extra Leben mit nur einem Lungenflügel Martin Meyer Passivrauchen Jetzt Initiative unterschreiben! Schlafapnoe Auch Kinder sind betroffen

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1 INFORMATION DER LUNGENLIGA // NR. 5/2009 extra Martin Meyer Leben mit nur einem Lungenflügel Passivrauchen Jetzt Initiative unterschreiben! Schlafapnoe Auch Kinder sind betroffen

2 PASSIVRAUCHEN Rauchfrei? Ja! 4 SCHLAFAPNOE Schnarchen, das krank macht 6 COPD Es ist nie zu spät, um mit dem Rauchen aufzuhören 8 ASTHMA Wenn die Luft wegbleibt 10 ENTFERNUNG EINES LUNGENFLÜGELS «Auch bergab bekommt man Schwung.» 12 ERBSCHAFT Vererben und helfen 14 SELTENE LUNGENKRANKHEITEN Das Churg-Strauss-Syndrom 16 INNEN-/AUSSENLUFT Feuer ohne Rauch 18 SPENDEN Wertvolle Unterstützung 19 AKTUELL Gut zu wissen 20 AGENDA 22 Produktgruppe aus vorbildlich bewirtschafteten Wäldern und anderen kontrollierten Herkünften Zert.-Nr. IMO-COC Forest Stewardship Council IMPRESSUM vivo 2 erscheint sechsmal pro Jahr für Patientinnen und Patienten, Mitglieder, Spenderinnen und Spender der Lungenliga Schweiz. Abo-Beitrag (pro Jahr CHF 5. ) im Mitglieder- und Spenderbeitrag inbegriffen. Verlag und Redaktion: Lungenliga Schweiz, Südbahnhofstrasse 14c, 3000 Bern 14, Tel , Fax , Layout/Satz: ZB Werbung, Zürich/Bern; Typopress Bern AG, Bern. Druck: Ziegler Druck- und Verlags-AG, Winterthur. 2 INHALT

3 Dr. med. Werner Karrer Heute macht der Schutz vor Passivrauchen an den Kantonsgrenzen halt! Die Lungenliga Schweiz hat gemeinsam mit über 40 Organisationen eine eidgenössische Volksinitiative lanciert, um den Passivrauchschutz schweizweit zu regeln. Es kann nicht sein, dass je nach Kanton unsere Bürgerinnen und Bürger in öffentlich zugänglichen Räumen bessere oder schlechtere Luft einatmen. Oder finden Sie es sinnvoll, dass es Dörfer gibt, in denen man auf der einen Seite der Strasse in den Restaurants rauchen kann und auf der anderen Seite nicht? Nur weil die Kantonsgrenze mitten durchs Dorf geht und jeder Kanton je nach Gusto der gerade regierenden Politikerinnen und Politiker unterschiedliche Regelungen hat? Das ist keine nachhaltige Gesundheitspolitik! Passivrauchen schadet der Gesundheit. Also müssen alle Arbeitsplätze rauchfrei sein. Im Gastgewerbe arbeiten Personen während acht und mehr Stunden am Tag und rauchen unfreiwillig mit. Sie müssen geschützt werden. Natürlich hat das eidgenössische Parlament einen Beschluss gefasst, der die Nichtraucherinnen und Nichtraucher schützen soll. Aber dieser Beschluss ist so schwammig, unklar und überlässt es den Kantonen, strengere Regelungen zu erlassen. So kommt es dann eben zu den oben erwähnten Situationen. Die Volksinitiative der Allianz «Schutz vor Passivrauchen» will nicht das Rauchen verbieten. Sie will nur, dass die Nichtraucherinnen und Nichtraucher in der ganzen Schweiz vor dem Passivrauchen geschützt sind. Ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen wird sogar von den Raucherinnen und Rauchern mehrheitlich befürwortet. Zwei Drittel möchten nämlich aufhören zu rauchen. Und sie schaffen es besser, je weniger Gelegenheit sie zum Rauchen haben. Kurz und gut: Unterschreiben Sie bitte die Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» (Unterschriftenbogen unter Deren Umsetzung bietet Gewähr für einen umfassenden Schutz. r Dr. med. Werner Karrer, Präsident Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie, Chefarzt Luzerner Höhenklinik Montana, Mitglied des Initiativkomitees «Schutz vor Passivrauchen» EDITORIAL 3

4 Otto Piller, Erika Forster, Thierry Carrel und Werner Karrer informieren über die Lancierung der Initiative. Rauchfrei? Ja! In der Schweiz herrscht in Bezug auf den Schutz vor Passivrauchen ein Chaos. Eine schweizweit einheitliche Lösung, die alle Arbeitnehmenden gleichermassen schützt und alle Gastrobetriebe gleich behandelt, bringt nur die eidgenössische Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen». «Unsere persönliche Freiheit hört dort auf, wo wir Dritte mit unserem Handeln beeinträchtigen», sagte FDP-Ständerätin Erika Forster-Vannini bei der Lancierung der eidgenössischen Volksinitiative «Schutz vor Passivrauchen» im vergangenen Frühling. Als Mitglied des Initiativkomitees unterstrich sie die Notwendigkeit der Initiative, die einem urliberalen Prinzip folgt. Neben Erika Forster-Vannini gehören dem Initiativkomitee weitere 25 Persönlichkeiten aus Medizin, Prävention und Politik an. Über 40 Organisationen aus den Bereichen Gesundheit, Konsumentenund Arbeitnehmendenschutz, Jugend sowie Elternschaft haben sich zur Allianz «Schutz vor Passivrauchen» zusammengeschlossen (siehe Kasten) und sammeln seit knapp vier Mo naten Unterschriften. Unbefriedigendes Bundesgesetz Drei von vier Nichtrauchenden wünschen sich, ihr Essen und ihre Getränke in einer rauchfreien Atmosphäre zu geniessen. Serviceangestellte sind bei ihrer Arbeit täglich bis zu acht Stunden dem gesundheitsschädigenden Tabakrauch ausgesetzt. Das entspricht einer Belastung von 15 bis 38 gerauchten Zigaretten. Diese und weitere Fakten haben die eidgenössischen Räte im letzten Herbst völlig ausser Acht gelassen, als sie das Bundes gesetz zum Schutz vor Passivrauchen verabschiedet haben. Die Kompromisslösung, die niemanden befriedigt, lässt Raucherlokale (bis zu 80 m 2 ) zu. Zudem können die Kantone weiter gehende Regelungen erlassen. Dies führt zu so absurden, wettbewerbsverzerrenden Situationen wie im Dorf Erlinsbach: Da die Kantonsgrenze zwischen Solothurn und Aargau mitten durch das Dorf führt, wird in den Restaurants auf der einen Strassenseite (Kanton Aargau) geraucht, auf der anderen Strassenseite (Kanton Solothurn) sind die Restaurants rauchfrei. Gute Gründe für die Initiative Bereits in 14 Kantonen gibt es weiter gehende Regelungen. Der Druck auf diese 4 PASSIVRAUCHEN

