Zeit Raum. Sinne und Sinn Lebenslanges Lernen Selbstwahrnehmung Kinderwahrnehmung. 9. Ausgabe Juni Zeitung des Zentrums für Kultur und Pädagogik

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2 2 Apropos V O N T O B I A S R I C H T E R Ausgelaufen Was auch immer damit gemeint sein mag... Christof Wiechert, der Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, schreibt in seinem Tätigkeitsbericht: Die Waldorf- und Rudolf Steiner Schulen haben das Nischendasein verlassen und treten ins volle Licht der Öffentlichkeit. Das hat zwei Folgen: Namentlich im deutschsprachigen Raum nehmen die Angriffe auf die Schulen zu. Aus Zwischenrufen einzelner wird ein Orchester in der Presselandschaft. In wissenschaftlichen Kreisen beginnt eine kritische Auseinandersetzung mit der Waldorfschule. Eine Ursache dafür sieht Wiechert in den Bemühungen, Waldorfpädagogik auf der akademischen Ebene zu verankern. Nun haben auch wir mit der Einrichtung des Masterstudiums einen Beitrag zu dieser Akademisierung der Waldorfpädagogik geleistet und damit den einigermaßen geschützten Waldorfhafen verlassen und was bis jetzt erlebt? Ja, der Wind weht einem um die Nase (wobei es gar nicht immer leicht ist wahrzunehmen, ob das der wahre Wind, der Fahrtwind oder der intensive Atem der auf dem Boot Versammelten ist ) Wir alle, die Mann-/Frauschaft und die Veranstalter bei der Marine hießen sie Offiziere (Kapitän gibt es bei einem selbstverwalteten Schiff nicht!) lernen gemeinsam und somit auf Augenhöhe damit umzugehen. Das ist eine Erfahrung, die es als positive Qualität zu verstehen gilt! Und Schiffbrüche? Derer wird es noch einige geben! Schiffbruch bedeutet ja gerade: Nicht untergehen. José Ortegay Gasset geht sogar soweit, dass er meint, die Bewegungen, die wir ausführen, um nicht unterzugehen, seien das, was man Kultur nennt. Ich kehre zu Wiecherts Artikel zurück: Zu dieser Akademisierung der Waldorfpädagogik steht die Intuitionsfähigkeit, die den Lehrer vor allem als Künstler fordert, in Kontrast. Vom Erfolg der Zusammenarbeit der Ausbildungen mit den Schulen wird einiges abhängen. * Unser Auslaufen aus dem geschützten Waldorf-Hafen stellt auch diesbezüglich neue Anforderungen an uns. Wir sind bereit, sie anzunehmen und hoffentlich an und mit ihnen zu wachsen. Allerdings darf es keine Einbahnstraße werden (auch in der Schifffahrt gibt es diese, dort heißt sie Verkehrstrennungsgebiet ). Ich denke, auch die Schulen haben hier einen neuen, für sie interessanten Beitrag zu leisten, erst dann kann man mit vollem Recht von Zusammenarbeit sprechen. *Jahresbericht 2007/08 der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, S. 11 Sinnesspielplatz für die Karl Schubert Schule Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt (Friedrich Schiller) Im Zuge der Erarbeitung der 12 Sinne kam es zur Idee einen Spielplatz zu gestalten, der im Besonderen auf Sinn-liches Erleben ausgerichtet ist. Zur Auswahl standen die Landschule Schönau und die Karl Schubert Schule, an der Seelepflege-bedürftige Kinder unterrichtet und betreut werden. Da diese Schule im Begriff ist größere Umbauten zu unternehmen, um alle 12 Klassen, sowie die Werkstufe in einem Gebäude unterzubringen, und da für Kinder mit besonderen Bedürfnissen ein verstärktes Sinneserleben in ihrer Entwicklung besonders förderlich ist, entschieden wir uns für die Karl Schubert Schule. Das Projekt konnte beginnen. Finanziert wird der Spielplatz durch eine Spende von Licht ins Dunkel. Weitere Ressourcen stellen Arbeitskräfte der Firma Timberland dar, deren Mitarbeiter einmal pro Jahr zu einem Einsatz an die Karl Schubert Schule kommen. Vor allem aber war da ein überaus kreatives, zähes unerschrockenes Team von Lehrern und Studenten, die die neue Gartengestaltung trotz bzw. auf Grund unterschiedlichster Vorgaben mit einem Sinnesspielplatz bereichern wollten. Zunächst hieß es, sich dem Architekturbüro bemerkbar zu machen, das nach mehreren Treffen erkannte, dass Norbert, Arnold und ich als Vertreter der Gruppe äußerst professionell auftretend wie es schien doch kein Gartengestaltungsbüro führten, sondern tatsächlich nur Studenten einer Waldorflehrer Ausbildung wären. Ja, jetzt geht s los: Unsere Ideen entstanden auch durch Beobachtungen bzw. Erkundigungen anderer Spielplätze. Norbert Liszt fotografierte und sammelte die Möglichkeiten von Holzverbindungen, die er auf einem Abenteuerspielplatz im Wiener Prater fand. editorial Zeit/Raum Quo vadis? Das Studienjahr 07/08 neigt sich dem Ende zu und wir blicken zurück auf eine ereignisreiche Zeit, wo sich manches verändert hat und im Begriff ist neu zu werden. Das erste Jahr des Masterkurses ist bald vorüber und auch ein Großteil des D-Kurses befindet sich mitten in den Abschlussvorbereitungen. Und so sind auch wir, die StudentInnen und DozentInnen und all jene Menschen, die diese Zeitschrift mitgestalten, indem sie ihre persönlichen Gedanken, Erlebnisse und individuellen Entwicklungen zu Papier bringen, einem ständigen Wandel unterworfen. Ich möchte mich bei allen KollegInnen und DozentInnen herzlich bedanken, die an dieser Ausgabe mitgewirkt und dazu beigetragen haben, dass uns diese Zeitschrift ein weiteres Stück in unserem Werdegang als zukünftige WaldorfpädagigInnen begleiten konnte, und schaue mit Zuversicht auf den Weg, der noch vor uns liegt. Für die Redaktion Christine Waschulin

3 3 Im 4. Wiener Gemeindebezirk entdeckte er dann einen Spielplatz, der ihm sofort ins Auge sprang. Die einzelnen Spielgeräte und der Spielplatz als Gesamtgestalt sind von besonders stilvoller Ausprägung. Bei genauer Betrachtung zeigte sich, dass die Geräte aus natürlich gewachsenen Hölzern gebaut sind. Die Formgebung ist so gut gelungen, dass man sofort den Eindruck hat, da sind Ästhetik und Funktionalität glücklich vereint. Das sind die Spielgeräte, die wir brauchen! Zufällig hatte Herr Liszt einen Fotoapparat bei der Hand und konnte den anderen die überraschende Entdeckung präsentieren. Sehr bald entschieden wir, dass wir nachforschen wollen, woher die Spielgeräte kommen. Ein Telefonat mit dem Stadtgartenamt der Gemeinde Wien legte die erste Spur zu der Firma, die sich für die Gestaltung des Spielplatzes verantwortlich zeigte. Herr Liszt nahm mit Herrn Kastenhofer von der Firma Obra Kontakt auf. Er informierte uns über die Geräte. Wo sie hergestellt werden (bei der Firma SIK-Holz in Deutschland), dass sie aus Robinienhölzern gemacht sind, und dass diese Hölzer besonders widerstandsfähig etc. sind. Wir vereinbarten einen ersten Besichtigungstermin auf dem Gelände der Karl Schubert Schule. Dort wurden die ersten Gestaltungsmöglichkeiten erwogen und von Herrn Kastenhofer auf einer Skizze zu Papier gebracht. Zunächst wurde eine in den Hang gebaute Rutsche angedacht, die eine entsprechende Länge haben sollte, um auch Jugendlichen ein Rutscherlebnis zu ermöglichen. Eine Halfpipe sozusagen, die durch ihre Form den Rutschern die Körperwahrnehmung bietet, um sich zu spüren und so sicherer zu fühlen. Im Laufe der Besprechungen zeigte sich aber, dass die Dominanz dieser Rutsche nicht ins Gelände passte und wir entschieden uns für einen Kletterturm mit integrierter Rutsche, sowie verschiedenen Aufgängen, die als Herausforderung dienen sollten, da die Schüler sehr unterschiedliche Bedürfnisse und Fähigkeiten haben. Ein weiterer Aspekt war die Gliederung des Spielplatzes in einen Spielraum und einen Ruheraum, der auch Rückzugsmöglichkeiten bieten sollte. Frau D. D., die den Kindergarten leitet, kam zu einem sehr produktiven Gespräch, und so konnten auch ihre Wünsche berücksichtigt werden. Der Ausgang vom Kindergarten in den Garten wird ausreichend Platz für jene Kinder bieten, die im Rollstuhl sitzen. Für sie wird in entsprechender Höhe ein Kräutergarten angelegt, der ihren Wahrnehmungsmöglichkeiten angepasst sein soll. Etwas oberhalb wird ein Sandspielplatz entstehen, der von unterschiedlich hohen Holzpflöcken eingefasst ist. Eine Rückzugsmöglichkeit wird ein Nest aus Weidenzweigen bieten, das in einen Tunnel aus Weidenzweigen übergeht. Das Besondere an diesen beiden Elementen ist die natürliche Veränderung, wenn die Zweige die zunächst nur in die Erde gesteckt werden, austreiben und zu blühen beginnen. Das Spiel ist der Weg der Kinder zur Erkenntnis der Welt, in der sie leben. (Maxim Gorki) Gegenüber des Ruheraums entsteht ein Schaukelgerüst, mit einer herkömmlichen Schaukel für die Größeren und einer Kleinkinderschaukel mit gesichertem Sitz. Eine Korbschaukel soll die besondere Hetz bieten, dass mehrere Kinder zusammen in verschiedenen Körperpositionen schaukeln kön- nen. Sie soll auch den Rollstuhlkindern die Möglichkeit geben, ein spezielles Schaukelvergnügen zu genießen. Zwischen den beschriebenen Bereichen steht im Zentrum der Kletterturm mit integrierter Rutsche. Eine weitere Idee war, auch Platz für Wasserspiele zu schaffen. Das Wasser sollte über Steinschalen fließen und Möglichkeit zum Schöpfen und Abkühlen bieten. Praktische Überlegungen, den Schulalltag betreffend zeigten aber, dass Wasser in der Form doch zu viel wäre. Dennoch wird eine Wasserleitung, die zum Spielplatz hinauf führt wieder belebt, und eventuell mit einem manuell zu bedienenden Brunnen versehen. Nun wurden unsere Ideen dem Architekten übermittelt, da im Zuge des Umbaus einige Erdbewegungen stattfinden würden und eine Koordination sinnvoll erschien. Es folgten zahlreiche Besprechungen, bis unsere sinn-vollen Überlegungen endlich doch auf dem Geometerplan umgesetzt und abgesegnet wurden. Herr Kastenhofer, der Mitarbeiter der Firma Obra kam zum Ausmessen und Herr W. L.; Lehrer für Gartenbau, gestand dem Spielplatz doch noch ein paar Meter mehr von seinem frisch kultivierten Boden zu. Nach einigem Ausmessen in der Kälte wurde nach nun mehr einem Jahr Vorbereitung die Bestellung der Geräte und die Möglichkeiten der Lieferung festgemacht. Am Ende dieses Schuljahres sollen die Geräte geliefert und die Montage vorgenommen werden. Die Arbeit an diesem Projekt zeigte, wie komplex eine Gestaltung ist, die den unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht werden will und dass sie vor allem Zeit und Ausdauer braucht. Es gab förderliche und hemmende Faktoren, aber vor allem gab es großartige Ideen und den großen Einsatz einiger, die das Werkl am Laufen hielten. Das Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen aber ich höre schon die lachenden, spielenden Kinder und Jugendlichen, deren Welt sich gerade über das Spiel für uns erschließt. Ich bin zu alt um nur zu spielen, und zu jung um ohne Wunsch zu sein. (Johann Wolfgang von Goethe) In die unvollkommene Welt und in das verworrene Leben bringt es eine zeitweilige Vollkommenheit. Das Spiel fordert unbedingte Ordnung. Die geringste Abweichung von ihr verdirbt das Spiel, nimmt ihm seinen Charakter und macht es wertlos... (aus Homo ludens von Johan Huizinga) Claudia Beil, Norbert Liszt, Arnold Nobis Alle Zeichnungen Arnold Nobis

