auch hier soll gelingen, was in Berlin-Moabit bereits großen Anklang findet: Die SOS- Kinderdorfeinrichtung als einen Ort zu etablieren, an dem Menschen einander zuhören und sich unterstützen, ob Jung oder Alt eben wie in einem Dorf Jahresbericht

6 EINBLICKE»Kinder, die sich in ihrer Familie verstanden und angenommen fühlen, können ihre Entwicklungschancen nutzen«, so Prof. Dr. Hanjo Sauer. Aus dem Verwaltungsrat Familie _ ein ganz besonderer Ort Prof. Dr. Hanjo Sauer ist seit 1995 Vorsitzender des Verwaltungsrates des SOS-Kinderdorf e.v. Er verdeutlicht, welche zentrale Rolle Familie in der Arbeit von SOS-Kinderdorf spielt, und berichtet über aktuelle Entwicklungen im Verein. Vom Begriff»Familie«geht eine große Faszination aus. Kein an - derer Ort ist mit so vielen Hoffnungen und Wünschen verbunden; nirgendwo sonst machen Menschen so viel - fältige soziale Erfahrungen. Dabei geht es auch um elementare Werte wie Solidarität und das Füreinanderdasein. Familien sind heute so vielgestaltig wie nie zuvor. Dennoch bieten sie unverändert jungen Menschen Geborgenheit und ein Zuhause. Aber nicht immer ist Familie mit positiven Erlebnissen verbunden; es kann zu emo tionalen Ver let - zungen, Grenzüberschreitungen, auch Gewalt kommen. Viele der Kinder und Jugendlichen, die wir betreuen, haben dies in ihren Herkunftsfamilien erlebt. Wir bieten ihnen familiäre Lebensräume, in denen sie sich angenommen und verstanden wissen. Und ein Umfeld, das einem un be schwerten, selbstbestimmten Heran wachsen förderlich ist. Das Motto des SOS-Kinderdorfvereins lautet:»wir sind Familie!«Dies gilt auch für unser Engagement als Mitglied der internationalen SOS-Familie. Der deutsche SOS-Kinderdorfverein trägt seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang zum Aufbau und Unterhalt von SOS-Einrichtungen weltweit bei. Die schwierige wirtschaftliche Lage in vielen Ländern wird zukünftig in noch größerem Maß unsere Kräfte herausfordern, damit das gemeinsame Ziel gelingt, die Chancen junger Menschen weiterhin nachhaltig zu verbessern. Zur Tätigkeit des Verwaltungsrates Um seinen satzungsgemäßen Auftrag zu erfüllen, wurde der Verwaltungsrat (VWR) im Jahr 2013 zu drei ordentlichen Sitzung eingeladen: am 7./8. März in Frankfurt, am 13./14. Juni in Salzgitter und am 28./29. November in München. Beim Klausurtag im März wurde der im November 2012 neu gewählte Verwaltungsrat konstituiert und die Zie - le für die gesamte Amtsperiode wurden erarbeitet. Mit einstimmigem Beschluss wurden folgende Ausschüsse gebildet: Leitungsausschuss (Vorsitz: Prof. Dr. Han jo Sauer), Finanz- und Auslandsausschuss (Leitung: Dr. Rupert Schreiner), Ausschuss für Vereinskultur und -perspektiven (Leitung: Margarete Hascher-Kück) und der Ausschuss für Marketing (Leitung: Hubert J. Haitz). Die Ausschüsse berichten fortlaufend über ihre Tätigkeit und erarbeiten Be - schluss em pfeh lun gen für den VWR. Aufgaben und Themen 2013 Der Leitungsausschuss plant die VWR- Sitzungen, führt diese durch und bereitet sie nach. Der Finanzausschuss analysiert und bewertet den Vorjahresabschluss sowie die mittelfristige Finanzplanung und verabschiedet den Etat. Er nimmt Stellung zu den Wirtschaftsprüfungsberichten, bewertet die Qualität der Planungsprognose und begutachtet die strategische Ge samt - planung des Vereins aus finanzpoli - tischer Sicht, unter Einbeziehung der Situation von SOS-Kinderdorf Inter na - tional. Zudem befasst er sich mit fi nan - zieller Vorsorge, Risikomanagement, interner Revision und Anlagepolitik. Der Ausschuss»Vereinskultur und -per - spektiven«diskutiert alle strategischen Planungen und bewertet neue haushaltsrelevante Projekte sowie Maßnahmen aus fachlicher Sicht. Er begleitet kritisch und konstruktiv die Entwicklung der Strategie und Vereinskultur. Der Ausschuss»Marketing«befasst sich mit dem Auftritt des deutschen SOS-Kinderdorfvereins in der Öffentlichkeit, seiner Werbung und Platzierung im Markt der spendensammelnden Organisationen. Zudem wurde eine Projektgruppe eingesetzt, die in Zusam - menarbeit mit dem Vorstand Voraussetzungen schafft, um den SOS-Kinderdorf e.v. analog zu anderen Trägern nach den Grundregeln des»deutschen Corporate Governance Kodex«* zu organisieren. In der VWR-Sitzung in Salzgitter be - rich tete Dr. Gitta Trauernicht, Vorstandsmitglied des deutschen SOS-Kinderdorf e.v. und Vizepräsidentin von SOS-Kinderdorf International, über den Konsolidierungskurs und die Organisationsentwicklung. Man sei auf einem guten Weg, das weltweit positive Image der Marke»SOS-Kinderdorf«zu erhalten und weiter auszubauen. Generalsekretär Richard Pichler ging ausführlich auf die finanzielle Entwicklung und die Stra tegien von SOS-Kinderdorf International ein. Zum Thema»Marketing«be rich tete Elke Tesarczyk, Ressortleite - rin Marketing im SOS-Kinderdorfverein, über geplante strategische Initiativen bis zum Jahr Im Bericht des Vor stan - des kam insbesondere die mittel fris ti ge Finanzplanung zur Sprache. In der Sit - zung vom 28./29. November in Mün chen geht es vor allem um die Ver ab schie - dung des Etats für das Jahr Prof. Dr. Hanjo Sauer Vorsitzender des Verwaltungsrates des SOS-Kinderdorf e.v. * Der Deutsche Corporate Governance Ko - dex enthält international und national anerkannte Standards guter und verantwortungs - voller Unternehmensführung. 6 Jahresbericht 2013

