Nepal Kinderhilfe e.v.

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1 Newsletter Nepal Kinderhilfe e.v. Inhalt: Vorwort...2 Neues aus Nepal...3 Der erste Schritt...7 Weihnachtsmarkt in Schwalmtal...11 Weltladen der Klasse G8A...12 Spontante Hilfe...13 Schulpartnerschaft Chemnitz Budhanilkantha, Kathmandu...13 Mitglieder / Schulpatenschaften...15 Impressum...16 Unsere Sammelbüchse...16

2 Vorwort Liebe Leserinnen und Leser, wieder geht ein Jahr zur Neige, die Dunkelheit wird durch festlichen Lichterglanz erhellt. Zu keiner anderen Jahreszeit erscheint mir der Kontrast zwischen Illusion und Wirklichkeit stärker als in der Weihnachtszeit. Als könne der Glanz all das überstrahlen, was jetzt nur all zu gerne aus den Gedanken verdrängt wird. Vielleicht braucht der Mensch auch die Momente, in denen er sich seine heile Welt vorgaukeln kann. Schaue ich mir den alten Mann auf dem Titelbild an, so stelle ich mir vor, dass dies der Gesichtsausdruck ist, mit dem ein einfacher, bescheidener und gottesfürchtiger Mensch in diesen Tagen auf unsere Welt und unser Handeln blicken würde. Ist es Skepsis, Unverständnis, Erhabenheit, Weisheit oder Zufriedenheit? Wahrscheinlich von allem etwas. Zu häufig stellt man sich die Frage, ob das, was man tun möchte, richtig oder falsch sein wird. Meines Erachtens sollte man diese Fragen im Vorfeld nicht überstrapazieren. Unser Handeln ist immer auf etwas gerichtet und nur in der Rückschau kann man bewerten, ob das, was man getan hat, das gewünschte Ergebnis erzielt hat. Wichtig ist bei allem nur, dass man überhaupt handelt und dass man seine Ziele konsequent verfolgt. Ich danke allen, die mit ihrem Beitrag und Einsatz hier sowie vor Ort geholfen haben, den betreuten Kindern in Nepal ein gutes Jahr 2006 beschert zu haben. Ich wünsche uns allen, dass wir auch weiterhin an die Dinge im Leben glauben, von denen wir der festen Überzeugung sind, dass sie etwas bewirken und das wir mit vereinten Kräften in der Lage sind, diese Dinge in die Tat umzusetzen. Ich wünsche Ihnen ein geruhsames Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins neue Jahr. Namaste, Tashi Delek und vielen Dank, Ihr Jürgen Richterich - Vorsitzender Seite 2

3 Neues aus Nepal Die Überarbeitung der Kinderprofile sowie die Analyse der familiären und sozialen Bedingungen unserer Kinder haben wir Maria-Elisabeth als eine der vornehmlichen Aufgaben mit auf den Weg nach Nepal gegeben. Für diese Aufgabe haben wir einen standardisierten Fragebogen entwickelt. Dieser ist auch auf unserer Website unter Dokumentation Downloads Dokumente für das Patenkind als PDFD-Datei hinterlegt. Maria-Elisabeth hat mit dieser Aufgabe begonnen und die ersten detaillierten Angaben liegen zu den Kindern aus der Region Pokhara vor. Wir werden diese Informationen nun Schritt für Schritt aufbereiten und im Internet präsentieren. An dem Konzept und dem dafür geeigneten Medium wird von unserer Seite aus noch gearbeitet. Die Geburtsdaten wurden wenn möglich sowohl in nepalischer als auch in christlicher Zeitrechnung angegeben. Ob letztere immer stimmen, kann nicht 100%ig gesagt werden. Manche Kinder wollten auch nicht so im Detail mit uns reden, daher gibt es auch einige Fragezeichen oder Lücken. Uns ist aufgefallen, dass die Eltern, nach dem Geburtsort der Kinder befragt, ihre damalige Adresse angegeben haben, d.h. die des väterlichen Hauses. Es kann also sein, dass der angegebene Geburtsort nicht der Ort ist, wo die Kinder tatsächlich geboren wurden. Das lässt sich dann meistens aus der Familiengeschichte erschließen. Auch in diesem Jahr sollten Weihnachtsgrüße aus Nepal kommen, die unsere Kinder selbst produziert haben. Ob alle Kinder geschrieben haben oder nicht, ist uns heute nicht bekannt. Es sollte sich jedoch niemand benachteiligt fühlen, wenn gerade sein Patenkind nichts geschrieben hat. Ich hoffe, dass die ersten Karten noch vor Weihnachten in Deutschland eintreffen. Auch wenn der Postversand dann nicht mehr vor dem Fest erfolgen kann, werden wir dies auf jeden Fall so bald als möglich nachholen. Maria-Elisabeth Neuhauss, unsere Volontärin in Kathmandu, berichtet heute aus der Teppichmanufaktur (Carpet Factory) in Budhanilkantha. Leider gab es Probleme bei der Übertragung der aktuellen Bilder, so dass wir für den nachfolgenden Bericht auf Bilder aus dem Frühjahr 2006 zurückgegriffen haben. The Godfather is bigger than God Wenn man die Carpet Factory betritt, ist es, als würde man eine eigene, nach außen hin mehr oder weniger abgeschottete Welt betreten. Auf dieser kleinen Insel von roten Ziegeln inmitten von feuchten Reisfeldern werde ich zum Fremdkörper; ich weiß, dass ich zu manchem hier keinen Zugang finden werde, weil sich das Leben hier so völlig von dem unterscheidet, welches ich führe. Während ich mir beispielsweise die Freiheit nehmen kann, für acht Monate nach Nepal zu reisen, können die Menschen, die hier arbeiten, von etwas wie Ferien oder gar Urlaub im Ausland nur träumen. Bis auf den Samstag und den ein oder anderen Feiertag im Laufe des Jahres ist hier jeder Tag ein Werktag. Auch der Werktag selbst muss hier neu definiert werden, er bedeutet hier nämlich nicht acht oder neun Stunden, sondern in der Regel 15 Stunden Arbeit, von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr a- bends. Ab und zu, wenn ein besonders dringlicher Auftrag ansteht, der keinen Aufschub duldet, müssen sich die Arbeiter auch schon mal um 4 Uhr in der Früh vor den Webstuhl setzen. Sind die Teppiche fertig gestellt (für einen Teppich mit den Massen 60 x 90 cm brauchen die Arbeiter etwa neun Tage) werden sie abgeholt und ein neuer Auftrag muss erfüllt werden. Wo und für wie viel Geld die Teppiche verkauft werden, weiß niemand. Ich habe auch nicht das Ge- Seite 3

