Holger Jegust. 07. März 2009 Fachhochschule Osnabrück

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1 Welchen Einfluss nimmt das Vergütungssystem auf die Entwicklung in einem Krankenhaus, medizinische Innovationen einzuführen? 07. März 2009 Fachhochschule Osnabrück

2 Gliederung 1. Einführung 1.1 Vorstellung Klinikum Augsburg 1.2 Problemdarstellung 1.3 Fragestellung 2. Grundlagen der Finanzierung med. Innovationen 2.1 Begriffsbestimmung 2.2 Finanzierung 3. Methodik 3.1 leitfadengestütztes Interview 3.2 Fragen 4. Ergebnisdarstellung 5. Schlussfolgerung 6. Weiterer Handlungsbedarf / Ausblick 2

3 1. Einleitung 1.1 Vorstellung Klinikum Augsburg 3

4 1. Einleitung 1.1 Vorstellung Klinikum Augsburg Krankenhaus der Maximalversorgung Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig - Maximilians - Universität München 1741 Betten ( u. 18 Plätze) 24 Fachkliniken und Institute stationäre Patienten pro Jahr ambulante Patienten pro Jahr 7,44 Tage Verweildauer Stand

5 1. Einleitung 1.2 Problemdarstellung 1 Ärzte verpflichten sich gegenüber den Patienten, die geeigneten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden einzusetzen ( 11 Abs. 1 MBO) Ärzte dürfen hinsichtlich ihrer ärztlichen Entscheidungen keine Weisungen von Nichtärzten entgegennehmen ( 2 Abs. 2 MBO) der Gemeinsame Bundesausschuss überprüft, ob Untersuchungs- und Behandlungsmethoden für eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung der Versicherten unter Berücksichtigung des allgemein anerkannten Standes der medizinischen Erkenntnisse erforderlich sind ( 137c SGB V) 5

6 1. Einleitung 1.2 Problemdarstellung 2 Industrie beklagt: durch die Regelungen des DRG-Systems fehlt ein finanzieller Anreiz für die Kliniken, Innovationen zu erproben und neue Methoden einzuführen Kritik, dass die geltende finanzielle Regelung zur Einführung medizinischer Innovationen zu statisch und unflexibel ist. 6

7 1. Einleitung 1.3 Fragestellung Am Beispiel der Einführung medizinischen Innovationen soll untersucht werden, in wie weit sich leitende Ärzte von wirtschaftlichen Überlegungen leiten lassen. 7

8 2. Grundlagen der Finanzierung med. Innovationen 2.1 Begriffsbestimmung 1 Innovation Kriterium der Neuheit Nutzen für Kunden: Marktwirtschaftlicher Verwertungsaspekt oder innerbetrieblicher Nutzenaspekt 8

9 2. Grundlagen der Finanzierung med. Innovationen 2.1 Begriffsbestimmung 3 Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden sind... ärztliche Leistungen, die noch nicht als (abrechnungsfähige) ärztliche Leistungen in der vertragsärztlichen Versorgung erbracht werden oder die als ärztliche Leistungen zwar grundsätzlich erbracht werden können, deren Indikationen, Anwendungsformen oder Dosierungen aber wesentliche Änderungen oder Erweiterungen erfahren haben. (Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen, 2002) 9

10 2. Grundlagen der Finanzierung med. Innovationen 2.2 Finanzierung Finanzierung von NUB's die Vertragsparteien können zeitlich befristete, fallbezogene Entgelte oder Zusatzentgelte vereinbaren ( 6 Abs. 2 Satz 1 KHEntgG) Vereinbarung zu 6 Absatz 2 Satz 3 KHEntgG - Neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden - (N U B) 10

11 3. Methodik 3.1 Vorgehen leitfadengestütztes Interview 6 leitende Ärzte am Klinikum Augsburg 3 Chefärzte Chirurgische Kliniken 3 Chefärzte Konservative Kliniken Dauer der Interviews: 5.30 min min 11

12 3. Methodik 3.2 Fragen 1. Wie kommen Sie zu der Information, dass es in Ihrem Fachgebiet eine neue relevante Innovation gibt? 2. Auf welcher Grundlage entscheiden Sie, ob eine neue medizinische Untersuchungs- oder Behandlungsmethode eingeführt wird? 3. Wer entscheidet, ob eine solche Methode in Ihrer Klinik umgesetzt wird? 4. Welche Rolle spielt bei der Entscheidung, ob das neue Verfahren durch das Vergütungssystem refinanziert wird? 5. Erhalten Sie Informationen seitens den Firmen, bezüglich der Refinanzierung neuer Methoden im Vergütungssystem? 6. Binden Sie bei der Einführung neuer Verfahren das Controlling mit ein? 7. In welcher Weise hat sich das Entscheidungsverfahren, neue Untersuchungsund Behandlungsmethoden zu etablieren, seit Einführung der DRG s verändert? 8. Wie bewerten Sie das DRG-Vergütungssystem im Hinblick auf die Einführung medizinischer Innovationen? 9. Sehen Sie durch die Finanzierung ihre ärztliche Therapiefreiheit eingeschränkt? 10.Wenn Sie die Möglichkeit hätten, etwas in Bezug auf die Vergütung neuer 12 Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zu verändern, was würden Sie tun?