7 EINBLICKE Vorstand und Verwaltungsrat des SOS-Kinderdorf e.v. Vorstand Prof. Dr. jur. Johannes Münder Berlin Universitätsprofessor em. Vorstandsvorsitzender Dr. Birgit Lambertz München Stellvertretende Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin des SOS-Kinderdorf e.v. Dr. Kay Vorwerk München Stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des SOS-Kinderdorf e.v. PD Dr. Peter Büttner Schlüchtern-Ahlersbach Geschäftsführer Projekt PETRA Dr. Gitta Trauernicht Kiel Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtages, Sozialministerin a.d. Vizepräsidentin von SOS-Kinderdorf International Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Johannes Münder bedankt sich bei Jugendlichen, die für die SOS-Mitgliederversammlung einen Film über ihr SOS-Kinderdorf Ammersee drehten. Verwaltungsrat Prof. Dr. Hanjo Sauer Bamberg Universitätsprofessor em. Vorsitzender des Verwaltungsrates Dr. Hubertus Schröer München Leiter des Stadtjugendamtes München a.d. Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates Ila Brix-Leusmann Wesel Jugendamtsleiterin Christoph L. Crasemann Hamburg Assekuranzmakler Inge Göbbel Worpswede Leiterin des SOS-Kinderdorfs Worpswede i.r. Margarete Hascher-Kück Grafrath Unternehmensberaterin Hubert J. Haitz Marxzell-Burbach Steuerberater Günther Kagerer München Richter a.d. Prof. Dr. Annette Kluge Würselen Universität Duisburg-Essen Stefan Pfisterer Holzkirchen Finanzmakler Dr. Susanna Schmidt Berlin Leiterin Abt. Strategien und Grundsatz - fragen im Bundesministerium für Bildung und Forschung Erich Schöpflin Dießen am Ammersee Vertreter des Unternehmenssprecherausschusses des SOS-Kinderdorf e.v. Leiter des SOS-Kinderdorfes Ammersee- Lech Prof. Dr. Barbara Seidenstücker Regensburg Hochschule Regensburg Harald Spahn-Dömling Augsburg Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates des SOS-Kinderdorf e.v. Pädagogischer Mitarbeiter der SOS- Fami lien- und Jugendhilfen Augsburg Dr. Rupert Schreiner München Rechtsanwalt Dr. Margrit Spielmann Brandenburg Mitglied des Bundestages a.d. In ihrer Tätigkeit im Vorstand oder im Verwaltungsrat sind alle Mitglieder ehrenamtlich tätig. Jahresbericht

8 HÖHEPUNKTE 2013 Ob besondere Erfolge oder berührende Begegnungen: Immer wieder zeigt sich, wie viel gemeinsam möglich ist. Ein guter Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Mit Vertrauen in die Zukunft Neue Energie aus der Kraft der Sonne Auf den Dächern des SOS-Kinderdorfes Entebbe in Uganda hat die Zukunft begonnen: Alle zwölf Familienhäuser, die beiden Jugendhäuser und das Haus der Dorfleiterin wurden im Oktober 2012 mit Solarpaneelen ausgestattet. Solarerwärmtes Wasser zum Waschen und Duschen das ist eine tolle Sache, meinen auch die rund 140 Kinder und Jugendlichen. Sie wurden im SOS-Kinderdorf Entebbe aufgenommen, weil sie aufgrund von HIV/Aids, kriegerischen Auseinandersetzungen oder Naturkatastrophen nicht bei ihren Eltern aufwachsen können.»die umweltfreundliche Solarkraft-Lösung hilft uns, langfristig deutlich Kosten zu sparen«, freut sich Sheila Bukirwa Kulubya, die das Projekt koordiniert hat.»denn in Uganda wird Warmwasser mit Strom erzeugt, und der ist extrem teuer. Zu Jahresbeginn stieg der Strompreis um bis zu 50 Prozent. Außerdem ist die öffentliche Stromversorgung nur bedingt funktionsfähig.«die Finanzierung der Gesamtkosten von Euro für die Installation der insgesamt 33 qm großen Solarfläche sowie der 15 Wasserbehälter samt Leitungen hat ein großzügiger Spender ermöglicht eine auf mehrfache Weise nachhaltige Investition. Ganz neu: die Solarpaneele auf den Dächern der Kinderdorfhäuser in Entebbe. Ein Volltreffer für Fußballfan Evans Adeny Fußball und Fotografie das sind zwei Dinge, die Evans Adeny begeistern. Daher bedeutete es doppeltes Glück für ihn, dass ihm diese Kombination zu einem besonderen Erfolg verhalf: Er gewann einen 1. Preis im Fo - to wettbewerb»die kulturelle Vielfalt Bayerns«, veranstaltet vom Bayerischen Landtag! Evans, inzwischen 18 Jahre alt, kam 2012 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Augsburg. Hier nahmen ihn die SOS-Kinder- und Jugendhilfen auf, deren Team ihn seither betreut. Die SOS-Fachleute hel fen Evans dabei, die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit und seiner Flucht aus Uganda zu verarbeiten. Sie un ter - stützen seinen Weg durch die Berufsschule und begleiten ihn dabei, sich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Stolzer Moment: Evans Adeny bei der Preisverleihung mit Martin Neumeyer, Integrations - beauftragter der Bayerischen Staatsregierung. 8 Jahresbericht 2013

9 HÖHEPUNKTE 2013 SOS-Kinderdorf-Stiftung: ein erfolgreiches erstes Jahrzehnt Das Jahr 2013 ist ein besonderes Jahr für die SOS-Kinderdorf-Stiftung: Sie besteht bereits seit zehn Jahren und kann an ihrem ersten runden Geburtstag auf konstantes Wachstum zurückblicken. Rund 600 Freunde und Förderer haben bislang mit ihrer Zustiftung dazu beigetragen; zudem vereint die SOS-Kinderdorf-Stiftung 52 Treuhandstiftungen unter ihrem Dach. Die Stiftung hat die Aufgabe, den Kinderdorfgedanken zu verbreiten und seine praktische Verwirklichung zu unterstützen. Die Stiftungs - erträge kommen daher folgenden Schwerpunktbereichen zugute: Kindern dem Herzstück der SOS-Kinderdorfarbeit, Schul- und Berufsausbildung sowie Hilfe in Notfällen. hilft, ganz unterschiedliche Projekte des SOS-Kinderdorfvereins zu fördern. So zum Beispiel die Erweiterung eines SOS-Kinderdorfhauses im SOS-Kinderdorf Sauerland, um weiteren sechs Kindern ein neues Zuhause zu geben.«helfen, damit es Kindern gut geht: Dieses Ziel hat auch die SOS-Kinderdorf-Stiftung. Leidenschaftlicher Fußballspieler und Fan des FC Bayern München: Unter dem Motto»Mein Talent für Bayern«reichte der von SOS betreute Evans Adeny ein Foto von sich als Wettbewerbsbeitrag ein. Mit Rückenwind zum Traumberuf Die 38 jungen Frauen und Männer strahlten an diesem Julitag im»klapheckenhof«in Kleve-Kellen mit dem Sommerwetter um die Wette: Sie waren aus allen SOS-Standorten im Kreis Kleve zusammengekommen, um gemeinsam ihre Ausbildungsabschlüsse zu feiern. Und so nahmen frischgebackene Gärtner/-innen, Kauffrauen und -männer, Fachwerker/-innen, Köche, Hauswirtschaftshelferinnen, Beiköchinnen und Verkäuferinnen die Glückwünsche ihrer SOS-Ausbilderinnen und -Ausbilder entgegen. Das Kinderdorf Niederrhein bietet die überbetriebliche Ausbildung außer in integrierter auch in kooperativer Form an, also in Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben.»Wir erleben, dass immer mehr Menschen mit Hilfe einer Stiftung Gutes tun wollen«, so Petra Träg aus der Geschäftsführung der SOS- Kinderdorf-Stiftung.»Das ist wunderbar, da uns dieses Engagement Dort absolvieren die Auszubildenden den praktischen Teil ihrer Ausbildung. So konnte nun auch Tamara Bauhaus, 25, den Abschluss in ihrem Wunschberuf feiern: Sie ist jetzt ausgebildete Steinmetzin. Unterstützt von ihrer SOS-Pädagogin und Ausbildungsbegleiterin hatte sie in diesem»typischen Männerberuf«eine Lehrstelle in einem alteingesessenen Meisterbetrieb gefunden. Einfach ist die körperlich oft fordernde Arbeit nicht, aber für Tamara geht ein Traum in Erfüllung und sie ist überzeugt:»so zu arbeiten ist einfach schön.«glücklich über das Er - reich te: SOS-Ausbildungsleiterin Gabi Klaus (r.) und Steinmetzin Tamara Bauhaus. Jahresbericht