5 Pascal Diethelm und Jean-Charles Rielle sammeln Unterschriften. Kantone, das lasche Bundesgesetz zu also jede Unterschrift! Unterschriftenbogen und -karten können unter www. übernehmen, hat massiv zugenommen. So bekämpft GastroSuisse bestehende Regelungen, die keine Raucherbetriebe zuter bestellt werden. rauchfrei-ja.ch heruntergeladen oder unlassen. Die Zürcher Kantonsregierung missachtet den Volkswillen, indem sie die Weitere Informationen zur Initiative: Umsetzung des Gesetzes zum Schutz vor r Passivrauchen, das letzten Herbst klar angenommen wurde, verzögert. Im Kanton Text: Barbara Weber, Projektleiterin Uri wurde bereits zweimal über das Gesundheitsgesetz, das den Passivrauch- Fotos: Allianz «Schutz vor Passivrauchen» Kommunikation, Lungenliga Schweiz schutz beinhaltet, abgestimmt und im Kanton Genf folgt Ende September ebenfalls eine zweite Abstimmung. Dass sich die Schweizerinnen und Schweizer eine schweizweite, klare Regelung wünschen, zeigt das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage: 68 Prozent der Stimmberechtigten würden heute der Volksinitiative an der Urne zustimmen. Jede Unterschrift zählt Je schneller die nötigen Unterschriften gesammelt sind, desto früher kann die Volksinitiative eingereicht werden. Es zählt Der Allianz «Schutz vor Passivrauchen» gehören folgende Organisationen an: aha! Schweizerisches Zentrum für Allergie, Haut und Asthma, Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, Berner Gesundheit, Berufsverband Restauration der Hotel & Gastro Union, CIPRET Genève, CIPRET Wallis, CIPRET Vaud, GELIKO Schweizerische Gesundheitsligen-Konferenz, Klinik Barmelweid, Krebsliga Schweiz, Lungenliga, Oncosuisse, OxyRomandie, pharmagenève, physioswiss, Privat klinikgruppe Hirslanden, public health Schweiz, RADIX Schweizer Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Nichtrauchen, Schweizerische Arbeitsgemeinschaft Nichtrauchen SAN Zürich, Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme, Schweizerische Gesellschaft für Allgemeinmedizin, Schweizerische Gesellschaft für Angiologie, Schweizerische Gesellschaft für Cystische Fib rose, Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie, Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie, Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie, Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrische Pneumologie, Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie, Schweizerische Gesellschaft für Suchtmedizin, Schweizerische Herzstiftung, Schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens, Schweizerische Vereinigung der Elternorganisationen, Schweizerischer Drogistenverband, Schweizerischer Gewerkschaftsbund, Schweizerischer Hebammenverband, Schweizerischer Verband der Berufsorganisationen im Gesundheitswesen SVBG, Schweizerisches Blaues Kreuz, Société Vaudoise de Pharmacie, Stiftung für Konsumentenschutz, suchtinfo.ch, Travail.Suisse, Union schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen, Verein für Suchtprävention, Züri Rauchfrei. PASSIVRAUCHEN 5

6 Prof. Dr. Johannes Wildhaber Schnarchen, das krank macht Auch Kinder können an Schlafapnoe erkranken: Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten oder Gedeihstörungen können Symptome sein. «Mach doch den Mund zu!» Gehorsam schliesst Isa die Lippen und versucht, durch die Nase zu atmen. Doch kaum ist sie ins Spiel vertieft, steht der kleine Mund wieder offen. Beim Toben mit Gleichaltrigen kann sie kaum mithalten. Sie ist die Kleinste, die Magerste, die Blasseste. Der Kinderarzt fordert die Mutter auf, Isa beim Schlafen zu beobachten. Tatsächlich: Die Kleine schläft unruhig, sie schnarcht und von Zeit zu Zeit stockt ihr Atem Isa leidet unter Schlafapnoe, Atemstillständen im Schlaf. Unübersehbar: Gedeihstörungen Schnarchen und besonders das Schnarchen mit Atempausen kann beim Kleinkind zu Gedeihstörungen, Verhaltensauffälligkeiten oder Lernschwierigkeiten führen. Das Kind bleibt in der körperlichen Entwicklung hinter seinen Altersgenossinnen und -genossen zurück, ist nervös, zappelig, oft müde und bringt in der Schule schlechte Leistungen. Langfristig hat Schlafapnoe bei Kindern die gleichen Folgen wie bei Erwachsenen: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, anderer innerer Organe und vor allem des Stoffwechsels. Ursachen im Kleinkindalter Wenn Kleinkinder an Schlafapnoe erkranken, so ist die Ursache meist schnell erkannt und behoben: Oft sind vergrösserte Gaumenmandeln der Grund. «Eltern denken oft gar nicht daran, dass ihr Kind vergrösserte Mandeln haben könnte», sagt Prof. Dr. Johannes Wildhaber, Chefarzt Kinderheilkunde im Kantonsspital Freiburg. «Denn wenn man dem Kind in den Mund schaut, sieht man nur die Rachenmandeln und nicht die vergrösserten Gaumenmandeln, die oft das Schnarchen verursachen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt wird, je nach Ausprägung der Erkrankung, eine anti-entzündliche Behandlung mit einem Nasenspray verordnen oder direkt eine Operation empfehlen.» Danach hört das Kind meist auf zu schnarchen, es holt einen möglichen Entwicklungsrückstand schnell wieder auf, und Verhaltensauffälligkeiten verbessern sich. Nur in seltenen Fällen hat die Schlafapnoe andere Ursachen, beispielsweise einen zu geringen Muskeltonus oder Missbildungen am Gesichtsschädel. In diesen Fällen erhalten Kinder die gleiche Behandlung wie Erwachsene. Sie tragen nachts eine Maske, über die Luft in die Nase geleitet wird (CPAP-Therapie, siehe Kasten). So können die Kinder die ganze Nacht durchatmen, und die Beschwerden verschwinden in kurzer Zeit. Ursachen bei älteren Kindern: Übergewicht und Allergien Immer häufiger erkranken Schulkinder und Pubertierende an Schlafapnoe. «Der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und Übergewicht ist unverkennbar», weiss Prof. Dr. Johannes Wildhaber. Adipositas also krankhaftes Übergewicht birgt bei Kindern wie bei Erwachsenen das Risiko, an Schlafapnoe zu erkranken. Wenn es den Betroffenen gelingt, ihr Gewicht 6 SCHLAFPANOE

