Fritz Pietrowiak. Nur der. Wille. zählt. Erinnerungen. edition fischer

Größe: px
Ab Seite anzeigen:

Download "Fritz Pietrowiak. Nur der. Wille. zählt. Erinnerungen. edition fischer"

Transkript

1 Fritz Pietrowiak Nur der Wille zählt Erinnerungen edition fischer

2

3 Fritz Pietrowiak Nur der Wille zählt

4

5 Fritz Pietrowiak Nur der Wille zählt Erinnerungen edition fischer

6 Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über abrufbar by edition fischer GmbH Orber Str. 30, D Frankfurt/Main Alle Rechte vorbehalten Umschlagillustration und -gestaltung: Graphisches Atelier Zengler, Gröbenzell Schriftart: Times Herstellung: MK / NL Printed in Germany ISBN

7 Denke immer daran, auch du schaffst es, du musst nur wollen, nur der Wille zählt und etwas Glück. Der Weg ist dabei manchmal wie die Fahrt auf einer Achterbahn. Nur wer wagt, der gewinnt.

8

9 Meinen Eltern Helene und Felix Pietrowiak gewidmet

10

11 Vorwort Diese Familiengeschichte zeigt auf, dass auch Kinder armer Eltern mit ihrem Wissensdurst, ihrer Kreativität und ihrem Durchsetzungsvermögen sich vieles aneignen können, um ihr Leben zu meistern und erfolgreich zu werden. Eine Arbeiterfamilie und ihre Kinder Blicken wir zurück in die 20er- und 30er-Jahre des letzten Jahrhunderts. Strenger Frost herrschte in Berlin im Winter 1928/1929, doch nicht nur die Kälte machte den Menschen das Leben schwer. Nur wenige hatten eine Arbeit. Zu diesen Glücklichen gehörte auch Felix Pietrowiak. Vorher hatte er eine Zeit lang als einfacher Arbeiter in einer Fabrik in Weißensee gearbeitet, seit 1927 war er bei der Firma Siemens. Er verdiente zwar nicht viel, aber es ging ihm besser als den vielen Arbeitslosen. Seit ein paar Jahren war Felix mit Helen verheiratet, sie lebten in der Laube der Schwiegereltern im Heinersdorfer Weg in Weißensee. Dort war es kalt und feucht, die Wände und Decken waren nicht wärmeisoliert. Auch durch die miserablen Wohnverhältnisse hatten Felix und Helene schon zwei Kinder verloren, beide starben bereits kurz nach der Geburt. Als Fritz, das dritte Kind, Anfang 1929 zur Welt kommen sollte, zog das junge Paar im kalten Winter 1928/1929 aus der Laube der Schwiegereltern (nicht wärmeisoliert), die sie seit der Heirat bewohnten, aus. Ihre erste eigene Wohnung hatte nur Küche und Stube. Der Vater musste aber im Haus die Hausmeisterstelle annehmen. Zwei Jahre später wurde dann das vierte Kind geboren, sie nannten es Walter. Weil der Vater aus ärmlichen Verhältnissen stammte, hatte er keinen Beruf erlernen können und schlug sich als Arbeiter durch. Seine Frau musste ebenfalls Geld dazuverdienen. Als die Kinder noch klein waren, nähte sie für Firmen Hemden und Ähnliches in Heimarbeit. Später arbeitete sie auch als Reinigungskraft auf dem Bau und danach in einer Fleischwarenfabrik. Der Vater, der inzwischen eine Stelle bei der Firma Siemens bekom- 9

12 men hatte, musste tagtäglich, von Weißensee bis Siemensstadt, eine sehr weite Strecke zur Arbeit zurücklegen, sodass die Kinder ihren Vater vorwiegend spätabends und am Wochenende sahen. Da der Vater, ein Volksschüler, sehr gerne las, bekamen die Kinder natürlich viele Bücher über Sagen, Märchen und Ähnliches. Es wurde viel gelesen, zumal damals ein Radio zu teuer gewesen wäre. Im Alter von zehn Jahren sollte Sohn Fritz wegen seiner guten Noten zum Gymnasium. Doch die 20 Reichsmark im Monat für das Gymnasium konnte der Vater bei einem Monatseinkommen von circa 120 RM nicht aufbringen. Als Fritz zwölf Jahre alt war, verdiente der Vater etwas mehr, sodass er eigentlich aufs Gymnasium hätte gehen können. Der Besuch bei dem Direktor endete jedoch mit einem Fiasko, da dieser wegen des Alters von Fritz die Aufnahme ablehnte. Bruder Walter, inzwischen zehn Jahre, durfte dafür zur Mittelschule gehen, was mit monatlich 10 RM zu Buche schlug. Mit vierzehn wollte Fritz Architekt werden, weil er gerne zeichnete. Allerdings konnte ihm sein Vater bei der Lehrstellensuche nicht helfen, da er über keine entsprechenden Verbindungen verfügte. Daher schlug er seinem Sohn vor, doch zur Deutschen Reichsbahn als bautechnischer Junghelfer zu gehen. Der Sohn befolgte seinen Ratschlag. Fritz erwarb bei der Deutschen Reichsbahn Kenntnisse im Bauwesen und Eisenbahnbau. Mit siebzehn, 1947, bestand er die Aufnahmeprüfung an den Vereinigten Bauschulen von Groß-Berlin, wo er zweieinhalb Jahre lang studierte und mit 19 Jahren mit dem Titel»Ingenieur für Tiefbau«abschloss. Weil es ihm bei der Bahn zu eintönig war, kündigte er sein Arbeitsverhältnis und ging zu einem VE-Betrieb. Dort wurde er mit zweiundzwanzig schon stellvertretender Projektleiter beim Bau eines Schwimmstadions und zwei Jahre später stellvertretender Projektleiter beim Bau eines Zementwerkes. Mit fünfundzwanzig Jahren machte er sich selbstständig. Als er 1958 mit Frau und Tochter nach Westberlin floh, hatte er zuvor noch das Studium zum Hochbauingenieur abgeschlossen. Bevor er sich auch in Westdeutschland selbstständig machte, war er fünf Jahre lang im Verkauf eines Fertigteilbetriebes leitend tätig. Mit sechsunddreißig Jahren besaß er sein eigenes Architektur- und Ingenieurbüro. Er wurde zwischenzeitlich nachdiplomiert, baute in der BRD und Jugoslawien, hielt Vorträge in Deutschland und im Ausland und schrieb 10

13 Artikel für Fachzeitschriften im In- und Ausland. Mit fünfundvierzig Jahren erhielt er von einem Ministerium in Bonn den Auftrag, in Jordanien ein Bauforschungsinstitut zu errichten. Damit begann eine zehnjährige Bearbeitung von Projekten im arabischen Ausland, speziell in Jordanien, Saudi-Arabien, im Irak und Ägypten. Walter indes schloss seine Mittelschule ab, erlernte das Zahntechnikerhandwerk und bekam den Gesellenbrief. Da er sich weiterbilden wollte, ging er zur Arbeiter- und Bauernfakultät und machte dort den Abschluss. Danach studierte er Medizin und promovierte 1959 zum Dr. med., wurde in der Folge Pflichtassistent im Krankenhaus der Volkspolizei in Berlin, wissenschaftlicher Assistent am Institut für pathologische Physiologie der höheren Nerventätigkeit der Charité, Leiter eines Landambulatoriums in Letschin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Hygiene der Martin-Luther-Universität Halle, Kreisarzt in Hoyerswerda, Bereichsbetriebsarzt in einem Chemiewerk, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Planung und Organisation des Gesundheitsschutzes in Berlin, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ministerium für Gesundheitswesen in Berlin, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie für Ärztliche Fortbildung in Berlin, Leiter eines Landambulatoriums und Leiter einer staatlichen Arztpraxis. In dieser Zeit wurde er 1968 Facharzt für Hygiene und Epidemiologie und 1973 Medizinalrat, ehe er 1977 zum Dr. sc. med. habilitierte. Zwei Jahre später kam noch der Facharzt für Sozialhygiene hinzu. Außerdem erhielt er viele Ehrungen. Erst 1990 konnte er seine eigene Arztpraxis eröffnen. Die Kinder der beiden Brüder stiegen in die Fußstapfen ihrer Eltern und entwickelten sich ebenfalls positiv. Als Resümee bleibt festzuhalten, dass die Familie das Wissen und den Werdegang ihrer Kinder beeinflusst. Bei richtiger Anleitung und eigenem Willen schaffen es auch Arbeiterkinder, aus ihrem Umfeld, das sie unter Umständen negativ beeinflusst, herauszukommen und sich weiterzubilden. 11

14 Dies geht allerdings nicht immer ohne die Hilfe der Eltern, den eigenen Willen, viel Glück im Leben und später Ehefrauen, als Stütze der Familie, die am Anfang auf vieles verzichten müssen. Es gilt immer noch das alte Sprichwort:»Das Glück gehört dem Tüchtigen.«12

15 Eine Kindheit in Berlin Diesmal muss es klappen Blicken wir zurück in die 20er- und 30er- Jahre des letzten Jahrhunderts. Die»Goldenen Zwanziger«, von 1923 bis 1929, näherten sich ihrem Ende. Strenger Frost herrschte in Berlin im Winter 1928/1929, doch nicht nur die Kälte machte den Menschen das Leben schwer, sondern auch die fehlende Arbeit. Ende 1929 gab es ungefähr 1,25 Mio. Arbeitslose. Zu den Glücklichen, die Arbeit hatten, gehörte auch Felix Pietrowiak. Vorher hatte er eine Zeit lang als einfacher Arbeiter in einer Fabrik in Weißensee gearbeitet, seit 1927 war er bei der Firma Siemens als Packer beschäftigt und wurde später von den Bayerischen Motorenwerken übernommen. Er verdiente zwar nicht viel, aber es ging ihm besser als den vielen Arbeitslosen. Seit ein paar Jahren war Felix mit Helene verheiratet, sie lebten in der Laube der Schwiegereltern im Heinersdorfer Weg in Weißensee. Dort war es kalt und feucht, die Wände und Decken waren nicht wärmeisoliert. Auch durch die miserablen Wohnverhältnisse hatten Felix und Helene schon zwei Kinder verloren, beide starben bereits kurz nach der Geburt. Aber eine eigene Wohnung konnten sie sich noch nicht leisten. Nun war Lene wieder soweit. Diesmal musste es klappen, sie wünschten sich doch so sehr ein Kind! Im Januar 1929 sollte es geboren werden. Felix bekam eine Wohnung mit Hausmeisterstelle in der Heinersdorfer Straße 33a zweiten Stockwerk. Das Haus lag nicht in einer typischen Arbeitergegend. In der Straße wohnten viele reiche Leute: mehrere Bäckereibesitzer, ein Schlächter mit Stand im Schlachthof, Kartoffelhändler, Heizwarenhändler, Friseure, Kneipenbesitzer und Beamte. Doch auch einige Arbeiterfamilien lebten hier, meistens in Wohnungen der Seitenflügel, die an das Vorderhaus im Hof angebaut waren. In dem Haus waren in der zweiten Etage je Etage zwei Wohnungen, bestehend aus 3 Zimmern und zwei Küchen, je ungefähr siebzig Quadrat- 13

16 Ansicht Heinersdorfer Straße 33a Grundriss der Wohnung meter. Diese unterteilt von einem durchgehenden Flur. Sie hatten vom Eingang her zuerst links eine Stube und rechts die Küche. Der hintere Teil war abgetrennt durch eine weitere Wohnungstür. Dahinter befanden 14

17 sich zwei Zimmer und eine Küche, die Toilette war eine halbe Treppe tiefer vom Zwischenpodest aus zugänglich. Ihre erste richtige Wohnung mit Stube und Küche war der vordere Teil mit ungefähr dreißig Quadratmetern. Vom Küchenfenster schaute man in den Hof, die beiden Fenster des Zimmers gingen zur Straße. Die Wohnung war genau über der Hauseinfahrt im 2. Obergeschoss. Sie mussten also die Türen zum Treppenhaus, zum Zimmer und zur Küche abschließen wenn sie schliefen oder außer Haus gingen. Die Mieter der hinteren Wohnung waren ein Ehepaar, er Lokführer, sie Hausfrau. Es waren ruhige, nette Leute. Auf der anderen Seite der Treppe wohnten eine Frau mit ihrem Sohn Otto und der Tochter Irmgard und dahinter eine andere Familie, zwei ältere Personen. Im ersten Geschoss unter uns wohnte der Eigentümer des Hauses und einer Marzipanfabrik mit Tochter, ihr Sohn hieß Horst, der später Flieger wurde und tödlich abstürzte. Sie heiratete später einen Dolmetscher. Auf der anderen Seite im 1. Geschoss wohnten bis 1926 unsere Großeltern, die im Erdgeschoss des Seitenflügels ihre Hutfabrik und vorn, wo später der Seifenladen war, ihr Geschäft hatten. In diese Wohnung zog nach ihnen der Kohlenhändler ein, der seinen Kohlenhandel in der Pistoriusstraße hatte. Für den Weg von Weißensee nach Siemensstadt, im Westen Berlins gelegen, brauchte mein Vater, teils zu Fuß, teils per Straßenbahn und S-Bahn, jeweils anderthalb Stunden. Am frühen Morgen um fünf Uhr verließ er das Haus und kehrte erst abends zwischen sieben und acht Uhr zurück, sonnabends um 15 Uhr. Er arbeitete 48 Stunden in der Woche. Das Geld reichte trotzdem nicht, also übernahm er auch Überstunden. Im Winter kam es für ihn noch härter: Bis spätestens sechs Uhr musste der Gehsteig vor dem Haus geräumt sein. Also stand er schon um vier Uhr auf, fegte den Schnee vom Bürgersteig, streute Sand, frühstückte und eilte zur Arbeit. Abends, wenn er heimkam, erwartete ihn dieselbe Plackerei. Erst danach kam er zu seinem wohlverdienten Abendbrot. In diese nicht gerade rosigen Verhältnisse wurde ich hineingeboren: Am 14. Januar 1929 erblickte der kleine Fritz das Licht der Welt, immerhin in einer warmen, trockenen Wohnung. Die Freude war groß. Besonders glücklich war meine Großmutter Luise, Helenes Mutter, da ich gerade noch an ihrem Geburtstag, um 23 Uhr, zur Welt kam. Ich bekam, 15

18 wie damals üblich, die Namen Franz (Großvater väterlicherseits), Felix (Vater) und Fritz (jüngster Bruder meiner Mutter) als Rufnamen. Auch meine Mutter war eine einfache Arbeiterin. Einige Wochen nach der Niederkunft suchte sie sich eine Heimarbeit. Eine Nähmaschine wurde trotz des wenigen Geldes angeschafft, sie nähte Hemden und verdiente damit ein paar Mark hinzu. Trotzdem war das Geld stets knapp. Monat für Monat immer das Gleiche. Die letzten ein bis zwei Tage in der Woche ließ sie oft im Tante-Emma-Laden anschreiben. Wenn ihr Mann am Donnerstagabend nach Hause kam, wurden die Schulden am Freitag beglichen und dann wurde eingekauft. Im Oktober 1929, dem»schwarzen Freitag«, wurde an der New Yorker Börse eine Weltwirtschaftskrise ausgelöst. Bis Anfang 1933 stieg dadurch die Arbeitslosigkeit bis auf ungefähr sechs Millionen. Mein Vater hatte das Glück, bei Siemens nicht gekündigt zu werden. Am 2. Februar 1931, ich war gerade zwei Jahre alt, kam mein Bruder Walter zur Welt. Wie meine Eltern mir später erzählten, hatte er ungewöhnlich viele dunkle Haare am Körper. Als ich ihn sah, soll ich gerufen haben:»das ist ja mein Teddi!«. Seitdem wurde er immer»teddi«genannt. Ich bekam den Spitznamen»Sohni«. Er erhielt die Namen Walter, Otto, Erich (Brüder meiner Mutter). Unsere Eltern sind eine Wucht Die Familien unseres Vaters Felix Pietrowiak und unserer Mutter Helene Sowalski stammten aus dem seit 1793 zu Preußen gehörenden Teil von Polen. Ab 1873 verfielen die Preise in Polen so stark, auch die Arbeitslosigkeit nahm zu, sodass es zu einer Ost-West-Wanderung kam, nicht nur nach Deutschland, sondern u. a. auch nach Amerika. Unser Großvater väterlicherseits hieß Francizek (Franz) Piotrowiak. Auch der älteste Bruder meines Vaters, Franz, der in Polen geboren wurde, trug noch diesen Familiennamen. Beide Großeltern konnte ich nie kennenlernen, sie starben vor meiner Geburt. Mein Großvater Franz wurde 1858 in der Nähe von Taniecznica im Kreis Gostyn geboren. Er starb 1928 in Berlin-Weißensee. Seine Frau Marianne (Maria), meine Großmutter, war eine geborene Jaskulski. Sie 16

19 kam 1861 zur Welt und lebte bis Mein Vater war noch keine 17 Jahre alt, als er seine Mutter verlor. Oft erzählte er uns von ihr; sie muss eine liebe Frau gewesen sein. Als meine Großeltern im Rahmen der Ost-West-Wanderung mit ihrem am 28. Dezember 1886 geborenen Sohn Franz nach Deutschland kamen vermutlich um 1890, muss bei der Anmeldung der Name geändert worden sein, um die Aussprache zu erleichtern, denn die in Deutschland geborenen Kinder trugen den Namen Pietrowiak. So auch mein Vater, der als Jüngster am 8. August 1901 in Weißensee das Licht der Welt erblickte. Mein Vater wuchs mit drei Geschwistern auf; Franz, in Polen geboren, immerhin 15 Jahre älter als er, Lorenz, 1891, und Sophie, 1895, beide in Deutschland geboren. Als mein Vater zur Welt kam, hatte seine Mutter die vierzig bereits überschritten starb sie, sie wurde nur 57 Jahre alt. Mein Großvater suchte sich eine neue Frau: Keine acht Monate später heiratete er als Sechzigjähriger die 22 Jahre jüngere Maria Magdalena. Einmal ging ich als Zwölfjähriger mit meinem Vater die Charlottenburger Straße entlang, ganz in der Nähe der Heinersdorfer Straße, als er eine ältere Frau auf der anderen Straßenseite grüßte. Ich fragte ihn:»papa, wer ist das?«er antwortete:»das ist meine Stiefmutter.«Wieder fragte ich:»darf ich hinübergehen und ihr guten Tag sagen?«seine Antwort erstaunte mich:»mit dieser Frau will ich nichts mehr zu tun haben!«als er meinen ungläubigen Blick sah, erzählte er mir, wie schlecht die Frau ihn behandelt hatte, obwohl er schon 17 Jahre alt war, als der Großvater sie heiratete. Leider habe ich später nie nachgefragt, was genau ihm durch diese Frau widerfahren war. Es gibt auch keine Fotos von meinem Großvater und seinen Frauen väterlicherseits. Erst im Jahre 2003 erfuhr ich von meiner Cousine Luzie, der Tochter von Lorenz, einem älteren Bruder meines Vaters, dass die Stiefmutter meinen Vater oft geschlagen hatte. Lorenz war manches Mal dazwischen gegangen, solange er noch zu Hause lebte. Friedrich Wilhelm Sawalski, der Vater meiner Mutter Helene, stammte aus Neu-Lubcza im westpreußischen Landkreis Flatow, wo er 1867 zur Welt kam, und hieß dann in Deutschland Sowalski, ebenfalls eine unbeabsichtigte Namensänderung, 1893 heiratete er mit 26 Jahren 17

20 die zwanzigjährige Emma Helene Elise Hübel, eine waschechte Berlinerin. Außer Helene, 1904 geboren, überlebten fünf Kinder meiner Großeltern: Charlotte kam 1902 zur Welt, Erich 1906, Otto 1907, Walter 1909 und Fritz Im Jahre 1939 wurde meiner Großmutter Emma unter Hitler das Mutterkreuz verliehen vom Volksmund spöttisch als»karnickelorden«bezeichnet. Die Sowalskis betrieben im Erdgeschoss des Vorderhauses in der Heinersdorfer Straße eine Hutmacherei, in der auch ihr ältester Sohn Erich das Hutmacherhandwerk erlernte. Ihre große Wohnung lag im ersten Stock des Vorderhauses, die Hüte wurden im hinteren Erdgeschoss des Seitenflügels hergestellt. Familie Sowalski und Bekannte Sitzend: von links: 3. Oma, 5. Tante Lotte, 7. Helene Stehend: von links: 4. Opa, 6. Onkel Walter, 7. Onkel Erich, 9. Felix Wilhelm Sowalski war Kommunist und auch gewerkschaftlich aktiv. Die Arbeitslosigkeit stieg von 1921 mit auf rund 2 Millionen im Jahr Die Familie geriet deshalb, wie viele andere Menschen in Deutschland, in eine schwierige wirtschaftliche Lage. Sie lebten in bit- 18

21 terster Not, in der mein Großvater alle Hoffnung verlor. Am 1. September 1926 nahm er sich das Leben; er erhängte sich. Was genau ihn zu diesem Entschluss trieb, sollte die Familie nie erfahren. Er hinterließ die Abschiedsworte:»Wegen Geschäftssorgen nehme Abschied von Euch allen. Letzter Gruß, Wilhelm.«Das kommunistische Blatt»Die rote Fahne«veröffentlichte einen Nachruf auf Wilhelm Sowalski, und darin bat Wilhelm Pieck, von 1925 bis 1929 Leiter des Organisationsbüros des Zentralkomitees (ZK), gleichzeitig Politischer Sekretär der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Lausitz, der spätere erste (und einzige) Staatspräsident der DDR, um rege Beteiligung bei der Beerdigung. Ob Wilhelm Pieck auch die Grabrede gehalten hat, ist nicht mehr bekannt. Aufruf in der Roten Fahne 19

22 Fritz, der jüngste Sohn, war zu diesem Zeitpunkt erst 16 Jahre alt. Wie meine Großmutter Elise es schaffte, sich und die noch bei ihr lebenden Kinder zu ernähren, ist leider nicht überliefert. Soweit ich weiß, unterstützten unsere Eltern sie öfter. Daher kam es zwischen Felix und Helene immer wieder zu kleinen Streitereien wegen der jüngeren Brüder, die endlich arbeiten sollten, was wegen der Arbeitsmarktlage und weil sie auch keine Ausbildung genossen hatten, schwierig war. Großmutter Elise die einzige meiner großelterlichen Vorfahren, die ich selbst kennenlernen konnte habe ich als eine liebe, nette Frau in Erinnerung. Sie starb 1942 an Wassersucht. Unser Vater musste schon in ganz jungen Jahren Geld verdienen und konnte daher nicht in die Lehre gehen. Wo er nach seinem Schulabschluss im September 1915 zu arbeiten begann, ist nicht bekannt, für die Zeit danach gibt sein Arbeitsbuch, das erhalten blieb, teilweise Auskunft: Von 1920 bis 1925, die Arbeitslosigkeit stieg an von rund auf rund Arbeitslose, war er bei den Riebe-Werken in Weißensee, einer Kugellager- und Werkzeugfabrik, als Arbeiter angestellt. In der Hoch-Zeit von 1926 mit rund 2 Millionen bis Anfang 1927 mit rund Arbeitslosen war er vermutlich auch arbeitslos. Im März 1927 fand er eine Stelle in den Siemenswerken, später Bayerische Motorenwerke, wo er bis Mai 1945 arbeitete, zunächst als Packer, später als Vorarbeiter und schließlich als Packmeister. Zu seiner Zeit als Vorarbeiter verschaffte Felix auch Onkel Walter, einem Bruder unserer Mutter, eine Stelle als Packer bei Siemens. Mit vielen Überstunden verdiente unser Vater brutto ungefähr 120 bis 125 Reichsmark im Monat. Die Miete der Wohnung, nur etwa 30 m 2 groß, betrug ungefähr 20 Reichsmark im Monat. Erst 1943, als er Vorarbeiter und schließlich Meister wurde, erhielt er etwas mehr Lohn. Als er seine Meisterprüfung machen musste, konnten mein Bruder und ich ihm mit unserem spärlichen Wissen bei einigen Aufgaben helfen. Ende 1944 kam er auf 160 Reichsmark im Monat. Zahltag war donnerstags, an diesem Tag kam unser Vater immer etwas früher nach Hause. Am Freitag ging unsere Mutter auch gleich mit uns einkaufen. Beim Fleischer in der Heinersdorfer Straße Ecke Langhansstraße bekamen wir oft eine Scheibe Wurst auf die Hand. Manchmal gingen wir auch auf den Markt an der Spitze, Zusammen- 20

23 schluss von Heinersdorfer Straße, Prenzlauer Promenade, Langhansstraße und Prenzlauer Allee. Als wir größer waren, besuchten wir auch den Markt auf dem Pistoriusplatz. Dort war auch einmal eine Aufführung von Artisten. Die Woche über kochte Mutter einfache Gerichte, Erbsen- oder Linseneintopf, bereitete Königsberger Klopse oder Kartoffelpuffer. Beim Fleischer kaufte sie ein für den Sonntag, an dem es stets ein»festessen«gab. Mutti überließ uns oft noch ihre Fleischportion mit den Worten:»Ihr Kinder müsst doch groß und stark werden!«vati trank sonntags zum Essen hin und wieder ein Glas Bier aus einem kleinen Siphon, den er in der Kneipe im Hause, bei Herrn Wittig, hatte füllen lassen. Sonnabends arbeitete mein Vater auch, es gab ja die 48-Stunden- Woche. An diesem Tag kam er aber schon nachmittags spätestens um drei Uhr nach Hause. Oft brachte er von Siemens Holz mit, das er nach dem Essen zerkleinerte. Dafür stand im hinteren Teil des Hofes ein Stück Baumstamm als Hackklotz. Anschließend verstaute er die Holzscheite im Keller. Einmal brachte er uns Kindern von Siemens sogar einen offenen Waggon mit, ein fast ein Meter langes Messemodell, das nicht mehr benötigt wurde. Nur richtig spielen konnten wir damit nicht, weil die Wohnung zu klein war. Wir verschenkten es dann. Unser Vater machte alles gern, seine kleine Familie sollte sich wohlfühlen. Mein Vater war sowieso sehr ausgeglichen und ließ im Gegensatz zu meiner Mutter vieles durchgehen. Nur wenn wir Kinder zu übermütig oder frech wurden hat er uns gemaßregelt. Obwohl ihm nach der Arbeit kaum noch Freizeit blieb, las Papa gern Bücher über andere Länder; er interessierte sich auch für die großen Entdeckungen unserer Erde. Er sammelte deutsche Briefmarken und besaß schließlich eine fast vollständige Sammlung des Deutschen Reiches von 1830 bis Mitte 1945, nach der Kapitulation, als die Familie dringend Geld benötigte, verkaufte er seine Sammlung. Mit seinen doppelten Briefmarken fing ich später ebenfalls an zu sammeln. Eine Zeit lang spielte Papa Fußball beim FC Weißensee 1900 und bei der Mannschaft der GASAG in der Wuhlheide. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verlegte die 21

24 Firma Siemens ihre Produktion nach München. Die Bayerischen Motoren Werke hatten 1939, kurz vor Ausbruch des Krieges, die Brandenburgischen Motorenwerke von Siemens übernommen und das Werk Spandau als BMW Flugmotorenwerke Brandenburg GmbH in die BMW AG eingegliedert. Obwohl er seit mehr als 18 Jahren bei Siemens arbeitete, entschloss sich unser Vater, aus Heimatverbundenheit in Weißensee zu bleiben, und kündigte. Von da an verdiente er sein Geld mit verschiedenen Tätigkeiten. Unsere Mutter Helene war eine fürsorgliche, liebevolle, aber auch hin und wieder strenge Mama und ich hing sehr an ihr. Ich war ein ausgesprochenes Muttersöhnchen. Für ihre Kinder tat sie alles. Als Walter und ich anfingen, uns für Trapper und Indianer zu interessieren, nähte sie uns die passenden Hosen aus Säcken dazu und die mussten natürlich Fransen haben. Woher sollte sie welche nehmen? Ohne lange zu überlegen, trennte sie die Fransenborte ab, die den Lampenschirm im Schlafzimmer zierte und wir bekamen die beste Indianerkleidung, die man sich vorstellen kann. Obwohl der Vater unserer Mutter selbstständiger Handwerker gewesen war, konnte auch sie nur die Volksschule besuchen und keine Lehre machen. Doch sie versuchte immer zu arbeiten, um die Haushaltskasse aufzubessern, was angesichts der hohen Arbeitslosigkeit schwierig war. Auch wurde es zur Zeit des Dritten Reiches nicht gern gesehen, wenn beide Elternteile arbeiteten; man sprach dann abfällig von den»doppelverdienern«. Etwas Ungewöhnliches zeichnete unsere Mutter aus: Sie war sportlich und eine sehr gute Schwimmerin. In ihrer Jugend sollte sie, wie sie uns erzählte, einmal mit nach England zu Wettkämpfen. Daraus wurde aber leider nichts. Als Walter und ich noch klein waren, gingen wir im Sommer oft mit unserer Mutter zum Orankesee. Dort war ein schöner Sandstrand. Als wir Schulkinder waren, gingen wir dann mit ihr oder alleine im Sommer bei schönem Wetter in die Badeanstalt am Weißenseer See, wo wir auch schwimmen lernten. Dort sprang ich später oft mit unserer Mutter zuerst vom Ein-Meter-Sprungbrett, später vom Fünf-Meter-Brett. Von ihr lernte ich auch den Kopfsprung. Mutter verblüffte die anderen Badegäste, 22

25 Unsere Eltern wenn sie, ohne mit der Wimper zu zucken, auch noch vom Zehn-Meter- Brett sprang. Dafür reichte mein Mut leider nicht. Mutter war immer guter Dinge; sie versuchte, aus jeder Situation das Beste zu machen. Doch etwas störte mich an ihr: Sie rauchte leidenschaftlich gern. Schon als Junge schwor ich mir, niemals eine brennende Zigarette in den Mund zu nehmen. Als ich später aus russischer Gefangenschaft kam, schloss ich mit jedem, der sich darauf einließ, eine Wette ab: Wer mich dazu bringt, eine Zigarette zu rauchen, bekommt von mir 100 Mark inklusive Zinsen. Geschafft hat das niemand, bis heute nicht. Unsere Mutter liebte schönes Geschirr. Bei Kepa, einem Kaufhaus am Prenzlauer Bahnhof in der Prenzlauer Allee, das früher Epa hieß und einem Juden gehört hatte, gab es manchmal Sammeltassen, Tasse, Untertasse und Kuchenteller für ein bis zwei Reichsmark. Hin und wieder kaufte Mutter sich eine. Für ein großes, schönes Kaffeeservice hätte das Geld ohnehin nie gereicht. So furchtlos unsere Mutter sonst war vor dem Zahnarzt hatte sie große Angst. Einmal wurde sie von starken Zahnschmerzen geplagt. Ich 23

26 begleitete Mutter zu unserem Zahnarzt, der seine Praxis in der Heinersdorfer Straße direkt an der Spitze, dem Ende der Straße hatte. Im Warteraum bekam sie die Panik und rannte davon. Ich raste hinterher, holte sie auf der Straße ein und schimpfte:»nie wieder gehe ich mit dir zum Zahnarzt!«. Es war mir einfach peinlich. Als sie mir versprach, nicht wieder wegzulaufen, gingen wir zurück. Allerdings wollte sie lieber allein ins Wartezimmer gehen und konnte so endlich von ihren Schmerzen befreit werden. Wenn wir Besuch bekamen oder andere besuchten, machte unsere Mutter sich fein. Für den Friseur hätte das Geld nicht gereicht, also legte sie mithilfe einer speziellen Zange, Brennschere genannt, ihr Haar selbst in Wellen. Die Brennschere bestand aus einem runden Teil und einem klappbaren halbrunden Teil, der sich darüber legte. Sie wurde in der Gasflamme erhitzt; mit einem Stück Zeitungspapier prüfte Mutter, ob die Zange heiß genug war. Dann nahm sie Haarsträhne um Haarsträhne, klemmte sie zwischen die Zange und drückte zu. Es roch zwar immer etwas nach verbranntem Haar, aber immerhin wellte es sich ganz so, wie man es in den Dreißigerjahren trug. Nur einmal passierte es, dass die Zange zu heiß war und Mutter sich einen Teil der Haare verbrannte. Ein einziges Mal, ich war zwei oder drei Jahre alt, machte meine Mutter mit mir eine Dampferfahrt, von der es auch ein Foto gibt. Ich erinnere mich noch genau, wie gut mir eine»schöne«frau mit kunstvoll frisiertem Haar gefiel, die nicht so»einfach gekleidet«wie meine Mutter aussah und oft lachte. Trotzdem war mir meine Mutter lieber. Böse Kindergedanken. Sicher musste diese Frau auch nicht so viel arbeiten wie unsere Mutter. Nähte sie anfangs, als mein Bruder und ich klein waren, noch zu Hause Hemden, arbeitete sie in den Dreißigerjahren als Putzfrau auf dem Bau. In der Ostseestraße wurden gerade Neubauten errichtet, so hatte sie es nicht weit zur Arbeit. Oft brachte sie Bauholz mit nach Hause, das im Ofen landete und so sparen half, denn Brennmaterial war teuer. Als die Bauten fertig waren, arbeitete Mutter des Öfteren bei Hanka, einer Fleischwarenfabrik, in der Heinersdorfer Straße Ecke Brauhausstraße. Von dort brachte sie zuweilen Därme mit, denen manchmal noch Fett anhaftete. Das wurde ausgekocht und zum Beispiel für einen Eintopf verwendet. Auch Euterstücke von Kühen brachte sie mit; gebraten 24

27 schmeckten sie wie Schnitzel. Wir größeren Kinder gingen manchmal in die Brauhausstraße, wo vergitterte Lüftungen, circa 15/15 cm waren, und guckten, wie die Kühe geschlachtet und verarbeitet wurden. Es sah grausam aus. Einmal aß Onkel Erich, ihr Bruder, bei uns zu Mittag. Mutter briet die»schnitzel«, auch Onkel Erich bekam eins und biss herzhaft hinein. Onkel Erich mit beiden Brüdern Es schien ihm gut zu schmecken bis eines von uns Kindern fragte:»onkel Erich, weißt du, was du isst?«als er sagte:»ja, Schnitzel«, sagten wir:»nee, gebratene Euter als Schnitzel.«Angeekelt schob er dann seinen Teller beiseite arbeitete unsere Mutter eine Zeit lang als Schreibkraft in der polizeilichen Meldestelle in Weißensee. Diese wurde von einem ehemaligen SS-Offizier geleitet, der im Herbst 1939 am Polen-Feldzug teilgenommen hatte und offenbar freimütig darüber berichtete. Auf diese Weise erfuhr sie, anders als die meisten, von schlimmen Dingen. Eines Tages erzählte Mutter Felix, was sie alles gehört hatte, vom Einmarsch in Polen 25

28 usw. Da wir mithörten, waren wir alle sehr schockiert, doch es war gut, dass sie uns mit der Wahrheit konfrontiert hatte. Nie waren unsere Eltern zusammen in Urlaub. Was sie machten, wenn Papa von der Firma Urlaub bekam, weiß ich nicht. In meiner Erinnerung vergingen die Tage so wie sonst. Uns Kinder ermahnte unser Vater immer wieder, nicht in eine Fabrik zu gehen, so wie er. Als er Meister geworden war, erhielt er einmal von der Firma Siemens als Prämie einen kostenlosen Erholungsurlaub in Österreich. Immer waren unsere Eltern für uns Kinder da und versuchten, ihr Wissen an uns weiterzugeben. Das war nicht viel, denn beide waren einfache Arbeiterkinder, aber es prägte uns.»unsere Eltern waren schon eine Wucht.«Unsere Wohnverhältnisse Das Leben in den Jahren zwischen 1930 und 1940 war nach heutigen Vorstellungen trostlos. Für uns, die wir nichts anderes kannten, jedoch nicht immer schön, aber abwechslungsreich. In unserem Wohn-Schlaf-Zimmer bestand die vorhandene Schlafzimmereinrichtung für eine Familie von vier Personen aus zwei Betten, später einem Sofa und einem runden Tisch. Den Tisch hatte unser Vater bei der Firma Siemens zugeschnitten und dann zu Hause zusammengebaut. Später durch eine Kommode ersetzt, die durch Flaksplitter stark beschädigt wurde, einem Kleiderschrank und drei Stühlen, später noch zwei alte Sessel, die unsere Mutter von der russischen Kommandantur, bei der sie sauber machte, bekommen hatte. Die Beleuchtung im Schlafzimmer bestand aus einer Gaslampe mit Schirm und roten Fransen, die an der Decke befestigt war, und einer Petroleumlampe als Tischlampe. In der Küche war genauso eine Deckenlampe, nur ohne Schirm, dafür mit einer Glaskuppel. Die Fransen vom Schirm im Wohnzimmer spielen später noch eine wichtige Rolle bei unseren Indianerhosen. Als Heizung hatten wir einen Kachelofen im Schlafzimmer, einen Kachelherd in der Küche und einen 2-Flammen-Gasherd, der an der Wand zum Flur auf dem Herd stand und mit einem Gummischlauch mit 26

29 dem Gashahn verbunden war. Wie riskant so ein Gummischlauch war, merkten wir einmal, als der Schlauch anfing zu brennen. Es passierte aber nichts. Geheizt wurde mit Briketts, Eierkohlen und Holz, die in unserem Kellerabteil (getrennt durch Holzlatten von anderen Kellern) gelagert wurden. Es war für Vater und Mutter eine Schinderei, das Heizmaterial = 3 Treppen heraufholen zu müssen. Rückseite des Gebäudes Der»Kühlschrank«war an der Außenseite der Küche zum Hof hin. Unter dem Fenster war die Wand, achtunddreißig Zentimeter Vollziegel, mit einer Öffnung, circa cm, vergittert. Papa baute unten vor die Brüstung einen kleinen Holzschrank mit zwei Türen, ohne Wärmeisolierung, da man die noch nicht kannte. Die Oberkante war so, dass man den Fensterflügel noch öffnen konnte. Wegen der nicht wärmegedämmten Außenwand war frische Luft immer vorhanden. In den Schrank kamen die Butter und andere Esswaren hinein. Die Esswaren hielten sich natürlich nicht so lange wie heute in einem Kühlschrank, aber wenigstens ein bis zwei Tage. Es gab natürlich reichere Familien, die einen Kühlkasten, mit Blech ausgeschlagenen Holzkasten, hatten. Die 27

30 konnten es sich leisten, bei»bolle«, auf den ich noch zurückkomme, Eis von der Stange für 20 oder 50 Reichspfennig zu kaufen. In der Küche war ein einfaches Ausgussbecken mit einem Wasserhahn für kaltes Wasser, wo wir Wasser abzapften usw. Gewaschen wurde am Wasserhahn oder wenn der ganze Körper dran war, wurde warmes und kaltes Wasser in eine Schüssel circa 40 cm Durchmesser, gegossen, die auf einem Stuhl stand. Als kleine Kinder wurden die»geschäfte«auf dem Nachttopf verrichtet, der dann morgens in der Toilette entleert wurde. Die Toilette befand sich eine halbe Treppe tiefer. Dadurch ergab sich in der Küche an einer Ecke eine Platte, die circa 80 cm hoch, 1 m 1,50 m, in den Raum hineinragte, damit beim WC eine Mindesthöhe vorhanden war. Im Winter war es nicht nur auf der Treppe kalt und es roch, sondern auch im WC, da es ein kleines Fenster hatte und wegen des Betriebes durch vier Familien, circa 10 Personen, ständig belüftet werden musste. Die Wände und Decken der Wohnung und die Deckenplatte zu uns hin waren natürlich nicht wärmegedämmt. Fernsehen gab es noch nicht. Aber später im Kriege, bevor wir uns einen Volksempfänger leisten konnten, besorgte unser Vater einen Detektor, sodass man mithilfe eines Kopfhörers Musik und später vor allen Dingen die fremden Nachrichten und Flugwarnmeldungen hören konnte. Vom Hof sah die Rückseite des Vordergebäudes so aus, wie in der Zeichnung dargestellt. Das Fenster im zweiten Geschoss in der Mitte war unser Küchenfenster, links der Seitenflügel und rechts die Marzipanfabrik. Die erste vertikale Fensterreihe waren die Fenster des Treppenhauses. Und daneben, in der Mitte, unten das Hofeingangstor. Bei einem Besuch im Hof im Jahr 2003 gab es die Marzipanfabrik nicht mehr, sie war abgerissen worden, auch die Pumpe war weg. Unser Alltag Wir wurden nicht abgelenkt durch Radio oder Fernsehen, sondern mussten unsere Köpfe anstrengen, was und wie wir spielen wollten. Wir wohnten zwar an einer Ausfallstraße nach Heinersdorf in Richtung Buch, aber es war kaum Verkehr auf der Straße. Wenn an einem Tag mal 28

31 zwei oder drei Autos vorbeikamen, war das viel. Eine Firma, die Autos herstellte, veranstaltete damals ein Preisausschreiben, wer eine Liste mit hundert Stück Autokennzeichen einschickt, erhält ein schönes Album mit Fotos von Autos und dazugehöriger Beschreibung. Das Addieren von hundert Autokennzeichen hat ganz schön lange gedauert Der meiste Verkehr war der von Pferdefuhrwerken mit ein oder zwei Pferden. Die interessantesten Unterbrecher der Eintönigkeit waren der Kohlenhändler aus dem Haus, der in der Pistoriusstraße ein Lager hatte, der Kartoffelhändler, der sein Haus und Geschäft links neben uns hatte, und die Firma Bolle. Die Firma»Bolle«hatte ihren Firmensitz nicht in unserer Straße. Sie kamen alle zwei bis drei Tage mit einem Pferdefuhrwerk, zwei Pferden und einem Kutscher vorbei und brachten Stangeneis und Milchartikel. Wir Kinder sangen manchmal:»bolle, bimbim, die Milch ist dünn, der Käse ist dick, Bolle ist verrückt«, aber nicht oft, denn die Lenker der Pferdefuhrwerke waren zwar korpulente Leute, konnten aber auch sehr schnell rennen. Manchmal kam ein Clown auf seinem bunten Fahrrad vorbei. Wenn da mehrere Leute standen oder einige Kinder, machte er seine Späße und zeigte einige Kunststücke auf dem Fahrrad. Als Letztes wackelte er mit seinem Kopf in eine Richtung und sein Hutoberteil ging an einer Seite hoch. Es war immer lustig für uns Kinder. Zu Weihnachten hatten wir immer einen Weihnachtsbaum, circa 1 m hoch, der auf den runden Tisch im Schlafzimmer gestellt wurde. Zu einem größeren Baum mit Behang reichte das Geld nicht. Wir mussten Heiligabend bis 18 Uhr warten, die Eltern machten den Baum hübsch und legten die Geschenke aus, dann durften wir ins Schlafzimmer und sangen ein Weihnachtslied. Es war schön. Meistens war der Onkel Erich dabei, manchmal auch seine anderen Brüder. Einmal bekam ich einen Stabilbaukasten, aus dem die Eltern schon ein Flugzeug gebastelt hatten. Es hing an einem Stück Schnur an der Decke und flog immer im Kreis herum. Ich wollte, dass es richtig fliegt, aber die Eltern erklärten mir, dass es nicht fliegen kann. Später, als der runde Tisch weg war, stand der Weihnachtsbaum in der Küche auf dem Tisch. Als ich so vier Jahre alt war, kauften meine Eltern einen kleinen 29

32 Fotoapparat für circa 1 RM bei KEPA, Marke unbekannt. Es wurde aber nur ein Bild gemacht von mir und meinem Bruder im Hinterhof, circa 2 x 2 cm. Da weitere Bilder und Filme zu teuer wurden, blieb es bei dem einen Bild. Als ich ungefähr fünf bis sechs Jahre alt war, sah ich bei anderen älteren Kindern Papierflieger. Ich fragte meinen Onkel Erich, ob er mir zeigen kann, wie so etwas gemacht wird. Als er Nein sagte, sagte ich zu ihm:»wenn du mir nicht so einen Flieger machst, bist du nicht mehr mein Onkel.«Er schaffte es und damit war der Frieden wieder hergestellt. Den Papierflieger mit Schwanz ergänzte ich dann mit zwei Propellern aus Papier, die mit zwei Stecknadeln befestigt wurden. Später klebte ich dann aus Schnittbogen einfache Flieger, zum Beispiel den»stuka«, das deutsche Sturzkampfflugzeug, und als ich älter wurde, bastelte ich richtige Flieger mit dünnen Holzleisten und darüber gespanntem weißem Papier, die fliegen konnten. Wir lernten auch alle möglichen Figuren mit Schnurstücken zu machen. Als wir größer waren, gingen die Kinder zum Beispiel zu dem Altwarenhändler und stöberten dort herum oder gingen zum Holz- und Kohlenhändler und stöberten dort herum oder spielten Indianer und Trapper. Als die Gasbeleuchtung auf elektrische Beleuchtung umgestellt wurde, trennte unsere Mutter die Fransen der Zimmerlampe ab und nähte sie an unsere Indianerhosen. Das sah wuchtig aus. Bei dem Altwarenhändler fanden wir im Krieg dann Degen von Offizieren, das war prima. In den letzten anderthalb Kriegsjahren sammelten wir auch Eisenteile. Speziell bekamen wir sie von der Firma, wo Onkel Erich dienstverpflichtet war, einem stahlverarbeitenden Betrieb am Rande von Weißensee. Hierfür bekamen wir nicht nur einige Pfennige, sondern auch eine Urkunde. Mit den Degen versuchten wir auch zu fechten, was aber nicht besonders gelang, denn sie waren zu schwer für uns Kinder. Sonst waren die Straßen im Sommer wie im Winter leer. Da die Straßen so leer waren, konnten wir dort auch spielen, Roller und Rollschuh fahren und im Winter sogar Schlittschuh laufen, da auf der Straße nicht gestreut wurde. Die Straße war oft so voll Eis, dass dies möglich war. Natürlich spielten wir auch Hopsen auf dem Bürgersteig in allen möglichen Variationen, Autorennen mit kleinen Rennwagen auf der Bürgersteigkante 30

33 (15 cm breit), wo man die kleinen Rennwagen, ich hatte einen Silberpfeil für eine Reichsmark, mit dem Daumen vorschießen musste. Als wir größer waren, gingen wir auch zum Weißenseer See im Winter Schlittschuh laufen, später am Hang rutschen und im Sommer schwimmen in der dortigen Badeanstalt. Einen Kinderspielplatz gab es nirgendwo. Gespielt wurde deshalb bei uns nur auf den Straßen. Die Sportanlage in der Buschallee und die Rennbahn waren sehr weit entfernt, sodass wir dort nicht hingehen konnten. Zur 750-Jahr-Feier von Weißensee 1937 wollten wir Brüder gerne hin. Die Veranstaltung war auf der Pferderennbahn Weißensee. Unser Papa wollte das nicht, weil kein Geld da war. Ich versuchte bei dem Kartoffelhändler Beets beim Abladen der Kartoffelsäcke von den Pferdefuhrwerken zu helfen. Ich war ein Knirps von acht Jahren und durfte die Säcke mit Kartoffeln, circa 1 bis 1 ½ Zentner, auf dem Pferdewagen halten, wenn sie hingestellt worden waren. Die standen sowieso alleine. Der Herr Kurt Beets (junior) fragte dann, was ich dafür haben möchte, und ich erbat eine Eintrittskarte im Wert von 50 Reichspfennig. Als ich diese meinem Vater zeigte, kaufte der bei dem Kartoffelhändler Beets auch die anderen Karten für die Familie, 1,50 Reichsmark und alle gingen hin. Es war für uns Kinder ein großes Erlebnis. Als ich circa acht Jahre alt war, hörte ich ein Gespräch der Eltern mit den Brüdern meiner Mutter, bei dem es darum ging, ob der eine Bruder, er hatte einen Klumpfuß und war auf einem Auge fast blind, wegen der»neuen Rassengesetze«in das KZ Dachau müsste. Das Gespräch fand in der Küche statt, alle Türen waren geschlossen, sodass ein Lauscher im Treppenhaus nichts hören konnte, höchstens im Flur. Es war trotzdem riskant. Der Onkel war wie der Großvater mütterlicherseits Mitglied der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands), während sein jüngster Sohn es im Reichsarbeitsdienst bis zum Oberstfeldmeister brachte. Mein Vater war nur in der SPD. Der Großvater hatte sich 1926 das Leben genommen, da er in einer ausweglosen wirtschaftlichen Situation gewesen war. Ich erfuhr etwas, was ganz anders war, als ich bisher offiziell gehört hatte, und machte mir meine Gedanken. 31