4 Weißt du, wie man Kanon dirigiert? Weißt du, wie viele tolle Bewegungsmöglichkeiten bzw. sportliche Herausforderungen es im Musikunterricht geben kann? wie man Stimmbildung am Lied macht? wie Hörerziehung wirklich sinnvoll gestaltet werden kann? dass man mit Tonleitern spielerisch umgehen kann und dass es einen Menschen gibt, der dir dies und noch viel mehr auf sensationelle Weise vermittelt und alles im Zentrum für Kultur und Pädagogik? Die Rede ist von Michael Hartenberg, welcher das erste Mal von 14. bis 16. März eine Fortbildungsveranstaltung für das Zentrum für Kultur und Pädagogik zum Thema Dirigieren leitete. Ich bin kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Musik, aber so ein beglückendes Wochenende habe ich noch nie erlebt. Es ist grandios mitzuerleben, wie er Stoff vermittelt und man selber auf einer Wolke der Faszination schwebt. Michael Hartenberg ist nicht nur eine absolute Größe in Sachen Musik, sondern er ist auch Top in der Vermittlung didaktischer bzw. methodischer Elemente und daher ein wunderbarer Gewinn für das Zentrum für Kultur und Pädagogik. Alle 16 TeilnehmerInnen gingen sonntags warmen Herzens in ihr Heim zurück und was blieb sind Spuren der Begeisterung und Motivation. Man konnte hier nicht nur einen reichhaltigen Schatz in Bezug auf Chorleitung gewinnen, sondern man konnte Michael Hartenberg menschliche Kostbarkeiten abschauen. Ihm gelingt es, ohne jeglichen Druck, ohne nur ein einziges Urteil zu fällen, ohne auch nur einmal zu werten, seinen SeminarteilnehmerInnen mit Würde, Güte und warmer Menschlichkeit gegenüberzutreten und dabei Dinge zu vermitteln, die einen zwar teilweise herausfordern, aber von allen bravourös gemeistert werden konnten. An ihm kann man wirklich erleben, was gelebte Liebe zum Mitmenschen, Akzeptanz und Offenheit bedeutet. Ach wie schön ist es, dass Michael Hartenberg jetzt seine Ideen in die Zentrumsarbeit einfließen lässt und derzeit ein Programm entwickelt, welches die musikalische Fortbildung im Zentrum für Kultur und Pädagogik betrifft. Wir können sehr dankbar sein, dass der Weg von Michael Hartenberg einen Aufenthalt bei uns vorgesehen hat. Behalten wir die Musik immer in unserem Blickwinkel für die ganz wichtigen Dinge des Lebens, dann wird es viele kleine Schäfchen geben, die uns dafür zumindest im Inneren dankbar sind. Und nur, weil man Musik gerne hört und selber praktiziert, heißt es noch lange nicht, dass wir sie auch gut vermitteln können. Auch mir ist bewusst, dass man Musikdidaktik nicht einfach so aus den Ärmeln schütteln kann, sondern dass es grundlegender Basics bedarf und nun haben wird die Möglichkeit, zumindest in manchen Bereichen diese Basics zu erfahren. Der nächste Kurs findet vom 5. bis 7. September in Wien statt. Bei Interesse sofort verbindlich anmelden, da dieser Kurs bestimmt baldigst ausgebucht sein wird! Biografie von Michael Hartenberg: Michael Hartenberg ist 1960 in Wien geboren, studierte an der Wiener Musikhochschule Chorleitung und Orchesterdirigieren, außerdem Historische Aufführungspraxis bei Nikolaus Harnoncourt am Mozarteum in Salzburg. Schon in seiner Studienzeit gab er zahlreiche Konzerte mit dem von ihm gegründeten Kammerchor Josquin-Ensemble Wien. Außerdem leitete er Produktionen mit Barockopern (Spectacvlvm Wien, Sommertheaterfestival Hamburg, München Gasteig etc.) Nach einer Tätigkeit als Opernkapellmeister am Stadttheater Passau mit zahlreichen Opern- und Operettenproduktionen gründete er 1987 mit Kollegen das Musikseminar Hamburg, welches bis 2007 unter seiner Leitung stand und wo er seitdem Dozent für Dirigieren, Korrepetition und Musikgeschichte ist. Derzeit gründet er eine Chorakademie in Freiburg. Neben all seiner Lehrtätigkeit gibt er zahlreiche Konzerte in ganz Europa als Dirigent und Liedbegleiter. Daneben entfaltet er eine reiche internationale Kurstätigkeit in den verschiedensten Zusammenhängen (Pädagogik, Heil- und Sozialpädagogik, AMJ, Musikhochschulen). Sein besonderes Interesse gilt der Entwicklung einer neuen Kultur des Hörens. Dies umfasst die Beschäftigung mit verschiedenen erfolgreichen pädagogischen Konzepten (u.a. Waldorfpädagogik und die ungarische Kodály-Methode) ebenso wie die Erkenntnisse der Historischen Aufführungspraxis. Andrea Henickl Gehörtes, Erstauntes und Gefühltes... aus der Intensivwoche im März 2008 zum Thema: Die Kunst Kinder zu verstehen 4... mit Aphorismen Christian Morgensterns ausgedrückt, die zum Verweilen auffordern: Wer weiß, ob die Gedanken nicht auch einen ganz winzigen Lärm machen, der durch feinste Instrumente aufzufangen und empirisch (durch Vergleich und Experiment) zu enträtseln wäre. Ich halte es nicht für das größte Glück, einen Menschen ganz enträtselt zu haben; ein größeres noch ist, bei dem den wir lieben, immer neue Tiefen zu entdecken, die uns immer mehr die Unergründlichkeit seiner Natur nach ihrer göttlichen Seite hin offenbaren. Das von selbst Verständliche wird gemeinhin am gründlichsten vergessen und am seltensten getan. Es schadet nicht gar so viel, wenn Leute in der Kirche sanft einnicken, denn das Übersinnliche findet auch so einen gewissen Eingang in sie und oft besser als durch den kleinen Verstand. Sitzen doch auch unzählige Menschen schlummernd in der Kirche der Welt, ihr Leben lang. Aber auch so wirkt das Ungeheure in sie hinein und wird schon wieder einmal aus ihnen herauskommen. Ich kann ungeklärte Verhältnisse einfach nicht ertragen. Warum können die Menschen nicht offen gegeneinander sein? Reine Luft zwischen uns! Es gibt Menschen, die sich immer angegriffen wähnen, wenn jemand eine Meinung ausspricht. Alle Erziehung, ja alle geistige Beeinflussung be-

