BLICKPUNKT. Der kirchliche Gebäudebestand und die gemeindepädagogischen

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1 Nr Evangelische Kirche Intern Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der evangelischen Kirche in Frankfurt, herausgegeben vom Evangelischen Regionalverband Frankfurt am Main INFO Kirche zur Buchmesse Unter dem Motto Mit anderen Augen greift die evangelische Kirche in Frankfurt in einer Veranstaltungsreihe Themen aus dem diesjährigen Gastland der Buchmesse, Indien, auf. Am 27. September wird im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum die Ausstellung Poster Women, die Plakate der indischen Frauenbewegung zeigt, eröffnet. Tags darauf geht es in einem Podiumsgespräch in der Stadtakademie um Gandhis gewaltfreien Widerstand. Weitere Termine der bis zum 6. Oktober andauernden Reihe sind unter zu finden. Im Evangelischen Info-Center (Telefon ) ist das Programm erhältlich. Einführung Scherle Am Sonntag, 8. Oktober, um 15 Uhr, wird die neue Pröpstin für Rhein-Main Gabriele Scherle im Rahmen eines Gottesdienstes unter der Leitung des Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Professor Peter Steinacker in der Heiliggeistkirche im Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Straße 23, offiziell in ihr neues Amt eingeführt. Anschließend findet ein Empfang statt. (Siehe auch Porträt auf Seite 3) AUS DEM INHALT Soziale Fragen in Frankfurt lösen Zur Sache von Esther Gebhardt 2 Keine Angst vor Klartext Porträt der neuen Pröpstin Scherle 3 Aktiv in eine neue Lebensphase Altersteilzeit 4 Paten: Mitvater und Mitmutter auf Zeit Kirchenlexikon 7 BLICKPUNKT Im Herzen der Stadt - am Römerberg hat die Evangelische Stadtakademie ihren neuen Sitz. Die Vorsitzende des Vorstandes des Evangelischen Regionalverbandes, Pfarrerin Esther Gebhardt, und die Leiterin der Stadtakademie, Pfarrerin Ute Knie, stellten die von der Architektin Claudia Meixner gestalteten Räume am 14. Juli der Öffentlichkeit vor. Kirchengebäude stehen zur Diskussion Evangelische Regionalversammlung tagt am 20. September Der kirchliche Gebäudebestand und die gemeindepädagogischen Stellen stehen im Mittelpunkt der Evangelischen Regionalversammlung am Mittwoch, 20. September, um 18 Uhr, im großen Saal des Dominikanerklosters, Kurt-Schumacher- Straße hatten die Delegierten der evangelischen Gemeinden und Dekanate in Frankfurt die so genannte Positivliste beschlossen, damals Grundlage eines großen Baukonzeptes und Strukturveränderungsplans. Die Liste hält fest, welche Gebäude der Kirchengemeinden weiter genutzt, abgegeben oder vermarktet werden sollen. Wegen des anhaltenden Sparzwangs müssen diese Vorgaben überarbeitet werden. Vorschlag ist, dafür einen Ausschuss zu bilden, der sich gründlich mit den unterschiedlichen Aspekten befassen und Vorschläge entwickeln soll. Außerdem werden sich die Delegierten erneut mit den Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen befassen. Personalchef Rosenhagen wird die Delegierten über den aktuellen Stand Foto: Foto: Oeser Oeser zum Thema Gemeindepädagogen informieren. Die zu Planungsbezirken zusammengefassten Kirchengemeinden konnten bis zum 19. Juni Stellen für den Kinder- und Jugendbereich und/oder für die Erwachsenenbildung/Seniorenarbeit bei den Fachausschüssen des Evangelischen Regionalverbandes beantragen. Ursprünglich sollten die nach Kürzungen der Landeskirche verbleibenden 16 Stellen (acht für die Kinder- und Jugendarbeit, vier für die Erwachsenenbildung/Seniorenarbeit, je zwei Stellen für das Evangelische Jugendwerk und die offene Kinder- und Jugendarbeit) bis Ende August auf die Planungsbezirke verteilt werden. Allerdings hat die Maria-Magdalena-Gemeinde bei der Landeskirche Einspruch gegen den Beschluss der Regionalversammlung erhoben. Auf der Tagesordnung stehen außerdem die Zentrale Führung der Kirchenbücher im Evangelischen Regionalverband und Umlaufbeschlüsse in Ausschüssen der Regionalversammlung. Die Sitzung ist öffentlich. cd

2 ZUR SACHE Soziale Fragen in Frankfurt lösen Nun kann s also losgehen! Das neue Frankfurter Kommunalparlament ist gewählt, erstmals präsentiert sich ein schwarz-grüner Magistrat der Stadtöffentlichkeit - mit Optimismus. Die neuen Römerkoalitionäre mit ihrem Regierungsprogramm müssen nun beweisen, dass es sich in realistische Politik umsetzen lässt. Was erwartet nun die evangelische Kirche von dieser in Frankfurt noch ungewohnten Koalition? Naturgemäß steht die Sozialpolitik im besonderen Fokus des kirchlichen Interesses, zumal sie unmittelbare Auswirkungen auf weitere Überlegungen der Kirche und Diakonie haben wird. Statistische Untersuchungen der Lohnund Einkommensentwicklung der vergangenen Jahre belegen, dass in unserem Land verkürzt gesagt die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Diese, teilweise durch die Globalisierung bedingten Effekte, kann auch Kommunalpolitik nicht auffangen, aber sie kann daran mitwirken, präventiv und lindernd die Folgen sozialer Härte oder Ungerechtigkeit zu mildern. Da gesellschaftliche