10 HÖHEPUNKTE 2013 Hoher Besuch in Grimmen Angela Merkel zu Gast beim SOS-Jahresempfang Am 31. Mai hatte der Vorstand des SOS-Kinderdorf e.v. zum SOS-Jahresempfang nach Mecklenburg-Vorpommern eingeladen. Die Gäste konnten die dortige SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden kennenlernen und Aktuelles zu zahlreichen SOS-Projekten erfahren. Als besonderer Gast kam auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für die Bewohnerinnen und Bewohner der SOS- Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden war es ein freudiges Wiedersehen. Und eine sichtlich gut gelaunte Bundeskanzlerin stellte interessiert Fragen. Angela Merkel verfolgt seit längerem die Entwicklung der SOS-Dorfgemeinschaft. Damals noch Bundesumweltministerin, war sie schon bei der Grundsteinlegung dabei. Die Kanzlerin kam mit Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering. Beide drückten ihre große Wertschätzung aus für die Arbeit von SOS-Kinderdorf in Deutschland und der Welt.»Das großartige Engagement der SOS-Kinderdörfer ist aus Deutschland überhaupt nicht mehr wegzudenken«, sagte Merkel in ihrer Grußrede.»Sie schaffen für Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen Orte der Zuwendung und Geborgenheit. Kindern ein Zuhause zu bieten ist zweifellos das Markenzeichen. Aber der Verein kümmert sich eben um sehr viel mehr. Grimmen ist ein Beispiel dafür, wie SOS-Kinderdorf sich vielfältig engagiert im ganzen Land.«Beim Rundgang erfuhren die Gäste mehr über Leben und Arbeit der Menschen mit Be hinderung in der SOS-Dorfgemeinschaft. Angela Merkel besuchte auch die Weberei. Prof. Dr. Johannes Münder (l.) und Jacqueline (r.), eine Jugendliche aus einer SOS-Kinderdorffamilie, führten die beiden Ehrengäste zum Dorfsaal. Danach gab es noch ein Geschenk aus der Dorfgärtnerei. Ministerpräsident Sellering hob besonders das»positive Klima des Miteinanders«in der SOS-Dorfgemeinschaft hervor:»hier bekommt jeder die Chance, seine Stärken kennenzulernen.«prof. Dr. Johannes Münder, Vorstandsvorsitzender des SOS-Kinderdorf e.v., betonte:»sos-kinderdorf ist immer wieder gefragt, wenn es darum geht, Kindern, Jugendlichen und Familien in schwierigen Lebenslagen Perspektiven aufzuzeigen.«(mehr dazu auch im Interview auf Seite 4.) Benachteiligung abbauen Chancen schaffen: So lautete auch das Motto des diesjährigen Jahresempfangs. Auf welch unterschiedliche Weise dies in den SOS-Einrichtungen gelingt, schilderten die Koordinatorin des SOS-Familienzentrums Grimmen, Rita Claußen, SOS-Kinderdorfmutter Birgit Kramm sowie Jacqueline, ein Mädchen aus einer SOS-Kinderdorffamilie. In selbstgedrehten Filmen kamen auch die Bewohner der Dorfgemeinschaft ausführlich zu Wort. Diese bewirteten ihre Gäste mit einem liebevoll vorbereiteten Büfett im Dorfcafé natürlich mit Zutaten aus der eigenen Gärtnerei und Landwirtschaft in Bioqualität. Beim anschließenden Rundgang konnten alle einen Blick in den Alltag der SOS-Dorfgemeinschaft werfen. So nahmen die aus ganz Deutschland angereisten Gäste viele interessante Erlebnisse und positive Eindrücke mit nach Hause. 10 Jahresbericht 2013

11 PROJEKTE UND EINRICHTUNGEN 20 Jahre SOS-Kinderdorf in Gera Wir haben uns immer eng da - ran orientiert, welche Hilfen Kinder, Jugendliche und Familien in unserer Region brauchen. Die SOS-Kinderdorffamilien erweitern unsere Möglichkeiten, jungen Menschen individuell zu helfen«, betont Einrichtungsleiterin Katrin Berthold. In einem ausgebauten ehemaligen Hofgut im Stadtteil Gera-Lusan werden künftig drei SOS-Kinderdorffamilien leben. Bis zu sechs Kindern bietet jede von ihnen ein geborgenes Zuhause. Gute Gemeinschaft als Ziel»Unser Ziel ist aber auch, dass Kinder und Familien aus dem Umfeld ein stützendes Miteinander erleben«, betont Bert hold. Auf dem Kinderdorfgelände, auf dem sich früher das Kinder- und Ju - gendfreizeitzentrum der Stadt befand, wird es neben dem Zuhause der Kin - der dorffamilien auch offene Angebote geben: für alle Bewohnerinnen und Be- 20 Vielfältige Hilfen für Kinder und Familien Im September stellte die SOS-Einrichtung in Gera ihr jüngstes Angebot vor: ein neues Zuhause für drei SOS-Kinderdorffamilien. Damit Familie gelingt: Die vielfältigen Angebote der SOS-Einrichtung in Gera orientieren sich eng am Bedarf. wohner des Stadtteils und darüber hinaus. So können die Kinderdorfkinder zum Beispiel mit Kindern aus der Nachbarschaft im Teenie-Treff ihre Freizeit gestalten. Raum ist ebenso für generationenübergreifende Begegnungen, Ver - anstaltungen und Beratungsangebote. Das erste Geraer SOS-Angebot war 1993 eine Wohngruppe für weibliche Heranwachsende, die Unterstützung brauchten. Da sich schnell zeigte, wie groß der Hilfebedarf war auch bei jungen Männern, folgten bald zwei weitere Gruppen. Als dann die ersten volljährig gewordenen jungen Menschen auszogen, entstand das Betreute Wohnen, um ihnen den Übergang in die Selbstständigkeit zu erleichtern. Zu ei - nem sehr gefragten Angebot entwickelte sich seit 1999 die Betreuung minderjähriger Mütter und Väter: Von den Betreuerinnen unterstützt, können sie in der Mutter/Vater-Kind-Wohngruppe in ihre neue Rolle hineinwachsen. Im»Stammsitz«der SOS-Einrichtung in der Kurt-Keicher-Straße 51 ist seit vielen Jahren auch der»treffpunkt«zu Hause. Die beliebte Anlaufstelle für Jugendliche dient zugleich zahlreichen Projekten als Basis. Dazu gehörte das 2001 übernommene Jugendkriminalitäts-Präventionsprogramm (JKPP). Das frühere Landesmodellprojekt richtete sich an unter 14-Jährige, die polizeilich auffällig geworden waren. Das SOS- Team beriet sie und ihre Eltern, bot Gruppenarbeit und Einzelfallhilfe an, organisierte Angebote zur Gewaltprävention und baute ein entsprechendes regionales Netzwerk auf.»leider sind die regionalen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und gesamtgesellschaftlich bis heute für viele Familien stark belastend«, sagt Berthold. So wurde auch das Angebot der Hilfen zur Erziehung mit der Zeit vielfältiger, um noch zielgerichteter helfen zu können: Seit 2003 können die SOS-Fachkräfte dank der Sozialpädagogischen Familienhilfe Eltern und Kinder in besonders schwierigen Lebenssituationen intensiv zur Seite stehen. Im 2009 übernommenen Frauenkommunikationszentrum/FFZ finden Frauen eine Anlaufstelle, Rat und Hilfe, etwa bei der Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Auch die Frühen Hilfen für Familien mit Kindern unter drei haben im FFZ ihren Sitz. Im 2010 eröffneten Café Krümel liegt der Fokus auf gesundheitsfördernden Angeboten. In diesem»begegnungs- café«lernen etwa Kindergarten- und Schulgruppen beim Kochen viel Neues rund um gesunde Ernährung. SOS in Gera in Zahlen Stammnutzer Angebote: FFZ 210/Monat, davon etwa 40 in den Frühen Hilfen; Café Krümel 195/Monat Gesamtnutzer Angebote monatlich: ca. 600 Wohngruppenbewohner/-innen: 50/Jahr, davon 37 in der Mutter/Vater-Kind Wohngruppe Ambulante Betreuung: 96/Jahr Mitarbeiter/-innen: 23 außerdem unterstützen 25 Ehrenamtliche das Team Unterhaltskosten in Euro: 1,3 Mio., davon 53,1 % durch die öffentliche Hand refinanziert Stand Jahresbericht

