Das Magazin für Interim Management Ausgabe 18 Oktober Umdenken

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1 Umdenken

2 Umdenken A Revolution in der globalen Wirtschaft Ein Essay von Jeremy Rifkin A Die Digitalisierung revolutioniert alles. Deutschland hat einen Startteil. Ein Gastbeitrag von Siemens-Chef Joe Kaeser A Was zeichnet die Führungskraft von morgen aus? Franz Kühmayer fasst die Ergebnisse aus dem aktuellen Leadership-Report zusammen. A Wellen im Netz Ein Interview mit Achim Berg, Vorstandssitzender von Arvato A Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Hans Vestberg, Präsident und CEO von Ericsson, im Interview A Big Data im Sport A Die Zukunft des Fahrens Das wird uns morgen bewegen Frank M. Rinderknecht, Gründer und CEO der Rinspeed AG, im Interview mit A A CEWE Leiter Marketing CEWE Leiter Produktversorgungssystem A Umdenken in der Branche die Beraterwelt ist stark im Umbruch Ein Fachbeitrag von Rainer Nagel Was unterscheidet den Unternehmensberater vom Interim Manager? Ein Fachbeitrag von Dr. Wolfgang Thost und Dr. Rodrigo Isidor A Innovationsmanagement im Maschinen- und Anlagenbau Mittel zur Differenzierung Ein Fachbeitrag von Bernhard Brinkmann A Atreus weiter auf Wachstumskurs A A erweitert das Angebot A A partnership Lounge im Industrie-Club Düsseldorf Atreus auf dem Auto-Gipfel 2014 Fortschritt durch Veränderung Atreus auf der GlobalConnect Messe in Stuttgart A women erfolgreich gestartet

3 Liebes Atreus Netzwerk, Digitalisierung und das Internet der Dinge dringen in alle Lebensbereiche, verändern unseren Alltag und krempeln Denkweisen und vertraute Strukturen um. Sie fordern neue Herangehensweisen, denn selbst die erfolgreichsten Geschäftsmodelle können morgen schon überholt sein. Was genau passiert um uns herum? Müssen wir alle lernen umzudenken? Die Zukunft hat begonnen, schreibt Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG, in seinem Gastbeitrag. Die virtuelle Welt verschmelze mit der realen Welt der Produktentstehung. Das verändere alles. Der Buchautor und Berater der Europäischen Union Jeremy Rifkin sagt, die digitale Ökonomie sei der Beginn einer Revolution in der globalen Wirtschaft. Die Arbeitsweisen fast aller Industrien werden sich wandeln. Franz Kühmayer, Trendforscher am Zukunftsinstitut, beantwortet für A die Frage, was die Führungskraft der Zukunft auszeichnen wird. Achim Berg, Vorstandssitzender von Arvato, und Hans Vestberg, der CEO von Ericsson geben einen Ausblick auf den Einfluss der Digitalisierung in ihrer Sparte. Atreus stellt sich auf die vielschichtigen Herausforderungen des Wandels ein und liefert mit seiner konsequenten Ausrichtung als Netzwerkunternehmen und dem weiteren Ausbau der Atreus Solution Groups bereits heute eine konkrete Antwort auf die Herausforderungen seiner Kundenunternehmen. Wir laden Sie recht herzlich ein, aktiv an unserem Netzwerk teilzunehmen: im Rahmen unserer neuen Veranstaltungsreihe für Kunden und die Atreus Solution Experten, der A partnership Lounge, oder besuchen Sie unsere Workshop-Angebote für Führungskräfte der A. Ihr Rainer Nagel Managing Partner

4 Revolution in der globalen Wirtschaft WLAN CHANGE RICHTUNGSWECHSEL ökonomische Chancen Big Data Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten Die Digitalisierung des europäischen Raums ist weit mehr als das Verfügbarmachen von nahtlosem Breitband, einem zuverlässigen WLAN und dem Fluss von Big Data. Die digitale Ökonomie ist der Beginn einer Revolution in der globalen Wirtschaft. Sie verändert die Arbeitsweise fast aller Industrien, und damit einher gehen einmalige ökonomische Chancen und Geschäftsmodelle. Ein Essay von Jeremy Rifkin