Auslese schon sehr früh, also im Schul- oder Vorschulalter stattfindet, muss ein besonderer Augenmerk auf eine frühzeitige Förderung der Kinder gelegt werden. Ein beitragsfreies drittes Kindergartenjahr ist ein Schritt in die richtige Richtung. Noch aber ist nicht deutlich, wie dieses finanziert werden kann. Hier wird Kirche wachsam sein müssen. Auch am anderen Ende der Erziehungs- und Ausbildungskette lauert ein Problem: Die Zahl der Jugendlichen, die ohne oder mit ungenügendem Abschluss die Schule verlassen und für die keine Lehrstellen zur Verfügung stehen, steigt immer noch. Ich halte es für eines der drängendsten Probleme, für Jugendliche dauerhaft in unserer Gesellschaft eine Lebensperspektive anzubieten. Wo das Schulsystem nicht ausreichende Qualifizierung erreicht, müssen Möglichkeiten zur Nachqualifizierung geschaffen werden. Dabei ist das Erlernen notwendiger Grundkenntnisse der deutschen Sprache eine unabdingbare Voraussetzung für alle. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Gruppe EDITORIAL Liebe Kolleginnen und Kollegen, von Anfängen ist in dieser Ausgabe von Kirche Intern wiederholt die Rede: Zu der neuen schwarz-grünen Koalitionen im Römer gibt es eine erste Einschätzung, die neue Pröpstin Gabriele Scherle wird vorgestellt. Im Kirchenlexikon ist nachzulesen, was es heißt, als Pate oder Patin ein Kind von Anfang an zu der in und um Frankfurt lebenden etwa Illegalen. Deren Lebensbedingungen sind teilweise erschütternd. Deshalb hat die evangelische Kirche eine Studie erstellen lassen und daraus Forderungen abgeleitet, die sie öffentlich in die Debatte einbringt. Dass die Oberbürgermeisterin Petra Roth nunmehr für ein Recht auf Schulbesuch für Kinder von Illegalen eintritt, ist ein positives Zeichen. Sicher liegt die Regelung des Umgangs mit Illegalen in unserem Land nicht in den Händen der Stadtpolitik, aber auch hier kann Kommunalpolitik einiges tun, um schwierige Zustände zu lindern. So ist zum Beispiel weiter über eine niedrigschwellige Gesundheitsversorgung in Frankfurt nachzudenken. Große Sprünge wird die Kommunalpolitik nicht tun können, zumal zunehmend finanzielle Aufgaben von der Bundes- über die Landes- auf die Kommunalebene abgewälzt werden. Gleichwohl kann Politik deutlich machen, dass die Lösung wesentlicher sozialer Fragen nicht nur eine Aufgabe der Politik ist, sondern die tatkräftige Unterstützung aller in Frankfurt wirkenden Kräfte und Interessenverbände bedarf. Auf jeden Fall hat sie bei dieser Aufgabe die evangelische Kirche auf ihrer Seite. Pfarrerin Esther Gebhardt Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt am Main begleiten. Anfang kommt aus dem Mittelhochdeutschen, ist abgeleitet von anvahen, anpacken, beginnen die eine Definition klingt deftig, die andere tastend. Wahrscheinlich kommt es auf den Mix an. Ihnen wünsche ich einen schönen Spätsommer. Ihre Bettina Behler KURZ NOTIERT Bundesverdienstkreuz für Brigitte Babbe Brigitte Babbe, Mitglied des Vorstandes des ERV, hat am 29. August von Oberbürgermeisterin Petra Roth im Frankfurter Römer das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten. Der Bundespräsident würdigt mit dieser Auszeichnung ihr großes Engagement: In der Kirche wirkt Babbe nicht nur im Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes. Brigitte Babbe war in den Synoden der EKHN und der EKD vertreten. In zahlreichen Rundfunkbeiträgen hat sie in den vergangenen 25 Jahren die Bibel in Verbindung mit dem Alltag der Menschen gebracht. Wichtig ist Babbe in der Kirche auch ihr Wirken als Prädikantin. Die ehemalige Abschnittsleiterin im Arbeitsamt Frankfurt, zuständig für berufliche Rehabilitation und Schwerbehindertenvermittlung, hat sich nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Politik engagiert. In Frankfurt war sie Vorsitzende der Frauenunion, unlängst wurde sie zur Ehrenvorsitzenden des Evangelischen Arbeitskreises der CDU ernannt. Kirche mit Zukunft Unter dem Titel Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert hat der Rat der EKD ein Impulspapier veröffentlicht. Es soll eine Reformdebatte auf allen kirchlichen Ebenen und Handlungsfeldern anstoßen. Nachzulesen sind Informationen zu dem Fortgang des Prozesses im Internet unter Dort kann das Papier auch heruntergeladen werden. Internetpioniere hören auf Das Projekt DIKE kurz für Digitales Informations- und Kommunikationssystem in der EKHN ist ausgelaufen. Die Aufgaben gingen an die Internet-Redaktion der EKHN. Ehrenamtlich war das 1996 gegründete Projekt nicht mehr tragbar. Gewinnerin des Restaurantgutscheins Rosemarie Kiermeier, Mitarbeiterin der Gemeinde Niederusel, hat den Restaurantgutschein gewonnen. Die Antwort auf die Preisfrage in der Ausgabe 89 von Kirche Intern lautete: Die Andreasgemeinde feierte 50 Jahre Gemeindebücherei. Frankfurter an der Spitze des CVJM Der Frankfurter Rechtsanwalt Martin Meißner ist in Durban, Südafrika, zum neuen Präsidenten des Weltbundes des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM/YMCA) gewählt worden. Meißner ist stellvertretender Kirchenvorsitzender in der Glaubenskirchengemeinde. 2 Evangelische Kirche Intern