5 5 ruht vornehmlich auf Bestärken und Schwächen. Man kann niemanden zu etwas bringen, der nicht schon dunkel auf dem Wege dahin ist, und niemanden von etwas abbringen, der nicht schon geneigt ist, sich ihm zu entfremden. Nur durch Schaden werden wir klug Leitmotiv der ganzen Evolution. Erst durch unzählige, bis ins Unendliche wiederholte leidvolle Erfahrungen lernt sich das Individuum zum Meister über sein Leben empor. Alles ist Schule. Zitate sind Eis für jede Stimmung. Christian Morgenstern, der nicht viel vom Zitieren hält, möge mir verzeihen! Literatur: Christian Morgenstern, Gesammelte Werke. R. Piper & Co., München 1965, S. 369, 386, 447f, 462, 407, 417, 427, 448, 442, 416, 393. Angelika Hausenbichl Praktikumsbericht aus der 7. Klasse der Karl Schubert Schule Du Krättli, zu alleroberst muss ich Dir jetzt einmal ganz hochoffiziell eines sagen: Du bist meine allerabsolute Lieblingsklassenlehrerin! Danke schön für die Denkanstöße, die Du mir immer wieder gibst. Aufmerksamkeit und Sensibilität die Du zeigst, im Umgang mit den, oft schwierigen, Situationen in Deiner Klasse. Neugierde und das Bedürfnis dahinter zu schauen, die Du in mir erweckst. Danke schön für den Ideenreichtum, mit dem Du den Unterricht gestaltest. Danke schön für das Engagement, das Du an den Tag legst, um mir oder Deinen Kindern etwas beizubringen. Danke für die Liebe, mit der Du alles machst, was Du anpackst. Danke für die herzliche Aufnahme in Deiner Klasse. K steht für den Schweizer Käse, der in Wirklichkeit nach Rosen duftet. R steht für die Ruhe und Wärme, die Du in die verwundeten Kinderseelen bringst. Ä steht für eines Deiner Kinder, welches diesen Buchstaben gerne in 3-facher Ausführung gebraucht. T steht für das Talent, mit dem Du in dem genialen Umgang mit Deinen Kindern gesegnet bist. T steht für die Träume, die Dank Deiner Bemühungen für die Kinder vielleicht doch noch wahr werden. L steht für die Lebendigkeit in Deinem ganzen Tun. I steht für das Ideal, das Du stets bestrebt bist zu erreichen Rückblick: Aufmerksam gemacht durch mein Diplomarbeitsthema über tiergestützte Pädagogik rief mich eines Mittwoch Abends die Klassenlehrerin der 7. Klasse der Karl Schubert Schule an, und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte mit ihr und ihren Kindern am Montag Vormittag zur Reittherapie zu fahren, sie bräuchten einen verlässlichen Fahrer. Klar Lust hatte ich schon, nur wie sollte ich das mit meinem Job vereinbaren? Ich sagte nicht sofort zu, wollte ich doch gerade zu dieser Zeit meine Arbeitszeit auf 80% verkürzen, um an 2 Vormittagen in der Woche die Volkshochschule zu besuchen, um die Berufsreifeprüfung zu machen. Und einen dritten Vormittag in der Firma zu fehlen, nein, das war nicht drin. Trotzdem hatte ich für dieses Projekt Feuer gefangen, und es ließ mich nicht mehr los. Die rettende Idee und den entscheidenden Zuspruch erhielt ich dann eigentlich am Donnerstag während einer Stimmbildungsstunde von Birgit Metzger. Sie sagte, geh doch nur einen Vormittag in die VHS und den zweiten Vormittag fährst du mit zur Reittherapie, das musst du machen, so eine Möglichkeit bekommst du nie wieder. Ich wusste natürlich, dass Birgit Recht hatte, aber wie sehr diese Vormittage mein Leben bereichern würden, das wusste ich damals noch nicht. Jedenfalls am Freitag, an unserem November Wochenende sagte ich nach Absprache mit meiner Firma fix zu. Und das sollte ich nicht bereuen. Einige Wochen und Monate sind seitdem ins Land gezogen, und abgesehen davon, dass ich erfahren habe, und jeden Montag aufs Neue erfahre was Equotherapie ist und kann, hab ich noch viel mehr dazugelernt. Zum Beispiel, dass meine Angst und mein Bauchweh, welches ich hatte, als ich zum ersten mal Danielas Klasse betrat, vollkommen unnötig waren, wie es ist mit so einem riesigen 4-reihigen Kastenwagen durch Wien zu fahren (und sogar in winzig kleine Parklücken einzuparken ha, Daniela und ich sind mittlerweile das perfekte Einparkteam sagt sogar Patrick, na und der muss es ja wissen!!!), tja und dann hab ich noch Maxens perfekten Schleichweg, vorbei am Montag Morgen Verkehr von Mauer zur Baumgartner Höhe kennen gelernt, und natürlich was, neben der Reittherapie am wichtigsten überhaupt ist, die Kinder selber, und den Hauptunterricht, wie Daniela ihn gestaltet. Von Woche zu Woche gibt es unterschiedliche Umstände zu bewältigen und neuen Anforderungen gerecht zu werden. Und mehr als viele gleichaltrige Jugendliche fordern diese Kinder die volle uns ungeteilte Aufmerksamkeit, enorme Flexibilität, Verständnis und eine große Übung in der Zurücknahme der eigenen Person. Ich gehe mit meiner Meinung komplett konform mit Roswitha Zink, einer der Reittherapeutinnen, die während eines Gespräches über die Fortführung der Equotherapie meinte, dass diese Schule im Allgemeinen und diese Klasse und Lehrerin im Speziellen, das Beste sei, was diesen Kindern in ihrer Lage passieren konnte. In Anbetracht der mehr als widrigen Umstände, in die diese Jugendlichen hineingeboren wurden, ist der Fortschritt und die Entwicklung die sie in ihrer sozialen Kompetenz machen, seit sie die Karl Schubert Schule besuchen, nicht mehr zu übersehen. Sicher, manche Tage sind schwierig, und manche Situationen schwer lösbar, manchmal scheint es so, dass man nur einen Schritt vorwärts und zwei Schritte zurück geht, aber die Konsequenz und das Durchhaltevermögen der Klassenlehrerin und des gesamten Kollegiums machen sich in mehr als nur einer Hinsicht bezahlt.

6 Ich persönlich finde sogar so sehr, dass ich mich frage, warum es in Österreich nicht mehr Mittel und Wege gibt, auch anderen Kindern mit einer ähnlichen Biografie und einem ähnlichen Schicksal nach diesem Vorbild eine neue Chance zu geben. Ich glaube so eine Schulform, so ein Mittelding, zwischen normalem Schulalltag und komplett heilpädagogischem Schulalltag benötigen wir dringend, zusammen mit ähnlich engagierten PädagogInnen, wie ich sie in den letzten Monaten kennen lernen durfte. Liebe Daniela, bitte bleib uns noch lange erhalten!!! (In der Schweiz, Deiner Heimat, hast Du eh schon soviel Zeit verbracht!) Equotherapie (Auszug aus der Homepage besser als ich es erklären könnte). 6 Equotherapie, die Therapie mit Pferden, beruht auf der besonderen Begabung dieser Tiere, nonverbale Körperimpulse zu erkennen und der TherapeutIn rückzumelden. Das Pferd ist fürsorglich es trägt den Klienten und fordert gleichzeitig Verantwortung und Mut, denn es muss geführt und gesteuert werden. Diese antagonistischen Impulse werden von der TherapeutIn aufgegriffen und so dosiert, dass die KlientIn dadurch wachsen kann. All das basiert auf einer lautlosen Sprache, die durch Körperspannung, Mimik und Gestik entsteht: Ein Bewegungsdialog! Menschen, die vor großen Herausforderungen stehen oder großes Leid erlebt haben, schätzen dieses einzigartige Beziehungsangebot ohne Absicht, ohne Sprache, ohne gesellschaftlichen Kontext. Christine Waschulin Kleine Veränderungen mit großer Wirkung Bei unserer Intensivwoche geht es um Kinderbetrachtung, wir haben allgemeine Seminare und täglich drei Stunden Plastizieren. Wird das meine Geduld nicht auf die Probe stellen?, frage ich mich. Das tut es nicht. Die Zeit wird zu kurz. Diese Zeiten der Ruhe und des künstlerischen Arbeitens bewegen. Sie bewegen meine Gedanken, bringen die Themen zusammen, die für mich vorher noch so beziehungslos nebeneinander standen. Am Vormittag sprachen wir in unserer großen Seminarrunde zum Thema Kinderbetrachtung über die Systemische Betrachtungsweise : eine Bewegung an einer Stelle bringt etwas in Gang ganz woanders. Eine kleine Bewegung kann das ganze Bild verändern. Ich betrachte meine Tonskulptur. Es scheint ein Frauenkopf zu werden. Mit dem Mund bin ich noch nicht zufrieden: Die Unterlippe und Oberlippe schließen gleich ab. Ich betrachte die Münder meiner KollegInnen, die ebenso wie ich schweigend, manchmal leise plaudernd, an ihren Köpfen arbeiten. So unterschiedlich können Münder sein! Wesentlich scheint zu sein, dass die Unterlippe zum Mundwinkel hin unter der Oberlippe verschwindet. Ich drücke mit meinem Spatel vorsichtig und leicht die Unterlippe entsprechend zusammen und betrachte den Mund. Er wirkt nun weich und gelöst. Ich betrachte das Gesicht meiner Plastik, es ist insgesamt weicher geworden. Eine Änderung an einer Stelle... Für meine Kinderbetrachtung habe ich mir einen Schüler meiner Klasse vorgenommen. Wie kann ich ihm nur

7 7 helfen, seinen Stand zu finden, sich zu behaupten, aufrecht und sicher da zu stehen. Warum versteckt er seine Augen immer hinter seinen Haaren? Wann schaut er mir endlich direkt in die Augen? Auch diese Gedanken beschäftigen mich, während ich zart und vorsichtig kleinste Änderungen an meiner Tonskulptur vornehme, die inzwischen beachtlich an Leben gewonnen hat obwohl ich immer nur kleinste Änderungen vornehme. Jetzt bin ich bei den Augen. Sie blicken zu schmal und kühl. Wolfram, unser Dozent, kommt immer wieder einmal bei mir vorbei und betrachtet mit mir gemeinsam meine Skulptur. Es tut gut, mit jemandem gemeinsam auf etwas blicken zu können. Ein kleiner Hinweis genügt. Wenn du das Augenlid an dieser Stelle etwas höher ziehst, wird das Auge weicher. Ein kleiner Hinweis mit großer Wirkung. Plötzlich beginnt das Gesicht vor mir zu leben. Ich könnte es immer und immer anschauen. So eine Ausstrahlung durch eine winzige Änderung? Ich wechsle den Standpunkt, betrachte den Kopf von der Seite, von hinten, von nah, von ferne. Immer wieder entdecke ich etwas Neues, noch nie Dagewesenes. Oder habe ich es bis jetzt nur nicht wahrnehmen können? Am späteren Nachmittag gibt es täglich den praktischen Teil der Kinderbetrachtung. Jeder stellt sein Kind vor, gemeinsam wird auf das Kind geschaut. Durch das Mitschauen der KollegInnen kann ich Neues entdecken. Aspekte, die ich selber nicht wahrgenommen habe, rücken in mein Blickfeld. In mir verändert sich etwas: es verändert sich mein Blickwinkel auf das Kind. Am ersten Schultag nach dieser Intensivwoche kehre ich zurück in meine Klasse. Genau dieses Kind, das so stark im Mittelpunkt meiner Betrachtungen während der letzten Zeit gestanden hat dieses Kind kommt in die Klasse, die Haare sind kurz geschnitten, die Augen blicken mich direkt an, die Haltung ist aufrecht, die Stimme klar und deutlich: Guten Morgen. Die Büste aus Ton steht bei mir zu Hause. Mit ihr habe ich die Gewissheit mit nach Hause genommen: Eine kleine Veränderung kann Großes an anderer Stelle bewirken. Und die Veränderung beginnt bei mir selbst. Maria Thaler (D-Kurs) Alle Fotos: Christiane Friedrich