5 Der Weg ins digitale Europa Was die große ökonomische Umwälzung antreibt, ist das noch nie da gewesene Phänomen der Grenzkosten von nahezu null, das mit der Digitalisierung der globalen Wirtschaft einhergeht. Grenzkosten sind diejenigen Kosten, die bei der Produktion von zusätzlichen Einheiten eines Gutes oder einer Dienstleistung anfallen, wenn die Fixkosten außer Acht bleiben. Die technische Revolution führt zu einer extremen Produktivität und bewirkt bei Grenzkosten nahe null, so dass Informationen, Energie und viele physische Güter und Dienstleistungen fast kostenfrei und im Überfluss erhältlich und nicht mehr Gegenstand von Markttransaktionen sind. Das ist zurzeit im Entstehen begriffen. Das Phänomen der Nahezu-null-Grenzkosten hat bereits im vergangenen Jahrzehnt die Grundlagen der Informationsindustrie verändert. Millionen von Nutzern wurden zu sogenannten Prosumern, denn sie nutzten das Internet, indem sie ihre eigene Musik produzierten und durch Shareware mit anderen teilten, ihre Jeremy Rifkin ist der Autor des Buches Die Null- Grenzkosten-Gesellschaft: Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus. Rifkin ist als Berater für die Europäische Union und weltweit für Staats- und Regierungschefs tätig. Er ist der Präsident der Stiftung für Ökonomische Trends mit Sitz in Washington DC. Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft von Jeremy Rifkin Essay Der Weg ins digitale Europa Link zur Buchbestellung Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

6 Inzwischen zeichnet sich eine neue technische Revolution ab, die es Millionen und bald Hunderten von Millionen Prosumern erlauben wird, ihre eigene erneuerbare Energie herzustellen und zu teilen. eigenen Videos auf Youtube stellten, Wikipedia um ihre Erkenntnisse bereicherten, ihre Nachrichten über Social Media veröffentlichten und sogar E-Books über das World Wide Web publizierten und das fast zum Nulltarif. [...] Inzwischen zeichnet sich eine neue technische Revolution ab, die es Millionen und bald Hunderten von Millionen Prosumern erlauben wird, ihre eigene erneuerbare Energie herzustellen und zu teilen. Eine steigende Anzahl von physischen Gütern lässt sich zu Grenzkosten von nahezu null auf 3D-Druckern herstellen. Dort entsteht eine partizipative digitale Ökonomie, wie es sie im Bereich der Informationsgüter bereits gibt. Um zu verstehen, wie tief greifend dieser Wandel ist, müssen wir die technischen Antriebskräfte kennen, die neuen wirtschaftlichen Systemen im Laufe der Geschichte zum Aufschwung verholfen haben. Jedes wichtige ökonomische Paradigma erfordert drei Elemente, die untereinander verbunden sind: ein Kommunikationsmedium, eine Energiequelle und einen Transportmechanismus. Ohne Kommunikation können wir wirtschaftliche Tätigkeiten nicht realisieren. Ohne Energie findet kein Wirtschaften statt. Ohne Logistik und Transport gibt es keine Wertschöpfungskette. Zusammen bilden diese drei das, was Ökonomen eine Technologieplattform nennen. Heute trifft das Kommunikations-Internet mit einem digitalisierten erneuerbaren Energie-Internet und einem digitalisierten Logistik- und Transport-Internet zusammen. Sie verschmelzen zu einem Super-Internet der Dinge, und diese Plattform ist das Fundament für eine dritte industrielle Revolution. [...] Artikel weiterlesen Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

7 Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten Das Magazin für Interim Management Die Digitalisierung revolutioniert alles. Deutschland hat einen Startteil. Ein Gastbeitrag von Siemens-Chef Joe Kaeser