7 Schlafapnoe auch Kinder können betroffen sein. dauerhaft zu reduzieren, verschwindet auch die Schlafapnoe wieder. Ansonsten muss auch hier eine CPAP-Therapie begonnen werden. Häufig sind auch Allergien die Ursache für verstopfte Nasen und daraus resultierende Schlafschwierigkeiten. Eine entsprechende Behandlung führt hier zu einer Verbesserung des Schlafs. Schnarchen ist nicht gleich Schlafapnoe Sechs bis zwölf Prozent aller Kinder schnarchen regelmässig im Schlaf, doch nur bei einem bis zwei Prozent kommt es auch zu den gefährlichen Atemstillständen. Eltern können Kinderarzt und Kinderärztin bei der Diagnose unterstützen, indem sie ihre Kinder sorgfältig beobachten: Wann und wie schnarcht das Kind? Setzt der Atem tatsächlich aus? Der Arzt wird durch entsprechende Fragen und eine gründliche Untersuchung meist schnell eine Diagnose stellen können. Nur in Zweifelsfällen führt man eine sogenannte Polygrafie durch. Dabei kontrolliert man während des Schlafs die Atmung und den Sauerstoffgehalt im Blut und kann dadurch zuverlässig den Grad der Schlafapnoe feststellen. Es gibt natürlich auch andere Gründe für Verhaltensauffälligkeiten und Lernschwierigkeiten. Bei unruhigen, auffälligen Kindern muss man auch an ein Hyperaktivitätssyndrom (ADS) denken. Laut Prof. Dr. Johannes Wildhaber geben ein gründliches Erfassen der Krankheits-Vorgeschichte durch den behandelnden Arzt bzw. die behandelnde Ärztin sowie die sorgfältige Beobachtung des Verhaltens durch die Eltern genügend Anhaltspunkte für die Bestimmung der Krankheit und für die richtige Behandlung. Mehr zum Thema Schlafapnoe: r Text: Roswitha Menke, Texterin, Bern Fotos: Stephanie Hofschlaeger/PIXELIO; ZVG Die CPAP-Therapie Bei der CPAP-Therapie leitet ein Gerät einen sanften Luftstrom in eine Nasenmaske, die während der Nacht getragen wird. Schnarchen und Atempausen verschwinden. Allerdings müssen die Patientinnen und Patienten permanent therapiert werden, um symptomfrei zu bleiben. SCHLAFPANOE 7

8 Häufiger Husten mit schleimigem Auswurf und Atemnot können Symptome einer COPD sein. Es ist nie zu spät, um mit dem Rauchen aufzuhören 1974 rauchte die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung in der Schweiz, heute noch 27 Prozent. Dieser Trend muss durch gesundheitspolitische Massnahmen weiter unterstützt werden, denn Rauchen führt zu schweren Krankheiten. Von den schädlichen Substanzen im Tabakrauch sind vor allem das Herz-Kreis lauf-system und die Lungen betroffen. So wird die chronisch-obstruktive Bronchitis (COPD), eine fortschreitende entzündliche Lungenkrankheit, gröss tenteils durch Rauchen verursacht. Etwa Menschen leiden in der Schweiz an COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease), einer Krankheit, welche die Atmung behindert und die Lungen dauerhaft schädigt. Bei 90 Prozent der Betroffenen ist Rauchen die Ursache der Krankheit. Es gilt: Je mehr Zigaretten jemand im Leben geraucht hat, desto grösser ist die Gefahr einer COPD (Risikotest unter Andere, seltene Ursachen der COPD sind Luftschadstoffe oder der seltene angeborene Mangel eines Enzyms (Alpha1-Antitrypsin). Ein Rauchstopp hilft in jeder Phase der COPD Die COPD erkennt man an drei Symptomen: häufiger Husten mit schleimigem Auswurf sowie Atemnot. Da es sich um eine langsam fortschreitende (chronische) Krankheit handelt, hat der Betroffene zu Beginn eher leichte Symptome, die oft als harmlos angesehen werden (Raucherhusten). Durch die anhaltende Schädigung der Atemwege mit Tabakrauch verschlimmern sich die Symptome aber laufend. Vom ersten Raucherhusten bis zur schweren COPD können Jahre oder Jahrzehnte vergehen. Für die Betroffenen bedeutet der «Wechsel» vom Raucher husten (chronische Bronchitis) zur COPD, dass zum Husten und Auswurf noch Atemnot dazukommt. Im späteren Verlauf der Krankheit nimmt die Atemnot zu und das Herz wird übermässig belastet. Der Verzicht auf Tabakwaren verbessert die Lebensqualität der Betroffenen in jedem Alter und in jedem Stadium der Krankheit. Je früher der Rauchstopp, desto geringer ist der Lungenschaden und desto langsamer schreitet die COPD voran (siehe Grafik). Verzichtet eine Raucherin oder ein Raucher auf Tabakwaren, bevor sich der Raucherhusten zur COPD verschlimmert hat, können sich die Atemwege sogar vollständig erholen. Aber weshalb ist es so schwer, das Rauchen aufzugeben? Das Nikotin im Tabak wirkt direkt 8 COPD