8 8 Was Mariechen und Hänschen nicht lernen, lernen Marie und Hans nimmermehr. Was bewegt, motiviert Menschen lebenslang zu lernen? Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr war eines der Zitate, die ich in meiner Kindheit immer wieder zu hören bekam. Diese damalige Beschreibung von Lernen ist jedoch aus heutiger Sicht nicht mehr gültig. Wir sprechen in diesem Jahrhundert in unterschiedlichen Zusammenhängen von lebenslangem Lernen, sei es in der allgemeinen (Persönlichkeitsentwicklung, Allgemeinbildung) und beruflichen Aus- und Weiterbildung (erwerben, anpassen von beruflichen Fähigkeiten und Kompetenzen), wobei beide Bereiche sehr eng miteinander verwoben sind. In einer Gesellschaft, die geprägt ist von Veränderungen, die rasch erfolgen, in der heute Neues schon morgen Überholtes ist, gehört nicht nur ständiges Dazulernen, sondern auch Um- und Verlernen zum fast schon Alltäglichen. Haben wir Menschen, die wir in dieser Gesellschaft leben, uns aber in der gleichen Geschwindigkeit wie unser Umfeld in Bezug auf Wissensaufnahme und Wissensumsetzung weiterentwickelt? Können wir Schritt halten? Fragen, die mich in diesem Kontext beschäftigen: Informationstechnologie ermöglicht uns heute eine Unmenge von Wissen erwerben zu können, wie gehen wir aber mit dieser Vielfalt von Datenmengen, Eindrücken und Erlebnissen um? Wie beeinflusst ein neues Bild von Familie, mit immer weniger Großfamilien, mehr Patchwork-Familien, mehr Single-Haushalten, eine veränderte Form von Miteinander- Leben, den Zugang zum Lernen? Eine sich rasch verändernde Berufs- und Arbeitswelt, in der die Menschen immer wieder in einem Prozess des Arbeit-Suchens sind, in Form von Arbeitsplatzsuche im bekannten, gelernten Beruf, aber vermehrt in einem neuen Arbeitsbereich, bekommt lebenslanges Lernen eine bedeutende Dimension. Mit den Wandlungen und Brüchen in der Berufs- und Arbeitswelt ändern sich auch herkömmliche Berufslaufbahnen. Unsere Eltern-Generation arbeitete zumeist ein Leben lang im selben Beruf und sogar beim selben Arbeitgeber. Ein Berufs- oder Arbeitgebergeberwechsel erfolgte fast immer aus eigener Motivation zur Veränderung heraus. Schon heute, aber vor allem in Zukunft wird sich dieses Bild verändern. Zukunftsforscher prognostizieren uns ein Arbeiten in 3-5 Berufen und selbstverständlich bei mehreren Arbeitgebern. Nicht zu vergessen die heutige (in Österreich) herrschende Situation, dass wir immer länger arbeiten werden, d.h. immer älter im Arbeitsprozess stehen sollen. Wie gehen wir als Individuum und wie die Unternehmen der Zukunft damit um? Unsere Bildungslandschaft ist gerade im Umbruch. Als Leserin und Hörerin von Medieninformation nehme ich wahr, dass es viele Überlegungen gibt, die sich damit beschäftigen, wie Kinder noch früher, noch mehr lernen können, damit sie als Erwachsene in der Gesellschaft zurecht kommen können. Ein Lernpaket wird geschnürt, das zu bewältigen ist, damit wir als Erwachsene überlebensfähig sind! In diesem schnellen gesellschaftlichen Wandel scheint es, dass wir nur zukunftsfähig sind, wenn wir Wege finden, Lernen als Notwendigkeit und Herausforderung zu begreifen und als Hilfe für die schnellen Veränderungen unserer Zeit anzunehmen. Wie muss daher unser Bild von einer Schule des Lebens aussehen? Welche Fähigkeiten, Eigenschaften, Begabungen, Interessen, Kompetenzen, Handwerkszeuge benötigen wir? Wie wecken wir in uns das Interesse, eine natürliche Neugier auf Neues und Anderes, auf Veränderungen zu haben, damit lernen Spaß und Freude macht und einen persönlichen Wert einen persönlichen Nutzen ein persönliches Bedürfnis Sinn für mein Leben bekommt? Wie schaffen wir es, den natürlichen kindlichen Drang, Neues zu entdecken, bis an unser Lebensende aufrecht zu erhalten? Aus dieser Fragestellung heraus werde ich mich in meiner Projektarbeit mit der Frage: Was bewegt, motiviert Menschen, lebenslang zu lernen? beschäftigen. Natürlich habe ich mich auch selbst gefragt, was hat mich im Laufe meines Lebens bewegt zu lernen, was hält meinen Lernmotor in Schwung. Einige Antworten darauf habe ich für mich bereits entschlüsselt. Beim Versuch eine oder mehrere eindeutige, aussagekräftige Komponenten zu finden, die auf mehrere Menschen zutrifft, bin ich bisher gescheitert. Seit fast 20 Jahren stehe ich als Trainerin in der Erwachsenenausbildung, bin daher vielen Menschen bei Seminaren, Vorträgen und Workshops begegnet, habe auch viele Motivationsgründe gehört, warum jemand lernt. Aber, ich kann mit meinen bisherigen Erfahrungen, Informationen, Beobachtungen und Wahrnehmungen noch keine Beschreibung eines Typ Mensch abgeben, der gerne lernt oder sogar lebenslang gerne lernt. Ohne im Vorhinein zu wissen, ob es überhaupt möglich ist, Indikatoren für lebenslanges gerne Lernen zu finden, möchte ich meiner Frage in Form einer ersten kleinen wissenschaftlichen Forschung näher kommen. Bei meinem Forschungsansatz stelle ich mir die Frage Wie motiviere ich als Trainerin, Begleiterin, Coach Menschen zum Lernen? Ich möchte mich der Frage nähern, indem ich herausfinde, was Menschen motiviert (aus sich selbst heraus) zu lernen, was wird dazu von den einzelnen Lernenden gebraucht, welche unterschiedlichen Bedürfnisse gibt es, vielleicht auch in unterschiedlichen Lebensphasen. Elvira Schrittwieser