4 fühl, dass diese Frage die Menschen interessiert, sie haben andere Sorgen, z.b. ob das Geld für den nächsten Monat reicht oder nicht. Die Carpet Factory Die Wasserstelle Die Wolle Aufwickeln der Wolle Meistens arbeiten beide Elternteile in der Teppichmanufaktur, d.h. einer Familie stehen pro Tag insgesamt 160 bis 180 Rupien zur Verfügung, das sind umgerechnet etwa zwei Euro. Geld über einen längeren Zeitraum zu sparen ist also kaum möglich, geschweige denn, dass man sich größere Extraausgaben leisten könnte. Und wenn ein Elternteil nicht arbeiten kann, wie es bei Man Bahadur Younjan, dem Vater von Saraswati und Pema Younjan, der Fall ist, dann kann es zu ernsthaften finanziellen Problemen kommen. Man Bahadur kann seit fünf Jahren nicht arbeiten, da er seit 2000 an Tuberkulose leidet, die sich zunehmend verschlimmert, er verdient also kein Geld. Da sowohl Saraswati als auch Pema durch die Nepal Kinderhilfe unterstützt werden, ist die Lage der Familie nicht so kritisch, wie man meinen könnte. Sarmila Younjan, Saraswatis und Pemas zehnjährige Schwester, kann jedoch nicht zur Schule gehen, da sich für sie kein Pate gefunden hat und die Eltern den Schulbesuch der Tochter aus eigener Tasche nicht finanzieren können. Während Saraswati und Pema Sozialarbeiterin bzw. Arzt werden wollen wie übrigens auch der Grossteil der anderen unterstützten Kinder steht für Sarmila eine ähnliche Zukunft in den Sternen, da sie nicht einmal Zugang zu grundlegender Bildung hat. Sie gehört zu den vier oder fünf Kindern, die in der Teppichmanufaktur leben und durchaus schulreif sind, aber keine Bildung bekommen, da die Eltern nicht genügend Geld verdienen und keine Unterstützung von außen bekommen. Manchmal stehen der akademischen Laufbahn des Kindes aber auch fest verwurzelte Traditionen im Wege, so wollten Purna und Uma Tamang der Nepal Kinderhilfe keine Informationen über ihre mittlerweile etwa neunjährige Tochter geben (nicht einmal ihr Name ist der Organisation bekannt), während ihr Sohn (Arun Tamang) problemlos an einen Paten und somit an eine Privatschule vermittelt werden konnte, da für ihn ein Kinderprofil existierte. Seite 4

