Der Krisen-Check. Risiken erkennen. Existenz sichern.

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1 Der Krisen-Check. Risiken erkennen. Existenz sichern. Eine Krise beginnt in vielen Fällen im Bereich der Führung und bewegt sich innerhalb von Unternehmen meist von oben nach unten. Jedes Unternehmen hat im Verlauf seiner Entwicklung mit mehr oder weniger ernsten Schwierigkeiten zu kämpfen. Die sogenannten Unternehmenskrisen können dabei einen externen oder einen internen Auslöser haben und sind aufgrund ihrer Vielfältigkeit oft schwer zu erkennen. Werden Krisen erkannt, verringern sich Handlungsspielräume sehr schnell. Eigenständiges unternehmerisches Handeln wird immer schwieriger. Die Hauptfolgen sind in fast allen Fällen eine massive Verschlechterung der Liquidität und des Eigenkapitals. Zwangsläufig führen solche Situationen zu einer Existenzbedrohung. Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass die meisten Krisen als hausgemacht bezeichnet werden können. Dies liegt vor allem daran, dass viele Betriebe kaum Zeit haben sich mit einem solchen Instrumentarium zu beschäftigen. Das operative Tagesgeschäft, gerade bei Kleinunternehmen, bindet oft zu viel Zeit. Daher ist es unerlässlich ohne ein geeignetes Risikomanagement in die unternehmerische Zukunft zu blicken. Ihr Ansprechpartner: Markus Nacke Telefon: Telefax: Gesamt: 4 Seiten Stand: Einige Beispiele für Krisenauslöser sind im Folgenden aufgeführt: Externe Gründe: Konjunkturveränderungen Veränderungen im Kaufverhalten der Kundschaft Kaufkraftänderungen Branchenprobleme (z.b. Skandale)

2 Interne Gründe: Unternehmensfinanzen Unternehmerperson Unternehmensführung Unternehmensplanungen Unternehmensstrategie Fehlentscheidungen Kalkulationsfehler Zu hohes Expansionstempo Streitigkeiten Unternehmenskrisen vermeiden. Risiken und Zeitstufen kennen. Ist eine Krise erstmal erkannt, ist es ein Zeichen dafür, dass sich ein Fehler oder das Zusammenwirken einer Vielzahl von krisenverursachenden Faktoren bereits wie ein Tumor ausgebreitet haben. Je frühzeitiger eine Krise daher entdeckt wird, desto mehr Zeit verbleibt für eine effektive und schmerzfreie Gesundung bzw. desto leichter lassen sich Gegenmaßnahmen umsetzen. Daher ist es also von großer Bedeutung für Unternehmen bzw. Unternehmer Krisen rechtzeitig zu erkennen. Aber wie? Die zwei Bestandteile einer Krise. 1. Die Risiken. Krisen können durch eine genaue Betrachtung und regelmäßiger Überprüfung der im Unternehmen vorhanden Risiken schneller identifiziert werden. Dazu ist es wichtig sich frühzeitig mit den unternehmensspezifischen Risiken zu beschäftigen beziehungsweise diese genau zu beschreiben und zu dokumentieren. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen muss dieser Vorgang praxisnah und möglichst schlank durchführbar sein. Unternehmensrisiken sind also Bestandteil potentieller Krisen. Dabei tauchen Risikopotentiale überwiegend dort auf, wo konkrete Unternehmensziele hinterlegt sind. 2

3 2. Die Zeit. Der zweite Bestandteil der eine Krise beinhaltet - und dabei die größte Herausforderung darstellt - ist der Faktor Zeit. Je nach Art und Gewicht des Risikos können Unternehmenskrisen in unterschiedliche Zeitstufen eingeteilt werden. Es sollte also eine Risikobewertung vorgenommen werden. Diese Aufschluss darüber geben, wie umfangreich/ problematisch die Schwierigkeiten werden können und wie viel Reaktionszeit für Steuerungsmaßnahmen vorhanden ist. Im Einzelnen lässt sich der Faktor Zeit vereinfacht in drei Stufen abbilden: 1. Früherkennung Sensibilisierung ausreichende Zeitreserve 2. Späterkennung Krise hat begonnen geringe Zeitreserve 3. Sehrspäterkennung akute Krise keine Zeitreserve Die Krise. Krisen sind also ein Zusammenspiel von im Unternehmen vorhanden Risiken und dem Faktor Zeit. Dabei ist die zeitliche Betrachtung wesentlich, da diese bereits bei der Zuordnung bzw. der Einteilung von Risiken in die einzelne Zeitstufen herangezogen werden kann und somit auch für die potentielle Zeitreserve entscheidend ist. Der Krisen-Check. Um jetzt eine erste einfache Übersicht über die im Unternehmen möglicherweise vorhanden krisenauslösenden Risiken zu bekommen, sind zum Schluss dieses Merkblattes einige beispielhafte Fragen zur stufenspezifischen Risikoidentifikation aufgeführt. Sie können als Basisfragen herangezogen werden oder auch als Einstieg, hin zu einem professionellen Risikomanagement betrachtet werden. Jedoch sollte jedes Unternehmen ihre jeweiligen Branchenspezifika berücksichtigen und darüber hinaus eigene Fragen entwickeln und den Zeitstufen (Risikobewertung) zuordnen. Nach Möglichkeit sollten die u. g. Fragen alle mit ja beantwortet werden. Ist dies zum Beispiel in der Früherkennungsstufe nicht der Fall, müssen sie ggf. an der langbis mittelfristigen Unternehmensplanung bzw. am Konzept Anpassungen vornehmen. In der Späterkennungsstufe müssen ebenfalls, relativ schnell, Kurskorrekturen zum Beispiel an der Kostenstruktur in Betracht gezogen werden. Die letzte Stufe, die mit der zeitlich engsten Reaktionsmöglichkeit und negativsten Auswirkung auf das 3

