Doch die Zusammenhänge sind. gesellschaftlicher Sicht zu einer besonderen

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1 olly Fotolia.com Hintergrund und Aufgabenfelder Public Health Nutrition Die neue Disziplin Public Health Nutrition fokussiert auf die Förderung der Gesundheit durch Ernährung und Bewegung sowie die Prävention der nicht übertragbaren, lebensstilassoziierten Krankheiten. Als Schnittstelle zwischen den Ernährungs- und den Gesundheitswissenschaften hat sie das Potential, die Gesundheit der Gesamtbevölkerung zu beeinflussen. Adipositas, Diabetes mellitus, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs werden als nicht übertragbare Erkrankungen bezeichnet, die seit Jahren weltweit ansteigen. Sie stellen mittlerweile 80 % der Krankheitslast in Industrie- und Schwellenländern dar [1]. Aber nicht nur die Prävalenz dieser Krankheiten ist hoch sie verantworten ebenso einen großen Anteil der weltweiten Mortalität. Auch in Deutschland zählen Krebs, kardiovaskuläre Erkrankungen und Typ- 2-Diabetes zu den Haupttodesursachen [2]. Dabei wären viele Fälle durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung vermeidbar, wie inzwischen gut belegt ist. Für den Einzelnen, das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft stellt dies ein bedeutendes Problem dar. Doch die Zusammenhänge sind komplex. Nicht übertragbare Erkrankungen sind gerade auch aus gesellschaftlicher Sicht zu einer besonderen Herausforderung geworden. Denn sie werden sowohl durch individuelles Verhalten als auch durch die Verhältnisse, d. h. die Lebenswelt, bedingt. Hier ermöglicht es die gegenwärtige Umwelt sehr leicht, einen ungesunden Lebensstil zu führen. Durch gut ausgebaute Straßen und ein breites Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch den vielerorts unzureichenden Ausbau von Radwegen oder Parkanlagen sinken die Notwendigkeit, Bereitschaft und Möglichkeiten, sich auf dem Weg zur Schule, zur Arbeit oder zu Freizeitaktivitäten zu bewegen. Und in Supermärkten lockt das Angebot von ungünstigen Lebensmitteln mit einem hohen Zucker- und/oder Fettgehalt. Dazu kommt die Werbung für ungesunde Lebensmittel, mit der die meisten Tag für Tag aufs Neue konfrontiert sind. Nicht übertragbare Erkrankungen können von daher nicht allein durch individuumsbezogene Maßnahmen bekämpft werden. Sie erfordern auch die Veränderung von gesellschaftlich gestalteten Lebensbedingungen, die das Handeln beeinflussen. Es ist notwendig, eine weniger adipogene Umwelt zu schaffen, um eine individuelle Verhaltensänderung auf breiter Ebene positiv zu unterstützen. Public Health Nutrition als neue Disziplin Hier setzt die neue Disziplin Public Health Nutrition an. Public Health Nutrition fokussiert auf die Förderung der Gesundheit durch Ernährung und Bewegung sowie die 8

2 Prävention der nicht übertragbaren, lebensstilassoziierten Krankheiten. Sie befindet sich damit an der Schnittstelle zwischen den Ernährungswissenschaften und den Gesundheitswissenschaften und hat das Potential, die Gesundheit der Gesamtbevölkerung zu beeinflussen (siehe Kasten rechts, mit Definition PHN). Die im Juni 2013 im Kontext des Rahmenkonzeptes Gesundheit 2020 der World Health Organization (WHO)-Europa abgehaltene (Europäische) Ministerkonferenz bringt das Anliegen von Public Health Nutrition in der Erklärung von Wien über Ernährung und nicht übertragbare Krankheiten auf den Punkt: Dass nämlich die vorhandenen Erkenntnisse klar auf die Notwendigkeit hindeuten, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die gesunde Wahl zur einfachsten Wahl wird. Das Strategiepapier macht ebenfalls deutlich, dass Maßnahmen ressortübergreifend durchgeführt werden müssen. Im Fokus stehen Lebensmittelproduktion, Verfügbarkeit, Vermarktung, Konsum, Ökonomie und Bildung, wobei auch die kulturelle Dimension von Ernährung beachtet werden muss. Unter Berücksichtigung dieser verschiedenen Bereiche sollen über den