5 Kinder wie Aruns Schwester oder Sarmila Younjan werden vielleicht einmal wie ihre Eltern auf den Holzbänken vor den Webstühlen Platz nehmen und für den Rest des Lebens diese ermüdende Arbeit verrichten müssen, wie es wahrscheinlich die meisten Arbeiter der Teppichmanufaktur tun werden. Manche arbeiten hier schon seit 13 oder 14, Saraswati und Pema Younjans Eltern sogar schon seit 15 Jahren. Und es ist kein Ende in Sicht: Da es in der Carpet Factory so etwas wie Rentengeld nicht gibt, werden sie so lange wie nur irgend möglich arbeiten, in der Hoffnung, im späten Alter von ihren Kindern unterstützt zu werden. Bandana Sunuwar zum Beispiel träumt davon, eines Tages diesen Ort und vor allem diese Arbeit hinter sich lassen zu können und mit ihrem Sohn Bisaya zusammenzuziehen, der, so hofft sie, bis dahin einen gut bezahlten Job haben wird. Die Arbeit am Knüpfrahmen Ein Papiermuster gibt die Arbeit vor Alle helfen mit Einfache Behausungen Ausnahmslos alle Arbeiter stammen aus einem der zahlreichen Dörfer um Kathmandu und die meisten von ihnen haben selbst keine Bildung genossen. Wenn doch, dann kann nur der Vater von sich behaupten, für einige Jahre die Schule besucht zu haben, aber auch ihnen blieb eine vollständige Schulbildung oft versagt. Die Frauen und zum großen Teil eben auch die Männer mussten stattdessen landwirtschaftliche Arbeit oder ähnliches verrichten - Normalität für die Menschen auf dem Dorf. Die Flucht vor dem harten, von Subsistenzwirtschaft und niedrigem Einkommen geprägten Leben in den von der modernen Zivilisation abgeschotteten Gebieten Nepals trieb sie nach Kathmandu, über Umwege landeten sie in der Teppichmanufaktur und zogen in eine der ärmlichen Behausungen. Behausung, das heißt, ein Zimmer von zehn bis zwölf Quadratmetern. In diesem schlafen, essen und kochen bis zu fünf Familienmitglieder, also kann von Privatsphäre keine Rede sein. Der Raum enthält auch nur das Nötigste: Ein oder zwei breitere Betten, eine spartanische Kochstelle, ein wackeliges Regal und einen kleinen Fernseher, über dessen Bildschirm wahrscheinlich allabendlich eine der vielen nepalischen Komödien flimmert. Muss man auf Toilette, benutzt man eines der Seite 5

6 beiden bescheidenen Gemeinschaftsklos, will man sich waschen, tut man dies an dem Brunnen auf dem Platz in der Mitte der Siedlung. Schockierendstes Beispiel für diesen Werdegang ist der Lebenslauf Samjana Majhis, der Mutter der von der Nepal Kinderhilfe unterstützten Puja Majhi. Jene ist in Lal Sisuwa, das im Distrikt Udhaypur liegt, in die Majhi-Kaste, eine der niedrigsten Kasten, geboren worden, ihren Vater hat sie nie gesehen. Schulbildung stand gar nicht zur Debatte: Sie musste die Tiere der Familie hüten, für die kleineren ihrer vielen Geschwister sorgen und landwirtschaftliche Arbeit verrichten, bevor sie mit elf Jahren nach Kathmandu ging um dort in Baluwartar als labourer zu arbeiten, was Schwerstarbeit bedeutet. Vor elf Jahren hat es sie schließlich in die Carpet Factory verschlagen, wo sie ihre beiden Kinder Pusa Majhi (8) und Laxmi Majhi (3) zur Welt gebracht hat. Auch das Kinderkriegen an sich ist hier wie man sich denken kann mit mehr Problemen verbunden als in der sog. westlichen Welt. Schwangere Frauen müssen praktisch arbeiten bis sie das Kind gebären, hinterher bleibt ihnen nur ein Monat bezahlter Mutterschaftsurlaub, während dem sie sich ganz dem Neugeborenen widmen können. Danach versuchen sie das Kind so nah wie möglich bei sich zu behalten, wenn sie wieder Teppiche knüpfen oder das Material für die Teppichproduktion vorbereiten. Der Boss, Bikulal Shrestha, ist für solche Zustände in der Fabrik übrigens nicht zur Verantwortung zu ziehen. Er fungiert, entgegen seiner Bezeichnung, lediglich als Koordinator zwischen Teppichmanufaktur und TCM, dem Headquarter. Die Arbeiter meinen, Mr. Shrestha behandle sie sehr gut, für Suraj Lingden, den Bruder des von der Nepal Kinderhilfe unterstützten Saru Lingden, bezahlt er sogar die Gebühren für die Diamond English Medium School, die Suraj ansonsten nicht besuchen könnte. Vielmehr kann man die Teppichmanufaktur als Beispiel für die Situation der meisten Einwohner Nepals betrachten, etwa 40 Prozent der Nepalis leben unter der Armutsgrenze. Würde man sich einen Tag lang abseits der Touristenrouten durch Kathmandu bewegen, stieße man vermutlich auf hunderte solcher Betriebe, in denen sich die Lebensumstände ähnlich oder vielleicht sogar schlimmer gestalten. Seite 6