8 Und wir sind nicht nur Traditionalisten, sondern längst auch Digitalisierer : Bei einem Unternehmen wie etwa Siemens arbeiten Software-Ingenieure. Wir stehen einer neuen Gründerzeit Wir erleben heute einen so tief greifenden technologischen Wandel wie seit fast einem halben Jahrhundert nicht mehr. Die Digitalisierung verändert mit atemberaubender Geschwindigkeit unsere Lebensbereiche. Sie verändert damit auch die Wirtschaft. Digitalisierung verkürzt die Wertschöpfungsketten. Jedes Glied in der Kette, das keinen Wert schafft, fällt heraus. Dieser radikale Wandel, getrieben durch Big Data, Cloud-Computing und das Internet der Dinge, beeinflusst auch die industrielle Fertigung. Nach der Mechanisierung der Fertigung im 18. Jahrhundert durch die Dampfmaschine, der arbeitsteiligen Massenproduktion durch das Fließband und dem Einsatz von Elektronik und IT zur Automatisierung in den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts stehen wir wieder einer industriellen Revolution. Sie ist die vierte in der Reihe: Industrie 4.0. Die virtuelle Welt verschmilzt mit der realen Welt der Produktentstehung. Diese neue Welt ist ein ganzheitliches System, in das alle Prozesse integriert sind: Produkte sind mithilfe von Sensoren und Chips identifizierbar, lokalisierbar, sie kennen ihre Historie, ihren aktuellen Zustand und ihren Zielzustand. Es entsteht ein lückenloses, sich stetig optimierendes Netzwerk. Industrie 4.0 ist zwar eine Revolution, aber eine, die evolutionär vonstatten geht und sich über Jahre hinziehen wird. Ein Unternehmen wie Siemens kann schon heute ein Portfolio von industrieller Software und Automatisierungssystemen anbieten, die Digital Enterprise Platform, durch die Produktentstehungsprozesse flexibilisiert und beschleunigt und einige der Industrie-4.0-Ziele schon jetzt erreicht werden. In unserem Elektronikwerk in Amberg sind wichtige Komponenten von Industrie 4.0 bereits zu beobachten. Das Ergebnis: Die Zuverlässigkeit bei der Produktion elektronischer Schaltungen liegt bei 99,9988 Prozent, ein unübertroffener Wert. Amberg ist auch Beweis dafür, dass die Fabrik der Zukunft nicht menschenleer sein wird. Die Bedeutung des Menschen wird sogar zunehmen: Im kreativen Bereich der Produktentstehung bleibt die menschliche Intelligenz ohnehin unverzichtbar. Aber auch auf operativer Ebene werden Arbeitnehmer weiter eine zentrale Rolle spielen, allerdings eher als Steuerer, kreative Planer und Überwacher. [ ] Artikel weiterlesen Vita Joe Kaeser Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

9 Fotocredit: Zukunftsinstitut Leadership Innovation Was zeichnet die Führungskraft von morgen aus? Die Grenzen in den Unternehmen, die früher sehr klar gezeichnet waren, lösen sich immer stärker auf. Franz Kühmayer, Trendforscher an Europas führendem Thinktank, fasst für A die Ergebnisse aus dem aktuellen Leadership-Report des Zukunftsinstituts zusammen.

10 Fotocredit: Zukunftsinstitut Die empathische und reflektierte Persönlichkeit 1 Wir nehmen auf eine gewisse Art Abschied vom Heldentum, das wir in der Vergangenheit erlebt haben. Führungskraft war derjenige und ich sag jetzt bewusst derjenige, der ausschreitet und dem alle anderen folgen. Diesen Führungsstil bezeichnen wir inzwischen als postheroisches Management. Gefragt ist nicht mehr der unfehlbare Manager an der Spitze der Organisation, sondern eher derjenige, der Veränderung und Gestaltung aus der Mitte des Unternehmens heraus begreift und umsetzt. Die Unternehmensform der Zukunft: Das Netzwerk Das Netzwerk ist die Unternehmensform der Zukunft. Der Begriff der Wertschöpfungskette, der sehr linear gedacht ist, ist ein Begriff aus dem 20. Jahrhundert und dort sehr gut aufgehoben. Inzwischen arbeiten wir in Netzwerken, in denen sich die Rollen verändern. Ein gutes Beispiel sind Innovationsprozesse. Das Rollenbild des Kunden, so wie wir es in der Vergangenheit kannten, als Empfänger eines Produkts oder einer Leistung, die ich anbiete, löst sich auf hin zu jemandem, der nicht mehr nur empfängt, sondern auch mitgestaltet. Wir bewegen uns in einer Netzwerkstruktur. Hinzu kommt, dass sich Unterneh- men dynamisch verändern. Wenn mehr Arbeit da ist, wird die Organisation größer, wenn weniger Arbeit da ist, wird die Organisation kleiner. So werden sich die Unternehmen immer stärker eines Netzwerks bedienen. Die Frage, wer ist eigentlich der Mitarbeiter, wird nicht mehr so einfach zu beantworten sein. Ein Mitarbeiter kann beispielsweise bei einem Lieferanten arbeiten und gemeinsam mit Mitarbeitern von mir ein Produkt weiterentwickeln, es kann ein externer Manager sein, Partner etc. Die Grenzen in den Unternehmen, die früher sehr klar gezeichnet waren, lösen sich immer stärker auf. Das heißt: In der Zukunft werden soziale Kompetenzen sehr stark gefragt sein, die nur über Beziehungsmanagement zu spielen sind.