9 Lungenfunktion (in Prozent, verglichen mit einer 25-jährigen gesunden Person) Behinderung Tod Raucht und ist empfindlich auf Rauch Alter (Jahre) Nie geraucht oder unempfindlich auf Rauch Rauchstopp mit 45 Rauchstopp mit 65 Quelle: Fletcher C, Peto R. The natural history of chronic airflow obstruction. Br Med J Jun 25;1(6077): im Gehirn und vermittelt den Rauchenden ein Gefühl des Wohlbefindens. Der Preis, den man für dieses Gefühl zahlt, ist die Sucht. Denn Nikotin gehört zu den stärksten suchterzeugenden Substanzen. Deshalb rauchen viele Menschen auch dann weiter, wenn sie an Raucherhusten oder bereits an einer COPD leiden. Den meisten Raucherinnen und Rauchern fällt es schwer, die Nikotinsucht zu überwinden. Viele haben schon zahlreiche Versuche hinter sich. Häufig wird der Versuch, das Rauchen aufzugeben, nur halbherzig durchgeführt. Bevor die letzte Zigarette ausgedrückt wird, sollte man sich stets die Nachteile und Gefahren des Rauchens bewusst machen: Rauchen schadet meiner Gesundheit. Rauchen gefährdet die Gesundheit der Menschen in meiner Umgebung. Rauchen kostet mich viel Geld. Rauchen vermindert meine körperliche Leistungsfähigkeit. Rauchen beeinflusst mein Denken und Verhalten. Sobald sich die Nachteile und Gefahren des Rauchens im Gehirn festgesetzt haben, fällt der nächste Schritt einfacher. Niemand ist alleine Die besten Aussichten auf einen dauerhaften Verzicht auf Tabakwaren haben Rauchende, wenn sie sich Hilfe holen. Es gibt zahlreiche Angebote für aufhörwillige Raucherinnen und Raucher: Medizinische Hilfe: Sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt über Ihren Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören. Eine fachliche Begleitung erhöht die Chancen für einen dauerhaften Rauchstopp deutlich. Medikamentöse Hilfe: Nikotinersatz gibt es heute in verschiedenen Varianten, auch rezeptfrei. Andere Medikamente erleichtern den Rauchstopp. Lassen Sie sich jedoch vor der Anwendung fachlich beraten (Arztpraxis oder Apotheke). Psychologische Hilfe: Jeder Rauchende hat seine eigene «Rauchgeschichte». Die Mitarbeitenden von Beratungsstellen gehen deshalb individuell auf die Menschen ein. Auf der Website der Lungenliga Schweiz (www.lungenliga.ch) finden Sie Adressen der Beratungsstellen. Broschüren, Bücher und Internet: Zahlreiche Bücher, Broschüren und Internet seiten beschäftigen sich mit dem Thema «Rauchstopp». Mehr zu den Themen Rauchstopp und COPD: r Text: Dr. med. André Lauber, TextWatch, Oftringen, mit Unterstützung von Prof. Dr. med. Roland Keller, Facharzt Pneumologie, Aarau Foto: Roland Blattner, Fotograf, Jegenstorf COPD 9

10 Wenn die Luft wegbleibt Jung und asthmakrank das muss nicht den Verzicht auf ein aktives Leben bedeuten. Mit einer guten Kontrolle des Asthmas sind junge Menschen trotz der Krankheit voll dabei. Auf Bäume klettern, auf dem Schulhausplatz einige Körbe werfen, sich im Kletterpark austoben das sind beliebte Hobbys von Teenagern. Und wie sieht die Freizeit junger Menschen mit Asthma aus? Sie sind in guter Gesellschaft, denn Asthma ist eine der häufigsten Atemwegserkrankungen betroffen ist in der Schweiz jedes zehnte Kind. Doch wenn Asthma früh erkannt und richtig behandelt wird, können Betroffene ein gleich aktives Leben führen wie ihre Kolleginnen und Kollegen und an den Aktivitäten im Freundeskreis und in der Schule teilnehmen. Jung, asthmakrank und aktiv Doch bis es so weit ist, braucht es Informationen für die Asthmabetroffenen selber und auch für ihr Umfeld. Denn die Ablenkungsmanöver junger Asthmatikerinnen und Asthmatiker sind vielfältig, damit niemand im Freundeskreis etwas über die Krankheit erfährt schliesslich will man ja dazugehören. So geht es auch Tobi, einem jungen Asthmakranken, Titelfigur des Comics «Love is in the Air» der Lungenliga Schweiz. Tobi hat einen grossen Traum: er möchte Musik machen. Zusammen mit vier Freunden gründet er eine Band. Und mit der Band kommt auch die Liebe. Doch bis Tobi wirklich glücklich wird mit seiner Anna, erlebt er einige im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Situationen. Ziel des Comics «Love is in the Air» ist es, Jugendliche zu ermutigen, das Tabu Asthma zu brechen und im Freundeskreis über die Krankheit zu reden. Medikamente gehören zum Alltag Begriffe wie Inhaler und Peak-Flow-Meter sind der breiten Bevölkerung unbekannt, für junge Asthmatikerinnen und Asthmatiker jedoch gehören sie zum Alltag. Den Inhaler haben sie jederzeit griffbereit, denn damit können sie Medikamente schnell über die Atemwege einnehmen, wenn ein Asthma-Anfall droht. Mit dem Peak-Flow-Meter messen Asthmabetroffene täglich die Lungenfunktion. Dank 10 ASTHMA

11 Comic und Online-Game für Jugendliche Im Comic geht es um Luft, Liebe, Musik und einen Traum, den sich fünf Jugendliche verwirklichen. Zum Comic gibt es ein spannendes Online-Game. Infos und kostenlose Bestellung des Comic unter Mit einer guten Asthmakontrolle ist Sport kein Problem. dieser Kontrolle können die Patientinnen und Patienten ihr Asthma beobachten, Veränderungen erkennen und ihre Medikamente selbstständig entsprechend anpassen. Trotz Asthma ein aktives Leben Eine gute Kontrolle ist das A und O der Krankheit Asthma. Die Disziplin für die tägliche Beobachtung ist jedoch für junge Menschen oft schwierig. Doch nur mit einer konsequenten Behandlung können Asthmatikerinnen und Asthmatiker ein ebenso aktives Leben führen wie ihre gleichaltrigen gesunden Freunde. Die kantonalen Lungenligen unterstützen und beraten Asthmabetroffene und ihre Familien rund um das Thema Asthmakontrolle. Damit auch junge Menschen mit Asthma ihre Freizeit aktiv gestalten, Sport treiben und trotz Asthma voll dabei sein können. Text: Yvonne Sutter, Lungenliga Schweiz Fotos: Roland Blattner, Fotograf, Jegenstorf Asthma Menschen in der Schweiz leiden an Asthma. Betroffen sind jedes zehnte Kind und sieben Prozent der Erwachsenen. Die genaue Ursache der Krankheit ist bis heute unbekannt. Fest steht, dass es Faktoren gibt, die die Krankheit begünstigen. Häufig sind dies eine Allergie gegen Hausstaub, Tierhaare, Pollen oder andere Substanzen, die eingeatmet werden, oder eine Überempfindlichkeit gegen Reizstoffe (Rauch). Mit einer frühzeitigen Diagnose und der richtigen Behandlung können Asthmabetroffene ein beschwerdefreies und aktives Leben führen. Mehr zum Thema Asthma: r ASTHMA 11