12 PROJEKTE UND EINRICHTUNGEN 50 Jahre SOS-Kinderdorf Harksheide Vom ländlichen Dorf zum modernen Hilfeverbund 50 Eine neue Chance für Kinder, die ein Zuhause brauchen: Diesen Traum ließen engagierte Menschen vor fünf Jahrzehnten vor den Toren Hamburgs wahr werden. Dort entstand 1963 das sechste deutsche SOS-Kinderdorf. SOS-Kinderdorfmutter Ulrike Hagemann begeht 2013 ein zweifaches Jubiläum: Schon vor dem gro ßen Herbstfest zum 50. Geburtstag»ihres«Kinderdorfes hat sie im Frühjahr ihr eigenes 25-jähriges Dienstjubiläum gefeiert.»aber eher leise«, sagt die 55-Jährige. Schließlich dreht sich ihr Berufsleben nicht um Jahreszahlen, sondern um das Wohlergehen junger Menschen. Neun Kinder hat Ulrike Hagemann in ihrer Kinderdorffamilie im SOS-Kinderdorf Harksheide bis heu te betreut; sieben von ihnen sind bereits ausgezogen und selbstständig. Aber auch sonst hat sich im Kinderdorf im Laufe der Zeit einiges getan. Starthilfe aus Lübeck zehnten mit einem 40-Tonner voller Baumsetzlinge vor«, erzählt Kinderdorfmitarbeiter und Sozialpädagoge Manfred Thurau. Die Setzlinge von damals sind zu üppigen Büschen und stattlichen Bäumen herangewachsen. Dazwischen gibt es heute viele Schleichpfade, die nicht nur den Kinderdorfkindern wohlvertraut sind. Da Norderstedt längst an das SOS-Kinderdorf herangewachsen ist, schätzen auch die Kinder von außerhalb die tollen Spielmöglichkeiten auf dem Gelände: Das Beliebt bei Großen und Kleinen: die neue Figurengruppe»SOS-Kinderdorffamilie«an der Einfahrt ins Kinderdorf. Kinderdorf ist keine in sich geschlossene Welt und will dies auch nicht sein wuchs das Angebot um einen Aus - bildungsbetrieb für Hauswirtschaftshilfen, der gezielt Jugendlichen aus der Region offensteht. Bis heute bildet das Team um Hauswirtschaftsmeisterin Sabine Hoyer hier mitten im Kinderdorf junge Frauen und Männer aus.»diese Maßnahme bieten wir zusammen mit der Agentur für Arbeit be nach - teiligten jungen Menschen an«, er klärt sie. Und ergänzt stolz, dass rund 70 Pro - zent ihrer Auszubildenden kurz nach ihrem Abschluss eine Stelle finden. In den 1990er-Jahren erweiterte das SOS-Kinderdorf Harksheide aufgrund des wachsenden Bedarfs sein Hilfeangebot für junge Menschen und Familien erneut. Seit 1999 nimmt die ambulante Tagesgruppe bis zu sechs Norderstedter Kinder in familiärer Notlage Da wäre etwa die Sache mit dem Namen: 1963, zur Zeit seiner Eröffnung, lag das SOS-Kinderdorf tatsächlich auf dem Gebiet des Dorfes Harksheide, das ihm seinen Namen gab. Doch die Orte rund um Hamburg wuchsen und verschmolzen miteinander. Heute liegt das Kinderdorfgelände daher am Rand der Gemeinde Norderstedt. Das Grundstück für das SOS-Kinderdorf stellte damals der Lübecker Kaufmann Wilhelm Fabritz zur Verfügung. Der aus Hamburg stammende Dr. Henning Baur und seine Frau Minni hatten ihn für die SOS-Kinderdorfidee begeistert. Während die ersten Kinderdorfhäuser noch auf freier Fläche standen, gleicht das Dorfgelände heute fast einem botanischen Garten. Wie so vieles, hat auch das eine Spende ermöglicht:»eine Pinneberger Baumschule fuhr vor Jahr- 12 Jahresbericht 2013

