Geschäftsbericht INTER Lebensversicherung AG

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1 Geschäftsbericht 2012 INTER Lebensversicherung AG

2 Inhaltsverzeichnis Lagebericht Unternehmensorganigramm Gewinnverwendung Jahresabschluss - Bilanz - Gewinn- und Verlustrechnung - Anhang Überschussbeteiligung im Kalenderjahr 2013 Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers Bericht des Aufsichtsrates 2

3 Lagebericht Gesamtwirtschaftliches Umfeld Das nach wie vor schwierige internationale und vor allem europäische Umfeld hat das Wachstum der deutschen Wirtschaft im Jahresverlauf 2012 gebremst. Vor allem im letzten Quartal zeigten alle harten Indikatoren, dass die Dynamik der Wirtschaftsentwicklung weiter nachgelassen hat. Das für die internationale und nationale Konjunktur in 2012 weiterhin bestimmende Thema war die Staatsschuldenund Finanzkrise in Europa. Der Euroraum befindet sich seit Sommer offiziell in einer Rezession, in ganz Südeuropa schrumpft die Wirtschaftsleistung in bedrohlichem Tempo. Gegen den europaweiten Trend konnte die deutsche Wirtschaft ihr Wachstum, wenn auch eingeschränkt, fortsetzen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs in 2012 immerhin um 0,7%, nachdem in 2011 noch eine Steigerung von 3,0% erreicht wurde. 3

4 Lagebericht Entwicklung der Lebensversicherungsbranche In der deutschen Lebensversicherung sind bereits seit längerem tiefgreifende Strukturveränderungen in der Geschäftsentwicklung zu verzeichnen. Die neuen Kapitalanforderungen und die lang anhaltenden Niedrigzinsphase sorgten für eine Verschiebung des Kundenfokus weg von der Rendite hin zum Thema Sicherheit. Vor diesem Hintergrund erklärt sich, dass sich der Neugeschäftsanteil für klassische kapitalbildende Policen von 59% in 2008 auf 76% in 2012 gesteigert hat. Der Anteil der fondsgebundenen Policen reduzierte sich im gleichen Zeitraum von 41% auf 24%. Für anhaltende Verunsicherung bei den Kunden sorgte im Herbst 2012 auch die öffentliche und nicht immer sachgerechte Diskussion über die von der Bundesregierung geplante Neuregelung zur Beteiligung an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere in Lebensversicherungen. Bewertungsreserven entstehen, wenn der Marktwert von festverzinslichen Wertpapieren über dem aktuellen Buchwert liegt. In der anhaltenden Niedrigzinsphase stiegen die stillen Reserven bei den Kapitalanlagen besonders stark an. Das hätte insbesondere solche Kunden, die ihre Verträge vorzeitig kündigten, gegenüber den vertragstreuen Lebensversicherten in besonderem Maße bevorteilt. Mit der Neuregelung sollte die in 2008 eingeführte hälftige Beteiligung von anspruchsberechtigten Lebensversicherungsverträgen an den stillen Reserven von Zinspapieren korrigiert werden, ohne Beeinträchtigung der vertraglich zugesicherten Leistungen. Ende Februar 2013 entschied der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat, die bestehende Regelung vorerst nicht zu verändern, was aus Sicht der Branche für die überwiegende Mehrheit der Versicherten keine gute Lösung darstellt. Die teilweise unsachgemäße Diskussionen zusammen mit negativen Berichten über angebliche Schwierigkeiten der Lebensversicherungen, ihre Überschüsse zu finanzieren, ergänzt um manch pauschale Politikerschelte beeinträchtigte das Bild der Lebensversicherer in der Kundenwahrnehmung und überlagerte die wichtige und positive Rolle, die die langfristigen Garantieprodukte für eine sichere Altersversorgung von weiten Teilen der Bevölkerung in der Vergangenheit gespielt hat und auch zukünftig spielen wird. Trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen konnte die Lebensversicherungsbranche, die in 2011 noch Einbußen an gebuchten Beiträgen im Bestand von 4,6% verkraften musste, den Rückgang in 2012 auf 0,5% verringern. Während die laufenden Beiträge in 2012 um gut 0,5% stiegen, gab es bei den Einmalbeiträgen einen deutlichen, wenn auch nicht mehr so stark wie befürchteten Rückgang von etwa 3,5%. Das Neuzugangsergebnis in 2012 ist nach Informationen des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.v. (GDV) der Anzahl der Verträge nach um 4,7% zurückgegangen, während bei der Versicherungssumme ein Anstieg um 2,3% gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen war.bei Lebensversicherungen mit laufender Beitragszahlung belaufen sich im Neugeschäft die Einbußen auf 3,3%. Der Abgang an Hauptversicherungen ist in 2012 der Anzahl der Verträge nach auf Vorjahresniveau. Die expansive Geschäftsentwicklung früherer Jahre führt zwangsläufig dazu, dass es jetzt zu einer hohen Zahl von Vertragsabläufen kommt. In 2011 und 2012 kam als Sondereffekt hinzu, dass zahlreiche Verträge planmäßig abliefen, die Ende 1999 im Vorfeld damals diskutierter steuerlicher Änderungen für die Lebensversicherung abgeschlossen wurden. Etwas gebremst wurde der Abgang durch eine zuletzt sinkende Anzahl an Kündigungen, die u.a. auf die in Deutschland relativ stabilen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurückzuführen sein dürfte. Nach Versicherungsarten betrachtet setzte sich auch in 2012 der Neugeschäftstrend von der (gemischten) Kapitalversicherung hin zu Versicherungen mit rentenförmiger Auszahlung fort. 4