34 Unser Elternhaus Wir hatten liebe Eltern, die für ihre Kinder sehr sorgten. Sofern es möglich war, wurden Wünsche erfüllt. Aber es war selten, da die finanziellen Mittel nicht ausreichten und wir keine Wünsche hatten, wir wussten um die Probleme der Eltern. Da das Geld selten reichte, arbeitete die Mutter schon mit, als wir Kinder noch klein waren, sie nähte zu Hause für Firmen Hemden. Wenn wir dann auf dem Hof spielten und Hunger hatten, riefen wir:»mutta, schmeiß mal ne Stulle runter.«unsere Mutter wickelte die Stullen in Papier und warf sie aus dem Küchenfenster. Da das Geld knapp war, strickte unsere Oma, die im Seitenflügel wohnte, für uns Wollstrümpfe, zwei rechts, zwei links. Wenn die dann Löcher hatten, wurden diese gestopft wie andere Löcher in den Hosen oder Jacken auch. Wir mussten immer sauber, unter Umständen mit gestopften Löchern, angezogen sein. Ein anderes Mal, die Oma hatte Geburtstag und mein Bruder und ich schenkten ihr auch zwei kleine, schöne Blumengläser, circa 6 7cm hoch. Wir gratulierten und übergaben unsere Geschenke. Da sagt doch mein Bruder:»Oma, weißt du, was die gekostet haben, 0,60 Reichsmark.«Wir schämten uns und schimpften ihn aus. Wenn wir Besuch von Verwandten, zum Beispiel Tante Lotte mit ihrer Tochter Mauschen, meiner Cousine, bekamen, ihr Mann war Ableser bei der Gasag und verdiente so viel, dass sie auch mal verreisen konnten, schenkte sie uns oft eine Tafel Schokolade oder 5 10 Reichspfennig. Das Geld wurde meistens am nächsten Tag umgesetzt in Bärchen, eins kostete 1 Reichspfennig, im Lebensmittelladen in unserer Straße. Als ich circa acht Jahre war, bekam ich ein Luftgewehr geschenkt. Bei diesem musste vorn ein Teil herausgeschraubt werden, in diesen Teil des Laufes wurde der gefiederte Pfeil eingesetzt, vorne auf den Lauf wieder aufgesetzt und dann konnte auf eine Zielscheibe geschossen werden. Die Tür im Schlafzimmer, wo die Zielscheibe befestigt war, sah in diesem Bereich nachher nicht besonders gut aus. Mit zehn Jahren kaufte mir meine Mutter Rollschuhe, lenkbar, für 15 RM, unlenkbare hätten nur 10 RM gekostet, aber die wollte ich nicht haben. Dafür musste ich natürlich mein geringes gespartes Geld zugeben. 32

35 Als ich circa zwölf Jahre alt war, erhielt ich das Fahrrad vom Sohn unserer Hauswirtin, das die Eltern ihm für 20 RM abgekauft hatten. Es war ein modernes Rad mit Freilauf und zwei gebogenen Handbremsen. Einmal kam ich vom Baden im Weißenseer See, fuhr um die Kirche am Mirbachplatz herum, auf dem dortigen Stuckerpflaster, und stürzte beim Einbiegen in die Pistoriusstraße. Ein Pedal war abgebrochen. Eine der gebogenen Handbremsen bohrte sich in meinen Arm, oberhalb des Unterarms, dicht neben der Schlagader. Statt sofort zum Krankenhaus zu gehen, circa 100 m entfernt, rannte ich nach Hause zur Mutter, circa 400 m, und ging dann mit ihr den gleichen Weg zurück zum Krankenhaus. Es war Gott sei Dank sonst nichts passiert. Die Wunde wurde desinfiziert und genäht. Ein Jahr später kaufte ich mir einen Tesching, Handpistole, nicht durchbohrt. Man konnte damit also nur Lärm machen. Einmal ging ich vor der Schule zum Eisenhändler am Antonplatz und kaufte mir Platzpatronen, 1 Reichspfennig pro Stück. Auf dem Wege zur Schule, nur zwei Querstraßen entfernt, wollte ich den Tesching laden. Man musste die Platzpatrone in den hinteren Teil des Laufes stecken, mit dem Verschluss, der davor an einer Schraube befestigt war, die Öffnung schließen und konnte dann abdrücken. Nur, ich hatte vorher die Schraube, weil sie lose war, festgezogen. Als ich den Tesching in der Hand hatte, dachte ich nicht mehr daran, versuchte den Verschluss zu schließen, kam an den Abzug und der Schuss ging los. Da ich mit meiner linken Hand den Lauf festhielt, ging der Schuss genau zwischen dem Kleinen- und dem Ringfinger rein. Es schmerzte nicht, blutete und alles war schwarz vom Pulver. Statt auch hier sofort zum Krankenhaus zu gehen, circa 300 m, rannte ich nach Hause und ging mit meiner Mutter ins Krankenhaus. Der Arzt besah sich die Wunde und sagte:»du bist ja im Jungvolk, wenn du so etwas kannst, dann merkst du ja die Schmerzen nicht, also brauchst du auch keine schmerzstillende Spritze.«Er nahm sein Skalpell, verarbeitete die Wunde und nähte sie. Von mir hörte er keinen Laut. Die Eltern brachten uns alles bei, was ihrer Meinung nach wichtig war, wie sauber angezogen sein, keine Löcher in der Kleidung haben, Höflichkeit, das heißt aufstehen in der Straßenbahn, wenn ältere Menschen 33

36 kommen,»danke«und»bitte«sagen, auf das Wort der Eltern hören, nicht dazwischenreden, keine Grimassen ziehen usw. Schule Im Sommerhalbjahr 1935 wurde ich eingeschult. Wie bei armen Leuten fast üblich mit einem Marineanzug. Mein Lehrer war sehr gut. Leider musste ich ins Krankenhaus, sodass ich nur teilweise am Unterricht teilnehmen konnte. Auf meinem Zeugnis steht auch deshalb:»nicht ausgefüllt, weil Fritz P. im Krankenhaus«. Wie er mich aber im Betragen:»Sehr gut«und Aufmerksamkeit:»Gut«beurteilen konnte, war mir im Nachhinein nicht klar. Erster Schultag Ich wurde mit der Zeit so gut, dass der Lehrer meinen Eltern sagte, dass er mich zum Gymnasium schicken wollte. Leider wurde er vorher eingezogen. Die Lehrer und Lehrerinnen hatten wir zum Teil nur kurze Zeit. Manchmal nur kurze Zeit, da die Männer dann meistens eingezogen wurden. Die Klasse hatte drei Doppelbankreihen. In der Bankreihe am Fenster oben, saßen die besseren Schüler und in der Bankreihe unten an der Tür die schlechteren. 34

37 Erste Klasse in der 4. Volksschule (46 Kinder ) In der Schule saß ich bald in einer der oberen Reihen am Fenster. Wer hinter mir saß, der konnte meinen weißen Fleck in den Haaren am Hinterkopf sehen. Man hänselte mich einige Zeit mit»mucki«(kaninchen). Als es mir zu viel wurde, klärte ich es. Der am meisten hänselte, war der dicke Fritz. Da er körperlich mächtiger war als ich, versuchte ich es nicht mit Boxen, sondern mit Ringen, da war ich wendiger, und alles war klar. Von da an waren wir gute Freunde. Wenn wir Pause hatten, mussten wir im Mädchen-Schulhof jeweils zu zweien im Kreis herumgehen, der aufsichtführende Lehrer stand in der Mitte. Der Hof wurde gebildet an der Straßenseite durch einen hohen Stahlzaun mit Zugang zum Gelände des vorderen Gebäudeteiles, an der linken und oberen Seite durch die weiteren Schulgebäude und an der rechten Seite durch die katholische Kirche. An der oberen Seite konnte man zwischen Schulgebäude und Kirche noch bequem in den hinteren Jungenschulhof gehen. Dieser Bereich war in den ersten Schuljahren die kleine»sportstätte«, wo wir Laufen, Springen und Weitwerfen übten. Als wir in der vorletzten Klasse waren, durften wir auch hin und wieder den Lehrer im Pausenhof vertreten. 35

38 Links: Schule und Kirche Es war in der 1. oder 2. Klasse bei unserem ersten Klassenlehrer. Irgendwann hatte er gesagt, dass an einem bestimmten Tag das Sportfest im Weißenseer Stadion ist. Ich ging also an diesem Tag zum Sportfest ins Stadion und wunderte mich, dass es so leer war. Da es für mich das erste Mal war, wusste ich nicht, ob es immer so leer ist. Mit der Zeit trafen noch einige Schüler meiner und anderer Klassen ein. Ich erinnere mich nur noch an Werner Heilig. Wir trainierten Springen, Laufen und Schlagballwerfen. Mit der Zeit ging uns ein Licht auf, dass es der falsche Tag ist. Dann gingen wir nach Hause und wussten nicht, wie wir unserem Lehrer das Fehlen in der Schule erklären sollten. Am nächsten Tag fragte der Lehrer, warum wir gefehlt hätten. Wir erzählten ihm unsere Geschichte. Ob er uns geschlagen hat, weiß ich nicht mehr, vielleicht hat er innerlich gelacht, sagte uns aber nochmals den richtigen Termin des Sportfestes. Die restliche Klasse lachte natürlich über uns. Von da an hatten wir jedes Jahr ein Sportfest, wo ich dann immer eine Medaille erhielt. Ihre Autorität erlangten die Lehrer nicht nur durch ihre Art wie unser Klassenlehrer, der auch manchmal streng wurde, sondern einige vorwie- 36

39 gend durch Züchtigung, wie mit der Hand ins Gesicht schlagen oder bei größeren Verstößen mit dem Rohrstock auf die ausgestreckte offene Handfläche bzw. auf den Po, indem man sich auf die vorderste Bank legen musste, die Beine auf der Erde. Wir hatten Musikunterricht bei einem etwas korpulenten Lehrer in der Klasse. Jemand hinter mir sang einmal einen falschen Ton. Der Lehrer nahm an, dass ich es war, obwohl ich das Gegenteil beteuerte. Wutentbrannt kam er auf mich zu und knallte mir eine. Dann musste ich diesen Ton vorsingen, dabei steckte er mir seine Faust in den Mund, damit ich diesen richtig öffne. Der Ton war richtig und ich sagte ihm nochmals, dass nicht ich den falschen Ton gesungen hätte und, dass er mich zu Unrecht geschlagen habe. Er entschuldigte sich nicht, sondern sagte nur:»na ja, dann hast du es eben einmal gut.«wir hatten auch hin und wieder Musikunterricht in der Aula. Als der Lehrer noch nicht da war, ging ein Schüler aufs Podium, nahm den dort stehenden Rohrstock und strich durch eine mit einem Loch versehene Zwiebel, in der Annahme, dass er beim Schlagen entzweigeht. Der Lehrer merkte es, als er kam, erkannte den Sünder und der bekam was wohl, nur der Rohrstock zerbrach nicht. In der 6. oder 7. Klasse hatten wir eine junge, hübsche Aushilfslehrerin. Ich zeichnete gerne und hatte mir ein Buch zum Erlernen des Karikaturenzeichnens gekauft. In einer Stunde bei ihr skizzierte ich sie und merkte gar nicht, wie sie zu mir kam. Sie fragte mich, was ich tue, sah die Skizze auf meinem Heft, nahm mir das Heft weg, sah sich die Skizze an, knallte mir eine und nahm das Heft mit. Ich bekam es nicht wieder, die Skizze muss also gut gewesen sein. Mich schmerzte nicht die»ohrfeige«, sondern mein Heft mit der ersten Skizze. Bei der Religionslehrerin mussten wir immer sehr brav sitzen, das heißt beide Hände flach auf den Tisch, Finger nebeneinander, die Daumen nach unten, als wenn man sich am Tisch festhält. Für die Lehrerin war es einfach. Wer dazu Anlass gab, bekam einfach eins mit dem Rohrstock oder Zeigestock auf die schön aufgereihten Finger. Als ich zehn Jahre alt war, 1939, wollte ich zum Gymnasium. Der erste Klassenlehrer war schon seit 1937 eingezogen beim Militär. Meine Eltern hatten aber nicht so viel Geld übrig, dass sie das Schulgeld hätten 37

40 bezahlen können. Es waren für die Mittelschule 10,00 RM je Monat und für das Gymnasium 20,00 RM je Monat erforderlich. Das war bei einem Monatsverdienst von brutto 125 bis 130 RM sehr viel. Zwei Jahre später, 1941, verdiente mein Vater mehr. Ich sollte zum Gymnasium. Meine Mutter ging mit mir eines Tages zum Gymnasium am Schwanenteich. Der Rektor empfing uns und meine Mutter erklärte den Grund unseres Besuches. Der Rektor hörte es sich an und sagte dann:»liebe Frau, Ihr Sohn ist schon so groß und mit seinen zwölf Jahren körperlich weiter entwickelt als die zehnjährigen Kinder in den Klassen. Ihr Sohn überragt alle. Wie sieht das aus? Ich kann das nicht zulassen.«ja, und damit war mein Traum gestorben. Diese Antwort hat mich dann später angetrieben, genauso gut oder besser als die Abiturienten zu werden. Die Erkenntnis, durch eigene Leistung im Leben voranzukommen, wurde zu einer fixen Idee. Es führte aber auch bei mir zu der Frage: Warum habe ich diese Probleme, weil ich Sohn eines Arbeiters bin oder warum? Mein Bruder, der zwei Jahre jünger war, durfte dann zur Mittelschule. Die Schulkinder trennten sich zum Teil 1939 erstmals, um auf die Mittelschule oder das Gymnasium zu gehen, dann anlässlich der Kinderlandverschickung 1942 und schließlich 1943 bei der Schulentlassung. Nur noch die engsten Freunde hielten weiterhin Kontakt. Im August 1999, nach rund 56 Jahren, sahen wir uns das erste Mal wieder. Ich hatte nur sechs Monate gebraucht, um alle Adressen der noch Lebenden zusammenzubekommen und eine Festschrift zur Erinnerung an das erste Klassentreffen (64 Seiten) nach rund 60 Jahren zu machen. Es trafen sich noch dreizehn Ehemalige mit Frauen, neun waren schon gestorben und von den anderen gab es auch im Internet keine Adressen. Es war herrlich. Wir waren nicht neidisch auf Reiche, die mehr hatten, obwohl wir kaum etwas hatten, auch nicht neidisch auf die Kinder der Reichen, mit denen wir spielten. Den Eltern ging es genauso. Sie hatten früher keine Möglichkeit gehabt, mehr zu lernen, und versuchten jetzt ihrer Familie so viel wie möglich zu geben, auch wenn dabei die Zeit für die Kinder wegen der Abwesenheit durch Arbeit zu kurz kam. 38

41 Bei armen Leuten gingen die Frauen nicht nur zur Kirche, sondern hin und wieder zur Wahrsagerin. Als ich, circa 13 Jahre alt, einmal mitging, las die Frau auch aus meiner offenen Hand:»Du wirst in deinem Leben noch einmal eine blonde Frau kennenlernen, später wirst du dann noch viel in der Welt herumkommen.«ich konnte dabei nur grinsen, denn wir hatten nicht einmal Geld, um in Urlaub zu fahren. Sie hatte auch vorher einer anderen männlichen Person gesagt, dass er nicht nach Hause gehen soll, da dort die Polizei auf ihn wartet. Und das stimmte sogar. Also blieben nicht zu erfüllende Träume, die sich später bewahrheiten sollten. Sport und Religion In der Schule hatten wir einen guten Sportlehrer, der uns im Handball unterrichtete. Beim Handball spielte ich rechter Verteidiger, im Tor war Erwin Homme. Einmal war mir das Spiel vorne zu langsam, ich bekam den Ball und rannte bis vor das gegnerische Tor. Als ich werfen wollte, rutschte ich vor dem Tor, wo eine große Matschfläche war, aus und der Ball ging ins Leere. Die Antworten des Trainers kann man sich denken. Danach habe ich so einen Alleingang nicht mehr gemacht. Wir spielten auch im Winter in der Halle. Es war eigenartig, das Feld war sehr klein, die Geschwindigkeit groß und nur fünf Spieler, die immer wieder ausgewechselt wurden, waren auf dem Feld. Um von der Straße wegzukommen, trat ich zusätzlich in den Fußballklub FC 1900 in Weißensee ein. Wir hatten einen guten Jugendtrainer. Jeder von uns hatte einen kleinen Koffer, in den die Fußballschuhe, das Vereinshemd und die Hosen passten. Jeder war selbst verantwortlich für das Waschen seiner Kleidung. Es gab Fußballschuhe in normaler Ausführung und mit Stahlverstärkung an den vorderen Zehen, die hatte ich natürlich. Auch hier spielte ich rechter Verteidiger und mein Freund Richard Fechner linker Verteidiger. Was wir alles erlebt haben, ist mir entfallen. Sonntags ging ich mit Onkel Erich sehr oft zum Fußball, auch nach 39

42 Wuhlheide, wo Onkel Hermann bei der GASAG Fußball spielte. Dieser Verein war natürlich wesentlich besser. Irgendwann ging ich vom FC 1900 zur GASAG, in der Hoffnung, dass es dort richtiges Training gibt. Aber es bewahrheitete sich nicht. Nach einiger Zeit ging ich dann wieder zurück zu meinem alten Verein. Einmal war ich mit Onkel Erich in der Wuhlheide beim Verein der GASAG. Für die A-Jugend fehlte ein Sportler. Onkel Erich brachte mich zum Trainer, der mich sofort nahm. Die Sportausweise hatte der Schiedsrichter vorher kontrolliert, aber nicht mit den Spielern verglichen. Als das Spiel zu Ende war, sollten alle fotografiert werden. Da sagte mein Onkel:»Du nicht, denn wenn später einer das Foto sieht mit dem falschen Spieler, dann wird das Spiel annulliert.«ich sah das ein. So kam ich um mein einziges Foto im Fußball. Mein Vater war katholischen und die Mutter evangelischen Glaubens. Wir Kinder waren katholisch getauft worden. Der Vater ging öfter in die Kirche in der Wilhelmstraße. Einmal, ich war noch klein, nahm er mich auf dem Arm mit in die Kirche. Für mich war das alles neu. Auf einmal ließ ich laut Luft aus dem Po entweichen. Der Vater nahm mich wieder auf den Arm und trug mich über den Seiteneingang nach draußen. Der Duft des Weihrauches führte bei mir auch später immer wieder zu einem Brechreiz. Ich erinnere mich noch an die ersten Jahre. Wir waren eine katholische Schule mit angeschlossener Kirche. Diese Kirche hatte den oben erwähnten Seitenausgang direkt auf den Mädchenschulhof. Der Jungenschulhof war hinter der Kirche. Am Aschermittwoch mussten wir früh zur Messe, bekamen das Kreuz auf die Stirn und mussten dann durch den Seitenausgang auf den Schulhof treten. Dort stand die Religionslehrerin und kontrollierte uns. Erst danach durften wir das Kreuz abwischen. Mein Vater bekam jeden Donnerstag seinen Wochenlohn. Am Donnerstagabend wurde eingekauft und es gab dann Wurst. Als Katholik darf man ja freitags weder Fleisch noch Wurst essen. Es war in der 1. oder 2. Klasse. Meine Mutter dachte nicht daran und legte mir am Freitag Wurst auf die»stullen«. In der großen Pause auf dem Schulhof sah die Religionslehrerin meine Wurststulle, schimpfte mich aus, nahm die Wurst- 40

43 scheibe und warf sie weg. Ich heulte natürlich und sagte es meiner Mutter nachher. Meine Mutter ging zur Schule und stellte die Lehrerin zur Rede. Von da an bemühte ich mich, Freitags keine Wurst mehr auf der»stulle«zu haben. Nachteile hatte ich durch das Auftreten meiner Mutter aber nicht. Kommunion Viele Kinder gingen schon mit sieben bis acht Jahren zur Kommunion. Ich wollte und sollte erst mit vierzehn Jahren kommunieren. Wir hatten also beim Pfarrer, einem älteren Herrn, schon ein Jahr den Vorbereitungsunterricht. Zu der Zeit spielte ich Fußball und Handball. Einige Wochen vor der Kommunion sagte der Pfarrer auf einmal zu mir, du kannst nicht zur Kommunion gehen, denn du hast zu oft wegen deines Sportes gefehlt. Du kannst es später nachholen. Ich viel aus allen Wolken und sagte ihm, das stimmt doch nicht. Doch der Pfarrer blieb hart. Auch meinen Eltern war das nicht recht. Der Inhaber einer Bäckerei bei uns, der auch streng katholisch war, hatte meiner Mutter bei meiner Taufe gesagt, dass ich zur Kommunion ein Geschenk erhalte. Was blieb meinen Eltern anderes übrig, um den schon lange festgelegten Termin einzuhalten, ich erhielt dann 1943 die»jugendweihe, damals auch Hitlerweihe genannt«, nur ohne das Geschenk von ihm, da er vorher starb. Die Zeremonie fand in der Stadthalle am Weißensee statt. Somit konnte der vorgesehene Termin, zu dem wir schon Verwandte eingeladen hatten, eingehalten werden. Mein Freund, der dicke Fritz, war ein richtiger Filou. Während ich alles sehr ernst nahm und hinterfragte, ich musste es genau wissen, auch die Religion, sündigen, lügen usw., ging er etwas leichter mit diesen Dingen um. Ich verstand immer nicht, dass man sündigen kann, und dann geht man am Sonntag zur Kirche, beichtet und alles wird vergeben. Leider hatte das unser Pfarrer beim Unterricht auch nicht erläutert. Ich glaubte trotzdem an Gott. Man brauchte ja nur in den Himmel zu gucken und sich zu fragen, wo kommt das alles her? Was die Wissenschaft schon alles ermittelt hatte, war mir damals überhaupt nicht bekannt und ich hätte das mit dem Wissen, das ich hatte, auch angezweifelt. Leider konnte oder wollte auch niemand aus dem Pfarrbereich meine Fragen beantworten. 41

44 Diskussion mit einem Gottesdiener Als ich 1976 wegen eines Hinterwandinfarktes auf der Intensivstation lag, fragte man mich, ob ich mit einem Pfarrer sprechen möchte. Da ich bejahte, kam ein Pfarrer zu mir. Wir unterhielten uns über alles Mögliche, auch über kritische Probleme, die mich beschäftigt hatten. Da ich viele Bücher aus der alten Zeit gelesen und auch den Islam kennengelernt hatte, auch über die anderen Religionen. Dann fragte ich ihn nach dem Leben der Leute in Rom. Er wurde zugeknöpft und verabschiedete sich bald und kam nie wieder. Das alles und noch viel mehr veranlasste mich, mich später intensiver mit den fünf Weltreligionen (zuerst nur mit dem Judentum und Christentum, später mit dem Islam, Hinduismus, Buddhismus) zu beschäftigen. Mein eigener Glaube wurde dadurch nicht beeinträchtigt. 42

45 Die letzten Kriegsjahre Kinderlandverschickung Als es in den letzten Kriegsjahren in Berlin zu gefährlich wurde, sollten die Kinder zur Sicherheit aufs Land verschickt werden. Ich, das Muttersöhnchen, ging natürlich auch mit und so war ich das erste Mal von zu Hause weg. Wir kamen nach Goldap in Ostpreußen, nahe Insterburg. Das Essen war na ja, es gab sogar Milchnudeln, die ich zu Hause nicht aß, und dann noch manchmal angebrannt. Am Vormittag hatten wir Schulunterricht und nachmittags frei. Wir waren ja alle im Jungvolk. Dort gab es dann auch Abende, wo sich das Jungvolk treffen musste. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, dass wir im Winter mit Kniestrümpfen, kurzer Hose und warmer Jacke bei ostpreußischer Kälte herumlaufen mussten. Die Zeit in der Kinderlandverschickung war für mich als Muttersöhnchen sehr hart. Die Briefe nach Hause wurden immer dringender, bis eines Tages meine Mutter kam und mich abholte. Die Reise hatte über 50,00 RM gekostet, ein Haufen Geld für meine Eltern. Am nächsten Tag ging ich dann in Berlin zur Schule. Keiner der anderen Schüler sagte etwas. War es Glück, dass meine Mutter mich abholte? Mehrere Kinder aus der Landverschickung in Ostpreußen mussten ihre Heime wechseln, da die Russen immer näher kamen, und kamen auch erst später nach Hause. Wegen der Kinderlandverschickung 1942/1943 waren viele Kinder auswärts, sodass dann die letzten Klassen der Schulen zusammengelegt wurden. Einige von uns, ich auch, kamen zur 7. Volksschule, Gustav- Adolf-Straße, andere zur 6. Volksschule, Langhans Ecke Roelckestraße. Der Hauptgrund war wahrscheinlich, man benötigte unsere Schule als Lazarett für kranke Soldaten. Später, nach dem Kriege, wurde unsere 4. Volksschule keine Schule für Jungen, sondern eine reine Mädchenoberschule. Wir waren mehrere Kinder, die dort vom Direktor empfangen wurden. Er begrüßte uns und sagte:»aber Einsen, wie in der 4. Volksschule, bekommt ihr hier nicht.«43

46 Komisch, wir hatten in der 4. Volksschule nie eine»eins«bekommen. Wenn es Fliegeralarm gab, war das Heulen der Sirenen sehr schlimm. Oft wusste man schon vorher, dass es Alarm gibt. Man konnte nämlich mit unserem primitiven Gerät, dem Detektor, einen ausländischen Sender einstellen, dessen Sprecher dann unter anderem sagte:»feindliche Bomberverbände im Raum Treuenbrietzen im Anflug auf Berlin.«Man hatte inzwischen gelernt, die Kleidung abends so hinzulegen, dass man dann Unterhemd, Unterhose, Strümpfe und Oberkleidung schnell fand. Das hatte sich mit der Zeit eingeprägt. Nur, unser Luftschutzkeller war unser Keller unter dem dreigeschossigen Haus, mit Kellerdecken aus einfachen Ziegelgewölben, 12 cm, zwischen Stahlträgern und einem Kellerboden aus Lehm. Die oberen Geschossdecken waren die damals üblichen Holzbalkendecken, oben mit Brettern, innen mit Bretteinlage und darauf 3/5 cm Lehm, und unten mit Brettern und Putz, sehr»bombensicher«. Die Eingangstür war aus Holz und befand sich im Gebäude. Man konnte also nur hoffen, dass nichts direkt passierte, man wäre überhaupt nicht aus dem Keller herausgekommen. Wenn irgendwo in der weiteren Umgebung eine Bombe herunterging, hörte man das Pfeifen und dann den Einschlag. Das ganze Haus erzitterte, auch wenn es 50 m weiter einschlug. Im Jahr 1944, fünfzehn Jahre alt, erhielt ich einen Stahlhelm und einen Overall und war jetzt»stellvertretender Luftschutzwart«. Ich ging mit als Letzter nach unten und mit als Erster aus dem Keller heraus. Man prüfte ob auf dem Boden Brandbomben waren oder schon brannten, kontrollierte im Hof usw. Wenn irgendwo eine Brandbombe brannte, wurde sie gelöscht. Lag sie noch auf dem Dachboden, warfen wir sie hinunter auf den Hof. Während des Beschusses durch die Flak konnte man manchmal draußen stehen und wunderte sich, wie oft danebengeschossen wurde. Mir kam dabei immer die Frage, warum schießt man nicht eine Granate rauf, oben explodiert sie und drei oder vier kleinere Granaten fliegen heraus, das wäre viel wirkungsvoller gewesen. Nur, ich hatte ja keine Ahnung, dass die Technik noch nicht so weit war. Einmal durfte ich unseren Onkel Erich, der in einer Kaserne in Frankfurt an der Oder stationiert war, besuchen. Mittags gingen wir in ein Restaurant zum Essen. Als das Essen kam, lagen neben dem Teller 44

47 Messer und Gabel. Zu Hause hatten wir nur mit der Gabel oder dem Löffel gegessen. Ich guckte erst einmal, wie die anderen Leute das machen und dann aß ich auch mit Messer und Gabel. Als ich dann wieder zu Hause war, ging ich in die Buchhandlungen, um so ein Buch zu bekommen. Ich fand dann das Buch von Knigge, wie man sich benimmt usw., das mir sehr geholfen hat. Ja, man musste als Arbeiterkind noch sehr viel lernen. Deutsches Jungvolk von 1939 bis 1943 Das Deutsche Jungvolk und die Hitlerjugend unterstanden zuerst dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach und nachher Artur Axmann. Im Alter von zehn Jahren, 1939, trat ich freiwillig in das Deutsche Jungvolk ein, Fähnlein 18, in Weißensee. Endlich kam man von der Straße weg, auf der wir so viel gespielt hatten. Der Slogan, der alle zusammenhalten sollte, war, abgewandelt vom Wort Hitlerjungen: Jungvolkjungen sind stark, schweigsam und treu, Jungvolkjungen sind Kameraden, des Jungvolkjungen Höchstes ist die Ehre. Die Erwachsenen sagten oft spitz:»ihr seid zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und flink wie die Windhunde.«Im Jungvolk 45

48 Im März 1939 wurde es Zwang, dann musste jeder in das Jungvolk eintreten. Der normale Werdegang war: Jungvolk, Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst, Militär. Da ich ein gutes Zeugnis hatte, sollten sich meine Eltern damit einverstanden erklären, dass ich zur NAPOLA,»Nationalpolitische Lehranstalt«komme. Dort wurden die Kader ausgebildet. Ich bekniete meine Eltern, Nein zu sagen, denn ich wollte nicht von zu Hause weg und nicht andauernd gedrillt werden, was sie auch taten. Die Napolas, Nationalpolitische Lehranstalten Die Napolas wurden nach den Richtlinien der alten preußischen höheren Bildungsanstalten geführt, um Männer für höhere Regierungsfunktionen bereitzustellen. Hier wurde den Anwärtern ein soldatischer Geist, gekennzeichnet durch Tapferkeit, Pflichtgefühl und Einfachheit, eingeimpft gab es davon 23, vier davon in Österreich und eines im Sudetenland. Deutsches Jungvolk Das Jungvolk war interessant. Wir hatten unseren Versammlungsraum in der Langhansstraße im Tiefparterre, halb unter der Erde, von der Straße zugänglich. Wir kamen vor allen Dingen von der Straße weg, lernten etwas über den Gemeinschaftsgeist, Rücksichtnahme, aufgehenden und zunehmenden Mond, Kompass usw. Natürlich machten wir Märsche, Exerzierten und Ähnliches. Am meisten interessierte mich das Schießen mit dem Luftgewehr. Zu Hause hatte ich ein Luftgewehr zuerst mit Bolzen und später ein gutes Luftgewehr für Bleikugeln. Ich machte das DJV-Schießabzeichen in kürzester Zeit und bekam als Bester einen Urlaub in Italien. Leider wurde er wegen des Krieges abgesagt. Irgendwann wurde ich wegen meiner Leistungen zum Hordenführer und später dienstrangmäßig zum Jungschaftsführer befördert und musste jetzt andere Kinder ausbilden. 46

49 Jeder hatte auch einen Tornister mit darübergebundener Decke, den wir im Sommer zum Zelten im Sommerlager brauchten. Dort mussten wir nach dem Aufstehen antreten, danach wurde die Fahne hochgezogen, es wurde gesungen und dann begann der Tag. Auch hier wurden wir im militärischen Bereich weiter ausgebildet. Schön war es abends am Lagerfeuer, es wurde dabei viel gesungen. Wenn wir in größeren Formationen marschierten, sangen wir sehr oft die militärischen Lieder, auch die der Legion Condor. Manchmal hatten wir dann unsere Fanfarenbläser und Trommler dabei. Die Gliederung im Jungvolk war in etwa wie folgt: Dienstrang Dienststellung Erkennung Mannschaftsstärke Hordenführer ein Winkel Hordenführer Jungschaftsführer rot-weiße Kordel Pimpfe Jungschaftsführer Jungzugführer ein Stern und 4 Jungschaften grüne Kordel Jungzugführer Fähnleinführer grün-weiße Kordel 4 Jungzüge Ihm zur Seite stand: Hauptjungzugführer grün-schwarze Kordel Jungstammführer weiße Kordel mehrere Fähnlein Jungbannführer mehrere Stämme Gebietsführer Ähnlich war es bei der Hitlerjugend. Wenn ich mit meiner Gruppe unterwegs war, erarbeiteten wir uns erst den vorgesehenen Bereich, danach versuchte ich weit weg vom Jungzug- und Fähnleinführer zu kommen, dann ruhten wir uns aus. Der militärische Bereich war wichtig, denn im Ernstfall mussten alle auf ein Kommando bestimmte Dinge machen. Irgendwann sollte ich einen Vortrag halten. Ich wählte als Thema»Das Leben von Reichsarbeitsführer Hierl«, weil mein Onkel Fritz beim RAD Oberstfeldmeister war und mir entsprechende Unterlagen zukommen ließ. Ich versuchte den Vortrag hinauszuschieben, was mir auch gelang. 47

50 Hitlerjugend von 1943 bis 1945 Flieger-HJ Mit vierzehn Jahren, 1943, meldete ich mich bei der Hitlerjugend an, ohne Dienstrang und Dienststellung, als einfacher HJ-Junge. Da ich später Flieger werden wollte, ging ich zur Flieger-HJ. Am ersten Abend bei der Flieger-HJ traf ich Bekannte aus der Schule, die schon kleine oder mittlere Führer waren. Sie wussten ja, was ich im Jungvolk gewesen war. In der HJ Die Gliederungen waren: Mannschaftsführer Mannschaftsstärke ähnlich Militär Kameradschaftsführer Gruppe Scharführer Zug Gefolgschaftsführer Kompanie Stammführer rd. 500 Bataillon Bannführer rd Regiment Gebietsführer 48

51 Wir hatten theoretischen Unterricht über Flugzeuge, Armaturenbrett mit allen Armaturen, Wolkenarten und Wolkenbildungen usw. Die Bekannten drängten mich, ich sollte mich für eine Beförderung melden, die alle viertel Jahre anstand. Ich bestand noch die A-Prüfung, theoretischer Teil. Kurz bevor wir die A-Prüfung, praktischer Teil, machen sollten, wurde ich so bedrängt, in der Gefolgschaft aufzusteigen, dass ich mich abmeldete und bei der Nachrichten-Hitlerjugend anmeldete. Nachrichten-HJ Ich kam jedoch vom Regen in die Traufe, denn da hatte ich das gleiche Problem. Die dortigen Bekannten konnte ich vertrösten, da auch hier nur alle viertel Jahre Beförderungen waren. Wir hatten hier unter anderem Unterricht in Morsen, Kabelverlegen usw. Da mich das Morsen interessierte, besorgte ich mir ein Morsegebegerät für zu Hause und bastelte dort auch an einem Empfangsgerät. Ich wollte später nebenbei Privatfunker werden. Ich betrieb nebenbei noch Sport, Fußball im Verein FC Weißensee 1900 unter einem guten Trainer. Im Verein zu spielen war nur möglich, wenn man in seinem Sportausweis jedes viertel Jahr den Stempel der HJ hatte. Also zog ich jedes viertel Jahr die Uniform an, ging einige Male zum Dienst und bekam meinen Stempel. Diese Zeiten in Uniform der HJ wären mir nach Kriegsende fast zum Verhängnis geworden. Tagsüber trugen wir natürlich die kurze Manchesterhose und im Winter die lange dunkle Hose. Das war billig, bequem und wir hatten dann ja nur noch unsere privaten»schönen«sachen für Besuche. Wenn ausländische Botschafter oder andere höhere Ränge kamen, musste wir antreten und marschierten zur Ost-West-Achse hinter der Straße Unter den Linden bis zur Siegessäule und stellten uns dort rechts und links auf den Gehsteigen auf. Es war ein weiter Weg. Wenn dann die Autos vorbeifuhren, machten wir uns laut bemerkbar. Danach ging es wieder den weiten Weg nach Weißensee zurück. Dabei wurde auch viel gesungen. Einmal, bei einem dieser Aufmärsche, die immer unter genauer Personenkontrolle ausgeführt wurden, gelangten wir geschlossen bis in die Wilhelmstraße, in die Nähe des Balkons, auf dem Hitler stand und 49

52 grüßte und winkte. Es war ein großes Gedränge und schon Abend und dunkel. Ich sah nur zu, dass ich in dem Gedränge verschwinden konnte, denn von der Wilhelmstraße bis nach Weißensee war es ein weiter Weg. Ende 1944 wurde ich zu einem Lehrgang bei der Heeresnachrichtenschule Halle/Saale angemeldet. Normalerweise kamen nur HJ-Führer dorthin, sodass ich der einzige Nicht-HJ-Führer war. Ich nahm damals an, man wollte mich dadurch zwingen, eine Führungsposition zu übernehmen, wenn ich zurückkomme. Es wusste ja von uns keiner, dass der Krieg bald zu Ende ist. Lehrgang an der Heeresnachrichtenschule Halle/Saale Ein Bekannter aus Hohenschönhausen (Name ist entfallen), der ein kleiner Führer war, bekam ebenfalls den Befehl. Am 30. Januar 1945 meldeten wir uns in der Nachrichtenkaserne in Halle an der Saale. Wir saßen dann während des Lehrganges auch immer nebeneinander, bei den zu einem großen U zusammengestellten Tischen, vom Leutnant in der Mitte gesehen rechts an der Außenseite, circa in der Mitte. Die Kaserne lag neben einem Militärflughafen. Heeresnachrichtenschule 50

53 Wir bekamen eine Militäruniform, nur ergänzt durch die HJ-Armbinde und das HJ-Abzeichen am Käppi. Gleich in den ersten Tagen bekam ich vom Feldwebel den Befehl, in die Stadt zu fahren und mir die Haare schneiden zu lassen. Mein Haarschnitt war zu dieser Zeit»etwas länger«als der militärisch vorgeschriebene. Ich fuhr in die Stadt, ließ mir die Haare schneiden. Da ich dünnes Haar hatte, war es etwas länger geworden. Danach ging ich noch zum Fotografen. Als ich zurückkam und mich meldete, schrie mich der Feldwebel an, das soll ein Haarschnitt sein (üblich war der kurze Militärschnitt, eine Streichholzlänge). Ich sagte ihm, dass ich mir die Haare nicht versauen lassen wollte, ja, das war nicht richtig und ich musste es büßen. Wir schliefen in der Kaserne in den üblichen zweistöckigen Holzbetten, aus denen ich später einmal hinunterfiel. Wenn der Unteroffizier oder Feldwebel die Schlafräume kontrollierte, mussten wir uns natürlich stramm hinstellen und der Stubenälteste machte Meldung, wie:»zimmer x, Name, Dienstgrad mit x Mann belegt, keine Vorkommnisse.«Während der ganzen Zeit hatten wir immer Hunger, da wir ganz schön herangenommen wurden. Mittags und abends gab es immer Pellkartoffeln, die man selber schälen musste, die Schüsseln standen verteilt auf den langen Tischen. Erst mussten wir hinter den Stühlen Aufstellung nehmen und auf einen Befehl des Kompanieführers durften wir uns setzen. Danach schnellten alle Hände zu den Schüsseln, um Kartoffeln zu nehmen. Im Nu waren die Schüsseln leer. Wenn wir ins Feld gingen, mussten wir über eine kleine Stahlbrücke, die über einen Fluss gespannt war. Beim ersten Mal marschierten wir im Gleichschritt, sodass die Brücke bedenklich schwankte. Von da an hieß es nur noch: ohne Gleichschritt. Der Unterricht war interessant. Wir hatten Unterricht in allem, was zum Nachrichtenwesen gehört. Es begann mit der Erklärung der Geräte zum Morsen (Funken) wie zum Kabelverlegen, sowie der praktischen Ausbildung beim Morsen und Kabelverlegen. Wir lernten unter anderem zu morsen, geben und hören, Telefonkabel verlegen als Mann, der die Rolle auf dem Rücken trug, und auch als Kabelverleger, der mithilfe einer großen Stange die Kabel auf die oberen Zweige werfen musste. Unsere Unbedarftheit wurde uns gezeigt, als der Unteroffizier, der am 51

54 Anfang das Telefon anbaute, mit der Kurbel hantierte. Da wir ja mit der rechten Hand das Seil der Handbremse der Trommel bedienen mussten, wegen des besseren Bremsens der Trommel dies aber oft mit der Hand taten, was wir nicht durften, passierte es natürlich, dass wir mit der Trommel in Berührung kamen. Irgendjemand musste aber die Trommel mit dem Kabel verbunden haben. Man bekam dann einen ganz schönen Stromstoß ab und machte es dann nicht mehr. Beim Kabelverlegen kam es darauf an, sehr schnell die Kabel so hoch zu verlegen, dass sie nicht sofort zu sehen und so straff gezogen sind, dass sie nicht herunterhängen. Aber es gehörte auch dazu, die Kabel ganz schnell wieder zusammenzurollen. Nach einiger Zeit wurden dann die Zeiten gestoppt, denn im Einsatz kam es dann auf die Zeit an, ab wann der jeweilige Offizier sich mit der nächsten Dienststelle in Verbindung setzen konnte. Wir wurden mit der Zeit damit auch sportlich ganz schön fit. Bei dem ersten Feldwebel, der Unterricht im Morsen gab, kapierte ich sehr wenig vom Morsen und vom Morsealphabet. Man lernte ja nicht nur, mit der Morsetaste die Buchstaben zu geben, sondern musste mithilfe der Kopfhörer auch hören und aufschreiben, was ein anderer eingegeben hatte. Nur, beim Hören kam es wegen der Schnelligkeit darauf an, den Singsang der einzelnen Buchstaben in sich aufzunehmen, damit man nicht jeden Buchstaben einzeln übersetzen musste, was man auch aus Zeitgründen nicht konnte. Das Gehörte musste ja außerdem aufgeschrieben werden während des Hörens. Dies war wie bei einer fremden Sprache, wo man auch nicht mehr die einzelnen Worte übersetzen kann, sondern über den Singsang und die Routine wie in der eigenen Sprache hört. Erst als wir einen anderen Feldwebel bekamen, kapierte ich das und konnte nachher 120 Buchstaben geben und hören. Einige Buchstaben sind z. B.... = L = vereinfacht»ich lieeebe dich«qtr? = wie spät ist es? usw. Wir lernten den Buchstaben bestimmte Beziehungen zuzuordnen um, sie besser im Gedächtnis zu behalten. Als Abschluss der Ausbildung im Nachrichtenwesen gab es dann 52

55 die Scheine A, B und C als Höchstes. Das Ergebnis war für mich am Schluss der Nachrichtenschein C. Mein Bekannter schaffte noch den Schein B. Wir hatten natürlich auch Sport. Ich machte in kürzester Zeit das HJ- Schießabzeichen und das HJ-Leistungsabzeichen in Silber mit den damaligen Turnschuhen, die eine circa 2 mm dicke Gummisohle hatten. Der militärische Drill fehlte natürlich nicht, wie Märsche, Schießen, Geländeübungen und -kunde, Handgranatenweit- und -zielwurf bis 60 m. Einmal wurden wir abends eingesetzt als Wache auf dem Bahnhof in Halle. Dort fuhren Züge mit geschlossenen Waggons vorbei, an die keiner herandurfte, wir auch nicht. Zu dem Zeitpunkt wussten wir noch nicht, was der Inhalt der Züge war. Am letzten Abend wurden vom Leutnant persönlich im feierlichen Rahmen die Dokumente der erreichten Abschlüsse an jeden übergeben. Man wurde aufgerufen, musste nach vorn zum Leutnant und bekam seine Urkunden. Nachdem sich alle wieder gesetzt hatten, teilte er Folgendes mit (man darf nicht vergessen, dass alle außer mir HJ-Führer waren):»die Jahrgänge 1927 und 1928 kommen zur SS-Junkerschule am Bodensee und Jahrgang 1929 zur SS-Division Hitlerjugend.«Bemerkung von heute dazu: SS-Junkerschulen gab es mehrere, unter anderem am Bodensee. Hier wurden die Offiziere ausgebildet. Die SS-Division Hitlerjugend Was ich wusste, war, dass man zur SS nur kam, wenn man eine Mindestgröße von 1,70 m, den arischen Nachweis hatte und auch wie ein Arier aussah. Ich hatte eine Größe von 1,68 m und sah mit meinen Schlitzaugen nicht gerade wie ein Arier aus. Mich machte die Angabe des Leutnants stutzig. Ich wusste ja nicht, dass man zum Kriegsende, was ja keiner für möglich hielt, möglichst viele junge Leute einberuft, praktisch Kanonenfutter. Die älteren Jahrgänge waren ja an der Front, gefallen oder in Gefangenschaft. Die SS-Division Hitlerjugend hieß eigentlich SS-Panzerdivision Hitlerjugend, zu der zwei Panzergrenadierregimenter, ein Panzerregi- 53

56 ment und ein Panzerartillerieregiment gehörten. Diese Division war dann auch beim Kampf um Berlin eingesetzt. Am nächsten Tag sollten wir kurz nach Hause fahren und uns dann bei der jeweiligen Einheit melden. Man sagte uns aber nicht, wo unsere Einheit ist. Wir wurden nicht zusätzlich registriert, sodass man auch nicht befürchten musste, kurzfristig in irgendeiner Form erkannt zu werden, wenn wir woanders hingingen. Nach seinen Ausführungen hob ich meinen rechten Arm. Er sah das und fragte, was los sei. Ich sagte ihm, dass ich mich bereits zu den Fliegern gemeldet habe (zu einem Zeitpunkt, wo es kaum noch deutsche Flugzeuge am Himmel gab). Er war sehr enttäuscht von mir, was er mit Worten kundtat. Schlimm war es unter anderem deshalb, weil ich einer seiner Lieblingsschüler gewesen war, der alles geschafft hatte, wie HJ- Schießabzeichen, HJ-Leistungsabzeichen in Silber, Nachrichtenschein C, der aber auch im militärischen Bereich gut war, bis hin zum Handgranatenzielwurf in 60 m Entfernung. Es gab nur noch einen, der noch besser war, der hatte mit Auszeichnung bestanden. Na ja, auch das ging vorüber und am 6. März 1945 fuhren wir nach Hause. Volkssturm in Buchholz Kaum war ich zu Hause, da musste ich mich beim Volkssturm in Buchholz melden. Der Lehrgang dauerte rund zwei Wochen. Auch hier wurden wir an Waffen ausgebildet. Am letzten Tag wurden wir in einem Gebäude im 1. Stock eingeschlossen. Im Raum waren Stühle und auf den Tischen lagen Bewerbungsunterlagen zur Waffen-SS. Ich füllte natürlich nichts aus, da ich ja nur 1,68 m groß war und keinen arischen Nachweis hatte, was man aus meinem polnischen Namen sehen konnte. Draußen vor der Tür stand ein Soldat von der Waffen-SS und es durften nur die raus, die ihm einen unterschriebenen Antrag gaben. Es dauerte sehr lange, bis ich hinausgehen konnte. Draußen wurden ich und einige andere dann vor versammelter Mannschaft gemaßregelt. Nachdem der Lehrgang beendet war, fuhren wir nach Hause. 54

57 Panzervernichtungsbrigade Berlin oder Panzerjagdkommando Ich hoffte, mich einige Tage erholen zu können. In den nächsten Tagen musste ich mich erst beim Bann in Heinersdorf im ehemaligen Wasserturm melden. Dort bekam ich den Befehl, am 2. April 1945 im Reichssportfeld beim Panzerjagdkommando zu sein. Alle wurden dort zusammengefasst und ausgebildet. Wasserturm in Heinersdorf Wir bekamen eine dunkelblaue Uniform, wie die der Panzergrenadiere, mit der kurzen Jacke, die nur bis an die Hüfte ging, nur zusätzlich mit einer HJ-Armbinde am linken Oberarm. Die Kopfbedeckung war eine dunkelblaue Skimütze mit dem angesteckten HJ-Abzeichen. Wir wurden weiter ausgebildet an Waffen, die wir schon kannten, wie am MG 34 und MG 42, Karabiner 98, Pistole 08 und Pistole 38, Maschinenpistole 40 und 42, Handgranaten 24 und 42 und Eierhandgranaten. Zusätzlich erhielten wir eine spezielle Ausbildung über Panzerfaust 60 m, 100 m, 150 m, Panzerschreck, eine Panzerfaust mit einem Metallschild von circa cm und einem Sehschlitz, Haftminen, Tellerminen und die 55

58 entsprechenden Zündschnüre für Sprengladungen, in gelber Farbe zündet sofort, in roter und grüner Farbe mit Zeitverzögerung. Auch der praktische Unterricht fehlte dabei nicht. Zur militärischen Ausbildung gehörten auch Exerzieren, Marschieren, Geländeerkundung, Schießen, Handgranatenweit- und -zielwurf (bis 60 m). Natürlich fehlte die Panzererkennung nicht, sowohl optisch wie auch akustisch. Dabei ging es nicht nur um deutsche Panzer wie Tiger und Panther, sondern um russische Panzer, insbesondere den schnellen T34, die wir zu unserer eigenen Sicherheit voneinander unterscheiden mussten. Diese Geräusche ließen uns später beim Einsatz und auf der Flucht noch oft erschauern. Der Schall der Geräusche, vor allen Dingen in der Nacht, war so groß, dass man nie richtig wusste, wo die Panzer waren. Wir sollten als Panzervernichter oder -sicherer eingesetzt werden. Wir lernten nicht nur die einzelnen Waffen kennen, sondern mussten sie auch in Rekordzeit auseinandernehmen und wieder zusammenbauen. Wer dann nicht spurte, wurde gescheucht, wie Gewehr in Vorhalte und 50 Kniebeugungen, Robben und andere Schikanen. Einmal machte ich es zum Spaß (für mich) nicht richtig und wurde am großen Sandberg rauf und runter gescheucht. Das machte mir nichts aus, weil ich noch genug Kraftreserven hatte. Bei der Ausbildung an den Panzerfäusten erzählte ein Ausbilder, dass man nicht einen Fuß auf einen Schemel oder Stuhl stellen und bei der Erläuterung auf den Oberschenkel das hintere Ende der Panzerfaust halten sollte, sondern die Panzerfaust so in der Hand halten sollte, dass das Rohr mit dem Ende seitlich am Körper vorbeigeht. Das andere wäre einem Ausbilder zum Verhängnis geworden, da er aus Versehen an den Drücker kam und die Panzerfaust losging. Er wurde schwerverletzt, Bein ab usw. Eine weitere»attraktion«eines Ausbilders war es die Handgranate zu schärfen und mit dem oberen Teil auf den Stahlhelm zu stellen. Dem Ausbilder passierte nichts und den Auszubildenden auch nichts, da sie weit genug entfernt waren. Eine weitere praktische Übung war, eine 2-Mann-Mulde mit dem Spaten zu graben und sich mit einem Karabiner oder mit einem schweren Maschinengewehr und einem zweiten Soldaten hineinzulegen. Die Panzer (Tiger und Panther, Kettenbreite circa 0,60 1,00 m) fuhren auf uns zu. Sowie wir aus dem Blickwinkel des MG-Schützen, der vorn im 56