13 PROJEKTE UND EINRICHTUNGEN allen Familien den Freiraum, der heutigen pädagogischen Ansprüchen genügt.«so hat etwa möglichst jedes Kind sein eigenes Zimmer. Das gibt den Kindern, die oft Schweres zu bewältigen haben, mehr Rückzugsraum und fördert so ihre Entwicklung. Rechtzeitig zu seinem runden Geburtstag hat das SOS-Kinderdorf Harksheide auch ein neues, deutlich sichtbares»türschild«bekommen: Eine fröhlichbunte Kinderdorffamilie, gestaltet von dem Bremer Künstler Uwe Schloen, hat rechts neben der Einfahrt ihren Platz gefunden. Die freundliche Gruppe begrüßt seit Juni alle Bewohner, Mitarbeitenden und Gäste in der vielfältigen, modernen Kinderdorfwelt des SOS-Kinderdorfes Harksheide. Viele Kinder, aber kaum Grün: Bilder aus der Anfangszeit des SOS- Kinderdorfes und eine Anzeige. auf. Sie verbringen den Tag in der Gruppe, wo sie Halt und Geborgenheit finden. Das entlastet auch ihre Eltern; diese erhalten Beratung und gezielte Hilfe, damit sie das Familienleben wieder positiv gestalten können. Ebenfalls 1999 entstanden die Jugendwohngruppe und zwei Familienwohngruppen. In diesen Gruppen leben junge Menschen, betreut von einem festen pädagogischen Team, in familiärer Atmosphäre zusammen. Nach und nach folgten weitere ambulante Betreuungsangebote sowie familienorientierte Programme. Den offenen Familientreff in Norderstedt etwa nutzen gerade sehr junge Mütter und Väter gerne: Hier bekommen sie Informationen und alltagsnahe Tipps zum Hineinwachsen in die Elternrolle. Vielseitige Angebote So präsentiert sich das SOS-Kinderdorf Harksheide heute als moderner Hilfeverbund.»Dadurch können wir, oft gemeinsam mit anderen Hilfe- und Bildungsträgern oder lokalen Vereinen, junge Menschen und ihre Familien vielseitig unterstützen«, freut sich Kinderdorfleiter Jörg Kraft. Auch in der Schulsozialarbeit sind die SOS-Mitarbeite - rinnen und -Mitarbeiter in Kooperation mit dem Förderzentrum Norderstedt ak - tiv. Eine Besonderheit sind zwei»durch - gangsklassen«, von denen eine auf dem Gelände des Kinderdorfes unterrichtet wird. Diese Schulgruppe nimmt bis zu sechs Erst- und Zweitklässler auf, die einen besonderen Förder- und Betreuungsbedarf haben. Drei Fachkräfte helfen ihnen dabei, das Lernen zu lernen, Verhaltensauffälligkeiten und Ent - wicklungsrückstände zu überwinden. Wer heute durch das Kinderdorf geht, sieht übrigens nicht nur Originalgebäude aus der Anfangszeit begannen Umbau und Modernisierung der Familienhäuser. Da beides bei laufendem Betrieb erfolgte, dauerte es zehn Jahre, bis das letzte Haus fertig war. Sieben der alten Häuser das er - gab die gründliche Prüfung konnten nicht erweitert, sondern mussten komplett neu gebaut werden.»der Erfolg ihrer Arbeit hängt zwar wesentlich vom persönlichen Einsatz der Kinderdorfmütter ab«, erklärt Manfred Thurau.»Aber auch die Umgebung, in der die Kinderdorffamilie lebt, ist sehr wichtig. Die modernen Häuser geben Das Kinderdorf in Zahlen Im Kinderdorf betreute Kinder/ Jugendliche: 70, zwischen 9 Monaten und 19 Jahren. Davon leben 43 im Kinderdorf: 23 in derzeit 5 Kinderdorffamilien, 13 in den zwei Familien-Wohngruppen und 7 in der Jugendwohngruppe. Die an deren nutzen ambulante Angebote wie die Tagesgruppe und die Durchgangsklasse/Schulsozialarbeit. Auszubildende in der Hauswirtschaft: 14 Ambulante Betreuung: 3 Jugend - liche im Übergang zur Selbstständigkeit Mitarbeiter/-innen: 68 Unterhaltskosten in Euro: 4,8 Mio., davon 46,6 % durch die öffentliche Hand refinanziert Stand Jahresbericht

14 PROJEKTE UND EINRICHTUNGEN 40 Jahre SOS-Jugendhilfen in Detmold Mit voller Kraft Richtung Zukunft 40 Die Jugendhilfen in Zahlen Stationär Betreute: 15 in zwei Wohngruppen ab 13 Jahre, 5 in einer Wohngruppe ab 16 Jahre. Dazu kamen zwei Inobhutnahmen. Ambulante Hilfen: 30 Familien, teils über längere Zeit Mitarbeiter/-innen: 22 Unterhaltskosten in Euro: 1,3 Mio., davon 70,6 % durch die öffentliche Hand refinanziert Anfangs ging es vor allem darum, SOS-Kinderdorfkinder auf ihrem Weg ins selbstständige Leben zu begleiten. Seither ist das SOS- Jugendhilfe-Angebot in Detmold immer vielfältiger geworden. Wie können wir jungen Menschen beim Übergang in die Selbstständigkeit helfen?«diese Frage bewegte Anfang der 1970er- Jahre die Verantwortlichen im SOS-Kin - derdorf Lippe in Schieder-Schwalenberg. Daraufhin eröffnete 1973 in Detmold das SOS-Jugendhaus am Eichendorffweg, in dem die SOS-Jugendhilfen Detmold bis heute junge Menschen betreuen. Anfangs begleiteten die SOS- Fachkräfte hier vorwiegend Ju gend liche aus den Kinderdörfern in Nord rhein- Westfalen, die sich mit dem selbstständigen Leben vertraut machten.»dieses Haus war die erste so genannte koedukative Jugendeinrichtung des SOS-Kinderdorfvereins«, so die Leiterin der SOS-Jugendhilfen Detmold, Anke Schmidt.»Vom Start weg lebten hier junge Frauen und Männer allerdings in strikt getrennten Bereichen!«Eine weitere Besonderheit war, dass auch die Leitung und alle pädagogischen Kräfte im Haus wohnten. Diese räumli - che Nähe knüpfte an das gemeinschaftliche Leben im SOS-Kinderdorf an. sprechend vielfältig ist die Ausbildung des SOS-Teams, das unter anderem Familien- und Kreativtherapie oder Heilpä - dagogik nutzt, um gezielt zu helfen. Da - bei spielt auch intensive Zusammenarbeit mit den Eltern eine wichtige Rolle. Manchmal kann frühzeitige Hilfe auch verhindern, dass familiäre Probleme übermächtig werden und Kinder darunter leiden. Anfang der 1990er-Jahre gingen daher in Detmold die Ambulanten Hilfen an den Start. Hier erhalten Jugendliche, junge Erwachsene und ihre Familien durch Rat und Betreuung Hilfe zur Selbsthilfe. Ist die familiäre Krise sehr ernst, kommen die SOS- Fachleute auch ins Haus, um die Familie direkt in ihrem Umfeld zu unterstützen. Das Ziel ist immer, dass sich die Ein Musical zum Jubiläum: Gut eine Stunde lang unterhielten die Jugendlichen die Festgäste mit ihrem sorgsam einstudierten Musical. Stand Familie wieder so weit stabilisiert, dass ein für die jungen Menschen förderliches Zusammenleben gelingt. Ebenfalls in den frühen 1990er-Jahren erwarb der SOS-Kinderdorfverein ein Haus in der Baumstraße. Hier finden fünf junge Menschen ab 16 Jahren Wohnraum und intensive individuelle Unterstützung auch beim Wechsel ins selbstständige Leben. Ihr 40-jähriges Bestehen haben die SOS-Jugendhilfen als Fest für ihre Ehemaligen und mit diesen gefeiert. Ein Fest, das zugleich einen Schritt in die Zukunft markierte: In Detmold gibt es seit 1980 auch das SOS-Berufsausbildungszentrum. Um Jugendliche und junge Erwachsene mit besonderem Förder- und Hilfebedarf künf tig noch besser unterstützen zu können, haben sich die beiden Detmolder SOS-Einrichtungen 2013 zusam men ge schlos sen. Die neue Gesamteinrichtung trägt nun den Namen:»SOS-Kin der dorf Detmold Kinder-, Jugend- und Berufshilfe«. In den vergangenen 40 Jahren hat sich in der Jugendhilfe viel geändert, auch der Hilfebedarf junger Menschen hat sich gewandelt. Daher haben die SOS-Jugendhilfen Detmold im Laufe der Zeit ein vielfältiges Angebot entwickelt. Heute leben im Eichendorffweg bis zu 17 Kinder ab 13 Jahren in zwei rund um die Uhr betreuten Wohngruppen. Eine separate Wohnung im Haus bietet zudem die Möglichkeit, zwei Jugendliche kurz - fristig in Obhut zu nehmen.»zu uns kommen viele hoch traumatisierte Ju - gend liche mit zum Teil starken psychi - schen Belastungen«, sagt Schmidt. Ent- 14 Jahresbericht 2013