5 Lagebericht Geschäftsergebnisse im Überblick Mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 2012 war die INTER Lebensversicherung AG (INTER Leben) insgesamt zufrieden. So konnte der Gesamtüberschuss nach 9,6 Mio. im Vorjahr auf 10,3 Mio. im Berichtsjahr gesteigert werden. Dies ermöglicht der INTER Leben, den Versicherungsnehmern auch für 2013 eine attraktive Überschussbeteiligung zuzuweisen. Im Berichtsjahr war ein Rückgang des Versicherungsbestands von 3.934,5 Mio. Versicherungssumme im Vorjahr auf nun 3.795,3 Mio. Versicherungssumme zu verzeichnen, da die planmäßigen Vertragsabläufe und die vorzeitigen Rückkäufe in Höhe von zusammen 387,7 Mio. nicht durch das Neugeschäft kompensiert werden konnten. Die gebuchten Bruttobeiträge verminderten sich von 103,6 Mio. um 5,3 Mio. bzw. 5,1% auf 98,3 Mio. Dagegen erhöhte sich das Ergebnis aus Kapitalanlagen ohne fondsgebundene Lebensversicherung (FLV) von 52,0 Mio. um 14,8% auf 59,8 Mio. Die Aufwendungen aus dem Versicherungsbetrieb für eigene Rechnung erhöhten sich von 9,2 Mio. auf 9,5 Mio. Auch im Berichtsjahr wurde die in den Vorjahren begonnene Überarbeitung der Geschäftsprozesse fortgeführt und dürfte in den Folgejahren neben den Serviceverbesserungen für Kunden und Vertriebspartner auch zu Kostenstabilität führen. Von dem Gesamtüberschuss wurden 9,3 Mio. der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zugunsten der Versicherungsnehmer zugeführt nach 9,6 Mio. im Vorjahr. Der verbleibende Betrag von 1,0 Mio. (Vorjahr 0,0 Mio.) wurde zur Stärkung des Eigenkapitals verwendet. Der Vergleich der Aussagen im Ausblick des letztjährigen Geschäftsberichts mit den Geschäftsergebnissen 2012 zeigt folgendes Bild: Die erwartete leicht rückläufige Bestandsentwicklung gegenüber dem Vorjahr ist eingetreten. Statt der erwarteten Minderung der Abläufe und Rückkäufe gegenüber dem Vorjahr sind diese höher als im Vorjahr ausgefallen. Dagegen wurde die erwartete Nettoverzinsung von etwa 4,0% mit 4,68% aufgrund höherer Veräußerungsgewinne deutlich übertroffen. 5

6 Lagebericht Produktpalette Die Produktpalette des Unternehmens beinhaltete im Berichtsjahr die folgenden Versicherungsarten, die ausschließlich im selbst abgeschlossenen Versicherungsgeschäft betrieben werden: a) Einzelversicherung (ohne Zusatzversicherung) mit Überschussbeteiligung, bei der das Anlagerisiko vom Versicherungsunternehmen getragen wird Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Todesfallcharakter Risikolebensversicherung Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Erlebensfallcharakter (einschließlich Basisrentenversicherung und Direktversicherung) Berufsunfähigkeitsversicherung Erwerbsunfähigkeitsversicherung Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Erlebensfallcharakter im Sinne des Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetzes (AltZertG) Pflegerentenversicherung b) Einzelversicherung (ohne Zusatzversicherung) mit Überschussbeteiligung, bei der das Anlagerisiko für die Überschüsse vom Versicherungsnehmer getragen wird Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Todesfallcharakter Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Erlebensfallcharakter Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Erlebensfallcharakter im Sinne des AltZertG Berufsunfähigkeitsversicherung c) Kollektivversicherung (ohne Zusatzversicherung) mit Überschussbeteiligung, bei der das Anlagerisiko vom Versicherungsunternehmen getragen wird Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Todesfallcharakter Risikolebensversicherung Bausparrisikolebensversicherung Übrige und nicht aufgegliederte Kollektivversicherung Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Erlebensfallcharakter im Sinne des AltZertG d) Kollektivversicherung (ohne Zusatzversicherung) mit Überschussbeteiligung, bei der das Anlagerisiko für die Überschüsse vom Versicherungsnehmer getragen wird Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Todesfallcharakter Übrige und nicht aufgegliederte Kollektivversicherung Kapitalbildende Lebensversicherung mit überwiegendem Erlebensfallcharakter im Sinne des AltZertG 6

7 Lagebericht e) Zusatzversicherung (einschließlich der für Kollektivversicherung) Unfall-Zusatzversicherung Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung Hinterbliebenenrenten-Zusatzversicherung (bis einschließlich ) Ehegattenrenten-Zusatzversicherung (bis einschließlich ) Die INTER Leben verwendete bei der Kalkulation ihrer Tarife mit Ausnahme der kapitalbildenden Lebensversicherungen im Sinne des Gesetzes über die Zertifizierung von Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen (AltZertG) bis einschließlich unterschiedliche Rechnungsgrundlagen für Männer und Frauen. Nach 10a Abs. 2a Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) sind die versicherungsmathematischen und statistischen Daten zu veröffentlichen, aus denen die Berücksichtigung des Geschlechts als bestimmender Faktor der Risikobewertung abgeleitet wird. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter. Die INTER Leben stützte bis zum oben genannten Zeitpunkt die Beitragsdifferenzierung nach dem Geschlecht auf Statistiken der Deutschen Aktuarvereinigung e.v. (DAV). Auf der Internetseite der DAV unter ist bei den veröffentlichten Sterbetafeln eine Ausarbeitung zum Thema Berücksichtigung des Geschlechts als Faktor der Risikobewertung bei der Kalkulation von Lebensversicherungstarifen hinterlegt. Diese dient als öffentlicher Nachweis. Aufgrund des Urteils des Europäischen Gerichtshofes zur versicherungsmathematischen Gleichbehandlung von Männern und Frauen vom erfolgte zum eine Umstellung auf geschlechtsneutrale, INTERspezifische Rechnungsgrundlagen ( Unisex-Tarife ). 7