11 Das Magazin für Interim Management Interim Management, unabhängig davon, wie man es in Zukunft bezeichnet, wird gang und gäbe sein. Dementsprechend bedeutet Unternehmensbindung nicht mehr Dauerhaftigkeit, sondern eher Intensität. Franz Kühmayer 2 Kontrollverlust akzeptieren E in entscheidender Erfolgsfaktor der Arbeitswelt, in die wir hineinstreben, hat mit Vertrauen in Mitarbeiter und Vertrauen in die Organisation zu tun, verbunden mit einer ganz klaren Ergebnisorientierung. Damit sich die Fähigkeiten und Potenziale der Mitarbeiter entfalten können, wird ihnen ein größerer Gestaltungsspielraum eingeräumt, als das in der Vergangenheit der Fall war. Dabei wird selbstver- Franz Kühmayer Leadership Report 2015 August 2014, 120 Seiten Verlag Zukunftsinstitut ISBN: Leadership Report Leseprobe ständlich kritisches Feedback gegeben und Ergebnisse werden eingefordert. Führungskräfte müssen also auch einen Kontrollverlust akzeptieren, dass sie nicht immer über alles ganz genau informiert sind. 3 Lust auf Neues G erade in dem Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise habe ich ein gewisses Maß an Mutlosigkeit, an Sicherheitsdenken beobachtet. Wer jetzt mutig nach ne schreiten will, muss diese eingefahrenen Pfade verlassen. Es braucht Mut, sich dem Abenteuer Wirtschaft zu stellen. Wirtschaft ist immer risikobehaftet, und gerade wenn es um Führung geht, nicht nur um Management, dann Fotocredit: Zukunftsinstitut

12 Das Magazin für Interim Management geht es darum, Dinge zu gestalten und nicht nur zu verwalten. An dieser Stelle sind Führungskräfte besonders gefordert, sich ganz gezielt zu fragen, in welche neuen Märkte das Unternehmen eintreten will, welche neuen Themen sie angehen wollen und aus den eingefahrenen Pfaden ausbrechen. 4 Professionelles Change Management Welche Rolle nehmen künftig klas sische Strategieberater ein? In einem Zeitalter, in dem permanente Verän derung eine Konstante geworden ist, sodass professionelles Change Management nicht mehr als Leistung extern eingekauft wird. Professionelles Change Management ist eine Kompetenz, die Führungskräfte per se mitbringen. Sie müssen Change Manager sein, müssen die Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens halten können, müssen Veränderungen professionell führen können. Das ist das Handwerkszeug der Zukunft. 5 6 Kulturleadership die Anziehungskraft des Unternehmens Persönliche Entwicklung Beispiel: Apple bringt ein neues Telefon heraus. Die Leute stehen auf der Straße Schlange, um dieses Telefon als Erste kaufen zu können. Das ist die richtige Betrachtung einer Führungskraft, eine wichtige Leitfrage: Was muss ich tun, dass bei mir Partner, Lieferanten, Mitarbeiter oder Kandidaten Schlange stehen, um mit mir arbeiten zu können? Wie schaffe ich es, die Anziehungskraft und die Identität des Unternehmens nach innen und nach außen massiv in den Vordergrund zu stellen? E xzellente Führungskräfte nehmen auch die persönliche Herausforderung an, selbst zu wachsen. Wenn die Strategie einmal feststeht, lautet die Frage, wie sie sich, ihr Team und ihr Unternehmen zum nächsten Level bringen können? Halten Sie inne und fragen Sie sich: Welche Aspekte meiner Führung müssen besser werden, um die Ziele zu erreichen? Welche Unterstützung werde ich brauchen? Resiliente Systeme kombinieren hierarchische Strukturen und Netzwerkstrukturen, geben so im Normalfall Sicherheit und im Ernstfall die Chance, schnell zu handeln. Fotocredit: Zukunftsinstitut

13 Ein Interview mit Achim Berg, Vorstandssitzender von Arvato Wellen im Netz Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten Es wird nicht mehr lange dauern, dann kommen viele Ersatzteile aus dem Drucker. Das hat auch Folgen für Arvato, denn es stellt die ganze Logistikkette auf den Kopf.