3 KIRCHENWELT Keine Angst vor Klartext Die neue Pröpstin Gabriele Scherle tritt am 1. Oktober ihr Amt an Foto: Rohnke Frische Farbe für die Propstei: Die neue Pröpstin Gabriele Scherle lässt vor ihrem Amtsantritt die Wände ihres Büros unweit des Römerbergs streichen. Die Theologin wünscht sich, dass Offenheit und Dialogbereitschaft Merkmale ihrer Amtführung werden. Schon vor der Haustür riecht es nach Farbe. Drinnen sind zwei Männer damit beschäftigt, die Wände zu weißen und die Türrahmen zu lackieren. Gabriele Scherle, im Mai gewählte Pröpstin für Rhein-Main, hat das Mobiliar ihrer Vorgängerin Helga Trösken - den großen Tisch, die lang gezogene Anrichte - in dem großen Zimmer im Erdgeschoss stehen lassen. Aber frisch gestrichen will sie die Räume haben, wenn sie im Herbst ihren Amtssitz bezieht. Gegenwärtig kommt die 54 Jahre alte Theologin nur auf Stippvisite nach Frankfurt, ihren Arbeitsplatz hat sie noch im Burckhardthaus in Gelnhausen. Ich habe momentan zwei Herzen, zwei Köpfe, sagt Scherle und lacht. Ab Oktober ist sie im Amt, spätestens im Januar will sie mit ihrem Mann, dem Theologieprofessor Peter Scherle, auch am Main wohnen. Am Anfang wollte der Gedanke, jetzt bin ich tatsächlich gewählt, nicht so recht in ihren Kopf hinein, erzählt Gabriele Scherle. Inzwischen hat sie es ein paar Mal erlebt, als neue Pröpstin für Rhein-Main angekündigt zu werden. Die Leute interessierten sich für sie als neue Vertreterin des Leitenden Geistlichen Amtes in der Region. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass mir das nicht gefallen würde, äußert Scherle offen und fügt hinzu: Dazu gehört aber dann auch, die Verantwortung zu übernehmen, wenn es schwierig wird. Offen und bereit zum Dialog Sie könne recht gut Klartext reden, den Menschen sagen, wie die Lage aussieht, sie aber dabei nicht brüskieren, sagt die neue Pröpstin über sich. Beide Seiten Offenheit und Dia- logbereitschaft - glaubt man ihr sofort. Beim Interview an einem warmen Sommertag auf dem Balkon der Propstei lässt sie sich nicht nur befragen, sie fragt auch nach. Möchte die andere Meinung hören, etwas über die Stadt erfahren. Frankfurt ist für Gabriele Scherle aber kein Neuland. Hier arbeitete die Theologin fünf Jahre als Friedenspfarrerin der EKHN. Ihr Weg ins Amt war kein schnurgerader. Geboren 1952 in eine bäuerliche Familie in Pforzheim, erlernte sie nach der Schule den Beruf der Finanzbeamtin. Meine Eltern fanden es erst mal nicht gut, dass ich diesen sicheren Status aufgegeben habe, sagt Scherle. Sie hat es trotzdem gewagt. Das Fachabitur abgelegt, zuerst Sozialarbeit und schließlich Theologie studiert. Naheliegen würde es jetzt zu sagen, die schlanke Theologin mit den blonden Locken sei eine Frau, die immer wusste, was sie wollte. Drei Pfeiler prägen ihren Glauben Aber so einfach ist es nicht. Während des Studiums der Sozialarbeit gab es mal eine Phase, da wollte ich mich losreißen vom Glauben, erzählt Gabriele Scherle. Eine Fahrt nach Taizé, die Teilnahme an einem Festival christlicher Friedensdienste das waren beides Erlebnisse, die sie davon abgehalten und in dem Gefühl bestärkt haben, das ist der Weg, den Gott mich führt. Spiritualität, Engagement für Frieden und für Leute, die drohen, runter zu fallen das sind drei Pfeiler, die sie prägen. Wichtig für den Glauben seien Andockstellen, meint Scherle. Personen, Orte, Inhalte und Situationen listet sie auf. Wenn sie äußert, sie wünsche sich eine Kirche, die frisch, fromm, fröhlich, frei ist, dann ist es mehr als ein Wortspiel. Auch nicht naiv. Gabriele Scherle weiß, dass in ihrem neuen Amt auf sie eine Reihe von Diskussionsprozessen warten: Kirchenschließungen und Stellenabbau stehen zur Debatte. Den Pfarrberuf zwischen Lebensform und geregeltem Beruf sieht sie als Thema auf der Tagesordnung. Aber auch die von der EKHN und der EKD initiierten Foren zur Zukunft der evangelischen Kirche. Die ersten Termine sind vereinbart Den Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften will Gabriele Scherle suchen. Selbstverständlich erscheint es ihr, den Kontakt zu Muslimen zu pflegen. Der Austausch mit der jüdischen Gemeinde ist der neuen Pröpstin, die einen Teil ihres Studiums in Jerusalem absolvierte, ein Anliegen. Mit Raban Tilmann, dem katholischen Stadtdekan, hat sie schon einen Gesprächstermin vereinbart. Dialog dürfe aber nicht heißen, dass nur Vertreter von Institutionen im Blickfeld stehen. Sie will mithelfen, dass die evangelische Kirche die Menschen erreicht, wo sie sind: In der Nachbarschaft, im Stadtgeschehen, übers Radio, bei Freunden, am Arbeitsplatz. Dass möglichst viele Geschmack am Glauben finden, daran liegt ihr. Und dafür wird sie in Zukunft im Rhein-Main-Gebiet viel unterwegs sein. Neun Dekanate umfasst das Einzugsgebiet der Propstei, 140 Gemeinden gehören dazu, 360 Pfarrerinnen und Pfarrer. Allzu viel Muße wird sie da in den frischgestrichenen Räumen in der Saalgasse nicht haben. (Siehe auch Meldung Seite 1) bb Evangelische Kirche Intern 3