8 Lagebericht Beitragseinnahmen Die gebuchten Bruttobeiträge haben sich nach 103,6 Mio. im Vorjahr um 5,3 Mio. bzw. 5,1% auf nun 98,3 Mio. vermindert. Das leicht verbesserte Neugeschäft konnte auch im Berichtsjahr 2012 die nach wie vor hohen planmäßigen Abläufe und Kündigungen nicht ausgleichen, so dass erneut ein Rückgang des Versicherungsbestands zu verzeichnen war. Beitragsverteilung Einzelversicherungen 59,0% 60,3% Kollektivversicherungen 41,0% 39,7% 100,0% 100,0% Unter Berücksichtigung der Veränderung der Bruttobeitragsüberträge sowie der Anteile der Rückversicherer an den verdienten Bruttobeiträgen gingen die verdienten Nettobeiträge von 101,3 Mio. im Vorjahr um 5,2 Mio. bzw. 5,1% auf 96,1 Mio. zurück. Die Beiträge aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung haben sich gegenüber dem Vorjahr mit 2,8 Mio. um 0,4 Mio. auf 3,2 Mio. erhöht. Gebuchte Bruttobeiträge in Mio ,1 106,0 104,6 103,6 98,

9 Lagebericht Bestandsentwicklung Der Versicherungsbestand (gemessen in Versicherungssumme) ist auch im Berichtsjahr 2012 gegenüber dem Vorjahr weiter rückläufig gewesen. Er verminderte sich von 3.934,5 Mio. im Vorjahr auf nun 3.795,3 Mio. Der Bestandsabrieb hat sich mit 3,5% jedoch gegenüber dem Vorjahr mit 4,4% verlangsamt. Dabei lag das Neugeschäft mit einer Versicherungssumme von 201,3 Mio. um 2,2% unter dem Vorjahreswert von 205,9 Mio. und konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Dagegen erhöhte sich die Beitragssumme des Neugeschäfts geringfügig von 171,2 Mio. auf 172,2 Mio. Die gesamten Abgänge in Versicherungssumme gingen im Berichtsjahr um 12,0% von 440,5 Mio. im Vorjahr auf 387,7 Mio. zurück. Die Bewegung des Bestands an Lebensversicherungen im Geschäftsjahr 2012 ist am Ende des Lageberichts beigefügt. Versicherungssumme in Mio , , , , ,

10 Lagebericht Aufwendungen für Versicherungsfälle Die Zahlungen für Versicherungsfälle für eigene Rechnung (f. e. R.) haben sich im Berichtsjahr nach 100,2 Mio. im Vorjahr auf 104,6 Mio. erhöht. Diese Steigerung um 4,4 Mio. bzw. 4,4% resultiert wie in den Vorjahren in erster Linie aus planmäßigen Abläufen. Zahlungen für Versicherungsfälle Einzelversicherungen 79,4% 77,0% Kollektivversicherungen 20,6% 23,0% 100,0% 100,0% Unter Berücksichtigung der Veränderung der Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle f. e. R. von 1,0 Mio. (Vorjahr 0,7 Mio.) erhöhten sich die Aufwendungen für Versicherungsfälle f. e. R. insgesamt nach 100,9 Mio. im Vorjahr um 4,8 Mio. bzw. 4,7% auf 105,7 Mio. Aufwendungen für Versicherungsfälle in Mio ,4 112,7 92,7 100,9 105,

11 Lagebericht Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb Die Brutto-Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb setzen sich aus Abschluss- und Verwaltungsaufwendungen zusammen. Die Abschlussaufwendungen sind insbesondere abhängig vom Vermittlungserfolg des Außendienstes. Mit der INTER Krankenversicherung ag (INTER Kranken) besteht ein Generalagentur-, Funktionsausgliederungs- und Dienstleistungsvertrag, in dessen Rahmen auch der Vertrieb der Versicherungsprodukte der INTER Leben vorgenommen wird. Daher resultieren die Abschlussaufwendungen aus den an den Generalagenten (INTER Kranken) gezahlten Abschluss- und Bestandspflegeprovisionen. Das Versicherungsvertragsgesetz fordert eine kalkulatorische Verteilung der Abschluss- und Vertriebskosten. Die INTER Leben stellt dem Generalagenten dabei die in den Beitragseinnahmen neu abgeschlossener Versicherungsverträge enthaltenen Abschlusskostenbestandteile phasengleich zur Verfügung. Nachdem sich in den Vorjahren die Abschlussaufwendungen aus der Umstellung des Abrechnungsverfahrens planmäßig erhöhten, war im Berichtsjahr ein Anstieg auf 6,3 Mio. gegenüber dem Vorjahr mit 6,0 Mio. zu verzeichnen. Die Abschlusskostenquote (im Verhältnis zur Beitragssumme des Neugeschäfts) erhöhte sich von 3,50% auf 3,66%. Die INTER Kranken führt im Wege der Dienstleistung auch die Bestandsverwaltung, die Vermögensverwaltung, das Rechnungswesen und weitere Funktionen für die INTER Leben durch. Daher bilden die Aufwendungen für Dienstleistungen den Hauptteil der Verwaltungsaufwendungen der INTER Leben. Der Weg der serviceorientierten Ausrichtung der Geschäftsprozesse an die Bedürfnisse der Kunden und Vertriebspartner wurde auch im Berichtsjahr weiter beschritten und eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt. Die Verwaltungsaufwendungen stiegen von 3,8 Mio. im Vorjahr auf nunmehr 4,0 Mio. Aufgrund des Rückgangs der Beitragseinnahmen stieg die Verwaltungskostenquote auf 4,03% (Vorjahr 3,64%) an. Nach Abzug der erhaltenen Provisionen und Gewinnbeteiligungen aus dem in Rückdeckung gegebenen Versicherungsgeschäft erhöhten sich die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb netto von 9,2 Mio. im Vorjahr auf 9,5 Mio. 11