14 Wir sind einer der führenden Technologie-Dienstleister der Welt. Herr Berg, Sie gelten als Vorzeige- Digitaler unter Deutschlands Managern und Unternehmenslenkern. Zeigen Sie uns mal, wie viele Geräte Sie gerade dabei haben?«klar, gerne. Meistens sind es fünf: Haupt- Handy, Reserve-Handy, ipod, Notebook und eine Uhr mit einer SIM-Karte, auf die ich interessante Android-Apps herunterladen kann. Zum Beispiel die App Runtastic, die via GPS meine Trainingsläufe dokumentiert. Ich habe ein Interesse daran, zu verstehen, was in Sachen Technik gerade kommt und welche Trends sich entwickeln. Dazu muss ich auch Dinge wie Nikes Fuelband oder eben diese Uhr selbst ausprobieren, um zu verstehen, wohin die digitale Transformation geht. Wie hat es Sie als digitalen Transformator dann zu Arvato verschlagen, einem Moloch, den viele nur als analogen Drucker und Vertriebsriesen kennen?«arvato kommt aus dem Buchversand und Druck. Aber heute ist Arvato etwas ganz anderes, wir sind einer der führenden Technologie-Dienstleister der Welt. Wir machen alles, von Druck und Logistik über Callcenter und Web-Shop bis zum Betrieb von Rechenzentren und Finanzdienstleistungen. Durch die Digitalisie- rung steckt in diesem Sektor viel mehr Dynamik als in Märkten wie Telekommunikation oder Software, in denen ich her tätig war. Was ist an Dienstleistung digital?«alles der komplette Sektor ist massiv IT- und technologiegetrieben. Nur ein Beispiel: Früher haben wir Benutzerhandbücher für unsere Kunden aus der Autobranche konzipiert, zusammengestellt und gedruckt. Heute entwickeln und produzieren wir gleichzeitig die entsprechende App für die Autokäufer. Oder nehmen Sie die Logistik: Die entwickeln wir seit geraumer Zeit in Richtung Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

15 Durch die Digitalisierung steckt in diesem Sektor viel mehr Dynamik als in Märkten wie Telekommunikation oder Software. E-Commerce weiter und sind seit der Übernahme von Netrada 2013 Europas größter Betreiber von Web-Shops für die Mode- und Lifestylebranche. Es klingt trotzdem nach Old School, wenn Sie als Digital-Prediger in Gütersloh feierlich eine neue 20 Millionen Euro teure Offset-Druckmaschine in Betrieb setzen.«das ist immerhin die modernste der Welt. Die druckt nicht nur blitzschnell Kataloge, sie kann auch Flyer, Beileger, auf die der Einzelhandel sehr stark setzt. Wenn wir schon die größte und modernste Offset-Druckerei Europas haben, müssen wir immer wieder investieren, um den Vorsprung zu halten. Maschinen wie diese bringen uns Kostenteile und helfen uns, neue große Aufträge anzunehmen......wie etwa den prestigeträchtigen Druckauftrag des Spiegels, der Arvato angeblich 24 Millionen Euro Umsatz im Jahr beschert. Aber steckt denn etwa im Katalogdruck noch Wachstum, wenn der E-Commerce so stark boomt?«1000-seiten-wälzer haben keine Zukunft. Stattdessen entwickelt sich aber gerade eine Mischung aus Magazin und Katalog sehr gut. Wir haben festgestellt, dass selbst Online-Verkäufe erst dann richtig abgehen, wenn ein Offline-Katalog danebenliegt. Irritiert Sie das nicht?«nein, für viele Käufer ist es offenbar spannend, einen Katalog durchzublättern und Dinge gedruckt sich zu sehen. Das gilt für alle Altersstufen. Nehmen Sie den Versender Zalando warum lassen die wohl einen Katalog? Es geht um das Erlebnis, sich hinzusetzen und zu schmökern. Deshalb wird sich der gedruckte Katalog noch lange halten. Aber gleichzeitig müssen wir in allen Berei- Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