4 ARBEITSWELT Aktiv in eine neue Lebensphase Altersteilzeit ermöglicht gleitenden Übergang in den Ruhestand Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Altersteilzeit zu gestalten. Die beliebteste Variante ist das Blockmodell, sagt Friederike Rüger, zuständig für arbeitsrechtliche Angelegenheiten im Evangelischen Regionalverband. Dabei arbeitet ein Arbeitnehmer in der ersten Hälfte der Laufzeit bei verringerten Bezügen zunächst weiter wie bisher und geht in der zweiten Hälfte bei gleichem Gehalt komplett in Freizeit. Die Arbeitszeit Jahr für Jahr immer mehr herunterzufahren, ist aber ebenso möglich wie eine Halbtagsbeschäftigung oder ein Wechsel zwischen Arbeits- und Freizeitphasen. Doch ganz gleich, für welche Variante man sich entscheidet Altersteilzeit kann frühestens mit der Vollendung des 55. Lebensjahres beginnen. Über eine vereinbarte Laufzeit, die sechs Jahre nicht überschreiten darf, erhält der Arbeitnehmer ein so genanntes monatliches Regelentgelt, das aus 50 Prozent des bisherigen Gehaltes, einem Aufstockungsbetrag sowie einem Zwölftel des Weihnachtsgeldes besteht. Ein zwingender Anspruch auf ein Altersteilzeit- Arbeitsverhältnis besteht jedoch nicht. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass mindestens 70 Prozent für die halbe Arbeitsleistung vergütet wird, wir stocken jedoch auf bis zu 85 Prozent des bisherigen Netto-Gehalts auf, erläutert Friederike Rüger. Die finanziellen Nachteile indes treffen Arbeitnehmer unterschiedlich stark. Wenn meine Frau nicht auch berufstätig wäre, wäre es zum Leben zu wenig, erklärt Rolf Dippel. Der Koch im Dominikanerkeller erreichte vor wenigen Tagen die Freizeitphase. Auch auf die Rente wirkt sich Altersteilzeit aus. Daher ist es wichtig, dass sich jeder Interessierte rechtzeitig Rentenauskünfte einholt und von mir individuell beraten lässt, bekräftigt Rüger. Beim ERV haben bisher 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der Altersteilzeit Gebrauch gemacht, 26 befinden sich bereits im Ruhestand, 15 in der Freizeitphase. Grundlage ist ein Gesetz, das bis Ende 2009 gilt. Bis dahin müssen Altersteilzeit-Vereinbarungen begonnen sein, erklärt Rüger, die jedoch erwartet, dass der Gesetzgeber auch weiterhin ähnliche Modelle ermöglichen wird. Schließlich bieten sie eine gute Möglichkeit, das Arbeitsende selbst zu organisieren, wenn die Kräfte langsam nachlassen. Rolf Dippel kann da nur zustimmen: Nach einem Herzinfarkt gab es für mich gesundheitlich kaum eine andere Alternative. Seine Stelle wird nicht wiederbesetzt, doch in vielen anderen Fällen beinhaltet Altersteilzeit eine echte Chance für jüngere Arbeitssuchende. Darum übernimmt das Arbeitsamt in der Regel den Aufstockungsbetrag, sobald ein Nachfolger eingestellt ist. Insgesamt 25 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir auf diese Weise bereits gewonnen, berichtet Friederike Rüger. Jörn Dietze Ein bisschen früher wollen manche Mitarbeitende die Berufslaufbahn beenden und entscheiden sich für Altersteilzeit. Wichtig ist es, sich frühzeitig sorgfältig zu informieren, welcher Kurs für einen persönlich der sinnvollste ist. Foto: photocase.com UMFRAGE Kirche Intern hat Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der evangelische Kirche in Frankfurt befragt, warum sie sich für Altersteilzeit entschieden und welche Erfahrungen sie mit diesem Modell gemacht haben. Vorteile sind mir Verzicht auf 15 Prozent wert Margarete Riebeling (59, ehemalige Kita- Leiterin): Durch Altersteilzeit konnte ich meinen Abschied vom Job aktiv gestalten und mich ganz bewusst auf eine neue Lebensphase vorbereiten, ohne plötzlich in ein Loch zu fallen. Die Vorteile sind es mir Wert, auf etwa 15 Prozent meines Gehalts zu verzichten. Was habe ich von zusätzlichem Geld, wenn die Lebensqualität nicht stimmt? In einer Phase, in der ich über zukünftige Ziele und Lebensinhalte nachgedacht habe, bot mir die Altersteilzeit eine ideale Möglichkeit, neue Dinge in Angriff zu nehmen und den Alltag flexibler zu gestalten. Bewusster mit der Gesundheit umgehen Rolf Dippel, (57, Koch in der Kantine des Evangelischen Regionalverbandes): Nachdem ich vor knapp vier Jahren einen Herzinfarkt erlitt, bietet Altersteilzeit mir nun die Chance, bewusster mit meiner Gesundheit umzugehen, anstatt mich weiter zu übernehmen. Das bin ich mir selbst und meiner Familie schuldig. Schließlich weiß ich ja nicht, wie viel Zeit mir bleibt. Bei allen Vorteilen muss man sich aber immer darüber im Klaren sein, dass Altersteilzeit einen finanziellen Einschnitt bedeutet, den nicht jeder tragen kann. Ich empfehle jedem Interessenten, sich von Frau Rüger fachkundig beraten zu lassen. Den Absprung schaffen, bevor man ausgelaugt ist Sang-Hu Suh (63, ehemaliger Gemeindekrankenpfleger): Ich war einer der ersten Altersteilzeit-Mitarbeiter im Evangelischen Regionalverband und habe es zu keiner Zeit bereut. Über 35 Jahre hatte ich als Gemeindekrankenpfleger hart gearbeitet, war keine Minute krank gewesen. Doch gerade bei Jobs, die körperlich und psychisch sehr fordernd sind, ist es wichtig, den Absprung zu schaffen, bevor man müde wird und ausgelaugt ist. Natürlich war es finanziell ein Einschnitt, doch ich brauche keinen großen Luxus, um zufrieden zu leben. Weitere Informationen bei Friederike Rüger, Abteilung Personal und EDV, Telefon Evangelische Kirche Intern