59 Panzer saß, waren, mussten wir uns entweder überrollen lassen oder zur Seite rollen, bis wir außerhalb der Ketten des Panzers waren, aufspringen, die Haftladung am Panzerturm anbringen oder die Tellermine unter dem Turm platzieren, entsichern und sofort wieder in Deckung gehen. Uns wurde aber auch gesagt, dass im Ernstfall Soldaten im Schutze der Panzer mit vordringen und Probleme bereiten würden. Bei der Übung hielten die Panzer vor uns, bis der Mann am Maschinengewehr im Panzer uns nicht mehr sehen konnte. Es ging dabei darum, Erfahrungen zu sammeln für die Entfernung, ab der man sich wegrollen lassen konnte, ohne gefährdet zu sein. Diese Ausbildung verlangte von unserem Körper hohen sportlichen Einsatz. Einmal machten wir eine richtige Gefechtsübung mit Panzern, Vernebelung usw. Es war schaurig. Wir kauerten in unseren Einmannlöchern, sahen wegen des künstlichen Nebels die Panzer nicht, sondern hörten nur die Geräusche. Da die Panzer sich auch drehten, passierte, was vorauszusehen gewesen wäre. Ein Panzer drehte sich über einem Einmannloch. Der Kamerad war sofort tot, Lunge zerfetzt. Wir waren nach Beendigung der Ausbildung, ungefähr 400 Mann, für den ersten Einsatz vorbereitet. Als wir das letzte Mal zur Unterkunft zurückkamen, standen dort zwei Offiziere von einer Nachrichtenkompanie und fragten, ob Spezialisten für das Nachrichtenwesen dabei sind, mit B- oder C-Prüfung, die man dringend suchte. Da ich den Nachrichtenschein C hatte, meldete ich mich, ohne dass ich Hintergedanken gehabt hätte. Ich wurde sofort aus der Panzervernichtungsbrigade Berlin herausgenommen. Ein Stein fiel mir dabei vom Herzen. Meinen Freund aus der Lederstraße versuchte ich zu überreden, dass er sich auch meldet, er hatte den Schein B. Der sagte aber, ich mache den Einsatz mit und komme dann rüber. Leider blieb es bei diesem ersten und letzten Einsatz für ihn. Von den ungefähr 400 Panzerknackern sollen angeblich nur knapp 50 den ersten Einsatz überlebt haben. Wie begeistert, man kann auch sagen fanatisch, einige dieser»hj-kinder«waren, erfuhren wir später. Es gab welche, die fuhren mit einem Fahrrad, an dem am Lenker rechts und links je eine Panzerfaust befestigt war, auf die Panzer los und versuchten abzudrücken. Sie schossen aber höchstens einmal, denn sie wurden auch erschossen. Die Russen hatten vor diesen»hj-kindern«angst, da sie so fanatisch waren. Wie ich später erfuhr, versuchte einer 57

60 unserer Mitschüler, auch bei uns ausgebildet, es in Weißensee in einer schmalen, leeren Straße, circa 100 m von der Gustav-Adolf-Straße entfernt, einen der dort rollenden Panzer abzuschießen, er überlebte diesen Einsatz nicht. Wir erfuhren dann, eventuell war es Propaganda, dass die Russen»HJ-Kinder«deshalb sofort erschossen. Dies führte bei mir auch später dazu, dass ich mich nicht heimlich in Uniform verdrücken wollte. Ab Mitte April 1945 war ich dann im Nachrichtenlager Reichssportfeld. Wir waren dort in Räumen mit zweistöckigen Betten untergebracht. Was ich alles dort gemacht habe, ist mir entfallen. Als erste Aufgabe bekam ich gleich den Aufbau einer neuen, modernen Vermittlung (noch mit Stöpseln), wie damals üblich, die ich noch nie gesehen hatte. Da die Offiziere niemanden hatten, der die Vermittlung aufbauen konnte, hatten sie bei den Panzervernichtern nachgefragt. Aber es klappte. An einem Tag kam dann meine Mutter mich zu besuchen. Wir gingen zum Sportfeld, weit weg von der Unterkunft, und dort holte sie aus ihrer Tragetasche ein Glas voll Kartoffelsalat heraus und gab es mir. Das hat geschmeckt, es blieb nichts übrig. Es war das letzte Mal, dass ich sie sah, bis zu meiner Entlassung aus der Gefangenschaft. Ich hatte mir auch eine Leuchtspurpatrone besorgt. So dumm wie man war, ging ich nachts auf das riesige Sportfeld und schoss die Patrone senkrecht in die Luft. Es sah schön aus. Danach bekam ich Angst und rannte, so schnell ich konnte, weg. Hätte man mich ergriffen wer weiß? Später erfuhr ich, dass Mitte April 1945 die russischen Truppen die Offensive gegen Berlin eröffnet hatten. Am gleichen Tag erließ der Führer den Tagesbefehl an die Ostfront:»Berlin bleibt deutsch und Wien wird wieder deutsch.«was für ein Blödsinn. Am , einen Tag vor Hitlers Geburtstag und»elf Tage vor seinem Selbstmord«(was wir ja nicht erfuhren), musste ich zur Musterung. Mit der S-Bahn fuhr ich dann zum Wehrbezirkskommando I nach Wedding. Ich wunderte mich dabei, dass alles so ruhig war. Man hörte keine Schießerei, nichts. Wir wurden von Militärärzten untersucht, beurteilt und erhielten dann unseren Wehrpass mit dem Vermerk,»Kriegsverwendungsfähig Ersatzreserve I.«Als ich ihn hatte, war mein inneres Gefühl schon beruhigter, da ich für die Russen nicht mehr als Hitlerjunge galt, also bessere Chancen zum Überleben hatte. 58

61 Danach ging es wieder mit der S-Bahn zurück zum Reichssportfeld. Vom 24. April bis 20. August 1945 habe ich dann ein Tagebuch geführt, auf einzelnen Blättern und in einem kleinen Kalender von Wehrpass, verschiedene Seiten 59

62 Tagebuchaufzeichnungen Die Tagebuchaufzeichnungen sind auf 10 Blättern des Kalenders von 1945, und da die Bereiche der Tage zu schmal waren, auf elf losen Blättern notiert. Von beiden Aufzeichnungen ist ein Blatt hier dargestellt. Kalenderblatt vom bis Tagebuchblatt vom bis

63 Es wurden später nur die wichtigsten Sachen vermerkt, weil man nicht wusste, ob man jemals wieder zurückkommt, wofür sollte man schreiben und andere Überlegungen. Leider hatte ich, wie damals üblich, nur mit dem Bleistift geschrieben, so dass die Schrift teilweise nur noch mit der Lupe zu entziffern ist. Vorsorglich habe ich alle Blätter gescannt. Ab als wir durch Berlin marschierten und oft, wenn ich zur Arbeit musste, warf ich zusammengeknüttelte Kassiber auf den Weg. Wie viel weiß ich nicht mehr. Angekommen sind bei meinen Eltern 8 Stück. Ich danke jetzt noch den Findern, dass sie diese Zettel an meine Eltern geschickt haben. In Klammern ( ) sind Angaben gemacht, die mir erst später bekannt wurden. Kampf um Berlin , 21 Uhr Unsere Nachrichtenkompanie tritt an zum Waffenempfang. Wir erhalten für 50 Personen 3 Karabiner, 2 leichte Maschinengewehre und 3 Schnellfeuergewehre (vorwiegend für die Offiziere) und Verpflegung für 3 Tage. Später erhielten alle Waffen. Wie wir nachher erfuhren, wurden die 2 Bunker mit den Nachrichtengeräten und der restl. Verpflegung danach gesprengt, ohne dass man uns die noch vorhandene Verpflegung aushändigte. Ich erhalte einen Karabiner. Von diesem Tage an haben wir unsere Uniformen nicht mehr ausgezogen. Geschlafen wurde dort, wo wir im Einsatz waren, im 1-Mann-Loch oder auf der Erde , 24 Uhr Wir gehen am Nachrichtenbunker in Stellung. Er ist am und im Wald. Ein Schützengraben geht von dort im Zickzack in den Wald hinein. Wir dürfen ihn aber noch nicht benutzen. Legen uns zum Schlafen auf die Erde. (Am überwindet die sowjetische Armee bei Potsdam 61

64 die Havel und zwingt die in Berlin erwartete Entsatzarmee Wenck nach Westen.) , 4 Uhr Wir werden aus dem Schlaf gerissen durch den Beschuss mit Stalinorgel, ich zähle 42 Schuss, werfe mich auf den Boden und stoße aus Versehen mit der Spitze des Gewehrlaufes in den Sand. Der Lauf war vorn voll Sand. Wir hatten so etwas vorher immer wieder geübt, mit dem Gewehr hinlegen, aufstehen usw., und jetzt das. Ich hatte Angst, nicht schießen zu können, wegen des Schmutzes konnte es einen Rohrkrepierer geben. Aber zuerst einmal hatte ich nur Angst. Vorsichtig hob ich den Kopf und sah alle 5 10 m Fontänen hochspritzen, wo die Granaten einschlugen. Ich lag anscheinend genau dazwischen und wurde nicht getroffen. Glück gehabt. Danach versammelten wir uns und marschierten aus diesem Teil des Waldes heraus, weil er zu unübersichtlich war. Bei unserer ersten Rast in einer Hauptstraße säuberte ich dann erst einmal meinen Gewehrlauf. So schnell habe ich noch nie ein Gewehr sauber gemacht. Bei diesem ersten Überfall hatte ich kein besonders gutes Gefühl , 11 Uhr Wir gehen wieder zurück und besetzen den Schützengraben. Beschuss durch Granatwerfer, 1 Schwerverletzter durch einen Splitter, der in die Patronentasche geht und die Munition zur Entzündung brachte, 1 Arm ab bis zum Ellenbogen und ein faustgroßes Loch im Oberschenkel. Danach Pause, Beschuss durch Artillerie oder schwere Granatwerfer und Panzer , Nachmittag Ich gehe mit einem Kameraden in die hintere Stellung an der Heerstraße nach Ruhleben. Essen wie die»fürsten«, aber was und wo weiß ich nicht mehr. Danach gehen wir wieder in unsere Stellung. Wir erhalten Beschuss durch Stalinorgel und Granatwerfer. Es ist komisch, denn die Flugrichtung ist immer von Spandau her. Ich schlafe im Schützengraben vor Übermüdung 62

65 ein. Als ich aufwache, bin ich alleine. Ich habe Angst, dass die Russen die Stellung schon überrannt haben, denn warum sind unsere Leute nicht mehr da. Robbe im Schützengraben zurück, im Feuer. Artillerie schießt auf unsere Stellung. Die ganze Zeit werden wir ein komisches Gefühl nicht los, denn wir wissen nicht, wo die Russen liegen, und es zeigt sich auch keiner. Wir merken es nur, wenn das Pfeifen zu hören ist, dass da jemand geschossen hat. In der Nacht schweres Feuer durch Artillerie, Werfer und Stalinorgel auf unsere Stellungen. Ein Verletzter durch Splitter im Rückgrat , 4 Uhr Sofortiger Abmarsch, gehen zurück bis Adolf-Hitler-Platz. Dort neue Einteilung. Wir kommen zum Bahnhof Heerstraße und gehen ca. 200 m vor dem Bahnhofsgebäude Heerstraße in Stellung, Bundesallee Kaiserdamm. Dort bauen wir unsere neuen Stellungen, das heißt 1-Mann-Löcher, die wir uns graben. Wir liegen am Hang einer Mulde, links die Heerstraße, vor uns eine Nebenstraße, die Länderallee. Auf dieser Nebenstraße ein abgeschossener russischer Panzer und daneben 2 Tote Panzersoldaten. In der Mulde ist ein überdachter Splitterschutzgraben mit 2 Reihen Bänken und außen an den Straßen große Bäume. Wir erhalten mehrmals Werferfeuer. Neben meinem 1-Mann-Loch habe ich außer meinem Gewehr noch eine Panzerfaust liegen. (Am wird Staaken bei Spandau von den Sowjets eingenommen.) , am Tage Nichts besonderes. Zwei Panzerfäuste werden von irgendjemand auf Panzer abgeschossen in einer Nebenstraße keine Wirkung. Ich gehe mit einigen von der Kompanie in das Wohngebäude (Villa), das an die Mulde Richtung Osten grenzt. Im Schlafzimmer liegt das Ehepaar, zugedeckt, tot durch Selbstmord, mit Namenszetteln an den Füßen. Wir gehen auf das Dach, um zu sehen, ob im Bahnhofsgebäude Scharfschützen sind. Wir schießen mehrmals aus unserer Deckung hinüber, aber nichts rührt sich. 63

66 Werden durch Scharfschützen beschossen. Da wir annehmen, dass vom Bahnhofsgebäude geschossen wird, wird es unter schweren Beschuss genommen , in der Nacht Ein großer Teil der Russen zieht ab in Richtung Potsdam , vormittags Wir erleben einen ruhigen Tag , nachts Die Russen kommen zurück , ab 4 Uhr Höchste Alarmbereitschaft. Allgemeines Werfer- und Artilleriefeuer , Nachmittag Erhalten ½ Teller Nudelsuppe für den ganzen Tag. Haben schon 3 Tage nichts Richtiges gegessen. Ich gehe mit einem anderen die Heerstraße runter und wir kommen zu einem Hotel. Leider war dort nicht einmal ein kleines Stück Brot oder Wurst in der großen Küche, aber viele Töpfe mit verschiedenen Soßenkonzentraten. Als wir wieder in unseren Löchern hocken, schwerer Feuerüberfall durch Werfer. Ich schleudere erst mal meine Panzerfaust, die neben meinem Loch liegt, weg. Eine Werfergranate schlägt in ca. 4 5 m Höhe in einem Baum ein in meiner Nähe. Ich hatte mich in meinem 1-Mann-Loch, welches etwas größer war als mein Körper, geduckt. Das Loch lag in einer Schräge, wo sowieso der halbe Körper draußen ist. Das Gesicht hatte ich seitlich gedreht, um etwas zu sehen, wodurch das linke Ohr nach außen zeigte. Durch den lauten Knall und die Schallwellen hörte ich nichts mehr und rannte vor lauter Angst in den unteren Splitterschutzgraben und warf mich unter die Bänke. Als ich wieder etwas hören konnte, kroch ich heraus. Es war schlimm und ich hatte viel Angst. Danach ging ich wieder zu meinem Loch. Irgendwann wurde ich mutig. Ich versuchte erst die in der Nähe liegenden Kameraden zu über- 64

67 reden, dass wir alle um 24 Uhr verschwinden. Jeder hatte die Nase voll. Dann rannte ich noch über die Heerstraße zu den Stellungen direkt an der Bahn, die auf hohen Sandaufschüttungen lagen, und sprach dort mit jedem. Alle waren sich einig, dass wir um 24 Uhr verschwinden. Dann kam um 22 Uhr der Befehl zum Stellungswechsel und alles war dahin. Jetzt hatte ich nur noch Angst, dass mich jemand verrät. Aber alle hielten dicht. Sie hatten nämlich Angst vor den Offizieren, die hatten alle Sturmgewehre und es gab den Befehl, wer flüchtet, wird erschossen. (Am wird im Stadtkern von Berlin gekämpft.) , 22 Uhr Wir gehen in eine neue Stellung, Heerstraße Badenallee, graben ein neues 2-Mann-Loch. Ich und noch einer liegen genau an der Spitze, wo die 2 Straßen zusammenführen, Heerstraße Ecke Badenallee mit einem schweren Maschinengewehr M , tagsüber In Abständen Artilleriefeuer und Feuer durch Scharfschützen. Die Geschosse, die, wenn wir sie am Himmel sahen, kamen immer von Westen. Flucht aus Berlin, offiziell Absetzbewegung Westen Richtung Elbe , Uhr Wir müssen uns absetzen nach Westen. Ich sage dem leitenden Offizier, dass das schwere MG zu schwer ist, und erhalte einen Karabiner. Wir marschieren über Ruhleben nach Spandau. Dort Aufenthalt, da Brücke unter schwerem Beschuss liegt. Wir stoßen über die gesprengte Brücke vor und stürmen durch Spandau. Unterwegs sehen wir Flüchtlinge mit Handwagen. Auf einmal Flugzeuggeräusche. Wir sehen russische Jagdflugzeuge, wie sie auf deutsche Panzer schießen, die im freien Feld fuhren. Die Panzer hatten überhaupt keine Verteidigungsmöglichkeiten. Bei Staaken Aufenthalt. Über der Stadt auf Fort Hahneberg liegen 5 Panzer, etliche Maschinen- 65

68 66 gewehre und Scharfschützen und beschießen die Straße, Granatwerfer und Pak kommen hinzu. Wir springen in die Entwässerungsgräben, rechts und links von der Fahrbahn, und robben über Verwundete und Tote. Als es ruhig ist, hebe ich den Kopf und da nichts geschieht, stehe ich hinter einem Baum, ca. 80 cm Durchmesser, auf und gehe aufrecht los. Kaum bin ich beim nächsten Baum angekommen, höre ich schon das Pfeifen der Geschosse und werfe mich hinter dem Baum wieder in den Graben, zur rechten Zeit. Denn es schlugen Geschosse in den Baum und flogen auch ringsherum. Danach nur noch robben über Verwundete und Tote. Wir versuchen nicht die Hauptstraße entlangzuschleichen, sondern dringen von hinten in das Dorf ein. Wir kommen aber nicht weit, da schweres Feuer uns behindert. Wir überwinden die gefährliche Stelle und stoßen mit 15 Mann weiter vor. Auf einmal sehen wir einen Lastwagen auf einer Anhöhe und ringsherum deutsche Soldaten. Neugierig gehen wir weiter und sehen einen russischen Soldaten von einer Maschinenpistolengarbe mittig zerfetzt an einem Vorderrad eines LKWs sitzen. Er bittet um eine Zigarette, die ihm ein Landser in den Mund steckt und anzündet. Der Russe war mit seinem LKW gefahren. Als die flüchtenden Landser ihn sahen, gaben sie sofort Feuer, auch mit Maschinenpistolen. Deshalb war er so schwer verletzt. Sie hoben ihn aus seinem Wagen und setzten ihn an das Rad. Wir gehen bis zum Flugplatz vor. Da kommen einige schwere Panzerwagen mit Soldaten von uns. Wir stürmen weiter bis zum Übungsgelände. Dort erhalten wir schweres Feuer, trennen uns von den Panzern und lauern in einer großen Mulde, wo schon viele Landser sind. Ein Soldat bekommt einen Lungensteckschuss. Keiner kümmert sich um ihn. Ich gebe ihm mein Verbandpäckchen, aber es reicht nicht. Außerdem habe ich keine Ahnung, wie man einen Verband anlegt. Ein anderer Landser hilft den Soldaten. Ein hoher Offizier steht neben dem Verwundeten, der zusammengebrochen ist, und rührt sich nicht. Ich schreie ihn an, ob er nicht sieht, dass der Soldat verwundet

69 ist, und bitte ihn, dass er mir wenigstens sein Verbandpäckchen gibt, was er dann auch tut. Die Offiziere hatten mehr Angst als wir, obwohl sie nachher besser behandelt wurden als die normalen Landser. Sie durften vorne marschieren und sollen später in Moskau in Villen gewohnt haben (Gerüchte?). Ich steige die Böschung hoch, um zu sehen, was dort vorn ist, und bekomme einen Schreck. Einige hundert Meter weiter ist ein Lager der Russen mit vielen Soldaten, Lastwagen und Ä. Aber keiner hat uns bisher gesehen. Da hören wir Laute und viele Geräusche. In weiter Entfernung, links von uns, sehen wir mehrere deutsche Panzer mit vielen Soldaten laufend und auf den Panzern sitzend. Die Panzer fahren sehr schnell, wahrscheinlich wieder hohe Offiziere, die zu den Amerikanern wollen. Die Liegenden haben ein ganz bitteres Gefühl, weil sie so etwas schon öfter gesehen haben. Im Dunkeln umgehen wir diese Stelle und durchqueren einige Dörfer. Noch in der Nacht müssen wir an einem Ort (Nauen) vorbei. Wir übernachten im Schilf. Am anderen Morgen, als ich aufwache, stelle ich fest, dass die Beine bis unter den Knien im Wasser waren Wir marschieren (schleichen) durch die Gegend. Haben 2 Bäche überquert und marschieren durch einen Wald. In einem Gebüsch sehen wir einen Offizier mit mehreren Landsern. Wir stellen uns dazu. Die besprechen gerade, wie sie durch die Linien durchbrechen wollen. Wir sind natürlich nicht eingeplant, da wir zu jung sind und die Flakhelfer nicht die regulären Uniformen der Armee anhaben und nicht die nötige Kampferfahrung. Der Offizier sagt, der Krieg ist aus, Kinder, geht nach Hause. Ich sage ihm, bis jetzt durften wir kämpfen und jetzt sollen wir verschwinden. Wir hatten nämlich Angst, dass wir von den Russen erschossen werden, weil wir noch unsere HJ-Armbinde über der Uniform am rechten Oberarm trugen bzw. die Luftwaffenhelfer ihre Uniform. Es hatte immer geheißen, dass die Russen bei Hitlerjungen kein Pardon zeigen und sie sofort erschießen. Die Verrücktesten unter den HJlern hatten ganz 67

70 schöne Erfolge gehabt, auch von unserer Panzervernichtungsbrigade. Übernachtung in einer Schonung. (Ab ca. 15 Uhr schweigen in Berlin die Waffen, da der Stadtkommandant die Kapitulationsurkunde unterschrieben hat.) Unsere Gruppe, 5 Mann (Namen nicht mehr bekannt), trennt sich von den anderen, rette sich, wer kann, und will unbedingt nach Westen, zur Elbe, zu den Amerikanern. Marschieren über ein Feld. Wir können nicht richtig schlafen, obwohl wir hundemüde sind. Immer die Geräusche der Panzer, wo man nicht weiß, wo sie sind. Wir verlieren die Richtung und übernachten in einem Hain Sind nach Norden abgekommen. Marschieren über ein Feld und müssen durch etliche Entwässerungsgräben voll Wasser. Kommen zu einer Weide, wo Kühe sind. Fangen eine der wild gewordenen Kühe und ein Luftwaffenhelfer von uns, der aus einer bäuerlichen Familie kommt und Erfahrungen hat, melkt die Kuh. Es schmeckt köstlich. Es ist erstaunlich, die Russen sind überall, aber man sieht keine und wir können somit am hellichten Tag die Kuh melken. Marschieren weiter und kommen zur Blockstelle Buckow der Deutschen Reichsbahn. Finden dort im ersten Obergeschoss harte Brotstücke, die von den Russen liegen gelassen worden waren, und»schmausen«. Treffen dort Robert aus Spandau. Finden eine Scheune voll Heu und Stroh und legen uns ganz oben auf das Stroh zum Schlafen. Haben nur Hunger und sind todmüde. (Am ist Ende der Kampfhandlungen.) Anmerkung dazu: Die Wenk-Armee sollte von Westdeutschland nach Berlin kommen und helfen, das heißt die Berliner Truppen entsetzen. Diese Hoffnung hatten alle fast bis zuletzt. Erst als wir die hohen Offiziere sahen, wie sie sich mit Panzern usw. nach Westen verdrückten, fingen wir an zu zweifeln. In der Gefangenschaft hörten wir dann, dass die Wenk-Armee, als sie in der 68

71 Nähe von Potsdam war, von den Sowjets zur Elbe gedrängt wurde. Nur uns hatte man das nicht vorher gesagt. (Auch erfuhren wir erst in der Gefangenschaft, dass Hitler schon am , elf Tage nachdem ich gemustert worden war, erst geheiratet und dann mit seiner Frau Selbstmord begangen hatte.) In russischer Gefangenschaft Unsere Gruppe von 5 Landsern schläft bis ungefähr 13 Uhr. Da höre ich Geräusche, das Scheunentor wird aufgemacht und 3 Russen kommen, um Heu und Stroh zu holen. Ich denke erst, die Überraschung ausnutzen und zu schießen, wusste aber nicht, ob noch andere Russen in der Nähe sind. Wir hätten dann überhaupt keine Chancen gehabt. Dann überlege ich, dass ich meines Wissens bisher keinen Russen getötet habe und verzichte darauf. Die Gedanken gingen blitzschnell. Ich wecke die anderen, lege meine Pistole, ich hatte sie gefunden, es war eine russische mit abgebrochenem Bolzen, die ich als Andenken aufheben wollte, und das Gewehr tief in das Stroh, stehe auf und rufe: Nicht schießen. Die Russen, Alter um Jahre, erschrecken, holen ihre Maschinenpistolen und zeigen uns, dass wir herunterkommen sollen. Wir werden abgetastet und müssen uns dann draußen neben dem Scheunentor hinsetzen. Ein Russe kommt und sagt auf einmal, wir könnten gehen. Da wir aber Angst hatten, dann von hinten erschossen zu werden, sagten wir Nein und blieben sitzen. Die Russen luden Heu und Stroh auf. Plötzlich kommt ein PKW angefahren und will auf der nahen Straße vorbei. Die Russen holen ihre Maschinenpistolen und stoppen den PKW. Drinnen saßen ebenfalls Russen, betrunken, sternhagelvoll. Unsere Russen erhalten einige Flaschen Schnaps und kommen zurück. Jetzt tranken sie auch und ihre Gefangenen durften Heu und Stroh aufladen. 69

72 Als wir alles aufgeladen hatten, mussten wir uns oben auf Stroh und Heu setzen und die Russen fuhren los. Die Fahrt geht nach Nennhausen zu dem Militärstützpunkt. Als wir in das Lager fahren, schreien uns auf einmal junge Russen, Stalinschüler, an. Unter Stalin gab es so etwas Ähnliches wie bei uns die HJ. Wir bekamen ganz schöne Angst, dass unsere Soldaten uns bei diesen fanatischen Stalinschülern lassen würden. Unsere Russen kümmerten sich nicht darum, sie waren von der Fronttruppe, sondern lieferten uns in einer Schule, einem Sammellager für Gefangene, ab. Wir schliefen in der Schule in einem Klassenzimmer im Erdgeschoss auf Stroh Ich wache morgens auf, es ist so ruhig, kein Schießen, kein Lärm von Panzern oder Geschützfeuer. Ich schaue durch die Scheibe des Klassenzimmers und sehe weit hinten Bauern, wie sie ihr Feld bestellen. Nach den Tagen vorher war das eine richtige Idylle. Mir kam wieder der Gedanke»Warum«und Wofür«, den ich schon öfter gehabt hatte.»ob man verliert oder gewinnt, der Dumme ist immer der kleine Mann, der mehr oder weniger schwer verwundet ist oder, was manchmal besser ist, tot.«ich war froh, dass der Krieg zu unseren Ungunsten zu Ende war. Was hätte uns erwartet? Wir wären als Besatzungsmacht irgendwo nach Russland und evtl. kaum noch nach Hause gekommen. So war alles erledigt und wir hatten vielleicht noch eine Zukunft.»Die ganze Zeit im Einsatz hatte ich keine Gefühle gehabt, nicht als ich über Schwerverwundete schlich oder über die Toten oder den Russen am Wagenrad sah. Es war wie im Nebel, man war da, aber trotzdem nicht da.«die russischen Bewacher waren Kosaken oder so etwas. Um eine Kuh, die im Hof stand, für das Mittagessen zu töten, stiegen sie aufs Pferd, führten Reitkunststücke vor und erschos- 70

73 sen dann das Tier im Reiten. Es gab dann Kascha, ein Essen aus Hirse, Fleisch mit viel Fett, es schmeckte sehr gut. Es war unser erstes richtiges Essen nach vielen Tagen. Die Nacht verblieben wir noch in diesem Lager Da wir zu viele Gefangene wurden, marschierten wir am nächsten Morgen unter russischer Bewachung nach Rathenow und übernachteten in einer Kaserne Marschieren zur ehemaligen Marine-Gefangenen-Abteilung Rathenow der Deutschen Wehrmacht. Das ist jetzt unser Lager. Es besteht aus länglichen Baracken mit den üblichen 2-geschossigen Betten, Donnerbalken draußen, Brausen im Freien. Der oberste deutsche Offizier ist ein Major, aus Ungarn in schöner, sauberer Uniform. Er erzählte uns in den nächsten Tagen, dass wir bald entlassen werden Ein Tag wie der andere. Einzige Abwechslung ist die Durchsicht unserer Sachen, wie seit dem jeden Tag. Dafür müssen wir mit allen unseren Sachen in Dreierreihen antreten, ca. 2 m Abstand zur vorderen Reihe halten, damit die russischen Soldaten alles in Ruhe kontrollieren können. An einem dieser Tage müssen wir heraustreten und uns in 2er- Reihe, Gesicht zu Gesicht, aufstellen, mit einem Abstand von ca. 1 m. Mit einem Male kommt ein russischer Soldat mit einem Haufen Scheren, von der Manikürschere bis zur Gartenschere, und weist darauf hin, dass wir uns gegenseitig die Haare schneiden sollen. Wir wurden stutzig, denn das entsprach nicht den Ausführungen des Offiziers. Wir schnitten uns gegenseitig die Haare, es sah komisch aus. Es war kein Fassonschnitt o. Ä. Einige Tage später mussten wir dann zu den Friseuren, die sich inzwischen gemeldet hatten, und die Haare wurden richtig geschnitten, natürlich Glatze. Man erklärte uns später, dass es wichtig sei wegen der Läuse und 71

74 nichts mit der Entlassung zu tun hat. Ja, und dann begann die Zeit der Säuberung, ausziehen, Sachen zusammenpacken, die in ein Dampfbad kamen, wir mussten unter die großen Duschen. Es war herrlich, wieder einigermaßen sauber zu sein. Wir hatten ja schon längere Zeit nicht mehr unseren Körper waschen können. Das Auf-die-Toilette-gehen war mit das Beste. Etwas von den Baracken entfernt, in Windrichtung von den Baracken weg, waren»donnerbalken«aufgestellt. Es waren keine Kanonen, sondern ca cm dicke Baumstämme, die auf kurzen, ca cm hohen Balken befestigt waren. Dahinter war eine große Grube ausgeschachtet für die Sitzergebnisse. Man musste sich auf den Donnerbalken raufsetzen und sein Geschäft verrichten. Es war schwierig, die Balance zu halten. Man gewöhnte sich aber daran. Einmal passierte es einem Soldaten, dass er hintennüber in den Kot fiel. Als er dann heraus geholt worden war, stank er fürchterlich , 4 Uhr Aufstehen, essen, fertig machen. Landkarte mit Richtung des Marsches , 7.30 Uhr Abmarsch Richtung Berlin. Wir sind mehrere tausend Kriegsgefangene, die sich, nach Kompanien geordnet, in 3er-Reihen in Bewegung setzen, geführt von dem vorerwähnten Offizier. Wir 72

75 waren sauer, weil wir nicht wussten, wo es hingeht, und er hatte uns ja gesagt, dass wir bald nach Hause kommen. Wie ich später erfuhr, stellte sich heraus, dass er SS-Offizier aus Ungarn war. Er führte auch eine der ersten Gefangenenüberführungen nach Russland. Als es bekannt wurde, soll er ermordet worden sein von Landsern. Die Reihenfolge der Kompanien ist wie üblich. Erst kommen die Offiziere und dann die Landser. Wir sind mit unserer Kompanie ziemlich weit hinten. Es ist schlimm. Wenn vorne etwas gebremst wird, kommt man hinten zum Stillstand und muss dann, wenn es weitergeht, rennen und die russische Bewachung rechts und links kontrolliert, dass wir dranbleiben. Es ist wie eine Ziehharmonika. Ich versuche mit ein paar anderen von der Kompanie wegzukommen und nach vorne zu gehen. Nach ganz vorne kommen wir nicht, da an der Spitze die Offiziere marschieren, sofern sie nicht auf den Panjewagen sitzen, weil sie nicht mehr laufen können. Wenn von uns ein Kamerad nicht mehr konnte und hinfiel, dann hörten wir später sehr oft Schüsse. Aber es marschiert sich vorne besser als hinten. Dann kommen wir nach Nauen (45 km) und werden in einer Scheune einquartiert. Leider kommt es so, dass die»herren«, die man, weil sie zu langsam waren, nach hinten durchgereicht hatte und die, die mit den Panjewagen fuhren, natürlich als Erste in das»quartier«durften. Wir wurden mit Kolbenschlägen vertrieben. Diese Bevorzugung hat nicht nur mir gestunken, aber es waren ja Offiziere. Danach durften wir uns unsere»bleibe«im Stroh auf dem Fußboden suchen Früher Abmarsch mit Übernachtung in Neukölln (40 km) in einer Schule. Die Leute hatten Wassereimer hingestellt, damit wir uns Wasser beim Gehen entnehmen können. Die Russen vertrieben die Frauen, da manche den Gefangenen auch etwas zu essen geben wollten. Wir wurden von der Bevölkerung»bestaunt«. Ich ließ beim Marschieren 2 Zettel fallen in der Hoffnung, dass jemand sie aufhebt und zu meinen Eltern schickt. Was noch alles auf mich zukommt, wusste ich ja nicht und meine Eltern hatten sich 73

76 bestimmt schon Sorgen gemacht. Ich weiß nicht mehr, wie viele Zettel (Kassiber) ich insgesamt geschrieben habe. Alle Zettel waren in deutscher Schrift geschrieben, die ich nur gelernt hatte. Bei meinen Eltern sind aber 8 Stück angekommen. Bei diesem vom steht auf der Rückseite, handschriftlich von meinem Vater, Der Zettel war also fast 5 Wochen unterwegs. Alle Zettel sind hier mit ihrem Text aufgeführt, außer einem, ohne Datum, auf grünem Packpapier und die ersten 2 Zettel sind alle auch eingescannt. Text in deutscher Schrift: F. Pietrowiak Bln-Weißensee, Heinersdorfer Str. 33a Liebe Eltern Mir geht es so weit ganz gut. War in Neuhausen gefangen. Wir wissen nicht, wo es hingeht. Wir sollen eigentlich entlassen werden. Auf ein Wiedersehen hoffend Grüße Sohni Kaiserdamm Ecke Badenallee (falscher Tag geschrieben) F. Pietrowiak Bln-Weißensee, Heinersdorfer Str. 33a Liebe Eltern Muß Euch einiges Mitteilen. Bin in russischer Gefangenschaft. Wir sollen bald entlassen werden. Auf baldiges Wiedersehen hoffend grüßt Sohni Neukölln (falscher Tag geschrieben) Beide Zettel sind schon sehr unleserlich. 74

77 Marschieren über Köpenick und Friedrichshagen nach den Zementwerken Rüdersdorf (30 km). Wir kommen am Werk an und marschieren an dem Drahtzaun des großen Lagers vorbei, der noch vervollständigt wird. Auf der anderen Seite des Zaunes sehe ich auf einmal zwischen den vielen Gefangenen, die die Neuankömmlinge betrachten, den dicken Fritz, einen Schulfreund. Später im Lager sehe ich noch den Gerhard Köbe aus der Heinersdorfer Straße, gegenüber der Brauhausstraße. Wir kommen noch nicht ins Lager, sondern übernachten auf einem Abstellplatz vor dem Zaun auf der Erde Kommen ins Lager, übernachten aber auf dem riesigen Hof auf der Erde. Müssen wieder in Dreierreihe antreten, dann Abstand von einigen Metern untereinander nehmen und alles aus unseren Taschen auspacken und vor uns hinlegen, wir werden von den Russen gefilzt Wir werden in die Hallen gelassen und nach Kompanien beziehen wir die jeweiligen Hallen und ihre 2-geschossigen Holzgestelle. Ich belege sofort einen schmalen Bereich unten, wie auch später bei anderen Kompanien. Es sind lange Reihen von Balken, am Boden abgestützt und daraufgenagelten, schräg liegenden Brettern. Zum Zudecken haben wir nur unsere Jacke und sonst Brotbeutel, Flasche und Kochgeschirr. Diese Sachen kommen an das Kopfende wegen Diebstahlgefahr. Da ich nur die kurze Jacke der Panzergrenadiere anhabe, die, wenn man sie auf den Oberkörper legt, diesen nicht vollständig schützt, friere ich nachts natürlich Ein Tag wie der andere. Morgens 7.30 Uhr Suppe, mittags bis Uhr Suppe, abends ¼ Kommissbrot. Wenn ich hin und wieder schreibe, was wir an dem Tag zu essen bekamen, dann nur deswegen, weil es etwas Besonderes war. 75

78 76 Die»Lagerpolizei«bestand aus Polen, die nicht grade nett mit den Landsern umgingen. Sie freuten sich richtig, dass sie jetzt Deutsche, die Polen überfallen hatten, bewachen konnten. Man musste also zusehen, nicht aufzufallen. Sie bewachten auch den Bunker (Gefängnis), wo man hinkam, wenn man etwas Unrechtes getan hatte. An irgendeinem Tag werden wir ärztlich untersucht. Die ärztliche Untersuchung war prima. Hinter dem Tisch ein russischer Arzt, eine Ärztin und ein deutscher Arzt. Dann kommen wir anmarschiert, nackend. Ein kurzer Blick auf den Rücken, Po und Beine, evtl. wird noch dort gezwickt und man hat seine Zahl. Wir werden in Gruppen I, II, III, IV und OK eingeteilt. Die Gruppe I muss Schwerstarbeit und Gruppe II alle anderen Arbeiten machen, Gruppe III schält Kartoffeln, das sind die Kränklichen, Gruppe IV tut nichts, sind Invalide und Kranke. Gruppe OK tut auch nichts, bekommt mehr zu essen, um nachher den Gruppen I oder II zugeteilt zu werden. Ich werde zuerst Gruppe I und später Gruppe II zugeteilt. Im Lager fragt man in den nächsten Tagen nach allen möglichen Spezialisten, wie Friseuren, Köchen, bestimmte Facharbeitern und technischen Zeichnern, die die zu demontierenden Teile zeichnerisch erfassen sollen. Es melden sich auch mehrere. Jeden Tag kommen aber auch neue Gefangene. Man geht hin, um evtl. einen Bekannten zu finden. Einmal kommen viele Neue und auch Schulkinder. Wie wir erfuhren, hatten die Russen in Berlin, aus welchem Grunde auch immer, eine Straßenbahn angehalten und alle, einschließlich Schulkindern, zwischen 10 und 12 Jahren, mitgenommen. Es war für uns, die»großen HJ-Kinder«, schlimm, dies mit anzusehen. Wir werden zu einem Trupp, natürlich Gruppe I, eingeteilt, der die Maschinen in dem Werk demontieren soll. Der Trupp muss antreten in 3er-Reihe, dann Zählung und Abmarsch in den

79 Bereich zwischen dem Lager und der Außenwelt. Nach außen haben wir einen 2. Stacheldrahtzaun. Es wird wieder gezählt. Nachdem die Zahlen verglichen worden sind, wird das äußere Tor geöffnet und wir marschieren zu den Hallen. Dort werden wir am ersten Tag eingeteilt, dicke (ca cm Durchmesser) und hohe Lüftungs- oder Verteilungsrohre zu demontieren. Die sind sehr schwer. Wir stellen fest, dass wir nur einen Flaschenzug für 3 t Nutzlast haben, während das riesige Rohr ungefähr 5 t hat. Wir lösen die Schrauben und schieben das Rohr mit unseren Stahlstangen (Kuhfuß, Stahlstangen, die an einer Seite abgebogen und gespalten sind) an den Rand. Es war eine Heidenarbeit. Als wir es über den Rand schieben, merken wir, dass die Tragkraft nicht ausreicht, und da die obere Gruppe die obere Stahlkette nur um das Rohr gelegt hat, ohne es zu sichern, sie hatten ja auch gar nichts dafür, rutscht es in der Stahlkette und das Rohr fiel herrunter. Alle konnten zur Seite springen, außer einem. Dem fällt das Rohr genau auf den Oberschenkel, Bein ab. Er war beim Herunterfallen des Rohres rückwärts gesprungen und gestolpert, sodass er nicht weit genug kam. Den anderen passierte nichts. Da wir alle einen Schock hatten, wurden wir abgelöst, mussten aber bis zur Beendigung der Arbeiten dort bleiben. Dann kam die Mittagszeit. Einer der Landser hatte Kartoffeln organisiert und eine Blechbüchse. Wir schälten die Kartoffeln, legten sie in die Blechbüchse, gaben Wasser dazu und der Landser nahm 2 Drähte (woher er die wohl hatte?), verband sie mit der Blechbüchse und steckte sie in die Steckdose. Nach einiger Zeit brodelte es und dann wurden die Kartoffeln weich. Es hat herrlich geschmeckt, trotz fehlendem Salz. Irgendwie mussten wir noch alles mit aufräumen und dann ging es zurück ins Lager mit der gleichen Prozedur. Es war harte Arbeit. Aber die Russen kümmerten sich nicht darum, wie jung man war, nur die»gruppenzahl«bestimmte die Tätigkeit. Wir wurden noch mehrmals dorthin geschickt und auch zu anderen Werken, wo wir»abbauen«mussten. Von dem Werk soll nicht alles angekommen sein, sodass man Schwierigkeiten hatte beim Zusammenbau. 77

80 An irgendeinem Tag treffe ich auch den dicken Fritz. Der erzählt mir, dass er beim»nationalkomitee Freies Deutschland«(NKFD) eingetreten ist. Ich soll doch auch eintreten. Angeblich hat er Vergünstigungen. Anmerkung dazu: Im»Nationalkomitee Freies Deutschland«(NKFD), gegründet im Juli 1943, hatten sich deutsche Offiziere und Soldaten sowie kommunistische deutsche Emigranten in der Sowjetunion zusammengefunden im Kampf gegen Deutschland. Aber ich will nicht. In der Lagerzeitung, die in einem Kasten hing, stand einige Tage vorher, dass sich Stalin bedankte für die vielen Geschenke, die er von deutschen Soldaten bekommen hatte. Ich weiß nur, dass nichts geschenkt haben. Das NKFD sollte sich für den dicken Fritz bei der Entlassung schlecht auswirken, da ich früher entlassen wurde Ich lasse wieder einen Kassiber fallen, in der Hoffnung, dass er an meine Eltern weitergeleitet wird. Text in deutscher Schrift: F. Pietrowiak Berlin-Weißensee, Heinersdorfer Str. 33a Liebe Eltern! Wie geht es Euch? Ich bin seit dem in russischer Gefangenschaft. Wir befinden uns seit dem in den Preußag-Werken in Rüdersdorf. Innerhalb eines halben Jahres sollen wir daheim sein. Es grüßt Sohni Köbe und Mosler sind hier. 78

81 Ich bin in der 120. Kompanie, ab wann? davor 190. und 210. Kompanie. Wir wurden immer wieder neu zusammengestellt Wir gehen oft in die Nähe des Stacheldrahtzaunes und gucken durch die Öffnungen. Ganz dicht dürfen wir nicht heran, da die Wachtposten auf den Türmen aufpassen. Man kann so richtig neidisch werden, wenn man den Frieden dort draußen sieht. Die Jahrgänge 28, 29, 30 und 04 müssen gemeldet werden Der Tag mag nicht stimmen. Lasse wieder einen mehrseitigen Kassiber bei der Arbeit fallen, in der Hoffnung, dass er an meine Eltern weitergeleitet wird. Text in deutscher Schrift: F. Pietrowiak Heinersdorfer Str. 33a Liebe Eltern! Wie geht es Euch eigentlich? Ich habe Euch jetzt schon so viel Zettel zukommen lassen und weiß nicht, ob Ihr überhaupt noch lebt. Ihr müsst mal hin und wieder bei Winter (Fleischwarenfabrik) hingehen (Mittagszeit) und dort unauffällig fragen, ob welche aus Rüdersdorf dort sind. Mir geht es gut. Mit der Entlassung wird es wohl nichts. Versuche darum irgendwie Nachricht hierher zu geben, wie es Euch geht, ob viel geplündert wurde, ob unsere Straße noch ganz ist, wie das Essen ist usw., wie es Otto geht (Erich, Fritz?). Wann wieder Autos von hier bei Euch sind, versuche etwas Essbares mitzuschicken. Hier im Lager ist es langweilig. Am besten ist, du gehst bei Mosler hin und einer von Euch geht bei Winter die Nachricht abgeben. Es fällt nämlich auf, wenn jeder hingeht. Wie geht es dem Grammophon u. Platten. Wie geht es Teddi? Er noch gesund? Versucht Bilder von Euch mitzuschicken. Ich habe nämlich keine hier. Ich kann nicht so schreiben. 79

82 Der Dicke (Fritz Mosler) schreibt mehr. Wir warten bloß immer auf Essen und Nachrichten. Arbeiten muss ich auch. In den Preußag-Werken die Maschinen ausbauen, 8 Stunden lang. Wir sind hier in Gruppen I, II, III, IV und OK eingeteilt worden, nach vorheriger ärztlicher Untersuchung. I und II müssen alle Arbeiten machen, III schält Kartoffeln, das sind die Kränklichen, IV tut nichts, erhalten mehr zu essen, um nachher den Gruppen I oder II zugeteilt zu werden. Die ärztliche Untersuchung war prima. Hinter dem Tisch ein russischer Arzt und Ärztin und ein deutscher Arzt. Dann kommen sie reinmarschiert, die Gefangenen. Ein kurzer Blick auf den Rücken und Beine und du hast deine Zahl. Ich bin erst I gewesen und jetzt II. Also schreibt etwas von Euch. Ich warte darauf. Es grüßt Euch Sohni Grüßt alle Verwandten und Bekannten. Wir sind jetzt 120. Kp. (Kompanie) 24. Bat. (Bataillon) Bis jetzt bin ich noch in der 120. Kompanie. Kompanie macht sich fertig für den Abmarsch nach Russland, Wladiwostok oder Wladimir in Sibirien. Im letzten Moment werden ich und ein behinderter ca jähriger Soldat herausgenommen. Ich komme zur 49. Kompanie, 24. Bataillon, eine der neuen Jugendkompanien An irgendeinem Tag wollen die russischen Offiziere und Offizierinnen uns Jugendliche marschieren sehen. Wir müssen antreten und die Hauptstraße des Lagers entlangmarschieren. Dann heißt es auf einmal, zeigt uns doch einmal den Parademarsch. Auch den mussten wir absolvieren. Gott sei Dank war das nur am Anfang, als die Jugendkompanien zusammengestellt wurden. 80

83 Da wir nicht mehr draußen arbeiten durften, aber immer Hunger hatten, versuchte ich alles Mögliche, um Arbeit und mehr zu essen zu bekommen. Ich schlich bei der riesigen Küche vorbei und sah die dicken, fetten deutschen Köche. Man konnte so richtig neidisch werden. Ich habe dann bei der Küche geguckt und konnte mit Brot abladen. Habe dabei 3 Brotrationen, 4 Büchsen und 2 Kochgeschirre voll Essen organisiert. Das Brotabladen ging so vor sich: Ein Mann steht unten am Wagen, der das Brot auffängt und an einen weitergibt, der in der Küche steht. Wer Glück hatte, war oben auf dem LKW, stand auf dem Brot und warf es hinunter. Der Trick oben wie unten war der, das frische Brot mit 2 Händen zu umklammern, die beiden kleinen Finger waren unten und versuchten unter die Schale des Brotes zu kommen und ein Stück abzureißen. Das Stück steckte man sofort in den Brustbereich der Jacke oder unter das Hemd. Man durfte sich nur nicht erwischen lassen, dann kam man in den Bunker Meine Kompanie ist jetzt die 91. Irgendwann in der nächsten Zeit melde ich mich zum Sauerampfersammeln für die russische Küche. Die jugendlichen»soldaten«marschieren mit einem älteren russischen Soldaten ins Gelände. Einmal kommen wir ins Gespräch und er sagt uns mit Händen und Füßen:»potschimu (warum) Krieg. Ihr Kinder, ich zu Hause Frau und Kinder, die er schon mehrere Jahre nicht gesehen hat.«ich verstand ja schon einiges von der Sprache, wie Frau Madga, Brot Klebba, Speck Maslo, vor allen Dingen schnell dawai, warum potschimu, usw. Ein anderes Mal fand einer draußen einen Wecker. Er zog ihn auf, stellte die Uhrzeit und warf ihn weg. Als er klingelte, bekam der Russe so einen Schreck, dass er die Maschinenpistole hob, entsicherte und um sich sah. Wir dachten erst, jetzt wird er uns erschießen, aber er sah den Wecker und schoss darauf, bis er verstummte. Danach ging es sehr schnell ins Lager zurück, denn die Russen vertrugen keinen Spaß. 81

84 Ein Tag wie der andere Kochgeschirre voll Suppe, 6 Büchsen und 1 Brotration Ein Tag wie der andere Leute über 50 Jahre werden entlassen Lasse wieder einen Kassiber bei der Arbeit fallen, in der Hoffnung, dass er an meine Eltern weitergeleitet wird. Vorderseite: nicht gescannt Frau H. Mosler, Berlin-Weißensee Brauhausstr. 9 und rechts: F. M. 22. Kp. (Kompanie) Fritz Mosler F. P. 91. Kp. (Kompanie) Fritz Pietrowiak Innenseite: Liebe Eltern! Habe gestern das 1. Mal Post von Euch bekommen. Gleich 3 Briefe. Ich danke Euch dafür. Dass bei uns alles in Ordnung ist, ist gut. Dass Ihr noch gesund und munter seid, ist noch besser. Wie ist das nun mit meinem Beruf? Ist der noch durchführbar? Wie ist Euer Essen? Sage doch mal Richard (Fechner), er soll ein paar Zeilen schreiben. Dass er da ist, freut mich sehr. Wie geht es Otto und den anderen? Arbeiten sie auch? Wir hoffen ja, dass wir bald entlassen werden. Aber es bleibt bis jetzt alles noch bei der Hoffnung. Es grüßt Euch recht herzlich Sohni Grüßt Richard, Otto, Mauke, Walter, Mauschen und Tante Lotte Diese Briefe von meinen Eltern habe ich leider nicht mehr. Ich weiß auch nicht mehr, was da drin stand. Wir durften bei der Entlassung keine Briefe oder sonst etwas haben, deshalb habe ich sie am Tage der Entlassung vernichtet. 82