16 chen ausahnen, was kommt. Nehmen Sie das Thema 3-D-Druck, es ist vielleicht noch etwas früh, aber wir müssen uns damit beschäftigen. Warum?«Es wird nicht mehr lange dauern, dann kommen viele Ersatzteile aus dem Drucker. Das hat auch Folgen für Arvato, denn es stellt die ganze Logistikkette auf den Kopf. Wir müssen uns dann 3-D-Drucker in unsere Lager stellen, weil kleine Losgrößen nicht mehr produziert und gelagert, sondern nach Bedarf ausgedruckt werden. Auf solche Entwicklungen müssen wir sehr flexibel reagieren können. Haben Sie deshalb Arvato komplett umgebaut und von 23 Einheiten auf nur noch sieben Säulen vereinfacht?«ja. Die neue Struktur bringt uns größere Flexibilität. Vorher waren viele Teile des Konzerns stark in sich abgeschlossen, und die Zusammenarbeit war sehr kompliziert. Jetzt gibt es eine Geschäftsführung etwa über dem ganzen Bereich Logistik, die das Zusammenspiel koordiniert. [...] Vita Achim Berg Der Transformator. Achim Berg, 50, ist seit April 2013 Vorstandssitzender von Arvato. Der Diplom-Informatiker war seit 2007 Deutschland-Chef des Software - riesen Microsoft, ehe er 2010 in die Konzernzentrale nach Redmond wechselte, wo er weltweit Vertrieb und Marketing des Windows Phone verantwortete. Da war der Rheinländer fünf Jahre bei der Festnetzsparte der Deutschen Telekom Vorstand für Vertrieb und Service. Neu ist der Bereich Digital Marketing eröffnet Arvato eigene Werbeagenturen?«Nein, die Idee ist eine andere: Es dürfte in Deutschland kaum ein anderes Unternehmen geben, das über ähnlich viele Konsumenten- und Marketingdaten verfügt wie Arvato. Nehmen Sie allein die Versanddaten aus der Logistik, die Finanzdaten über Kunden oder die Informationen aus Kundenbindungsprogrammen wie Webmiles. Wir verschaffen uns gerade einen Überblick, auf welchem Schatz wir da sitzen, wie wir diese Daten verknüpfen können und welche Restriktionen für die Nutzung existieren. Und das machen wir quer durch den ganzen Bertelsmann-Konzern. [...] Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

17 Das Magazin für Interim Management Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, einer Technologie. In zehn Jahren werden wir genauer wissen, was wir wirklich brauchen, was für jeden Einzelnen wichtig ist und was nicht. Hans Vestberg, Präsident und CEO von Ericsson, im Interview. Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

18 Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Herr Vestberg, haben Sie heute über Ihr Handy kontrolliert, ob die Heizung zu Hause richtig eingestellt ist?«nein, das habe ich nicht. Ich hatte einfach keine Zeit dafür. Aber ich hätte es machen können. wichtig, und ich kann damit mein tägliches Leben vereinfachen. Benutzen Sie auch Cloud-Dienste?«Ja, manchmal. Ich habe damit kein Problem, aber man sollte sichtig sein. Vita Hans Vestberg Videoprofil Hans Vestberg Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten Wie viele vernetzte Geräte besitzen Sie?«Als ich das letzte Mal nachzählte, waren es zehn. Ich überprüfe mit ihnen zum Beispiel mein Gewicht, meine Kondition, einige Sachen in meinem Haus, in meinem Wagen. Für mich sind solche Dinge Sie würden also nicht unbedingt Ihre PIN-Codes für die Kreditkarte oder Passwörter dort abspeichern?«nein, das würde ich nicht machen. In einer immer stärker vernetzten Welt sollte jeder darüber nachdenken, was er wo von sich preisgibt. Ich habe das gemacht und meine Entscheidung getroffen. Sicherheit ist auch wichtig für Mobilfunknetze.«Nun, wir arbeiten seit vielen, vielen Jahren sehr intensiv an der Sicherheit in unseren Netzen. Heute kann ich sagen,

19 Bis 2018 haben wir 50 Milliarden vernetzte Geräte auf der Welt. dass wir sehr zuverlässige Netze haben, sowohl für den Sprach- als auch für den Datenverkehr. Aber wir dürfen nicht nachlassen und müssen ständig weiterarbeiten. Die Zeiten haben sich verändert. Vor 20 Jahren war das, worüber wir heute diskutieren, kein Thema. Und ich denke, in den kommenden zehn bis 15 Jahren werden solche Fragen noch wichtiger, denn die Infrastruktur wird immer komplexer. Wie meinen Sie das?«wir werden künftig nicht nur eine physische Infrastruktur haben, sondern auch eine virale oder softwarebasierte. Deshalb werden diese Fragen immer wichtiger. Und ein Konzern wie Ericsson, der in 180 Ländern der Welt arbeitet, muss sich immer fragen, ob das, was zehn Jahren okay war, auch heute noch okay ist. [ ] Sicherheit Netze der Zukunft Zuverlässigkeit Entwicklung virale Infrastruktur Sie haben 2013 gesagt, dass wir bis 2018 etwa 50 Milliarden vernetzte Geräte auf der Welt haben werden. Was bedeutet das für Ericsson?«Das heißt ganz konkret, dass die Netze, die wir bauen und verkaufen, mit diesen 50 Milliarden Geräten klarkommen müssen. Heute müssen sie mit den Geräten von einzelnen Menschen kommunizieren, künftig aber auch beispielsweise mit Autos. Dafür brauchen wir Netze, die mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen klarkommen. Welche unterschiedlichen Anforderungen meinen Sie?«Nun, wenn ein Auto nachfolgenden Fahrzeugen eine Gefahrenwarnung sendet, muss das verzögerungsfrei geschehen. Oder nehmen Sie eine Flugzeugturbine. Die wird Terabytes an Daten senden, damit die Techniker wissen, dass die Maschine wieder starten kann. Dafür wird Bandbreite benötigt. Oder in Zukunft eine Sonde im Körper, die Ihre Herzfrequenz misst und Anzeichen für einen Infarkt innerhalb der nächsten 15 Minuten feststellt. Diese Daten muss der Arzt sofort haben. Andere Daten wie etwa irgendeine SMS, die verschickt wird, oder ein Video darf dann nicht dieselbe Priorität im Netz genießen. Das ist die Herausforderung für unsere Techniker, all das in die Netze zu implementieren. Wo wird sich das Internet der Dinge zuerst durchsetzen?«wir haben ja bereits für den normalen Verbraucher vernetzte Uhren und Fitnessarmbänder gesehen. Der nächste große Bereich sind Autos. Es gibt wohl keinen einzigen Autohersteller auf der Welt, der nicht sagt, sein Wagen sei ein großes Smartphone. Sie alle wollen jetzt Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