13 4. Ergebnisdarstellung Frage 1 Wie kommen Sie zu der Information, dass es in Ihrem Fachgebiet eine neue relevante Innovation gibt? 6 x Kongresse 4 x Fachliteratur 3 x Industrie 1 x Internet (Mehrfachnennung) 13

14 4. Ergebnisdarstellung Frage 2 Auf welcher Grundlage entscheiden Sie, ob eine neue medizinische Untersuchungs- oder Behandlungsmethode eingeführt wird? 5 x medizinische Gründe, davon 3 x Verbesserung für Patienten 1 x eigener Forschungsschwerpunkt 1 x Patientenklientel vorhanden 1 x Umsetzbarkeit 3 x ökonomische Aspekte (Mehrfachnennung) 14

15 4. Ergebnisdarstellung Frage 3 Wer entscheidet, ob eine solche Methode in Ihrer Klinik umgesetzt wird? 6 x Chefarzt 4 x Einbezug Oberärzte 3 x Controlling (Mehrfachnennung) 15

16 4. Ergebnisdarstellung Frage 4 Welche Rolle spielt bei der Entscheidung, ob das neue Verfahren durch das Vergütungssystem refinanziert wird? 4 x Nachrangigkeit 1 x nur bei gleichwertigen Verfahren 1 x bedeutend 16

17 4. Ergebnisdarstellung Frage 5 Erhalten Sie Informationen seitens den Firmen, bezüglich der Refinanzierung neuer Methoden im Vergütungssystem? 2 x auf Nachfrage Ausnahme (Chirurgie) 2 x Unterstützung bei NUB-Anträgen 1 x ja 1 x Unterstützt die Preisbildung (neue Geräte / Verfahren) 17

18 4. Ergebnisdarstellung Frage 6 Binden Sie bei der Einführung neuer Verfahren das Controlling mit ein? 3 x Absprache in jedem Fall (1x absolut) 3 x Absprache unter bestimmten Voraussetzungen (medizintechnische Verfahren) 18

19 4. Ergebnisdarstellung Frage 7 In welcher Weise hat sich das Entscheidungsverfahren, neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zu etablieren, seit Einführung der DRG s verändert? 1 x keine Änderung 1 x weiß nicht genau, evtl. andere Einflussgrößen 2 x Veränderung in der Belegungsstrategie. Kein Einfluss auf das Entscheidungsverfahren 19

20 4. Ergebnisdarstellung Frage 8 Wie bewerten Sie das DRG-Vergütungssystem im Hinblick auf die Einführung medizinischer Innovationen? 3 x eher negativ 1 x positiv, Zwang zum wirtschaftlicher Denken 20

21 4. Ergebnisdarstellung Frage 9 Sehen Sie durch die Finanzierung ihre ärztliche Therapiefreiheit eingeschränkt? 2 x nein 1 x Augsburg nein, aber in anderen Krankenhäusern 3 x Kostendruck kann zu veränderter Therapie führen (Mehrfachnennung) 21

22 4. Ergebnisdarstellung Frage 10 Wenn Sie die Möglichkeit hätten, etwas in Bezug auf die Vergütung neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zu verändern, was würden Sie tun? 2 x positiv; DRG's lernendes System 2 x es sollte schneller lernen 2 x zu kompliziert 2 x Aufwand für Maximalversorgungshäuser nicht gewährleistet (Mehrfachnennung) 22

23 5. Schlussfolgerung I Lassen sich leitende Ärzte bei der Einführung med. Innovationen von wirtschaftlichen Überlegungen leiten? Leitende Ärzte haben zum Teil ein sehr differenziertes Wissen über das Vergütungssystem Leitende Ärzte arbeiten zum Teil sehr eng mit dem Controlling zusammen 23

24 5. Schlussfolgerung II Vergütungssystem wird überwiegend hemmend in Bezug auf die Einführung medizinischer Innovationen gewertet Auch werden Gefahren gesehen, dass das Vergütungssystem die Therapie beeinflusst Das System wird als zu kompliziert bewertet 24

25 5. Schlussfolgerung III Entscheidung zur Einführung von Innovationen wird primär von medizinischen Überlegungen geleitet allerdings werden teilweise auch ökonomischen Aspekte berücksichtigt Medikamentöse Verfahren medizintechnische Innovationen 25

26 6. Weiterer Handlungsbedarf / Ausblick 6.1 Weiterer Handlungsbedarf Ergebnisse müssen in weiteren Untersuchen weiter belegt werden bundesweit andere Versorgungsstufen Andere Interessengruppen sollten befragt werden 26

27 6. Weiterer Handlungsbedarf / Ausblick 6.2 Ausblick Statistische Untersuchung, inwieweit das Vergütungssystem die Einführung von Innovationen gebremst hat Untersuchung von Hinweisen, dass sich das Vergütungssystem negativ auf das ärztliche Entscheidungsverhalten auswirkt 27

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