85 Salzkartoffeln mit Blutwurstsoße Irgendwann im Juli mache ich etwas, was mich in dieser Beziehung veränderte. Ich hatte wieder großen Hunger und wie auch andere strolchte ich durch das Lager. Es waren immerhin ungefähr Gefangene. Im Lager war noch ein anderes Lager, natürlich mit Stacheldrahtzaun, kleiner, wo, wie man sagte, die Goldfasane, KZ-Lagerleiter usw. untergebracht waren. In einer Halle in den oberen Geschossen stahl ich einem Kameraden seinen Brotbeutel. Ich schämte mich dafür, dass ich gestohlen hatte. Ich dachte, dass was zu essen drin wäre, aber nichts. Es war nur ein Rasierapparat drin, den Brotbeutel warf ich weg. Diesen Rasierapparat behielt ich bis Anfang der neunziger Jahre. Es war ein Andenken. Als ich zurückkam zu meiner»koje«, stellte ich fest, dass meine Feldflasche gestohlen worden war. Leider befand sich zwischen Alu- Feldflasche und Überzug ein 20-RM-Schein, damals ein Vermögen, der Verdienst war damals ungefähr RM im Monat. Ich bereute meinen Fehler und schwor, nie wieder zu stehlen, denn»unrecht Gut gedeihet nicht« , ohne Tageszeit Im Steinbruch gearbeitet. Lasse wieder einen Kassiber fallen, geschrieben auf grünbraunem Packpapier, welches ich beim Arbeiten fand, in der Hoffnung, dass er an meine Eltern weitergeleitet wird. Text in deutscher Schrift: Vorderseite: Anschrift, nicht mehr leserlich Innenseite: Liebe Eltern Habt Ihr meinen letzten Brief erhalten? Schreibt bitte wieder. Bin gesund und hoffe bald entlassen zu werden. Bin jetzt 91. Kompanie. Es grüßt Sohni 83

86 Es war ein Witz. Es waren keine Briefe, sondern Kassiber, Zettel, ca. 5 cm 10 cm groß, zusammengeknüllt, die ich irgendwo fallen ließ oder versuchte jemandem mitzugeben. Nur der dicke Fritz im»nationalkomitee Freies Deutschland«(NKFD) durfte schreiben Wir hören wieder»voraussichtliche Entlassung???« Der dicke Fritz hat Geburtstag, 16 Jahre. In der Zwischenzeit hatten wir auch einen anderen Schulfreund, Gerhard Köbe, gefunden. Wie ich später von meinem Vater erfuhr, war er einmal mit Vater Köbe in die Nähe des Lagers gekommen, um uns evtl. am Zaun zu sehen oder einem Wachposten oder Gefangenen was für uns mitzugeben. Dies wurde beinahe beiden zum Verhängnis, sie wären fast von den Russen gefangen genommen worden Nichts Besonderes Klöße mit Blutwurstsoße Nichts Besonderes Eine Art Kartoffelsuppe, gut geschmeckt Nichts Besonderes Mann entlassen von 91. Kompanie und 15 von Nichts Besonderes Körnersuppe mit Fleisch (Mist) Nichts Besonderes Nur Berliner (100 Mann) werden entlassen Mann entlassen, Miko und Lohde dabei Mann entlassen Dicke Grütze mit Fleisch Muss ins Lazarett wegen hohem Fieber. Habe Angst, die Entlassung zu verpassen. Sage dem Arzt, dass ich wegen meiner kurzen Jacke so friere. Er besorgt mir eine andere, längere Militärjacke. Komme nach 2 Tagen wieder raus. Habe noch mehrere Jahre diese Fieberanfälle gehabt. 84

87 Nichts Besonderes Lungere wieder einmal bei der Küche herum, in der Hoffnung, Brot abzuladen. Es kommen 2 russische LKW die irgendetwas bringen. Die Russen gehen in die große Küche. Als sie weg sind, tue ich so, als wenn ich den Wagen putze. Beim Putzen gucke ich auch unter den LKW und sehe in den horizontal liegenden Ersatzreifen, auf der rechten Seite von vorn, mehrere Würste, ca. 30 cm lang, liegen. Ich schnappe mir 2 Stück davon und verschwinde zu meinem Lager. Als ich die Würste aus meiner Bluse herausnehme, sieht es mein Nachbar Heinz aus Pforzheim. Ich gab ihm natürlich eine Wurst ab. Es ist schon deprimierend, fast jeden Tag Entlassungen zu erleben, und man ist nicht dabei Drahtverhau in Öl (Trockengemüse in Öl) Es verlässt einem immer mehr der Mut. Man kann nicht arbeiten, weil Jugendkompanie, aber durch die vielen Jugendkompanien viel Konkurrenz, die arbeiten will. Man liegt nur noch herum, auch weil man Hunger hat, denn das, was es gibt, ist zu wenig. Nach einigen Tagen Liegen will ich den Oberkörper aufrichten und falle sofort wieder um, Blutleere im Gehirn. Von da an ging ich wieder jeden Tag spazieren Bohnengrütze in Öl, dünn. Statt des ¼ Kommissbrots gibt es inzwischen 1/16 Brot pro Tag Nichts Besonderes Fluchtversuch, 1 auf der Flucht erschossen, 1 aufgehängt, 1 danach erschossen. Ab jetzt jeden Tag»Viehzählung«. Bei der»viehzählung«mussten alle Kompanien heraustreten, sich in 3er-Reihe hinstellen, die Reihen Abstand halten, damit 85

88 die Russen genau zählen konnten. Danach ging es wieder geschlossen in die Unterkünfte. Es ist schon erstaunlich. Viele haben geraucht und ihre Wertsachen, die sie verstecken konnten, mit Russen gegen Machorka (Tabak) getauscht. Sie raspelten von Holzplatten u. dgl., die getränkt oder gestrichen waren, Holzspäne ab und mischten das mit dem Tabak. Die Folge waren Verätzungen der Lunge. Daran starben viele. Dies war auch mit ein Grund, warum ich nie mit dem Rauchen angefangen habe Jeden Tag»Viehzählung« Grütze in Öl. Nachmittags müssen wir uns fertig machen für die Entlassung. Wir marschieren auf den freien Platz vor dem Tor. Ein russischer Offizier hat Entlassungsscheine in der Hand und liest die einzelnen Namen vor. Wenn er keine Scheine mehr hat, gibt ihm ein anderer Russe neue Scheine. Als er alle verlesen hat, sind ich und noch einige andere übrig. Ich denke, jetzt ist es aus. Da geht der andere Russe noch einmal weg und kommt wieder mit einigen Scheinen. Jetzt ist auch meiner dabei, ich werde als Letzter aufgerufen, renne nach vorn und hole mir meinen Schein. Entlassungsschein vom 20. August

89 Ich war überglücklich. Wir dürfen natürlich noch nicht raus, sondern müssen dort, wo wir standen, im Freien übernachten. Die Fläche bestand aus Beton-Fertigteilen, die zur Mitte hin leicht angehoben waren. Wir erhalten unser Abendbrot, Drahtverhau mit Wasser, aber mir war das egal. Ich lege mich gegen Uhr hin und schlief bis anderen Morgen ungefähr 7 Uhr Entlassung aus russischer Gefangenschaft. Nachdem ich aufgewacht war, konnten wir uns ja nicht waschen, denn wir lagen ja zwischen den beiden Drahtzäunen, wo sonst die Arbeitskolonnen das zweite Mal kontrolliert wurden. Aber das war mir egal, den anderen wahrscheinlich auch. Wir mussten antreten und irgendwann am Vormittag öffnete sich dann das äußere Tor und wir marschierten raus. Ja, als wir dann draußen waren, löste sich die Masse auf und jeder ging in die Richtung seiner Heimat. Ich ging so schnell, wie mich meine Füße trugen, zur nächsten S-Bahn-Station Erkner, immerhin ca. 5 km, und fuhr mit der S-Bahn ohne Vorkommnisse bis Bahnhof Prenzlauer Allee. 87

90 Heimkehr und die ersten Tage in Freiheit Einen Tag nach der Entlassung Ich stieg in die Straßenbahn Linie 72 ein, der Schaffner kam und verlangte Geld für die Fahrkarte. Ich sagte ihm, dass ich gerade aus russischer Gefangenschaft gekommen sei, was er sehen müsste, und kein Geld hätte. Er wollte aber unbedingt Geld oder ich sollte an der nächsten Station aussteigen. Da meldeten sich andere Fahrgäste, die alle»fein«angezogen waren, und sagten dem Schaffner, dass er mich fahren lassen sollte, was er dann auch tat. An der Spitze, dem Zusammenschluss der Prenzlauer Allee, Prenzlauer Promenade, Heinersdorfer Straße und Langhansstraße stieg ich aus und ging die Heinersdorfer Straße entlang. Keiner erkannte mich, auch nicht die ältere Frau vom Zigarrenladen gegenüber der Charlottenburger Straße, die vor ihrem kleinen Laden stand und mich schon lange kannte. Bei uns ging ich die Treppe hoch und als ich noch eine halbe Treppe tiefer war, öffnete sich die Tür und mein Vater stand dort. Ich überlegte, dass ich noch eine halbe Treppe tiefer war und gar nicht geläutet hatte, und fragte ihn. Er sagte, dass er meine Schritte gehört hat. Da ich weder geschrieben noch angerufen hatte, war es eine Eingebung seiner inneren Stimme. 88

91 Vater und Mutter freuten sich sehr, auch die Nachbarin vom Nebenhaus, die gerade zu Besuch war. Die ersten Nächte geisterte ich durch die Wohnung. Ich konnte nicht schlafen und musste alles in mich, wie beim Filmen, neu aufnehmen. Meine Mutter kochte am nächsten Tag eine Brotsuppe, bestehend aus einem Brot, Wasser, Salz und Vanilleessenz. Es hat köstlich geschmeckt. Irgendwann besuchte ich dann auch meine Freunde Richard Fechner und Freddi Petzold. Da ich noch eine schöne Glatze hatte, setzte ich einen Hut auf, ich wollte nicht, das Russen meinen Kopf sahen. Als ich das meinen Freunden sagte, gingen wir dann immer alle bei der Hitze mit Hüten. Drei gute Freunde Unschön wurde es, als ich erfuhr, dass jemand mich bei den Russen melden wollte, weil ich ein HJ-Führer gewesen bin. Er tat es dann nicht oder man überredete ihn, es nicht zu tun, ich weiß es nicht. Denn dann wäre ich nach Sachsenhausen in das russische KZ gekommen. Gott sei Dank blieb mir das erspart. Ich hatte von meiner Zeit in der Nachrichten-HJ zu Hause ein Morsegerät, da ich Privatfunker werden wollte. Mein Vater hat das Gerät, mein Luftgewehr, Auszeichnungen, Papiere usw., bevor die Russen kamen, noch vernichtet. Wenn die das gefunden hätten? Wie mir mein Vater erzählte, hat ein russischer Offizier aber mein Grammofon mit den Platten mitgenommen. Die polnische Sprache, die mein Vater noch beherrschte, hat den Bewohnern beim Einmarsch der Russen sehr geholfen. 89

92 Nachwirkungen dieser Zeit Ein Gewehr habe ich erst wieder auf einem Rummel in Tempelhof 1952, nach sieben Jahren, angefasst. Ich konnte immer noch gut schießen, auch später, wenn ich mit Mitarbeitern meines Büros zum Oktoberfest ging, wo sie mich unbedingt schlagen wollten. Einmal bekam ich an einem Stand Schießverbot, weil ich zu viel getroffen hatte. Zu Silvester, wenn Feuerwerk gemacht wurde, bin ich bei fast jeder Detonation zusammengezuckt, auch wenn diese von Autos kamen.»es waren die Nachwehen einer für unsere Jugend sehr schlimmen Zeit.«Den Fritz Mosler habe ich erst circa zehn Jahre später bei ihm zu Hause besucht, er ist dann leider schon 1987 gestorben. Gerhard Köbe habe ich 44 Jahre danach wegen des ersten Klassentreffens geschrieben. Bei einem Telefonat hatte er keine Erinnerungen mehr an mich im Lager und auch nicht, dass sein Vater mit meinem Vater einmal vor dem Lager war. Mit dem Heinz aus Pforzheim hatte ich noch einige Zeit Kontakt, da wir beide Briefmarken sammelten. Ich schickte ihm welche aus der DDR. Was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht. Als ich 1958 flüchtete, habe ich alles, auch seine Adresse, leider nicht mitgenommen. Mein Fazit»Ich fragte mich oft, habe ich Glück gehabt, war es Vorsehung, warum, sollte ich noch mehr geprüft werden, für wen war das alles? Der Krieg war zu Ende, wir wussten nicht, dass es uns einmal so gut gehen würde. Man versuchte alles zu vergessen, um nicht an die Verwundeten, Verstümmelten, Toten, das unsägliche Leid und die Grausamkeiten denken zu müssen. Mit der Zeit verdrängte man alles, es war dann alles vergessen, nur im Hinterstübchen blieb es vorhanden.«90

93 Nachkriegszeit Judo und Boxen Als ich aus der Gefangenschaft nach Hause kam, wollte ich auch wieder Sport treiben. Nur war ich so schwach, dass ich nicht einmal 30 m rennen konnte. Es war die Zeit meines Studiums. Um mich körperlich aufzubauen ging ich zuerst in einen Judoverein mit meinem Freund Heinz. Wir lernten da alles Mögliche, auch das richtige Hinfallen. Da aber kein Kraftsport betrieben wurde, ich aber meine Muskeln auffüllen wollte, gingen wir in einen Boxverein in Weißensee, wo auch mein Bruder Walter war. Die Trainingshalle war in Weißensee und wir hatten einen guten Trainer. Wir trainierten Seilhüpfen, Punchingballschlagen, am Sandsack usw. An einem Tage sollte ich gegen meinen Bruder im Training boxen, ich wollte es nicht, ich hatte ihn früher zu oft geschlagen, wenn er mich geärgert hatte. Dafür boxte mein Freund Heinz gegen ihn. Einmal beim Training bekam ich so einen Schlag an meinen Kopf, dass ich dachte, da wackelt innen alles. Danach hörte ich auf, denn ich konnte mir beim Studium solche Kopfstöße nicht leisten. Später rannten mein Bruder und ich morgens vor dem Frühstück um unseren Block und als ich dann die erste Zeit arbeitete, ging ich donnerstags, nach der Arbeit, direkt zum Stadion in der Buschallee, lieh mir eine Kugel und einen Speer und trainierte Laufen, Springen Kugelstoßen und Speerwerfen, rund eine Stunde. Erst dann ging ich nach Hause. Spätere Erlebnisse mit russischen Soldaten Ausgangssperre In Berlin war ab 22 Uhr abends Sperrstunde (Ausgehverbot). Einmal bin ich mit meinem Freund Heinz, der in Steglitz wohnte, dort ins Kino gegangen. Ich kontrollierte nicht, wann der Film aus ist. Als wir aus dem Kino herauskamen, war es schon sehr spät. Es fuhr keine S-Bahn und Straßenbahn mehr. Ich ging also von Steglitz zu Fuß nach Weißensee, 91

94 circa 9 km. Im sowjetischen Sektor musste ich schon vorsichtig sein. Inzwischen war es dunkel geworden. Als ich an der»spitze«ankam, Zusammenschluss der Straßen Prenzlauer Allee, Prenzlauer Promenade, Heinersdorfer Straße, Langhansstraße, hörte ich auf einmal»stoi«(halt). Ich blieb stehen und es kam ein russischer Soldat mit vorgehaltener Maschinenpistole auf mich zu und leuchtete mich mit seiner Taschenlampe an. Warum ich auf der Straße sei, woher ich käme usw. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich nur circa 100 m weiter wohne und er mich doch durchlassen solle. Ich versprach ihm auch meinen Vierfarbstift, den mir mein Vater geschenkt hatte. Bevor wir handelseinig wurden, kam ein zweiter Russe dazu. Das Geschäft kam nicht zustande. Der Wachtposten brachte mich zur russischen Kommandantur in der Prenzlauer Allee. Dort wurde ich dem wachhabenden Offizier übergeben und kurz verhört. Danach brachte man mich in eine Zelle, wo an der Wand mehrere Stahlbettgestelle befestigt waren. Ein Gestell wurde heruntergeklappt und ich sollte mich auf die Stahlmatratzen legen. Es gab natürlich keine Decke oder etwas zum Zudecken. Ich hatte aber einen Schlagring bei mir, den ich loswerden wollte. Ich bat deshalb zur Toilette gehen zu dürfen, der Wachtposten kam natürlich mit. In der Toilette war ich aber alleine, holte den Schlagring aus dem Versteck zwischen Schuh und Strumpf und legte ihn leise in das WC, spülte und öffnete die Tür, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass er verschwunden war. In den anderen Zellen waren nur Russen, zum Teil betrunken. Am nächsten Morgen wurde ich verhört, die Personalien aufgenommen und ich konnte gehen. Meine Eltern, die sich Sorgen gemacht hatten, erfuhren erst von mir, wo ich gewesen war. Ich habe dann nie wieder die Sperrstunde überschritten. Einbruch Ein anderes Mal, im Winter, kamen Alfred Petzold und ich vom Tanzen. Es war noch keine Sperrstunde. Ich begleitete Alfred bis an seine Haustür in der Langhansstraße, fast an der Ecke Heinersdorfer Straße, ging auf die andere Straßenseite, da hörte ich russische Soldaten wie die Wilden schießen und schreien»stoj«(halt). Ich sah niemanden auf der Straße, duckte mich aber hinter einem breiten Baum und da kamen sie auch schon an. Sie nahmen mich in die Mitte, führten mich zur russi- 92

95 schen Kommandantur in Pankow und lieferten mich bei dem leitenden Offizier ab. Dort stand auch ein älterer Deutscher. Ich fragte ihn, was los sei, und der erzählte mir, dass bei ihm russische Soldaten eingebrochen und die Scheibe zerschlagen hätten. Er sei sofort zur Kommandantur gegangen und hätte das gemeldet. Die russischen Offiziere hätten gesagt, das tut kein russischer Soldat, es müssten Deutsche sein. Daraufhin haben sie die Patrouille losgeschickt, die mich auf der Straße fand. Ich zeigte ihm und auch den russischen Offizieren, die mich verhörten, meine Handschuhe und erläuterte, dass dort keine Glassplitter dran sind. Ich bat auch dem Mann zu sagen, dass er nicht mich, sondern russische Soldaten gesehen hätte. Der traute sich nicht, und die Russen, die kaum Deutsch sprachen, glaubten mir nicht. Ich sollte ins Gefängnis gebracht werden und wurde deshalb von einem russischen Soldaten nach unten geführt. An der Haustür, wo wir alleine waren, versuchte ich ihn zu überreden, mich laufen zu lassen, und versprach ihm meinen Vierfarbstift. Als der Soldat gerade ja sagen wollte, kam ein Offizier und sie fuhren mich im offenen Lastwagen zur Kriminalpolizei in Pankow. Dort kam ich in eine Zelle. Am anderen Morgen wurde ich einem Herrn von der Kriminalinspektion vorgeführt, der mich verhörte. Ich sagte ihm, wie das alles war, und er ließ mich nach kurzer Zeit gehen. Meine Eltern hatten sich wieder eine Nacht Sorgen um ihren Sohn gemacht. Nach dem Kino Ich hatte eine Freundin mit Namen Helga. Wir kamen gerade aus dem Kino und gingen am Tage die Gustav-Adolf-Straße entlang. Hinter der Langhansstraße kamen russische Soldaten aus einem Hausflur heraus, sagten»stoj«(halt) und verlangte unsere Papiere. Ich studierte gerade an der Ingenieurschule für Bauwesen in Neukölln und hatte einen Studentenausweis, auf dem in drei Sprachen, auch in der russischen Sprache, stand, wie ich heiße, dass ich studiere usw. Nachdem sie alles überprüft hatten sagten sie, dass ich gehen könnte, aber nicht meine Freundin. Ich sagte zu ihnen»njet«(nein), das ist meine»madga«(frau) und nahm sie bei der Hand und wir gingen ungehindert los. In der Straße, wo sie wohnte, wollten wir die Straße überqueren, da kam uns ein russischer Offizier entgegen, betrunken, und fuchtelte mit 93

96 seiner Pistole herum. Wir kamen glimpflich davon. Ich brachte sie zu ihrer Tür und ging so schnell wie möglich nach Hause. Die Erlebnisse hatten wieder für einen Tag gereicht. Reise Der Dachdecker, bei dem ich während der Lehre auch arbeitete, sollte in das Zuckerrübengebiet, bei Magdeburg, fahren und dort Melasse kaufen oder organisieren. Wir fuhren mit dem Zug dorthin und übernachteten in einem kleinen Dorfgasthaus. Um etwas zu essen, gingen wir in das kleine Lokal. Dort saß ein russischer Offizier an dem größten Tisch und trank Wodka. Wir bestellten unser Essen und wollten anfangen zu essen, da sagte der Offizier, wir sollten mittrinken. Er hatte sich mehrere Wassergläser mit Wodka schön in einer Reihe hinstellen lassen. Ich sagte ihm, dass ich Sportler sei und keinen Alkohol trinke. Er sagt,»ich auch Sportler«, dann nahm er ein Glas nach dem anderen und trank es in einem Zuge aus. Zwischendurch nahm er Brotstücke, tauchte sie in das Salzfass und aß sie auf. Nach dem sechsten oder achten Glas wurde ihm übel, er ging nach draußen, übergab sich und kam wieder. Wie lange er noch da war, wussten wir nicht. Diesen Zeitraum nutzten wir und verschwanden. Es war die Zeit der Sieger. Nachher habe ich auch nette Menschen kennengelernt Sonstige Erinnerungen an die Nachkriegszeit Die nächsten Absätze sollen an die Zeit nach dem Kriege erinnern, wo es so viele Probleme gab, wie man sie sich heute nicht vorstellen kann. Trümmer und Trümmerfrauen Der Krieg war seit Mai 1945 zu Ende, die meisten Männer waren noch nicht zurück. Die Ruinen waren überall vorhanden und die Trümmer mussten weggeräumt werden. Fast die Einzigen, die da waren, waren die sogenannten Trümmerfrauen. 94

97 Die Schuttberge waren riesig. Als Lohn gab es für die Frauen ein besseres Butterbrot. Hunger Der Hunger war das größte Problem der Nachkriegszeit. Ende März 1947 kam es zu großen Hungerdemonstrationen und Streiks im Ruhrgebiet, im Mai versammelten sich über Menschen zu einer Protestkundgebung in Hamburg und anderen Städten und Regionen. Hinsichtlich der Ernährungslage wurde das Jahr 1947 zum kritischsten der gesamten Nachkriegszeit. Man tauschte alles gegen Esswaren. Während des Studiums bekamen wir mittags Suppen, zuerst kostenlos aus Spenden, später mussten wir eine Kleinigkeit bezahlen. Ein großes Problem waren die fehlenden Transportmöglichkeiten, die auch zum Kohlenmangel an der Bauschule führten. Lebensmittelmarken Es gab noch Lebensmittelmarken und Bezugscheine für zwei Zentner Kohlen, Kleidung usw. Die Menge auf den Lebensmittelmarken reichte nie aus. Das Geld war sehr knapp, ein Arbeiter verdiente vielleicht RM, wenn er Arbeit hatte, ein Brot kostete ohne Lebensmittelkarten ebenfalls rund RM, ein Zentner Kartoffeln auch, wenn man jemanden fand, der so etwas verkaufte. Wir Studenten bekamen zusätzliche Lebensmittelmarken für Schwerarbeiter, weil wir länger als acht Stunden am Tage tätig waren. Schwarzmarkt Die großen Renner im Schwarzhandel waren Fahrradreifen, Nylonstrümpfe, Schmuck und Gold, sofern es nicht von den Siegern als Beute mitgenommen worden war. Das heißt, man versuchte alles Mögliche, um an Esswaren zu kommen. Es bildeten sich Orte, wo der Schwarzmarkt im großen Stil betrieben wurde. Dort waren aber auch die meisten Razzien der Polizei. Auch Kinder wurden kontrolliert. Wer andere Dinge, wie z. B. Fahrradreifen, hatte, fuhr nach Westdeutschland, um gegen Salzheringe zu tauschen, die in Berlin wieder 1,00 RM je Stück kosteten. Oder man fuhr mit den Reifen zu den Bauern, um sie gegen Tabakpflanzen zu tauschen. Man wollte eigentlich nur überleben. Ich 95

98 fuhr einmal mit Reifen zu Bauern außerhalb von Berlin und tauschte sie gegen Tabakpflanzen. Da ich aber keine Ahnung davon hatte, wie gute Tabakpflanzen aussehen, profitierte der Bauer von meiner Dummheit. Wenn man mit Gold handeln wollte, musste man wissen, wie man Gold prüft, nämlich mit Königswasser. Man lernte dabei eine ganze Menge. Ich versuchte es auch, aber anscheinend war ich noch nicht reif genug. Carepakete Den größten Hunger stillten oft die Spenden aus der Schweiz und die Carepakete aus den USA, die aufgrund des Marshallplanes geliefert wurden. Man bekam sie nur in Westberlin. Wir Ostberliner mussten deshalb nach Westberlin, um unsere Pakete abzuholen. Da es noch keine genauen Grenzkontrollen gab, war es nicht so schwierig. Sperrstunde Die Sperrstunde ab 22 Uhr war auch ein großes Hindernis. Wurde man erwischt, musste man mit zur Kommandantur, wurde verhört und musste eventuell in das dortige Gefängnis. Die»Herren«benahmen sich nicht immer kooperativ. 96

99 Beruflicher Werdegang bis 1954 Gespräche mit meinem Vater Als ich 1943 vierzehn Jahre wurde und das Ende der Schule immer näher rückte, machte ich mir auch Gedanken über meinen späteren Beruf. Ich wollte unbedingt zum Bau, da ich gerne zeichnete und malte. Ob ich Architekt werden wollte, weiß ich nicht mehr, es fehlte eigentlich die Grundlage für ein Studium, nämlich das Abitur, was ich ja nicht wusste. Wahrscheinlich wollte ich nur technischer Zeichner werden, was mit meiner Vorbildung (Volksschule) möglich war. Da der Vater von meinem Schulfreund, dem dicken Fritz, Polier am Bau war, sagte ich meinem Vater, dass ich auch zum Bau möchte. Er sagte mir, dass er keine Beziehungen dorthin habe und es auch augenblicklich (1943) dort schlecht wegen der Wirtschaftslage sei. Er riet mir ab, zu einer Großfirma zu gehen, er kannte sie zur Genüge. Er sagte, versuch es doch bei der Deutschen Reichsbahn, die inserierten,»bautechnischer Junghelfer«gesucht für den mittleren Dienst. Eventuell. könnte man dort auch studieren oder anders weiterkommen. Ich beschäftigte mich damit und bewarb mich, mit meinem Vater. Alleine war man noch sehr dumm. Ich wurde angenommen. Außerdem sagte er:»du wirst mindestens zwei Berufe in deinem Leben haben«. Bei unserem Gespräch sagte er mir noch:»du hast doch noch dein Spielzeug, das du jetzt nicht mehr brauchst. Schenk es doch deinen armen Cousins.«Ich sammelte mein gesamtes Spielzeug zusammen, es war ein kleiner Karton von circa cm. Mein Onkel Otto, mit dem ich mich auch darüber unterhielt, er hatte auch die Not kennengelernt, sagte unter anderem zu mir:»befolge folgenden Spruch: Spare, lerne, leiste was, dann hast du, kannst du, bist du was.«oder wie er mir aufgrund seiner Erfahrungen erläuterte:»wenn du sparst, hast du keine Schulden und damit keine Probleme, wenn du lernst, kannst du was und weißt du mehr, wenn du was leistest kannst du mehr verdienen und durch dein Wissen auch was werden.«97

100 Diese beiden Vorschläge, von meinem Vater und Onkel Otto, nahm ich mir zu Herzen und befolgte sie mein Leben lang. Lehre als bautechnischer Junghelfer Im Frühjahr 1943 begann meine Lehre bei der Deutschen Reichsbahn. Wir Neuen mussten zur Reichsbahndirektion in der Stadtmitte. Dort wurde uns von unserem Ausbilder mitgeteilt, wie unsere Lehre verlaufen würde und bei welcher Bahnmeisterei jeder anfangen muss. Der Ablauf für die mittlere Laufbahn war wie folgt vorgesehen: 3 Jahre Lehre auf allen Gebieten des Baues und Eisenbahnbaues und wenn man gut war, 2,5 Jahre Bauschule (5 Semester) mit Abschluss Ingenieur für Tiefbau, dann 1 2 Jahre Inspektorenanwärter, Abschluss Reichsbahn-Inspektor, und eventuell weiter Oberinspektor und Amtmann, dann, wenn entsprechend begabt, 5 Jahre TH Dresden, Abschluss Dipl.-Ing., dann Anfang als Reichsbahnrat, d. h. nach ca. 15 Jahren. Als Ausbildungsbeihilfe erhielt ich monatlich bis : 30,00 RM bis : 40,00 RM bis : nichts wegen Gefangenschaft und bis : 75,00 RM Man muss wissen, die Ingenieurschule für Bauwesen in Neukölln, vorher Bauschule, bildete damals in zweieinhalb Jahren unter anderem die Ingenieure für Hoch- und Tiefbau aus, wobei wir uns als die angehenden»besseren technischen Zeichner und Zuarbeiter«für die Diplom-Ingenieure, Studienzeit fünf Jahre, verstanden, die von den Universitäten und technischen Hochschulen kamen. Aber trotzdem war es eine interessante Perspektive. Es wurde unter anderem verlangt, dass wir eine Eisenbahnermütze, aber keine Eisenbahneruniform tragen müssen. 98

101 Die erste Dienststelle Meine erste Dienststelle war die Reichsbahnmeisterei Greifswalder Straße. Wen traf ich dort, den dicken Fritz. Er war doch nicht zu einer Baufirma gegangen, sondern auch zur Deutschen Reichsbahn. Unser Chef war ein Ingenieur, der für den ganzen technischen Bereich (Gebäude, Gleise, Brücken) im Gebiet dieser Bahnmeisterei zuständig war. Wir mussten von Anfang an alles, was wir taten, in Berichtsheften (DIN- A4-Format) sauber notieren, wenn erforderlich mit Skizzen, und unserem Chef jeden Monat zwecks Bewertung geben. Das war am Anfang schwierig, denn wir waren noch große Kinder, die gerade von der Volksschule gekommen waren und noch nicht den nötigen Ernst fürs Leben hatten. Das führte dazu, dass er uns eines Tages sagte:»wenn ihr euch nicht mehr anstrengt, fliegt ihr raus.«von da an wurde wirklich gelernt und gearbeitet. Ich erhielt von Anfang an einen Versicherungsausweis der Sozialversicherungskasse der Eisenbahn Berlin, in dem jedes Jahr die Bezüge eingetragen wurden. Meine Zeit als»soldat«und in Gefangenschaft wurde nicht berücksichtigt. Versicherungsausweis: Außenseiten 99

102 Versicherungsausweis: Innenseiten Später kamen wir auch zu anderen Bahnmeistereien. Wir arbeiteten von Montag bis Samstag 14 Uhr, 48 Stunden/Woche. Einmal in der Woche mussten wir zur gewerblichen Berufsschule der Reichshauptstadt nach Berlin-Wedding III (Baugewerbe). Als wir gewisse Fertigkeiten hatten, arbeiteten wir als Gleisarbeiter, bewacht von den Streckenposten, das heißt Schwellen einbauen, 2 Zangen und 4 Mann, Schienen verlegen, 6 10 Mann und 3 5 Zangen, die zwei Mann anfassen mussten, und die Schienen mit Schrauben an den Schwellen befestigen (auch zwei Mann), dann die Schwellen von beiden Seiten unterstopfen mit Schotter, dafür hatte jeder eine Stopfhacke, pro Schwelle 4 Mann. Der fertige Unterbau war natürlich vorher genau vermessen worden. Wenn wir fertig waren, fuhr ein Messwagen die Strecke ab und maß die Höhendifferenzen, die dann eventuell korrigiert werden mussten. Erst danach wurde der Streckenabschnitt freigegeben. So lernten wir den Außendienst und auch den Innendienst mit der Zeit kennen. 100

103 Berufsschule Wir bekamen am am Beginn der Lehre einen Ausweis, wo genau festgelegt war für die Jahre 1943 bis 1945, wann und wo wir zur Berufsschule mussten. Die Berufsschule war für jede Lehre obligatorisch. Man musste hingehen, ob man wollte oder nicht. Wir bekamen einen vierseitigen Ausweis von der Schule, in dem auch die Schuljahre, Zeiten, Schultage und Klassenzimmer notiert waren. Abgestempelt wurde der Ausweis außerdem vom Lehrherrn, bei mir von der Deutschen Reichsbahn. Berufsschulausweis: Außenseiten und Innenseiten 101

104 Innen hieß es: Auszug aus dem Gesetz über die Schulpflicht im Deutschen Reich (»Reichsschulpflichtgesetz vom 6. Juli 1938«). Das Gesetz besagte u. a.: 8: Beginn der Schulpflicht. Mit der Beendigung der Volksschulpflicht beginnt die Pflicht zum Besuch der Berufsschule. 9: Dauer der Berufsschulpflicht 10: Erfüllung der Berufsschulpflicht 11: Befreiung von der Schulpflicht 12: Schulzwang: Kinder und Jugendliche, welche die Pflicht zum Besuch der Volks- oder Berufsschule nicht erfüllen, werden der Schule zwangsweise zugeführt. Hierbei kann die Hilfe der Polizei in Anspruch genommen werden. 13: Verantwortlichkeit anderer für die Erfüllung der Schulpflicht. 14: Strafbestimmungen. In der Berufsschule bekamen wir den theoretischen und praktischen Teil vom Bauen mit. Wir lernten zeichnen, mit dem normalen Bleistift, mauern im Verband, zimmern und natürlich, welche Verbindungen es bei verschiedenen Maurer- und Zimmererarbeiten gibt usw. Wir wurden umfassend im Bauwesen ausgebildet. Diese praktische Ausbildung mit vielen gelernten Details sollte mir später sehr von Nutzen sein. Wir lernten bei unserem Lehrer, der nur noch einen Arm hatte, zeichnen. Als wir einmal zeichneten, drehte ich den Bleistift, um so lange wie möglich eine Spitze zu haben. Er sah das und fragte mich, woher ich das habe. Ich konnte ihm nur sagen, dass ich es aus mir heraus so mache. Er lobte mich, weil es richtig war. Im Bereich der Bahnmeisterei Einmal arbeiteten wir in der Bahnmeisterei auf der Rampe eines Lagers. War es Spielerei oder sonst was, jedenfalls stürzte ich auf das Gleis. Da ich Angst hatte wegen eventuell kommender Waggons, drehte ich mich beim Fallen so, dass ich außerhalb des Gleises, fast unter der Rampe, zu liegen kam. Glück gehabt. 102

105 Ein anderes Mal fand ich bei Arbeiten im Gleis am Bahnhof Prenzlauer Allee einen 10-RM-Schein. Ich war in diesem Bereich alleine. Trotzdem ging ich zu unserem Rottenführer und sagte ihm, dass ich 10 RM gefunden habe, und gab ihm diesen. Es war ein kleines Vermögen, denn ein Arbeiter verdiente vielleicht 120 RM im Monat. Ich dachte, ich bekomme Finderlohn, aber nichts. Ich war natürlich sehr enttäuscht von dem Mann. Unsere Arbeitsstelle in der Greifswalder Straße war manchmal vom Büro ziemlich weit entfernt. Obwohl wir es nicht durften, sprangen wir auf die in diesem Bereich langsam fahrenden Züge auf und in der Nähe unserer Arbeitsstelle wieder herunter. Es war riskant. Bei einem privaten Zimmereibetrieb Um auch praktische Fertigkeiten in einem Betrieb zu erlangen, kam ich zu einem privaten Zimmereibetrieb in Charlottenburg. Der Inhaber war ein älterer Mann. Das erste Mal, als ich mich auf dem Bau meldete, machte ich mit erhobener Hand den Hitlergruß, wie es überall erforderlich war, und sagte»heil Hitler«. Der Polier war ebenfalls ein älterer Herr, ein echter Berliner, er guckte mich an und sagte»morjen«. Von da an grüßte ich auch nur noch normal. Die Arbeit bestand vorwiegend darin, Ruinen oder teilweise bewohnte Ruinen mit provisorischen Dächern zu versehen. Außer dem Polier gab es noch einen Vorarbeiter, einen ehemaligen Polizisten und einen Ausländer. Der Vorarbeiter legte die Maße nach den Zeichnungen fest, skizzierte die auszuschneidenden Teile der Sparren bei den Auflagern auf den Balken usw. und wir mussten das dann aussägen. Er war sehr gut. Wir trugen die fertigen Balken und Sparren in die richtige Lage auf den Mauern, manchmal 3 4 Stockwerke höher als das letzte ganze Geschoss, nagelten die 4/4-cm-Leisten auf die Balken u.ä. Wir, der Ausländer und ich, mussten oft Balken, circa 24/30 cm und circa 4 m lang, auf dem Mauerwerk verlegen. Die Mauern waren 38 cm dick und das nächste Geschoss circa 6 m unter uns. Wir nahmen die Balken auf die zwei Arme und gingen jeder auf seiner Mauer und legten die Balken an der vorgesehenen Stelle ab. Zu dieser Zeit war ich aber schon eine gewisse Zeit bei der Firma. Ich war langsam schwindelfrei geworden. Die Sparren wurden dann mit 10 Zoll (25 cm) langen Nägeln auf den Balken befestigt. 103

106 Die meisten Dächer waren provisorische Dächer und sollten nur die darunter befindlichen Räume gegen Nässe schützen. Sie bestanden aus Brettbindern, die wir auf dem Bauhof vorbereiteten. Einmal musste ich die Außenseite eines Brettbinders von innen verschalen, das heißt mich hinsetzen, die Beine um eine vertikale Strebe schlingen, den Oberkörper so weit nach außen biegen, dass man sah, wo die Nägel hinkamen und dann die Nägel einschlagen. Es war ein komisches Gefühl, 6 9 m runtersehen zu können, und anstrengend. Mehrmals mussten wir auch an der Unterseite der Holzbalkendecken Schalungen anbringen. Dazu musste man über Kopf nageln, und das mit dem schweren Zimmermannshammer. Es war eine anstrengende Arbeit. Abends merkte man, was man getan hatte. Einmal mussten der Kollege und ich aus Spandau eine Fuhre Balken mit dem Pferdefuhrwerk holen, mit einem richtigen Panjewagen. Wir fuhren hin, luden auf und machten uns auf den Rückweg. Wir waren auf einer freien Straße außerhalb der Wohnbauten und noch ziemlich weit von Charlottenburg entfernt. Da hörten wir auf einmal die Sirenen, Fliegeralarm. Was machen? Wir fuhren weiter und sahen oben am Himmel Hunderte von feindlichen Bombern, die in Richtung Spandau flogen. Auf einmal hörten wir es pfeifen, es kam von den Bomben, die abgeworfen wurden auf Siemensstadt. Sie belegten die Gegend mit einem ganzen Teppich. Es hörte sich schlimm an, und schlimm war auch der Druck, der durch die vielen Bomben, die herunterkamen, auf uns lastete. Die Pferde musste der Kollege eisern festhalten, weil sie nervös wurden und fast durchgingen. Um einen besseren Halt zu bekommen, wollte der Kollege sich nach oben setzen, um die Füße gegen die Wand vor den Pferden pressen zu können. In der Zeit sollte ich die Zügel der wild gewordenen Pferde halten. Ich traute mich nicht. Er kam trotzdem nach oben und bändigte die Pferde. Ich bekam keinen Rüffel, weil ich so feige gewesen bin. Im Sommer war es auf den Dächern heiß, insbesondere wenn man die Dachpappe verlegen und befestigen musste. Einmal in der Mittagspause hatte ich so einen Durst, dass ich auch ein Bier trank wie die anderen, und das oben auf dem heißen Dach. Ich bekam natürlich zu Hause Durchfall, Kopfschmerzen usw. Ich habe es nie wieder getan. Während dieser Zeit zeichnete ich mir alle Dächer auf, auf denen wir arbeiteten. 104

107 Wieder in der Bahnmeisterei Nach meiner Rückkehr aus der Gefangenschaft, ich hatte ja die Lehre von Januar bis August 1945 unfreiwillig unterbrochen, meldete ich mich wieder bei der Bahnmeisterei in der Greifswalder Straße. Es waren zum Teil neue Personen dort, die mich gar nicht kannten. Man nahm mich aber wieder als Lehrling an. Ich erhielt am von der Reichsbahn einen Ausweis Nr. 62 auf dem Folgendes in deutscher und russischer Sprache stand, was sehr wichtig war (siehe Bild). Pass der Deutschen Reichsbahn Dieser Ausweis hat mir manches Mal geholfen: Der Bedienstete der Deutschen Reichsbahn Baujunghelfer Fritz Pietrowiak, geb Berlin, wohnhaft: Berlin Weißensee Heinersdorferstr. 33a hat sich zur Arbeit gemeldet und ist zur Dienstleistung herangezogen worden. Wir bitten, Genannten nicht für andere Arbeiten heranzuziehen. Seine Wohnung darf nicht beschlagnahmt werden. Für seinen Dienst ist er berechtigt, ein Fahrrad zu benutzen. Berlin, 30. August 1945 Deutsche Reichsbahn Bahnmeisterei 3 Unterschrift 105

108 Heute lacht man über die letzten zwei Sätze. Damals nach der Kapitulation konnte es passieren, dass die Wohnung beschlagnahmt wurde, oder ein russischer Soldat nahm einem unterwegs das Fahrrad weg. Die letzte Zeit nahm ich noch am Unterricht in der Berufsschule teil. Ende März 1946 erhielt ich das Entlassungszeugnis der Berufsschule. Auch von dem Zimmereibetrieb ließ ich mir Anfang Januar 1946 ein Zeugnis geben mit dem Hintergedanken, eventuell später die Zimmerergesellenprüfung zu machen, man wusste ja nie, ob man nicht einmal den Meister machen wollte. Im März 1946 war auch die Lehre vorbei. Im Schreiben von Anfang Februar 1946 der Deutschen Reichsbahn wurde mir mitgeteilt, dass ich»in Anerkennung Ihrer Leistungen als Baujunghelfer dem Studium an den Vereinigten Bauschulen der Stadt Berlin in Berlin-Neukölln zugeführt werde«. Gleichzeitig wurde Anfang April 1946 ein Darlehensvertrag unterschrieben, in dem unter anderem als Ausbildungsbeihilfe 75,00 RM je Monat festgelegt wurden. Mit Schreiben ohne Datum der Vereinigten Bauschulen der Stadt Berlin wurde mir mitgeteilt, dass ich zur Ausleseprüfung für die Anfangssemester Mitte März 1946 erscheinen soll. Die Prüfungsgebühr von 10,00 RM sollte in bar an der Kasse vor der Prüfung eingezahlt werden. Ich war gerade sieben Monate vorher aus russischer Gefangenschaft gekommen und hatte keine Möglichkeit gehabt, mich richtig vorzubereiten. Das Ergebnis war verheerend. Ich hatte trotzdem die Prüfung bestanden und war überglücklich. Die Vereinigten Bauschulen von Groß-Berlin Die Vereinigten Bauschulen, dann umbenannt in Ingenieurschule für Bauwesen, waren die Ersten, die den Unterricht nach dem Kriege wieder aufnehmen konnten. Es hatte dort schon vom Herbst 1945 bis Frühjahr 1946 ein Vorsemester gegeben. Die Voraussetzung zum Studium waren normalerweise der Schulab- 106

109 schluss mit mittlerer Reife, drei Jahre Lehrzeit in einem Bauhandwerk mit Gesellenabschluss und anschließende Berufsausübung oder Abitur und anschließendes zweijähriges Praktikum im Baugewerbe. Das Durchschnittsalter bei Studienbeginn wäre etwa Jahre gewesen. Da die jungen Männer noch nicht oder nicht mehr da waren, konnten die Studiengänge nicht entsprechend gefüllt werden. Es wurde deshalb der Zugang zum Studium vereinfacht. Man konnte also mit Volksschulabschluss, Lehre und Aufnahmeprüfung zum Studium zugelassen werden. Dies hatte zur Folge, dass wir, zum geringen Teil 17-Jährige, mit 16 Jahren noch im Krieg oder in Gefangenschaft, schon zum Studium zugelassen wurden. Heute undenkbar. Wir waren somit mit 19 Jahren schon fertige Ingenieure. Die Folge für uns war, dass wir keine»studentenfreizeit«wie heute hatten, aber in dem Alter, in dem heute Studenten ihr Studium beenden, hatten wir schon fünf bis acht Jahre Erfahrung. Der Lehrbetrieb Die Dozenten waren auch zum Teil erst im März 1946 eingestellt worden. Die meisten hatten auch keinen Vorlauf, nur das wussten wir damals nicht. Wir wunderten uns nur, wie und was sie uns manchmal beibringen wollten. Manchmal waren es noch Kollegs aus dem Jahr 1936 (z. B. im Eisenbahnbau), obwohl es schon seit 1942 neue Schienen usw. gab (ST42). Andere lasen im Schnelltempo von irgendwelchen Unterlagen ab. Man bekam natürlich keine Kopie davon. Besorgte man sich das gleiche Material, konnte es zu ungünstigen Konsequenzen für einen führen. Fachliteratur gab es kaum, der Krieg war ja erst zu Ende. Man besuchte manchmal alle paar Tage alle möglichen Buchhandlungen, Verlage, Geschäfte für Schreib- und Zeichenutensilien usw., um an alte und neue Fachliteratur und vor allen Dingen Zeichenmaterial heranzukommen. Da wir auch auf»schöllerhammer«karton oder Transparentpapier zeichneten, ging auch viel Zeit mit der Suche danach verloren. Bei allem war immer das Problem, was kostet es. Bezahlt wurde ja immer noch mit der Reichsmark. Die Währungsreform kam dann erst im Juni

110 Semestergeld und Krankenkassenbeitrag Auch nach dem Kriege gab es nichts umsonst. Nicht nur, dass wir bei der Aufnahmeprüfung unser Verbrauchsmaterial mitbringen und 10,00 RM zahlen mussten, wir durften auch je Semester 125 RM zahlen, ein Arbeiter verdiente circa ,00 RM/Monat; es war also ein kleines Vermögen (der Betrag wurde von der Reichsbahn für die Eisenbahner übernommen). Außerdem fiel ein Krankenkassenbeitrag von 20,00 RM an, der auf dem Studentenausweis bestätigt wurde, den wir direkt bezahlen mussten. Vorhandene»Technik«Die verwendbare»technik«bestand in einem»rechenschieber«der Vorkriegsart, meiner war von 1942, mein Vater hatte ihn von einem Ingenieur von der Firma Siemens erhalten, und»rechenmaschinen«, bei denen man noch mit dem Daumen die Dezimalstellen einstellen musste. Erst im Laufe der Zeit kamen verbesserte Rechenschieber auf den Markt. Einer von uns hatte dann einen 53 cm langen Rechenschieber. Ingenieurschule für Bauwesen

111 Vorhandene Gebäude, in denen gelehrt wurde Die Gebäude in der Leinestraße hatten Klinkerfassaden und sahen, abgesehen von einigen beschädigten Mauerziegeln und dem offenen Dach, unbeschädigt aus. Innen war es anders. Die Fenster waren zum Teil zugemauert, bei den Fensterflügeln fehlten die Scheiben oder sie waren mit Pappen vernagelt. Das Dach war stark beschädigt und es regnete durch. Erst 1948 wurde das Dach repariert. Der Deckenputz war abgefallen, die Wände hatten Löcher und starke Putzschäden. Die Tische, Stühle und Wandschränke waren vorhanden. In der Kurfürstenstraße sah es nicht viel besser aus. Die»Studenten«und ihre Ingenieurschule Das Alter der»studenten«entsprach der Zeit. Neben einigen 17-Jährigen gab es die Kriegsverletzten und diejenigen, die schon früher das Abitur gemacht oder mit dem Studium angefangen hatten, aber durch den Krieg unterbrechen mussten und die aus dem Krieg oder der Gefangenschaft heimkehrten. Das Alter bewegte sich also zwischen 17 und 26 Jahren. Da es sich um eine Ingenieurschule handelte, waren auch die schulischen Insignien vorhanden (natürlich ohne den Rohrstock). Es gab einen Klassensprecher, der das Klassenbuch führte. In diesem Buch wurden jeden Tag die Anwesenden, die Zeit des Ankommens und Weggehens genau eingetragen. Man war immer unter Kontrolle. Als wir dann fertig waren, musste der Klassensprecher das Buch dem Schulleiter geben. Aber diese Schule hat uns nicht geschadet. Anders zu studieren wäre uns nie eingefallen, denn alle wussten, was sie wollten und mussten, nämlich so schnell wie möglich fertig werden und Geld verdienen. Von dem Geld, das man als Arbeitsloser bekam, konnte man nicht leben. Das erste Vorsemester im Winterhalbjahr 1945/1946 Am Beginn des Studiums an einer der ersten zu der Zeit geöffneten Fachschulen stand nicht immer nur das»lernen«, sondern sehr oft das»helfen«, das heißt das Schaffen von Räumen, damit unterrichtet werden konnte. Das schweißte Studenten und Dozenten zusammen. 109