gesamten Lebensverlauf gesundheitsförderliche Umfelder für Essen und Trinken geschaffen sowie die körperliche Aktivität unterstützt werden. Die Gesundheitsförderung soll damit stärker in den Fokus von Gesundheitssystemen rücken. Erforderlich ist es aber auch, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bewegung und Gesundheit weiter zu erforschen und durchgeführte Maßnahmen zu evaluieren, um deren Wirksamkeit zu erfassen und weiter steigern zu können [3]. Das umfassende Verständnis für die gesundheitlichen, gesellschaftlichen Probleme und der Wille, diese ganzheitlich anzugehen, spiegeln den Geist von Public Health Nutrition wider, die als fächerübergreifen- PHN focuses on the promotion of good health through nutrition and physical activity and the prevention of related illness in the population (Yngve et al. 1999). Quelle: Definition Public Health Nutrition Yngve, A.; Sjostrom, M.; Warm, D.; Margetts, B.; Perez Rodrigo, C.; Nissinen, A. (1999). Effective promotion of healthy nutrition and physical activity in Europe requires skilled and competent people; European Master s Programme in Public Health Nutrition. Public Health Nutrition 1999, 2, de Disziplin von wachsender Bedeutung ist. Die Problematik der adipogenen Lebensverhältnisse und die Bedeutsamkeit der gesellschaftlichen Bedingungen bei der Planung von neuen Strategien wurden bereits 2012 in dem Positionspapier Roadmap für Maßnahmen gegen Adipositas in Deutschland aufgegriffen. Chancen für erfolgreiche Maßnahmen gegen die Adipositasepidemie werden gerade in der Schaffung einer weniger adipogenen Umwelt gesehen: Der Effekt und die Nachhaltigkeit der gegenwärtig verfügbaren Präventions- und Gewichtsreduktionsprogramme sind wegen der adipogenen Lebensbedingungen begrenzt, pharmakologische Alternativen stehen Bewertung von Evidenz und Kosteneffektivität (Evaluation) Epidemiologische und soziale Analyse (Assessment) Sicherstellung der Intervention (Assurance) derzeit nicht zur Verfügung. Daher erscheint es dringend notwendig, zukünftig die gesellschaftlichen Bedingungen stärker in die Konzeptionierung einer Präventionsstrategie einzubeziehen, um die adipogenen Umweltfaktoren zu verringern [4]. Das Basisinstrument für Public Health Nutrition ist der Public Health Action Cycle (s. Abbildung), der gleichzeitig die vielfältigen Arbeitsgebiete von Public Health Nutrition verdeutlicht. Prinzipiell ist der Action Cycle gegliedert in die vier Bereiche Analyse, Strategieentwicklung, Sicherstellung der Intervention und Bewertung von Evidenz und Kosteneffektivität. Dabei unterstützt die Arbeit nach dem Public Health Action Cycle in allen aufgeführten Bereichen die Qualitätsentwicklung. Public Health Nutritionists als Berater der Politik Bei der Analyse (Assessment) werden Parameter zur Charakterisierung einer Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppe und mögliche Einflussfaktoren sowie besonders betroffene Gruppen erforscht und bewertet. Dies ist Aufgabe von Forschungsinstituten, wie zum Beispiel dem Robert Koch-Institut und dem Max Rubner-Institut und auch das Ziel einer Initiative des Netzwerks deutscher Forschungseinrichtungen für den Aufbau der Nationalen Kohorte, einer groß angelegten Langzeit-Bevölkerungsstudie. Erkennt- Strategieentwicklung (Policy Development) Blattner

3 nisse aus diesen Studien werden in Gesundheitsberichterstattungen veröffentlicht und können unter anderem als Basis für die politische Strategieentwicklung (Policy Development) herangezogen werden. In diesem Bereich kommt Public Health Nutritionists die Rolle als Politikberatende zu. Aufgrund des umfassenden Ansatzes des Themas Gesundheit werden nicht nur das Ess- und Bewegungsverhalten, sondern beispielsweise auch Fragen, unter welchen Umständen gegessen wird, berücksichtigt und in die Entwicklung von erfolgsversprechenden Interventionen eingebracht [5]. Bei Literatur der Sicherstellung der Intervention (Assurance) geht es dann darum, die Praktikabilität des Programms zu prüfen, eventuelle Schwierigkeiten zu bedenken, z. B. im Hinblick auf Budget oder Personal, und Kontakte zu Stakeholdern aufzunehmen, um Ansichten abzugleichen und Synergien zu schaffen [6]. Für die Umsetzung ist außerdem die Einhaltung von Qualitätskriterien in der Gesundheitsförderung von großer Bedeutung. Diese ermöglichen wiederum den vierten Bereich im Public Health Action Cycle: die Bewertung von Evidenz und Kosteneffektivität (Evaluation). Gerade im Bereich der Methodenentwicklung zur Überprüfung der Wirksamkeit von Maßnahmen ist noch viel Forschungsarbeit nötig. Dazu gehört auch die weitere Entwicklung und Validierung von Ernährungserhebungsinstrumenten. In allen Bereichen ist für Public Health Nutritionists eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit unerlässlich. Eine Mitwirkung von Diätassitenten ist entsprechend dem Positionspapier zur Rolle von Diätassistenten in der Prävention und dem Management von ernährungsbedingten Krankheiten bei älteren Menschen [7] auf verschiedenen Ebenen möglich. [1] World Health Organization (2003) World Health Report (Abruf: ) [2] World Health Organization (2013) World Health Statistics. am/10665/81965/1/ _eng.pdf (Abruf: ) [3] Europäische Ministerkonferenz der WHO (2013) Erklärung von Wien über Ernährung und nichtübertragbare Krankheiten im Kontext von Gesundheit data/assets/pdf_fi le/0005/234383/ Vienna-Declaration-on-Nutrition-and-Noncommunicable-Diseases-in-the-Context-of-Health-2020-Ger.pdf (Abruf: ) [4] Nationale Adipositas-Allianz (2012) Roadmap für Maßnahmen gegen Adipositas in Deutschland. ngfn.de/upload/mediapool/strategiepapier_adipositas_deutschland_bmbf_fi nal2.pdf (Abruf: ) [5] Blättner B (2007) Lösungsstrategien von Public Health Nutrition. Ernährung; 1: [6] Gibney MJ, Margetts BM, Kearney JM, Arab L (2004) Public Health Nutrition. Blackwell Publishing, Oxford [7] VDD (2013) Diätassistenten in Prävention und Management von Gestations- und Typ-2-Diabetes sowie von ernährungsbedingten Krankheiten bei älteren Menschen. Ernährungsumschau; 60(11): M648-M649 Die Autorinnen Dipl. oec. troph. Pia Schreivogel (Studiengangskoordinatorin) Hochschule Fulda Fachbereich Oecotrophologie Marquardstraße Fulda Prof. Dr. Kathrin Kohlenberg-Müller (Studiengangsleitung) Hochschule Fulda Fachbereich Oecotrophologie Marquardstraße Fulda kathrin.kohlenberg-mueller he.hs-fulda.de 10

4 Eine zusammenfassende Darstellung und Bewertung der aktuellen Situation Berufsspezifische Bachelor-Studiengänge Im Jahr 2007 wurde auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Frankfurt am Main nicht nur die Änderung des Berufstitels beschlossen, sondern auch die Akademisierung der Diätassistenten zum berufspolitischen Ziel erklärt. In den letzten Jahren war daher die berufspoltische Arbeit des VDD auch von diesen Themen bestimmt. Eine Änderung des Berufstitels und eine grundlegende Änderung des Diätassistentengesetzes konnten trotz massiver Anstrengungen noch nicht erreicht werden, aber das Bestreben, Diätassistenten eine akademischen Ausbildung zu ermöglichen, war erfolgreich. Derzeit existieren zwei berufsspezifische Studiengänge für Diätassistenten in Deutschland. Beide schließen mit einem Bachelor of Science in Diätetik ab und berücksichtigen sowohl die nationalen berufsgesetzlichen Bestimmungen als auch die europäischen Empfehlungen. Da das Diätassistentengesetz derzeit noch nicht die Möglichkeit der so genannten grundständigen Akademisierung bietet, darf die schulische Ausbildung zum Diätassistenten nicht angetastet werden. Dies ist im Diätassistentengesetz untersagt. Folglich müssen die Studiengänge mit der schulischen Ausbildung verknüpft werden. Dies geschieht an der Hochschule Fulda durch ein duales Studiengangskonzept, bei dem die Ausbildung mit dem Bachelor-Studiengang verzahnt wird. Das Studiengangskonzept der Hochschule Neubrandenburg baut