12 Lagebericht Kapitalanlagen Die Kapitalanlagen der INTER Leben - ohne den Anlagestock der Fondsgebundenen Lebensversicherung - erhöhten sich um 0,9% auf 1.282,6 Mio. (Vorjahr 1.270,8 Mio.). Wie im Vorjahr stand auch im Jahr 2012 die Sicherheit der Anlagen im Vordergrund der Kapitalanlagestrategie. Neubzw. Wiederanlagen wurden schwerpunktmäßig in lang laufende gedeckte Zinsanlagen mit sehr guter Bonität getätigt. Zusätzlich konnte die Bonität dadurch verbessert werden, dass gezielt Anleihen, insbesondere auch Nachranganleihen, aus dem Bestand veräußert wurden. Allerdings hat die andauernde Staatsschuldenkrise in Europa zu einem noch vorsichtigeren Vorgehen der Rating-Agenturen geführt. Zahlreiche Ratingherabstufungen im Laufe des Jahres waren die Folge. Trotzdem liegt die durchschnittliche Rating-Qualität des Zinsanlagenbestandes weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Der Immobiliendirektbestand beinhaltet zum unverändert zwei Objekte mit einem Buchwert von 14,6 Mio. (Vorjahr 14,8 Mio.). Der Bestand an Immobilien-Spezialfonds verringerte sich durch Rückgabe eines Fonds bzw. durch Verkauf eines anderen Fonds auf 37,4 Mio. (Vorjahr 48,8 Mio.). Durch diese beiden Transaktionen konnten saldiert 0,4 Mio. Buchgewinne realisiert werden. Der Anteil der Dividendenanlagen an den gesamten Kapitalanlagen ist, wie bereits im Vorjahr, von untergeordneter Bedeutung (< 1%). Der Anteil der Zinsanlagen an den gesamten Kapitalanlagen ging von 83,2% im Vorjahr auf 81,5% zurück. Dabei verringerte sich das Volumen der Namensschuldverschreibungen und Schuldscheindarlehen zum Jahresende auf 683,8 Mio. (Vorjahr 763,9 Mio.), die Inhaberschuldverschreibungen dagegen stiegen auf 355,5 Mio. (Vorjahr 243,5 Mio). Auch der Anteil der indirekt gehaltenen Zinsanlagen in Form von Rentenspezialfonds stieg im Geschäftsjahr 2012, und zwar von 11,7% auf 14,3%. Der Bestand an Vorkäufen zur langfristigen Sicherung der Zinserträge betrug zum Jahresende 25,0 Mio. (nominal), davon 20,0 Mio. Inhaberschuldverschreibungen sowie 5,0 Mio. Namensschuldverschreibungen. Die Kapitalanlagen der Fondsgebundenen Lebensversicherung erhöhten sich auf 0,7 Mio. (Vorjahr 0,4 Mio.). Das Nettoergebnis der Kapitalanlagen - ohne den Anlagestock der Fondsgebundenen Lebensversicherung betrug 59,8 Mio. nach 52,1 Mio. im Vorjahr. Im Jahr 2012 konnten laufende Erträge in Höhe von 53,5 Mio. (Vorjahr 52,3 Mio.) erwirtschaftet werden. Die laufenden Aufwendungen betrugen 0,8 Mio. (Vorjahr 0,6 Mio.), die planmäßigen Abschreibungen auf Immobilien unverändert 0,2 Mio. Das außerplanmäßige Ergebnis hat sich im Geschäftsjahr 2012 deutlich verbessert. Es lag bei 7,3 Mio. (Vorjahr 0,7 Mio.). Grund hierfür waren vor allem realisierte Kursgewinne aus dem Verkauf von direkt gehaltenen Zinsanlagen. Die laufende Durchschnittsverzinsung belief sich auf 4,11% (Vorjahr 4,09%). Die Nettoverzinsung ist deutlich von 4,14% im Vorjahr auf 4,68% gestiegen. Die saldierten Bewertungsreserven der INTER Leben haben sich von -32,9 Mio. im Vorjahr auf 128,2 Mio. erhöht. Diese positive Entwicklung ist auf die konservative, langfristige Kapitalanlagestrategie, auf das wiederum rückläufige Zinsniveau am Kapitalmarkt sowie auf die überwiegende Einengung der Bewertungsaufschläge im Jahresverlauf zurückzuführen. Die versicherungstechnischen Passiva sind in ausreichendem Umfang durch qualifizierte Kapitalanlagen bedeckt. 12

