Schritt 1: Schulung vorbereiten

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1 Themen auswählen Jede Ausbildung am Arbeitsplatz sollte gründlich vorbereitet werden. Je besser die Vorbereitung, desto erfolgreicher wird die Schulung selbst sein. Außerdem hat die Vorbereitung auch die Funktion, die Themen herauszusuchen, die für die Qualifizierung Ihres Auszubildenden besonders wichtig sind. Dadurch spart man bei der Schulung selbst Zeit und Aufwand. Die Vorbereitung umfasst die Auswahl der Themen die Bestimmung der Ziele die Suche nach passenden Inhalten die Wahl der Vermittlungsmethode. Sie wollen Ihrem Auszubildenden das Wissen vermitteln, das er braucht, um Aufgaben möglichst selbstständig zu erledigen. Aber wie stellt man das an? Am Anfang stehen immer Überlegungen, welche Themen überhaupt wichtig sind: Welches Wissen benötigt der Auszubildende? Welche Abläufe muss er kennen? Um die richtigen Themen für die Vermittlung auszuwählen, sehen Sie sich bitte den Ausbildungsplan an. Haben Sie keinen, fragen Sie bei Ihrer Ausbildungsleitung nach. Sie können aber auch auf die Ausbildungsordnung zurückgreifen. Hier finden Sie Informationen, was dem Auszubildenden in welchem Lehrjahr zu vermitteln ist. Werfen Sie auch einen Blick auf Ihre Tätigkeiten, vielleicht nehmen Sie als Hilfe Ihre Arbeitsplatzbeschreibung zur Hand. Welches sind Ihre Hauptaufgaben? Diese Hauptaufgaben sollten Sie sich wiederum genauer ansehen und möglichst viele der Aufgaben wieder streichen, weil Sie die entsprechenden Tätigkeiten nicht vermitteln müssen oder können. Die Fragen dazu lauten: Welche Tätigkeiten werden in der Ausbildungsordnung, im Ausbildungsplan nicht erwähnt? Welche Aufgaben sind vom Ablauf her so einfach, dass wenige Erläuterungen dazu reichen? Welche Aufgaben sind sich von der Struktur her so ähnlich, dass nur eine gründlich vermittelt werden muss, ansonsten Hinweise auf Unterschiede ausreichen? Darüber hinaus sollte der Auszubildende einen Überblick über die Aufgaben Ihres Referats erhalten. Fragen Sie sich deshalb Was muss der Auszubildende noch wissen, um Abläufe und Zusammenhänge zu verstehen? Nach dieser Analyse sehen Sie sich bitte den Auszubildenden selbst an. Er wird sicherlich nicht ohne irgendwelche Vorkenntnisse und Vorerfahrungen zu Ihnen gekommen sein. Welche Vorkenntnisse besitzt der Auszubildende bereits (aus anderen Referaten, aus der Berufsschule)? Auf welche Vorerfahrungen kann er zurückgreifen? Auf welche Schulungsthemen kann deshalb verzichtet werden? Schließlich haben Sie nur eine beschränkte Zeit für die Vermittlung zur Verfügung. Deshalb die letzte Frage: Haben Sie genug Zeit, alle Themen zu vermitteln? TRANSFER 7

2 Wenn nein, müssen Sie alle Themen streichen, die vielleicht doch nicht so zentral sind, Abläufe, die der Auszubildende sich notfalls selbst erarbeiten kann. Auf keinen Fall streichen sollten Sie Aufgaben: die häufig vorkommen oder die beispielhaft für andere Aufgaben oder Abläufe sind die den Auszubildenden dazu führen, selbstständig zu arbeiten, Hilfen zu nutzen, Informationen selbst einzuholen, Zusammenhänge und Strukturen zu erkennen. die in der Ausbildungs- und in der Prüfungsordnung gefordert werden. Das sind für den Lernprozess besonders wichtige Themen, denn sie vermitteln Schlüsselqualifikationen. Themen für die Vermittlung auswählen Welche Aufgaben soll der Auszubildende kennenlernen? Bitte streichen Sie alle Themen aus der Liste, die 1. dem Auszubildenden bereits bekannt sind 2. die sich sehr ähnlich sind (bis auf eine beispielhafte Aufgabe) 3. vom Ablauf her sehr einfach sind und alle anderen, für die die verfügbare Zeit in keinem Fall ausreicht. Kontrollieren Sie noch einmal, ob Sie keine Themen gestrichen haben, die einen hohen Lernwert haben, die zum selbständigen Arbeiten führen. Bitte bringen Sie diese Themen in eine logische und/oder zeitliche Reihenfolge. Als Hilfe können Sie die Themen in drei verschiedene Kategorien einteilen: Muss-Themen Themen, die unbedingt vermittelt werden müssen, weil sie für das Gesamtverständnis notwendig sind und zentrale Zusammenhänge oder Schritte beinhalten. Soll-Themen Themen, die das Gesamtbild abrunden, aber nicht unbedingt notwendig sind. Kann-Themen Themen, auf die bei Interesse des Auszubildenden und bei ausreichender Zeit noch eingegangen werden kann. Ziele den Themen zuordnen Die Themen sind ausgewählt. Die nächsten Fragen sollten lauten: Welche Ziele wollen Sie bei den einzelnen Themen erreichen? Was soll der Auszubildende anschließend können? Erwünschte Kenntnisse, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen werden als Lernziele beschrieben. Mit Zielen beschreiben Sie, was am Ende des Lernprozesses herauskommen soll TRANSFER 8