20 vernetzte Unterhaltungssysteme im Wagen anbieten. Wichtiger noch ist die Übermittlung aktiver Informationen an den Fahrer wie etwa Umleitungen und passiver Informationen wie Motor- oder Wartungsdaten, die zum Beispiel an die Werkstatt gesendet werden. Und wie sieht es im professionellen Bereich aus?«im Gesundheitsbereich sehen wir derzeit immer mehr vernetzte mobile Diagnosegeräte für die Patientenüberwachung. Und das ist nur der Anfang. Denken Sie an intelligente Stromnetze: Wir werden immer mehr Geräte sehen, die Informationen über die Mobilfunknetze senden. Fragen Sie sich eigentlich manchmal, ob wir das alles brauchen?«zukunftsweisende Netze Internet der Dinge intelligente Stromnetze Ideen LTE- oder 4G-Standard Wir sehen sicherlich auch noch nicht alle Möglichkeiten, die das Internet der Dinge bietet. Wir arbeiten in einer sehr jungen Branche. Das Handy haben wir erst seit 25 Jahren, ein sehr, sehr kurzer Zeitraum für eine Technologie. Oder nehmen Sie das Internet, das wir erst seit vielleicht 15 Jahren intensiv nutzen. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, einer Technologie. In zehn Jahren werden wir genauer wissen, was wir wirklich brauchen, was für jeden Einzelnen wichtig ist und was nicht. Noch differenzieren wir in der gigantischen Datenflut nicht, die über uns hereinbricht. Und wir sehen sicherlich auch noch nicht alle Möglichkeiten, die das Internet der Dinge bietet. Sind die europäischen Telekom-Gesellschaften auf die sich abzeichnende Datenflut bereitet?«europa war klar führend beim Ausbau der Mobilfunknetze der zweiten und dritten Generation. In anderen Erdteilen hatte man nicht so gute Netze. Dann kam der LTE- oder 4G-Standard und in den Ländern mit nicht so gut ausgebauten Mobilfunknetzen stürzte man sich auf diesen Standard. Die europäischen Mobilfunkbetreiber sahen nicht die gleiche Notwendigkeit. Heute sind die USA, Japan und Südkorea führend. In den vergangenen anderthalb Jahren konnte Ericsson in Europa aber wachsen, das heißt, unsere Kunden modernisieren ihre Netze. Wir rechnen damit, dass es 2019 auch in Europa genauso viele 4G- wie 3G-Netze geben wird. Herr Vestberg, vielen Dank für das Interview.«Handelsblatt GmbH. Alle Rechte behalten

21 Das Magazin für Interim Management Big Data im Sport Schnelle Vorstöße aus der Tiefe des Raums, überraschende, aber eingespielte Pässe und zuverlässiges Zuspiel, be der Gegner überhaupt reagieren kann. Präzision und Schnelligkeit waren die Schlüsselpunkte für den Erfolg der deutschen FußballNationalmannschaft in Brasilien. Was nur wenige wussten: An der Schnelligkeit hatte Bundestrainer Joachim Löw seit 2010 intensiv gearbeitet. Die durchschnittliche Zeit zwischen Ballannahme und Abgabe bei einem Passspiel lag bei der WM 2010 noch bei 3,4 Sekunden. In Brasilien stand der Wert bei rekordverdächtigen 1,1 Sekunden.