13 Lagebericht Entwicklung der Kapitalanlagen (ohne FLV) in Mio. * , , , , ,6 1% 2% 2% 1% 3% 2% 5% 0% 4% 0% % 97% 95% 95% 96% Zinsanlagen Dividendenanlagen Immobilienanlagen * In der Grafik wurden Investmentfonds den einzelnen Kapitalanlagearten Zins-, Dividenden- und Immobilienanlagen zugeordnet. Entwicklung der Nettoverzinsung und des Kapitalanlageergebnisses (ohne FLV) in Mio ,55% 4,23% 4,19% 4,14% 4,68%

14 Lagebericht Ergebnisquellen Wesentliche Ergebnisquelle für den Rohüberschuss war das versicherungstechnische Ergebnis, insbesondere bedingt durch die Kapitalerträge und den günstigen Risikoverlauf. Die tatsächlichen Aufwendungen für Abschlusskosten waren zwar rechnungsmäßig nicht voll gedeckt, das Kostenergebnis war dennoch insgesamt positiv. Erwartungsgemäß war das Ergebnis des in Rückdeckung gegebenen Versicherungsgeschäftes negativ. Überschussverwendung Nach der Direktgutschrift einschließlich der Beteiligung der Versicherungsnehmer an den Bewertungsreserven von insgesamt 5,0 Mio. (Vorjahr 2,6 Mio.) ergibt sich ein Gesamtüberschuss von 10,3 Mio. nach 9,6 Mio. im Vorjahr. Davon wurden 9,3 Mio. (Vorjahr 9,6 Mio.) in die Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung zugunsten der Kunden eingestellt. Weiterhin wurden das Eigenkapital mit der Zuführung von 1,0 Mio. auf nun 26,6 Mio. erhöht. Im Vorjahr wurde keine Eigenkapitalzuführung aus dem Gesamtüberschuss vorgenommen, sondern das Eigenkapital durch eine Einlage des alleinigen Anteilseigners in die Kapitalrücklage von 3,0 Mio. gestärkt. Als Bilanzgewinn wird per ein Betrag von 2,5 Mio. nach 1,5 Mio. im Vorjahr ausgewiesen. 14

15 Lagebericht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kompetenz, Fairness und Vertrauen sind die zentralen Werte die das Handeln im Unternehmen bestimmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der INTER Versicherungsgruppe tragen aktiv zum Unternehmenserfolg bei. Die Bedürfnisse des Kunden und des Vertriebspartners und die Serviceleistungen sind die Schlüsselfaktoren zu einer nachhaltigen Kundenbindung. Im Rahmen von Qualifizierungsprogrammen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legt die INTER Versicherungsgruppe daher einen Schwerpunkt auf Kundenservicetrainings, die durch individuelle Telefon-Coachings am Arbeitsplatz ergänzt werden. Daneben zählen auch Fach- und Methodenschulungen zum Repertoire des Bildungsangebots. In einem modular aufgebauten Trainingsprogramm werden Projektleiter/innen zielgerichtet und praxisorientiert für ihre Tätigkeit als Projektleitung qualifiziert. Durch eine standardisierte Auswahl und zielgerichtete Entwicklung von Führungsnachwuchskräften fördert die INTER Versicherungsgruppe Potenzialträger aus den eigenen Reihen individuell und bereitet diese auf eine zukünftige Führungsaufgabe vor. Im Rahmen von Mit Führung Zukunft Die INTER Führungskräfteentwicklung werden die Führungskräfte Betrieb und Vertrieb in ihrer täglichen Führungsarbeit unterstützt. In 2012 haben die Führungskräfte sich intensiv mit dem neuen Leitbild auseinander gesetzt und über den Realisierungsgrad bei der INTER diskutiert. Als ein zentrales Themenfeld ließ sich Effizienzsteigerung, d.h. Wie führt eine Führungskraft ihren Verantwortungsbereich prozessoptimiert und wirtschaftlich? ableiten. Schließlich ist der Berufsalltag vom Gedanken geprägt, wie wertschöpfend die Arbeitsweisen von Führungskräften und Mitarbeitern sind. Hierzu ergänzend steht den Führungskräften ein offenes Trainingsangebot zur Verfügung. Über das Ideenmanagement unterstützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Unternehmen, effiziente Prozesse und Strukturen zu schaffen. Die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern ist dem Unternehmen wichtig. Die bereits seit Jahren praktizierte flexible Arbeitszeitgestaltung sowie das Angebot von zahlreichen Teilzeitmodellen tragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Rechnung. Durch das seit Jahrzehnten bestehende Angebot einer sehr guten betrieblichen Altersversorgung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirkt das Unternehmen einer Versorgungslücke im Alter entgegen. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements, das sukzessiv aufgebaut wird, bietet die INTER Versicherungsgruppe im neuen Betriebsrestaurant eine gesundheitsbewusste Menülinie fit an, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zertifiziert wurde. Die INTER Versicherungsgruppe stellt sich als Arbeitgeber in vielen für das partnerschaftliche Zusammenwirken im Betrieb wichtigen Themenfeldern ihrer sozialen Verantwortung. Innerhalb der INTER Versicherungsgruppe waren rund 77% der Mitarbeiter vollzeitbeschäftigt, während 23% einer Teilzeitbeschäftigung nachgingen. Insbesondere die Dauer der Betriebszugehörigkeit im Innendienst von 16,8 Jahren und die geringe Fluktuationsquote zeigen, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in hohem Maße mit der INTER Versicherungsgruppe identifizieren und sie als attraktiven Arbeitgeber mit überdurchschnittlichen sozialen Leistungen wahrnehmen. 15