auf der Ausbildung zum Diätassistenten auf. Dieses additive Studiengangskonzept erkennt große Teile der Ausbildung an, so dass der Bachelorstudiengang B.Sc. Diätetik verkürzt ist. Europa- und weltweit ist es üblich, Diätassistenten auf Hochschulebene auszubilden. Deutschland ist das einzige Land, in dem dies nicht der Fall ist. Zwar können in der Ausbildung zum Diätassistenten in Deutschland einige Defizite festgestellt werden, die auf die veraltete Ausbildungs- und Prüfungsordnung zurückzuführen sind, dennoch ist die Ausbildung in Deutschland im europäischen Vergleich nicht schlecht. Also warum dann Diätetik studieren und akademischer Diätassistent werden? Professionalisierung der Berufsgruppe Die Berufsgruppe der Diätassistenten gehört zwar zu den ältesten Gesundheitsfachberufen in Deutschland und die Diättherapie stellt eine der ältesten Therapieformen dar, doch fehlt für viele Tätigkeitsfelder die ausreichende Evidenz. D. h. es gibt keine oder nur wenige Beweise für die Effektivität bestimmter Interventionen. Exemplarisch sei hier z. B. die Ernährungsberatungsforschung genannt, die in Deutschland kaum existent ist. Dabei wäre es dringend notwendig, Forschung dahingehend zu betreiben, wann, ob und wie Ernährungsberatung zu den gewünschten Effekten führt. Berufsspezifische Studiengänge können und sollten dazu beitragen, Wissenslücken in Handlungsfeldern von Diätassistenten zu schließen, und sind daher existentiell für den Fortbestand der Berufsgruppe. Diättherapeutische Versorgung Eine akademische Ausbildung ermöglicht die Beschäftigung mit wissenschaftlicher Literatur und aktuellen Studien. Zwar werden auch in der schulischen Ausbildung Studien bearbeitet, allerdings ist es im Rahmen der schulischen Ausbildung nicht möglich, die gezielte Recherche in Datenbanken und die wissenschaftliche Bewertung von Studien zu unterrichten. Zudem werden im Studium die Grundlagen vermittelt, selbstständig Studien zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Ein Studium ermöglicht es also, dass neues Wissen viel schneller Patienten oder bestimmten Bevölkerungsgruppen zu Gute kommt und weiterhin noch offene Fragestellungen bei der Versorgung wissenschaftlich bearbeitet werden können und so die Patientenversorgung davon profitieren kann. Persönlicher Vorteil Ein akademischer Abschluss ermöglicht eine akademische Karriere und eröffnet andere Berufs- und Studieren ohne Abitur Bachelor Diätetik Deadline 1. März 2014 Für den Studienbeginn des B. Sc. Diätetik für Diätassistenten am 1. März 2015 können auch Diätassistenten ohne (Fach-)Abitur zugelassen werden, die eine mindestens dreijährige berufliche Tätigkeit nachweisen können. Dafür ist die Hochschulzugangsprüfung erforderlich. Der Antrag dafür muss bis spätestens 1. März 2014 gestellt werden. Den Antrag finden Sie auf der Webseite der Hochschule Neubrandenburg unter: Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an Sabine Ohlrich ) oder Daniel Buchholz ). 11

5 Die Autorin Tätigkeitsfelder, wie z. B. in der Forschung oder in Leitungsfunktionen. Mit einem Bachelorabschluss besteht die Möglichkeit, im In- oder Ausland weiterführende Masterstudiengänge zu besuchen und später zu promovieren. Auch wurden in den aktuellen Tarifverhandlungen akademische Gesundheitsfachberufler berücksichtigt, so dass auch von einem höheren Verdienst ausgegangen werden kann. Mobilität in Europa Zwar besteht für Diätassistenten grundsätzlich die Möglichkeit, auf Grundlage der Richtlinien 2005/ 36/EG im europäischen Ausland tätig zu werden, allerdings führt die fehlende akademische Ausbildung von in Deutschland qualifizierten Diätassistenten oft dazu, dass die Anerkennung häufig nur mit hohen Auflagen oder gar nicht möglich ist. Die Mobilität in Europa und der Welt ist für Diätassistenten folglich sehr eingeschränkt. Mit der akademischen Ausbildung wird die berufliche Anerkennung im Ausland wesentlich einfacher. Dies aber nur, wenn