112 Währungsreform Bevor wir dann endlich am 28. Juli 1948 fertig waren, wurde am 20. und 21. Juni 1948 im Westsektor und 23. Juni 1948 im Ostsektor die Währungsreform durchgeführt. Jeder konnte Kopfgeld im Verhältnis 1:1 eintauschen, wenn er 40,00 RM je Person geben konnte, nur wer hatte jetzt noch so viel Geld. Für einen Haushalt mit vier Personen wären das 160 RM gewesen. Man versuchte Bekannten und Verwandten, die mehr Geld hatten, zu helfen, in der Hoffnung, etwas vom Umtauschgeld abzubekommen. Aber von da an ging es aufwärts. Studium an den Vereinigten Bauschulen von Groß-Berlin von 1946 bis 1948 Im ersten Semester war unser Klassendozent ein Architekt und in den nächsten Semestern ein Bauingenieur, den wir in den Fächern Brückenbau, Autobahnbau, Stahlbetonbau usw. hatten. Studenten unseres Semesters 110

113 Stundenplan Sommersemester 1947 In der Klasse vorn, direkt vor dem Dozenten, saßen einige Studenten, die älter waren. Ich hatte mir einen Platz in Reihe 4, Mitte, ausgesucht. Außer mir waren noch mehrere von der Reichsbahn in meiner Klasse. Neben mir saß auch ein Weißenseer, der aber die mittlere Reife hatte. Ich merkte mit der Zeit, dass mir einiges Wissen fehlte und kaufte mir, um mein Allgemeinwissen zu verbessern, den Brockhaus, damals ein Band. Das Alter der Studenten lag zwischen 17 und 26 Jahren, ich war dabei der Jüngste. Unterricht gab es von Montag bis Sonnabend, rund 30 Stunden je Woche. Nach der Kohlenknappheit im Frühjahr 1947, von Januar bis März, wo wir keinen Unterricht hatten, erhöhte sich die Stundenzahl auf 42 Stunden je Woche, damit wir in unserem Plan blieben. Im Winter 1946 mussten wir für den einen Dozenten Kohlen von zu Hause mitbringen. Da ich nichts Richtiges zum Anziehen hatte, zog ich die erste Zeit die Hosen aus der Hitlerjugend an und im Winter die dicke dunkle Jacke. Ich hatte ja sonst nichts anderes. Als wir im 4. Semester waren, hieß es auf einmal, dass die Dauer des Studiums 6 Semester betragen soll statt 5 Semester. Nach kurzer Zeit kam Entwarnung, für uns sollten noch die 5 Semester gelten. Wir hatten also das erste, zweite, dritte, fünfte und sechste, insgesamt 5 Semester. 111

114 Probleme beim Studium Die Dozenten konnte man in drei Kategorien einteilen: a. die Schnellschreiber, die sehr schnell alles an die Tafel schrieben, ohne richtig zu erläutern, Kopien der Vorträge erhielt man sowieso nicht, b. die sich kaum vorbereitet hatten, was sie aus zeitlichen Gründen auch nicht konnten, c. die Dozenten, die uns einfühlsam das Wissen beibrachten. Trotzdem hatte ich im 2. Semester mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Dozent, den wir im Fach Statik hatten, nahm mich einmal beiseite und sagte:»herr Pietrowiak, Sie stehen in dem Fach Statik auf einer 3 4.«Ich muss gestehen, dass ich nicht alles so ernst genommen hatte, weil mir vieles zuflog. Ich antwortete ihm:»herr X, prüfen Sie mich in 14 Tagen auf gut.«der Dozent nahm es zur Kenntnis. Nach 14 Tagen wurde ich geprüft und bekam dann meine zwei und arbeitete danach noch mehr als vorher und hatte bis zum fünften Semester immer eine Zwei. Im Ingenieurzeugnis ergab sich aber nur, aus später erwähnten Gründen ein»genügend«. Auch im Wasserbau gab es Probleme. Wir hatten einen älteren Dozenten im Wasserbau. Da ich immer versuchte Literatur der einzelnen Fachgebiete zu kaufen, hatte ich für dieses Gebiet einige Bücher bekommen und durchgearbeitet. Nach einer Klausur in der Klasse, unter seiner Aufsicht, kam der Dozent zu mir, sah auf meine Ausarbeitungen und sagte:»wo haben Sie denn das alles abgeschrieben?«ich war erstaunt, denn ich hatte keine Spickzettel oder Bücher auf dem Tisch oder darunter, hatte aber die gekauften Bücher durchgearbeitet und mir sehr genau die Inhalte gemerkt. Ich sagte zu ihm:»entschuldigen Sie, aber ich habe nicht abgeschrieben, sondern mir das Wissen aus verschiedenen Büchern angeeignet.«er glaubte mir das nicht, deshalb bekam ich im Fach Wasserbau auch ein»genügend«, warum nicht ein»befriedigend«, war sein Geheimnis. Ich kam immer mehr in die Materie hinein, sodass mir manche 112

115 Arbeiten zu einfach waren. Im Brückenbau hatten wir unseren Klassendozenten. Er war der Beste vom Typ a. Zeichnung der Holzbrücke Im Fach Holzbrückenbau bekamen wir als Abschlussarbeit eine einfeldrige Holzbrücke. Wir sollten nur die verdübelte Holzbrücke berechnen und zeichnen. Mir war das zu wenig. Also machte ich daraus eine zweifeldrige Brücke und berechnete und zeichnete außerdem noch die Fundamente. Gezeichnet wurde damals auf Schöllerhammer-Papier, das heißt weißem, dünnen Karton. Ein Semester später sollten wir im Fach Massivbrückenbau nur den Bogen einer 70 m weit gespannten Bogenbrücke mithilfe von Einflusslinien (Spannungstrajektorien) berechnen und zeichnen. Mir war das wieder zu wenig. Ich berechnete und zeichnete noch dazu die wegen der großen Horizontalkräfte schräg zu stellenden Fundamente einschließlich der Bodenpressung und Bewehrung. Die Zeichnung war wieder auf dem weißen Karton gezeichnet worden. Einige Studenten hatten ihre Zeichnung noch nicht fertig. Ich überließ ihnen meine Zeichnung und sie kupferten diese auf Transparentpapier ab. Beim Abgeben der Zeichnungen ließ ich diese Studenten vorgehen. 113

116 Zeichnung der Stahlbetonbrücke Als ich drankam sagte doch der Dozent:»Wo haben Sie das denn abgekupfert (durchgezeichnet)?«ich konnte ja nicht sagen, dass die anderen von mir abgekupfert hatten, indem sie Transparentpapier zum Durchzeichnen nahmen, die ich dann vorließ, sondern sagte zu ihm:»sie sehen doch, dass ich auf Schöllerhammer-Papier gezeichnet habe und Abkupfern bei dieser dünnen Pappe schlecht möglich ist.«er glaubte mir anscheinend nicht. Im Fach Stahlbrückenbau sollten wir eine genietete Stahlbrücke berechnen und zeichnen. Im Unterricht sah ich, dass der Dozent aus einem Heft vorlas und wichtige Dinge an die Tafel schrieb, in seiner üblichen Schnellschrift. Ich fragte bei der Brückenbauabteilung der Reichsbahndirektion nach, ob es Musterberechnungen für genormte Brücken gibt. Nach einigem Hin und Her bekam ich das gleiche Heft wie der Dozent. Fortan schrieb ich dummerweise nicht mehr mit, sondern hörte intensiver zu und markierte nur die Stellen seines Vortrages. Eines Tages kam der Dozent im Unterricht auf mich zu und fragte, was ich dort hätte. Ihm war ja aufgefallen, dass ich nicht mehr mitschrieb. Ich sagte ihm, dass es das gleiche Heft ist, wie er es hat. Er fühlte sich in seiner Ehre gekränkt und sagte mir das ganz klar. Da ich ihm schon bei den anderen 114

117 Brücken aufgefallen war, war das anscheinend nur noch das i-tüpfelchen. Meine Zensur im Examen war dann nicht eine Zwei wie all die Jahre vorher, sondern»genügend«. Der Witz war nur, dass ich bei ihm auch Abendkurse in Statik genommen hatte, wo ich immer eine Zwei bekam. Was ich bei ihm gelernt hatte, kam mir später in der Praxis zugute. Sonstige Fächer und Dozenten Wir waren ja mehrere Studenten, die von der Reichsbahn kamen. Der Dozent im fortgeschrittenen Alter, den wir im Fach Eisenbahnbau hatten, unterrichtete nach einem Konzept von Mitte der 30er Jahre. Er kannte nicht den seit dem Jahr 1942 neuen Eisenbahnoberbau St42, die entsprechenden Schienen und Ähnliches. Wir Eisenbahner waren da schon weiter, ärgerten ihn aber nicht. Die Zusammenfassung betrug nachher 51 Seiten, letztere unterschrieben: ges. Dozent 26.II.48, 32 Seiten Einteilung der Bahnhöfe, Lokomotivbehandlungsanlagen, Gleise, Ladestraßen, Sicherungswesen, Abhängigkeit der Stellwerke, Bahnhöfe, ges. Dozent, 3.VII.48., Stellwerkzeichnungen und Entwurf einer Bahnhofsanlage F. E. Mittl. St., ges. Dozent, 12.VI.48. mit Grundriss, Schnitten, Höhen usw., 50 cm 150 cm groß, im Maßstab 1:100, 1:200, 1:1000. Auch das, was wir hier lernten, konnte ich später gut verwenden. Wir hatten auch Unterricht in der englischen Sprache. Nur, der Dozent konnte uns die Sprache sehr schwer vermitteln. Wir nannten ihn unter uns Mr. Dubbelyou. Im einem Fach hatten wir einen Dozenten, der uns»so viel beibrachte«, dass wir ihn bei dem Direktor melden wollten, aber es nicht taten. Man bemerke, auch früher gab es schon zornige Studenten, sie kannten bloß noch nicht den Ruf»Der Muff unter den Talaren«, der später für Furore sorgte. Beim Fach Erd- und Straßenbau hatten wir vorwiegend mit dem Autobahnbau zu tun. Der Dozent war vorher lange Jahre beim Autobahnbau gewesen. Er konnte uns sehr viele Erfahrungen aus dem Bau von Autobahnen mit auf den Weg geben. Von ihm erfuhren wir, dass die Autobahnen im Bereich der Kurven für Geschwindigkeiten von 120 km/std. ausgelegt wurden. Woher sein Kolleg, das er hielt, stammte, fanden wir auch heraus, aus dem Handbuch Straßenbau. Wir besorgten uns das Buch. Das vereinfachte das Lernen sehr. 115

118 Eine Bemerkung dazu: Ich konnte mir 1954 einen DKW kaufen. Bei einer»wettfahrt«von Leipzig nach Berlin konnte mich ein BMW eines Auftraggebers nicht überholen und ich ihn auch nicht. Denn beide Wagen fuhren nur maximal 120 km/std., schneller fuhr kaum ein Auto. Im Fach Baukonstruktion und Entwurfslehre hatten wir einen Architekten, einen Fachmann und netten Menschen. Wir hatten ihn leider nur im Semester 1HB. Er brachte uns vieles bei. Über ihn gab es nur Gutes zu berichten. Die Fächer Mathematik und darstellende Geometrie hatten wir bei einem Baurat. Auch bei ihm lernten wir viel. Insbesondere traktierte (positiv gesehen) er uns in darstellender Geometrie mit der Abwicklung von schwierigen Bauten, insbesondere von bayerischen Kirchtürmen usw. Die Entwicklung dieser Abwicklungen kamen mir später sehr zugute. In den Fächern Physik und Chemie hatten wir auch einen guten Dozenten. Der Dozent in den Fächer Freihandzeichnen und Schriftzeichnen war sehr gut. Im Freihandzeichnen mussten wir unter anderem Teile der Schule zeichnen. Man lernte sehen und aufs Papier bringen, was mir später bei Perspektiven aus der Hand zugutekam. Im Schriftzeichnen ging es damals um die gotische und andere Schriftarten, die wir mit speziellen Federn zeichnen mussten. Es war sehr hart. Andere Fächer waren noch Grundbau, städtischer Tiefbau usw. Bei aller Kritik an den Dozenten hatten wir nicht vergessen, dass sie auch erst zwischen Herbst 1945 und Frühjahr 1946 eingestellt wurden, das heißt zum Teil erst 2 6 Monate im Amt waren, als wir kamen, und sich nicht richtig vorbereiten konnten, sondern das Material für die Lehre zusammensuchen mussten. Voraussetzungen für das Studieren Wie schwierig sich das Studium gestaltete, zeigte sich nicht beim Lernen, sondern bei den erheblich erschwerten Bedingungen für die Studienzeit kurz nach Kriegsende. Es gab ja alles auf Lebensmittelmarken, zum Teil bis ins Jahr 1950, nur reichte es nicht. Von Mitte September 1946 bis Anfang Oktober 1947 erhielten alle 116

119 Studenten eine»schulspeisung«, täglich einen halben Liter Suppe, umsonst, aufgrund einer Schweizer Spende. Außerdem erhielten wir zusätzliche Kohlenkarten, weil die Studenten länger als acht Stunden arbeiteten. Ab Mitte August 1947 erhielten alle aus dem Osten die Lebensmittelkarte 2. Ab Anfang Oktober 1947 erhielten wir eine Schulspeisung, die 15 Reichspfennige kostete. Fast jeden Tag gingen wir nach dem Studium in die Stadt, um das erforderliche Zeichenmaterial, wie Bleistifte, Schöllerhammer-Karton, Bücher, zu kaufen. Da der Krieg noch nicht lange zu Ende war, gab es noch nicht sehr viel, die Produktionen hatten ja erst wieder angefangen. Ein Rechenschieber, 15 cm lang, kostete zum Beispiel 30,00 Reichsmark, bei einem Gehalt von etwa 140 Reichsmark ein Vermögen. Der Kommilitone Klaus Nickel schrieb während der ganzen Studienzeit ein Tagebuch, einschließlich der Stundenpläne. Auszug aus dem Tagebuch des Kommilitonen Klaus Nickel: Bauschule. Mit dem Klassenkameraden Pietrowiak zum Alexanderplatz gewesen wegen Büchern, aber keine bekommen. So ging es fast jeden Tag. Wenn man das Tagebuch liest, teilweise veröffentlicht in der von mir herausgegebenen»festschrift zur Erinnerung an die Besichtigung der TFH am «, TFH Technische Fachhochschule Berlin, Zusammenschluss der Ingenieurschule für Bauwesen, Gaußschule und Beuthschule, fragt man sich, wann wir noch Zeit zum Lernen hatten. Den Besuch an der TFH konnte ich leider nicht wahrnehmen, da ich seit im Krankenhaus war. Von Ende Januar 1947 bis Ende März 1947 fiel der Unterricht aus, weil Kohlenmangel herrschte. Anfang April 1947 erfuhren wir dann, wie wir den Unterricht nachholen, nämlich mit 42 Stunden pro Wochen. Sonst waren es in allen Semestern rund 30 Stunden je Woche gewesen. Ingenieur für Tiefbau Dann kam endlich das Ende des Studiums. Da ich keinen Anzug für die Abschlussprüfung hatte, ein neuer Anzug im Geschäften für mich sehr teuer gewesen wäre, half mir der Vater meines Freundes Heinz, der Schneider bei der Polizei war. Er schneiderte mir meinen ersten Maßan- 117

120 zug, Fischgrätenmuster, Doppelreiher, für einen Freundschaftspreis von 100 RM, damals bei RM Monatslohn sehr viel, gegenüber den Preisen in den Geschäften wenig, heute sehr, sehr wenig. im Maßanzug Dann konnte ich beruhigt Ende Juli 1948 in die mündlichen Prüfungen gehen. Während der mündlichen Prüfung standen wir alle, die zugelassen waren, vor dem Prüfungszimmer und bibberten, bis wir drankamen. Die mündliche Prüfung war dann gar nicht mehr so schlimm. Ende Juli 1948 erhielt ich dann die Urkunde Ingenieurzeugnis als»ingenieur für Tiefbau«, ich, mit 19 ½ Jahren. Damit war ich damals einer der jüngsten Ingenieure.»Man muss hart arbeiten, an sich glauben und auch Glück haben, um seinen Weg zu gehen, geschenkt wird einem im Leben nichts.«bei dem Erhalt der Urkunde machte ich den Fehler und schaute nicht sogleich auf die Rückseite, auf der die Abschlussnoten standen. Ich war zu glücklich, dass jetzt alles vorbei war. Ich hätte sonst die Diskrepanzen bei den Noten sofort gesehen und nicht erst später. Nur, an diesem Tage war ich froh, dass ich es hinter mir hatte. Mein nicht ungetrübtes Verhältnis zu einem Dozenten und seine 118

121 offensichtlichen Vorbehalte gegen mich hatten sich in den Noten bemerkbar gemacht. Wie mit den Zensuren umgegangen wurde, sieht man beim Vergleich der Ingenieururkunde (Rückseite) mit den Zeugnissen vom 3. und 5. Semester (4. Semester war ja geschenkt). Insgesamt hatten wir vom 1. bis 3. Semester 9 Fächer, im 5. Semester 11 Fächer und im 6. Semester wurden 12 Fächer benotet. Hatte ich noch im 3. Semester 5 gut und 4 befriedigend, waren es im 5. Semester 8 gut und 3 genügend (warum nicht befriedigend?), und bei der Ingenieururkunde 5 gut und 7 genügend (warum?). Woher diese sieben Genügend-Werte statt Gut bzw. Befriedigend kommen, ist nicht nachvollziehbar. Warum und wer die Abschlussnoten so stark verändert hat, ist mir nicht bekannt. Ich habe später auch nicht mehr danach gefragt. Hätte ich die gleichen oder ähnliche Noten wie im 5. Semester erhalten, ich wurde ja von Jahr zu Jahr besser, wäre mindestens ein»gut bestanden«herausgekommen, mit 5 gut und 7 genügend reichte es nur zu»bestanden«. Damit war mir auch der Weg zur TU, zum Dipl.-Ing., versperrt. Da der Dozent unser Semesterleiter war, ergaben sich für mich aufgrund der oben geschilderten Ereignisse wahrscheinlich Aversionen mir gegenüber, die mir Nachteile einbrachten. Wie sich Dozenten täuschen können Als wir im Juli 1948 unsere Abschlussprüfungen hinter uns hatten, fragte der Dozent mich:»na, Herr Pietrowiak, was wollen Sie denn mal werden?«ich sagte ihm:»ich möchte gerne Statiker werden.«der Dozent antwortete:»das werden Sie nie.«wie man sich doch täuschen kann und wie man eine junge Karriere fast zerstört hätte. War das schon wieder eine Prüfung, die ich bestehen sollte? 119

122 Jahre später, 1957, ich hatte schon neun Jahre praktische Erfahrungen, als ich meinen Hochbauingenieur nachmachte, traf ich ihn wieder in der Leinestraße. Wir kamen ins Gespräch und er fragte, was ich denn so mache. Ich erzählte ihm, dass ich entgegen seinen Annahmen Statiker geworden sei, 1951 stellvertretender Projektleiter beim Bau eines Schwimmstadions (über 7 Millionen DM) war, stellvertretender Projektleiter beim Bau eines Zementwerkes (über 15 Millionen DM) war, alle Statiken, auch Schalen- und Faltwerkstatiken und Statiken für Erdbebengebiete, selber gemacht hatte und seit 1954 im Industrieanlagenbau selbstständig tätig sei. Der Dozent sagte nur,»das hätte ich von Ihnen nicht erwartetwie sich Dozenten doch täuschen können.«anfang des Jahres 2003 dachte ich daran, dass man sich wieder einmal sehen sollte. Bis Juli 2004 versuchte ich die Namen, Adressen usw. zu ermitteln. Als ich alles hatte, habe ich die»festschrift zur Erinnerung an die Besichtigung der TFH, der Technischen Fachhochschulen Berlin, und dem 1. Treffen der UHUs«der VI Ta (74 Seiten), 56 Jahre nach Abschluss des Studiums am Dienstag, den 12. Oktober 2004, gemacht. Von den 32 Studenten waren zwölf bereits gestorben, sieben Adressen waren nicht zu ermitteln, mehrere waren krank und der Rest traf sich in der TFH. Die Zusammenkunft kam ohne mich zustande, da ich zwei Tage vorher ins Krankenhaus musste. Reichsbahn-Inspektorenanwärter Mit Schreiben von Anfang August 1948 wurde ich ab Anfang Oktober 1948 zum»technischen Reichsbahn-Inspektorenanwärter«ernannt. Vom gleichen Tage an erhielt ich einen monatlichen Unterhaltszuschuss von 150,00 RM. Gesellenbrief als Maurer Mit Datum von Anfang Oktober 1948 ließ ich mir vom Personalbüro der Reichsbahndirektion Berlin noch eine Bescheinigung ausstellen, da ich 120

123 eventuell auch die Gesellenprüfung im Maurerhandwerk ablegen wollte. Der Hintergedanke war, wenn ich schon nicht Dipl.-Ing. werden kann, dann wenigstens Baumeister, und dazu benötigte man den Gesellenbrief. Gesellenbrief Diese Gesellenprüfung legte ich nach einem Lehrgang von ungefähr sechs Wochen mit meinem Schulfreund Heinz ab und erhielt Anfang April 1949 den Gesellenbrief als Maurer. Warum manche Lehrlinge die Prüfung nicht bestanden, obwohl sie drei Jahre gelernt hatten, verstanden wir nicht. Die Zeit als Inspektorenanwärter war für mich schlimm. Ich war voller Tatendrang. Und was musste ich tun? Lernen, alle möglichen Formulare mit einer Vielzahl von Zahlen für alle möglichen Arbeiten auszufüllen. Es gab Hunderte davon, die man kennen musste, oder man musste zumindest wissen, wie man sie ausfüllt und wo sie liegen. Es war für mich eine sehr»staubige Angelegenheit«. Wir mussten ja den ganzen inneren Betrieb beim Hochbauamt kennenlernen. Ich wusste, dass es erforderlich 121

124 war. Irgendwann wurde es mir zu viel. Ich ging in der Reichsbahndirektion zur Brückenbauabteilung und fragte beim Abteilungsleiter nach, ob er mich nicht als Statiker nehmen könne. Der fragte:»haben Sie schon einmal Brücken berechnet?«ich sagte:»nein, aber ich kann es ja lernen.«die Antwort war:»wir suchen Leute, die so etwas schon einmal gemacht haben.«man darf dabei nicht vergessen, es fehlten die Fachleute, es war 1948, gerade drei Jahre nach Kriegsende, viele Fachleute waren gefallen oder noch in Gefangenschaft. Kündigung Ich überlegte lange und kam zu dem Ergebnis, dass ich von der Reichsbahn weggehen werde. Anfang April kündigte ich zu Mitte April 1949 bei der Deutschen Reichsbahn. Meinem Ausbilder war das nicht recht. Er sagte:»wenn Sie kündigen, müssen sie alle Unterhaltszahlungen und Studiengebühren, die sie während des Studiums erhalten haben, zurückzahlen.«mein Vater fragte nur:»sohni, das ist viel Geld, das du zurückzahlen musst, schaffst du das?«ich sagte:»papa, ich schaffe das.«die Gesamtsumme, die zurückgezahlt werden musste, betrug laut Schreiben der Hauptkasse vom November ,50 RM. In der Zahlungserklärung von Mitte April 1949 bestätigte ich den Betrag und verpflichtete mich monatlich 100,00 RM zurückzuzahlen. Bei einem Durchschnittsverdienst von 200 RM Brutto im Monat und 100,00 RM Nettozahlung je Monat waren es ca. 26,5 Monate. Nach heutigen Löhnen und Gehältern am Berufsanfang von ca ,00 betrug die Schuldenlast somit ungefähr Da wurde nach der Währungsreform nichts abgewertet, sondern die Zahlungen, die ich von 1946 bis 1948 in RM erhalten hatte, sollte ich voll in DM zurückzahlen. Mit Schreiben der Reichsbahndirektion von Ende April 1949 bestätigte man meine Kündigung zu Mitte April Vom Juni 1949 bis 122

125 April 1951 zahlte ich einmal RM 100,00 und dann sporadisch insgesamt RM 1.000,00 zurück. Es blieb immer noch eine Restsumme von RM 1.672,50 laut Saldenmitteilung von Ende August 1954 übrig. Ich sah nicht ein, dass ich eine Lehre in einem VE-Betrieb zurückzahlen muss, wenn ich zu einem anderen VE-Betrieb gehe. Um so wenig wie möglich zu zahlen, erkundigte ich mich, wer eventuell zuständig ist und schrieb dann im Dezember 1950:»An die Abteilung für Kulturelle Massenarbeit des FDGB, Abt. Schulen und Hochschulen«und Mitte Februar 1951»An die Industriegewerkschaft Bau/Holz«, das es doch nicht richtig sei, wenn ein Lehrherr das Lehrgeld zurückverlangt, wenn man zu einem anderen Betrieb geht, und das bei volkseigenen Betrieben. Ich erhielt Mitte April 1951 ein Schreiben vom «FDGB Industriegewerkschaft Holz«, eine Kopie des «FDGB Industriegewerkschaft Eisenbahn«von Ende März 1951 an die Obigen, dass in den nächsten Tagen eine generelle Regelung auch für mich in Kraft tritt. Von da an brauchte ich nichts mehr zurückzuzahlen. Meine Ausdauer hatte sich ausgezahlt, zwar spät, aber noch rechtzeitig. Ich brauchte den restlichen Betrag nicht mehr zurückzahlen. Die Zeit als Angestellter in der DDR Ein kleiner Privatbetrieb Es war ja damals schwierig, eine Stellung zu bekommen, insbesondere wenn man keine Erfahrungen hatte. Die westlichen Betriebe hatten sich zurückgezogen oder wurden volkseigene Betriebe. Nur kleinere Privatbetriebe existierten noch. Die erste Anstellung erhielt ich nicht bei einem VE-Betrieb, sondern bei einer kleinen Baufirma. Ich wurde Mitte April 1949 als Bauführer eingestellt mit einem monatlichen Gehalt von brutto 300,00. DM. Zu der Zeit waren Neubauten Mangelware. Wäre ich als Zimmermann auf den Bau zu den Russen gegangen, hätte ich 900,00 DM Lohn brutto erhalten. Aber ich blieb bei meiner Entscheidung. Für die vorhandenen Aufträge wie Ausbesserungen, Einbau von gro- 123

126 ßen Öffnungen im Erdgeschoss von Wohnhäusern für Läden und Ähnliches brauchte man Erfahrungen in der Statik und beim Abriss, etwas, was man frisch von der Bauschule nicht haben konnte. Wir hatten dann noch ein schönes Betriebsfest, ich wurde krank, Rippenfellentzündung, ja und dann durfte ich gehen, weil mir die Praxis dafür fehlte und sie einen erfahrenen Bauingenieur brauchten. Die Kündigung erfolgte mit Schreiben zu Ende Juni Meine erste Anstellung hatte nur 2,5 Monate gedauert. Das Kündigungsschreiben und das Zeugnis wies ausdrücklich darauf hin, dass ich nur»wegen fehlender praktischer Erfahrungen«den Betrieb verlassen musste. In VE-Betrieben Dann suchte ich 14 Tage lang eine neue Stellung, was bei der Arbeitslosigkeit ein Problem war. Endlich fand ich eine Anstellung bei der Vereinigung Volkseigener Betriebe VVB. Es war die Vereinigung aller westlichen Betriebe, die zur Zeit der Festlegung als DDR in deren Bereich vorhanden waren, und der Privatbetriebe. Der Sitz war in der Straße»Unter den Linden«. Ich wurde Mitte Juli 1949 als Abrechnungstechniker nach Gruppe T2 eingestellt mit einem monatlichen Gehalt von 350,00 DM und zum Bau der russischen Botschaft Unter den Linden weitergeleitet. Es handelte sich um ein Gebäude in T-Form mit angeschlossenem Wohngebäude in der Behrenstraße, mit einem riesigen Bauvolumen. Mit dem Bau hatte man schon vor einiger Zeit begonnen. Ich kam in die Abrechnungsabteilung, die in der Behrenstraße war. Wir waren ein Abteilungsleiter und mehrere Abrechnungstechniker. Es war eine wichtige Lehre, da man nicht nur für die Baufirma (VE-Betrieb) die genauen Arbeitsgänge rekonstruieren und mit den Werten des Leistungsverzeichnisses bepreisen, sondern auch, weil man die Angaben hieb- und stichfest machen musste. Wir arbeiteten mit Rechenmaschinen, bei denen man mit dem Daumen den Schieber zur jeweiligen Dezimalstelle verschieben konnte, wegen der Prüfbarkeit. Auch hier lernte ich viel über Abrechnungstechniken, die mir später zustatten kamen. 124

127 Hier sah ich das erste Mal, wie Stuckarbeiten höchster Qualität ausgeführt wurden, sowohl an den Wänden wie auch an den Decken. An der Straße Unter den Linden waren die wichtigsten Räume und im Mittelbau unter anderem die große Empfangshalle. Es war insgesamt ein riesiges Gebäude. Die Betonierarbeiten im mittleren Bereich waren sehr schwierig, da die Turmkräne mit ihren Auslegern nicht überall hinreichten. Der Beton musste sehr oft mit Loren, die auf Schienen fuhren, zur Betonierstelle transportiert werden. Von dort konnte der Kran sie übernehmen. Und alle diese zum Teil kleinen Nebenarbeiten mussten in der Abrechnung genau erfasst und berücksichtigt werden. Als Baustelle konnte in der Straße Unter den Linden nur vor dem langen Gebäude die Hälfte der Fahrbahn benutzt werden. Dadurch war es erforderlich, dass die Lastzüge, die Material brachten, vorn hineinund nach dem Abladen hinten wieder herausfuhren. Technisches Büro Ab Januar 1950 wurde ich in die Zentrale zur Abteilung Technisches Büro versetzt. Der Chef war ein Ingenieur von einer westdeutschen großen Firma, circa Jahre alt. Sein Stellvertreter war ein Dipl.-Ing., der später Abteilungsleiter wurde. Im technischen Büro wurden für die Bauten des VE-Betriebes die architektonischen Zeichnungen, die statischen Berechnungen, Schalungs- und Bewehrungspläne und die Abnahme der Bewehrungen auf den Baustellen durchgeführt. Die Räume unseres Büros waren der Raum des Abteilungsleiters und Stellvertreters, davor zum Flur hin das Sekretariat, dann ein Raum mit vier erfahrenen älteren Ingenieuren, dann unser Raum mit drei Personen, der sich am Flur befand, danach ein großer Raum mit sechs oder acht Plätzen für Statiker und zwei Zeichnerinnen. Wegen meiner Leistungen wurde mein Gehalt erhöht auf Tarifgruppe T3 brutto: zum Januar 1950 auf 350,00 DM, im Juni 1950 auf 400,00 DM, im November 1950 auf 450,00 DM. 125

128 Als eine der ersten Aufgaben bekam ich ein Flachdach auf einer eingeschossigen Baracke, bestehend aus circa 5 6 cm dicken Betonplatten zwischen kleinen Balken. Ich hatte ja noch nie eine statische Berechnung angefertigt. Als sie vom Prüfingenieur wiederkam, sah man mehr»grüne«korrekturen als meine Schrift. Ich habe mich ganz schön geschämt. Dann raste ich in Berlin herum, um Literatur zu kaufen. Nur, es war kurz nach dem Kriege und die Verlage hatten immer noch nicht so viel Baufachliteratur. Trotzdem konnte ich einiges bei den Verlagen Ernst & Sohn und Springer ergattern, die ich dem historischen Archiv der TFH zur Verfügung gestellt habe. Ja, und dann ging das Lernen los. Der Abteilungsleiter war dabei sehr hilfreich. Erweiterung einer Bank Ein anderes Mal mussten wir große Bankgebäude an den Giebeln abstützen, da zwischen ihnen neue Gebäude errichtet werden sollten, die im Krieg durch Bomben zerstört worden waren. Bei der Kontrolle des Mauerwerks am Giebel stellte ich fest, dass das Mauerwerk an einigen Stellen bis zu einer Tiefe von fast 30 cm hohl war. Auch früher hatten die Maurer schon gepfuscht. Rechenschieber wird verbessert Bei den statischen Berechnungen für Ortbetonelemente musste man erst mit dem Rechenschieber einen Wert ermitteln, dann die Tabellen, unter anderem das Fachbuch Wendehorst, nehmen, die Tabelle suchen, dann 126

129 den Faktor für den Bewehrungsanteil herauslesen und den dann mit anderen Werten auf dem Rechenschieber multiplizieren. Es war viel Arbeit. Ich versuchte das zu vereinfachen, ohne den Abteilungsleiter zu fragen. Rechenschieberergänzungen Die Werte im Wendehorst zeichnete ich als Logarithmen auf für die damals üblichen Betongüten B120 und B160 sowie verschiedene Stahlsorten wie St 1000 und St Es war ein schmales Band, das auf die Rückseite des Rechenschiebers geklebt wurde. Jetzt brauchte ich nur nach Ermittlung des Wertes den Rechenschieber umzudrehen und den Faktor abzulesen, der zeitraubende Blick in den Wendehorst entfiel damit. Um den Anteil der Bewehrung zu erhalten, hatte ich an der unteren Seite des Rechenschiebers ebenfalls ein schmales Band geklebt, wo man für die Stahlgüten kg/cm 2 und kg/cm 2 den Wert ablesen konnte. Ein drittes Band an der Oberseite, wo die cm angegeben sind, hatte für Stahlträger die Werte cm 2 und Wy, sodass man auch diese Profile sofort ersehen konnte. Das Arbeiten wurde dadurch wesentlich leichter. Über die Stahlgüten lächelt man heute, nur, damals gab es keinen besseren Stahl. Hallenprojekt Irgendwann im Jahr 1950 kam der ältere Abteilungsleiter zu mir und sagte, die Halle, die ein anderer Statiker (10 Jahre älter, mit viel mehr Erfahrungen) bearbeitet, trauen Sie sich zu, diese Halle weiterzubearbeiten? Es war eine dreischiffige Halle, circa 98,00 m lang, zwei Seitenschiffe von je 5 m und ein Hauptschiff von 9 m, eine Kranbahn im Hauptschiff mit einer Nutzlast von 5 t, Hallenhöhe Hauptschiff 12 m und Seiten 8,30 m. Vorhanden war die Hauptstatik, ein Rahmen und ein 127

130 Kranbahnbalken, sonst nichts. Ich sagte Ja. Der andere Statiker, 30 Jahr alt, übergab mir, 21 Jahre alt, die Statik. Halle in Weißensee Zu Hause überlegte ich, wie kommt der Abteilungsleiter dazu, mich für diese Aufgabe vorzusehen, statt einen anderen, erfahrenen Älteren. Worauf begründet sich sein Vertrauen, nachdem meine erste Statik sehr»grün«war? Hatte ich mich seitdem so verbessert? Ich fand keine Antwort. Ja, und dann saß ich sechs Wochen lang jeden Abend bis in die Nacht zu Hause, studierte die Statik, besorgte mir Bücher und lernte. Am Tage musste ich mich natürlich»einarbeiten«, die Statik ergänzen mit der Dachkonstruktion aus Fertigteilbindern und -platten, Rahmen an den Brandabschnitten, Traufbalken, Fundamenten usw. Danach fing ich an die Bewehrungszeichnungen anzufertigen. Die Rahmenzeichnungen waren im DIN-A1-Format, die kleineren Elemente im DIN-A1-Format oder DIN-A2-Format. Wegen der vielen Zeichnungen bekam ich als Einziger im Büro eine eigene technische Zeichnerin, die nur für mich arbeitete. Die anderen Mitarbeiter im großen Raum hatten zwei Zeichnerinnen, die für alle arbeiteten. Während des Zeichnens kam der Abteilungsleiter oft zu mir und fragte mich aus, warum ist dieses oder jenes so. Ich 128

131 fragte ihn später, warum er immer fragt. Er antwortete mir, damit Sie sich überlegen, was Sie dem Prüfingenieur auf seine Fragen antworten sollen. Es war lehrreich und der Chef ein wirklich netter Mensch. Diese Art des Eindringens in die Materie durch Fragen half mir später viel. Als der Bau dann begann, musste ich natürlich auch zur Baustelle und die Bewehrungen abnehmen. Die Baustelle leitete ein Bauleiter, sein Vertreter auf der Baustelle war ein älterer Polier mit einer Schreibkraft. Beim Richtfest fragte mich dann der Biegepolier, der für die Bewehrungen zuständig war, ob ich alles gesehen und anstandslos abgenommen hätte. Ich wusste, was er meinte, und sagte es ihm. Er staunte, dass ich mich an dieses Problem noch erinnern konnte. Durchbiegungsmessungen Jetzt wurde ich auch zu anderen Aufgaben herangezogen. Belastung der Decke Messinstrumente Ein Gebäude war von einer anderen Baufirma fertiggestellt worden. Bei der Kontrolle war man auf Ungereimtheiten in der Betonqualität und bei den Kosten gestoßen. Unsere Abteilung wurde beauftragt, die vorhandene Betongüte zu ermitteln. Dazu war es erforderlich, Durchbiegungsmessungen durchzuführen. Von den ermittelten Werten aus maximaler Durchbiegung bei Volllast und minimaler Durchbiegung nach der Entlastung wurden die vorhande Betongüte und die Sicherheit errechnet. 129

132 Ich erhielt vom Abteilungsleiter den Auftrag, das zu machen. Wir besorgten die damals vorhandenen Messgeräte befestigten sie, belasteten die jeweilige Decke mit Zementsäcken, maßen die Durchbiegung, errechneten daraus die mögliche Belastung unter Berücksichtigung der Sicherheiten und entlasteten die Decke. Danach wurde dieselbe Prozedur durchgeführt. Die Durchbiegung musste sich nach der Entlastung um ein bestimmtes Maß reduzieren. Diese Messungen führten wir später auch in einem Kühlhaus an der Spree aus. Vorsicht Man musste innerbetrieblich sehr vorsichtig sein. Ein wichtiges Schreiben der Firmenleitung ging durch alle Räume und musste von jedem unterzeichnet werden, dass er es gesehen hatte. Ich war gerade in dem Raum vor unserem, als das Schreiben in diesen Raum gebracht wurde. Ich las es und unterzeichnete. Nach einigen Stunden kam jemand von der Geschäftsleitung zu uns und fragte, wer da seine anscheinend unfreundlichen Bemerkungen gemacht hätte. Ich wurde besonders gefragt, weil die Bemerkungen laut der Liste mit Unterschriften vor mir oder nach mir oder ich gemacht haben mussten. Ich sagte, dass ich es schon im Raum davor unterschrieben hätte, nur, man glaubte mir nicht richtig, obwohl Kollegen aus dem anderen Raum das bestätigten. Ich glaube, da bekam ich meinen ersten Vermerk in der Personalakte. Wir wurden dann Anfang Dezember 1950 von einem anderen VE- Betrieb übernommen. Ich wurde als Bauingenieur übernommen mit einem Gehalt von 450,00 DM brutto monatlich. Bei der Firma bearbeitete ich verschiedene Bauvorhaben. Die neue DIN-Vorschrift 4114 In den 50er-Jahren kam die neue Deutsche Industrienorm DIN 4114 heraus. Die Berechnung von Stahlträgern gegen Kippen wurde komplizierter. Ich besorgte mir erst vom Entwurfsbüro für Typung des Ministeriums für Aufbau die Ermittlung»Kippsicherheit von I-Profilen«und entwickelte dann eigene ausführliche Kurven für Stahlträger mit Spannweiten von 0 bis 14 m und Stahlspannungen Sigma vk von 500 bis kg/cm 2 und Sigma zul. von 200 bis kg/cm 2, sowohl für St 37 wie auch für St 52, Sicherheitsfaktor 1,12 und 1,35, insgesamt 130

133 vier Kurvenscharen. Das hatte ich wieder gemacht, ohne den Abteilungsleiter zu fragen. Diese ließ ich außerdem vom Prüfingenieur Rother prüfen. Diese Tabellen vereinfachten meine Arbeiten sehr. Schwimmstadion und andere Projekte Im Jahre 1951 sollte zu den Jugendfestspielen, die im Herbst stattfanden, ein Schwimmstadion fertiggestellt sein. Das Schwimmstadion war von Architekten aus Leipzig entworfen worden. Vorhanden waren nur die Baubeschreibung, Entwurfszeichnungen im Maßstab 1:100 und ein Lageplan im Maßstab 1:500, keine Details, nichts. Ansicht des Schwimmstadions Es wurde vom Abteilungsleiter ein Kollektiv gebildet mit einem erfahrenen Diplom-Ingenieur als Leiter (Westberliner) und vier anderen Ingenieuren, einer technischen Zeichnerin und mir. Wir bezogen Anfang März Büroräume neben dem Eisstadion. Am Ende bei der Übergabe am , nach fünf Monaten Planungs- und Bauzeit sollten 460 t Rundstahl, 4500 cbm Beton, 1,5 Millionen Mauersteine verarbeitet sein und das Ganze circa 7 Millionen DM kosten. 131

134 Am ersten Morgen stand der Hauptbauleiter bei uns im Büro und wollte die ersten Fundamente der Tribünen haben. Der Projektleiter und ich waren die Ersten im Büro. Er zeigte uns seinen Lageplan im Maßstab 1:500, nach dem sie mit den Erdarbeiten begonnen hatten. Es war ein Witz. Er wollte Zeichnungen von Fundamenten der Tribünen haben. Der Projektleiter sagte ihm für den nächsten Morgen die ersten Fundamente für die Tribünen zu. Da kein andere da war, musste ich die Fundamente nachts überschlägig berechnen und zeichnete die ersten Fundamente für den Erdaushub, indem ich unten weißes Papier hinlegte, darauf Kopierpapier blau und darauf Transparentpapier. Als er am nächsten Morgen kam, bekam er das weiße Papier mit den blauen Eintragungen. So ging es viele Tage weiter. Mit der Zeit bekam ich einen gewissen Vorlauf und wir konnten sogar Pausen ausliefern. Damit war klargestellt, wer welche Projektteile plant, nämlich ich die großen Tribünen für die Zuschauer und die anderen Kollegen bearbeiteten dann die beiden Becken, das kleine Gebäude und den Sprungturm. Solche riesigen schiefen Rahmen hatte ich noch nie berechnet. Die Arbeiten für die Tribünen, statische Berechnungen und Schalungsund Bewehrungszeichnungen, waren sehr umfangreich und der größte Teil des gesamten Projektes. Ich hatte niemanden, der mir helfen konnte. Da ich wissen wollte, wie groß der Arbeitsumfang ist, machte ich abends zu Hause eine Aufstellung wie viel Zeichnungen und wie viel Seiten statische Berechnungen ungefähr noch anzufertigen sind. Inzwischen war ich der Stellvertreter vom Projektleiter geworden. Der Projektleiter war Westberliner und musste jeden Monat nach Westberlin, um sein Geld umzutauschen. An so einem Tag kam unser Abteilungsleiter. Er erkundigte sich, wie es so geht und wo wir Probleme haben. Dabei sah er die Liste über die erforderlichen Zeichnungen auf meinem Schreibtisch und fragte:»was ist das für eine Zusammenstellung?«Ich zeigte ihm meine Aufstellung, die gerade fertig geworden war, mit circa 250 Stück Zeichnungen, die insgesamt anzufertigen waren und den dazugehörigen statischen Berechnungen. Er erschrak, genauso wie ich Tage vorher, denn der Projektleiter hatte ihm davon noch nichts gesagt. Er konnte es auch gar nicht, weil ich diese Liste ja erst fertiggestellt hatte. Das Bauvorhaben gehörte zur Stufe I, musste also unbedingt zu den Jugendfestspielen fertig sein. Er ging und hatte eine Auseinandersetzung mit 132

135 dem Projektleiter am nächsten Tag. Der Projektleiter machte mir dann den Vorwurf, dass ich zuerst mit ihm über die Probleme hätte sprechen müssen, und ich konnte nur erwidern, dass die Liste erst gestern fertig geworden war und der Abteilungsleiter sie auf meinem Schreibtisch gesehen hatte. Ich bekam eine Woche später sieben Ingenieure, Zeichner und Studenten, die uns helfen sollten. Wir zogen in einen großen Raum, wo alle mit Zeichenbrettern untergebracht wurden. Von da an war es mit ruhigem Arbeiten vorbei. Ich ging nur noch von einem zum anderen, gab Anweisungen, was sie zeichnen sollten, rechnete mit dem Rechenschieber die Betondimensionen und die Eisen aus und musste dann abends, wenn alle nach Hause gingen, die statischen Berechnungen schriftlich nachholen, da sie geprüft werden mussten, und die Zeichnungen überprüfen. Wir hatten zwar eine 48-Stunden-Woche, aber nur auf dem Papier. Ja, und manchmal war ich nachts um 24 Uhr noch auf der Baustelle. Wie sagt man so schön? Keiner ist vor Fehlern gefeit Diese Art des Arbeitens führte natürlich auch zu Fehlern. Wir mussten die Schalungen und Bewehrungen gesondert zeichnen, da die Zimmerer zuerst die Schalungen vorbereiten und einbauen mussten. Eines Tages rief der Bauleiter an und sagte, dass in die Schalungen der Stützen für die Tribüne-Nord die Bewehrungen nicht hineinpassen, sie sind zu groß. Nachdem ich beide Zeichnungsarten überprüft hatte, stellte ich fest, dass die Maße der Schalungen stimmten. Es waren also nur die Bewehrungen zu ändern. Ich nahm eine Flasche Weinbrand und ging am Freitag zum Biegepolier und fragte ihn, ob es nicht möglich sei, dass seine Leute am Sonnabend die Bewehrung ändern. Er war damit einverstanden und das Problem war gelöst. Ein anderes Mal musste eine Stütze im Obergeschoss der Tribünen abgefangen werden, weil darunter ein größerer Raum gebraucht wurde. Die Schalungen standen schon, die Bewehrung war schon drin, nur ich hatte vergessen, die Last der abzufangenden Stütze auf dem Balken zu berücksichtigen. Der Balken konnte so die zusätzliche Last nicht aufnehmen. Ich ging zum Projektleiter und erzählte ihm von dem Problem. Er sagte mir, ich sollte versuchen eine Lösung zu finden. Mir fiel ein, dass man mithilfe der oberen Wand, die in Stahlbeton anstatt Mauerwerk 133

136 auszuführen wäre, die Stützenlast als Dreieckslast auf den Balken abtragen könnte. Nachdem ich den statischen Nachweis angefertigt hatte, ging ich wieder zum Projektleiter und erläuterte ihm die Lösung. Er war damit einverstanden und das Problem war gelöst, ohne das es an die große Glocke kam. Das waren die zwei großen Probleme, mit denen ich in der kurzen Planungs- und Bauzeit konfrontiert wurde. An irgendeinem Tag sollte der Projektleiter zur Parteizentrale kommen. Ein Grund war nicht angegeben. Während er auf der einen Straßenseite dorthin ging, beobachtete ich weiter zurück auf der anderen Straßenseite, ob ihm jemand folgt oder etwas passiert. Aber es war nichts. In der Parteizentrale erhielt er eine Urkunde. Diese Urkunde für unsere geleistete Arbeit hatte folgenden Text:»In Anerkennung hervorragender Leistungenspreche ich dem Kollektiv Baumgarten den Dank der Regierung aus und überreiche als Ehrengabe DM 1.000,00, gez. Ulbricht«. Es war verboten, Fotos während des Bauens zu machen. Die Polizei kontrollierte überall die Einhaltung des Verbotes bei diesem wichtigen Bauvorhaben. Ich fotografierte trotzdem den gesamten Bauablauf, schon um bei Schäden Beweismaterial zu haben. Ich hatte ja gehofft, dass ich als Aktivist ausgezeichnet werde, wegen meiner Tätigkeit und des Alters. Mir wurde nur die Ehre zuteil, Bestarbeiter zu sein. Trotz der vielen Arbeit hatte ich nie ein höheres Gehalt gefordert. Anfang Mai 1951 wurde mein Gehalt von unserem Abteilungsleiter auf 600,00 DM erhöht, das war noch einige Monate vorher sein Gehalt gewesen, also Abteilungsleitergehalt. Einige Wochen später fragte er mich:»na, Herr Pietrowiak, wie kommen Sie denn jetzt mit Ihrem Gehalt aus?«ich konnte ihm nur antworten:»genauso wie früher, man leistet sich etwas mehr und schon ist der alte Zustand wieder hergestellt.«er lachte nur über die Antwort. Ich war jeden Tag auf der Baustelle. Eines Tages kam ein LKW mit Kiesladung an und darin saß als Fahrer Horst G., ein ehemaliger Mitschüler von der 4. Volksschule. Er hielt an und fragte mich: 134