16 Lagebericht Zahlen und Fakten Mitarbeiter (im Jahresdurchschnitt) davon Auszubildende 0 0 Anteil Frauen 55% 55% Anteil Männer 45% 45% Anteil Vollzeitmitarbeiter 77% 76% Anteil Akademiker* 24% 23% Alter* (Durchschnitt in Jahren) 43,1 42,6 Betriebszugehörigkeit* (Durchschnitt in Jahren) 16,8 16,5 * Die Zahlen beziehen sich auf die INTER Versicherungsgruppe Da der Vertrieb der Produkte über die INTER Kranken erfolgt, beschäftigt die INTER Leben ausschließlich Mitarbeiter im Innendienst. Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter An dieser Stelle dankt der Vorstand ausdrücklich allen Beschäftigten für ihren Einsatz im vergangenen Jahr. 16

17 Lagebericht Risikomanagement Ziele des Risikomanagements Die INTER Versicherungsgruppe ist im Rahmen der normalen Geschäftstätigkeit regelmäßig einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt. Es ist das Ziel des Vorstandes, diese Risiken durch eine aktive Risikosteuerung beherrschbar zu machen, um die nachhaltig positive Entwicklung der INTER Versicherungsgruppe sicherzustellen. Im Januar 2009 hat die BaFin mit Veröffentlichung der aufsichtsrechtlichen Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk VA) auf Basis des am in Kraft getretenen 64a VAG einen Rahmen für die Ausgestaltung des unternehmensinternen Risikomanagements in Versicherungsunternehmen vorgegeben. Diese aufsichtsrechtlichen Normen fanden Eingang in das Risikomanagement der INTER Versicherungsgruppe. Im Vorgriff auf das erwartete EU-weit harmonisierte Aufsichtsrecht - Solvency II - zur risikogerechten Kapitalausstattung von Versicherungsunternehmen verknüpft die INTER Versicherungsgruppe seit Ende 2007 direkt das Risikound das Unternehmenscontrolling. Sie setzt Modelle ein, die für jede Geschäftsart eine fundierte Zuweisung von Risikokapital/Eigenkapital ermöglichen, um mit hoher Sicherheit ihre vertraglichen Verpflichtungen - auch im Krisenfall - erbringen zu können. Organisatorischer Aufbau des Risikomanagements Die hausweite Koordination aller Risikosteuerungsaktivitäten ist Aufgabe der Abteilung Unternehmensplanung / Risikomanagement, die damit auch die unabhängige Risikocontrollingfunktion übernimmt. Sie initiiert die regelmäßige Pflege und Aktualisierung der Risikokataloge, stellt die fachliche Diskussion zu allen aktuellen Risikothemen sicher, bietet hausweit Weiterbildungsmaßnahmen zum Thema Risikomanagement an und unterstützt damit aktiv die Entwicklung der Risikokultur. Ferner ermittelt die unabhängige Risikocontrollingfunktion in Zusammenarbeit mit den relevanten Fachabteilungen regelmäßig die Gesamtrisikosituation der INTER Gesellschaften. Der Vorstand berief sieben für die Risikosteuerung der INTER Versicherungsgruppe besonders wichtige Fachbereiche in ein zentrales Risikokomitee ein. Im Risikokomitee erfolgt die regelmäßige Bewertung und Beratung der Risikosituation der INTER Versicherungsgruppe. Es werden konkrete Maßnahmenempfehlungen erarbeitet und zur Entscheidung an den Vorstand weitergeleitet. Nach den Vorstandsentscheidungen stellt das Risikokomitee das Umsetzungscontrolling der Maßnahmen sicher. Die laufende Berichterstattung zur Risikosituation der INTER Versicherungsgruppe erfolgt an den Vorstand, den Aufsichtsrat und die Führungskräfte der ersten Ebene sowie an die Aufsichtsbehörde. Neben diesen zentralen Risikosteuerungsfunktionen wurden in allen Fachabteilungen der Direktion dezentrale Risikobeauftragte ernannt. Durch sie findet das spezifische Fachwissen der operativ tätigen Bereiche Eingang in die Identifizierung, die Bewertung und die Steuerung von Einzelrisiken. Die Berichterstattung der dezentralen Risikobeauftragten beschränkt sich nicht auf regelmäßige Meldungen, sondern schließt die Möglichkeit außerordentlicher Berichterstattung bei Vorliegen bedenklicher Fehlentwicklungen in den Fachbereichen ausdrücklich mit ein. Der Internen Revision ist aufgrund ihrer allgemeinen Aufgabenstellung sowie ihrer neutralen Position die unternehmensinterne Überwachung der Funktionsfähigkeit des Risikomanagementsystems übertragen. Sie bewertet das Risikomanagement und leistet Beiträge zur Verbesserung der bestehenden Risiko- und Kontrollsysteme. 17