9 9 Humor und Tragödie als Unterrichtsmittel von Niko Ginter, Universitätslehrgang Waldorfpädagogik Seit dem Beginn meiner Arbeit begleitet mich das Buch von Sigmund Freud: Der Witz und seine Beziehung zum Unterbewußtsein/ Der Humor (Fischer Taschenbuch Verlag ISBN ), in dem Freud auf die Grundleistungen von Witz und Humor eingeht, aber auch eine scharfe Trennlinie zwischen Humor und Witz zieht, sowie das Werk Rudolf Steiners: Die Ausdrucksfähigkeit des Menschen in Sprache, Lachen und Weinen (Verlag der Rudolf Steiner Nachlaßverwaltung Dornbach/Schweiz). Das hier geschilderte Menschenbild (im übrigen auch in unserem letzten Seminar sehr plastisch dargestellt) sowie ein intensives Gespräch mit meinem schulischen Mentor Andreas Staudinger haben mich nun in eine neue Richtung denken lassen. Die Humorepoche der Oberstufe (9. Klasse) sollte in dem heranwachsenden Jugendlichen nicht nur ein Gefühl für Humor bilden, sondern darüber hinaus das neue Verstehen, das sich im Laufe der Pubertät bildet, festigen. Der Witz ist Teil des Humors, spielt aber mit der Begrifflichkeit und schafft nicht eine größere Klarheit, die ich mir durch humorvollen Unterricht erhoffte, sondern kann sogar dazu führen Inhalte zu verschleiern. Der Humor sollte eine Grundhaltung wiederspiegeln, die in respektvoller Weise die Ernsthaftigkeit des eigenen Standpunktes als auch die des Gegenüber respektiert, sich aber über die gesetzten Konventionen hinaus begibt. Hier kommt dem Humor die gestaltende Kraft der Kunst zu Hilfe. Kann man im Unterricht Künstler sein, wie es bei Lindenberg ( Angstfrei lernen, Selbstbewußt handeln rororo Verlag ISBN ) verlangt wird, so sollte nach meinem Ermessen auch diese Kunst nicht zu kurz kommen. Die Satire, der Zynismus oder der Spott gehören hier wieder gesondert behandelt. Ihnen ist im Allgemeinen der respektvolle Umgang abhanden gekommen. Das führt wieder dazu, dass sie als Lehrmittel so nicht eingesetzt werden können, ja sogar manchmal an der Freiheit zu denken hindern, oder gegebenenfalls an dieser Freiheit scheitern. Nach dieser ersten Analyse der Begrifflichkeiten geht es mir nun um die Grundlage der Oberstufen- Wissensvermittlung und um die Art und Weise in der Humor in eine solche hineinspielt. 1. Humor als Grundhaltung 2. Humor als pädagogisches Werkzeug 3. Konkrete Möglichkeiten des Humors im pädagogischen Wirken (Humor als Wissensvermittler.) Beginnen wir mit der Grundhaltung. Hierzu stellen sich mir folgende Fragen: Wie begegne ich einem Menschen humorvoll? Welche anderen Grundhaltungen kann ich im pädagogischen Kontext anwenden? Wie äußern sich humorvolle Haltungen im Unterricht? Wie reflektieren die Schüler/innen diese Haltungen? Eine von Humor getragene Grundhaltung nimmt sich selbst und auch ihr Gegenüber respektvoll und wohlwollend wahr. Humor ist hierbei nicht so sehr das anekdotische Erzählen, sondern vielmehr ein Esprit, eine Würze, die schon durch den Menschen der sie trägt vermittelt wird. Humor kann sich dann in Verschiedenem äußern. Gestik, Mimik, Körperhaltung und Sprache zeigen eine humorvolle Haltung an, aber auch der Geist, die Seele kann sich über lachende Augen oder einen lachenden Geist vermitteln. Humor hat auch etwas mit Aufrichtigkeit und einer inneren wie äußeren Aufrichtung zu tun. Wie begegne ich einem Menschen humorvoll? Dazu eine Geschichte: Seit ich an der Waldorfschule Klagenfurt bin, durfte ich immer wieder mit Herrn Andreas Staudinger zusammenarbeiten. In ihm sehe ich einen Menschen, der anderen mit einer gehörigen Portion Humor entgegentritt, ohne dabei seine Kompetenz zu gefährden. Und er erzählt Geschichten. Unsere Zusammenarbeit beschränkt sich hierbei auf das Theaterspiel und die dazugehörigen Probenprozesse. Und eben dort beobachte ich immer wieder die gleiche (wenn auch immer individuell abgewandelte) Szene, die sich in drei wichtige Teile gliedern lässt: Entspannter Aufbau Spannung Entspannung Während des Aufbaus kann alles passieren, dennoch bleibt es immer eine gelöste Atmosphäre, in der jede/r auf seiner / ihrer Position das Beste gibt, ohne sich dabei zu überanstrengen. Meistens kommt es zu kurzen Probenstückchen, die am Vortag nicht so geklappt haben, oder es fallen kurze Worte der Ermutigung. Dann ein Scherz, eine Theateranekdote und schon führt es hinüber in den Prozess des Erarbeitens des unmittelbaren Erlebens. Dann beginnt die eigentliche Probenarbeit, aber ohne rohe Worte, ohne zuviel Druck, nur heraus aus dieser Grundhaltung aus der Anekdote hinaus in Richtung eines Ziels, das nicht nur die Produktion im Auge hat, sondern das Erleben an sich. Spannung, aber niemals Spannung ohne Erlösung. Geht was schief ist es nie: Schluss jetzt! Mach das so! sondern Schau, du bist noch nicht hier! und dann geht es ums Abholen. Wie kommt der Schüler / die Schülerin nun dorthin, wo er / sie gesehen werden kann? Zum Ende hin geht es dann wieder ums Gemeinsame, ums Lachen. Und lacht die Gruppe miteinander, dann lebt die Klasse eine Gemeinschaft, die sich über die Schule hinaus bildet. Diese Erfahrung habe ich in einigen Gesprächen mit ehemaligen Schüler/innen gemacht. Und viele haben eben jene Grundhaltung während ihrer Theaterproben dafür verantwortlich gemacht, dass sich eine solche Gemeinschaft bilden konnte. Vielleicht sollte ich die Grundhaltung, die ich zu präsentieren versuche, auch an einer Geschichte festmachen, die ich letztes Jahr in der damaligen 12. Klasse der Waldorfschule Klagenfurt gemacht habe. Am Programm unserer vorjährigen Produktion stand ein selbst geschriebenes Theaterstück über eine Klassenreise, die noch vor uns lag, und Andreas Staudinger und ich versuchten eine Produktion mit eigenen Liedern auf die Bühne zu stellen. Es gelang bravourös, und die Jugendlichen waren dankbar für ihre letzte Theaterproduktion. Und nach der letzten Vorstellung überreichten sie uns Geschenke. Ich erhielt ein Kleeblatt, auf dem sich

10 10 alle Schüler/innen mit Namen und Kommentaren zu unserer gemeinsamen Zeit verewigt hatten. Und eine Schülerin schrieb zum Thema Was wäre wenn..: sie mir nicht gezeigt hätten wie viel Spaß es machen kann irische Musik zu spielen? Sie hatte in diesem Schuljahr ihre Geige als Instrument wiederentdeckt, weil aus der Musik Freude vermittelt wurde. Welche anderen Grundhaltungen kann ich im pädagogischen Kontext anwenden? Wie steht es mit den anderen Grundhaltungen? Können andere Grundtugenden eine ähnliche Wirkung entfalten? Ehrlichkeit? Ich denke ja! Ernsthaftigkeit? Wenn man den Jugendlichen dort abholen kann, wo er gerade ist, sehe ich auch darin eine Möglichkeit, sehe aber eine Gefahr in der Dogmatisierung der eigenen Haltung, der ich ja dann auch mit Ernsthaftigkeit gegenübertreten muss. Hilfsbereitschaft (schließt als Grundhaltung keine andere aus). Hier gibt es sicher noch mehr zu sagen, ich kann aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich etwas dazufügen. Wie äußern sich humorvolle Haltungen im Unterricht? Natürlich steht schon viel davon in der Anekdote über Andreas Staudingers Theaterproduktion, ich will aber vielleicht auch auf einen anderen Hintergedanken kommen. Lassen sie es mich so ausführen. In der Geschichtsepoche der 12. Klasse geht es um die Leitlinien der Geschichte, um die großen Zusammenhänge und ihre zahlreichen Verknüpfungen sowie um Perspektiven, die sich aus der Geschichte für eine positive Gestaltung mitnehmen lassen. Diese Leitlinien führen alle immer zu einem Punkt hin - zum Schüler / zur Schülerin selbst. So ist es auch der Ort, an dem man den Schüler / die Schülerin dieser Altersstufe abholen kann, direkt bei ihm / ihr. Ich nehme diesen Auftrag sehr ernst und begann neulich meinen Unterricht damit, mir die Tageshoroskope vorlesen zu lassen. Begeistert griffen die Schüler/innen die Gelegenheit auf, und schon diskutierten sie über Sinn und Unsinn solcher Prophezeiungen. Dann begann ich damit gängige Klischees des Sternenkreises aufzuzählen. Gebannt hörte die Klasse zu, bis ich ihnen meine Quelle preisgab. Das Satyricon, ein Roman aus der römischen Geschichte. Ähnliches ließe sich sicherlich mit Schönheitsidealen, Sport, Unterhaltungsindustrie und vielen anderen Themen machen. Aber eben jener stete Wechsel aus Spannung und Entspannung mit einer Portion Spontaneität führte mich schon vor Beginn unseres Kurses zu der Frage, ob sich eine solche Methode verallgemeinern lässt. Kann man im Spannungsfeld von Humor und Tragödie (auch hier liegt ein großes Potential) einen lebendigen Unterricht auf Basis gegenseitiger Wertschätzung erreichen? Wie reflektieren die Schüler/innen diese Haltungen? Bereits angedacht aber noch nicht fertig ausgearbeitet ist hier ein praktischer Teil meiner Arbeit angesiedelt. Wie erhalte ich einen guten Überblick über die vorgeschlagene Unterrichtsmethode? Wie kann ich einen Fragebogen oder ein Interview führen, das sich den Humor zum Prinzip macht? Fragen wie zum Beispiel War der Unterricht lustig? führen mich nicht zu einem Ergebnis, denn das Ziel muss immer noch eine kognitive und emotionelle Wissensvermittlung sein. Kann ich also anhand eines Testes herausfinden, ob dem kognitiven Bereich genug Raum gegeben worden ist, oder müsste ich eine Art Doppelstudie machen. Dann bleibt immer noch die Frage, wie lange nach einer Epoche könnte eine solche Studie hilfreich sein? (Ich erinnere mich dabei an das Buch von Christoph Lindenberg, Angstfrei lernen, Selbstbewußt handeln, Kapitel Kritik des Wissens S.68, in dem er eine Situation beschrieben hat, wo ein ehemaliger Schüler auf der Universität eine Prüfung ablegen sollte und auf die vermeintlich einfache Frage nach dem Ermächtigungsgesetz keine Antwort hatte. Seine Konklusion: der allergrößte Teil dessen, was unterrichtet wird, hat das Schicksal vergessen zu werden. Doch das heißt nicht, dass es verloren ist, solange ein Geschmack von Wissen transportiert wurde, aber dazu später). Eine Idee wäre hier ein Interview mit ehemaligen Schüler/innen der Waldorfschule über die Inhalte, die sie sich noch vergegenwärtigen können und warum gerade diese Informationen ihren Weg in das Langzeitgedächtnis gefunden haben. Ein kurzer Fragebogen, knapp nach einer Epoche, könnte mir auf längere Frist helfen emotionale Bindung an Wissen genauer zu untersuchen (Bsp. Die heutige 11. oder 12. Klasse füllt einen kurzen Wissenstest und Emotionsfragebogen aus, den ich in zwei bis drei Jahren mit ihnen wiederholen möchte. Hier wäre die Zeit, die für dieses Projekt bemessen ist zwar zu kurz, aber das hindert mich nicht, es dennoch zu versuchen, ein aussagekräftiges Ergebnis zu erzielen.) 2. Humor als pädagogisches Werkzeug Kommen wir zu den drei Ausgangspunkten zurück, so wirkt hier die Frage nach, wie transportiere ich einen Geschmack von Wissen? Gehe ich von mir aus, dann klingt in diesen Worten sofort ein wichtiger Lebensaspekt mit, der Geschmack. Vielleicht können wir uns über diesen dem Thema ein wenig nähern? Ich bin ein leidenschaftlicher Koch und beherberge zurzeit ein Sammelsurium von ca. 115 Gewürzen, die fein säuberlich in meiner Küche stehen. Geschmack hat somit für mich eine wahrhaft vielschichtige Bedeutung. Aber Geschmack des Wissens? hier kommt ein deutlicherer Aspekt des Geschmacks zum Tragen, seine Subtilität. Geschmack ist nicht fassbar. Zwar können wir ihn in süß, sauer, salzig, bitter und zusammenziehend (astringierend als Beispiel eines vedischen Begriffes) bezeichnen (scharf ist in diesem Sinne nur ein Schmerzreiz). Aber selbst eine prozentuelle Aufteilung der geschmacklichen Richtungen in all ihren Bestandteilen wird uns kein hinreichendes Zeugnis liefern, das sich mit dem Schmecken für sich vergleichen lässt. Geschmack wirkt unmittelbar. Wissen wirkt mittelbar. Wie bringen wir nun Wissen in die Unmittelbarkeit des Seins? Mein Vorschlag wäre der Affekt. Über eine Emotion, die genauso unmittelbar ist, kann Wissen einen Geschmack verleihen, der sich so auf das Gemüt legt, dass sogar Gusto, Hunger nach Wissen entstehen kann. Hierzu muss das emotional verknüpfte Wissen jedoch verinnerlicht werden. Und ich verweise erst einmal auf die grundlegende Idee. Verbinden des Wissens mit Emotionen über die Möglichkeit der Leichtigkeit des Humors. 3. Konkrete Möglichkeiten des Humors im pädagogischen Wirken (Humor als Wissensvermittler.) Hier würde ich gerne noch ein wenig anekdotisch plaudern, wenn es mir gestattet ist. Denn nichts erzählt eine Geschichte besser als eine Geschichte. Wieder einmal geht es um den Geschichtsunterricht der 12. Klasse. Und wieder möchte ich den Kollegen Herrn Tobias Richter zu Wort kommen lassen (was einem nicht