7 Die Nepal Kinderhilfe statuiert an dieser Teppichmanufaktur ein Exempel, hier wird Kindern aus einer sozial äußerst schwachen Schicht die Möglichkeit auf Bildung, also auf eine bessere Zukunft geboten, die tausenden von anderen Kindern in Nepal nicht offen steht. Durch die Unterstützung durch die Paten können die Familien Schulden abbauen, die sie vorher vor allem durch die Finanzierung des Schulbesuchs eines Kindes gemacht haben. Die finanzielle Situation insgesamt ist oft nicht mehr ganz so problematisch wie sie früher war und was das wichtigste ist: es gibt die Hoffnung, dass die Kinder ihr Leben anders gestalten können als es die Eltern gezwungen waren zu tun. Manche Eltern und das kann man ihnen wohl kaum verdenken wünschen sich von ihren Kindern, dass sie die schon lange aufgegebenen Kindheitsträume des Vaters oder der Mutter verwirklichen, nicht nur den Kindern werden also neue Wege aufgetan sondern auch der ganzen Familie. Jede der unterstützten Familien konnte auf meine Nachfrage hin von sich behaupten, dass sich ihre Situation erheblich verbessert hat, und alle wollten mir ihren herzlichen Dank an die Paten im fernen Europa mit auf den Weg geben, der sich durch Briefe wohl kaum angemessen übermitteln lässt. Manche Kinder haben ihre Paten bereits leibhaftig zu Gesicht bekommen, andere wünschen sich immer noch ein Foto oder eine persönliche Begegnung, um den Menschen, dem sie so viel verdanken, in ihrer Realität begrüßen zu können. Denn alles steht und fällt mit dieser einen Person. Manch ein Pate stellt seine Unterstützung ein und die Familien stehen wieder denselben Problemen gegenüber wie sie es vorher getan haben. Was wichtig ist, ist lang andauernde Unterstützung, es muss den Kindern ermöglicht werden, die Schule mit dem School Leaving Certificate (SLC) nach der zehnten Klasse abzuschließen. Ein nicht zu Ende geführter Schulbesuch bringt dem jeweiligen Kind eventuell etwas Bildung, aber nicht die Voraussetzung für eine gute berufliche Laufbahn. Hier sollte sich der Pate der Wertschätzung, die er durch die Familien erfährt, würdig erweisen und sich seiner Verantwortung bewusst sein. Für die Menschen hier ist der Pate oder die Patin so etwas wie ein Gott, er handelt und hilft statt den Göttern ihrer jeweiligen Religion, die sie anbeten, ohne dass sich in ihre Gesamtsituation zum Guten wendet. Parbati Shrestha, die Mutter von Reeta Shrestha fasste es schließlich in folgende Worte: The Godfather is bigger than God. Viele Grüsse und Namaste, Maria-Elisabeth (mn) Der erste Schritt Um mich kurz vorzustellen - mein Name ist Werner Schmidt und ich bin 32 Jahre alt. Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Bauerndorf südlich von München mit ca Einwohnern. Antdorf, ein wirklich idyllisches Dorf im Voralpenland. Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich innerlich unzufrieden mit mir und der Welt war. Alles um mich herum schien wie eine Illusion. Mit dieser Unzufriedenheit in mir hatte ich immer wieder das Bedürfnis meinen Rucksack zu packen und hinauszuziehen in die weite Welt. In dieser Zeit bereiste ich Länder wie England, USA, Kanada, Mexiko, Neuseeland, Australien usw. nur um ein paar Stationen meiner langen Reise zu nennen. Mir kam es vor als würde ich etwas ganz bestimmtes suchen etwas, das mir in unserer (Wohlstands) Gesellschaft verloren ging. Immer wieder und wieder zog es mich hinaus in die weite Welt - ein paar Jahre später im Oktober 2005 war es dann mal wieder soweit. Die Unzufriedenheit kam wieder zurück und der Drang Seite 7