es sich um einen berufsspezifischen Studiengang für Diätassistenten handelt, der die berufsrechtlichen Gegebenheiten und die europäischen Empfehlungen berücksichtigt. Und die nicht-akademischen Diätassistenten? Berufsrechtlich unterscheiden sich akademische Diätassistenten nicht Claudia Krüger Diätassistentin Vizepräsidentin des VDD Gevelsberg Ein persönliches Statement In den vergangenen Jahren hat es in vielen beruflichen Handlungsfeldern gravierende Veränderungen gegeben. Von diesen Entwicklungen sind auch Diätassistenten betroffen. Wo sehen Sie sich in zehn Jahren nach einer erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung?, fragen wir häufig in Vorstellungsgesprächen. Nur wenige Bewerber haben zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vision für die Zukunft. Fast alle formulieren aber Weiterbildung oder ein weiteres Studium als Option für Zeit nach der Ausbildung. Je nach Interessenschwerpunkt gibt es interessante Möglichkeiten, die in der Ausbildung erworbenen spezifischen Kompetenzen des Diätassistenten mit anderen, weiterführenden Studienschwerpunkten zu verbinden. Diätassistenten haben so die Möglichkeit, sich bei der Planung und Durchführung von Studien einzubringen oder auch eigene Forschungsvorhaben zu initiieren. Wichtig ist es, im Studium die eigene Identität als Diätassistent nicht zu verlieren. Wir sind Diätassistenten und sollten diesen Titel mit Selbstbewusstsein tragen. Wenn dieses gelingt, tragen akademisch ausgebildete Berufskolleginnen und -kollegen zur Entwicklung eines wissenschaftsbasierten Wissensund Fähigkeitskanons bei. Von diesen Entwicklungen werden wir als gesamte Berufsgruppe profitieren. Für Diätassistenten mit Bachelor- oder Diplomabschluss in einem ernährungswissenschaftlichen Studiengang kann Public Health Nutrition ein interessantes und spannendes Aufgabengebiet sein. Es bleibt ein langer Weg beginnen wir mit den ersten Schritten! Walburga Träger, Diätassistentin, Leiterin der Diätschule St. Franziskus Schule für Gesundheitsberufe von nicht-akademischen Diätassistenten. Akademische Diätassistenten und nicht-akademische Diätassistenten werden auf Grundlage des gleichen Berufsgesetzes ausgebildet. Der Unterschied liegt primär darin, dass die Bachelorabsolventen ein tieferes und breiter gefächertes Wissen im Handlungsfeld der Diättherapie und Ernährungsberatung besitzen und zudem die Grundlagen für das wissenschaftliche Arbeiten gelegt wurden. Der typische Karriereweg einer in den alten Bundesländern qualifizierten Diätassistentin bestand bis in die 90ger Jahre darin, dass nach der Ausbildung zur Diätassistentin die Weiterbildung zur Diätküchenleiterin (DKL/DGE) und hierauf aufbauend die Weiterbildung zur Ernährungsmedizinischen Beraterin (EMB/DGE) bzw. Ernährungsberaterin (EB/DGE) absolviert wurde. Je nach Qualifikation standen dann verschiedene Tätigkeitsfelder offen. Mit der Einführung der dreijährigen Ausbildung im Jahr 1994 wurde dieser 3-stufige Karriereweg obsolet und ist in dieser Form heute nicht mehr möglich. Die nun beginnenden Bachelorstudiengänge in Diätetik und die vermutlich in naher Zukunft darauf aufbauenden Masterstudiengänge in Diätetik spiegeln in gewisser Weise das damalige dreistufige System unter Berücksichtigung anderer Rahmenbedingungen wider. Bachelorabsolventen (und später Masterabsolventen) sind damit nicht konkurrierend, sondern eine wichtige Ergänzung für das Berufsfeld. Zusammenfassend stellt die Akademisierung der Diätassistenten einen wichtigen und essentiellen Schritt für die Berufsgruppe der Diätassistenten, deren Handlungsfelder und für die Gesundheitsversorgung dar. Der VDD hofft, dass in Zukunft noch weitere Studienorte entstehen werden, und setzt weiterhin auf eine intensive Zusammenarbeit zwischen den Ausbildungsstätten für Diätassistenten, den Hochschulen mit entsprechenden Studiengängen und dem VDD. 12

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