22 Das Internet war der zwölfte Mann auf dem Rasen Wir haben eine App auf unseren Mobilgeräten, erklärte DFB-Manager Oliver Bierhoff in einem Interview mit dem Sportsender ESPN dem legendären Brasilien-Spiel, die uns zeigt, wer die Spieler sind, die für Silva und Neymar reinkommen werden. Wir haben die Schlüsselszenen dieser Spieler und können sie schnell rausfiltern und den Verteidigern wertvolle Hinweise geben. Das funktioniert richtig gut, weil es intuitiv zu bedienen ist und die Daten visuell aufbereitet sind. Acht Kameras am Spielfeldrand liefern 5000 Datenpunkte pro Sekunde. Sie sind das Ausgangsmaterial, das schier unendliche Analysemöglichkeiten eröffnet. Jeder Spieler hat dabei seine eigene Identifikationsnummer, um die Daten richtig zuzuordnen und um Verbindungen herzustellen oder Vergleiche zu ermöglichen. Agieren die Spieler im richtigen Abstand zueinander, steht die Verteidigungslinie zu locker oder zu dicht? Ist ein Gegenspieler schneller oder langsamer im Spurt als Beispiel Formel 1 Die Rennserie spielt im Sport die Vorreiterrolle. Beim Thema Datenübertragung und -auswertung ist der Motorsport seit jeher am weitesten im Sport aus. Die Rennwagen sind vollgestopft mit Sensoren, die in Echtzeit und wie menschliche Sinnesorgane jeden Muckser des Fahrzeugs aufnehmen. In der Box sitzen über 30 Renningenieure und verfolgen auf ihren Bildschirmen endlose Kurven, die nicht nur Geschwindigkeit und Spritverbrauch aufzeigen, sondern genauso Motorfrequenz, Abnutzung der Bremsen und der Fahrwerksdämpfer. Teamleitung und Sportler gehen durch die Datenübertragung beim Rennen eine Symbiose ein wie sonst in keiner Sportart. Da gibt es keine Unterschiede zwischen Formel 1 und den 24 Stunden von Le Mans. Wie digitales Coaching aussieht, können sich die Profikicker schon heute bei Vettel & Co. abschauen.

23 sein deutscher Counterpart? Welche Stärken und Schwächen hat der einzelne Spieler? Durch die Nutzung von Internet-Technologie und einer sogenannten In-Memory- Datenbank stehen all diese Daten praktisch ohne jede Verzögerung zur Verfügung. Bei der Technologie, SAP Hana genannt, werden alle Informationen direkt im Arbeitsspeicher gehalten, statt sie auf Festplatten auszulagern. Selbst in der Halbzeitpause sind damit präzise Analysen der ersten Halbzeit möglich. Hana kann natürlich nur die Daten und die Analyse liefern, betont Nic Jungkind, bei SAP zuständig für das Fußballsponsoring. Wir können sagen, wo es klemmt. Entscheidungen treffen und in Maßnahmen und Ergebnisse umsetzen müssen das aber immer noch Trainer und Mannschaft. Beispiel National Football-League Ähnlich nutzt die National Football- League in den USA die Datenanalyse. SAP ist hier schon seit einigen Jahren Technologiepartner und Sponsor. Jenseits der Spieleranalysen werden die Programme der Walldorfer zudem für die Betreuung der Fans genutzt. Zum Super-Bowl-Finale Anfang des Jahres sorgte der deutsche Softwarekonzern zum Beispiel dafür, dass die zahllosen Kommentare der Fans etwa auf Facebook oder Twitter in Millisekunden analysiert wurden. Die Ergebnisse dieser Auswertungen wurden dann live in das Stadion und zur Fanmeile am New Yorker Times Square übertragen. Beispiel Kieler Woche Auch bei der Kieler Woche, SAP ist Premiumsponsor der weltweit größten Segelregatta der Welt, kommen ausgefeilte IT-Systeme zum Einsatz. Nicht nur die Daten von den Booten werden erfasst und ausgewertet, auch die von Kameras und Sensoren entlang der Strecken. Diese Informationen werden dann mit den Daten von sogenannten GPS-Tracking-Systemen kombiniert, also Ortungsdiensten. Die ausgewerteten Informationen werden gleich mehrfach genutzt. Zum einen erhalten die Zuschauer Hinweise über Geschwindigkeiten, aussichtliche Ankunftszeiten und die Gewinne und Verluste einzelner Boote pro Etappe. Zum anderen können die Wettfahrtleiter die Daten über spezielle Apps nutzen, etwa um Kurse zu übermitteln oder den Regattaverlauf direkt nach dem Rennen zu analysieren.

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