18 Lagebericht Risikostrategie Aus den vom Vorstand festgelegten geschäftspolitischen Zielen wird die Risikostrategie abgeleitet, die sich an der vorhandenen Kapital- und Liquiditätsausstattung sowie der akzeptierten Ertragsvolatilität der INTER Leben orientiert. Mit Blick auf die jederzeitige Erfüllung interner und externer Ansprüche wurden vom Vorstand mehrere Zielgrößen festgelegt, die zur risikoorientierten Steuerung der Gesellschaft - über den jeweils relevanten Zeitraum der Planung - eingesetzt werden. Diese Zielgrößen berücksichtigen einerseits alle derzeit geltenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen (Solvency I) und anderseits bereits im Vorgriff Kriterien aus den bislang noch nicht abschließend festgelegten zukünftigen EU-weiten Anforderungen (Solvency II). Prozessschritte im Risikomanagement Risikoidentifikation Bei der INTER Leben werden alle Risiken im Rahmen einer mindestens halbjährlichen Risikoinventur identifiziert. Die Identifikation der Risiken erfolgt dezentral durch Risikobeauftragte aus den Fachbereichen. Die Risiken werden für alle relevanten Managementprozesse nach Risikoarten sortiert und über eine Risikomanagement-Software nach einheitlichen Kriterien abgebildet. Dabei berücksichtigt die Gesellschaft zumindest alle in den MaRisk genannten Risikokategorien. Risikobewertung Alle identifizierten Risiken werden von den dezentralen Risikobeauftragten mittels unterschiedlicher Instrumente wie Markt-, Wettbewerbs- und Umfeldanalysen quantitativ bewertet. Risiken, die sich nicht auf Basis von langjährigen Zahlenreihen und statistischen Entwicklungen messen lassen - insbesondere operationelle Risiken - werden von den dezentralen Risikobeauftragten im Wege der Expertenschätzung beurteilt. In der Risikomanagement-Software erfolgt die Risikobewertung nach im deutschen Markt derzeit üblichen versicherungsmathematischen Verfahren. Um das tatsächliche Gefahrenpotenzial eines Einzelrisikos besser erfassen zu können, wird jedes Einzelrisiko in eine Matrix aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungshöhe eingruppiert. Das Produkt aus beiden Einzelbewertungen ergibt dann den Erwartungswert des Risikos. Für die Klassifizierung der Risiken legt die INTER Leben aus Gründen der Relevanz Wesentlichkeitsschwellen fest. Sie sollen Risiken herausfiltern, die die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage nachhaltig schädigen können und deshalb erhöhte Managementaufmerksamkeit verdienen. Risikosteuerung und -überwachung Ebenso wichtig wie die Erkennung und Bewertung von Risiken sind klare Richtlinien und Vorgaben über geeignete Gegenmaßnahmen. Die Risikosteuerung und die laufende Risikoüberwachung erfolgen bei der INTER Versicherungsgruppe sowohl an zentralen als auch an dezentralen Stellen. Entsprechend den Vorgaben der unabhängigen Risikocontrollingfunktion sind die derzeit 31 dezentralen Risikobeauftragten für die Analyse und die Steuerung der Risiken in den operativen Geschäftsbereichen zuständig. Als Instrument zur Abbildung und zur Überwachung von verabschiedeten bzw. in die Wege geleiteten Maßnahmen nutzen die dezentralen Risikobeauftragten die Risikomanagement-Software, die auch das Hinterlegen entsprechender Risikokennzahlen und Limite erlaubt. 18

19 Lagebericht Risikokapitalbedarf nach geltendem Recht (Solvency I) Die INTER Leben setzt zur Ermittlung des Risikokapitalbedarfs ein eigenes quantitatives Berechnungsmodell ein, das INTER Mehrwert Modell. Die im diesem Modell verwendeten historischen Basisdaten stammen unter anderem aus den bei der BaFin einzureichenden Formblättern und gesetzlichen Nachweisungen sowie aus den externen Gewinn- und Verlustrechnungen, den Bilanzen und gesonderten Kapitalmarktinformationen. Als ganzheitliche Basis sowohl für den Planungsprozess als auch für den Risikomanagementprozess (unter Solvency I) in der INTER Leben verknüpft das INTER Mehrwert-Modell die regelmäßig im Hause erstellten unterjährigen Planungs- und Erwartungsrechnungen mit den sich aus der Risikomanagementsoftware ergebenden Risikobewertungen, um die Auswirkungen auch der zukünftig geplanten Geschäftsaktivitäten auf die Risiko- und Finanzierungssituation der INTER Leben (gem. Solvency I) zu ermitteln. Risikokapitalbedarf nach zukünftigem Recht (Solvency II) Die europäische Aufsichtsbehörde EIOPA arbeitet seit einigen Jahren zusammen mit den nationalen Aufsichtsbehörden, mit Vertretern von Branchenverbänden und Versicherungsunternehmen, mit Bankenexperten sowie mit weiteren externen Fachberatern an der Entwicklung eines einheitlichen Berechnungsmodells zur Ermittlung des Risikokapitalbedarfs in Versicherungsunternehmen. Die Zielsetzung besteht darin, ein für alle Markteilnehmer verbindliches "Standardmodell" (Säule 1) zu entwickeln, das einheitliche Berechnungsmethoden, Stressparameter, Korrelationsmatrizen u.a. vorgibt, nach denen eine marktkonsistente Ermittlung des für das jeweilige Geschäftsmodell und die jeweilige unternehmensspezifische Risikoexponierung notwendigen Risikokapitalbedarfs durchgeführt werden kann. Im Ergebnis geht es in Säule 1 von Solvency II also um die einheitliche und verbindliche Ermittlung der sogenannten Solvency Ratio, dem Verhältnis von vorhandenem Risikokapital (OF = Own Funds) zu notwendigem Risikokapital (SCR = Solvency Capital Requirement). Dabei werden alle Aktiva und Passiva erfasst, marktkonsistent bewertet und auf Basis des risikotheoretischen Value-at-Risk Konzeptes vor und nach Stressszenarien analysiert. Aufgrund der sehr heterogenen Versicherungslandschaft in den 27 Ländern der Europäischen Union kommt die Entwicklung eines Standardmodells allerdings nur sehr langsam voran. In der Zwischenzeit wurden zahlreiche Auswirkungsstudien zu den von EIOPA vorgelegten Modellentwürfen durchgeführt. Auf freiwilliger Basis wurden die jeweiligen Modellstände von den Versicherungsunternehmen in den Mitgliedsländern getestet (sog. "Quantitative Impact Studies (QIS)"). Es wird erwartet, dass erst Anfang 2017 ein einheitliches europäisches Standardmodell zum Einsatz kommt. Die INTER Leben begleitet seit 2005 aktiv die Arbeiten am europäischen Standardmodell und hat an (fast) allen bisherigen QIS-Auswirkungsstudien teilgenommen. Die INTER Leben ist heute in der Lage, den Risikokapitalbedarf nach den jeweils aktuellen EIOPA-Kriterien zu ermitteln, beschäftigt sich intensiv mit den Ergebnissen, bewertet die sich hieraus ergebenden Implikationen und gibt die Ergebnisse sowohl an die nationale Aufsichtsbehörde und als auch an die zuständigen nationalen Verbände weiter. In den Risikoberichten der INTER Leben wird ausführlich zu den Ergebnissen aus der Anwendung des jeweils getesteten Standardmodells berichtet. Sobald eine endgültige Version des Standardmodells europaweit eingeführt wird, plant die INTER Leben, dieses Modell mit dem o.g. INTER Mehrwert-Modell zu verknüpfen, um die Auswirkungen auch der zukünftig geplanten Geschäftsaktivitäten auf die Risiko- und Finanzierungssituation der INTER Leben (gem. Solvency II) regelmäßig und schnell ermitteln zu können. 19