8 unserer Gesellschaft zu entkommen wurde größer. Nach einigen Überlegungen habe ich mich dann entschlossen nach Indien und Nepal zu reisen. 4,5 Wochen sollte meine Reise insgesamt dauern. Zurück ließ ich meine Familie, Freunde meine Katze Honey, ein warmes Haus und viel Geborgenheit. Angekommen in Indien wurde ich mit Erfahrungen konfrontiert, die ich in Deutschland nie machen würde. Ich war in einer anderen Welt. Eine Woche bin ich durch Indien gezogen, begleitet von einem indischen Guide. Ich habe den Taj Mahal (Symbol der Liebe) besichtigt, tolle Textilien in Jaipur gekauft und die farbenfrohe Kleidung der Frauen in Rajastan. In Deutschland spricht man von Popstars, bejubelt Filmstars und sieht berühmte Sportler als Vorbilder, doch wer war Mahatma Gandhi? Eine Woche später... Angekommen in Kathmandu bei strömenden Regen um 23 Uhr nachts. Ein junger Nepalese hat mich auf seinem Moped mit in die Stadt genommen und zu einem Guest House gebracht. Alles war so fremd und doch fühlte ich mich sehr schnell wohl. Trekking im Himalaya war mein ziel in Nepal - eine Herausforderung die ich mir selbst gestellt habe. Nach 3 Tagen Aufenthalt in Kathmandu und einigen Verhandlungen mit Trekkingagenturen bin ich dann mit meinem Guide Raj losgezogen. Langtang/Helambu war das Gebiet im Himalaya, das ich mir ausgesucht habe. Nach 11 Stunden 100 km Busfahrt durch die Berge waren wir dann an unserem Startpunkt angekommen, abseits von jeglicher Zivilisation, ging es dann am nächsten Tag los. 114 km und 2 Wochen war ich unterwegs. Jeder Tag forderte mich aufs Neue heraus. Einmal war es die Anstrengung, ein andermal waren es Schmerzen im Knie doch die größte Herausforderung lag darin, mit möglichst wenig Besitz (nur mein Rucksack und die Kleidung die darin war) trotzdem dankbar und zufrieden zu sein, für das was einem die Menschen und der Moment dort geben. Es war der erste Schritt, der mich auf diesen Weg gebracht hatte! Schritt für Schritt ging ich, Tag für Tag und je mehr Schritte ich ging, desto mehr wurden mir meine Augen geöffnet. Die Menschen dort waren meine besten Lehrer - sie lehrten mich auf eine Art und Weise wie es noch nie jemand zuvor getan hat. Nichts zu haben und doch reich zu sein, Arm zu sein und doch glücklich. Jeden Tag kämpfen die Menschen in Nepal ums überleben und doch wurde ich überall aufgenommen ohne dass Erwartungen gestellt wurden. Ich musste erkennen, dass die Menschen die ich auf meiner Reise durch den Himalaya traf, etwas als selbstverständlich gaben, was unsere Gesellschaft oft vermisst - Menschlichkeit. In der Einsamkeit des Himalaya hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und Eindrücke zu sam- Seite 8

9 meln. Zum ersten mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl etwas gefunden zu haben, dass ich lange suchte - mich selbst. Zurück in Deutschland angekommen mit einer unglaublichen Lebenserfahrung und vielen Eindrücken von einem wunderbarem Land und Menschen. Ich wusste, dass mir diese Reise immer in Erinnerung bleiben wird und ich ja etwas gefunden habe dass wertvoller nicht sein kann. Nun verstand ich auch, wieso man sagt: Wenn man in Nepal ankommt, wissen die Menschen dort schon mehr über einen als man selbst oder Man fährt nicht nach Nepal um es zu ändern, sondern um sich selbst zu ändern. Wie wahr dachte ich nur nach meiner Reise ;-) Um mich auf irgendeine Weise für diese Erfahrungen zu bedanken suchte ich nach einem Weg meinen Beitrag für die Menschen dort zu leisten. Doch wie??? Ein weiterer Schritt wurde notwendig! Ich stöberte etwas im Internet und kam zufällig auf die Seite der Nepal Kinderhilfe e.v. Ich nahm per Kontakt mit Jürgen auf und erzählte ihm von meinem Vorhaben eine Patenschaft im Langtang-Gebiet zu übernehmen. Nach ein paar Überlegungen, haben meine Freundin und ich uns für ein Kind entschlossen, dass wir mit einer Patenschaft unterstützen und ihr eine bessere Zukunft ermöglichen wollen. Schritt für Schritt!! Ich merkte wie ich auch hier in Deutschland durch kleine Schritte vorwärts kommen konnte. Meine Erinnerungen begleiteten mich auf jedem Schritt. Ich entschloss mich weiterhin mit der Nepal Kinderhilfe e.v. in Kontakt zu bleiben und evtl. auch hier noch durch Unterstützung meinen Beitrag zu leisten. 02. Dezember Ich habe einen Weihnachtsstand in Penzberg und versuche im Namen der Nepal Kinderhilfe e.v. Papierprodukte aus Nepal zu verkaufen und Werbung für die Hilfsorganisation zu machen. Durch tatkräftige Unterstützung meiner Freunde sind wir am 02. Dezember 2006 in der Früh um 8 Uhr losgezogen um unseren Stand in Penzberg zu beziehen. Ingo, Eric, Dagi und ich haben dann bis ca. 11 Uhr den Stand dekoriert und alles vorbereitet. Um 12 Uhr Mittags ging es los - wir hatten zusätzlich Glühwein und heißen Holunder zum Verkauf. Ich muss zugeben, es war nicht einfach die Papierprodukte unter die Leute zu bringen aber wir haben unser bestes versucht. Bis 20 Uhr abends ging der Weihnachtsmarkt und viele Freunde und Bekannte kamen vorbei um uns bei unserem Vorhaben zu unterstützen. Jeder versuchte einen kleinen Beitrag zu leisten und am Ende des Tages waren wir gespannt ob sich unser Tag auch gelohnt hatte. Morgens bei der Vorbereitung des Weihnachtsstands meine Freundin Dagi und unser Hund Sam Hier sind wir bei einer kleinen Glühweinpause Seite 9