4 Unternehmen, ist die Sehrspäterkennungsstufe. Hier sind die Reaktionsmöglichkeiten äußerst begrenzt, meist von Dritten abhängig und als extrem existenzbedrohend zu bezeichnen. Sofortmaßnahmen sind zu ergreifen (z. B. Privateinlage/ Verkauf von Vermögen/ Forderungseintreibung). Der exemplarisch aufgeführte Fragenkatalog sollte aber nicht nur einmalig beantwortet werde. Aussagekräftig bleib eine solche Betrachtung von Risiken nämlich nur dann, wenn die Regelmäßigkeit, wie z. B. zum Monatsende bei Vorliegen der aktuellen BWA s, auch im gleichen Rhythmus bleibt. Der gewählte Zeitraum sollte dabei so kurz wie möglich sein. Je kürzer der Zeitraum desto frühzeitiger können Krisen identifiziert und nachhaltige Gegenmaßnahmen im Zug der Risikokontrolle ergriffen werden. Dabei kann es von Vorteil sein für festgelegte Risiken einen Maßnahmenkatalog prophylaktisch aufzustellen. Die einzelnen Ergebnisse der Kontrollen sind dabei so zu dokumentieren, dass nach einem festen Zyklus (z.b. Geschäftsjahr) ein Verlaufsprotokoll detailliert Aufschluss über die Entwicklungen der einzelnen Risikopositionen des Unternehmens geben kann. Wichtig dabei ist auch die zeitpunktgenaue Dokumentation ergriffener Steuerungsmaßnahmen die später zusätzlich eine Wirksamkeitskontrolle ermöglicht bzw. weiteren Steuerungsbedarf aufdeckt oder Erfolge/ Verbesserungen anzeigt. Das Fazit. Mit dem hier dargestellten Weg möchten wir Ihnen den Einstieg mit Blick auf einen dauerhaften Krisen-Check erleichtern. Die regelmäßige Betrachtung bzw. die Abarbeitung der Risiken kann wesentlich zur Sicherung der Existenz beitragen. Zusätzlich können die Verantwortlichen in den Betrieben diese Auswertungen zu Steuerungszwecken heranziehen und ihrem Lenkungsauftrag gerecht werden. Nicht alle Fragen müssen Berücksichtigung finden. Selektieren Sie die für ihr Unternehmen passgenauen und entscheiden Fragen. Sollten Sie in den einzelnen Phasen eine oder mehrere Fragen regelmäßig mit nein beantworten, zögern Sie nicht sich fundierten Rat zu holen. Wir als Industrie- und Handelskammer stehen dabei als erster Ansprech- und Gesprächspartner gerne zur Verfügung Dieses Merkblatt stellt nur einen kleinen Einblick in die Möglichkeiten und die Vielfältigkeit von Maßnahmen im Bereich der Krisenprävention von Unternehmen dar. Ein Anspruch auf Vollständig- oder generelle Gültigkeit kann aufgrund der unterschiedlichen Unternehmensstrukturen ebenfalls nicht gegeben werden. 4

5 Fragenkatalog nach Zeitstufen. Früherkennungsstufe: Haben Sie neue Geschäftsideen? Produkte/ Dienstleistungen? Betreiben Sie Produktentwicklung? Haben Sie neue Kunden gewinnen können? Führen Sie regelmäßig Gespräche mit Ihrem Steuerberater, Geldinstitut? Haben Sie einen Liquiditätsplan aufgestellt? Wird der Dispokredit nicht ausgeschöpft? Wird der Kapitaldienst für Verbindlichkeiten regelmäßig ohne Verzögerungen bedient? Führen Sie Vor- und Nachkalkulationen durch? Werden Abrechnungen und Forderungen an Kunden durch ein optimales Mahn- und Rechnungswesen überwacht? Haben Sie mehr als zwei Hauptauftraggeber? Ist die Anzahl an Beschwerden rückläufig? Kennen Sie Ihre Kunden, deren Wünsche und haben Sie ein zielgerichtetes Marketingkonzept oder sogar kundenbezogene Konzepte bzw. Verkaufsförderungsmaßnahmen? Sind die Betriebsabläufe/Organisationsstrukturen bekannt? Weden diese ständig überwacht? Kennen Sie das Unternehmensrating bei der Hausbank und wie hat es sich entwickelt? Späterkennungsstufe: Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Steuerberater z.b. über die betreibswirtschaftlichen Monatsauswertungen? Liegen Bilanzen und laufende Saldenlisten monatlich vor? Liegt Ihre Eigenkapitalquote deutlich über 10%? Werden ihre Soll-Planzahlen erfüllt? Sind die Budges im Sollplan? Ist das Auftragsvolumen bzw. der Marktanteil stabil oder steigend? Sind Umsatz- und Ertragsentwicklung postiv? 5

6 Ist der Betriebsgewinn wirklich gut? Stellen Sie vermehrt Liquiditätsspitzen fest? Steigt der Umsatz? Haben Sie ihre Kostenrechnung im Blick? Sehrspäterkennungsstufe: Gibt Ihnen ihre Bank noch Kredit? Reichen Ihre liquiden Mittel noch aus? Können Sie noch frei über die Konten verfügen? Können Sie die anstehenden Löhne/ Gehälter bezahlen? Räumen Lieferranten noch Kredite ein? Liegen bereits Mahnungen vor? 6

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