5 ARBEITSWELT Die zweijährige Tara formt den Teig für das Stockbrot Schwester Kyra, neun Jahre, peppt das Ganze kulinarisch mit Röstzwiebeln und Sonnenblumkernen auf. Kinder lernen kochen in der Kita Höchst. Kinder so früh wie möglich fördern Familienbildung bietet Erziehungshilfe in Zusammenarbeit mit Kitas an Foto: Oeser Wütende Eltern und bockige Kinder sind keine Seltenheit im Familienalltag. Familien sind heute vielen Belastungen ausgesetzt, die sich auch auf die Erziehung auswirken. Die Evangelische Familienbildung bietet zu verschiedenen Themen Kinder- und Elternkurse an. Derzeit gibt es einen mit der Christophorus-Kindertagesstätte in Höchst. Zitronen, Zucchini, Fisch und Huhn liegen bereit. Sieben Kinder von zwei bis sieben Jahren warten mit ihren Eltern darauf, die Zutaten beim Eltern-Kind-Kochkurs der Höchster Christophorus-Kita in ein leckeres Mahl zu verwandeln. Vier verschiedene Dips, selbst gemachte Limonade, Stockbrot und Grillspieße sollen dabei herauskommen. Kinder müssen so früh wie möglich gefördert werden zum Beispiel in Sachen Ernährung und Bewegung, sagt Angelika Rohde von der Evangelischen Familienbildung. Dabei ist es ihr und ihren Kolleginnen wichtig, die Potentiale der Kinder zu fördern, ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Stärken zu entfalten, ohne sie dabei zu überladen und ihre Persönlichkeit einzuschränken. Ziel des Ganzen ist auch, die Kinder für den Alltag stark zu machen. Eltern und Kinder für den Alltag stärken Dafür bietet die Familienbildung zum Beispiel Kochkurse für Eltern und Kinder sowie Elternseminare an. Kleine und große Teilnehmer und Teilnehmerinnen erfahren hier, wie es ist, in der Gemeinschaft vollwertig zu kochen und an einem schön gedeckten Tisch zu sitzen. Der Aspekt der gesundheitlichen Prävention ist dem Team von Familienbildung und Kita wichtig. Daneben wollen sie die Eltern dafür sensibilisieren, Vorbild für die Kinder zu sein. Der Erziehungsaspekt beim gemeinsamen Kochen ist ebenfalls wesentlich. Wer gut zusammen kochen will, muss sich an Regeln halten und sich gegenseitig unterstützen. Beim anschließenden gemeinsamen Essen werden außerdem Höflichkeitsgrundformen eingeübt. Die Vortragsabende für die Eltern, die halbjährlich zur gesunden Küche angeboten werden, greifen die Fragen der Eltern auf: Was gehört zur gesunden Ernährung?, Wie bringe ich die Kinder dazu, sie auch zu mögen? Denn das Problem der Eltern bestehe eher darin, eine gesunde Ernährung für die Familie auch im Erziehungsalltag durchzuhalten, erklärt Angelika Rohde. Das Kursangebot wird von Eltern und Kindern gut angenommen. 20 bis 30 Teilnehmende kommen zu einem Elternkurs und etwa sechs Elternteile mit ein bis zwei Kindern zu einem Kochseminar. Die gute Kooperation mit der Christophorus-Kita nennt Angelika Rohde als einen der Gründe, warum das Programm so erfolgreich ist. In der Christophorus- Kita ist die Ansprechpartnerin für das Projekt Erzieherin Heike Modl, die Köchin der Kita, Sigrid Meder, kümmert sich ebenfalls um die Vorbereitungen und nimmt auch an den Kochkursen teil. Die Frontfrau der Familienbildung vor Ort in der Kita heißt Claudia Weis. Entwicklungsförderung ist die Aufgabe Das zweite Projekt der Familienbildung für Kitas hat sich Entwicklungsförderung in Familien zur Aufgabe gemacht: Eltern- und Kinder-Training, auch kurz EFFEKT genannt. Das besondere an dem Konzept, ist das Kindertraining, sagt Iris Meyer von der Evangelischen Familienbildung. Im Kinderkurs Ich kann Probleme lösen lernen Kinder, Gefühle bei sich selbst und anderen Kindern wahrzunehmen oder Gründe für das Verhalten anderer Kinder zu erkennen. Außerdem wird ihnen vermittelt, das eigene Verhalten einzuschätzen und Lösungen für Konflikte mit anderen zu entwickeln. In 15 Kurseinheiten zu jeweils 45 bis 60 Minuten werden den Kindern die Inhalte spielerisch vermittelt. Gelernt wird mit Ernie- und Bert-Handpuppen, Bildern, Sing- und Bewegungsspielen. Eltern erhalten im Kontext von EFFEKT Tipps für Erziehungsprobleme: Wie mit schwierigen Erziehungssituationen umgehen, das Selbstvertrauen des Kindes stärken, Stress in der Erziehung bewältigen und Freundschaften des Kindes unterstützen? Familienbildung will weitermachen Noch bis Ende dieses Jahres laufen die Projekte mit der Christophorusgemeinde in Höchst. Zuvor hatte die Familienbildung bereits erfolgreich mit der Kita 68 in Unterliederbach zusammengearbeitet. Angelika Rohde und ihre Kolleginnen würden das Angebot gerne fortsetzen und mit einer weiteren Kita in den westlichen Stadtteilen Eltern und Kinder für den Familienalltag stark machen. Derzeit hat die Familienbildung das Projekt durch ein Sponsoring durch die Firma Infraserv, ehemalige Höchst AG, gesichert. Was künftig möglich ist, hängt nicht zuletzt vom Erfindungsreichtum und Verhandlungsgeschick des Teams ab. sho Evangelische Familienbildung, Außenstelle Höchst: Telefon , Evangelische Kirche Intern 5