12 Wandern ist für Martin Meyer nicht mehr so einfach. «Auch bergab bekommt man Schwung.» Mit der operativen Entfernung der rechten Lunge (Pneumektomie) wurde Martin Meyer auch ein Teil der Lebensqualität weggenommen. Das ist für ihn aber noch lange kein Grund, sich zurückzuziehen. Und schon gar nicht, den Humor zu verlieren. Es gibt nicht viele Leute, die ein Musikinstrument selber erfunden haben. Martin Meyer ist einer von ihnen. Als er vor ein paar Jahren den Deckel seines Blindenstocks verlor, entdeckte er, dass sich mit «Es war mehr als ein organischer Eingriff.» dem Stock Töne erzeugen lassen. Kurzerhand erfand er die Panalotosflöte eine Mischung aus einer Pan- und einer Lotosflöte. Das war der Anfang einer grossen Leidenschaft. Martin Meyer ist seit seiner Geburt blind Licht und Farben gehören nicht zu seinem unmittelbaren Erleben, die Musik aber erlaubt ihm, sich in den hellsten Farben auszudrücken. Kampf gegen Krebs Seit Anfang Jahr hat Martin Meyer noch ein weiteres Handicap: Im Januar 2009 wurde ihm die rechte Lunge entfernt. Alles begann vor fünf Jahren mit einem Dickdarmtumor, der erfolgreich herausoperiert wurde. Rund zwei Jahre nach dem Eingriff stellte sich aber heraus, dass dieser Primärtumor im Dickdarm Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Lunge gebildet hatte. Schleimauswurf beim Husten sowie Geräusche beim Atmen waren die ersten Anzeichen dafür gewesen. Da Martin Meyer eine weitere Operation vermeiden wollte, wurde er zu Beginn mit einer Chemotherapie behandelt. Die Therapie zeigte zwar Erfolg, eine Operation blieb aber trotzdem die zuverlässigste Variante, den Tumor zu bekämpfen. Um auf Nummer sicher zu gehen, entschied er sich schliesslich dafür. Am 14. Januar 2009 war es dann so weit: Die gesamte rechte Lunge wurde ihm entfernt. Und damit auch ein Teil seiner Lebensqualität. Ein anderer Mensch Seit dem Eingriff hat sich vieles verändert. Zwar ging die Operation einwandfrei über die Bühne und Martin Meyer lebt heute frei von Beschwerden und Medikamenten. Das Problem liegt woanders. «Es war mehr als ein organischer Eingriff. Wenn einem die halbe Lunge herausgenommen wird, ist man danach ein anderer Mensch», erklärt er. Mit dem Eingriff ging für ihn mehr als ein Teil seines Körpers verloren. «Mir ist bewusst geworden, dass ich langsam zurückschrauben muss.» Wandern, Tandemfahren, Singen und Flöte Spielen sind heute nicht mehr so einfach. «Ich habe viel von meiner Energie und Unternehmungslust eingebüsst, denn mit zwei Behinderungen ist man mehr als doppelt eingeschränkt», sagt er. Reden heilt Wunden Dass sich Martin Meyer an die Lungenliga wendete, hat einen ganz bestimmten 12 ENTFERNUNG EINES LUNGENFLÜGELS

13 Lungenmetastase und Lungenkrebs Eine Lungenmetastase ist eine bösartige Tochtergeschwulst eines Primärtumors ausserhalb der Lunge. Über die Blut- oder Lymphbahnen gelangen Zellen des Primärtumors in die Lunge und bilden dort Metastasen. Tumoren, die aus Lungenzellen wachsen, bezeichnet man hingegen als Lungenkrebs. Lungenkrebs ist die häufigste bösartige Krebsart bei Männern, Frauen sind weniger häufig betroffen. Jährlich erkranken in der Schweiz etwa 3500 Menschen. Rund 85 Prozent der Lungentumoren werden durch Tabakrauch verursacht. Symptome sind chronische Heiserkeit, blutiger Auswurf beim Husten sowie Brustschmerzen. Eine operative Entfernung der betroffenen Lungenlappen oder einer ganzen einseitigen Lunge ist nur möglich, wenn sich der oder die Betroffene in einem guten Allgemeinzustand befindet und der verbleibende Lungenflügel allein in der Lage ist, das Blut mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Martin Meyer mit seiner selbst entwickelten Panalotosflöte. Grund: Er möchte eine Erfahrungsaustauschgruppe mit anderen Betroffenen gründen. «Mir ist bewusst, dass ich damit eine sehr heterogene Gruppe anspreche», erklärt er. Wie, wo und in welcher Form der Austausch stattfinden soll, will er gemeinsam mit den Interessierten bestimmen. Regelmässige Treffen, gemeinsame Ausflüge oder ein Internetforum alles ist denkbar. «Mir geht es darum, in einer lockeren, unkomplizierten Form eine gemeinsame Basis zu schaffen, Gespräche zu führen sowie Tipps und Hilfsmittel auszutauschen», sagt er. Die Reise geht weiter «Mein Tagesablauf ist heute nicht mehr so vielfältig wie früher», erzählt Martin Meyer. Dafür nutzt er jetzt sein Erstklass- Generalabonnement noch häufiger, zum Beispiel um seine beiden Enkelkinder zu besuchen, und er möchte sich noch intensiver der Musik und den Flötenauftritten widmen. Auch Klaviere stimmt er immer noch gelegentlich in der ganzen Schweiz. Nur seinen ausgedehnten Velo- und Bergtouren trauert er ein bisschen nach. «Der Eingriff hat mir bewusst gemacht, dass ich mit 63 Jahren langsam zurückschrauben muss», stellt Martin Meyer fest. «Aber ich sage immer: Auch wenn es bergab geht, bekommt man Schwung.» r Text: Valentina Röschli, Journalistin, Zürich Fotos: Roland Blattner, Fotograf, Jegenstorf Die Erfahrungsaustauschgruppen der Lungenliga (Erfa-Gruppen) Die Lungenliga engagiert sich für die Gründung neuer Gruppen und unterstützt Selbsthilfe- und sogenannte Erfa-Gruppen. Die Mitglieder tauschen Erfahrungen aus, diskutieren und unterstützen sich gegenseitig. Eine begleitete Erfa-Gruppe wird von einer Fachperson geleitet, die weitere Informationen, Anleitungen und Stellungnahmen einbringt. Pneumektomie-Betroffene, die sich für den Aufbau einer Erfa-Gruppe mit Martin Meyer interessieren, melden sich direkt bei ihm: , Informationen zu Selbsthilfe- und Erfahrungsaustauschgruppen erhalten Sie bei den kantonalen Lungenligen oder im Internet unter: > Therapien & Angebot > Weitere Angebote > Selbsthilfe ENTFERNUNG EINES LUNGENFLÜGELS 13