11 11 alles in zwei Tagen Hospitation passieren kann). Das Gespräch in der Klasse hatte sich wieder einmal an der neuen Ordnung der Dinge festgemacht, und wir hatten gerade über Konfrontation und Dialog gesprochen, als Herr Richter eine wunderschöne Geschichte erzählte. Eine Bekannte saß unlängst in Wien in einer Straßenbahn und wurde von einigen Jugendlichen, hier bei ihnen (Kärnten) würde man sagen wahrscheinlich Tschetschenen, angemacht. Es waren großteils junge Männer mit ausländischem Akzent, die für ihren Übermut einen Raum suchten und in der vermeintlich hilflosen Kunststudentin ein geeignetes Opfer sahen. Doch die junge Dame besann sich darauf, wer sie denn eigentlich sei und als die Jugendlichen sie mit ihren unzweideutigen Angeboten überhäuften, stand sie auf und sagte, O. k., lasst uns was gemeinsam machen. Die Jugendlichen waren verdutzt, aber glaubten nicht an die überraschende Wendung und bohrten nach. Gehen wir zu dir? Gut gehen wir zu mir! war eine weitere überraschende Antwort Aber dort schlagt uns dann dein Freund! Dort gibt s keinen Freund! beteuerte die Kunststudentin. Die Jugendlichen waren fast ratlos. Was wir machen? war eine bereits unbeholfene Frage. Zeichnen? eine Antwort. Und tatsächlich, von den sieben Jungen begleiteten sie fünf mit nach Hause, tranken mit ihr Tee und wurden herausgefordert, sich gegenseitig zu portraitieren. Nach einiger Zeit fragte sie, ob sie das Portraitieren richtig lernen wollten, und schlussendlich wurden aus den fünf Jungen schließlich fünfzehn Studenten, die nun regelmäßig zu einem Malkurs zu ihr nach Hause kommen. Eine beeindruckende Geschichte, voller Humor und einer Was bisher nicht geklappt hat, obwohl ich es schon lang einmal tun wollte, gelingt heute! Wir fahren in die Stadthalle und lernen die nachtschwarze Welt unserer sehbehinderten Mitmenschen kennen. Mit Blindenstöcken bewaffnet stehen wir, eine Gruppe von acht Leuten, in einem bereits etwas abgedunkelten Raum im Keller der Halle F und harren der Dinge, die jetzt auf uns zukommen werden. Wir reden wild durcheinander, hie und da ist von jemandem ein krächzendes Lachen zu hören und beruhigende Worte von einem anderen. Wir sind alle gespannt, was uns erwartet, nervös und vielleicht ein bisschen ängstlich. Ich selbst fühle mich durchaus recht unsicher, meine größte Angst, den Anschluss an die Gruppe zu verlieren und allein gelassen und orientierungslos in der Dunkelheit herumzuirren, bis jemand kommt, Licht macht und dieses ganze Projekt wieder abbaut, damit die Kellerräume anders genutzt werden können, habe ich ganz tief irgendwohin, nach hinten, unten geschoben und fest verschlossen. Gabi ist vor mir, Bernadine hinter mir und links von mir ein Geländer zum Anhalten. Martin, unser Führer, kommt, gibt uns letzte Anweisungen, und im Gänsemarsch begeben wir uns in die vollkommene Dunkelheit. Beiläufig erwähnt er, dass wir doch die Rockzipfel unserer Vordermänner loslassen sollen, wir brächten uns nur um das Erlebnis und würden nur Beulen in die Pullover unserer vorderen Nachbarn ziehen. Na gut, wenn es denn sein muss, widerwillig lasse ich das Leiberl von Gabi los. Und überhaupt und außerdem: Woher weiß der das eigentlich? Grundhaltung des Selbstbewusstseins. Und vieles aus der Geschichte dieser Tage wirkt in den Jugendlichen meiner Klasse nach. Denn eine solche Geschichte öffnet für einen ganzen Unterrichtstag viele Türen. Noch drei Tage später wurde heftig diskutiert, ob die Haltung des Mädchens denn nicht leichtsinnig gewesen sei, aber auch ein Geschmack eines anderen Selbstverständnisses hat sich in dieser Geschichte in die Jugendlichen gesetzt. Es sind Geschichten wie diese, die eine humorvolle Grundhaltung unterstützen und dadurch neue Wege zeigen und öffnen. Und auch wenn mein Weg bei diesem Zwischenbericht hier endet, so sehe auch ich alle Wege offen. Niko Ginter Dialog im Dunkeln - Dialog mit meinen Sinnen? Er ist doch blind und kann es infolge dessen auf gar keinen Fall gesehen haben! So, jetzt ist es geschehen, allein, ohne physischen Kontakt zu einem anderen Menschen beginne ich meine Reise durch eine vertraute und doch so fremde Welt. Vorsichtig taste ich mich Schritt für Schritt weiter und in Ermangelung des noch so geringen Lichtscheins und Gabis Schultern beginne ich die anderen zu rufen, um zu erfahren, wer in meiner Nähe ist, und an wen ich von Zeit zu Zeit anrenne. Es geht über weichen Boden durch eine Parklandschaft, rechts vor mir taste ich Büsche, und der Geruch frisch geschnittenen Grases liegt in der Luft. Vögel zwitschern, Menschen rufen einander zu, und Martin, unser blinder Führer, leitet uns. Dem Laut seiner Stimme folgend geht es weiter über eine wackelige Brücke, durch eine feuchtnasse Höhle und durch einen Wald, bis wir an eine Straße kommen. Hier ändert sich alles, der Boden ist aus Beton, Straßenlärm ist zu hören. Wir müssen die Fußgängerampel bedienen, die in einem unterschiedlichen Tempo tickt, um die Straße überqueren zu können. Auf den Randstein werden wir netterweise aufmerksam gemacht. Als ich als Erste die andere Seite erreiche, bekomme ich von Martin gesagt, dass ich, Zitat: ganz schön stramm marschiere Zitat Ende. Ein bisschen baff weiß ich nicht was ich sagen soll, ehrlich das hat mir

12 12 (zu Recht) die letzten 20 Jahre keiner gesagt Aber irgendwie bricht es das Eis. Ich beginne mich in dieser finsteren Welt etwas wohler und sicherer zu fühlen. Ich tappe nicht mehr nur an der Wand entlang, ich beginne tastend die Umgebung zu erforschen. Und was es alles zu entdecken gibt! Einen Mistkübel, geparkte Autos, unterschiedliche Fassadenstrukturen, einen Zigarettenautomaten und einen ganzen Autobus, der uns in der Dunkelheit, chauffiert von unserem Führer, zu einigen Geschäften in einer Fußgängerzone bringt. Manchmal tappe ich auch mitten ins Gesicht eines Kollegen und erkenne, warum Brillen vor Beginn der Führung abgesetzt werden sollten. Ich war noch nie einer solchen Dunkelheit ausgeliefert und alle meine physischen Sinne sind irgendwann ganz nach außen gerichtet. Ich vergesse auf mich, die anfängliche Angst weicht einer Neugierde, und schnuppernd, lauschend und fühlend spaziere ich durch die Räume. Da gibt es noch Kartoffeln, Kaffee, Tee, Kastanien und einen Einkaufswagen zu entdecken, bis wir uns schließlich in einer Bar etwas zu trinken kaufen können. Mein Orangensaft wird im Tetrapack plus Strohhalm serviert, was mir, angesichts meiner Unfähigkeit auch bei Licht, ohne mich anzupatzen, etwas zu essen oder zu trinken, sehr entgegenkommt. Anschließend wird noch bezahlt, wobei ich natürlich auf das Wohlwollen und die Ehrlichkeit meines Kassierers angewiesen bin, denn ich habe beim besten Willen keine Ahnung, was für Geldstücke ich in der Hand halte, und dann, nach einer knappen Stunde hat uns das Tageslicht wieder. Mit einem Gefühl der Erleichterung, ähnlich wie wenn man nach einem Flug wieder festen Boden unter den Füßen hat, kehre ich in die Welt der Sehenden zurück. Martin, unser Führer, kann das nicht. Seine Welt bleibt dunkel. Und was das bedeutet konnten wir ansatzweise für kurze Zeit nachempfinden. Umso größere Hochachtung ist ihm und allen Menschen mit solchen und ähnlichen Handicaps, die ihr Leben erst recht in die Hand nehmen, entgegenzubringen, und manch einer, mich eingeschlossen, darf sich daran ruhig ein Beispiel nehmen. Christine Waschulin Ein Tag im Leben einer/eines Studierenden des MA-Kurs während der INTENSIVWOCHE vom in der Rudolf Steiner Schule, Wien Mauer MA-Kurs und kroatische StudentInnen Sinn und Sinne - Sinnesentwicklung - Sinnespflege 09:00 09:50 Uhr Sprechchor für alle mit Kristin Lumme SPRACHÜBUNGEN VORÜBUNGEN Artikulationsansätze Lippen Zahn-Zunge Gaumen: Artikulationsübung für die Lippen: Mut machen mir mutige Menschenmassen... geht in die Welt hinein, aber man spürt auch deren Grenzen. Weitere Übungen: Mäuse messen mein Essen. Mein Essen messen Mäuse. Tritt dort die Türe durch! Zahn-Zungen-Übung: Leise lispeln lumpige Lurche lustig Gaumen-, Lippen-, Zungenübungen: Mäuse messen mein Essen Pfiffig pfeifend, pfäffische Pferde, pflegend Pflüge, pferchend Pfirsiche zw zw zw zw; sssssss zz; schm schm schm; schn schn schn ; Zuwieder zwingen zwar, zuwenig zwanzig Zwerge, die sehnige Krebse, sicher suchend schmausen, das Schmatzende Schmachter schmiegsam, schnellstens schnurrig schnalzen - schnell Schnur schnall den Kindern Geschichten dazu geben: z.b. die zickige Frau zw. zw..., schm genüsslich Übung für den Gaumen: Komm kurzer kräftiger Kerl - Übung: der Schritt kommt kurz vor dem Aussprechen des K am Boden an. Wir gehen in die Mitte des Kreises und wieder zurück. - Übung: der Schritt erfolgt zur gleichen Zeit EDDA Der 1.Teil der Edda ist ein altnordischer Schöpfungsmythos, in epischer Erzählweise geschrieben. Der Stabreim ist ein Anfangsreim, das Gewicht liegt auf dem sich wiederholenden Anfangskonsonanten (manchmal auch Vokal). Er stammt aus dem nordisch germanischen Kulturstrom, wo man sich mit den Elementen, mit der Natur sehr stark auseinandersetzen und behaupten muss. Wir haben die 3. und 4. Strophe auf Altisländisch erarbeitet. Es wird anders gesprochen als geschrieben. Laut- und Textverständnis wurde erarbeitet im Vergleich mit der deutschen Übersetzung. Dialogübungen, Vorübung für Stabreim mit Text von W. Jordan Da wallen und wogen die Wipfel des Waldes. Da