137 »Piete, was machst du denn hier?«ich antwortete ihm:»ich bin einer deiner Chefs, überwache hier den Bauablauf.«Er sagte:»wann hast du denn studiert?«ich antwortete ihm:»als ihr immer tanzen wart, du weißt ja, dass ich nicht so oft da war, weil ich kein Geld hatte.«er staunte nicht schlecht. Wegen der vielen Bauten, die unbedingt zu den Jugendfestspielen fertig sein mussten, gab es auch Lieferschwierigkeiten bei den Lieferanten der Bewehrungen. Das führte dazu, dass der Oberarchitekt aus Leipzig überall in der DDR herumfuhr, um den Rundstahl den wir benötigten, zu erhalten. Dort, wo wir Rundeisen, Durchmesser 16 und 18 mm, benötigten, erhielten wir oft 10 und 12 mm. Dadurch wurden viele Umplanungen und Änderungen erforderlich. Irgendwann kam ein Rundschreiben des Ministeriums, in dem festgelegt wurde, dass wir Bunakalk verwenden sollten. Das ging natürlich nicht und geriet bald in Vergessenheit. Die viele Arbeit und der geringe Schlaf hatten mir so zugesetzt, dass ich eine Kur beantragte und auch bekam. Sonstige Projekte Wir waren ja ein technisches Büro für Industriebauten, so dass wir dafür sowohl den architektonischen Teil wie auch den statisch-konstruktiven Teil planen mussten. Danach wurde ich noch bei folgenden Projekten für die Bearbeitung des architektonischen und statischen Teiles eingesetzt: 1951 Schlacht- und Viehhof Darmschleimerei und Talgschmelze. Da das obere Geschoss schwer zu erreichen war, setzte ich auch Fertigteile als Binder ein, die mit einem Kran in die richtige Lage gehoben wurden. Die Grundlagen der Statik von Fertigteilbindern holte ich mir von einem bekannten Professor auf diesem Gebiet, der an der TH in Berlin lehrte und früher im Fertigteilwerk in Rüdersdorf war. 135

138 1951 Die Berliner Gasbehälter waren ja fast alle zerstört und sollten wieder einen oberen Abschluss erhalten. Berliner Gaswerke Vorprojektierung, Gasbehälterüberdachung mit mittlerem rundem Turm und oberem umgekehrtem Kegelstumpf sowie gebogenen Stahlbeton-Fertigteilen vom Turm zu den äußeren Auflagern. Das Dach mit Fertigteilen gab es noch nicht, war neu Forschungsauftrag für Gasdichtmachen von ausgebrannten Gasbehältern Das letzte Projekt wurde von uns theoretisch (Teilstatik und Entwurf) begleitet und von dem Bauleiter erprobt. Darüber schrieb er auch einen Artikel in einer Fachzeitschrift Im Jahr 1952 heiratete ich meine Verlobte Helga. Mit eingeladen waren auch mein Projektleiter vom Schwimmstadion und seine Frau. Die erste Zeit wohnten wir in Untermiete in einem Zimmer im dritten Geschoss Berliner Allee Ecke Buschallee. Als meine Frau dann mit einem Bekannten sprach, der bei der Gemeinde tätig war, erhielten wir eine Wohnung mit Küche, Bad und eineinhalb Zimmern in der Liebermannstraße. Das halbe Zimmer war mein Büro, wo ich dann eine Zeichenmaschine hineinstellte. Wir bekamen 1955 unser erstes Kind, unsere Tochter Martina. Danach zogen wir 1956 in eine Wohnung im Bertrischer Weg, in ein Zweifamilienhaus im ersten Obergeschoss mit zwei Zimmern, Küche und Bad und im Dachgeschoss mit einem Zimmer, meinem Büro. Nach dem Kriege wollte ich auch etwas für den Aufbau tun und trat in die NDPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands ein, die als fortschrittlich galt und in der viele Soldaten und Offiziere sein sollten. Nachdem ich einiges kennengelernt hatte, stellte ich fest, dass es doch nichts für mich ist. Ich trat aus der Partei aus und nie wieder in eine Partei ein. 136

139 Projekte der Jahre 1951 bis 1954 Unsere Firma, bei der ich angestellt war, wurde dann übernommen von einem anderen VE-Betrieb bis Mitte September Die Mitarbeiter waren die gleichen wie vorher, mit kleinen Änderungen. Ich wurde als Konstrukteur und Statiker eingestellt, Gruppe III, mit einem Gehalt ab Mitte September 1952 von 900,00 DM monatlich. Sozialversicherungsausweis Außen- und Innenseiten Mein Gehalt wurde dann erhöht Anfang Juli 1953 auf 1.090,00 DM, eines der höchsten Gehälter. Ich habe nie während der ganzen Zeit, als ich in den VE-Betrieben arbeitete, mehr Geld verlangt. Die Gehaltserhöhungen bekam ich immer durch meine gezeigte Leistung. Ein Sozialversicherungsausweis aus dieser Zeit ist noch erhalten. Zementwerk Anfang 1951 sollte an der Spree ein Zementwerk errichtet werden, wieder Stufe 1. Bei diesem Projekt wurde ich sofort der Stellvertreter vom Projektleiter. Das Zementwerk war direkt an der Spree gelegen und musste im Fließsand errichtet werden. Es bestand aus einem großen Lager für die Kokillen mit 6 m hohen Winkelstützmauern, einem Maschinengebäude, 137

140 circa 28 m hoch, mit flachem Vorbau, daneben drei Rundsilos, circa 22 m hoch, mit oberen und unteren Verbindungsbauten für die Laufbänder und einem abseits stehenden Brennofen von circa 30 m Länge und Lasten bis circa 250 t. Das Gelände zum Wasser wurde eingegrenzt durch eine noch zu schlagende Spundwand, die nach hinten verankert werden musste. Die statischen Berechnungen und Baueingabezeichnungen wurden unter Berücksichtigung der maschinellen Angaben von mir angefertigt und dann genehmigt. Architekturkontrolle Jedes Projekt musste von der Architekturkontrolle begutachtet und bewertet werden. Der Bericht war dann Grundlage für den Bauherrn, dass er bauen darf bzw. was er ändern musste. Bei jedem Projekt waren auch 2 % der Bausummen für»kunst am Bau«vorgesehen, egal ob es ein öffentliches Gebäude oder ein Industriebau war. Bei diesem Projekt, wo Planung und Ausführung parallel liefen, musste ich oft hin. Zuletzt ging es nur noch darum, dass man auf dem Maschinengebäude, circa 28 m hoch, an jeder Ecke, also vier Stück, Skulpturen hinstellen sollte. Ich versuchte dem Chefarchitekten von Berlin klarzumachen, dass es sich um einen Industriebau handelt und nicht um ein Hotel. Am Ende gab er nach und es blieb ein reiner Industriebau. Planung und Bau Außer für die Rundsilos fertigte ich alle statischen Berechnungen an und überwachte sämtliche Zeichnungen, die von meinen Mitarbeitern angefertigt wurden. Belastung des Versuchspfahles 138

141 Für die Gebäude und Rundsilos wurden Pfahlgründungen vorgesehen. Wir mussten erst eine Probebelastung eines Pfahles durchführen, um zu wissen, welche Belastung die Pfähle unter Berücksichtigung der Reibung in diesem schlechten Baugrund aufnehmen können. Erst wurde ein Pfahl gerammt, auf dem Pfahl ein großer Behälter gebaut und in diesen Behälter Sand als Ballast eingebracht. Auch hier verwendeten wir die Messgeräte, die wir beim Altenheim benutzt hatten. Danach wurde der Pfahl entlastet und die Berechnungen für die mögliche Tragfähigkeit durchgeführt. Zementwerk im Bau Zementwerk Perspektive Jeder Silo erhielt 51 Stück Pfähle, die bis in den tragfähigen Boden gingen und die Lasten durch Bodenpressung und Reibung übernahmen. Da wir die Gründungsprobleme des Brennofens nicht klären konnten, wandte sich unser Projektleiter an eine internationale Koryphäe des Betonbaues von der TU Berlin. Der schlug vor, die schrägen Pfähle unter jedem Fundament des Brennofens in zwei unteren Ebenen mit circa 1 m dicken Zementinjektionen zu verbinden, um so nicht nur die Lasten über die Pfähle und deren Reibung im Boden abzutragen, sondern auch durch die injizierten Zementkuben eine breitere Basis zu erhalten. Dann wurden die Pfähle für den Brennofen eingerammt und die Zementinjektionen von einer Spezialfirma ausgeführt. Die Statik der Rundsilos fertigte der Projektleiter mit dem Abteilungsleiter an. Es war für mich eine riesige Aufgabe. Für die Zeichenarbeiten hatte ich noch mehrere Ingenieure und Zeichner. Nachdem wir fast fertig waren, der Brennofen seinen Probebetrieb aufgenommen hatte, stellten wir fest, dass sich durch die Schwingungen des Brennofens im Boden unter den 139

142 6 m hohen Stützmauern für die Lagerung der Kokillen bis zu 15 cm hohe Hohlräume gebildet hatten. Die wurden dann ebenfalls mit Zementinjektionen gefüllt. Gleitschalung Die Rundsilos, die immerhin circa 22 m hoch waren, dicht nebeneinander standen, konnten auch wegen der Kosten nicht innen und außen eingeschalt werden. Es sollte mit einer Gleitschalung gearbeitet werden. Doch es gab keine Literatur und keine Zeichnungen darüber. Endlich fanden wir einen älteren Baupolier, der so etwas schon einmal gemacht hatte. Mithilfe unseres Abteilungsleiters zeichneten wir dann das Gleitgerüst. Als ich das erste Mal dann oben auf dem Gerüst stand, war mir doch etwas mulmig zumute. Das Gerüst wurde nur von den zusätzlichen stärkeren Rundeisen gehalten, die in der Mitte eines Gleitrahmens zum Höherschrauben des Gerüstes vorhanden waren und durch die Reibung der Schalung, die dicht am Beton war. Gleitschalung 140

143 Sonstiges Von Anfang an musste ich mit den Lieferanten der maschinellen Anlagen und deren Mitarbeitern zusammenarbeiten. Das fing bei der Aufstellung an und endete bei den zu übernehmenden Lasten aus den Maschinen, Schwingungen, Befestigungen usw. Auch wieder Erfahrungen, die mir später im Industrieanlagenbau zustatten kamen. In unserem Büro hatte ich einen sehr guten Mitarbeiter, der auch mitzog. Kurz vor dem Ende des Projektes waren wir einmal so fertig, dass einer den Vorschlag machte, am Bahnhof Friedrichstraße in eine nette Bar zu gehen. Ich wollte erst nicht mit und ließ mich dann überreden. Es wurde eine nette Nacht. Nur ich ließ mich von dem Mitarbeiter auch überreden, ihn zu duzen. Die Achtung, die man sonst vor einem Chef hat, wenn man ihn siezt, ist doch eine andere, als wenn man sich duzt. Ich merkte es gleich am nächsten Tag. Nicht dass er frech wurde oder sich etwas herausnahm, der Ton wurde ein anderer, die Abwehrhaltung änderte sich. Ich schwor mir, nie wieder einen Untergebenen zu duzen, und hielt es bis auf einmal bei dem Fertigteilbetrieb all die Jahre ein. Man ist als Chef sehr oft alleine. Sonstige Projekte Ein weiteres Projekt, das ich bearbeitete, waren 1953 die Schweinemästereien in zwei Orten. Dann wurde ich für ein halbes Jahr ausgeliehen an das Planungsbüro für Architektur, das in unserer Firma für Wohn- und andere Bauten zuständig war, und zwar als Chefstatiker und stellvertretender Brigadeleiter. Bearbeitet wurden nur architektonische Projekte wie Wohnbauten, Hotels, Bürobauten usw., keine Industrieanlagen. Einmal mussten wir im Friedrichstadtpalast untersuchen, wie man die Ehrenloge von unserem Präsidenten schusssicher machen kann, das heißt Aufmaß usw. Wir waren mehrere Personen. Als wir am Nachmittag fertig waren, setzten wir uns in das Restaurant der Künstler und tranken denen das ganze Budweiser Bier aus. Abends durften wir dann umsonst das Programm ansehen. 141

144 Dann wurde die Abteilung für den Industriebau übernommen von einem anderen VE-Betrieb ab Anfang Januar 1954 bis Ende Juli Hier erhielt ich als Statiker, Gruppe IIV, ein Gehalt von 1.090,00; DM das höchste Gehalt, das zu diesem Zeitpunkt möglich war. Kraftwerk an der Spree Wir sollten ein größeres Projekt von einem anderen VE-Planungsbüro übernehmen. Es handelte sich um ein Projekt im Kraftwerk an der Spree. Dort sollten neue Förderbandanlagen vom Kraftwerk unter der stark befahrenen Hauptstraße hindurch bis zur Verladung an der Spree unter der Oberfläche gebaut werden. Wir erhielten die Vorplanungsunterlagen. Bei der Überprüfung stellte ich fest, dass das Vorprojekt nicht einwandfrei bearbeitet worden war und dass die Investitionen zu gering angesetzt waren. Man hatte den schlechten Baugrund und die Probleme mit dem Grundwasser nicht genau berücksichtigt. Ein Problem, das wir gerade beim Zementwerk gelöst hatten. Ich teilte das unserem Abteilungsleiter mit. Die Verhandlungen ergaben dann, dass wir das Projekt neu und vollständig bearbeiten sollten. Es waren im Kraftwerk große Stahlgerüste mit schrägen Förderbandbrücken und an der Spree große begehbare Kanäle für den Hin- und Rücklauf der Förderbänder erforderlich, die wegen des hohen Grundwasserstandes direkt an der Spree isoliert und außerdem wegen des schlechten Baugrundes auf Pfählen errichtet werden mussten. Auch hier holten wir den damaligen Spezialisten für Bauwerksisolierungen heran. Ich hatte schon beim Schwimmstadion mit ihm zusammengearbeitet und hatte natürlich alle Fachbücher von ihm. Das größte Problem war aber, wie konnten wir die gegen Feuchtigkeit isolierten Kanäle, in die die Transportbänder kommen sollten, auf den Pfählen so verankern, dass sie bei einseitigem Ausschachten und damit vollem Erd- und Wasserdruck von einer Seite nicht weggedrückt wurden. Wir bauten auf den Pfählen eine Platte, die rechts und links an den Rändern hohe Nocken bekam, die die Kräfte aufnahmen. Es war wieder eine schwierige Arbeit. Die statischen Berechnungen wurden von mir und die Zeichnungen von meinen Leuten angefertigt. 142

145 Radrennbahn Als letzte Aufgabe sollte ich eine Radrennbahn, 333 m lang, mit Internat und überdacht für Zuschauer entwerfen. Den Auftrag erhielten wir vom Komitee für Körperkultur und Sport. Der Spezialist für solche Bahnen war in Westdeutschland. Man wollte das Problem aber in der DDR lösen. Ich befragte die ehemaligen sehr guten Radrennfahrer, auch ehemalige Weltmeister. Aber keiner konnte mir sagen, wo die Probleme bei einer Bahn liegen. Von Veranstaltungen, die ich mit meinem Onkel Erich besucht hatte, wusste ich, dass es ausgangs der Kurve oft Probleme gab, das heißt die Reifen rutschten wegen der hohen Horizontalkräfte von den Felgen, sodass die Fahrer oft stürzten. Weil ich keine befriedigenden Antworten bekam, musste ich versuchen das selber herauszufinden. Es gab ja keine Literatur darüber. Nach allen Untersuchungen plante ich dann eine 333 ⅓ m Bahn für den vom Komitee festgelegten Standort in der Wuhlheide, zwischen einer Bahntrasse und dem Wasser. Es gab dann in den Zeitungen die verschiedensten Kommentare über den Standort. Erst sollten wir weiter weg von der Bahn, wegen des Rauches und der Abgase. Dann kam ein neuer Standort in Weißensee auf der alten Rennbahn ins Gespräch. Hier konnte ich dann endlich genauer arbeiten. Es wurde ein Raumprogramm erarbeitet, dann der Entwurf und der Erläuterungsbericht und die Kosten (5,5 Millionen M). Gezeichnet wurden der gesamte Lageplan, die Querschnitte, der Schnitt unterhalb der Tribünen als Beton-Skelettkonstruktion, der Schnitt unterhalb der Tribünen als Skelettkonstruktion nur für den mehrgeschossigen Teil, der andere Teil der Tribünen auf Aufschüttungen, die Draufsicht auf die Tribünen, die verschiedenen Geschosse des Fahrerlagers. Vorhandene Radrennbahnen untersuchen Um diese nicht alltägliche Aufgabe zu meistern, besuchte ich erst einmal sämtliche Radrennbahnen in der DDR, maß sie auf oder ließ mir, wenn Unterlagen vorhanden waren, diese aushändigen. Insbesondere wollte ich klären, wie es mit den Kurven ist, und fuhr auch auf einigen 143

146 mit einem Rennrad, auch auf der 133 m Hallenbahn beim Schwimmstadion. Der Trainer der DDR-Mannschaft gab mir dort ein Rennrad, als Hallenrad nur mit Handbremsen, und einen Sturzhelm. Dann fing ich an zu radeln. Erst auf dem Teppich, so nennt man den unteren horizontalen Bereich, der auch farbig markiert ist. Dann wurde ich mutiger und fuhr im oberen Bereich an der Bande (obere Abgrenzung zu den Zuschauern) entlang, auch in den Kurven, deren Neigung circa 50 Grad war. Ja, nach 13 Runden hörte ich auf. Der Trainer half mir beim Bremsen und dann wollte ich absteigen. Ich fiel sofort auf den Boden der Bahn. Ich hatte keine Kraft mehr in den Beinen, so anstrengend war das Fahren gewesen. Um mehr über andere Bahnen zu erfahren, machte ich dem Komitee für Körperkultur und Sport KfKKuS den Vorschlag, die Bahnen in Westdeutschland zu besichtigen. Der Antrag wurde genehmigt und wir fuhren im Auftrag des Deutschen Sportausschusses mit meinem Wagen, einer Person vom KfKKuS und einem offiziellen Vertreter quer durch Deutschland und besichtigten die dortigen Bahnen. Als letzte Bahnen besuchte ich später noch die bekanntesten Radrennbahnen wie die Vigorelli-Bahn in Mailand und die Bahn im Prinzenparkstadion in Paris. Dann ging ich an die Arbeit, machte physikalische Berechnungen der verschiedenen Neigungen und Fliehkräfte beim Fahren usw. und modellierte mit Knete die Kurven einer idealen Bahn. Dann ging es an das Zeichnen des Vorentwurfes, Ermittlung der Investitionen usw. Zu klären war auch, wie und womit kommen Zuschauer zeitgerecht zum Stadion und wieder weg. In ungefähr 200 m Entfernung, in der Rennbahnstraße, war die Schlusskurve einer Straßenbahn. Es war eine interessante Arbeit. Auswertung der Radrennbahnen Dann wertete ich die besuchten und in der Literatur gefundenen Bahnen aus. Es waren 24 Bahnen (Buschallee, Werner-Seelenbinder-Halle, Messehallen am Funkturm, Leipzig, Radrennbahn Walter Stolze in Erfurt, Wabbeltstadion in Halle, Nordhausen, Forst, Amorbahn in München, Vigorellibahn in Mailand, Sportpalast in Berlin, Frankfurt a. M., Bielefeld, Olympia-Radrennbahn in Helsinki, Festhalle Frankfurt, Westfalenhalle Dortmund, Hallenstadion Zürich, Heidenau bei Dresden, 144

147 Werner-Seelenbinder-Sportplatz in Brandenburg, Cottbus, Kampfbahn Freundschaft in Merseburg). Ausgewertet wurden Bahn, Ort, Baujahr, überdacht, Kosten, Richtung der Achse, befahrbar für Flieger oder/und Steher, Länge, Masse der Piste, Teppich und Drehpunkt, Bahnbelag, Untergrund, maximale Neigung, Meinungen der Flieger und Steher, Geschwindigkeiten in min., Querschnitt der Bahnen, Entfernung von Gerade-Gerade, Übergangsbogen, Kurve- Kurve, Längen je Quadrant-Gerade, Übergangsbogen innen, Übergangsbogen außen, Kurve, Verhältnis, Radien, Winkel, Neigungen, Abstand der Fugen, Ausbildung der Fugen, Anzahl der Zuschauer, Treppen-Anzahl, Größe, Entleerungszeit, Breite der Rangstufen, Tribünen folgen der Bahn, Bauart der Tribünen, Unterkunft der Sportler, Meinung der Zuschauer. Wo es möglich war, wurden Aufnahmen von den Bahnen gemacht. Danach berechnete ich die Gestaltung der Kurven (11 Seiten) für eine 333 ⅓ m Bahn, und zwar Gestaltung der Kurven normale Überhöhung, Höchstgeschwindigkeiten, Mindestgeschwindigkeiten Übergangsbogen normale Geschwindigkeit, Einfluss der Kurvenhöhe, und berechnete daraus die Werte für die Radrennbahn in der Buschallee und der Werner-Seelenbinder-Halle. Die Erfahrungen auf der Bahn in der Werner-Seelenbinder-Halle habe ich noch handschriftlich notiert, weil es die erste Fahrt war und grausam. Aus den ganzen Überlegungen und Berechnungen heraus baute ich mit Knete eine ideale Bahn. Das konnte ich noch fertigstellen am als Angestellter des VEB Industriebau. Wegen der Baukosten, die eigentlich genehmigt waren, wurden später alle Tribünen auf Erdwällen errichtet und das Fahrerlager entfiel. So wurde es dann auch gebaut. Das Komitee für Körperkultur und Sport bedankte sich dann noch schriftlich bei mir für die geleistete Arbeit als Spezialist für Sportbauten der DDR. 145

148 Der 17. Juni 1953 Der 17. Juni 1953 fiel genau in die Zeit, wo wir das Zementwerk bauten. Etwas zur Vorgeschichte: Bei der II. Parteikonferenz der SED im Juli 1952 hatte Walter Ulbricht den Aufbau des Sozialismus verkündet. Die Folgen waren ein Rückgang der industriellen Produktion und eine schwere Ernährungskrise. Eine Vielzahl von DDR-Bewohnern reagierte mit Republikflucht, vor allen Dingen die Intelligenz, und Protesten. Die Folge war eine Erhöhung der Arbeitsnormen. Von Moskau wurde die DDR-Führung zu einem neuen Kurs gezwungen. Es wurden viele Versprechungen gemacht, aber die Arbeitsnormen blieben so hoch. Die Arbeiter, besonders von den Berliner Großbaustellen, sammelten sich zu Protestaktionen Mitte Juni 1953, sie wollten jetzt mehr, unter anderem freie Wahlen und eine Wiedervereinigung. Der Aufstand am 17. Juni 1953 erfasste viele Orte in der DDR, sodass von den Stadtkommandanten der Ausnahmezustand verhängt und der Aufstand niedergeschlagen wurde. Durch Gesetz wurde der 17. Juni 1953 in der Bundesrepublik zum»tag der Deutschen Einheit«und zum»nationalen Gedenktag«erhoben. Die ehemalige Ost-West-Achse, Straße zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule wurde umbenannt in»straße des 17. Juni«. Nach der Wiedervereinigung beider Staaten wurde der 3. Oktober 1990 gesetzlicher Feiertag und der 17. Juni behielt seinen Status als»nationaler Gedenktag«. Nur, das wussten wir alles nicht. Am 16. Juni 1953 fuhren wir mit dem Dienstwagen in Richtung Rummelsburg. In der Nähe der Warschauer Straße kam uns eine Gruppe Bauarbeiter entgegen. Sie hielten uns an und sagten, sie demonstrieren gegen die Regierung und wir sollten mitkommen. Wir waren überrascht, denn so etwas hatte es in der DDR noch nie gegeben. Ich sagte ihnen, wir müssten erst zur Baustelle fahren und kommen dann hinterher. Wir konnten ungestört weiterfahren. Die Problematik dieses Tages hatten wir noch gar nicht begriffen. Am 17. Juni 1953 ging ich aus dem Büro in der Dircksenstraße, in der Nähe des Alexanderplatzes, und wollte mit der S-Bahn nach Rummelsburg zur Baustelle fahren. Bei mir hatte ich meine Aktentasche mit circa 146

149 1.000 Seiten statischer Berechnungen vom Zementwerk. Ich ging von der Dircksenstraße zur S-Bahn am Alexanderplatz. Als ich am Alexanderplatz Menschenmassen sah, ging ich dorthin, ich war neugierig. Früher war dort eine Straße und ich sah russische Panzer herumfahren, die in Richtung Unter den Linden wollten. Ich sah mir das eine Weile an, bekam dann Angst, weil ich ja wichtige Unterlagen bei mir hatte, rannte zurück zum Büro, um die Tasche loszuwerden. Als ich dort ankam, war das Bürogebäude schon verschlossen. Es fuhr auch keine S-Bahn und keine Straßenbahn mehr. Da ich Angst hatte, bei einer Razzia mit der vollen Tasche erwischt zu werden, ließ ich mich von den Massen mitziehen bis zur Straße Unter den Linden, Wilhelmstraße. Dort löste ich mich und ging dann doch über die nicht so belebte Wilhelmstraße in Richtung Heimat, nach Weißensee. Von dem Tage an war Ausgangssperre. Ich hatte Angst, dass man auch zu mir kommt und die Statik findet. Aber es verlief alles noch glimpflich. Irgendwann muss Schluss sein Mit mir zusammen war damals ein älterer Bauingenieur eingestellt worden. Er war erst bei uns in der Planung und kam dann zur Bauleitung. Ich mochte ihn nicht, denn er war so ein richtiger Wichtigtuer. Anfang 1954 wurde uns mitgeteilt, dass dieser Mann unser Hauptabteilungsleiter werden sollte und nicht unser Abteilungsleiter. Als ich das hörte, ging ich zu meinem Abteilungsleiter, der ein sehr guter Statiker und Chef war, und sagte ihm:»wenn der Mann kommt, dann gehe ich«, und erläuterte ihm, warum. Er bot mir an, dass ich sein Stellvertreter werden könnte, aber ich lehnte ab. Mitte Juni 1954 kündigte ich zu Ende Juli 1954 bei der Firma und machte mich selbstständig. 147

150 Fernstudium zum Diplomingenieur Um mich weiterzubilden zum Dipl.-Ing., hatte ich am Fernstudium an der TH Dresden von 1951 bis 1953 und 1957 bis 1958 teilgenommen. Mit Schreiben von Mitte November 1951 sandte ich an die TH Dresden einen Antrag mit einigen Unterlagen. Diese wurden mit Schreiben von Ende November 1951 durch drei Bewerbungsanträge vervollständigt. Mitte Mai 1952 schrieb die Baubetreuung Berlin, bei der ich damals arbeitete, an die TH Dresden, dass die fünf Mitarbeiter bei der Firma sind und Techniker und Zeichner beschäftigen. Ende Juni 1952 schrieb ich an den Konsultationspunkt Berlin und bat noch einmal, das erste Studienjahr machen zu können, da ich das Studium vernachlässige, weil ich am nationalen Aufbauprogramm arbeite und sonst keine Zeit habe. Ich hatte ja 1951 am Schwimmstadion Friedrichshain und dann bis 1953 am Zementwerk gearbeitet, beides wichtige Projekte der Stufe I in der DDR. Mit Schreiben von Mitte Oktober 1952 bestätigte die TH Dresden, Abteilung Fernstudium, die Änderung. In der Zwischenzeit hatte ich mehrere Arbeiten geschrieben, unter anderem über darstellende Geometrie (3 Seiten) und Gesellschaftswissenschaft (6 Seiten). Sonstige Arbeiten liegen mir nicht mehr vor. Mit Schreiben von Anfang September 1953 an die TH Dresden kündigte ich das Studium wegen Überlastung bei der Arbeit. Mitte Oktober 1953 bat die TH Dresden um Zusendung eines ärztlichen Attestes, das ich am zusandte, und zugleich teilte ich mit, dass ich vom im Sanatorium bin. Mit Schreiben von Mitte November 1953 bestätigte die TH Dresden die Exmatrikulation. Mitte März 1957 meldete ich mich wieder beim Fernstudium an mit 19 Anlagen. Ich war ja seit 1954 selbstständiger Bauingenieur und hatte meine vielen Aufträge, die auch erledigt werden mussten. Ich wurde wieder immatrikuliert. Bei der Eröffnungsfeier am erhielten wir auch einen Zeitplan für das Studium. Danach wurde ich tätig: 1. BA darstellende Geometrie (3 Blatt) am ; 2. BA darstellende Geometrie (3 Blatt) am ; 3. BA Darstellende 148

151 Geometrie (3 Blatt) am ; 2. BA Werkstoffkunde (5 Blatt) am ; 3. BA Werkstoffkunde (10 Blatt) am ; 4. BA Werkstoffkunde (8 Blatt) am ; 1 Kontrollarbeit höhere Mathematik (6 Blatt) am ; Belegarbeit vom (5 Blatt). Andere Unterlagen liegen mir nicht mehr vor. Mit Karte von Ende Oktober 57 bestätigte man den Erhalt der 1. BA darstellende Geometrie und Mitte Dezember 1957 die 1. BA Mathematik. Im Januar 1958 schrieb man, dass man das Fach»Baukonstruktionslehre«erlässt, nachdem ich Ende Januar 1958 den Antrag gestellt hatte. Mit Schreiben von Mitte Februar 1058 an die Hauptabteilung Fernstudium der TH Dresden bat ich um Befreiung von der ersten kleinen Vermessungsübung, die man am bestätigte. Vom bis fand dann der 539. Seminarkursus VIII B statt, 14 Tage Prüfungen. Es wurden die Zwischenprüfungen abgelegt für Grundlagen des Marxismus-Leninismus (Politische Ökonomie), Höhere Mathematik, darstellende Geometrie, Vermessungskunde, technisches Zeichnen, Werkstoffkundebau, Experimentalphysik, Mechanik mit Festigkeitslehre, Chemie für Ingenieure. Es war sehr anstrengend. Wir hatten jeden Tag Prüfungen. Wir waren mehrere aus unserer Firma, die auch damals am FU teilgenommen hatten, und wohnten in einer Pension. Jeden Tag nach den Prüfungen wurde festgelegt, wer, was und wie viel von den einzelnen Prüfungsfächern vorarbeiten musste. Nach einer Erholungspause ging es dann los. Einer versuchte sein Spezialgebiet den anderen einzutrichtern. Es ging nicht immer gut. Zum Beispiel hatte ich kein Interesse an den Grundlagen des Marxismus-Leninismus und bekam aber eine Zwei, während ich in meinem Fach Festigkeitslehre, wo ich am fittesten war, fast durchgefallen wäre, wir hatten am Abend vorher eine kleine Sause gemacht. Beim Fach Chemie saßen wir vier Studenten vor dem Professor und die Fragerei ging los. Wenn ein anderer dran war, wusste ich die Antwort, wenn ich drankam, haperte es oft. Es reichte aber zu einer Vier. Ja, und dann kamen die Probleme mit den Gesetzen für Selbstständige. Ich telefonierte vor dem mehrmals mit der TH Dresden und bat um Zusendung der Bescheinigungen für bestandene Prüfungen, die 149

152 ja bestätigen würden, dass ich das Vordiplom geschafft hatte. Ich wollte an der TH Berlin meinen Dipl.-Ing. nachmachen und dafür benötigte ich diese Bescheinigungen. Denn ohne diese war ich ja nur ein Volksschüler und damit nicht berechtigt, an einer Hochschule zu studieren. Aber ich wartete bis zum letzten Tag, an dem ich nochmals telefonierte, und es kamen keine Bestätigungen. Am schrieb ich an den Prorektor der Technischen Universität in Berlin und erläuterte den Werdegang und bat um Beantwortung mehrerer Fragen. Die Antwort vom war: nicht möglich, da Reifeprüfung erforderlich ist oder Fachschule mind. mit»gut«absolviert sein muss. Am schrieb ich noch einmal an die TH Dresden wegen der Bestätigung der bestandenen Prüfungen, die Antwort vom war, dass man Studienergebnisse nur mitteilen kann bei ordnungsgemäßer Exmatrikulation. Mit Schreiben vom an die TH Dresden kam ich auf das Schreiben vom zurück und bat um Mitteilung, ob man noch nachträglich exmatrikuliert werden kann. Auf dieses Schreiben erhielt ich keine Antwort mehr. Damit war der Traum vom Diplom-Ingenieur ausgeträumt. 150

153 Die Zeit als selbstständiger Bauingenieur von 1954 bis 1958 Für die freiberufliche Tätigkeit benötigte man die Genehmigung des Rates des Stadtbezirkes, Abt. Örtliche Industrie und Handwerk. Es musste nachgewiesen werden Mindestalter, mindestens fünf Jahre Tätigkeit, zum Teil in leitender Stellung, dass man größere Projekte bearbeitet hat, Lebenslauf, eidesstattliche Versicherung usw. Ich stellte den Antrag am , konnte alles nachweisen und erhielt am den Registrierschein vom Rat des Stadtbezirkes Weißensee, Abteilung Örtliche Industrie und Handwerk. Von da an war ich registriert als»freischaffender Bauingenieur«und ab Mitte Februar 1955 zusätzlich als»beratender«. Jedes Jahr musste die Registrierung verlängert werden. Registrierschein Außenseiten und Innenseiten Dieser Registrierschein wurde dann verlängert erst bis Ende Dezember 1955 und dann noch einmal bis Ende Dezember Danach kam ein neues Gesetz heraus und ich musste einen neuen Antrag stellen. Nachdem ich am diesen Antrag gestellt hatte, erhielt ich am die Zulassung Nr. B40/57/5 als»selbstständig tätiger Bauingenieur«. Alle Projekte wurden sowohl architektonisch als auch statisch konstruktiv bearbeitet. Bei einigen Industrieprojekten kamen mir dann die Erfahrungen mit Schwingungen zugute. 151

154 In weiser Voraussicht hatte ich 1954 den Führerschein für PKW und Motorräder gemacht. Da man sich ein Auto wegen der Preise kaum kaufen konnte, hatte ich den Motorradschein gleich mitgemacht. Da ich ja kein Motorrad hatte, früher circa DDR-Mark, gab mir ein Bekannter von meinem Bruder einen Tag vor der Prüfung seine 250-ccm- Maschine zum Üben. Nach zwei Stunden hörte ich auf. Am nächsten Tag musste ich erst das Motorrad und dann den PKW fahren und ich hatte beide Führerscheine. Unser Schwarm war ein Motorrad mit Beiwagen, sodass die ganze Familie mitfahren konnte. In der DDR durfte man nur alleine arbeiten, da man sonst ein Gewerbebetrieb war, mit allen negativen Seiten. Es ging aber nicht immer, ohne dass man von jemand anderem Berechnungen oder Unterlagen haben musste. Zum Beispiel gab es Kalkulationsunterlagen und Konstruktionszeichnungen als Muster nur in den VE-Betrieben, die diese direkt von den Ministerien erhielten oder die man sich von den Ministerien besorgte, was nicht immer gelang. Außerdem wurde die HOAI (Honorarordnung für Architekten und Ingenieure) wie folgt reduziert. Von den Investitionen mussten 42 % abgezogen werden und mit diesem Restwert von 58 % durfte man dann das Honorar nach der HOAI berechnen. Zuerst dachte ich, dass ich kaum Aufträge bekommen würde, denn woher, ich hatte ja noch keine Verbindungen aufgebaut, war aber bei fast allen VE-Betrieben bekannt. Es dauerte nicht einmal vier Wochen und schon war ich voll beschäftigt. Ich erhielt 1954 schon zwei Aufträge für Sportanlagen an Schulen, sechs Aufträge von den staatlichen Planungsbüros Wohnungsbauten, Lagerhallen, Kranbahnhalle und von einer privaten Firma ein Werk zur Herstellung von Acetylen In dem Werk sollte Acetylen hergestellt werden. Erforderlich waren dafür ein Entwickler- und ein Kompressionsgebäude. Um mich mit der Materie vertraut zu machen, musste ich mit dem Auftraggeber zur großen Herstellerfirma im Raum Leipzig fahren. Mit meinem PKW fuhren wir dann dorthin, begutachteten das Werk und die Produktion, einschließlich Produktionsverfahren, In- und Output usw. Die Maschinen wurden ja von dieser Firma geliefert. Es 152

155 Entwickler- und Kompressorengebäude waren noch reine Mauerwerksbauten mit aussteifenden Stahlbetonstützen und Holzdächern. Im Jahr 1955 waren es schon zehn Aufträge für staatliche Planungsbüros, VE-Betriebe, für das Komitee für Körperkultur und Sport, für Ministerien, den Stadtbezirk usw. Es wurden jeweils die statischen Berechnungen und Bewehrungszeichnungen oder auch die architektonische Planung geliefert. Die Arbeit wurde für eine Person zu viel. Bei einer Weißenseer Projektierungsbürofirma hatte ich jemand kennen gelernt. Er war ein guter Architekt. Irgendwann machte ich ihm den Vorschlag, zu mir zu kommen. Er willigte ein und wir gründeten das Kollektiv. Wir durften keine anderen Personen beschäftigen und der Arbeitssitz war laut Gesetz mein Büro, denn ich hatte das Kollektiv auf meinen Namen gegründet. Zuerst ging alles gut. Wir fuhren im Sommer sogar mit meinem PKW (DKW F9) in Urlaub an die Ostsee und waren privat auch oft zusammen. Wir trennten uns Ende

156 Waschkaue für Junghauer Die Waschkaue mit ihren vielen Nebenräumen war ein großes Projekt. Sie war für die Junghauer vorgesehen, wo sie sich umzogen und unterrichtet wurden. Waschkaue Lageplan und Teilansicht Die Waschkaue bestand im Erdgeschoss aus einem Weiß-Raum über zwei Geschosse und einem Schwarz-Raum über zwei Geschosse, die durch eine Tür miteinander verbunden waren, WC- und Waschräume, die von beiden Räumen zu erreichen waren, Räume für Wärter, Geräte usw. Und im Obergeschoss aus Umkleideraum für Ausbilder, Büros und WC- und Waschanlagen. Außerdem war außen ein geschlossener Gang vom Hauptgebäude zum Schacht vorhanden. Die sauberen Sachen wurden im Weiß-Raum an einem Handaufzug befestigt und nach oben gezo- 154

157 gen, dann wechselte man den Raum und die schmutzigen Sachen in dem Schwarz-Raum wurden von oben heruntergeholt. Die großen und hohen Räume dienten gleichzeitig als Entlüftung für die verschwitzte Kleidung. Auch hier, wie bei jedem neuen Projekt, mussten die Entwurfspläne eingereicht werden. Im Prüfbericht der Architekturkontrolle steht: Investitionen:./. Zu Ihren Zeichnungen Nr. 1, 3, 4, 6 8 sind in architektonischer und gestalterischer Hinsicht keine Bedenken zu erheben. Die Dachkonstruktion war als»menzel«-sprossendach DAP und die Decken der Geschosse als Stahlbetondeckenkonstruktion aus Fertigteilen System»Menzel«vorgesehen. Da Holz Mangelware war, musste auch hier auf diese Konstruktionen zurückgegriffen werden. Die Decken waren große Hohlkörper mit obiger Ortbetondruckplatte. Die Dachkonstruktion bestand aus Biberschwänzen oder Falzdachziegeln, darunter winkelförmige Sprossen von 2 m Länge, circa 7/10 cm, Abstand 27,5 cm, die im Abstand von 2 m auf T-Sparren, circa 12/20 cm auflagerten. In der Mitte der Sparren waren zur Unterstützung trogförmige Pfetten, circa 15/20 cm, vorgesehen, die nachträglich ausbetoniert wurden, sodass ein durchgehender Balken entstand. Alle 4 m war ein»binder«vorgesehen, das heißt zwei Streben unterstützten die Pfetten und gaben die Kräfte an Ortbetonbalken an den Auflagern ab. Vorgesehen war außerdem ein Längsverband. Es war schon eine sehr schwere Konstruktion. Andere Projekte waren Lagerhallen, Kulturraum für ein Werk, weitere Bearbeitung der im VE-Betrieb angefangenen Radrennbahn, Röntgenstation in einer Arztpraxis usw. Im Jahr 1956 waren es schon 20 Aufträge für Ministerien, VE-Betriebe, dem Rat eines Stadtbezirks, daskomitee für Körperkultur und Sport usw. Geplant wurden Nachweise mehrerer Hallen mit Tonnenschalen und Kranbahnen, zentrales Heizhaus mit 60 m hohem Schornstein, Vorentwurf für Hochöfen in Budapest und Bukarest, Werkstattzeichnungen einer großen Stahlhalle usw. und auch ein Kinderhort. 155

158 Kinderhort Von einem VE-Betrieb erhielt ich den Auftrag für einen Kinderhort. Kinderhort: Ansicht des fertigen Gebäudes Wir mussten wie üblich die Entwurfspläne beim Rat des örtlichen Bezirkes Abteilung Aufbau Referat Stadt- und Dorfplanung einreichen. Prüfungsbericht Architekturkontrolle 156

159 Das Referat gab dann einen Prüfbericht heraus, dessen Details eingehalten werden mussten. In diesem Bericht steht: Investitionssumme:./. Zu Ihren Zeichnungen, Lageplan und Ansichten sind in städtebaulicher Hinsicht folgende Bedenken zu erheben: Die Anordnung des Gebäudes auf dem Grundstück ist entsprechend der grünen Eintragung im Lageplan vorzunehmen. Die architektonische Gesamthaltung wird anerkannt. Prüfbericht Nr. 268/1954 Bei Berücksichtigung der genannten Forderung wird dem Projekt in der Architekturkontrolle in gestalterischer Hinsicht zugestimmt. Es war ein ganz normaler Bau. Für das Dach und die Decken mussten Betonfertigteile der Firma Menzel, Stahlbetonteile G.M.B.H, Elsterwerda verwendet werden statt der sonst üblichen Holzkonstruktion für das Dach und Ortbetondecken. Holz für Dächer und Schalungen war Mangelware zu der Zeit in der DDR. Wir hatten von der Firma Musterstatiken bekommen, nach denen wir arbeiten konnten. Beim Zeichnen half mir mein Kompagnon. Ich hatte auch eine schöne, große, geschwungene Haupttreppe vorgesehen. Ich sagte ihm beim Zeichnen, dass er auch genügend Schnitte durch das Treppenhaus machen soll. Da er ein Fachmann mit längerer Erfahrung war, überprüfte ich nicht jede Zeichnung. Eines Tages, als ich zur Baustelle kam, sagte der Bauführer mir etwas von Fehlern. Ich ging die Treppe hoch und ich war noch nicht einmal oben, da konnte ich schon die Decke des Geschosses mit ausgestrecktem Arm berühren. Ich hatte eine Wut, es war ein Fehler wegen fehlender Schnitte durch das Treppenhaus. Es mussten von der Geschossdecke Teile entfernt werden. Zu Hause hatten wir dann eine angeregte Diskussion. Kinderhort und Kinderkrippe Auch die Planungen für den Kinderhort und die Kinderkrippe hatten einen komplexen Baukörper als Vorgabe. Der Kinderhort selbst bestand aus insgesamt vier Gruppenräumen und Räumen für WC, Waschen, 157

160 Isolierzimmer, Liegeraum, Personalraum und Küche mit Fluren und vier Ruheräumen, Personalraum, Wasch-, WC- und Wickelraum, Dienstzimmer, Personalraum, Küche, zwei Säuglingszimmer mit Wascheinrichtung, Milchküche, WC, Isolierzimmer und Übergaberaum. Lageplan Auch hier gab die Architekturkontrolle ihre Meinung ab: Prüfbescheid Nr. 87/1955 Investitionen:./. Zu Ihren Zeichnungen Nr. 1 8 sind in architektonischer und gestalterischer Hinsicht keine Bedenken zu erheben. 158

161 Zusammenarbeit mit VEB Firmen Für eine Firma planten wir viele Projekte. Eines der größten war das Gebäude für Forschung und Entwicklung Es handelte sich um ein Labor für chemische und praktische Versuche. Perspektive der Anlage Das Gebäude bestand aus dem Teil für praktische Versuche, circa 42 m lang, und circa 18 m breit, 2-geschossig, Geschosse 4 m und 3 m hoch, dem Verbindungstrakt (wegen der Erschütterungen) circa 13 m lang, circa 10 m breit, zweigeschossig, Geschosse 4 m und 3 m hoch und dem Bauteil für chemische Versuche circa 50 m lang, 16 m breit, dreigeschossig, je 3 m Geschosshöhe. Vertikalofenanlage Etwas ganz Besonderes war der Auftrag für die Vertikalofenanlage. Sie bestand aus der Vertikalofenanlage, circa 20 m hoch, und einem 60 m hohen gemauertem Schornstein. Auch hier bearbeitete ich die architektonische und statisch-konstruktive Planung unter Berücksichtigung der Angaben der Maschinenbauer für die Vertikalofenanlage. 159

162 Gebäudequerschnitt Vertikalofenanlage Später war ich noch Gutachter bei einem Vorprojekt von Hochöfen in Budapest und Bukarest. Das letzte Jahr, wo wir Aufträge erhielten, war 1957, und zwar 15. Sportplatz Vom Komitee für Körperkultur und Sport erhielt ich noch andere Sportanlagen zur Planung. Für die Sportplätze war ein Gelände von circa 300 m 250 m vorgesehen. Erforderlich waren ein großes Fußballfeld mit 400- m-bahn, Hochsprung-, Weitsprung-, Stabhochsprung-, Kugelstoß- und Hammerwurfanlagen und Tribünen, ein Fußballfeld für das Training, Tennisplätze, ein kleiner Sportplatz, Umkleidegebäude und Grünanlagen. So ähnlich wurden mehrere weitere Sportplätze von mir geplant. Rollschuhbahn Ein anderes Projekt aus dem Sportbereich war eine Rollschuhbahn mit Tribünen für Zuschauer, Umkleidegebäude und Grünanlagen. Lageplan Rollschuhbahn 160

163 Mehrschiffige Halle Als ein heimlicher Förderer erwies sich immer wieder mein alter Prüfingenieur, der mir meine erste statische Berechnung als grünes Fragment zurückgegeben hatte. Durch seine Vermittlung erhielt ich Aufträge von anderen VEB-Planungsbüros, unter anderem dieses Projekt. Außerdem prüfte er, wenn es möglich war, meine statischen Berechnungen. Er war sehr genau. Unter anderem prüfte er auch meine Stahlkonstruktion des Daches für die Hedwigskirche im Friedrichshain. Die statischen Berechnungen musste man einreichen. Diese wurden dann an im jeweiligen Bezirk vorhandene Prüfingenieure vergeben. Es gab Prüfingenieure, die prüften, wie wir sagten, nach der»kamm-methode«. Alle grünen Striche wurden dabei genau in der gleichen Ebene, von gleicher Länge und Schräge und in gleicher Höhe angeordnet. Nur stellte es sich sehr oft heraus, dass diese»geprüften Statiken«sehr fehlerhaft waren, da die Prüfer nicht alles beanstandet hatten. Die vorhandene Konstruktion der Hallen musste nachgeprüft und sofern erforderlich ergänzt werden. Das Dach des Hauptgebäudes waren Tonnenschalen aus Beton. Diese hatte früher ein bekannter Professor von der TU Berlin berechnet. Ich hatte Kurse über Schalenstatik bei einem Professor von der TH Dresden genommen, war also aufgrund der vorhandenen Erfahrungen auf diesem Gebiete versiert. Diese Statik der überprüften Tonnenschalen erhielt ein Prüfingenieur, der früher mit mir als Statiker in einem VE-Betrieb gewesen war. Die Kräfte aus dem Dach gehen bei einer Tonnenschale nicht voll auf den darunter befindlichen Binder, sondern wandern teilweise in die Endpunkte der Tonnenschale, sodass der Binder nur einen Teil der Last erhält, aber zusätzliche Zugkräfte. Dieser Prüfingenieur hatte keine Ahnung von Schalen und belastete den Binder mit der vollen Last der Tonnenschale. Als ich diese Statik zurückbekam, hatte ich einige Zeit große Auseinandersetzungen mit ihm, ehe er sich bequemte und die Belastungen änderte. Er musste sich nämlich dann verantworten im Bezirk, da er die Statik falsch geprüft hatte. Da in dem Raum auch elektrische Versuche gemacht werden sollten, musste der Raum wegen der Messinstrumente und des Blitzschutzes als Faradaykäfig ausgebildet werden. Ein Faradaykäfig ist eine käfigartige, geerdete Vorrichtung aus Drahtgeflecht zum Abschirmen gegen elektri- 161

164 sche Felder oder Ströme, die man an den Innenseiten der Halle an der vorhandenen Tragkonstruktion befestigte. Es war eine sehr interessante Tätigkeit. Andere Bauten waren Stahlbauhallen, Planung für ein pharmazeutisches Werk und für ein Krankenhaus, Einbau einer Kobaltkanone in einer Universität sowie Vorentwürfe für zwei Hotels in der Umgebung von Berlin. Im Jahr 1958 war es dann aus, es gab keine Aufträge mehr. Der letzte Traum vom Diplomingenieur Um doch noch meinen Dipl.-Ing. machen zu können, studierte ich nochmals zusätzlich ab 1957 an der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen in Berlin-Neukölln das Fach Hochbau, um durch ein»gut bestanden«an der TU Berlin weiterstudieren zu können. Ich belegte das Fach Hochbau, um den»ingenieur für Hochbau«zu erwerben. Auch bei diesem Studium gab es Probleme. Studentenausweis Außenseiten und Innenseiten Ich kam ja aus der DDR und durfte somit keine Westzeitungen bei mir haben und konnte somit westliche Politik nur im Westen aus den Zeitungen entnehmen. In dem Fach Geschichte und Gegenwartsfragen wurde aber auch über die damalige politische Situation gesprochen, wo ich nicht mitreden konnte, weil ich westliche Zeitungen nur unter hohem 162