15 PROJEKTE UND EINRICHTUNGEN die Kinder an der Schule, für deren Familien und die Lehrerschaft«, erläutert Wiens.»Sie bleiben neutral und arbeiten vertraulich. Nur so können sie wirklich helfen und bei Bedarf weiterführende Hilfen vermitteln. Zum Beispiel, wenn Eltern bei der Erziehung professionellen Beistand und Entlastung brau chen.«wichtig ist, dass die Angebote zu den Bedürfnissen der Schulgemeinschaft passen. Daher unterstützen die Schulsozialarbeiterinnen Lehrer auch bei der Entwicklung eigener Projekte. SOS-Kinderdorf Schleswig-Holstein Streitschlichter-Trainings helfen Schülerinnen und Schülern dabei, Konflikte selbstständig und sozialverträglich zu lösen. Rückenwind für den Erfolg in der Schule Ein erfolgreicher Bildungsweg ist eine wichtige Grundlage für das weitere Leben. Daher engagiert sich das SOS-Kinderdorf Schleswig- Holstein in seiner Region auch in der Schulsozialarbeit. Seit 2005 engagiert sich das SOS-Kinderdorf in der Schulsozialarbeit. Auch, als es darum ging, die Schulen auf dem Weg zur Offenen Ganztagsschule zu begleiten. Dass Schülerinnen und Schüler dort den Nachmittag in der Schule verbringen, erfordert ein qualifiziertes pädagogisches Freizeitangebot: Es geht darum, ergänzend zum Unterricht die Bildungschancen junger Menschen zu erhöhen, ihre individuellen Fähigkeiten zu fördern und Benachteiligungen abzubauen. An drei Ganztagsschulen gestalten die SOS-Fachkräfte zum Beispiel Hausaufgabenhilfe, Bewegungs-, Musik- oder Kre ativkurse.»schulsozialarbeit bietet vie le Ansatzpunkte, um Kinder, Familien und Schule zu stärken und zu unterstützen«, erklärt Wiens.»So kann sie nicht nur das Klima an einer Schule deutlich verbessern, sondern wirkt auch positiv ins Gemeinwesen hinein.«dabei geht es vor allem um Hilfe zur sozialen Integration und bei der individuellen Entwicklung. Damit persönliche Probleme nicht den Schulerfolg beeinträchtigen.»der Schulabschluss bestimmt maßgeblich den weiteren Lebensweg eines jungen Menschen«, sagt Martin Wiens. Er leitet im SOS-Kinderdorf Schleswig- Holstein in Lütjenburg den Bereich Schulsozialarbeit. Deren zentrale Aufgabe ist es, auch benachteiligte junge Menschen auf dem Weg zum Schulabschluss zu unterstützen. Aktuell sind im Kreis Plön, zu dem Lütjenburg gehört, elf SOS-Sozialarbeiterinnen an 15 Schulen aktiv an Grundschulen und Förderzentren ebenso wie an Gymnasien.»In allen Schulformen finden wir Themen wie psychische und soziale Beeinträchtigungen, Leistungsdruck, Ausgrenzung und Mobbing«, weiß Wiens.»In der Summe ist die Not der Betroffenen ein Problem für die gesamte Schulgemeinschaft.«Die Schulsozialarbeit, zwischen Jugendhilfe und Schule angesiedelt, begeg net dem differenziert und professionell. Sie kann so zusätzliche pädagogische Qualität in die Schule bringen. Die SOS-Fachkräfte beraten und informieren Lehrer- und Schülerschaft etwa dazu, wie man Mobbing und Gewalt vorbeugen kann. Sie arrangieren Streitschlichter-Trainings, die Schülerinnen und Schülern helfen, Konflikte selbstständig sozialverträglich zu lösen. Schon Grundschulkinder er leben so, dass sie das Miteinander positiv gestalten können. Dieser SOS-typische Ansatz der Beteiligung und Hilfe zur Selbsthilfe prägt die Schulsozialarbeit des SOS-Kinderdorfes Schleswig-Holstein.»Die SOS-Fachfrauen sind Ansprechpartnerinnen für Das Kinderdorf in Zahlen In Kinderdorffamilien betreute Kinder/Jugendliche: 57; 10 im Kinder- und Jugendhaus Kindertagesstätte: 35 Kinder von 2 bis 6 Jahren; 52 im Gesamtjahr* Heilpädagogischer Dienst: 83 Kinder/Jugendliche SOS-Familienhilfen: 154 Familien, meistens langzeitbetreut Frühe Hilfen: 49 Mütter/Väter Schulsozialarbeit: 15 Schulen mit insgesamt rund Schüler/-innen Ausbildung Hauswirtschaft: 12 junge Menschen, 16 im Gesamtjahr* Mitarbeiter/-innen: 97 Unterhaltskosten in Euro: 6,4 Mio., davon 59,9 % durch die öffentliche Hand refinanziert * Höhere Zahl durch Aus- und Neueintritte Stand Jahresbericht