13 13 brausen die Bäume und beugen sich bange Dabei gehen 2 Personen abwechselnd aufeinander zu. Lockerer Stampfer kurz vor dem Stabreim 10:00 11:00 Uhr Spielend unsere Sinne erleben Körpersinne, Weltsinne und Sozialsinne Workshop mit Ernst Reepmaker Vorübungen: Wir balancierten auf Seilen (Spielfeldmarkierungen!), die über den Himmel gespannt waren. Weit unter uns war die Erde! Bitte Vorsicht! Wir gingen aneinander vorbei, wechselten Richtungen, wie es uns beliebte. Niemand stürzte. Auch Stillstehen mit geschlossenen Augen keine Schwerichkeiten (schreibt der Holländer ). Selbst wenn wir Halbstöcke dazu nahmen und mit diesen balancierten, hielten sich die Unfälle im erträglichen Ausmaß. Wir hörten auf unseren Körper: Was sagt er uns, wie wir es besser machen können mit dem Gleichgewicht? Wohin sollen wir schauen? Wie können wir den Körper lockern und alle Verspannungen wegbannen? Zuletzt beendeten wir die Illusion und befanden uns wunderlicher weise wieder auf der Erde, im Turnsaal der Schule. Spiele: Wir stellten uns in Reihen auf: jeweils eine Reihe Blindgänger und eine Reihe Schutzengel. Diese konnten nur über verbale Kommandos ihre Schützlinge führen (den Menschen berühren können Engel ja bekanntlich nicht). So gingen die Vorderen durch den Saal, auf ein gegenüberliegendes Ziel zu. Der Weg dorthin sollte möglichst gerade sein. In der nächsten Runde machte sich nun auf der anderen Saalseite eine zweite Gruppe in der Gegenrichtung auf den Weg. Die beiden Gruppen der Vorderen sollten sich genau mit den vorgestreckten Händen treffen. Die Vorderen sollten mit offenen Augen ihren Gegenüber fokussieren, die Laufrichtung klar bestimmen und mit ge schlossenen Augen losmarschieren. Es gelang alles ganz gut! Dann spielten wir Donnerwetterblitz als Blinde. 8 SpielerInnen, wiederum jeweils mit einem eigenen Beschützer (dieser mit offenen Augen), näherten sich der blinden Großmutter. Diese sagt: Donnerwetterblitz und dreht sich um. Dabei horcht sie, ob sie eine/n MitspielerIn hört und deutet in dessen/deren Richtung. Stimmt der Fingerzeig, so nimmt der Beschützer seinen Schützling aus dem Verkehr. Nachspiel: Und natürlich huschten Mitzi, Max und Yuri auch wieder durch den Kreis 11:30 13:00 Uhr UNSERE SINNE UND WIR Seminar mit Tobias Richter Jeder reflektiert in fünf Minuten seine Erfahrungen der vergangenen Stunde. Die Übungen hatten heute als Schwerpunkt den Gleichgewichtssinn und das Balancieren. Sie vermittelten die Grunderfahrungen von In sich - Ruhen, Standfestigkeit, Selbstbeherrschung, Selbstsicherheit, Souveränität und von Sich einfügen - Können. Nun unternimmt es Herr Richter die Körpersinne (zu denen der Gleichgewichtsinn gehört) auf den Punkt zu bringen. Der Lebenssinn meint die Wahrnehmung der Lebensprozesse in den Organen oder wie am Vortag formuliert: Die Wahrnehmung der Ganzheit im Leib bzw. die Störung dieses ganzheitlichen Wohlbefindens. Der Tastsinn vermittelt eine Oberflächen - Grenzerfahrung durch Erlebnisse an der Haut. Am Vortag wurde in Abgrenzung zum Lebenssinn nicht die Ganzheit, sondern die Vereinigung mit dem von mir Getrennten als Erlebnis auf der Grundlage des Tastsinnes angesprochen (oder das Fehlen der Einheit in der Leere). Der Gleichgewichtssinn nimmt das Verhältnis zum Horizontalen und Vertikalen wahr. (Auf der Grundlage dessen kann auf der Bedeutungsebene Moralität erfahren werden.) Das Organ für den Gleichgewichtsinn befindet sich im Innenohr am Fuße der drei Bogengänge, die mit Lymphe gefüllt sind. Lymphe reagiert auf Geschwindigkeit und Beschleunigung. Dies wird von den Sinneshaarzellen in den unteren Ampullen registriert. In der gemeinsamen Basis der Bogengänge (Utriculus und Sacculus)) ragen Sinneshaarzellen durch eine Membran, in welcher Kalziumkarbonkristalle eingelagert sind. Diese reagieren unmittelbar auf die Schwerkraft (Orientierung zum Erdmittelpunkt) und jede Lageveränderung wird so registriert. Die Beziehung von Seh- und Gleichgewichtssinn beim Sehenden ist erlebbar, z. B. bei der Seekrankheit. Im Zusammenhang mit dem Gleichgewichtssinn wird die Bedeutung des Sehsinnes für Gleichgewichtsphänomene (Balancieren) besprochen, das bei den Spielen erlebt worden war Der Eigenbewegungssinn nimmt die Stellung der Gelenke, Lage der Gliedmaßen wahr, z. B. auch des Kiefers und der Zunge. Auch das Auge wird durch die sechs Augenmuskeln ständig bewegt und kann nur so Formen wahrnehmen. Exkurs zur Methode: Am Beispiel des Eigenbewegungssinnes wird demonstriert, wie sich alle Sinne nach weiteren Kategorien befragen lassen. Beim Eigenbewegungssinn lassen sich vier unterschiedliche Kategorien von Bewegungen wahrnehmen: 1. Die Beweglichkeit des Körpers als Selbsterfahrung. 2. Die fast automatische Fähigkeit, sich mit einem anderen mitzubewegen (Nachahmungsfähigkeit). 3. Möglichkeit der Verfeinerung der

14 14 Bewegungsfähigkeit (von ungeschickten zu geschickten Bewegungen). 4. Die emotionale oder Bedeutungsebene: die Bewegung als Mittel des Ausdrucks, z.b. eines Gefühls. Die Schulung des Bewegungssinnes ist Voraussetzung für kognitive Fähigkeiten. Denken, Zählen sind Bewegungsereignisse. Auch andere Leistungen wie Teamfähigkeit, Empathie, Sprachfähigkeit werden auf der Grundlage des Bewegungsorganismus entwickelt. Eindrucksvoll wurde dieser Zusammenhang an der Übereinstimmung von Bewegungs- und Sprachentwicklung beim kleinen Kind gezeigt: Gleichzeitig mit der Lallphase probiert das Kind viele Bewegungsmöglichkeiten aus. Auf dieser Stufe ist es Weltbürger. Überall lässt sich dieses Entwicklungsstadium so beobachten. Im Ergreifen der Muttersprache schränkt es sich in seinen lautlichen Fähigkeiten ein. Gleichzeitig erlernt es die Aufrichte und spezialisiert sich bewegungsmäßig. Hierbei wurde auch die Frage berührt, wie es mit Kindern ist, die mehrsprachig aufwachsen, also eine zweite Mutter- oder Vatersprache haben. (Sprache muss dinglichkulturell erfahren werden, d.h. auch in damit verbundenen Verrichtungen und Tätigkeiten.) Auch das Beispiel des Stotterers, der keine Krabbelphase durchgemacht hatte, konnte den Zusammenhang von Bewegung und Sprache belegen. 14:30 16:00 Uhr Episch, lyrisch, dramatisch sprechen und bewegen Workshop mit Kristin Lumme und Ernst Reepmaker Bewegungsteil Im ruhigen und besonnenen Schreiten begannen wir uns nochmals auf unsere Füße zu fokus sieren, und zwar indem wir zwei einander entgegenlaufende Zeitströme erlebten. Während sich der eine Fuß mittels Heben und Tragen nach vorne in die Zukunft (das, was von vorne auf uns zukommt) hinein bewegt, bewegt sich gleichzeitig der andere Fuß mittels Stellen und Lasten hinein in die Vergangenheit (das, was wir hinter uns zurücklassen). Das ist ein ver blüffendes offenbares Geheimnis (frei nach Goethe): Mit jedem Schritt macht der Mensch sicht bar, dass er (unbewusst) zwei Zeitströmen angehört. Der eine kommt uns aus der Zukunft ent gegen und wird Vergangenheit (Verjüngungsstrom), während der andere sich aus der Vergan genheit nach vorne auf die Zukunft zu bewegt (Kausalstrom). So befinden wir Menschen uns immer in der Mitte dazwischen. Im Körperbau sind es die Übergänge von konkav zu konvex und vice versa: Wenn wir unseren Körperbau anschauen, sehen wir den Vergangenheitsaspekt in den ge schlossenen oder konvexen (verinnerlichten) Formen hinten und den Zukunftsaspekt in den sinnesoffenen, eher konkaven (empfangenden) Formen vorne. Im Wahrnehmungsfeld vorne (unter der Dominanz der Augen, also Seh- und Gestaltsinn) können wir allerdings erleben, wie die Dinge, die Objekte konkret, verdichtet vor uns treten. Vor uns schließt sich, erstarrt die Welt (denkt dabei an das Spiel Donnerwetterblitz ), aber die Sinne, und damit unser Körperbau sind offen! Umgekehrt hinten: dort weitet sich unser Wahr nehmungsfeld (unter der Dominanz von Hören und Tasten), während die Körperformen sich schließen. Es ist faszinierend, sich mit diesen verschiedenen Qualitäten von Raum und Zeit in Bezug auf den menschlichen Körperbau zu befassen. Wir machen zuerst mit den Armen die Bewegungen der Füße mit, sodass Kongruenz in den Bewegungen der Gliedmaßen entsteht. Dann aber lenken wir die Richtung vorne-hinten um zu oben-unten. Jetzt verfolgen wir wieder einen Dialog zweier Strömungen, diesmal zwischen Licht (Kosmos oder Umraum) und Schwere (Erde, bzw. Erdmittelpunkt). Damit sind wir im Januarprozess und in der Lautgestalt M gelandet. Die kosmisch-irdischen Prozesse, die wir im Pflanzenreich von Monat zu Monat sich wandelnd in großartigen Bildern um uns haben, finden wir und das geht auf Steiner zurück in den Sprachlaut- Qualitäten. Die Gestaltung der Sprachlaute bildet sich immer im Dialog zwi schen Licht (Formkraft) und Schwere (Fülle)!