20 Lagebericht Risikoberichterstattung Die Risikoberichterstattung obliegt der unabhängigen Risikocontrollingfunktion. Sie schafft intern Transparenz für das Management hinsichtlich der aktuellen Risikolage der Gesellschaft und übernimmt die Berichterstattung an interne und externe Aufsichtsgremien. Die Risikoberichterstattung an den Vorstand und in der Folge an den Aufsichtsrat, die BaFin sowie an die Führungskräfte der ersten Ebene erfolgt halbjährlich. Bei signifikanten Veränderungen der Risikosituation sowie bei besonderen Schadenfällen ist eine sofortige Berichterstattung an den Vorstand sichergestellt. So ist gewährleistet, dass negative Trends zeitnah erkannt und sofort Gegenmaßnahmen in die Wege geleitet werden. Versicherungstechnische Risiken Die spezifischen versicherungstechnischen Risiken eines Lebensversicherungsunternehmens sind das biometrische, das Kosten-, das Storno- und das Zinsgarantierisiko. Zur Begrenzung der Auswirkungen zufallsbedingter Schwankungen der Eintrittswahrscheinlichkeit von Versicherungsfällen besteht geeigneter Versicherungsschutz von Rückversicherern, deren Ratings keine Zweifel an ihrer Bonität und Zahlungsfähigkeit aufkommen lassen. Biometrisches Risiko Die Gesellschaft trägt insbesondere das biometrische Risiko, wozu das Todesfall-, Langlebigkeits-, Invaliditäts- und Pflegerisiko zählt. Es beinhaltet die Gefahr, dass die der Kalkulation zugrunde gelegten Annahmen zu den biometrischen Größen sich möglicherweise nicht wie erwartet entwickeln. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden ist beispielsweise das Phänomen der sich ständig verlängernden Lebenserwartung der Menschen. Die Beurteilung dieses Langlebigkeitsrisikos ist für die Bildung von Rückstellungen in der Rentenversicherung von besonderer Bedeutung. Für die Berechnung der Deckungsrückstellung werden von der INTER Leben vorsichtige, im Wesentlichen von der Aufsichtsbehörde genehmigte bzw. von der Deutschen Aktuarvereinigung e.v. (DAV) empfohlene, biometrische Rechnungsgrundlagen verwendet. Für den Bestand an Rentenversicherungen, die nicht auf Grundlage der Sterbetafel DAV 2004 R kalkuliert sind, wurde die Deckungsrückstellung gemäß der Empfehlung der DAV im Jahr 2012 erneut durch eine zusätzliche Auffüllung gestärkt. Alle sonstigen für die Berechnung der Deckungsrückstellung zugrunde gelegten biometrischen Rechnungsgrundlagen werden als ausreichend angesehen und enthalten nach Einschätzung der Verantwortlichen Aktuarin für die Gesellschaft angemessene Sicherheitsmargen. Auch existieren keine unternehmensindividuellen Sachverhalte, die darauf hinweisen würden, dass die verwendeten Rechnungsgrundlagen nicht ausreichend vorsichtig bemessen sind. Kostenrisiko Beim Kostenrisiko handelt es sich um das Risiko, dass die eingerechneten Abschluss- und Verwaltungskosten die tatsächlich entstehenden Kosten nicht mehr decken. Deshalb erfolgt eine laufende Beobachtung und Analyse der Kostenentwicklung der Gesellschaft. Insbesondere wird im Rahmen der Gewinnzerlegung regelmäßig für den gesamten Bestand die aktuelle Auskömmlichkeit der eingerechneten Kosten überprüft. 20

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