10 Die ersten Kunden kamen - es war ein traumhaft schöner Dezembertag Langsam wurde es dunkel und mehr Besucher kamen - Ingo verkaufte fleißig seinen ausgezeichneten Glühwein Um 20 Uhr haben wir dann langsam angefangen unseren Stand wieder abzubauen. Um 21:30 sind wir zu Hause angekommen. Fast 14 Stunden waren wir auf den Beinen und hatten sehr viel Spaß. Wir hatten sehr, sehr viel Spaß zusammen Ingo, Eric und ich Nun sind wir stolz und glücklich darüber, dass wir der Nepal Kinderhilfe e.v. einen Betrag von 400 Euro spenden können, der dem Aufbau der Mandala School im Langtang-Gebiet zu Gute kommt. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!!! Mit freundlichen Grüßen Werner Schmidt (ws) Seite 10

11 Weihnachtsmarkt in Schwalmtal Jeder Euro zählt unter diesem Motto sehen wir all die vielen Aktivitäten, die in Summe einen schönen Deckungsbeitrag für die Unterstützung unserer Kinder bedeutet. So haben wir uns in der Vorweihnachtszeit regional auf den Schwalmtaler Weihnachtsmarkt konzentriert. Schwalmtal, die Nachbargemeinde von Niederkrüchten, bietet mit dem verkehrsberuhigten, alten Marktplatz die richtige Kulisse. Unser Standort liegt direkt vor dem Kirchenportal und ist für keinen Besucher zu übersehen. Blick aus dem Kirchturm Jetzt können die Besucher kommen. Bereits im September hatten wir unseren Standplatz angemeldet, die Ware kam pünktlich Anfang Oktober an, die Bestätigung unseres Standplatzes bekamen wir allerdings erst Ende November kurz vor Toresschluss. Wir befürchteten bereits, die Ware vergebens bestellt zu haben. Nun ist doch alles noch gut geworden und am Sonntagmorgen, den 10. Dezember, trafen wir uns, das waren Ellen, Hanna, Bruno, Günther und ich, um unseren Verkaufsstand herzurichten. Bis zur Eröffnung um 11:00 Uhr wurde mit vereinten Kräften alles fertig gestellt. Zur Eröffnung kam Andrea dann auch noch hinzu und unser Team stand bereit, sich den Besuchern zu stellen und unsere Botschaft und Waren aus Seidelbastpapier unter die Leute zu bringen. Neben dem Verkauf von Grußkarten und Geschenkpapier hatten wir auch eine schöne Anzahl Freundschaftsbändchen aus Nepal kommen lassen, die wir als Dankeschön für Geldspenden ausgeben konnten. Die Freundschaftsbändchen waren wieder besonders bei den Kindern beliebt, diese Erfahrung hatten wir bereits zum diesjährigen Gewerbefest machen können. So wurde bei Oma und Opa so mancher Euro locker gemacht, der dann in die Spendendosen unserer eifrigen Sammler wanderte. Der Wettergott war uns gnädig gestimmt und pünktlich zum Marktaufbau waren alle Regenwolken der vergangenen Tage verschwunden und ein sonniger, aber dennoch kalter Tag lockte viele Besucher auf den Weihnachtsmarkt. Um 18:00 Uhr wurde das Marktgeschehen offiziell beendet. Nachdem wir unsere sieben Sachen rasch zusammengepackt hatten, ließen wir den Tag bei einem Glas Bier Revue passieren und machten den ersten Kassensturz. Den Nettoverdienst auszuweisen fällt mir jetzt im Moment noch schwer, da wir ja weit mehr Papier in Nepal geordert hatten, als wir auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen konnten. Das war so geplant, denn parallel läuft ja auch noch unsere Aktion im Biolandhof Bolten, über die wir auch schon vieles haben verkaufen können. Nach Abzug Seite 11