15 15 Sprachteil Epik = erzählend Lyrik = meistens in Gedichtform Dramatik = Dialog; spricht direkt an, findet im Hier und Jetzt statt. Es könnte ein Konflikt entstehen, Spannung tritt auf. Es geht erstmal um Krach! Arbeitstext handelt von Molly S., die blind geboren ist. Ihr Mann wünscht sich, dass sie sich operieren lässt, um ihre Sehfähigkeit zu erlangen. Alle schwärmen vom Sehen. Bei einer Party, die sie mit ihrem Mann vor der Operation gibt, fühlt sie sich alleine, niemand spricht die bevorstehende Operation an, sie hat Angst, die Menschen nicht mehr so wahrnehmen zu können wie bisher. Sie wird wütend: Woher wollen ihr Mann und ihr Arzt wissen, wie sie sich fühlt, und was das Beste für sie ist?! Sie beginnt außer sich zu tanzen. Nach der Operation, die nach der Meinung des Arztes geglückt ist, sieht Molly S. Umrisse, Farben, doch sie kennt die Begrifflichkeiten der Dinge nicht, sondern nur deren Beschaffenheit Wir beginnen mit einer Dialogübung, der Dialog soll sich über Bewegungen in Zweiergruppen entwickeln: - die Hände berühren sich, führen einen nonverbalen Dialog - die Augen werden geschlossen - mit geschlossenen Augen wird die Berührung der Handflächen gelöst, die Bewegung, der Dialog setzt sich fort - mit geöffneten Augen und Berührung der Handflächen kommt nun zu den Bewegungen der Hände die Stimme dazu. Wir sprechen abwechselnd Mut machen mir mutige Menschenmassen - wir schauen einander dabei in die Augen - dann werden die Augen beim Sprechen wieder geschlossen - Besprechen der Erfahrungen. Wir tauschen unsere Erlebnisse vom gestrigen Besuch Dialog im Dunkeln aus. Der Zuhörer hat die Aufgabe ruhig und aufmerksam zuzuhören. Anschließend beginnen wir in Zweiergruppen mit der Textarbeit zu Molly S., bei dem sie einen Dialog mit ihrem Mann führt. 16:15 18:00 Uhr Malen mit Wolfram Weh Aufgabe: Studien zum Farbspektrum: Landschaft und verschiedene Tageszeiten Das Bild aus den Farben entstehen lassen Zuerst: Arbeiten mit kühlem Gelb und kühlem Blau dadurch auch mit transparentem Grün Dieses erst blasse Malen schränkt das Bild noch nicht zu sehr ein und lenkt es nicht zu stark in eine Richtung/ legt mich nicht fest = mehr Gestaltungsfreiheit Später: etwas Wärme reinlassen und beobachten, wie es sich (die Atmosphäre) verändert. Wahrnehmen: Was passiert? Sich davon leiten lassen Das Bild entwickelt sich aus der Wahrnehmung Maltechnik: nicht nur blockartig malen, Pinseltechniken sollten variieren Fragen/Problemstellungen, die entstanden sind: - Welches Format wähle ich? Perspektive (Farbenwahl: vorne intensiver; nach hinten bläulicher, ins Violette hinein, matter) - Wo setze ich den Horizont an? Proportionsverhältnisse - Welche Pinseltechnik wo anwenden? Auf Landschaftsstruktur achten; der Form/ Dynamik von dem, was ich schaffen möchte, nachgehen Immer im Dialog mit seinem Bild sein: schauen empfinden Empfundenem folgen wieder beobachten Beachten, dass der Gesprächsraum oder Gestaltungsraum nicht verloren geht!!! Bei dieser Lasiermalerei kann ich immer nur ins Dunkle reingehen. Ich kann es nicht mehr aufhellen! Auszüge aus den Protokollen von S. Morrone, E. Reepmaker, E. Herold, M. Giannelos, T. Szabo Fotos von der Intensivwoche: Christiane Friedrich

16 16 Projektarbeiten im Rahmen des Masterlehrgangs Waldorfpädagogik im Studienjahr 2007/08 Allmer, Therese: Dokumentation als Grundlage der Kontinuität der Unterrichts- und Entwicklungsprozesse der Schüler Michèle Bevot: Beschreibung eines Prozesses zur gemeinsamen Übergangsbegleitung der Mittelstufe. Datzreiter, Andrea Gertrude: Bewegung im Kindergarten Anpassung an das bewegte Klassenzimmer. Giannelos, Marion: Soziale Strukturen einer Klassengemeinschaft Ginter, Nikolaus: Humor und Tragödie als Unterrichtsmittel. Hader, Krishna, Mag. a : Wie fördert der heilpädagogische Kindergarten der Karl Schubert Schule das kindliche Sozialverhalten? Heissenberger, Dorothea: Hyperaktive Kinder Herold, Evmarie: Die Einführung der Leier im Kindergarten Hoffmann-Handler, Johanna: Was sind die äußeren Bedingungen dafür, dass Kinder im Unterricht unruhig und laut werden Ickelsheimer, Johannes: Das Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod Jordis-Lohausen, Hanna-Milena: Parzival aktuell Metzger, Ute Dinah: Der Hörsinn. Warum ist Achtsamkeit im Umgang mit dem Hörsinn wichtig? Morrone, Silvia: Das verhaltensauffällige Kind Das verhaltenskreative Kind Mücke, Silas: Motivation im Unterricht Nußbaumer, Julia: Wie verändert sich Stefans Zwang an den Nägeln zu kauen im Laufe eines Tomatis-Hörtrainings? Schrittwieser, Elvira: Was bewegt, motiviert Menschen lebenslang zu lernen? Sonnleitner, Ulrike: Die Analyse der Kinderzeichnung als Ausgangspunkt für eine gezielte Förderung Stadelmann, Alexander Erich Eugen: Praxishilfen von Waldorflehrern für solche, die es werden wollen Szabo, Tereza: Wie kann ich die Klasse durch Gebärdensprache fördern? Tömböl, Beate: Welche Auswirkungen hat das bewegte Klassenzimmer auf die körperliche, seelische und geistige Entwicklung der Schüler/innen? Wagner, Christa: Wie kann X eine konstante, sportliche Leistung erbringen? Watzinger, Hubert: Pädagogische Intentionen und Methoden des handwerklichen Unterrichts Wurm, Anita Maria, Mag. a : Die Bedeutung von Wahrnehmung und Interpretation in schulischen Kommunikationssituationen Beiträge zur Praxisforschung Wurm, Martin, Mag.: Die Bewegungs- und Spielräume als Entwicklungsreize der sensorischen Integration und der WERDEN SIE MITGLIED IN UNSEREM VEREIN Als Mitglied erhalten Sie die Seminarzeitung ZEITRAUM kostenlos und bei allen Sonderveranstaltungen des ZENTRUMS wie auch bei den Fortbildungsveranstaltungen im Studienjahr 07/08 einen Nachlass von 25%! Durch den Mitgliedsbeitrag von 30 jährlich unterstützen Sie darüber hinaus die Vereinsaktivitäten. sensorischen Fertigkeiten Wurm, Sigrid: Entwicklung eines Coaching prozesses zur Entscheidungsfindungsunterstützung Zopf-Klasek, Jutta: Betrachtungen zur Dynamik zwischen LehrerInnen und Eltern im Spannungsfeld der selbstverwalteten Schule IMPRESSUM: Herausgeber: ZENTRUM FÜR KULTUR UND PÄDAGOGIK Endresstraße 100, 1230 Wien Tel: ; Fax: ; Internet: Redaktion: Christine Waschulin, 06980/ Tobias Richter, 0676/ Gestaltung: Sabine Galli, 0699/ Druck: Bild & Medien, Klosterneuburg Konto: Die Erste, Konto-Nr.: , Bankleitzahl: Spenden gern gesehen! Erscheinungsweise: halbjährlich Die Verfasser der Inhalte sind hierfür selbst verantwortlich. Die Zeitung kann zum Preis von 1 über das Zentrum für Kultur und Pädagogik bezogen werden. Mitglieder erhalten die Zeitung kostenlos.

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