6 Neu im ERV: PERSONAL Michael Preußer, Verwaltungsangestellter, Kaufmännisches Referat, Abteilung III, 1.8. (Foto) Caroline Fafflok, Projektassistentin, Evangelische Stadtakademie, 1.7. Ursula Hack, Erzieherin, Krabbelstube Habakuk in Schwanheim, 1.5. Nicole Garn, Erzieherin, Kindertagesstätte Melanchthongemeinde, 1.7. Nadine Plate, Erzieherin, Krabbelstube Jona, Dennis Haas, Auszubildender Fachinformatik, Sachgebiet EDV, Abteilung I, 3.9. Ute Mutschler, Erzieherin, Kindertagestätte Melanchthongemeinde, Eveline Reck, Reinigungskraft, Kindergarten Wicherngemeinde, 1.8. Sylvia Berlit, Kinderkrankenschwester, Mobile Kinderkrankenpflege, 1.7. Viktoria Kester, Erzieherin, Kindertagesstätte Kirchengemeinde Griesheim, 1.7. (Foto) Alexandra Roth, Kindertagesstätte Gemeinde Friedenau-Taunusblick, 1.7. Friederike Nebel, Erzieherin, Kindergarten Kirchengemeinde Cantate Domino, 1.7. (Foto) Marina Rakicki, Erzieherin, Kindertagesstätte Kirchengemeinde Höchst, 1.7. Saskia Kunzelmann, Erzieherin, Kindertagesstätte Paul-Gerhardt-Gemeinde, 1.9. Leif Murawski, Sozialhelfer, Bahnhofsmission, 1.7. Melanie Leßmann, Erzieherin, Krabbelstube Alte Post, 1.9. Marta Sobczyszyn, Jahrespraktikantin, Zentrum für Beratung und Therapie, Anette Hofmann, Erzieherin, Kindertagesstätte Sankt Nicolai-Gemeinde, 2.8. Sybille Schönmeyer-Bormann, Erzieherin, Kindertagesstätte Sankt Petersgemeinde, 1.9. Angela Gerbig, Stellvertretende Leiterin, Kindergarten Michaelisgemeinde, 1.9. Iris Groß, Erzieherin, Kindergarten Heylstraße, Emmausgemeinde, 1.9. Anke Ludwig, Erzieherin, Kindertagesstätte Erlösergemeinde, 1.9. Sonja Schey, Erzieherin, Kindergarten Wicherngemeinde, 1.9. Melanie Aulbach, Erzieherin, Kindertagesstätte Oster, Maria-Magdalena-Gemeinde, 6.9. Heiko Bien, Erzieher, Kindertagesstätte Sankt Nicolai-Gemeinde, 1.9. Natalia Kitenko, Verwaltungsangestellte, Wirtschaftsbetrieb Dominikanerkloster, Evangelischer Regionalverband, Veränderung: Pfarrer Hans-Christoph Stoodt verlässt die Stadtkirchenarbeit an der Sankt Katharinenkirche und wird Schulpfarrer an der Philipp- Holzmann-Schule, Jubiläum: Angela Aldinger feierte am Jahre Dienstzeit. Seit 1982 ist sie als Gemeindepädagogin in der Cyriakusgemeinde tätig. Dieter Graßmuck und Bodo Geißler konnten am 1.8. eine 10-jährige Dienstzeit feiern. Beide sind Pförtner im Haus der Evangelischen Kirche in der Rechneigrabenstraße. Maria Inacio, Sekretärin beim Evangelischen Stadtjugendpfarramt, feierte am eine Beschäftigungszeit von 20 Jahren. Ausgeschieden: Eva Klein, Arbeitsbereichsleitung für besondere diakonische Dienste, Geburtstage im August und September: 50 Jahre Ulrike Dietz, Abteilung II der Verwaltung des ERV, Mehari Dunfu, Sozialdienst für Flüchtlinge, 3.9. Maria Inacio, Stadtjugendpfarramt, Jahre Wolf-Gunter Brügmann-Friedeborn, Versammlungsleitung, Helga Schwarz, Psychologische Beratungsstelle Höchst, Geburtstage Ehemaliger im August und September: 70 Jahre Ruth Mohs, Haus der Familie, Jahre Ingeburg Hahnemann, Regionalbüro, Pfarrer Dr. Michael Frase, Diakonisches Werk für Frankfurt am Main, Pfarrerin Monika Kunz, Gemeinde Unterliederbach, Eugen Hönig, Abteilung Personal und EDV, Gestorben Gerda Langer, erste Trägerin der Philipp-Jakob-Spener-Medaille, starb am 4.8. im Alter von 87 Jahren. Die ehemalige Verwaltungsdirektorin des Landesarbeitsamtes engagierte sich auf vielfältige Weise in Diakonie und Kirche. Barbara Adam starb am im Alter von 52 Jahren. Sie war früher in der Abteilung Personal und EDV tätig. 6 Evangelische Kirche Intern

7 TIPPS UND TERMINE BLICKPUNKT Andachten im September Zum Auftakt der Arbeitswoche finden im September montags um 8.30 Uhr in der Heiliggeistkirche im Dominikanerkloster für die Mitarbeitenden vier Andachten statt. Kurt-Helmuth Eimuth hält sie am 4. September, Helmut Müller am 11., Pfarrerin Esther Gebhardt gestaltet die Andacht am 18. und Pfarrer Wilfried Steller am 25. September. Interkulturelle Woche(n) in Frankfurt Vom 17. September bis zum 3. Oktober finden in Frankfurt die Interkulturellen Woche(n) zum Thema Zusammenleben miteinander gestalten statt. Das Programm bietet Ausstellungen, Vorträge, Feste, Gottesdienste und Musik. Es ist erhältlich im Evangelischen Info- Center, Telefon Schirrmacher liest Minimum Frank Schirrmacher liest am Montag, 11. September, um Uhr, im Großen Saal des Dominikanerklosters, Kurt-Schumacher-Straße 23, aus seinem Buch Minimum. Mit Unterstützung des ERV lädt der Lions-Club Frankfurt- Römer zu dieser Autorenlesung zum Thema Zukunft in Deutschland ein. Der Eintritt kostet 14, ermäßigt 12 Euro. Der Erlös soll dem Projekt Klasse2000 zugute kommen. Karten unter Telefon Workshop Kindergottesdienst Am Sonntag, 24. September, von 10 bis 17 Uhr, findet in Rimbach