12 der direkten Kosten des Weihnachtsmarktes werden aber dennoch mehr als 500 Euro Einnahmen zu verbuchen sein, was wieder einmal einen schönen Beitrag im Gesamtbudget bedeutet. Neben den vielen, vielen kleinen Spenden hat mich eines ganz besonders gefreut die Übernahme einer Schulpatenschaft. Schon am Morgen interessierte sich eine Besucherin für unsere Arbeit und bat um Informationsmaterial. Im Laufe des Tages kam sie nochmals zurück und hatte einige Fragen, die sich aus dem Studium der Unterlagen ergeben hatten. Dass diese Frau aber am Nachmittag mit dem ausgefüllten Schulpatenschaftsformular zurückkam, hat mich sehr erfreut. Wie sie mir später berichtete, hätte mir die Freude auch im Gesicht gestanden. Tags darauf habe ich unserer neuen Patin vorgeschlagen, Sangay Choedon Tamangni, aus der Liste unserer Sorgenkinder zu übernehmen. Der Vorschlag wurde angenommen und so hat sich alle Mühe für die Vorbereitung und die Durchführung des Weihnachtsmarktes alleine durch diese Zusage gelohnt. Die Zukunft eines Kindes lässt sich mit Geld nicht bewerten alleine die sich daraus ergebende Perspektive für Sangay ist genügend Grund zur Freude. (jr) Weltladen der Klasse G8A In der Goetheschule Dieburg, wo meine Tochter Eva die 8. Klasse besucht, fand am ein Tag der offenen Tür statt. Evas Klasse hatte im Sommer anlässlich der Fußball- Weltmeisterschaft am Beispiel von fair gehandelten Fußbällen über das Thema fairer Handel und Kinderarbeit in der so genannten 3. Welt gesprochen. Zum Tag der offenen Tür wurde deshalb ein Stand mit Fußbällen und anderen Waren aus fairem Handel geplant. Als wir uns vor einiger Zeit im Fotoarchiv der Nepal Kinderhilfe die Bilder vom Medical Camp anschauten, fanden wir dort auch ein Foto von Freundschaftsbändchen aus dem Langtang. Da kam uns die Idee, am Stand von Evas Klasse auch solche Freundschaftsbändchen zum Verkauf anzubieten. Der Weltladen der Klasse G8A wurde ein voller Erfolg. Er befand sich direkt im Eingangsbereich der Schule, so dass jeder an ihm vorbei musste, der die Schule betrat. Neben fairen Bällen wur- Seite 12