16 PARTNER UND FREUNDE Danke! Kooperationspartner Union Investment Nachhaltiges Engagement für Kinder Verlässliche Hilfe bewirkt besonders viel. Von diesem Grundsatz ausgehend, hat Union Investment ein langfristiges Unterstützungsmodell zugunsten des SOS-Kinderdorf e.v. entwickelt. Was einer allein nicht schafft, das schaffen viele.«so lässt sich die Idee der Genossenschaftlichen FinanzGruppe zusammenfassen, zu der Union Investment gehört. Genossenschaftliches Denken heißt auch: Partnerschaftlichkeit, Verantwortung und Verlässlichkeit erlebbar zu machen. Diese Haltung ergänzt sich wunderbar mit dem Grundsatz Hermann Gmeiners, des Gründers von SOS-Kinderdorf:»Gutes tun ist leicht, wenn viele helfen!«förderung, die viel bewirkt: Das Engagement von Union Investment stützt auch die Entwicklungsdiagnostik. Weil das so ist, hat sich Union Investment dazu entschlossen, den SOS-Kinderdorfverein als Kooperationspartner dauerhaft zu unterstützen. Für Matthias Stapelfeldt, Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei Union Investment, baut diese Partnerschaft auf gemeinsamen Werten auf:»wir haben uns bewusst für den SOS-Kinderdorf e.v. als Begünstigten unserer Kinderhilfe entschieden. Denn er hat einen sehr tragfähigen und langfristig ausgerichteten Ansatz. Wir sind beeindruckt davon und können uns als Teil der Genossenschaftlichen FinanzGruppe sehr gut mit diesen Überzeugungen und Werten identifizieren.«ein Plus sei auch, dass der SOS-Kinderdorf e.v. mit über 40 Ein richtungen in Deutschland breit auf - gestellt sei. Das motiviere die genos sen - schaftlichen Partnerbanken, das En - gage ment für SOS-Kinderdorf auch in ihrer Region umzusetzen. Ein Sparplan-Modell, das viele Kinder fördert Und so funktioniert die Unterstützung von Union Investment: Mit dem Fondssparplan UniNachWuchs können Anleger, zum Beispiel für ein Enkelkind, eine finanzielle Grundlage schaffen. Basis des Fondssparplans bildet ein Mischfonds, der gezielt das Element der Nachhaltigkeit im Blick hat. Er investiert in Unternehmen, die strenge Nach - haltigkeitskriterien erfüllen beziehungsweise in Länder mit guten Nachhaltigkeitsbewertungen. So sollen über das einzelne Kind hinaus auch künftige Generationen unterstützt werden. Pro abgeschlossenem Sparplan unterstützt Union Investment den SOS-Kinderdorf e.v. mit einem Betrag von 20 Euro. Verschiedene Projekte konnten dank der Hilfe von Union Investment bereits realisiert werden. Dazu gehört die Re - no vierung eines Familienhauses im SOS-Kinderdorf Lippe für eine neue Kinderdorffamilie. Über finanzielle Hilfe konnte sich auch die Entwicklungsdiag - nostische Beratungsstelle des SOS-Kinderdorfes Ammersee-Lech freu en. Hier finden Eltern Rat und Hilfe, die sich Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes machen oder deren Kind besondere Förderung braucht. Durch frühe Bera - tung lassen sich eventuelle Entwicklungsverzögerungen frühzeitig erkennen und gezielt behandeln. Eine Hilfe, für die Eltern sehr dankbar sind. 16 Jahresbericht 2013

17 PARTNER UND FREUNDE Weil Kinderlachen kostbar ist: SOS- Einrichtungspaten ermöglichen unbeschwerte Momente. SOS-Einrichtungspatenschaften in Deutschland Gezielt helfen vor der eigenen Tür Zahlreiche Menschen engagieren sich gezielt für eine inländische SOS-Einrichtung: Oft möchten sie so bestimmte Angebote für Kinder und Jugendliche direkt unterstützen. Gute Perspektiven für junge Menschen und Familien: Dafür stehen die deutschen SOS-Einrichtungen. beenden. Allerdings ist es hilfreich, wenn die SOS-Einrichtungspatenschaft mindestens ein Jahr lang besteht. Das vereinfacht die Verwaltung sehr und intensiviert die nachhaltige Wirkung für die betreffende Einrichtung. Das Schlimmste in meiner Jugend war, dass ich mit niemandem vernünftig über meine Ängste und Probleme reden konnte. Damit das heute Jugendlichen nicht auch so geht, habe ich eine Patenschaft für eine SOS-Jugendeinrichtung übernommen.«so wie dieser Pate engagieren sich viele Menschen in Deutschland gezielt für eine bestimmte SOS-Einrichtung. Sie wollen damit junge Menschen und Familien in schwierigen Lebensphasen unterstützen.»manche Einrichtungspaten wählen dazu eine SOS-Einrichtung ganz in ihrer Nähe. Andere entscheiden sich für eine, deren spezielles Angebot sie besonders gut finden«, weiß Christine Rust, Leiterin Direktmar - keting beim SOS-Kinderdorfverein. Bei der Wahl ihrer Einrichtungspatenschaft sind Interessierte ganz frei. Ob eine SOS-Jugendhilfe, ein SOS-Ausbildungs- und Beschäftigungs- oder ein Beratungszentrum, ob ein SOS-Mütterzentrum, eine SOS-Dorfgemeinschaft oder ein SOS-Kinderdorf: Die Einrichtungspatinnen und -paten spenden je- weils 26 Euro im Monat. Der SOS-Kinderdorf e.v. garantiert, dass der Patenbetrag ausschließlich der begünstigten Einrichtung zugutekommt. Das Geld hilft, den Unterhalt der jeweiligen SOS- Einrichtung zu sichern. Die Patenschaft ist zeitlich nicht begrenzt, sie lässt sich jederzeit ohne Angabe von Gründen Nach ihrer Anmeldung bekommen die Einrichtungspatinnen oder -paten eine kurze Beschreibung und ein Foto ihrer SOS-Pateneinrichtung. Zweimal jährlich erhalten sie außerdem aktuelle Informationen über das Geschehen dort.»und natürlich sind sie als Besucher herzlich willkommen«, sagt Christine Rust. Jahresbericht

18 PARTNER UND FREUNDE Das war toll: Die Grundschul - kinder freuen sich mit dem jungen Organisationsteam (in orangen T-Shirts) über das Erreichte. Danke!»Kinder laufen für Kinder«Gemeinsam mit Erfolg über die Ziellinie Praxisnah lernen und dabei auch noch Gutes tun das ermöglicht ein ungewöhnliches Sportseminar engagierter Gymnasiasten.»Wir haben einen großen Plan gebastelt, der die rund 70 Kilometer lange Strecke von der Grundschule in Poing zum SOS-Kinderdorf Ammersee-Lech zeigte. Der hing dann in der Schule. Im Sportunterricht sind die Kinder zum Üben in der Turnhalle immer eine bestimmte Strecke gelaufen. Die Lehrer konnten anhand unserer Tabelle dann umrechnen, welcher Strecke das auf dem Plan entsprach. Jede Klasse mar- Gemeinsam lässt sich viel erreichen vor allem, wenn die Älteren den Jüngeren dabei helfen. Das hat ein Projekt am Franz-Marc- Gymnasium in Markt Schwaben in diesem Jahr zum vierten Mal bewiesen. Im Fachbereich Sport können sich Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse für ein projektorientiertes Seminar (P-Seminar) anmelden, mit dem sie die Initiative»Kinder laufen für Kinder«unterstützen. Das Grundprinzip hinter dieser Benefizaktion ist ganz einfach: Kinder laufen eine bestimmte Strecke und ihre Unterstützer spenden pro gelaufenem Kilometer eine vorher festgelegte Summe. Dieses Engagement dient einem guten Zweck, die Spenden fließen unter anderem der Arbeit des SOS- Kinderdorf e.v. zu.»unsere Aufgabe als ältere Schüler war es, den Spendenlauf an einer Grundschule vorzubereiten«, erzählt Maxi- milian Kramer, ein Teilnehmer des P- Seminars. Was das bedeutet, wurde der Organisationsgruppe bald klar: Sie musste unter anderem einen Ablaufplan erstellen, Lehrer, Eltern und Presse informieren, Sponsoren suchen und die Ehrengäste einladen. Vor allem aber war es wichtig, die Kinder der zehn Grundschulklassen zu motivieren. Sie sollten Spaß an der Sache haben und bereit sein, sich anzustrengen, um anderen Kindern zu helfen. kierte dort mit Tierstickern ihren aktuellen Stand. So konnten die Kinder sehen, wie sie sich dem imaginären Ziel Kinderdorf näherten. Das fanden alle ganz toll, auch die Lehrer!«Zum Glück standen am Tag des Benefizlaufs dank der gewonnenen Sponsoren ausreichend Getränke, Obst und Gemüsesticks für die kleinen Sportler bereit. Denn die Sonne glühte auf die rund 200 Läuferinnen und Läufer he - rab. Dennoch gaben alle ihr Bestes, damit am Ende eine ordentliche Spendensumme zusammenkam.»wir hatten trotz der Hitze und all der Arbeit genauso viel Spaß wie die Grundschüler«, meint Maximilian Kramer. Auch das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Rund Euro haben die Kinder für SOS erlaufen.»kinder laufen für Kinder«: Schon zum vierten Mal haben die Grundschüler in Poing Engagement gezeigt! 18 Jahresbericht 2013