im Odenwald das Landestreffen Kindergottesdienst statt. Das Thema Gepflanzt am Wasser des Lebens von heilenden Geschichten und Ritualen und Perlen des Glaubens wird morgens in einem Gottesdienst aufgegriffen. Anschließend spricht Professor Fulbert Steffensky, Hamburg. Nachmittags gibt es Arbeitsgruppen. Veranstaltet wird dieser Tag von verschiedenen Einrichtungen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Anmeldung unter Telefon Anzeigen in Gemeindebriefen Für den Abdruck von Anzeigen in Gemeindebriefen darf eine Kirchengemeinde keine Spendenquittungen ausstellen. Denn Spenden müssen immer freiwillig und ohne Gegenleistung sein. Die Steuerpflicht hängt jedoch vom Einzelfall ab. Wenn die Kirchengemeinde durch den Abdruck lediglich Einnahmen von einigen hundert Euro erzielt, dürften in der Regel keine Steuern erhoben werden. Grund: Ein Betrieb gewerblicher Art führt erst zur Versteuerung, wenn die Einnahmen über Euro pro Jahr liegen. In jedem Fall ist darauf zu achten, dass in der Rechnung keine Mehrwertsteuer ausgewiesen wird. Zahlreiche evangelische Kirchengemeinden und Einrichtungen sorgten dafür, dass Kinder und Jugendliche in Frankfurt spannende Ferien verbracht haben. Dabei ging es gelegentlich auch in die Ferne: In der Evangelischen Kirchengemeinde Nieder-Erlenbach etwa gab es eine Teezeremonie wie im Morgenland. KIRCHENLEXIKON Paten: Mitvater und Mitmutter auf Zeit Was fällt Ihnen zum Wort Pate ein? Roter Plüsch, Popcorn und Francis Ford Coppolas furioser Mafiafilm? Oder eher der Geruch einer frisch gebackenen Brezel, die Ihnen Ihr Patenonkel oder Ihre Patentante vor langer Zeit zur Kirchweih in die Hand gedrückt hat? Der Pate Marlon Brando hat auf den ersten Blick wenig zu tun mit dem Petter oder der Gote, Gotte oder Döte, wie die Paten auch liebevoll genannt werden. Gemeinsam aber ist ihnen, dass sie den ihnen anvertrauten Menschen helfen und sie beschützen sollen. Der Begriff Pate kommt vom lateinischen pater spiritualis oder patrinus, also dem Mit-Vater, wörtlich wiedergegeben mit dem altdeutschen Wort Gevatter. Die Bibel kennt das Patenamt nicht. Pate wurde bei den Christen aber schon sehr früh ein Zeuge genannt, der vor der Kirchengemeinde für die Glaubwürdigkeit eines erwachsenen Taufbewerbers bürgte. Seit der Durchsetzung der Kindertaufe übernimmt der Pate oder die Patin bei der Taufe die Rolle des Täuflings gleichsam als Stellvertreter. Er legt an des Täuflings statt das christliche Glaubensbekenntnis ab. Aufgabe der Taufpaten ist es, die menschliche und religiöse Entwicklung des Täuflings zu begleiten und die Eltern zu unterstützen. In der evangelischen Kirche darf übrigens jeder Pate werden, der einer christlichen Kirche angehört und konfirmiert ist. Offiziell Foto: Oeser endet die Patenschaft bei Protestanten mit der Konfirmation des Patenkindes. Ursprünglich hatten die Taufpaten eine Fürsorgepflicht für das Kind, wenn die Eltern starben. Heute sind Paten nicht mehr berechtigt oder verpflichtet, die Vormundschaft für das Kind zu übernehmen. Das können die Eltern nur mit einem Testament regeln. Fürsorgepflicht und religiöse Erziehung sind heute oftmals in den Hintergrund getreten. Vielfach beschränken sich die Paten und Patinnen darauf, das Kind zu Geburtstag, Einschulung und Konfirmation zu beschenken. Vor allem auf dem Land und in katholischen Gegenden haben sich zum Teil kleine Rituale wie der Palmstock an Palmsonntag oder die Kirchweihbrezel erhalten oder durchgesetzt. In der evangelischen Kirche kaufen oder basteln immer mehr Paten die Taufkerze für den Täufling selbst. Und: Viele Paten bemühen sich trotz der schwindenden religiösen Aufgabe eine besondere persönliche Beziehung zu ihrem Patenkind aufzubauen. Ausnahmen gibt's natürlich auch hier: Der deutsche Bundespräsident übernimmt traditionell die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind einer Familie. Alle Bundespräsidenten zusammen haben rund Patenschaften übernommen. Auch wenn Horst Köhlers Zahl sicher noch begrenzt ist - ins Kino wird er all seine Patenkinder bestimmt nicht mitnehmen. Auch nicht, wenn gerade Der Pate läuft. cd Evangelische Kirche Intern 7

8 TOPP KIRCHENWELT Habemus papam! Nun hat auch die evangelische Kirche (endlich) einen Papst. Das meldete das Journal Frankfurt als Topp in der letzten Ausgabe. Nicht der EKD-Ratsvorsitzende Huber oder EKHN-Kirchenpräsident Steinacker sind es geworden, sondern Pfarrer Helwig Wegner- Nord, der Geschäftsführer des Medienhauses der EKHN in Frankfurt. Die Kirchenfürsten brauchen ihn aber nicht zu fürchten, denn das Reich des Online-Papstes beschränkt sich auf die virtuelle Welt. Gelobt wurde Wegner-Nord für seine schöne Nebenbeschäftigung: Er beantwortet s als Pfarrer im Netz. KULTURTIPP Schau mit Altar- und Andachtsbildern im Städel Die monumentale Maestá ein 1311 im Dom von Siena errichtetes Altarbild mit einer Vielzahl von Szenen aus dem Leben Christi und dem Marienleben ist Teil der Städel-Ausstellung Kult Bild. Das Altar- und Andachtsbild von Duccio bis Perugino. Die