13 den auch Trommeln, Klangschalen, Tees, verschiedene leckere Schokoladenriegel, Honig, Adventskalender, Taschen und andere Waren aus dem Weltladen in Eppertshausen...und Freundschaftsbändchen aus dem Langtang verkauft. Auch gab es Informationsmaterial über Kinderarbeit, fairen Handel und Flyer der Nepal Kinderhilfe. Dazu wurde flotte Musik aus Afrika und Lateinamerika gespielt. Die Schülerinnen und Schüler hatten sehr viel Spaß am Verkauf und konnten am Abend dem Mitarbeiter des Weltladens in Eppertshausen stolz ihre Einnahmen überreichen. Auch viele Freundschaftsbändchen hatten ihren Weg an die Handgelenke von Schülerinnen und Schülern gefunden, so dass wir der Nepal Kinderhilfe insgesamt 65 überweisen konnten. Dieses Geld hatten wir eigentlich für Gita Pariyar bestimmt, die mit 13 Jahren gerade in die 1. Klasse gekommen ist, während Evas etwa gleichaltrige Mitschüler schon die 8. Klasse besuchen. Sie gehört zu den Sorgenkindern, für die schon einmal eine Patenschaft bestand, die dann aber gekündigt wurde. Am nächsten Tag jedoch stellten wir erfreut fest, dass Gita gerade eine neue Patin gefunden hat. Wir freuen uns sehr für sie! Der Erlös unserer Freundschaftsbändchen geht nun an Kaishila Pariyar, ein weiteres Sorgenkind. Auch sie besucht mit 12 Jahren noch die 1. Klasse, und auch ihre Patenschaft wurde gekündigt. Wir wünschen ihr, dass sie bald, wie Gita, einen neuen Paten findet, so dass auch sie eines Tages stolz in die 8. Klasse gehen kann! (hw) Spontante Hilfe Anfang Dezember ereilte uns der Hilferuf von Saraswoti Yonjan, die als Schülerin der Diamond School durch die Nepal Kinderhilfe e.v. gefördert wird. Der Zustand ihres Vaters, von dem wir wussten, dass er krank ist, hatte sich erheblich verschlechtert und die arme Familie hat kein Geld, um die notwendige Behandlung durchzuführen. Es gehört zwar nicht zu den Zielen der Nepal Kinderhilfe e.v., solche Notfälle zu unterstützen, aber Augen und Ohren kann man nicht verschließen, wenn ein Mensch in Not gerät und hilfsbedürftig wird. Wir haben den Hilferuf mit unseren Möglichkeiten weitergegeben und im Internet zur Spende aufgerufen. Innerhalb von 14 Tagen war das benötigte Geld beisammen und konnte nach Kathmandu überwiesen werden. Es hat uns ganz besonders gefreut, dass trotz unserer Aussage, für diese Spenden keine Zuwendungsbescheinigung ausstellen zu können, die Bereitschaft zur spontanen Hilfe gegeben war. Natürlich haben wir, wie eine unserer Patinnen richtig kommentierte, damit einen Präzidenzfall geschaffen und viele andere tragische Schicksale hätten das gleiche Recht auf unsere Unterstützung. Unsere Hilfe, in diesen Fällen zu vermitteln, werden wir auch in anderen Fällen nicht verwehren das Leben und die Gesundheit eines Menschen ist wichtiger als alle Statuten und Präferenzen. Nochmals vielen Dank an alle Spender! Schulpartnerschaft Chemnitz Budhanilkantha, Kathmandu Wie wir bereits im letzten Newsletter berichtet haben, hat sich die Projektgruppe des Chemnitzer Schulmodells das Ziel gesetzt, für die Partnerschule in Budhanilkantha eine Schulbibliothek aufzubauen. Die ersten Aktivitäten sind nun gestartet. Die Arbeitsgruppe hat eine Projektmappe erstellt und ist damit am erstmals an die Öffentlichkeit gegangen. Aus dem vorhandenen Bildmaterial hat man einen schönen Kalender 2007 erstellt, der hier ebenfalls seine Premiere feierte. Begleitend zu dieser Aktion hat man Produkte aus Nepal zum Verkauf angeboten und die ersten Einnahmen konnten getätigt werden. Seite 13

14 Ein bunter Stand voller Informationen Schnitzereien aus Nepal Der neue Nepal-Kalender 2007 Das Angebot lässt sich sehen Auf jeden Fall freuen wir uns über diese Kreativität und das Engagement sehr und sind gespannt, was sich die muntere Arbeitsgruppe um Peter Rupf noch so alles einfallen lässt, die versprochene Schulbibliothek in die Tat umzusetzen. (jr) Seite 14

15 Mitglieder / Schulpatenschaften Hier die überarbeitete Statistik unserer Schulpatenschafts- und Vereinsentwicklung: Schulpatenschaften Januar Dezember 2006 Paten Januar Dezember neue Kinder gekündigte NKH Kumuliert Spenden neue Paten gekündigte Kumuliert 0 Jan Mrz Mai Jul Sep Nov Jan Mrz Mai Juli September November 0 0 Jan Mrz Mai Jul Sep Nov Jan Mrz Mai Juli September November 0 Mitglieder Januar Dezember neue Mitglieder Kumuliert Feb Apr Jun Aug Okt Dez Feb Apr Juni August Oktober Dezember Seite 15

16 Impressum Herausgeber Nepal Kinderhilfe e.v. Schmutzersweg 7 D Niederkrüchten Telefon Website Redaktion Fotos (hw) Heidi Wieschen (mn) Maria-Elisabeth Neuhauss (ws) Werner Schmidt (jr) Jürgen Richterich Heidi Wieschen Peter Rupf Werner Schmidt Jürgen Richterich Nächste Ausgabe Januar 2007 Unsere Sammelbüchse Bank Volksbank Schwalmtal eg Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG Kontonummer Bankleitzahl IBAN DE DE SWIFT Code/BIC GENO DE D1 NKR HYVEDEMMXXX Es gibt noch so viele Kinder, die ebenfalls auf eine Ausbildung warten - Sie können dazu beitragen. Auch Ihre zweckgebundene Spende zugunsten der medizinischen Betreuung ist so wertvoll wie das Leben unserer Kinder. Sollten Sie spenden, dann vermerken Sie bitte im Verwendungszweck Mandala School Langtang oder Medizinische Betreuung und geben uns bitte Ihre genaue Anschrift bekannt, falls Sie eine Zuwendungsbescheinigung zur Vorlage bei Ihrem Finanzamt benötigen. Seite 16

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