14 Theo Pflüger, Notar Vererben und helfen «Der Gedanke, seine irdischen Güter loslassen zu müssen, ist kein besonders erhabener und beliebter», sagt der Berner Notar Theo Pflüger und rät dringend dazu, so früh wie möglich seinen Nachlass zu regeln. Im Gespräch mit vivo 2 erläutert er, worauf es ankommt. vivo 2 : Wer sollte ein Testament schreiben, und warum? Theo Pflüger: Grundsätzlich jede Person, die mit der gesetzlichen Regelung nach dem ZGB nicht glücklich ist. Wenn das gesetzliche materielle Erbrecht für die eigenen Verhältnisse zu kurz greift, sollte man ein Testament verfassen. Für einige «Risikogruppen» sind erbrechtliche Verfügungen geradezu ein Muss: Ledige, Geschiedene und Verwitwete, kinderlose Ehegatten und Personen, die im Konkubinat leben. Gibt es einen optimalen Zeitpunkt, um ein Testament zu verfassen? Je früher, desto besser. Ein Testament ist nichts Endgültiges; man kann es als einseitige Willenserklärung jederzeit ändern oder aufheben. Die Menschen werden heute viel älter als früher, aber die letzten Lebensjahre sind oft wenig geeignet, um Verfügungen von Todes wegen zu erlassen sei es, weil die Entschlusskraft oder die erforderliche Handlungsfähigkeit fehlt. Woran muss man unbedingt denken, wenn man ein Testament schreibt? Ein eigenhändiges Testament muss von A bis Z von Hand geschrieben, unterzeichnet und datiert sein. Wird dies nicht eingehalten, ist das Testament zwar nicht a priori ungültig, jedoch anfechtbar. Meist wird es auch wegen des Formfehlers angefochten. Wer sein Tes tament nicht selber schreiben kann oder will, kann es von einem Notar abfassen lassen. Wen kann man im Testament berücksichtigen? Grundsätzlich alle natürlichen und juristischen Personen, also auch Stiftungen und gemeinnützige Organisationen wie beispielsweise die Lungenliga Schweiz. Nicht ein setzen darf man hingegen Tiere. Was muss ich beachten, wenn ich eine gemeinnützige Organisation einsetzen möchte? Zunächst erben die sogenannten pflichtteilgeschützten Erben also Nachkom- 14 ERBSCHAFT

15 Informationsbroschüren Die Lungenliga Schweiz hat aktuelle Informationen zum Thema in den Broschüren «Gestalten Sie Zukunft Ratgeber für Testamente und Vermächtnisse», «Vorsorgen und helfen» und «Projekte, die Ihren Namen tragen» zusammengestellt. Sie können diese Broschüren unter oder anfordern. men, überlebende Ehegatten, bei Kinderlosigkeit überlebende Eltern ein gesetzlich festgelegtes Minimum. Der Restteil, die sogenannte disponible Quote, kann beliebig vergeben werden. Berücksichtigt man gemeinnützige Organisationen, kann man oft definieren, wofür das vermachte Geld verwendet werden soll, beispielsweise für die Bereitstellung von Sauerstoff. Ohne eine solche Angabe darf die Organisation das Legat nach eigenem Gutdünken einsetzen. Was kann ich vererben und wie? Alles, was Vermögen darstellt, das heisst was man letztlich «versilbern» kann und zwar als «Erbe» oder als «Legat». Wer ein Erbe ganz oder als Teil annimmt, muss auch eventuelle Verbindlichkeiten des Erblassers und Aufgaben und Entscheidungen bei der Nachlassverwaltung übernehmen, beispielsweise die Räumung der Wohnung. Als Legatnehmer oder Legatnehmerin habe ich Anspruch auf den ausgesetzten Barbetrag oder die mir zugedachte Sache, beispielsweise den antiken Waadtländer Schrank aus dem Wohnzimmer. Gibt es Vorteile, wenn ich eine gemeinnützige Organisation als Legatnehmerin einsetze? Ja! Gemeinnützige Organisationen mit Sitz in der Schweiz sind meist befreit von der Schenkungs- und Erbschaftssteuer. Was Sie einer solchen Organisation lebzeitig oder auf Ihr Ableben zukommen lassen, kann ungekürzt für gute Zwecke eingesetzt werden. Lebzeitige Vergabungen können Sie übrigens in Ihrer Steuererklärung vom Einkommen abziehen. Was motiviert Menschen, eine gemeinnützige Organisation zu berücksichtigen? Viele Menschen denken beim Verfassen des Testaments daran, wer oder was ihnen das Leben erleichtert hat. Wer beispielsweise Probleme mit dem Atmen hat, wird Wert auf den gesicherten Fortbestand der Lungenliga Schweiz legen, damit sie auch anderen Menschen Hilfe und Erleichterung bringen kann. Das ist oft ein wichtiger Grund, diese Organisation zu bedenken. Wo kann man sich umfassend über dieses Thema informieren? Wichtig ist, dass es keine Lösungen «von der Stange» gibt. Darum sollte man sich beispielsweise in einem Notariat beraten lassen. Auf keinen Fall sollte man einfach Lösungs vorschläge aus Zeitschriften abschreiben, denn die entsprechen bei genauerem Hinsehen nicht zu hundert Prozent der eigenen Lage. Herr Pflüger, herzlichen Dank für diese Informationen. r Text: Roswitha Menke, Texterin, Bern Fotos: Roland Blattner, Fotograf, Jegenstorf; ZVG ERBSCHAFT 15