165 Risiko hätte mitnehmen können. Ich hatte mein Büro in Ostberlin und ging nebenbei zu diesem zusätzlichen Studium in Westberlin. Außerdem arbeitete ich für mehrere Ministerien der DDR, die es bestimmt nicht gerne gesehen hätten, wenn ich im Westen studierte. Ich erläuterte das dem Dozenten, doch der hatte wenig Verständnis dafür. Die Folge war im Zeugnis ein»ausreichend«. Unserem Klassendozenten erläuterte ich einmal, warum ich als Selbstständiger mit eigenem Büro unbedingt eine Gesamtnote 2 haben will. Ich wollte nämlich dann noch einmal in Westberlin zur TU, um den Dipl.-Ing. zu bekommen. Er sagte mir:»herr Pietrowiak, Sie haben schon einen Ingenieur, Sie sind selbstständig, alle anderen hier wollen erst einmal nur diesen einen Ingenieur haben. Sie werden verstehen, dass mir das wichtiger ist. Wir können sowieso nur einer begrenzten Anzahl der Studenten eine zwei geben«. Aus war auch dieser Traum. Es war üblich, dass Schnellentwürfe als Prüfungsaufgaben gemacht wurden. Natürlich war ich wesentlich schneller, als die jungen Kollegen. Einmal beschwerte ich mich beim Dozenten, weil bei einem Laubenganghaus die seitliche Isolierung vergessen wurde. Der Dozent sagte mir:»herr Pietrowiak, so etwas haben wir noch gar nicht durchgenommen, die anderen Studenten können es somit auch nicht wissen.«bei dem Klassendozenten hatten wir auch Baugeschichte. Griechenlands, Ägyptens Kunst und Kultur waren für mich damals als Ostler sehr, sehr weit entfernt. Ich hatte zwar Bücher darüber, aber kein großes Interesse, da man aus dem Osten nicht dorthin reisen konnte. Erst als ich später die Länder selber bereiste, dankte ich ihm im Stillen für das, was er uns beigebracht hatte. Zu meinem 29. Geburtstag im Januar 1958 lud ich mehrere aus unserer Klasse zu mir nach Hause ein. Wir feierten und tranken»budweiser Bier«, das ich vom Komitee für Körperkultur und Sport (KfKS) besorgt hatte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich sechs Monate später in den Westen gehen würde. Es blieb von dem Bier nichts mehr übrig. 163

166 Ende Juli 1958, ich war schon seit dem in Westberlin, erhielt ich dann die»ingenieur-urkunde Fachrichtung Hochbau«. Das Studium zum Diplomingenieur erledigte sich später durch die Nachdiplomierung, was ich damals ja nicht wusste. Nach den ergänzenden Richtlinien des Senators für Schulwesen von Anfang November 1966 erhielt ich für beide Ingenieur-Urkunden neue Ingenieur-Urkunden mit dem Nachtrag»Ingenieur (grad.)«. Mitte August 1984 erhielt ich neue Urkunden, in denen mir endlich die lang ersehnte Berechtigung erteilt wurde, die Bezeichnung»Diplom- Ingenieur«für beide Abschlüsse zu führen. Damit hatte ich mein Ziel erreicht, nur nicht durch die Studien, aber ich war zufrieden. Mein Fazit Gelernt habe ich in den beiden Semestern nicht sehr viel. Wenn man wie ich schon neun Jahre im Beruf war, ein eigenes Büro hatte, war das, was geboten wurde, sehr wenig. Ich hatte ja fast auf allen Gebieten des Bauwesens gearbeitet, auch im Industrieanlagenbau, der nicht gelehrt wurde. Für die anderen Studenten war es aber viel. Die praxisnahen Themen mit Problemen der DIN-Vorschriften, Schallschutz, Brandschutz, Erdbebenschutz, Schwingungen usw. wurden ja leider nicht sehr oft oder überhaupt nicht behandelt. Diese Problematik habe ich auch später bei fertigen Dipl.-Ing. aus München, Hannover, Braunschweig und anderen Städten, die wir eingestellt bzw. die sich beworben hatten, immer wieder gehabt. Man lernte immer, nicht immer mit genauem Bezug zur Wirklichkeit. Das schlimmste Erlebnis hatte ich mit einem Dipl.-Ing., der nicht einmal einen Fundamentplan, bestehend aus Banketten und Einzelfundamenten, für eine Halle von 10 m 10 m mit Stützen im Abstand von 5,00 m, zeichnen konnte, wobei die Maße der Fundamente vorgegeben waren.»warum konnte ich die verschiedenartigsten Projekte einfach so bearbeiten?«wenn ich Aufträge der verschiedensten Art bekam, dachte ich nicht daran, ob ich es schaffe. Ist zu schwer, kenne ich nicht. Auch dass ich bei so vielen unterschiedlichen Auftraggebern ankam, wunderte mich nicht, es war so. 164

167 Erst als 1964 bei einem Bewerbungsgespräch der Inhaber auch einen Psychologen mitbrachte und der am Ende sagte,»herr Pietrowiak, die Stelle eines Betriebsleiters ist zu monoton für Sie, Sie können nicht immer das Gleiche tun, denn Sie sind kreativ und müssen Ihren Ideen nachgehen«, wurde mir nachträglich klar, warum ich die verschiedenartigen Projekte, die Verbesserung des Rechenschiebers, die DIN 4114 und vieles andere einfach»so«gemacht hatte. Was ich zu diesem Zeitpunkt in der DDR noch nicht wusste, waren die Dinge, die ich später im Westen machen würde. Wenn man will, wächst man mit seinen Aufgaben, auf Kosten der Freizeit und der Familie. Historisches Archiv der TFH Berlin Alle noch vorhandenen Unterlagen von und sowie aus meinem Büro conde (Name ab 1958 im Westen) habe ich dem Historischen Archiv der TFH, z. Hd. Professor Lohe, übergeben, insgesamt rd. 230 kg Material. 165

168 Und dann kam der Hammer Die neuen Gesetze der DDR für Selbstständige Die DDR führte neue Gesetze zur»verhinderung«freischaffender Tätigkeit in der DDR ein. Diese neuen Gesetze wurden dann bei mir und allen anderen selbstständigen Architekten und Bauingenieuren angewandt (siehe Anhang). Wenn man überlegt, dass zuerst nach der Übernahme durch die DDR die Intelligenz (Ingenieure, Dr., Professoren usw.) in jeder Hinsicht gefördert wurde, z. B. Einzelverträge, Gehälter, ich erhielt zusätzliche Kohlen auf Klasse A (20 Zentner) usw., später aber alles gestrichen wurde und sogar die Kinder der Intelligenz oft nicht mehr studieren durften, dann fasst man sich an den Kopf. Diese Gesetze waren der Schlussstrich. Damit war für mich die bisherige Tätigkeit, Planungen von Bauten jeder Art, verboten, nur noch möglich für Privatpersonen bis zu einer bestimmten Bausumme. Nur, wer von den Privaten hatte so viel Geld, um bauen und sich einen Planer leisten zu können? Man hatte erst die zu planenden Bausummen minimiert und auf private Bauherren begrenzt und dann durch die Gesetze und Anordnungen die Zulassung auf ein Minimum reduziert und hat dann noch jeden bestraft, der so gearbeitet hat, wie es vorher mit VE-Betrieben möglich und auch erforderlich war. Die Folge war die Flucht der ehemaligen Intelligenz und anderer in den Westen. Zum Teil waren es nachher bis zu Personen je Monat, die die DDR verließen, und es waren nicht die Schlechtesten, sondern vorwiegend die Intelligenz. 166

169 Flucht, Folgen und Erinnerungen Vorgänge, die zur Flucht führten Ich hatte ja mein Büro im Dachgeschoss oberhalb unserer Wohnung in dem 2-Familien-Haus und ging ein Jahr lang nebenbei fast jeden Tag nach Westberlin zur Ingenieurschule. Ordnungsgemäß hatte ich jedes Jahr meinen Steuerbescheid eingereicht mit den entsprechenden Schreiben der Auftraggeber, die die Steuern abführen mussten. Es waren für das jeweilige Kalenderjahr in DM-Ost: Berufsb. Steuerpfl. Jahr Einkünfte Ausgaben Einkommen Zus. Steuern und , ca ca ca ,00 Ein Angestellter, Arzt usw. verdiente nicht so viel. Die Nettosummen sehen 1956 und 1957 sehr groß aus. Natürlich waren Lebensmittel und Mieten von Wohnungen billig, aber alles andere teuer. Wir hatten uns 1955 die Wohnung teilweise neu eingerichtet, zum Teil mit Westmöbeln, die es in einem unserer Geschäfte zu kaufen gab, einschließlich hochwertiger Musiktruhe mit Tonbandgerät, Plattenspieler und Fernseher, Vergrößerungsapparat, Zeichenmaschine usw. Einiges ist davon in der Zeitungsanzeige von Mitte August 1958 wegen der Versteigerung aufgeführt. Das Fahren mit dem Auto war auch teuer. Zum Beispiel kostete ein Liter Benzin 1,50 DDR-Mark. Da die Fahrzeuge noch nicht so sparsam im Benzinverbrauch wie heute waren, verschlangen sie viel Benzin. Da ich aber Aufträge in Berlin, Wittenberg, Magdeburg, Leipzig, Halle usw. hatte, musste ich mir erst einen DKW und danach einen Wartburg, ungefähr DDR-Mark, zulegen. Damit ging auch viel Geld für Hotels, Benzin, Reparaturen usw. drauf. Genauso war es mit guten Sachen wie Anzügen, Schuhen usw., die man als Selbstständiger brauch- 167

170 te. Hier ging man manchmal nach Westberlin und kaufte dort, wenn man es konnte. Der Umtauschkurs war 1:4, das heißt für vier DDR-Mark bekam man eine Westmark. Außerdem gingen von den Nettobeträgen natürlich noch alle anderen Kosten ab, wie Krankenkasse usw., aber auch»luxusartikel«wie Kaffee (ein Kilo 35 DDR-Mark), ein Kasten Bier (9 DDR-Mark), Schokolade usw. Bespitzelung? Eines Tages, im Jahr 1958, komme ich zurück von der Bauschule im Westen, bin gerade oben in der Wohnung angekommen, da klingelt es. Ein Mann möchte gerne einmal telefonieren. Wir hatten ihn schon öfter in unserer Straße bei uns hin und her gehen sehen. Ich sagte, kommen Sie rein, hier ist das Telefon. Er rief irgendjemand an und sagte:»das Objekt ist gerade nach Hause gekommen und wir haben es beobachtet, bis es im Hauseingang verschwand.«man muss sich vorstellen, im Bereich unserer Straße gab es außer dem 2-Familien-Haus, wo wir mit drin wohnten, bis zur Fabrik in Richtung Berliner Allee kein Gebäude und auf der anderen Seite nur einige Reihenhäuser und ich hatte sonst niemand auf der Straße gesehen. Meine Frau und ich bekamen Angst, denn ich war der Einzige, der zu der Zeit auf der Straße gewesen war. Er legte dann auf und verschwand. Vorladung zur Kriminalinspektion Ein anderes Mal kam ich wieder von Westberlin, da zeigte mir meine Frau eine Vorladung zu einer Kriminalinspektion, zu der ich am nächsten Tag um 9 Uhr hinsollte. Es war kein Grund angegeben, nur, dass es sich um eine Vernehmung handelt. Ich fuhr am nächsten Morgen dorthin. Ich kam in einen Raum und zwei Personen verhörten mich. Immer wieder ging der eine oder der andere aus dem Zimmer und kam wieder. Auf meine Fragen, worum es überhaupt geht, bekam ich keine Antwort. Abends um 18 Uhr kam die 2. Person wieder herein und sagte:»die Aussagen stimmen überein.«ich konnte gehen, ohne dass man mich aufklärte. Unsere Angst wuchs dadurch immer mehr. Nachher stellte es sich heraus, dass die anderen Verhörten von einer Stahlbaufirma waren. Einer von denen hatte einmal für mich eine statische Berechnung einer 168

171 Stahlkonstruktion gemacht. Normalerweise hatte ich Statiken, die andere handschriftlich gefertigt hatten, immer mit der Schreibmaschine abschreiben lassen. Nur diese handschriftliche Statik hatte ich vergessen. Sie hat mich in große Schwierigkeiten gebracht. Außerdem hatten wir für die Kalkulation von Bauten mit Mitarbeitern der VE-Betriebe mit Genehmigung der jeweiligen Geschäftsleitung zusammengearbeitet, da wir als Private nicht an die Unterlagen der Ministerien herankamen. Steuerfahndung Einige Wochen später, Ende April 1958, bekommen wir Besuch. Es klingelt, wir machen die Tür auf und draußen stehen zwei Herren. Sie sagen:»wir sind von der Steuerfahndung und möchten Sie gerne sprechen. Sie können den Besuch auch verweigern, dann kommen wir mit einem Volkspolizisten und erzwingen uns den Besuch.«Da ich zwar nervös, aber ein ruhiges Gewissen hatte, ließ ich die Herren in das Büro. Man sagte mir, ich hätte auch für ein VEB-Planungsbüro in der DDR gearbeitet. Dort hätte man Aufträge gegen Kasse an private Büros vergeben, sodass man in Leipzig nicht mehr ausgelastet war. Das führte zu Untersuchungen und deswegen sei man hier. Ich beteuerte, dass ich nicht geschmiert hätte. Man bat, mein Büro und die Unterlagen inspizieren zu dürfen mit der obigen Bemerkung. Da ich keine Probleme sah, gestattete ich das. Sie fanden zufällig die eine statische Berechnung von dem Stahlbauer, die ich als einzige nicht hatte umschreiben lassen. Sie sagten, ist die Statik von ihnen? Das kann aber nicht sein, da Ihre Handschrift ganz anders ist. Ich musste das zugeben. Sie sagten, Sie wissen doch, dass Sie als Selbstständiger nur alleine arbeiten dürfen. Wir unterhielten uns noch und ich sagte ihnen, dass es nicht immer möglich sei, wie z. B. bei Kalkulationen, wo wir auf Mitarbeiter aus dem jeweiligen VE-Betrieb angewiesen sind. Es half nichts. Man sagte mir, Sie werden noch von uns hören. Während dieses Gespräches kam meine Frau schreckensbleich herein und sagte, unsere Tochter Martina hat einen Stein auf den Kopf bekommen und blutet stark. Ich guckte mir den Kopf an und sagte meiner Frau, fahre sofort ins Krankenhaus, was sie auch tat. In der Zwischenzeit hatten die Herren mir eine Bestätigung von Hand über die Akten geschrieben, die sie mitnehmen wollten, zwei 169

172 Schnellhefter und zwei Mappen Schriftverkehr. Ja, und dann gingen diese Herren, die eigentlich wegen Korruption gekommen waren mit einer Gesetzesüberschreitung, die erst im Gesetz von 1958 enthalten war.. Ich war wie vom Donner gerührt. Ich hatte auch für mehrere Ministerien gearbeitet, auch Projekte von einem VEB-Betrieb des Landmaschinenbaus erhalten. Mir fehlte aber für 1957 noch die Bescheinigung des Betriebes, dass die Steuern einbehalten und abgeführt wurden. Ich rief bei dem Leiter in der Firma an. Dort sagte man mir, dass der Leiter schon einige Tage nicht da gewesen wäre, dass er eventuell krank sei. Da ich die Bescheinigung unbedingt für das Finanzamt benötigte, rief ich bei ihm zu Hause an. Seine Frau sagte mir, dass ich abends vorbeikommen soll. Ich fuhr zu ihr und sie erzählte mir, dass ihr Mann angeblich wegen Spionage oder so etwas verhaftet wurde. Ich bekam einen Schreck, denn ohne die Bescheinigung verstieß ich gegen das Gesetz und wer glaubte mir schon, was die Frau mir erzählt hatte. Jetzt sah ich erst richtig schwarz. Ende Mai 1958 erhielt ich die Abschrift eines Berichtes vom Rat meines Stadtbezirkes, Abt. Finanzen, Referat Steuern Sachgebiet Fahndung über das Prüfungsergebnis. Mit Datum von Mitte Juni 1958 erhielt ich: Vereinigter Steuer-, Beitrags-, Feststellungs- u. Abrechnungsbescheid 1956 und Vereinigter Steuer-, Beitrags-, Feststellungs- u. Abrechnungsbescheid Darin stand, dass ich für 1956: DM ,20 und 1957: DM ,30 insgesamt DM ,50 nachzahlen muss. Das waren höhere Beträge, als nach Abzug der Steuern geblieben waren, bloß so viel Geld hatte ich noch nie auf meinem Konto gesehen. Die Betriebe zahlten auch nicht immer sofort. Ich überwies den Rest, der bis jetzt auf meinem Konto war, und hoffte, dass die Beträge der ausstehenden Rechnungen bald eingehen. Es waren am : DM 8.000,00 und am : DM 2.000,00 insgesamt DM ,00 170

173 In der Zwischenzeit kam ein ehemaliger Auftraggeber aus einem anderen Stadtteil vom Komitee für Körperkultur und Sport und fragte mich, ob ich nicht das Projekt sowieso, das mein ehemaliger Kompagnon bearbeitet hatte, fertigstellen könnte. Ich fragte ihn, warum er nicht zu ihm geht. Er sagte, er hat sich vor einer Woche in den Westen abgesetzt. Ich fand das unerhört von dem Kompagnon, da er mir nicht Bescheid gesagt hatte und wir als 2-Mann-Kollektiv beim Finanzamt und beim Rat der Stadt bis Ende 1956 unter meinem Nahmen gemeldet waren. Ich konnte nur verneinen, da ich das Projekt nicht kannte und der Auftraggeber schon einiges bezahlt hatte. Später erfuhr ich auch, dass der Kompagnon für ,00 DM und der ebenfalls schon in den Westen geflüchtete Leiter des Architekturbüros für mehrere Jahre ,00 DM zurückzahlen sollten. Am schrieb ich an den Rat meines Stadtbezirks, Abt. Finanzen, Unterabteilung Abgaben, und bat, wegen fehlender Aufträge monatlich 1.000,00 DM zurückzuzahlen. Mit Schreiben von Anfang Juli 1958 antwortete man mir:»bevor wir die Stundung aussprechen, ist eine Sicherheitsleistung Ihrerseits erforderlich, anbei 2 Vordrucke für einen Vertrag usw.«ende Juni 1958 erhielt ich noch eine gerichtliche Vorladung (»Durch besonderen Wachtmeister!«) zu einem Termin Ende Juni 1958 und Anfang Juli 1958 beim Strafsenat, ohne Angabe des Grundes. Mit sofortigem Schreiben von Ende Juni 1958 schrieb ich, dass der Brief erst heute kam, als keiner zu Hause war, und ich morgen wegen vorhandener Termine nicht kommen kann. Mit Schreiben von Anfang Juli 1958 erhob ich Einspruch beim Rat meines Stadtbezirks wegen der Steuerbescheide usw. Am Montag, einige Tage später, hatte ich ein Telefonat mit einem Vertreter vom Finanzamt wegen des Briefes vom und der Pfändung. Ich erläuterte dem Beamten nochmals, dass ich schon ,00 DM zurückgezahlt hätte. Wegen der neuen Gesetze von 1956, 1957 hätte ich aber seit Januar 1958 keine Aufträge und damit Einnahmen. Er sagte nur:»dann kommen Sie am Freitag vorbei und überschreiben uns Ihren PKW (Wartburg), die Möbel der Wohnung, die Möbel und 171

174 sonstigen technischen Einrichtungen Ihres Büros und das Geld von Ihrem Konto.«Mein Einwand, dass ich dann gar nichts mehr zum Leben hätte, beantwortete man dahingehend:»dann müssen Sie wieder bei einem VE-Betrieb anfangen.«was das bedeutete, war mir klar. Irgendwann Anstellung, irgendeine kleine Tätigkeit, geringes Gehalt und viel Ärger, keine eigenen Möbel, keine Wohnung, kein Auto, nichts mehr. Ich konnte den Termin noch auf Montag verschieben, mit der Bemerkung von dem Beamten, aber bestimmt. Am Dienstag Anfang Juli 58 saßen meine Frau und ich im Garten der Schwiegereltern und überlegten, was wir machen sollten. Wir hatten eine Wohnung, deren Einrichtung mindestens ,00 DM ein Büro, dessen Einrichtung mindestens 2.000,00 DM gekostet hatte, und Wäsche, Kleidung, Skier, Fachliteratur, vorwiegend westliche, Kindersachen und -spielzeug, Zeichenmaschine, Faltboot, PKW Wartburg (20.000,00 DM), Autoreifen usw. Es war also genau zu überlegen, was wir tun sollten. Wir entschieden, uns am darauf folgenden Mittwoch, den abzusetzen. Wir packten einen Koffer, als wenn wir Urlaub machen wollten, und sagten niemand, nicht einmal unseren Eltern etwas davon. Als ich noch kein Auto hatte, machte ich alles in der näheren Umgebung mit dem Fahrrad. Einmal musste ich nach Pankow wegen des Einbaus einer Kobaltkanone in einer Arztpraxis. Ich hatte die zwei kleinen Originalzeichnungen mitgenommen und hinten auf dem Gepäckträger befestigt. Kaum zu Hause angekommen, klingelte es an der Haustür und zwei uniformierte Volkspolizisten standen dort. Ich bat sie herein. Sie fragten, ob ich Zeichnungen vermisse. Mit einem Male fiel mir ein, dass ich die Zeichnungen ja gar nicht mit zurückgenommen hatte. Ich sagte ja und sie erzählten mir, dass sie die Zeichnungen auf der Brücke über den Eisenbahngleisen in Pankow gefunden hätten. Ich war dort über die Straßenbahngleise gefahren und muss die Zeichnungen durch das Rütteln verloren haben. Es ging noch einmal glimpflich mit einer Verwarnung ab. Ich war schon ein Jahr selbstständig und hatte mir einen Wagen (DKW) gekauft. Einmal fuhr ich zu meinem alten Büro am Alexanderplatz. Es gab ein großes Hallo. Ein ehemaliger Kollege sagte neidisch, so einen 172

175 Wagen möchte er auch haben. Ich konnte nur erwidern, dann mach dich doch selbstständig, aber das war für ihn wieder ein zu großes Risiko. Später verkaufte ich den Wagen und erstand einen Wartburg. Der Tag der Flucht: 10. Juli 1958 Am nächsten Morgen, es war der , holte ich das Auto aus der Garage im Keller und wir packten ein. Als wir losfahren wollten, stellte ich fest, dass der vordere rechte Reifen kaum noch Luft hatte. Wir fuhren trotzdem los bis zu meiner Tankstelle in der Berliner Allee. Die Felge war ganz geblieben. Der Tankwart nahm den Reifen ab, reparierte ihn und wir fuhren dann los. Das Herz bibberte uns, aber was sollten wir machen. Den Wagen stellten wir noch im Osten an einer hoffentlich sicheren Stelle ab und gingen zur S-Bahn. In der Zeit verließ ein Großteil der damaligen Intelligenz die DDR.. Es war ein riesiger Aderlass für die DDR. Ja, und wir verloren alles, was wir uns in sechs Jahren aufgebaut hatten, nicht nur das Inventar der Wohnung und des Büros, sondern auch unser Faltboot und die Gelder für ausgeführte Arbeiten, die noch kommen mussten, wir waren jetzt arm. Nach der Flucht Mit der S-Bahn fuhren wir dann nach Westberlin zu den Eltern meines Freundes Heinz, ließen den Koffer dort und ruhten uns erst einmal aus. Die erste Zeit von Mitte Juli bis Ende Juli 1958 konnten ich bei den Eltern meines Schulfreundes Heinz übernachten und meine Frau und unsere Tochter Martina bei Verwandten ihrer Eltern. Die Familie hatte 1 ½ Stuben und Küche mit Bad für vier Personen, jetzt fünf Personen. Dann konnten wir ab bei einer Bekannten in Tempelhof 173

176 vom bis (erster Wohnsitz) unterkommen. Wir meldeten uns sofort im Lager an, wir wohnten aber nicht dort. Wir mussten im Lager über uns ergehen lassen: ärztlichen Dienst, Sichtungsstelle, fürsorglichen Dienst, Polizei, Vorprüfung A, Vorprüfung B, Terminstelle des Aufnahmeverfahrens, Schirmbildstelle des Wohnbezirkes, Aufnahmeausschuss, Beschwerdeausschuss, Ländereinweisung, Lagereinweisung und Transportstelle. Anfang August 1958 hatten wir alles hinter uns, auch ich die Verhöre durch die Alliierten. Zu den Aufnahmeformalitäten gehörte auch eine»kurze Begründung der Flucht aus Ostberlin«. Mit Schreiben von Ende Juli 1958 des Leiters des Notaufnahmeverfahrens Berlin erhielten wir für mich, meine Frau Helga und die Tochter Martina die Aufenthaltsgenehmigung mit entsprechender Begründung. Auf der Rückseite war auch vermerkt:»gilt als unbefristete Zuzugsgenehmigung für Berlin (West)«(nicht für die BRD). In Weißensee hatte ich noch ein Inserat in der Zeitung gehabt für den Verkauf meines PKW, Marke Wartburg. Es hatte sich jemand gemeldet und wir hatten noch einen Termin bei einem Notar, vereinbart. Die Flucht war dazwischengekommen. An dem Tage, wo wir uns treffen wollten, ging ich über die Grenze zu dem Notar der in der Nähe der Frankfurter Allee sein Büro hatte. Meine Tante Lotte und ihr Mann Onkel Hermann, die in der Nähe in der Boxhagener Straße wohnten, hatte ich mitgenommen und ein paar Häuser vorher allein gelassen. Beim Notar ging alles glatt. Als wir aus dem Büro herauskamen, gab der Käufer auf dem ersten Podest im Treppenhaus ein Päckchen Geld. Ich prüfte die Summe und stellte fest, dass einige Tausend DM fehlten und sagte es ihm. Er gab mir noch den Rest und wir gingen auseinander. Auf der Straße ging ich in Richtung S-Bahn Warschauer Straße. Einige Häuser vom Notar trat ich in den Flur eines anderen Hauses, wo meine Tante wartete, gab ihr das mit Zeitungspapier eingewickelte Geld und verschwand. Wir hatten noch besprochen, wie schnell sie am S- Bahnhof sein könnte. Ich ging also direkt mit einigen Umwegen zum S- Bahnhof Warschauer Straße. Es war ein Sackbahnhof. Als ich ankam, war der Zug schon da. Meine Tante war im letzten Wagen und winkte mir zu. 174

177 Ich betrat den Waggon, sagte:»guten Tag«. Da sagte meine Tante:»Sohni, ich habe dir was mitgebracht.«sie grabschte in ihren Busen und gab mir das Paket, das immerhin ,00 DM in DDR-Geld beinhaltete. In diesem Moment fuhr der Zug an. Ich bekam einen Schreck und war dann froh, als wir im Westen waren, dort trennten wir uns, ich stieg an der ersten Haltestelle sofort aus. Ein anderes Mal fuhr ich vom Osten in den Westen und hatte meinen Fotoapparat, eine Exacta Varex aus der DDR, bei mir, Wert damals 2.500,00 DM Ost, über meine alte Firma gekauft. Am Bahnhof Friedrichstraße außen die üblichen Kontrollen. Der Zug fuhr an, in dem Moment kommt eine Beamtin an die Tür, die gerade zuschnappte und wollte rein. Sie konnte nicht und der Zug fuhr ab. Später bei einem Besuch bei der Frau meines Kalkulators stellte sich heraus, dass man zwei Jahre nach unserer Flucht die Beschuldigungen gegen uns aufgehoben hatte, nur da war es zu spät. Einmal gingen wir mit Martina (drei Jahre) durch Nebenstraßen aus dem Osten am Gesundbrunnen in den Westen. Auf einmal sahen wir einen Volkspolizisten auf der anderen Straßenseite. Wir sagten noch zu Martina, guck nicht so auffällig dorthin. Wir kamen aber durch ohne Probleme. Von dem Tage der Flucht an war ich fünf Jahre lang auf der Fahndungsliste der Volkspolizei. Durch die Flucht bekam mein Vater Schwierigkeiten, er war bei der Polizei ein kleiner Streifenbeamter. Das führte dazu, dass er auch nach seiner Pensionierung im Jahr 1955 bei der Polizei erst 1972 das erste Mal zu uns reisen durfte. Auch mein Bruder, der gerade sein Staatsexamen als Mediziner machte, bekam leichte Probleme wegen meiner Flucht. Am schrieb ich an mein altes Volkspolizeirevier und bat, mir mitzuteilen, ob meine Eltern uns besuchen dürften usw. Ich erhielt keine Antwort auf diesen sehr höflich geschriebenen Brief. Anfang Februar 1964 schrieb ich sowohl an den»untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen in Berlin und an den»polizeipräsi- 175

178 denten in Berlin«wegen einer möglichen Einreise und Problemen. Beide erläuterten, warum eine Einreise riskant sei und es keine Garantie einer Rückkehr gebe. Also unterblieb ein Besuch. Bevor die Grenze geschlossen wurde, kam meine Mutter 1960 inoffiziell zu Besuch nach Düsseldorf, um ihren Enkel Thomas, der gerade geboren war, zu sehen. Sie fuhr mit der S-Bahn zum Flughafen Tempelhof und flog bis Hannover, wo ich sie vom Flughafen abholte. Dann fuhren wir ins Krankenhaus in Düsseldorf und holten meine Frau mit dem Enkel ab. Beim Rückflug von Hannover hatte sie ebenfalls keine Probleme. Mein Bruder Walter kam noch kurz vor dem Bau der Mauer für einige Tage inoffiziell nach Düsseldorf. Er wollte auch mit seiner Familie kommen. Kaum war er wieder zurück, wurde die Mauer geschlossen und aus war es. Die vielen Jahre waren wir nur durch den Schriftverkehr mit meinen Eltern und denen meiner Frau verbunden. Im Jahr 1965, ich arbeitete gerade in Kiel bei einer Baufirma, bekam ich von meinem Bruder ein Telegramm mit der Mitteilung, dass unsere Mutter im Sterben liegt und ich sofort kommen sollte. Ich fuhr abends noch zu dem Geschäftsführer der Firma und bat um Urlaub und auch Benutzung des PKW, einen Citroen, was man mir sofort genehmigte. Ich fuhr los, ohne daran zu denken, dass ich ja auf der Fahndungsliste war, und war morgens gegen 5 Uhr am Bahnhof Friedrichstraße, dem Zugang nach Ostberlin. Unterwegs hatte ich schon überlegt, ob die Fahrt richtig sei. Man nahm das Telegramm, telefonierte mit allen möglichen Stellen und sagte mir dann, Sie können erst um 7 Uhr den sowjetischen Sektor betreten. Um 7 Uhr fuhr ich Richtung Weißensee, immer mit dem Gedanken, ob die mich auch wieder herauslassen. Kurz vor 8 Uhr klingelte ich dann bei meinen Eltern. Mit einem Male geht die Tür auf und wer steht dort, meine Mutter. Sie hatte sich wieder einigermaßen erholt. Sie sah mich erstaunt an und fragte mich, woher ich so früh komme. Es war immerhin das erste Mal seit 1958, dass ich wieder in Weißensee war. Ich konnte ihr natürlich nicht den Grund nennen. Es war ein schönes Wiedersehen, leider sehr kurz, weil ich wieder zurückmusste. Sie starb dann leider 1970 und mein Vater vier Jahre später. 176

179 Einige Erinnerungen an die Zeit in der DDR und danach Carepakete Im Jahr 1949 gab es die Carepakete der Amerikaner. Diese holten wir in der Poststelle in der Osloer Straße hinter der Prinzenstraße im Westen ab. Unsere Pakete schickten wir dann später auch immer dorthin, wo sie meine Mutter abholte, bis die Grenze geschlossen wurde. Das Postamt war sicherer, da viele Pakete kontrolliert oder aber gestohlen wurden. Außerdem durften mein Vater als Polizist sowie mein Bruder und seine Kinder keine Kontakte in den Westen haben. Fahrrad Ich hatte mir ein neues Fahrrad bei der HO (Handelsorganisation) gekauft. Es hatte aber keinen Trafo und keine Lampe. Eines Tages wurde ich an der Ecke Pistoriusstraße/Berliner Allee von Volkspolizisten angehalten, weil ich kein Licht anhatte. Ich sollte Strafe zahlen. Meinen Einwand, dass es bei der HO keine Lampen und Trafos gibt, akzeptierten sie, ich musste nur zu Fuß weitergehen. Beide Teile erhielt ich erst Wochen später. Fahrt nach Westdeutschland Im Jahr 1954 fuhr ich mit meiner Frau und einem bekannten Ehepaar vom Komitee für Körperkultur und Sport nach Westdeutschland. Der Bekannte hatte einen Bruder, der in Paris bei einer Lederfirma arbeitete, seinen Wohnsitz aber in Straßburg hatte. Ein Besuch im Ausland war uns ja verboten. Wir fuhren nach Kehl, gingen zur Polizei, die gaben uns einen westlichen Pass und wir fuhren über Straßburg, wo der Bruder wohnte, nach Paris. In Paris stellten wir den Wagen sofort bei der Firma auf dem Hof ab und befuhren alles mit der Métro oder dem Taxi. Es hatte also niemand das Auto mit dem östlichen PKW-Kennzeichen 177

180 sehen können. Auf der Rückreise bekamen wir unseren östlichen Ausweis wieder. Als ich kurz nach der Reise wieder einmal bei der polizeilichen Meldestelle war, fragte der Sachbearbeiter:»Wie ist es denn in Paris gewesen?«ich tat erstaunt, denn ich wusste, sie konnten theoretisch nichts wissen, da wir den Wagen sofort versteckt hatten. Aber wer weiß, woher sie die Informationen hatten. Es blieb aber bei meinem Nichtwissen. Politischer Vortrag Als wir in Untermiete in der Berliner Allee wohnten, war auch hin und wieder ein politischer Vortrag angesetzt, den wir im Keller über uns ergehen lassen mussten. Bei einem dieser Vorträge meldete ich mich zu Wort und sagte:»wir sind doch ein sozialistischer Staat. Ich verstehe nicht, warum ich, 23 Jahre alt, zur Intelligenz gehöre und zusätzlich 20 Zentner Kohlen bekomme und mein Vater, 52 Jahre, der in der SPD war, jetzt in der SED, also ein langjähriges Mitglied ist, dies nicht bekommt.«der Vortragende erwiderte nichts darauf. Vielleicht bekam ich da wieder einen Punkt. Sekretärin Wie gut das Netz der Spitzel war, ergibt sich aus Folgendem. Ich fuhr nach 1965 des Öfteren zu meinen Eltern, um sie zu unterstützen, indem wir bei diesen Spezialeinkaufsläden einkauften bzw. Geld mit anderen Ostlern tauschten. Einmal kam ich wieder zur Einreisestelle, gab den Ausweis ab. Nach einer Weile kam dann ein Beamter und sagte doch:»sie haben ja ein Büro mit einem hochtrabenden Namen (conde) in München und eine dufte Sekretärin.Wie ist sie denn?«ich antwortete:»wahrscheinlich genauso, wie Sekretärinnen hier sind.«woher wussten die von meinem Büro und der Sekretärin? 178

181 Personalausweis Ich fuhr nun schon mehrere Jahre über den Einreisepunkt Bornholmer Straße in den Ostsektor. Im Jahr 1967 hatte ich mir in Offenburg auf der Meldestelle einen neuen Personalausweis besorgt. Als ich ihn abholte, fehlte zwischen dem»i«und dem»t«das»e«. Ich machte die Dame darauf aufmerksam. Sie schrieb einfach in den Zwischenraum ein»e«, das natürlich anders aussah. Ich dachte, es muss doch irgendwo ein Vermerk gemacht werden, dass eine Änderung erfolgt ist. Aber sie sagte, es ist alles o.k. Mit diesem Ausweis kam ich auch zur Bornholmer Straße. Es dauerte sehr lange, bis ich aufgerufen wurde. Ich musste in einen gesonderten Raum, wo der Leiter dieser Dienststelle und der Polizist, der mich draußen schon behandelte, auf mich warteten. Der Leiter gab mir Papierstreifen und sagte:»schreiben Sie doch bitte Ihren Namen.«Ich tat das mindestens fünf- bis sechsmal. Auf einmal kam mir der Gedanke mit dem»e«. Ich fragte ihn:»meinen sie das nachträglich eingetragene»e«? Er fragte woher ich das weiß. Dann erklärte ich ihm, wie das»e«zustande gekommen war. Das hatte immerhin über zwei Stunden gedauert und meine Eltern wussten nicht, was los war. Er ließ mich dann ziehen. Am nächsten Tag fuhr ich an der gleichen Stelle nach Ostberlin. Der Polizist, der mich gestern als Erster kontrolliert hatte, auch den Kofferraum, fand auf einmal ein Tauchermesser, das gestern schon im Kofferraum gelegen hatte. Ich musste wieder zum Leiter. Der Polizist sagte, was er gefunden hatte. Der Leiter fragte, ob ich auch tauche, was ich nur bejahen konnte. Dann sagte ich:»wissen Sie, das Messer lag gestern schon im Kofferraum und vor einem Jahr auch, wo derselbe Polizist mich kontrolliert hatte. Nur gestern hatte er es übersehen.«der Polizist fragte mich:»woher wissen Sie, dass ich Sie im vorigen Jahr auch kontrolliert habe?«ich antwortete ihm:»man merkt sich doch die Leute, die einen so scharf kontrollieren.«der Leiter beendete den Disput und sagte nur:»hier haben Sie Ihren Ausweis und verschwinden Sie.«179

182 Auch das hatte wieder eine längere Zeit gedauert. Nach dem Besuch bei meinen Eltern fuhr ich dann am nächsten Tag nach München zurück. Ich hatte genug. Hippies Wir waren Weihnachten auf der Rückfahrt von Lübeck, Besuch bei den Schwiegereltern, als wir, noch in Schleswig-Holstein, in einer Kurve ins Rutschen kamen und halb im Graben landeten. Wir fanden einen hilfsbereiten Bauern, der uns mit seinem Traktor herauszog. Wir dankten und wollten an diesem Tag auch eine gute Tat vollbringen. Auf der Autobahn von Hamburg nach Berlin, im Osten, sahen wir einen VW an der Seite stehen. Wir fragten höflich, ob wir helfen können. Da sahen wir, dass die Fahrer richtige Hippies waren, lange Haare, komische Kleidung usw. Nur, wir wollten nicht zurück. Man nahm unsere Hilfe an und wir zogen den Wagen bis zur nächsten Tankstelle. Wir fragten, ob die Leute dort helfen können, sie konnten angeblich nicht, sondern eine andere Tankstelle. Wir fuhren zur nächsten Tankstelle, die hatten auch keine Werkstatt. Einen Polizisten, der dort zufällig war, fragten wir, ob er eine Werkstatt wüsste, aber er hatte auch keine Ahnung. Vor allen Dingen war es ja verboten, den Transitweg zu verlassen. Also zogen wir den Wagen bis Berlin. An der Berliner Grenze mussten wir in eine spezielle Fahrbahn fahren, links das Kontrollhäuschen mit Betonwand und rechts eine circa 2,50 m hohe Betonmauer. Als wir drin waren, gingen die Stahltore vorn und hinten mit Blaulicht zu. Wir waren richtig gefangen. Der Polizist, der kam, fragte, ob wir nicht wüssten, dass es in der DDR verboten ist, ein fremdes Fahrzeug abzuschleppen. Ich erläuterte ihm, dass wir an zwei Tankstellen waren und einen Polizisten gefragt hätten, und keiner hatte eine Lösung. Und da es ja verboten ist, den Transitweg zu verlassen, konnten wir den Wagen doch nicht stehen lassen. So, dass uns nichts anderes übrig blieb, was im Westen normal ist, dass man jemand abschleppt. Man überprüfte alle Papiere und nach einer langen Zeit mit viel Belehrung konnten wir endlich rausfahren. Wir fuhren in den Westbereich zur Tankstelle, lösten die Verbindung zum VW und sagten»auf Wiedersehen«. Da sagten doch die beiden Typen, ob wir sie nicht bis zum Zentrum mitnehmen könnten, aber es kam kein Dankeschön. Wir fuhren dann los ohne Hippies. 180

183 Kleidung für meinen Bruder Wenn wir in den Osten fuhren, nahmen wir immer etwas mit für die nahen Verwandten. Einmal hatten wir in meiner Aktentasche im Kofferraum mehrere Anzüge für meinen Bruder. Ich hatte zu der Zeit fast nur Maßanzüge von guter Qualität. Der Polizist bat, den Kofferraum zu öffnen und dann auch die Tasche. Er fragte, was da drinnen sei. Ich sagte ihm, das wären gebrauchte Anzüge für meinen Bruder. Er befühlte das Material und sagte dann:»sie wissen, wie teuer die Sachen sind, ich müsste Ihnen dafür den Zollpreis in Rechnung setzen. Aber er war vernünftig und wir konnten fahren. Kofferradio für den Neffen Ein anderes Mal kommen wir wieder über die Bornholmer Straße in den Ostsektor. Wir hatten für den Neffen, der Geburtstag gehabt hatte, ein Kofferradio für 250,00 DM gekauft. Es war unter der Geschenkgrenze. Der Volkspolizist sah das und wollte näheres wissen. Ich erläuterte ihm, dass es für den Neffen sei. Da sagt der VOPO, dass das nicht geht, sie müssen Zoll dafür bezahlen. Ich sagte ihm das wäre doch noch unter der Zollgrenze und zeigte ihm die Rechnung. Er zeigte mir sein Buch, wo ein Kofferradio ab 900 DM kostet und der Zoll dafür mindestens 180 DM beträgt. Ich sagte, das ist mir zu teuer. Kann ich es wieder über die Grenze zur Westpolizei bringen. Er stimmte zu und ich ging zur Westpolizei auf der anderen Seite von der Brücke. Die staunten nicht schlecht, als ich ihnen das erzählte. Dann ging ich zurück und wir konnten weiter fahren. Auf der Rückfahrt holten wir das Kofferradio dann ab. Übriges Wechselgeld Wir hatten unseren Besuch im Ostsektor beendet und fuhren wieder zur Grenze an der Brücke Bornholmer Straße. Der Polizist fragte auch ob wir noch DDR-Geld hätten. Ich sagte ja, es waren nur noch ein paar D-Mark, die ich gerne behalten wollte. Er sagte das ist verboten, sie müssen es hier noch ausgeben. Da es schon Nacht war, war auch der HO-Laden zu. Ich sagte, was soll ich denn jetzt machen, kann ich Ihnen das schenken? Nein, das ging auch nicht. Dann sagte er, hier ist irgend- 181

184 wo ein Kasten dafür, wo man es hineinwerfen kann. Ich suchte erst diesen Kasten, warf das Geld hinein und wir durften losfahren. Briefmarken für meinen Vater Mein Vater sammelte Briefmarken, auch der BRD. Einmal kaufte ich für ihn bestimmte Sondermarken. Bei der Passkontrolle in Berlin musste ich mit dem Beamten in eine von den Kabinen gehen. Ich musste alles auspacken, dabei waren auch die Briefmarken. Er sagte mir, Sie wissen doch, dass Sie keine Briefmarken einführen dürfen. Ich sagte ihm, die sind für meinen Vater, der Briefmarken sammelt. Nach längerer Diskussion ließ er mich dann gehen. Nachruf auf die Kontrollen Es gab noch mehr unangenehme, aber auch angenehme Polizeikontrollen. Nur, man war froh, wenn man wieder über die Grenze fuhr. 182

185 C-Ausweis, Hauptentschädigung Wenn irgendjemand sagt, man bekommt als Flüchtling schnelle Hilfe, dann zeigt das, was wir erlebt haben, dass es nicht immer stimmt. 1.) Notaufnahme für Berlin dauerte drei Wochen (Zuzug nur für Westberlin). 2.) C-Ausweis dauerte sieben Monate. 3.) Aufbaudarlehen in Neuss dauerte zwei Monate, in Offenburg fünf Monate (musste natürlich voll zurückgezahlt werden). 4.) Hauptentschädigung dauerte 23 Jahre und 5 Monate, wobei fast jedes Jahr ein neuer Antrag mit Angabe der Zeugen gestellt werden musste. Ich erhielt nicht alles, was verloren gegangen war. 5.) Aufbaudarlehen für freie Berufe wurde von den Banken nicht bewilligt, da keine Sicherheiten vorhanden waren, wo sollten die auch herkommen. Nachdem wir geflohen waren, hat sich, wie meine Mutter mir schrieb, jemand etwas bereichert. Am war dann eine Anzeige in der Berliner Zeitung unter Verschiedenes:»Zwangsversteigerung«am an einem bestimmten Ort. Woher wusste die örtliche Dienststelle, dass wir am 10. Juli 1958 die DDR verlassen hatten, wir waren ja im Urlaub. Hatte da jemand etwas auf Verdacht gemeldet? Oder hatte der Beamte, bei dem ich mich melden sollte, Lunte gerochen? Es ist nur komisch und hat einen schlechten Beigeschmack, dass man nach der Wende in Berlin bei den maßgeblichen Dienststellen keine Einnahmen aus der Versteigerung gefunden hat, nicht einmal war dort vermerkt, dass diese Versteigerung unserer Möbel usw. überhaupt stattgefunden hat, was versteigert wurde und was erlöst worden ist. Auch auf dem gesperrten Bankkonto war kein Eingang zu finden, obwohl noch nicht alle gestellten Rechnungen bezahlt waren. Aber unser Faltboot (Klepper damals 1.000,00 DDR-Mark), das in einem Bootshaus an einem See bei Berlin gelagert war, wurde laut Bericht für 1,40 DM versteigert. 183

186 Es ist doch nicht nachvollziehbar, dass der Ertrag der Versteigerung einer ganzen Wohnungseinrichtung (zwei Zimmer, unter anderem mit wertvollem Musik- und Fernsehschrank und vielen Büchern, Küche, Bad, Kleidung, im Dachgeschoss, Büro mit allen Möbeln, Zeichenmaschine und Fachliteratur, Wert damals mindestens ,00 DM, und die Beträge vom Konto nicht aufzufinden sind, aber der eines Faltbootes. Was mag da wohl geschehen sein? 184

187 Rückblick und Ausblick Mit unserer Flucht lagen die Tiefen und Höhen für diese 13 Jahre nach dem Kriege erst einmal hinter uns. Ich hatte alle meine Möglichkeiten ausgeschöpft, mich in meinem Beruf etabliert und war auch als Selbstständiger in der Branche anerkannt. In der DDR war ja alles geregelt, man brauchte nicht viel zu denken. Es gab fast nur VE-Betriebe, wo wir anfangen konnten, und in dem Sinne keine große Konkurrenz. Und jetzt mussten wir einen kompletten Neuanfang wagen. Was erwartete uns im»goldenen Westen«? Wir standen auf uns gestellt da ohne Verbindungen, finanzielle Möglichkeiten, abgesehen von den DDR-Mark, die wir 1:4 tauschen mussten, ergab rund Westmark, ohne Wohnung etc. Wohin würde es uns verschlagen? Noch wussten wir keine Antwort und konnten nur auf eine glückliche und erfolgreiche Zukunft hoffen. Ein Zurück gab es nicht. In der Bundesrepublik stellte ich dann sehr schnell fest:»wissen alleine reicht nicht.«blickte man voller Erwartungen aus der DDR in den»goldenen Westen«, meinte man, das Geld läge fast auf der Straße, aber stellte man sich der Herausforderung, in den Westen zu gehen, lernte man schnell, dass sehr viel mehr nötig war, um zu bestehen und erfolgreich zu werden. Es gab viele Betriebe und viel Konkurrenz im Beruf, gegen die man antreten musste. Man musste besser sein als die Anderen. Denke deshalb immer daran, auch du schaffst es, du musst nur wollen, denn der Wille zählt und etwas Glück. Der Weg ist dabei manchmal wie die Fahrt auf einer Achterbahn. Nur wer wagt, gewinnt. Wenn du deine Arbeit nicht liebst und jeden Morgen mit Widerwillen zur Arbeit gehst, nicht fröhlich bist und nicht lachst, weil die Arbeit nicht Deinen Interessen und Neigungen entspricht, denke an das Sprichwort:»Glücklich, wer mit den Verhältnissen zu brechen versteht, ehe sie ihn gebrochen haben!«franz von Liszt 185

188 Anhang Auszug aus den neuen Gesetzen der DDR für Selbstständige Am kam das Gesetz G.B. Teil I: Nr. 39, Seiten heraus»anordnung über die Zulassung zur Herstellung baukünstlerischer, bau- und ingenieurtechnischer Entwürfe, Planbearbeitungen oder Ausführungsunterlagen vom heraus, erforderlich waren»zulassungsurkunde«oder»mitglied beim BDA oder KDT«. Mein Berufsausweis erlosch also zum laut dem VOBl. Nr. 60 vom Einen neuen Antrag auf Zulassung als freischaffender Bauingenieur stellte ich am mit den entsprechenden Unterlagen. Am kam die Verordnung VB II Nr. 38, Seite 361 heraus,»bekanntmachung über den Ablauf der Gültigkeit von Berufsausweisen für Architekten, Bau- und sonstigen Fachingenieuren«vom Ich bemühte mich, als Architekt anerkannt zu werden, und schrieb deshalb am einen Brief an den Bund Deutscher Architekten, mit zwei Seiten Erläuterungen betreffs Stellungnahme für Freiberufliche Tätigkeit als Architekt Schreiben vom Bund Deutscher Architekten mit Antragsformular A und mehreren Unterlagen Schreiben vom BDA, anliegend Stellungnahme der Gutachterkommission BDA an den Rat des Stadtbezirkes, Beschränkung als Architekt auf Projektierung von Sportbauten usw. Ich war ja vom Komitee für Körperkultur und Sport anerkannt als Spezialist für Sportbauten der DDR. 186

189 Am kam das Gesetz G.B. Teil I: Nr. 22, Seite 187 heraus,»anordnung Nr. 2 über die Zulassung zur Herstellung baukünstlerischer, bau- und ingenieurtechnischer Entwürfe, Planbearbeitungen oder Ausführungsunterlagen«v , teilweise Begrenzung der Bausummen auf DM Schreiben von Groß-Berlin, Rat des Stadtbezirks Weißensee, Referat Stadtplanung. Antrag kann nicht zugestimmt werden Erstes Schreiben an Chefarchitekten von Groß-Berlin Architekturkontrolle. Nicht einverstanden, da seit 1954 Planungen durchgeführt, Zeugen genannt Schreiben vom Magistrat von Groß-Berlin, der Chefarchitekt, Ablehnung Schreiben an Magistrat von Groß-Berlin, der Chefarchitekt, hingewiesen, dass Gesetzblätter zum Teil erst im Januar und Februar kamen, ich rechtzeitig reagiert habe, und Fragen Schreiben vom Magistrat von Groß-Berlin, Der Chefarchitekt, Erläuterung, was und wie etwas zugelassen ist. Am kam die Verordnung VB I Nr. 26, Seite 274 heraus,»anordnung über die Abrechnung bautechnischer Entwurfsleistungen privater Architekten u. Bauingenieure«vom und am das Gesetz G.B. Nr. 27, Seiten heraus»anordnung über die allgemeinen Bedingungen für die Durchführung bautechnischer Projektierungsarbeiten«vom Am kam die 3. Anordnung über die Zulassung zur Herstellung von Entwürfen im Gesetzblatt Nr. 31/1958, Teil I, Seite 404, übernommen im Verordnungsblatt von Groß-Berlin am (VOBl. Nr. 39/1958, Teil I, Seite 401). Diese Verordnung besagte, dass derjenige, der Aufträge oder Teile derselben an nicht zugelassene Projektanten vergibt, seine Zulassung verliert und mit Ordnungsstrafen bestraft wird. 187

190

191 Inhalt Vorwort... 9 Eine Arbeiterfamilie und ihre Kinder... 9 Eine Kindheit in Berlin Diesmal muss es klappen Unsere Eltern sind eine Wucht Unsere Wohnverhältnisse Unser Alltag Unser Elternhaus Schule Sport und Religion Kommunion Diskussion mit einem Gottesdiener Die letzten Kriegsjahre Kinderlandverschickung Deutsches Jungvolk von 1939 bis Die Napolas, Nationalpolitische Lehranstalten Deutsches Jungvolk Hitlerjugend von 1943 bis Flieger-HJ Nachrichten-HJ Lehrgang an der Heeresnachrichtenschule Halle/Saale SS-Junkerschulen Die SS-Division Hitlerjugend Volkssturm in Buchholz Panzervernichtungsbrigade Berlin oder Panzerjagdkommando... 55

192 Tagebuchaufzeichnungen Kampf um Berlin Flucht aus Berlin, offiziell Absetzbewegung Westen Richtung Elbe In russischer Gefangenschaft Heimkehr und die ersten Tage in Freiheit Nachwirkungen dieser Zeit Mein Fazit Nachkriegszeit Judo und Boxen Spätere Erlebnisse mit russischen Soldaten Ausgangssperre Einbruch Nach dem Kino Reise Sonstige Erinnerungen an die Nachkriegszeit Trümmer und Trümmerfrauen Hunger Lebensmittelmarken Schwarzmarkt Carepakete Sperrstunde Beruflicher Werdegang bis Gespräche mit meinem Vater Lehre als bautechnischer Junghelfer Die erste Dienststelle Berufsschule Im Bereich der Bahnmeisterei Bei einem privaten Zimmereibetrieb Wieder in der Bahnmeisterei Die Vereinigten Bauschulen von Groß-Berlin Der Lehrbetrieb Semestergeld und Krankenkassenbeitrag Vorhandene»Technik«

193 Vorhandene Gebäude, in denen gelehrt wurde Die»Studenten«und ihre Ingenieurschule Das erste Vorsemester im Winterhalbjahr 1945/ Währungsreform Studium an den Vereinigten Bauschulen von Groß-Berlin von 1946 bis Probleme beim Studium Sonstige Fächer und Dozenten Voraussetzungen für das Studieren Ingenieur für Tiefbau Wie sich Dozenten täuschen können Reichsbahn-Inspektorenanwärter Gesellenbrief als Maurer Kündigung Die Zeit als Angestellter in der DDR Ein kleiner Privatbetrieb In VE-Betrieben Technisches Büro Rechenschieber wird verbessert Hallenprojekt Durchbiegungsmessungen Vorsicht Die neue DIN-Vorschrift Schwimmstadion und andere Projekte Wie sagt man so schön? Keiner ist vor Fehlern gefeit Sonstige Projekte Projekte der Jahre 1951 bis Zementwerk Architekturkontrolle Planung und Bau Gleitschalung Sonstiges Sonstige Projekte Kraftwerk an der Spree

194 Radrennbahn Vorhandene Radrennbahnen untersuchen Auswertung der Radrennbahnen Der 17. Juni Irgendwann muss Schluss sein Fernstudium zum Diplomingenieur Die Zeit als selbstständiger Bauingenieur von 1954 bis Werk zur Herstellung von Acetylen Waschkaue für Junghauer Kinderhort Kinderhort und Kinderkrippe Zusammenarbeit mit VEB Firmen Gebäude für Forschung und Entwicklung Vertikalofenanlage Sportplatz Rollschuhbahn Mehrschiffige Halle Der letzte Traum vom Diplomingenieur Mein Fazit Historisches Archiv der TFH Berlin Und dann kam der Hammer Die neuen Gesetze der DDR für Selbstständige Flucht, Folgen und Erinnerungen Vorgänge, die zur Flucht führten Bespitzelung? Vorladung zur Kriminalinspektion Steuerfahndung Der Tag der Flucht: 10. Juli Nach der Flucht Einige Erinnerungen an die Zeit in der DDR und danach Carepakete Unsere Pakete Fahrrad

195 Fahrt nach Westdeutschland Politischer Vortrag Sekretärin Personalausweis Hippies Kleidung für meinen Bruder Kofferradio für den Neffen Übriges Wechselgeld Briefmarken für meinen Vater Nachruf auf die Kontrollen C-Ausweis, Hauptentschädigung Rückblick und Ausblick Anhang Auszug aus den neuen Gesetzen der DDR für Selbstständige

196

197

Das Waldhaus. (Deutsches Märchen nach den Brüdern Grimm)

Das Waldhaus. (Deutsches Märchen nach den Brüdern Grimm) Das Waldhaus (Deutsches Märchen nach den Brüdern Grimm) Es war einmal. Ein armer Waldarbeiter wohnt mit seiner Frau und seinen drei Töchtern in einem kleinen Haus an einem großen Wald. Jeden Morgen geht

Mehr

Leseverstehen 1. Lies den Text und mache die Aufgaben danach.