19 PARTNER UND FREUNDE Helene-Lange-Gymnasium Markgröningen Pogo für Togo und SOS-Kinderdorf Sechs Bands, zwei Bühnen und sehr viel Vorarbeit: So organisierten Schülerinnen und Schüler erfolgreich ein Benefizkonzert. Nun machte sich das Team an die weitere Arbeit. In einem schulinternen Wettbewerb wurde ein eigenes Logo für den»pogo für Togo«-Abend entwickelt. Außerdem galt es, Sponsoren zu gewinnen. Die Anreise der Bands die alle umsonst spielten Bühnenausstattung, Werbung, Bewirtung und vieles mehr war zu organisieren. Für den guten Zweck fanden sich zahlreiche Unterstützer.»Wirklich toll, wie viele Vereine, Institutionen und Firmen uns geholfen haben«, freut sich die junge Organisatorin. Was für eine Aktion machen wir denn in diesem Schuljahr?«So lautete die Ausgangsfrage der Kulturgruppe in der Schülermitverwaltung (SMV) des Helene-Lange-Gymnasiums in Markgröningen.»Es stand schnell fest: Wir machen ein Benefizkonzert«, erinnert sich Emeli Birner, Kulturreferentin der SMV. Aber an wen sollte die Spende gehen? Schließlich fiel die Wahl auf das afrikanische Togo,»denn wir wollten helfen, wo es wohl nicht so viele tun«. Das fünfköpfige Organisationsteam informierte sich dazu, welche Sozialorganisationen dort aktiv sind. Die Wahl fiel auf SOS-Kinderdorf in Togo.»SOS hat unser Anliegen sehr ernst genommen und uns gut mit Informationen über die SOS-Arbeit und die Einrichtungen in Togo versorgt«, sagt Emeli Birner. Viel Kreativität, viel Arbeit und viel Spaß: Das junge Organisationsteam hat sein Ziel erreicht. Danke! Beeindruckt zeigt sich auch Lehrerin Jessica Schiller. Nicht zuletzt davon, wie gut die Schülerinnen und Schüler Togo in den Mittelpunkt des Abends rückten:»die ganze Turnhalle war mit Girlanden und Ballons in den Landesfarben geschmückt. Auf zwei großen Stell wänden gab es Informationen zum Land und zur SOS-Arbeit, außerdem ver - teilten die Schüler zusätzlich Infoflyer.«Auch das Wetter spielte mit, und so wurde es ein rundum tolles Konzert.»Es war sehr schön, und wir haben alle ganz viel bei diesem Projekt gelernt«, fasst Emeli Birner zusammen. Zum guten Schluss konnte das stolze Schülerteam dann eine 500-Euro-Spende für Togo an den SOS-Kinderdorfverein übergeben. Jahresbericht

20 SOS IN DER WELT SOS-Kinderdorf International Siddhartha Kaul _ der neue Präsident Er ist modern und zukunftsorientiert. Und er weiß, wovon er spricht, denn er kommt von der Basis.«So der erste Eindruck der SOS- Kinderdorfmütter am Ammersee, die der neue Präsident von SOS-Kinderdorf International bei seiner Antrittsreise durch Deutschland besuchte. Siddhartha Kaul, 1954 in Nordindien geboren, wuchs buchstäblich mit der SOS-Kinderdorf-Idee auf. Sein Vater, Shri J. N. Kaul, gründete 1964 das erste SOS-Kinderdorf Indiens in Greenfields südlich von Delhi.»Papajee«(Vater) wurde der Mitgründer und Präsident von SOS-Kinderdorf Indien liebevoll von den SOS-Kinderdorfkindern genannt.»bhaiya«(älterer Bruder) nannten sie seinen Sohn. Siddhartha lernte bereits im Alter von zehn Jahren Hermann Gmeiner kennen, den Gründer von SOS- Kinderdorf. Wie sein Vater versteht auch er sich als Teil der großen weltweiten Kinderdorffamilie. Mit viel Erfahrung in die Zukunft 1978 gründete der studierte Architekt Siddhartha Kaul das erste südindische SOS-Kinderdorf in Madras (heute Chen - nai). Er war Regionalleiter für SOS in Indien und Sri Lanka; ab 2003 trug Kaul die Gesamtverantwortung für die Arbeit in Asien. Bereits 2001 wurde er stellvertretender Generalsekretär von SOS-Kin - derdorf International. Nach dem Tsu - na mi 2004 leitete er das Nothilfe- und Wie deraufbauprogramm in Indien, Sri Lanka, Indonesien und Thailand. Im Juni 2012 folgte er Helmut Kutin im Amt, der nach 27 Jahren aus Altersgründen nicht erneut kandidierte. Kutin über seinen Nachfolger:»Was ich an Siddhartha Kaul, abgesehen von seinem Organisationstalent und seiner realistischen Denkweise in Wirtschaftsfragen, am meisten schätze, ist sein großes menschliches Verständnis.«Sid dhartha Kaul selbst wünscht sich eines ganz besonders:»ob in Sri Lanka oder Haiti, ob in Burundi, Bosnien oder Deutschland, jedes Kind verdient faire Zukunftschancen überall auf der Welt.«Besuch auf Augenhöhe: In Berlin nahm Siddhartha Kaul eine Spende von Schülern für ein SOS-Kinderdorf in Syrien entgegen. SOS-Kinderdorf Inter national ist weltweit in 133 Ländern und Territorien aktiv. Der deutsche SOS-Kinder dorf e.v. unterstützt über Deutschland hinaus SOS-Ein rich tun gen in 43 Ländern (vgl. grüne Markierungen). Amerika Argentinien Bolivien Brasilien Chile Costa Rica Dominikanische Republik Ecuador El Salvador Guatemala Haiti Honduras Jamaika Kanada Kolumbien Mexiko Nicaragua Panama Paraguay Peru Uruguay USA Venezuela Stand Jahresbericht 2013

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