16 Das Churg-Strauss-Syndrom Das «normale» Asthma beschränkt sich auf die Atemwege. In seltenen Fällen kann Asthma jedoch ein Zeichen des Churg-Strauss-Syndroms sein, einer schweren Krankheit, die Organe wie Lungen, Herz, Nieren und Nervensystem befällt. Das Churg-Strauss-Syndrom ist eine chronische, entzündliche Autoimmunkrankheit, bei der das eigene Immunsystem im Körper grossen Schaden anrichtet. Dieses Syndrom zählt zu einer Gruppe von Gefässentzündungen (Vaskulitis), welche die kleinen Blutgefässe betreffen. Der Körper schadet sich selbst Das Churg-Strauss-Syndrom ist eine sehr seltene Krankheit. Jährlich erkranken in der Schweiz etwa 20 bis 30 Menschen daran. Asthmabetroffene trifft es etwas häufiger: von einer Million Asthmatikern leiden etwa 65 am Churg-Strauss-Syndrom. Die genaue Ursache der Krankheit ist noch unbekannt. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die durch eine Infektion oder eine allergische Reaktion hervorgerufen wird. Bestimmte Zellen des Immunsystems (eosinophile Granulozyten und Lymphozyten) richten sich gegen den eigenen Körper. Die Krankheit verläuft in drei Phasen Das Churg-Strauss-Syndrom betrifft in der Regel Menschen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Die Krankheit verläuft oft in drei Phasen, wobei die Krankheitszeichen (Symptome) über die Jahre stärker werden. Das erste Symptom ist in der Regel ein Asthma, das sehr schwere Formen annehmen kann. Die Patientinnen und Patienten leiden unter Husten und Atemnot. Meistens kommt es noch zu Entzündungen des Nasenraums und der Nasennebenhöhlen sowie zur Bildung von Polypen. Diese Symptome treten jedoch auch bei normalem Asthma auf, was die Diagnose des Churg-Strauss-Syndroms schwierig macht. Die zweite Phase beginnt häufig mehrere Jahre nach dem Asthma. In dieser Phase kommt es in verschiedenen Organen zu Entzündungen, vor allem in den Lungen (Bild). Zu den weiteren Symptomen zählen Müdigkeit, Gewichtsverlust, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Krankheit kann noch in eine dritte Phase übergehen, die durch die Entzündung der kleinen Blutgefässe (Vaskulitis) gekennzeichnet ist. Dabei können Gefässe von Herz, Verdauungstrakt, Nieren, Nervensystem und Haut geschädigt oder gar verstopft werden. Diese Schäden können lebensbedrohend sein, besonders wenn sie im Herz vorkommen. Alle drei Krankheitsphasen können sowohl nacheinander ablaufen als auch gleichzeitig auftreten. Schwierige Diagnose Die Kriterien für die Diagnose des Churg- Strauss-Syndroms sind bisher unvollkommen und für eine Früherkennung der Krankheit ungeeignet. Es können zwar Fälle vorkommen, bei denen die Diagnose vermutet wird, meistens fehlen aber weitere Anhaltspunkte, um die Diagnose mit Sicherheit zu stellen. Dennoch müssen diese «möglichen» Fälle als solche erkannt und behandelt werden, damit die Krankheit nicht bis zur Vaskulitis 16 SELTENE LUNGENKRANKHEITEN

17 Eine Computertomographie beim Churg-Strauss-Syndrom: Trübungen auf beiden Seiten lassen auf eine Entzündung der Eosinophilen des Lungengewebes schliessen (Pfeile). fortschreitet und dauerhafte Schäden im Körper ver ursacht. Die Diagnose des Churg-Strauss-Syndroms ist schwierig und erfordert deshalb eine fachärztliche Bewertung. Die verschiedenen Organe, die betroffen sein können, müssen genau untersucht werden. Die Patientinnen und Patienten weisen Merkmale des Asthmas auf; wenn das Churg-Strauss-Syndrom bereits fortgeschritten ist, manchmal auch die Zeichen einer chronischen, verengenden Krankheit der Atemwege (chronische obstruktive Bronchopneumopathie). Anhand einer genauen Lungenuntersuchung erkennt man eine Entzündung und fehlgeleitete Zellen des Immunsystems (eosinophile Granulozyten). Eine Blutuntersuchung zeigt ebenfalls häufig eine Erhöhung der eosinophilen Granulozyten (Hypereosinophilie), abnorme Antikörper (anti-neutrophilenzytoplasma- Antikörper) sowie eine Erhöhung des Immunoglobulins vom Typ E. Dauerhafte Therapie notwendig Die Behandlung des Asthmas bei Patientinnen und Patienten mit dem Churg- Strauss-Syndrom erfolgt mittels Inhalation von entzündungshemmenden Medikamenten (Kortikosteroide) und Medikamenten, die die Atemwege erweitern (Bronchodilatatoren). Häufig müssen diese Substanzen in hoher Dosierung eingesetzt werden. Die anderen Symptome der Krankheit werden in der Regel mit Kortikosteroiden behandelt, die meist eine gute Wirkung zeigen. Die Therapie dauert oft viele Jahre, weil es zu Rückfällen kommen kann, wenn die Behandlung reduziert oder beendet wird. In Fällen, bei denen die Krankheit durch die Medikamente nur schwer zu kontrollieren ist oder lebenswichtige Organe wie Herz, Nieren oder Nervensystem geschädigt sind, werden gleichzeitig auch Immunsuppressiva eingesetzt. Diese Substanzen vermindern die Angriffe des Immunsystems auf den eigenen Körper. Obwohl nach neuen und wirksameren Medikamenten geforscht wird, sind noch bedeutende Fortschritte erforderlich, um das Churg-Strauss-Syndrom zu verstehen sowie Diagnose und Therapie zu verbessern. r Herausgeber und Autor der Serie «Seltene Lungenkrankheiten»: Dr. Romain Lazor, Sprechstunde für interstitielle und seltene Lungenkrankheiten, Abteilung für Pneumologie, Centre Hospitalier Universitaire Vaudois CHUV, Lausanne, Textredaktion: Dr. med. André Lauber, Oftringen Fotos: Oliver Menge, Fotograf, Biel; ZVG SELTENE LUNGENKRANKHEITEN 17