Leseverstehen 1. Lies den Text und mache die Aufgaben danach. Leseverstehen 1. Lies den Text und mache die Aufgaben danach. Tom und seine Teddys In Toms Kinderzimmer sah es wieder einmal unordentlich aus. Die Autos, Raketen, der Fußball und die Plüschtiere lagen

Mehr

Kater Graustirn. (Nach einem russischen Märchen)

Kater Graustirn. (Nach einem russischen Märchen) Kater Graustirn (Nach einem russischen Märchen) Es war einmal. Ein alter Bauer hat drei Söhne. Der erste Sohn heißt Mauler. Der zweite Sohn heißt Fauler. Der dritte Sohn heißt Kusma. Mauler und Fauler

Mehr

Einstufungstest Deutsch (A1, A2, B1)

Einstufungstest Deutsch (A1, A2, B1) Einstufungstest Deutsch (A1, A2, B1) Name: Datum: Was passt? Markieren Sie! (z.b.: 1 = d) heisst) 1 Wie du? a) bin b) bist c) heissen d) heisst Mein Name Sabine. a) bin b) hat c) heisst d) ist Und kommst

Mehr

Ein Teddy reist nach Indien

Ein Teddy reist nach Indien Ein Teddy reist nach Indien Von Mira Lobe Dem kleinen Hans-Peter war etwas Merkwürdiges passiert: Er hatte zum Geburtstag zwei ganz gleiche Teddybären geschenkt bekommen, einen von seiner Großmutter und

Mehr

Gemeinsame Stunden mit unseren Paten in der 1c

Gemeinsame Stunden mit unseren Paten in der 1c Gemeinsame Stunden mit unseren Paten in der 1c In der Pause (September) Wir spielen eigentlich jeden Tag mit unseren Paten. Am aller ersten Tag hatten wir sogar eine extra Pause, damit es nicht zu wild

Mehr

Schritte 4. Lesetexte 11. Verkehr, Verkehr: Wie sind die Leute unterwegs? 1. Lesen Sie die Texte und ergänzen Sie die Tabelle.

Schritte 4. Lesetexte 11. Verkehr, Verkehr: Wie sind die Leute unterwegs? 1. Lesen Sie die Texte und ergänzen Sie die Tabelle. Verkehr, Verkehr: Wie sind die Leute unterwegs? 1. Lesen Sie die Texte und ergänzen Sie die Tabelle. Peter Herrmann (47) Ohne Auto könnte ich nicht leben. Ich wohne mit meiner Frau und meinen zwei Töchtern

Mehr

Mimis Eltern trennen sich.... Eltern auch

Mimis Eltern trennen sich.... Eltern auch Mimis Eltern trennen sich... Eltern auch Diese Broschüre sowie die Illustrationen wurden im Rahmen einer Projektarbeit von Franziska Johann - Studentin B.A. Soziale Arbeit, KatHO NRW erstellt. Nachdruck

Mehr

Ich hatte keine Zeit für dich «Thema: Zeit in der Familie»

Ich hatte keine Zeit für dich «Thema: Zeit in der Familie» «Thema: Zeit in der Familie» Weiteres Material zum Download unter www.zeitversteher.de Doch die Erkenntnis kommt zu spät für mich Hätt ich die Chance noch mal zu leben Ich würde dir so viel mehr geben

Mehr

EINSTUFUNGSTEST. Autorin: Katrin Rebitzki

EINSTUFUNGSTEST. Autorin: Katrin Rebitzki EINSTUFUNGSTEST A2 Name: Datum: Bitte markieren Sie die Lösung auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Antwort. 1 Sofie hat Paul gefragt, seine Kinder gerne in den Kindergarten gehen. a) dass b)

Mehr

German Beginners (Section I Listening) Transcript

German Beginners (Section I Listening) Transcript 2013 H I G H E R S C H O O L C E R T I F I C A T E E X A M I N A T I O N German Beginners (Section I Listening) Transcript Familiarisation Text FEMALE: MALE: FEMALE: Peter, du weißt doch, dass Onkel Hans

Mehr

Unterrichtsreihe: Liebe und Partnerschaft

Unterrichtsreihe: Liebe und Partnerschaft 08 Trennung Ist ein Paar frisch verliebt, kann es sich nicht vorstellen, sich jemals zu trennen. Doch in den meisten Beziehungen treten irgendwann Probleme auf. Werden diese nicht gelöst, ist die Trennung

Mehr

Das Märchen von der verkauften Zeit

Das Märchen von der verkauften Zeit Dietrich Mendt Das Märchen von der verkauften Zeit Das Märchen von der verkauften Zeit Allegro für Srecher und Orgel q = 112 8',16' 5 f f f Matthias Drude (2005) m 7 9 Heute will ich euch von einem Bekannten

Mehr

Vier Generationen in der Goetheschule Hemsbach

Vier Generationen in der Goetheschule Hemsbach Vier Generationen in der Goetheschule Hemsbach Bild-Quelle: http://www.goethe-hbh.hd.schule-bw.de von Pia-Kristin Waldschmidt Meine Schulzeit in der Goetheschule Mein Name ist Eva - Maria und als Mädchen

Mehr

Adverb Raum Beispielsatz

Adverb Raum Beispielsatz 1 A d v e r b i e n - A 1. Raum (Herkunft, Ort, Richtung, Ziel) Adverb Raum Beispielsatz abwärts aufwärts Richtung Die Gondel fährt aufwärts. Der Weg aufwärts ist rechts außen - innen Ort Ein alter Baum.

Mehr

Auf dem der ideen. diese für seine Arbeit als Designer. Wie er dabei genau vorgeht, erzählt er. oder Schneekugeln. Er sammelt Funktionen und nutzt

Auf dem der ideen. diese für seine Arbeit als Designer. Wie er dabei genau vorgeht, erzählt er. oder Schneekugeln. Er sammelt Funktionen und nutzt Tim Brauns ist Sammler. Doch er sammelt weder Briefmarken, noch Überraschungseifiguren oder Schneekugeln. Er sammelt Funktionen und nutzt diese für seine Arbeit als Designer. Wie er dabei genau vorgeht,

Mehr

Die Kühe muhen, die Traktoren fahren. Aber gestern-

Die Kühe muhen, die Traktoren fahren. Aber gestern- Janine Rosemann Es knarzt (dritte Bearbeitung) Es tut sich nichts in dem Dorf. Meine Frau ist weg. In diesem Dorf mähen die Schafe einmal am Tag, aber sonst ist es still nach um drei. Meine Frau ist verschwunden.

Mehr

die taschen voll wasser

die taschen voll wasser finn-ole heinrich die taschen voll wasser erzählungen mairisch Verlag [mairisch 11] 8. Auflage, 2009 Copyright: mairisch Verlag 2005 www.mairisch.de Umschlagfotos: Roberta Schneider / www.mittelgruen.de

Mehr

WOLFGANG AMADEUS MOZART

WOLFGANG AMADEUS MOZART Mozarts Geburtshaus Salzburg WEGE ZU & MIT WOLFGANG AMADEUS MOZART Anregungen zum Anschauen, Nachdenken und zur Unterhaltung für junge Besucher ab 7 Jahren NAME Auf den folgenden Seiten findest Du Fragen

Mehr

HORIZONTE - Einstufungstest

HORIZONTE - Einstufungstest HORIZONTE - Einstufungstest Bitte füllen Sie diesen Test alleine und ohne Wörterbuch aus und schicken Sie ihn vor Kursbeginn zurück. Sie erleichtern uns dadurch die Planung und die Einteilung der Gruppen.

Mehr

Warum ist die Schule doof?

Warum ist die Schule doof? Ulrich Janßen Ulla Steuernagel Warum ist die Schule doof? Mit Illustrationen von Klaus Ensikat Deutsche Verlags-Anstalt München Wer geht schon gerne zur Schule, außer ein paar Grundschülern und Strebern?

Mehr

GEHEN SIE ZUR NÄCHSTEN SEITE.

GEHEN SIE ZUR NÄCHSTEN SEITE. Seite 1 1. TEIL Das Telefon klingelt. Sie antworten. Die Stimme am Telefon: Guten Tag! Hier ist das Forschungsinstitut FLOP. Haben Sie etwas Zeit, um ein paar Fragen zu beantworten? Wie denn? Am Telefon?

Mehr

Einstufungstest Teil 2 (Schritte plus 3 und 4) Bitte markieren Sie Ihre Lösungen auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Lösung.

Einstufungstest Teil 2 (Schritte plus 3 und 4) Bitte markieren Sie Ihre Lösungen auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Lösung. Bitte markieren Sie Ihre Lösungen auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Lösung. 51 Warum willst du eigentlich in Deutschland arbeiten? ich besser Deutsch lernen möchte. a) Denn b) Dann c) Weil

Mehr

Die Fußballnäher. Zusammengestellt von A. Hösele 2008

Die Fußballnäher. Zusammengestellt von A. Hösele 2008 Die Fußballnäher Zusammengestellt von A. Hösele 2008 Markenfußbälle, wie sie auch bei der Fußball-EM zum Einsatz kommen, kosten hierzulande über 100 Euro. Den Profit machen die internationalen Sportkonzerne

Mehr

Ein feines Lokal. Personen: O = Ober, A = Gast, B = Gast

Ein feines Lokal. Personen: O = Ober, A = Gast, B = Gast Ein feines Lokal Personen: O = Ober, A = Gast, B = Gast A: Herr Ober! O: Bitte? A: Sind diese lästigen Fliegen immer hier? O: Nein, nur während der Mahlzeiten, sonst sind sie auf der Toilette. A: Zustände

Mehr

international Bitte markieren Sie Ihre Lösungen auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Lösung.

international Bitte markieren Sie Ihre Lösungen auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Lösung. Einstufungstest Teil 1 (Schritte 1 und 2) Bitte markieren Sie Ihre Lösungen auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Lösung. 1 Guten Tag, ich bin Andreas Meier. Und wie Sie? Davide Mondini. a) heißt

Mehr

dass oder das? gesammelte Übungsmaterialien Ursula Mittermayer 3/2011

dass oder das? gesammelte Übungsmaterialien Ursula Mittermayer 3/2011 dass oder das? gesammelte Übungsmaterialien Ursula Mittermayer 3/2011 Es ist oft schwer zu erkennen, ob dass oder das geschrieben gehört. Das hilft dir beim Schreiben:Ersetze das durch welches oder dieses!

Mehr

EINSTUFUNGSTEST. Autorin: Katrin Rebitzki

EINSTUFUNGSTEST. Autorin: Katrin Rebitzki EINSTUFUNGSTEST A1 Name: Datum: Bitte markieren Sie die Lösung auf dem Antwortblatt. Es gibt nur eine richtige Antwort. 1 Guten Tag, mein Name Carlo. a) bin b) heißt c) ist d) heißen 2 Frau Walter: Wie

Mehr

Kurzer Bericht über die

Kurzer Bericht über die SAB Patenschaft Projekt Patenkind: AN Chivan Pateneltern: Polzien, Christine und Peter Kurzer Bericht über die Lebens-Situation der Müllsammlerfamilie AN und die Durchführung des humanitären Projektes

Mehr

Meine Frau war immer meine Stütze Gespräch mit Herrn Herbert Nowak

Meine Frau war immer meine Stütze Gespräch mit Herrn Herbert Nowak aktiv dabei 1 Meine Frau war immer meine Stütze Gespräch mit Herrn Herbert Nowak Herr Nowak ist am 17. März 1923 in Königshütte in Oberschlesien geboren. In Begleitung seiner Ehefrau und seiner Tochter

Mehr

Klassenfahrt 7a, 7b, 7c nach Arendsee

Klassenfahrt 7a, 7b, 7c nach Arendsee Klassenfahrt 7a, 7b, 7c nach Arendsee Am 22.04.2014 fuhren die Klassen 7a, 7b und 7c zur Klassenfahrt nach Arendsee. Um 8.00 Uhr wurden wir von zwei modernen Reisebussen abgeholt. Arendsee liegt in der

Mehr

Deine Kinder Lars & Laura

Deine Kinder Lars & Laura Bitte Hör auf! Deine Kinder Lars & Laura Dieses Buch gehört: Dieses Buch ist von: DHS Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. Westring 2, 59065 Hamm Tel. 02381/9015-0 Fax: 02381/9015-30 e-mail: info@dhs.de

Mehr

aus der Armut 12-1 Haketa aus Togo

aus der Armut 12-1 Haketa aus Togo Bildung ist der beste Weg aus der Armut In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird zwar der kostenlose Zugang des grundlegenden Unterrichts gefordert, für die meisten Kinder mit Behinderungen

Mehr

Öğrenci no. Wohin musst du jetzt gehen? Was willst du morgens essen? Wie lange willst du bleiben?

Öğrenci no. Wohin musst du jetzt gehen? Was willst du morgens essen? Wie lange willst du bleiben? 815 2380 2360 2317 2297 1 2 3 4 9. A Kannst du jetzt anrufen? Du rufst an. Will er jetzt nicht arbeiten? Er arbeitet jetzt nicht. Kann ich ab und zu nicht anrufen? Ich rufe ab und zu an. Wollen wir morgens

Mehr

Doppelte Buchhaltung

Doppelte Buchhaltung (Infoblatt) Heute möchte ich euch die Geschichte von Toni Maroni erzählen. Toni, einer meiner besten Freunde, ihr werdet es nicht glauben, ist Bademeister in einem Sommerbad. Als ich Toni das letzte Mal,

Mehr

Lebensweisheiten. Eine Woche später kehrte das Pferd aus den Bergen zurück. Es brachte fünf wilde Pferde mit in den Stall.

Lebensweisheiten. Eine Woche später kehrte das Pferd aus den Bergen zurück. Es brachte fünf wilde Pferde mit in den Stall. Lebensweisheiten Glück? Unglück? Ein alter Mann und sein Sohn bestellten gemeinsam ihren kleinen Hof. Sie hatten nur ein Pferd, das den Pflug zog. Eines Tages lief das Pferd fort. "Wie schrecklich", sagten

Mehr

SELBSTEINSTUFUNGSTEST DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE NIVEAU B1

SELBSTEINSTUFUNGSTEST DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE NIVEAU B1 Volkshochschule Zürich AG Riedtlistr. 19 8006 Zürich T 044 205 84 84 info@vhszh.ch ww.vhszh.ch SELBSTEINSTUFUNGSTEST DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE NIVEAU B1 WIE GEHEN SIE VOR? 1. Sie bearbeiten die Aufgaben

Mehr

Übersicht zur das - dass Schreibung

Übersicht zur das - dass Schreibung Overheadfolie Übersicht zur das - dass Schreibung DAS 1. Begleiter (Artikel): Ersatzwort = ein 2. Hinweisendes Fürwort (Demonstrativpronomen): Ersatzwort = dies, es 3. Rückbezügliches Fürwort (Relativpronomen):

Mehr

Hört ihr alle Glocken läuten?

Hört ihr alle Glocken läuten? Hört ihr alle Glocken läuten Hört ihr alle Glocken läuten? Sagt was soll das nur bedeuten? In dem Stahl in dunkler Nacht, wart ein Kind zur Welt gebracht. In dem Stahl in dunkler Nacht. Ding, dong, ding!

Mehr

Die ganze Wahrheit Carsten Tsara hat Besuch

Die ganze Wahrheit Carsten Tsara hat Besuch Franz Specht Die ganze Wahrheit Carsten Tsara hat Besuch Deutsch als Fremdsprache Leseheft Niveaustufe B1 Hueber Verlag Worterklärungen und Aufgaben zum Text: Kathrin Stockhausen, Valencia Zeichnungen:

Mehr

die Karten, die Lebensmittel und die Wasserflasche. Das war schon zuviel: Er würde das Zelt, das Teegeschirr, den Kochtopf und den Sattel

die Karten, die Lebensmittel und die Wasserflasche. Das war schon zuviel: Er würde das Zelt, das Teegeschirr, den Kochtopf und den Sattel die Karten, die Lebensmittel und die Wasserflasche. Das war schon zuviel: Er würde das Zelt, das Teegeschirr, den Kochtopf und den Sattel zurücklassen müssen. Er schob die drei Koffer zusammen, band die

Mehr

HOFFNUNG. Wenn ich nicht mehr da bin, bin ich trotzdem hier. Leb in jeder Blume, atme auch in dir.

HOFFNUNG. Wenn ich nicht mehr da bin, bin ich trotzdem hier. Leb in jeder Blume, atme auch in dir. I HOFFNUNG Wenn ich nicht mehr da bin, bin ich trotzdem hier. Leb in jeder Blume, atme auch in dir. Wenn ich nicht mehr da bin, ist es trotzdem schön. Schließe nur die Augen, und du kannst mich sehn. Wenn

Mehr

Bereich des Faches Schwerpunkt Kompetenzerwartung Lesen mit Texten und Medien umgehen. Texte erschließen/lesestrategien nutzen

Bereich des Faches Schwerpunkt Kompetenzerwartung Lesen mit Texten und Medien umgehen. Texte erschließen/lesestrategien nutzen Lernaufgabe: Verständnisfragen zum Anfang des Buches Eine Woche voller Samstage beantworten Lernarrangement: Paul Maar und das Sams Klasse: 3/4 Bezug zum Lehrplan Bereich des Faches Schwerpunkt Kompetenzerwartung

Mehr

AN DER ARCHE UM ACHT

AN DER ARCHE UM ACHT ULRICH HUB AN DER ARCHE UM ACHT KINDERSTÜCK VERLAG DER AUTOREN Verlag der Autoren Frankfurt am Main, 2006 Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das der Aufführung durch Berufs- und Laienbühnen, des öffentlichen

Mehr

ERSTE SÄTZE - FIRST SENTEN CES - PREMIÈRES PHRASES - PRIME FRASI. Können Sie das buchstabieren?/ Name schreiben

ERSTE SÄTZE - FIRST SENTEN CES - PREMIÈRES PHRASES - PRIME FRASI. Können Sie das buchstabieren?/ Name schreiben Willkommen Herzlich Willkommen Guten Tag / Grüß Gott (Süddeutsch) / Begrüßung Guten Morgen / Guten Tag / Guten Abend / Gute Nacht / Auf Wiedersehen / Hallo (informell) / Tschüss (informell) Gesprächsbeginn

Mehr

Thema Taschengeld Lest die Texte und beantwortet die Fragen.

Thema Taschengeld Lest die Texte und beantwortet die Fragen. Taschengeld wie viel, wofür? 1 Woran denkst du beim Thema Taschengeld? 2 Thema Taschengeld Lest die Texte und beantwortet die Fragen. Wer ist unzufrieden? bekommt auch etwas Taschengeld von den Großeltern?

Mehr

Der Mann im Mond hat eine Frau, die Frau im Mond. Zusammen haben sie ein Kind, das Kind im Mond. Dieses Kind hat seine Eltern eines Tages auf dem

Der Mann im Mond hat eine Frau, die Frau im Mond. Zusammen haben sie ein Kind, das Kind im Mond. Dieses Kind hat seine Eltern eines Tages auf dem Der Mann im Mond hat eine Frau, die Frau im Mond. Zusammen haben sie ein Kind, das Kind im Mond. Dieses Kind hat seine Eltern eines Tages auf dem Mond zurückgelassen und ist zur Erde gereist. Wie es dazu

Mehr

Lenis großer Traum. Mit Illustrationen von Vera Schmidt

Lenis großer Traum. Mit Illustrationen von Vera Schmidt Lenis großer Traum Lenis großer Traum Mit Illustrationen von Vera Schmidt Leni ist aufgeregt! Gleich kommt ihr Onkel Friedrich von einer ganz langen Reise zurück. Leni hat ihn schon lange nicht mehr gesehen

Mehr

Wenn der Papa die Mama haut

Wenn der Papa die Mama haut Pixie_Umschlag2 22:48 Uhr Herausgegeben von: Seite 1 Wenn der Papa die Mama haut Sicherheitstipps für Mädchen und Jungen Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser Nordrhein-Westfalen Postfach 50

Mehr

Das Wahl-Programm von CDU und CSU. Für die Bundes-Tags-Wahl. In Leichter Sprache

Das Wahl-Programm von CDU und CSU. Für die Bundes-Tags-Wahl. In Leichter Sprache Das Wahl-Programm von CDU und CSU. Für die Bundes-Tags-Wahl. In Leichter Sprache Erklärung: Das sind die wichtigsten Dinge aus dem Wahl-Programm. In Leichter Sprache. Aber nur das Original-Wahl-Programm

Mehr

Ländervergleich: Sachsen Afghanistan

Ländervergleich: Sachsen Afghanistan Ländervergleich: Sachsen Afghanistan 1 zu B1a Aufgabe 1 a Seht euch die Deutschlandkarte im Textbuch an. Wo liegt Sachsen? Bayern? Berlin? Hamburg? b Sucht auf einer Europakarte: Wo liegt Österreich? Wo

Mehr

Ich bin das Licht. Eine kleine Seele spricht mit Gott. Einmal vor zeitloser Zeit, da war eine kleine Seele, die sagte zu Gott: "ich weiß wer ich bin!

Ich bin das Licht. Eine kleine Seele spricht mit Gott. Einmal vor zeitloser Zeit, da war eine kleine Seele, die sagte zu Gott: ich weiß wer ich bin! Ich bin das Licht Eine kleine Seele spricht mit Gott Einmal vor zeitloser Zeit, da war eine kleine Seele, die sagte zu Gott: "ich weiß wer ich bin!" Und Gott antwortete: "Oh, das ist ja wunderbar! Wer

Mehr

2 Finden Sie in dem Silbenrätsel sechs Berufe. Schreiben Sie die Berufe mit Artikel.

2 Finden Sie in dem Silbenrätsel sechs Berufe. Schreiben Sie die Berufe mit Artikel. Zwischentest, Lektion 1 3 Name: 1 Ergänzen Sie die Verben. machen kommst heißen ist bist komme 1. Ich aus Frankreich. 4. Wie Sie? 2. Mein Name Sergej. 5. Wer du? 3. Woher du? 6. Was Sie beruflich? 2 Finden

Mehr

Anne Frank, ihr Leben

Anne Frank, ihr Leben Anne Frank, ihr Leben Am 12. Juni 1929 wird in Deutschland ein Mädchen geboren. Es ist ein glückliches Mädchen. Sie hat einen Vater und eine Mutter, die sie beide lieben. Sie hat eine Schwester, die in

Mehr

Einstufungstest. Bitte antworten Sie kurz auf die Fragen: Wie heißen Sie? Wo wohnen Sie? Wie ist Ihre Telefonnummer?

Einstufungstest. Bitte antworten Sie kurz auf die Fragen: Wie heißen Sie? Wo wohnen Sie? Wie ist Ihre Telefonnummer? Bitte antworten Sie kurz auf die Fragen: Wie heißen Sie? Wo wohnen Sie? Wie ist Ihre Telefonnummer? Wie lange lernen Sie schon Deutsch? Wo haben Sie Deutsch gelernt? Mit welchen Büchern haben Sie Deutsch

Mehr

Da schau her, ein Blütenmeer!

Da schau her, ein Blütenmeer! Mira Lobe Die Omama im Apfelbaum 4 Andi blieb allein mit dem Großmutterbild. Er betrachtete es eingehend: der Federhut mit den weißen Löckchen darunter; das schelmischlachende Gesicht; den großen Beutel

Mehr

Simson, Gottes Starker Mann

Simson, Gottes Starker Mann Bibel für Kinder zeigt: Simson, Gottes Starker Mann Text: Edward Hughes Illustration: Janie Forest Adaption: Lyn Doerksen Deutsche Übersetzung 2000 Importantia Publishing Produktion: Bible for Children

Mehr

Praxis gewesen; in die zarte Haut ihrer Handgelenke hatte sie fein säuberlich rote Linien geritzt. Ich verscheuchte das Bild mit einem Kopfschütteln.

Praxis gewesen; in die zarte Haut ihrer Handgelenke hatte sie fein säuberlich rote Linien geritzt. Ich verscheuchte das Bild mit einem Kopfschütteln. Praxis gewesen; in die zarte Haut ihrer Handgelenke hatte sie fein säuberlich rote Linien geritzt. Ich verscheuchte das Bild mit einem Kopfschütteln. Naomi war nicht depressiv. Es gab dieses neue Lächeln,

Mehr

Offenhalten. Lächelnd sahen die beiden Frauen sich an und gingen Arm in Arm nach Hause. (Aus dem Buch Oasen für die Seele von Norbert Lechleitner)

Offenhalten. Lächelnd sahen die beiden Frauen sich an und gingen Arm in Arm nach Hause. (Aus dem Buch Oasen für die Seele von Norbert Lechleitner) Psychologischer Berater & Management-Trainer 1 / 7 Offenhalten Der Tag der Vermählung rückte näher, und die junge Braut wurde zusehends unruhiger. "Du musst mal raus an die frische Luft, damit du auf andere

Mehr

Frohe Ostern! Viel Glück! Toi, toi, toi! Alles Gute! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Gute Reise! Frohe Weihnachten! Gute Besserung!

Frohe Ostern! Viel Glück! Toi, toi, toi! Alles Gute! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Gute Reise! Frohe Weihnachten! Gute Besserung! Alles Gute! 61 1 1 Wünsche und Situationen Was kennst du? Was passt zusammen? 2 3 4 5 6 Frohe Weihnachten! Frohe Ostern! Gute Besserung! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag! Gute Reise! Guten Appetit!

Mehr

Schwarzer Peter. Fahne. Hahn. Schwarzer Peter. Wort Bild stummes h"

Schwarzer Peter. Fahne. Hahn. Schwarzer Peter. Wort Bild stummes h Schwarzer Peter Schwarzer Peter Wort Bild stummes h" Fahne Hahn Huhn Stuhl Fahrrad Bohrer Reh Floh Zahn Lehrer Mohn Lotto (Grundplatte) Kuh Hahn Huhn Stuhl Fahrrad Mehl Bohrer Kohle Reh Lehrer Uhr Höhle

Mehr

A-1 ICH. Prüferblatt SUULINE OSA 2012. I. Bildbeschreibung + Gespräch Der Prüfling muss mindestens 10 Sätze sagen.

A-1 ICH. Prüferblatt SUULINE OSA 2012. I. Bildbeschreibung + Gespräch Der Prüfling muss mindestens 10 Sätze sagen. A-1 ICH 1. Wo ist dein Lieblingsplatz? Wann bist du da und was machst du da? 2. Warum ist es schön, ein Haustier zu haben? 3. Welche Musik und Musiker magst du? Warum? Wann hörst du Musik? Ihr(e) Schüler(in)

Mehr

Optimal A2/Kapitel 4 Ausbildung Informationen sammeln

Optimal A2/Kapitel 4 Ausbildung Informationen sammeln Informationen sammeln Das Schulsystem in Deutschland eine Fernsehdiskussion. Hören Sie und notieren Sie wichtige Informationen. Was haben Sie verstanden. Richtig (r) oder falsch (f)? Alle er ab 6 Jahren

Mehr

Emil und die Detektive Fragen zum Text (von Robert Morrey geschrieben) Deutsch 4

Emil und die Detektive Fragen zum Text (von Robert Morrey geschrieben) Deutsch 4 Emil und die Detektive Fragen zum Text (von Robert Morrey geschrieben) Deutsch 4 Kapitel 1 S. 7 1. Was macht Frau Tischbein in ihrem Haus? 2. Wer ist bei ihr? 3. Wohin soll Emil fahren? 4. Wie heisst die

Mehr

Passende Reden. für jede Gelegenheit. Geburt, Taufe, Geburtstag, Hochzeit, Trauerfall, Vereinsleben und öffentliche Anlässe

Passende Reden. für jede Gelegenheit. Geburt, Taufe, Geburtstag, Hochzeit, Trauerfall, Vereinsleben und öffentliche Anlässe Passende Reden für jede Gelegenheit Geburt, Taufe, Geburtstag, Hochzeit, Trauerfall, Vereinsleben und öffentliche Anlässe Rede des Paten zur Erstkommunion Liebe Sophie, mein liebes Patenkind, heute ist

Mehr

1. Mündlich, im Plenum > Text/Geschichte/n zur Person entwerfen/imaginieren

1. Mündlich, im Plenum > Text/Geschichte/n zur Person entwerfen/imaginieren Bild an Tafel 1. Mündlich, im Plenum > Text/Geschichte/n zur Person entwerfen/imaginieren 2. Schreiben aufschreiben/zusammenfassen..., was im Plenum mündlich (zur Person, den Personen) zuvor besprochen

Mehr

Mein perfekter Platz im Leben

Mein perfekter Platz im Leben Mein perfekter Platz im Leben Abschlussgottesdienstes am Ende des 10. Schuljahres in der Realschule 1 zum Beitrag im Pelikan 4/2012 Von Marlies Behnke Textkarte Der perfekte Platz dass du ein unverwechselbarer

Mehr

DOCH EINEN SCHMETTERING HAB ICH HIER NICHT GESEHEN

DOCH EINEN SCHMETTERING HAB ICH HIER NICHT GESEHEN DIE INTERNETPLATTFORM FÜR DARSTELLENDES SPIEL LILLY AXSTER DOCH EINEN SCHMETTERING HAB ICH HIER NICHT GESEHEN Eine Collage über Kinder und Jugendliche in Konzentrationslagern unter Verwendung authentischen

Mehr

Anton ist tot. 1. Das ist Anton

Anton ist tot. 1. Das ist Anton Anton ist tot 1. Das ist Anton Kennst du meinen kleinen Bruder Anton? Gerne möchte ich dir von ihm erzählen. Ich heiße Steffi und bin 16 Jahre alt. Ich bin Antons große Schwester. Anton ist ein Junge mit

Mehr

Malen ist eine stille Angelegenheit Ein Gespräch mit dem Künstler Boleslav Kvapil

Malen ist eine stille Angelegenheit Ein Gespräch mit dem Künstler Boleslav Kvapil Malen ist eine stille Angelegenheit Ein Gespräch mit dem Künstler Boleslav Kvapil Von Johannes Fröhlich Boleslav Kvapil wurde 1934 in Trebic in der Tschechoslowakei geboren. Er arbeitete in einem Bergwerk

Mehr

BV Nowak Eine kleine Rezension

BV Nowak Eine kleine Rezension BV Nowak Eine kleine Rezension 15.02.2014 Fast 2 Monate wohnen wir jetzt schon in unserem Eigenheim. Unser Traum vom Haus begann schon früh. Jetzt haben wir es tatsächlich gewagt und es keine Minute bereut.

Mehr

Liedtexte zum Ausdrucken & Mitsingen

Liedtexte zum Ausdrucken & Mitsingen Liedtexte zum Ausdrucken & Mitsingen Hallo, Hallo, schön, dass du da bist Die Hacken und die Spitzen wollen nicht mehr sitzen, die Hacken und die Zehen wollen weiter gehen Die Hacken und die Spitzen wollen

Mehr

Die Engelversammlung

Die Engelversammlung 1 Die Engelversammlung Ein Weihnachtsstück von Richard Mösslinger Personen der Handlung: 1 Erzähler, 1 Stern, 17 Engel Erzähler: Die Engel hier versammelt sind, denn sie beschenken jedes Kind. Sie ruh

Mehr

Der Briefeschreiber alias Hans-Hermann Stolze

Der Briefeschreiber alias Hans-Hermann Stolze Vorwort Hans-Hermann Stolze gibt es nicht. Das heißt, irgendwo in Deutschland wird schon jemand so heißen, aber den Hans-Hermann Stolze, der diese Briefe geschrieben hat, gibt es nicht wirklich. Es ist

Mehr

Paul van Dyk & Peter Heppner Wir sind wir

Paul van Dyk & Peter Heppner Wir sind wir Universal Music Paul van Dyk & Peter Heppner Wir sind wir Niveau: Untere Mittelstufe (B1) Copyright Goethe-Institut San Francisco Alle Rechte vorbehalten www.goethe.de/stepintogerman www.paulvandyk.de

Mehr

Leseprobe. Mark Twain. Tom Sawyer als Detektiv. Übersetzt von Andreas Nohl. Illustriert von Jan Reiser ISBN: 978-3-446-23668-4

Leseprobe. Mark Twain. Tom Sawyer als Detektiv. Übersetzt von Andreas Nohl. Illustriert von Jan Reiser ISBN: 978-3-446-23668-4 Leseprobe Mark Twain Tom Sawyer als Detektiv Übersetzt von Andreas Nohl Illustriert von Jan Reiser ISBN: 978-3-446-23668-4 Weitere Informationen oder Bestellungen unter http://www.hanser-literaturverlage.de/978-3-446-23668-4

Mehr

Kolumbus fuhr noch dreimal zur See. Aber er fand keinen Seeweg nach Indien. Seine Träume erfüllten sich nicht und er starb 1506 in Spanien.

Kolumbus fuhr noch dreimal zur See. Aber er fand keinen Seeweg nach Indien. Seine Träume erfüllten sich nicht und er starb 1506 in Spanien. Christopher Kolumbus war ein berühmter Seefahrer. Er wurde 1451 in Genua in Italien geboren. Vor über 500 Jahren wollte er mit seiner Mannschaft von Spanien aus nach Indien segeln. Zu dieser Zeit war Indien

Mehr

Platons Höhle. Zur Vorbereitung: Arbeitsblätter für 4. bis 6. Klasse. von Tim Krohn Illustriert von Lika Nüssli SJW Nr. 2320

Platons Höhle. Zur Vorbereitung: Arbeitsblätter für 4. bis 6. Klasse. von Tim Krohn Illustriert von Lika Nüssli SJW Nr. 2320 Arbeitsblätter für 4. bis 6. Klasse Platons Höhle von Tim Krohn Illustriert von Lika Nüssli SJW Nr. 2320 Zur Vorbereitung: Warst Du auch schon in einer Höhle? Wo? Warum warst Du dort? Was hast Du dort

Mehr

Presseinformation. Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau. Ich bin ein Jude. Dreimal schon sollte der Tod mich ereilt haben.

Presseinformation. Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau. Ich bin ein Jude. Dreimal schon sollte der Tod mich ereilt haben. Presseinformation Neuerscheinung: Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau Ein ungarischer Junge erkämpft sein Überleben Leslie Schwartz Ich sollte nicht leben. Es ist ein Fehler. Ich wurde am 12. Januar

Mehr

So begann die Veranstaltung, meistens Freitags Nachmittags unter Leitung von:

So begann die Veranstaltung, meistens Freitags Nachmittags unter Leitung von: So begann die Veranstaltung, meistens Freitags Nachmittags unter Leitung von: Anfangs: Bill Thiessen dann Peter Keller und zum Schluss Traxel selber. Stets wurde dieses Motto unter die anfangs skeptischen

Mehr

Didaktisierung der Lernplakatserie Znam 100 niemieckich słów Ich kenne 100 deutsche Wörter Plakat KLASSE

Didaktisierung der Lernplakatserie Znam 100 niemieckich słów Ich kenne 100 deutsche Wörter Plakat KLASSE Didaktisierung des Lernplakats KLASSE 1. LERNZIELE Die Lerner können neue Wörter verstehen nach einem Wort fragen, sie nicht kennen (Wie heißt auf Deutsch?) einen Text global verstehen und neue Wörter

Mehr

Erste Hilfe in all-täglichen Not-Fällen Heft 2: Kalte Heizung Kaputtes Wasser-Rohr Verstopfte Toilette

Erste Hilfe in all-täglichen Not-Fällen Heft 2: Kalte Heizung Kaputtes Wasser-Rohr Verstopfte Toilette Erste Hilfe in all-täglichen Not-Fällen Heft 2: Kalte Heizung Kaputtes Wasser-Rohr Verstopfte Toilette in leichter Sprache Liebe Leserinnen, Liebe Leser, die Leute vom Weser-Kurier haben eine Fortsetzungs-Geschichte

Mehr

Aus Verben werden Nomen

Aus Verben werden Nomen Nach vom, zum, beim und das wird aus dem Tunwort ein Namenwort! Onkel Otto kann nicht lesen. Er musš daš Lesen lernen. Karin will tanzen. Sie muss daš Tanzen üben. Paula kann nicht gut zeichnen. Sie muss

Mehr

www.kinderdienst.com 1!

www.kinderdienst.com 1! Merkvers Darin ist erschienen die Liebe Gottes unter uns, dass Gott seinen einzigen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. 1. Johannes 4,9 Herstellung Deckblatt aus schwarzem (dunklem)

Mehr

Mein Sprachkurs bei ACE Sydney Downtown

Mein Sprachkurs bei ACE Sydney Downtown Mein Sprachkurs bei ACE Sydney Downtown Von der Überlegung bis zur Buchung Endlich.. ich habe die einmalige Gelegenheit über 2 Monate Urlaub zu bekommen. Ich reise sehr gerne, erkunde gerne die Welt und

Mehr

Spaziergang zum Marienbildstock

Spaziergang zum Marienbildstock Maiandacht am Bildstock Nähe Steinbruch (Lang) am Freitag, dem 7. Mai 2004, 18.00 Uhr (bei schlechtem Wetter findet die Maiandacht im Pfarrheim statt) Treffpunkt: Parkplatz Birkenhof Begrüßung : Dieses

Mehr

a. gelacht b. Handy c. los d. Jugendherberge e. warst f. gestern g. gewartet h. nass i. schnell j. eingestiegen k. Wetter l. Minuten m.

a. gelacht b. Handy c. los d. Jugendherberge e. warst f. gestern g. gewartet h. nass i. schnell j. eingestiegen k. Wetter l. Minuten m. Übungen zum Wortschatz Modul 1: Hören 2. Kreuzen Sie an: Richtig oder Falsch? Das Wetter morgen Auch an diesem Wochenende wird es in Deutschland noch nicht richtig sommerlich warm. Im Norden gibt es am

Mehr

Unsere Gruppe beim Aufbauen der Schokoladentafeln und der Schokoriegel

Unsere Gruppe beim Aufbauen der Schokoladentafeln und der Schokoriegel Unser Marktstand Unsere Gruppe hat am Mittwoch, 27.9, in der 2. Aktionswoche der fairen Wochen, den Stand auf den Marktplatz zum Zentrum für Umwelt und Mobilität aufgebaut und dekoriert. Wir dekorierten

Mehr

[Type text] Lektion 7 Schritt A. Lernziel: über Fähigkeiten sprechen

[Type text] Lektion 7 Schritt A. Lernziel: über Fähigkeiten sprechen Lektion 7 Schritt A Lernziel: über Fähigkeiten sprechen Zeit Schritt Lehrer-/ Schüleraktivität Material/ Medien 2 Std. Einstimmung auf Der Lehrer stellt Fragen zu den Bildern A, B und C KB das Thema Bild

Mehr

M03a Lernstraße für den Unterricht in Sekundarstufe I

M03a Lernstraße für den Unterricht in Sekundarstufe I M03a Lernstraße für den Unterricht in Sekundarstufe I 1. Station: Der Taufspruch Jedem Täufling wird bei der Taufe ein Taufspruch mit auf den Weg gegeben. Dabei handelt es sich um einen Vers aus der Bibel.

Mehr

Beispieltexte zum Thema: Sparen und Versichern

Beispieltexte zum Thema: Sparen und Versichern Beispieltexte zum Thema: Sparen und Versichern Interviewpartnerin weiblich, Akademikerin, 80 Jahre alt Ich habe nie Kredite aufgenommen, so weit ich mich erinnere, sondern wir haben geschaut, dass wir

Mehr

per HTTP. Das heißt Hypertext Transfer Protocol und sagt, wie die beiden Computer miteinander sprechen sollen. Aber sobald sie miteinander sprachen,

per HTTP. Das heißt Hypertext Transfer Protocol und sagt, wie die beiden Computer miteinander sprechen sollen. Aber sobald sie miteinander sprachen, per HTTP. Das heißt Hypertext Transfer Protocol und sagt, wie die beiden Computer miteinander sprechen sollen. Aber sobald sie miteinander sprachen, war es praktisch schon zu spät. Das merkte ich in dem

Mehr

222 Aufsatz. Deutsch 3. Klasse

222 Aufsatz. Deutsch 3. Klasse Mit Motiven für dein Geschichtenheft! 222 Aufsatz Deutsch 3. Klasse Inhaltsverzeichnis Vorwort..................................................................................... 1 Was man alles schreiben

Mehr

Ich darf die Tafel wischen. Ich darf früher nach Hause gehen. Ich mag schwimmen.

Ich darf die Tafel wischen. Ich darf früher nach Hause gehen. Ich mag schwimmen. 1 M O D A L V E R B E N 1. M ö g l i c h k e i t Bedeutung: Infinitiv: können Ich beherrsche es. Ich habe die Gelegenheit. Ich habe Zeit Es ist erlaubt. Es ist erlaubt. 2.) A b s i c h t Ich habe immer

Mehr

ALEMÃO. Text 1. Lernen, lernen, lernen

ALEMÃO. Text 1. Lernen, lernen, lernen ALEMÃO Text 1 Lernen, lernen, lernen Der Mai ist für viele deutsche Jugendliche keine schöne Zeit. Denn dann müssen sie in vielen Bundesländern die Abiturprüfungen schreiben. Das heiβt: lernen, lernen,

Mehr

Alles gut!? ist im Rahmen eines Konflikttrainings bei PINK entstanden

Alles gut!? ist im Rahmen eines Konflikttrainings bei PINK entstanden Alles gut!? Tipps zum Cool bleiben, wenn Erwachsene ständig was von dir wollen, wenn dich Wut oder Aggressionen überfallen oder dir einfach alles zu viel wird. Alles gut!? ist im Rahmen eines Konflikttrainings

Mehr

Otto Lührs, Physiker. Was wäre, wenn Otto Lührs Vater kein Telefon gehabt hätte?

Otto Lührs, Physiker. Was wäre, wenn Otto Lührs Vater kein Telefon gehabt hätte? Prof. Otto Lührs mit Tochter Elena im Experimentierkeller Otto Lührs, Physiker Was wäre, wenn Otto Lührs Vater kein Telefon gehabt hätte? Ich heiße Elena. Mein Vater Otto Lührs ist Elektriker, Physiker

Mehr

Немецкие падежи. Вставь верные окончания, правильно определив падеж. 15. Wahrend d Englischstunde macht sie d Mathematik-Hausi..ibung.

Немецкие падежи. Вставь верные окончания, правильно определив падеж. 15. Wahrend d Englischstunde macht sie d Mathematik-Hausi..ibung. http://startdeutsch.ru/ Немецкие падежи Упражнение 1: Вставь верные окончания, правильно определив падеж 1. Der junge Mann hatte kein Schraubenzieher. 2. Ich werde d Geld nicht brauchen. 3. Haben Sie d

Mehr

Unser Mausefallenauto SPEED FIRE

Unser Mausefallenauto SPEED FIRE Unser Mausefallenauto SPEED FIRE Made by Patrick Bucher und Hannes Dagn INHALTSANGABE: Materialliste 3 Mausefallenbericht - Tagebuch 3 4 Physikalische Begriffe 5-6 Design 7 Abschluss 8 Seite 3 Mausefallenauto

Mehr