Familienpolitiken in West-Europa

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1 Familienpolitiken in West-Europa Widersprüche und Herausforderungen Prof. Dr. Ute Gerhard Frankfurt/Bremen

2 Familienpolitiken in West-Europa Gliederung: 1. Typologien und Regime zum Vergleich 2. Der Strukturwandel der Familie in Europa 3. Familienpolitiken in verschiedenen Rechtskreisen Frankreich Großbritannien Deutschland Schweden 4. Resümee und aktuelle Herausforderungen Prof. Dr. Ute Gerhard 2

3 Typologien und Modelle im Vergleich Wohlfartsregime - Gosta Esping-Andersen: Konservativ-korporatistisch: Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien Liberal: Großbritannien, Irland, Kanada und USA Sozialdemokratisch: Schweden, Dänemark, Norwegen Modelle nach Anne Hélène Gauthier: Pro-natalistisch: z.b. Frankreich Liberal: die angelsächsischen Modelle Konservativ: z.b. Deutschland Hybride Formen Traditional und Familiennetzwerke: Südeuropa, z.b. Italien Prof. Dr. Ute Gerhard 3

4 Der Strukturwandel der Familie in Europa Europäische Trends: Vielfalt der Familienformen, historisch nicht neu Rückgang der Geburtenzahlen Zunahme der Ehescheidungen, Abnahme der Eheschließungen Zunahme der nicht ehelichen Kinder Anerkennung alternativer Formen der Partnerschaft und Bedeutungsverlust der Ehe Ablösung des männlichen Ernährermodells Prof. Dr. Ute Gerhard 4

5 Strukturwandel der Familie in Europa Zwischenfazit: Nicht nur Pluralisierung, sondern auch Polarisierung zwischen den privaten Lebensformen mit und ohne Kinder Die Länder mit höchsten Frauenerwerbsquoten sind zugleich Länder mit höchsten Geburtenraten Prof. Dr. Ute Gerhard 5

6 3. Wohlfahrtsregime und Rechtskreise Frankreich: Rigider Patriarchalismus des Code civil Uneingeschränkte väterliche Gewalt Keine Rechte der nicht ehelichen Kinder und Mütter Mutterschaft im republikanischen Staatsverständnis Erziehung durch den Staat: Frühkindliche Erziehung und Ganztagsschulen Pro-natalistische Familienpolitik als gesellschaftlicher Konsens Prof. Dr. Ute Gerhard 6

7 Wohlfahrtsregime und Rechtskreise Großbritannien: Liberales residuales Wohlfahrtsregime zur Armutsprävention Von der Heirat als bürgerlicher Tod zu den Eigentumsrechten der Ehefrau (Married Women Property Acts) Common law: Von der Ehe als Institution zum nur privatrechtlichen Vertrag Marriage Bills 1937 und Frauenförderung und Kinderarmut Prof. Dr. Ute Gerhard 7

8 Wohlfahrtsregime und Rechtskreise Deutschland: Sozialer Sicherung der Lohnarbeit - korporatistisch Spaltung des Sozialstaats in Arbeiter- und Armutspolitik Ehe als Institution Gleichberechtigungsschritte: 1949, 1953, 1957, 1977 Familienernährer und Ehegattensplitting Gliederung des Schulsystems und Halbtagsschule Widersprüche : Gleiche Rechte der Kinder 1998, Elterngeld 2006, Unterhaltsrecht 2008, Rechtsanspruch auf Krippenplatz Bis 1990: Konkurrierende Systeme in Ost- und Westdeutschland Prof. Dr. Ute Gerhard 8

9 Wohlfahrtsregime und Rechtskreise Schweden: Konsequente Gleichstellungspolitik seit den 1960er Jahren Individualisierung im Familien- und Sozialrecht Politisierung der Kinderbetreuung: Infrastruktur zur Betreuung und Pflege Die Entwicklung zum nordischen Eherechtsmodell Geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes trotz frauenfreundlichem Wohlfahrtsstaat Prof. Dr. Ute Gerhard 9

10 4. Resümee und aktuelle Herausforderungen Gemeinsamer Trend: Convergence towards diversity Länderspezifische Pfade der Entwicklung und des Rechts Geschlechtergerechte Teilung der Arbeit und der Sorge für andere als politische Herausforderung Bemerkenswerte Initiativen zur Politisierung von Care: Europäische Frauenlobby (www.womenlobby.org) Europäische Sozial Plattform (www.socialplatform.org/whatwe-do/overarching-compaigns/care) Wissenschaftlerinnen-Initiative Care.Macht.Mehr und Unbedingt unterschreiben!!!! Prof. Dr. Ute Gerhard 10

11 Bibliographische Angaben Der Vortrag beruht auf dem Aufsatz: Family Law and Gender Equality: Comparing Family Policies in Post-war Western Europe, in: Karen Hagemann/ Konrad Jarausch/ Christina Allemann-Ghionda (Eds.), Time Policies: Child Care and Primary Education in Post-war Europe, 2011: New York/Oxford. Berghahn Books, Demnächst auf Deutsch: Familienrecht und Geschlechtergerechtigkeit: Familienpolitiken nach 1945 im westeuropäischen Vergleich, erscheint in: Karen Hagemann und Konrad H. Jarausch (Hg.), Halbtags oder Ganztags? Zeitpolitiken nach 1945 im europäischen Vergleich, Weinheim, Beltz-Juventa 2013 In beiden Texten zu Osteuropa: Jacqueline Heinen Vgl. auch: Erwerbstätige Mütter. Ein europäischer Vergleich, Ute Gerhard/Trudie Knijn/Anja Weckwert (Hg.), München 2003: Beck Prof. Dr. Ute Gerhard 11

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