3 was der Auszubildende an Fachbegriffen kennen muss welche Zusammenhänge er verstehen sollte welche Abläufe ihm vertraut sein sollten. Ohne Ziele zu formulieren, weiß man nicht, was man erreichen will. Und der Erfolg des Lernprozesses lässt sich nur überprüfen, wenn man vorher die Ziele definiert hat. Besondere Aufmerksamkeit sollte man der Zielformulierung widmen. Ziele sollten dabei immer nach folgendem Schema formuliert werden: Wer soll was wie umsetzen? Der Auszubildende soll mithilfe eines vorhandenen EXCEL-Programms Beihilfeanträge berechnen können. Die beste Zielformulierung ist die, bei der man nach der Stoffvermittlung überprüfen kann, ob das Ziel tatsächlich erreicht ist. Um das zu erreichen, müssen die Ziele so formuliert werden, dass die genauen Bedingungen genannt werden... mithilfe eines vorhandenen EXCEL-Programms das Verb so formuliert ist, dass man das Verhalten beobachten kann... Reisekostenanträge berechnen. Zu jedem der Themen gehört mindestens ein Lernziel. Manchmal sind Themen so umfangreich und so komplex, dass zwei oder drei Ziele als Beschreibung des Endverhaltens viel präziser sind. Lernprinzipien beachten Lernstoff ist oft abstrakt und nur schwer zu verstehen. Das ist vielen Fachleuten, die ja in ihrer Materie stecken, nicht immer bewusst. Leicht unterschätzt man dann die Verständnisschwierigkeiten. Deshalb ist ein grundlegendes Prinzip jeder Vermittlung von Wissen, die Inhalte so strukturiert und so anschaulich wie möglich zu vermitteln und alle Möglichkeiten hierzu auszunutzen. Bei der Strukturierung kann man sich fünf pädagogischer Prinzipien bedienen, die sich in der Schulpädagogik seit Jahrzehnten bewährt haben: vom Leichten zum Schweren vom Bekannten zum Unbekannten vom Konkreten zum Abstrakten vom Nahen zum Fernen vom Einfachen zum Schweren. Was ist allen diesen Prinzipien gemeinsam? Die Prinzipien versuchen, den Lerner dort abzuholen, wo er steht, und Schritt für Schritt in die (abstrakte, komplizierte, unbekannte) Materie hineinzuführen. TRANSFER 9

4 Vermittlungsmethoden auswählen Wir kommen zu einem ganz zentralen Schritt: die Auswahl der Vermittlungsmethode. Es kommen drei Methoden infrage: Erklären Die Zusammenhänge dem Auszubildenden in einem Vortrag näher bringen. Gespräch Stoff im Austausch mit dem Auszubildenden gemeinsam erarbeiten. Unterweisung Abläufe erst erklären und zeigen, dann nachmachen lassen. Welche Methode nimmt man nun bei welchen Themen und in welchen Lernsituationen? Um das zu entscheiden, müssen Sie sich den Lernstoff etwas genauer ansehen. Handelt es sich um Abläufe und steht die Vermittlung praktischer Abläufe im Mittelpunkt, ist die Unterweisung die richtige Methode. Handelt es sich um theoretisches Wissen, kommen Sie mit Erklären am weitesten. Schließlich sollten Sie noch überlegen, ob Ihr Lernpartner vielleicht schon Grundkenntnisse zum Thema hat, das Sie vermitteln wollen. Oder ihn danach fragen. Dann ist die dritte von Vorteil, das Gespräch. Das Gespräch ist als Alternative zum Erklären ebenso geeignet wie als Alternative zur Unterweisung. In dieser zweiten Form heißt es Unterweisungsgespräch. Gespräche haben den großen Vorteil, dass sie den Auszubildenden aktivieren, beteiligen, Wege selbst finden und Lösungen selbst andenken lassen. Auswahl Vermittlungsmethode Stehen bei dem Thema theoretische Zusammenhänge, Hintergrundwissen, Strukturen im Mittelpunkt? JA NEIN Besitzt der Lernpartner Vorkenntnisse zum Thema? Besitzt der Lernpartner Vorkenntnisse zum Thema? JA NEIN JA NEIN Gespräch Erklären Unterweisungsgespräch Unterweisung Nun wissen Sie, was Sie vermitteln wollen und wie Sie dies am besten tun eine gute Grundlage für die richtige Vermittlung. TRANSFER 10

5 Zusammenfassung Legen Sie bei der Themenauswahl die Hauptaufgabe am Arbeitsplatz zugrunde. Stellen Sie in den Mittelpunkt Schlüsselqualifikationen. Achten Sie auf affektive und psychomotorische Lernziele. Formulieren Sie Lernziele so, dass sie überprüfbar sind. Achten Sie auf die richtige Vermittlungsmethode. Was wollen Sie von den Hinweisen in diesem Kapitel umsetzen? Schreiben Sie sich bitte alle wichtigen Punkte auf. Nutzen Sie dazu die Umsetzungshilfe am Ende dieses Skriptes. TRANSFER 11

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