18 Feuer ohne Rauch Holzfeuerungen sind beliebt und effizient. Schlechte Geräte und falsches Bedienen verursachen jedoch Schadstoffe wie Russ, Feinstaub, Kohlenmonoxid und Teer. Solche Emissionen können verhindert und die Atemwege geschont werden. Ein knisterndes Feuer vermittelt Wärme und Behaglichkeit. Immer mehr Personen wünschen sich daher einen Holzofen, oft als Ergänzung zur Zentralheizung. Aber im Winter, bei sogenannten Inversionslagen, reichern sich Schadstoffe unter der Nebeldecke an. Darunter leiden besonders Menschen mit Atemwegserkrankungen. In Wohngegenden, wo viel mit Holz geheizt wird, kann der Russ aus Holzfeuerungen dabei eine dominierende Rolle spielen. Besonders falsch betriebene und veraltete Holzfeuerungen belasten die Umgebung. ABC des richtigen Feuerns Das muss nicht sein. Die aktuelle Luftreinhalteverordnung (LRV) verlangt eine Zertifizierung der Öfen, Cheminées und Holzfeuerungsanlagen und/oder einen Feinstaubabscheider (Filter). Das Feuern mit zugelassenen Öfen ist auch billiger, da weniger Brennstoff verbraucht wird, niedrigere Kaminfegerkosten ent stehen und ein besserer Wirkungsgrad erreicht wird. Ziel der guten Feuerung ist ein praktisch rauchfreies Feuer. Wenige Schritte führen dahin: die Bedienungsanleitung des Ofens lesen; lernen, wie die Luftklappen und die Kaminzugklappe bedient werden; nur naturbelassenes Stückholz, wie Scheiter aus trockenem Nadel- oder Laubholz, sowie bindemittelfreie Briketts aus naturbelassenem Holz verbrennen und richtig anfeuern. Die neue Regel heisst: den Holzstoss oben anzünden und von oben nach unten brennen lassen, wie eine Kerze. Holz nur auf starke Glut nachlegen, nicht ins Feuer. So kann ein Holzofenfeuer ohne grössere Rauchentwicklung und schädliche Emissionen entfacht und betrieben werden. Mehr zum Thema: r Text: Barbara Richiger, Journalistin, Kaufdorf Foto: Oliver Menge, Fotograf, Biel Tipps Brennraum nicht überfüllen, weniger ist mehr. Abstand zwischen den Scheitern zirka 1 cm. Vor dem Start und während des Abbrands: Luftklappen auf maximale Leistung, Kaminschieber ganz geöffnet. Feuer nicht durch teilweises Schliessen der Klappen und Schieber drosseln. Kein Papier und keinen Karton verbrennen, auch nicht als Anzündhilfen. Im Detailhandel sind geeignete Anzündhilfen wie beispielsweise wachsgetränkte Holzwolle erhältlich. 18 INNEN-/AUSSENLUFT

19 Wertvolle Unterstützung Wichtige Dienstleistungen aus dem breiten Leistungsspektrum der Lungenliga können dank Spenden und Erbschaften auf in Zukunft erbracht werden. Ein ganz herzliches Dankeschön allen Spenderinnen und Spendern. Schweizer Frauenlauf: Franken Am Sonntag, 14. Juni 2009, starteten rund Sportlerinnen am 23. Schweizer Frauenlauf in Bern und unterstützten damit Menschen mit Atembehinderungen. Denn pro Teilnehmerin spendete der Schweizer Frauenlauf einen Franken an die Lungenliga Schweiz. So sind Franken zusammengekommen. Die Lungenliga dankt allen Läuferinnen herzlich für ihr Engagement. Ursula Luder, Leiterin Marketing, Kommunikation und Fundraising der Lungenliga Schweiz, konnte den Check auf dem Bundesplatz in Bern von Catherine Imhof, Projektleiterin Schweizer Frauenlauf, in Empfang nehmen. Die Lungenliga Schweiz setzt das Geld für asthmakranke Menschen ein. Ein wichtiges Ziel der Informa tionsarbeit ist, Asthmabetroffenen zu zeigen, dass sie mit einer guten Asthmakontrolle Sport treiben können wie alle anderen. Mitarbeitendenumfrage für einen guten Zweck Das Einrichtungsfachhaus Pfister führt bei seinen Mitarbeitenden regelmässig Befragungen durch. Für jeden Fragebogen, der zurückgeschickt wird, spendet Pfister fünf Franken für einen guten Zweck. Bei der letzten Umfrage hat Pfister die Lungenliga Schweiz berücksichtigt und 5130 Franken für Atembehinderte und Lungenkranke überwiesen. Wir bedanken uns herzlich! r SPENDEN 19

20 So fühlt sich ein Asthma-Anfall an. Gut zu wissen Die Lungenliga ist aktiv in Sachen Information und Prävention und organisiert laufend Kurse und Anlässe für Betroffene mit einer Atembehinderung oder einer Lungenkrankheit. Abstimmung über die Zusatzfinanzierung der Invalidenversicherung Am 27. September 2009 wird über die IV- Zusatzfinanzierung abgestimmt. Es geht um eine zeitlich begrenzte Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozent, die gemeinsam mit weiteren Massnahmen die IV langfristig sanieren soll, damit unsere IV sichergestellt bleibt. Die Behindertenund Gesundheitsorganisationen Schweiz haben die Kampagne «JA zur IV-Zusatzfinanzierung am 27. September 2009» lanciert. Die Lungenliga Schweiz unterstützt diese Kampagne, um die Interessen der Atemwegs- und Lungenerkrankten zu vertreten. Mehr zur Abstimmung über die IV-Zusatzfinanzierung: Neue Sauerstofftankstellen Menschen mit schweren Atembehinderungen sind auf dauernde Sauerstoffzufuhr angewiesen. Mit mobilen Geräten können sie sich auch ausserhalb ihrer Wohnung bewegen. Dank den Sauerstofftankstellen haben die Betroffenen die Möglichkeit, die mobilen Geräte auch unterwegs aufzufüllen. Bereits gibt es in neun Städten Standorte (Basel, Bern, Lausanne, Luzern, Neuchâtel, St. Gallen, Winterthur, Zug und Zürich). Das Tankstellennetz soll schrittweise weiter ausgebaut werden. In einem ersten Schritt entstehen in den Kantonen Genf, Wallis, Tessin und Graubünden neue Standorte. Das Auffüllen der Sauerstoffbehälter in den Tankstellen ist für die Betroffenen kostenlos. Die genauen Adressen der Sauerstofftankstellen finden Sie unter: > Therapien & Angebote > Langfristige Sauerstofftherapie > Sauerstofftankstellen 20 AKTUELL

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