Ausstellung verfolgt die Entwicklung des italienischen Altarbildes und der italienischen Tafelmalerei zwischen dem 13. und dem späten 15. Jahrhundert. Die Werke sind heute meist aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen und dem Betrachter dadurch häufig unverständlich. Die Ausstellung Kult Bild will Besuchern daher auch eine Vorstellung von der zeitgenössischen Auffassung der Bilder vermitteln. Die Werke sind noch bis 22. Oktober im Städel-Anbau in der Holbeinstraße 1 zu sehen. Dienstag, Freitag bis Sonntag von 10 bis 18, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet 2,50 Euro. sho Foto: Städel IMPRESSUM HERAUSGEBER: Evangelischer Regionalverband Frankfurt am Main REDAKTION: Ralf Bräuer (rab/v.i.s.d.p.), Sandra Hoffmann (sho/geschäftsführung), Bettina Behler (bb/geschäftsführung), Carla Diehl (cd), Esther Gebhardt (EG), Dagmar Keim-Hermann (dkh), Susanne Prittmann (sup), Friederike Rüger (fr), Francis Schmitt (fas/satz), Antje Schrupp (as.) KONTAKT: Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Redaktion Evangelische Kirche Intern Kurt-Schumacher-Straße 23, Frankfurt am Main Tel.: oder -1388, Fax: -2385, Evangelische Kirche Intern erscheint zehn Mal pro Jahr und wird kostenlos an alle Mitarbeitenden der Frankfurter Gemeinden, Dekanate und Einrichtungen des Evangelischen Regionalverbandes verteilt. ISSN Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: Elisabeth Beyersdörfer ist eine Pionierin der evangelischen Frauenarbeit. Kirche Intern hat sie besucht. Eine Frau, die Spitzen nicht scheut Was macht eigentlich... Elisabeth Beyersdörfer? Akkurat mit Knick in der Mitte liegen die bunten Strickkissen in den Sofaecken, die Teppiche sind gerade ausgerichtet. Grinsend schaut die kleine Maulwurffigur, die auf dem Fernseher steht, in den Raum - Disziplin und Humor sind in diesem Haushalt offenkundig kein Widerspruch. Die Frankfurterin Elisabeth Beyersdörfer, 82, eine der Pionierinnen der evangelischen Frauenarbeit, formuliert dezidierte Meinungen. Und sie kann strahlen. Das ganze Gesicht erfasst das Lächeln wenn sie von etwas Positivem berichtet. Die Augen funkeln hinter der großen rot gerahmten Brille, frohgemut blickt sie ihr Gegenüber an. Beyersdörfer sieht die Dinge oft positiv. Das waren gute Jahre, sagt sie über ihre kaufmännische Ausbildung bei der Lurgi. Obwohl es bestimmt nicht immer einfach war, denn sie gehörte zu den ersten weiblichen Lehrlingen in dem Unternehmen. Nach dem Krieg knüpfte sie Kontakte zum Burckhardthaus, machte dort eine Ausbildung zur Gemeindehelferin, später wurde sie Gemeindepädagogin. Wenig Geld, Sechsbettzimmer es war eine wunderbare Zeit, sagt Beyersdörfer. Die Aufbruchstimmung, die Arbeit in der Tradition der Bekennenden Kirche, das begeisterte sie. Beyersdörfer äußert aber auch Kritisches. Schwierig sei für sie zum Beispiel die Zeit als Sekretärin beim Evangelischen Männerwerk gewesen und leicht der Abschied und Wechsel zur Mädchenarbeit. Sie scheut sich auch nicht zu aktuellen Themen kritisch Stellung zu nehmen. Beispiel Niemöller-Medaille der EKHN: Neben mir haben nur zwei andere Frauen im Laufe der Jahre sie bekommen, obwohl vor allem Frauen ehrenamtliche Arbeit leisten, das ist typisch. Doch nicht nur in Richtung Foto: bb Männer teilt die langjährige Vorsitzende der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland Spitzen aus. Als vor ein paar Jahren eine Gruppe jüngerer Frauen für sich beanspruchte, im Zuge der Frauenbewegung evangelische Mädchenarbeit in Frankfurt ins Leben gerufen zu haben, meldete sich Beyersdörfer zu Wort. Diese Tradition ist wesentlich älter. Unter anderem war sie am Main mit einer Kollegin von 1955 bis 1968 für das Mädchenwerk in Hessen und Nassau tätig. Anschließend baute sie in Frankfurt den Arbeitsbereich Frau und Beruf auf, eine der Keimzellen des Evangelischen Frauenbegegnungszentrums (EVA). Auch die Frauengottesdienste in der Alten Nikolaikirche gehen auf ihre Initiative zurück. Viele erinnern sich noch an die Reisen quer durch Europa, die USA oder Kanada, die sie organisiert hat. Ende der Sechziger habe die Frauenbewegung sie mitgerissen, ich bin Feministin, sagt Beyersdörfer mit Nachdruck und Stolz. Aber das heiße noch lange nicht, dass Frauen vor 1968 nicht ihren Kopf gehabt und eingesetzt haben. Bis heute setzt sie ihren sehr wach ein. Auch wenn sie nach 30 Jahren nicht mehr im Kirchenvorstand der Dornbuschgemeinde ist, verfolgt sie engagiert das Geschehen dort. Täglich liest sie die Rundschau, am Wochenende Die Zeit. In beiden interessiert sie zuerst der politische Teil, in der FR auch das Lokale. Frankfurt ist meine Stadt, sagt sie. Der freie Geist gefällt ihr hier. Gerne geht sie zu den politischen Veranstaltungen im EVA. Wenn die Gesundheit es zulässt. Von klein auf hatte Elisabeth Beyersdörfer mit Krankheiten zu kämpfen, aber ich war ein sehr vergnügtes Kind. Diese Haltung scheint sie sich bis heute bewahrt zu haben. bb 8 Evangelische Kirche Intern

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