Jahresbericht JAHRE

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1 Jahresbericht JAHRE

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3 Jahresbericht 2010 Inhalt 2 Editorial 4 Stiftungsjubiläum 10 Neuer Auftritt 11 Verbürgte Mietkautionen 12 Neue Projekte Fusion mit der Stiftung Waldo von der Reichenau Bärenfelserstrasse 34 Basel Baselstrasse 8 Arlesheim Neuensteinerstrasse 14 Basel 20 Meine Begegnung mit Dr. Ita Wegman Dr. Marianne Fiechter-Bischof 24 Weitere Aktivitäten 26 Kunstfonds der Stiftung Edith Maryon 28 Gesellschaft für Kunstpflege und Jugendbildung 30 Mitarbeitende, Organisation, Vernetzung 32 Alle Wohn- und Arbeitsprojekte im Überblick 34 Erfolgsrechnung 36 Bilanz 38 Erläuterung zum Thema Bewertung 39 Bericht der Revisionsstelle 40 Impressum

4 Editorial Das vergangene Jahr stand im Zeichen unseres 20-jährigen Jubiläums. Im Rahmen verschiedener Anlässe konnten wir unseren runden Geburtstag mit all den mit unserer Arbeit verbundenen Menschen feiern. Über die aktive Teilnahme und das grosse Interesse an diesen Veranstaltungen haben wir uns sehr gefreut. Besonders auch über die vielfältigen persönlichen Begegnungen und Gespräche, die sich dabei mit Ihnen ergaben. Im vorliegenden Jahresbericht versuchen wir, die wundervollen Momente dieser Anlässe etwas einzufangen und als Erinnerungsschätze zu bewahren und auch denjenigen zu vermitteln, die nicht dabei sein konnten. Den Geburtstag der Stiftung haben wir auch zum Anlass genommen, unser äusseres Kleid graphischen Auftritt vollständig zu überarbeiten und auf einen «neuen» Boden zu stellen. Wir sind gespannt, ob Ihnen die «Terra Rossa», auf der wir jetzt stehen, gefällt, und ob sie uns für gute neue Ideen und Taten befeuern kann. 2 Die Arbeit der Stiftung wäre ohne ein motiviertes, kompetentes und für die Sache begeistertes Mitarbeiterteam nicht möglich. Wir haben das grosse Glück, dass wir ein solches Team haben. Jede/r einzelne unserer Mitarbeiterinnen und

5 Mitarbeiter leistet einen grossartigen und einmaligen Beitrag im Hintergrund für das im besten Sinne notwendige Funktionieren und für die Weiterentwicklung unserer Stiftung: Angefangen beim Empfang der ca bis 2500 jährlichen, unangemeldeten Besucher und Antragsteller für die verbürgten Mietkautionen, über die Verwaltung unserer bestehenden und der Entwicklung neuer Projekte, die Führung der Buchhaltung und Durchführung der Zahlungen und vielfältigen Abrechnungen bis hin zur Entgegennahme und Bearbeitung der vielen Anträge für unsere Kunstfonds. Dafür möchte ich an dieser Stelle im Namen der Stiftung einen herzlichen Dank aussprechen und unsere grosse Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Last but not least möchten wir an dieser Stelle noch unsere neu in den Beirat gewählte Kollegin Frau Dr. Seija Zimmermann und unsere beiden neu in den Stiftungsrat gewählten Kollegen Rembert Biemond und Dr. Oliver Conradt begrüssen. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit. Basel, Juni 2011 Christoph Langscheid 3

6 Stiftungsjubiläum Im Jahr 2010 feierte unsere Stiftung ihr 20-jähriges Bestehen. Das ist für unsere Stiftung mit ihrem langfristigen Horizont «zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten» noch keine wirklich lange Zeit. Doch uns schienen die ersten 20 Jahre ein guter Anlass, um ein erstes Mal richtig zu feiern und einmal auf diese Weise unseren vielen Freunden, Projektpartnern und Unterstützern zu danken. 4 So luden wir für den 7. Juni 2010, auf den Tag genau 20 Jahre nach Stiftungsgründung, in das Unternehmen Mitte und in das Stadtcasino in Basel ein. Michael Riggenbach für die Stiftung, Thomas Tschopp für das Unternehmen Mitte und Urs Wüthrich-Pelloli, Vorsteher der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion Baselland, begrüssten die rund 300 Gäste. Dies zunächst im Unternehmen Mitte, dessen Halle von Ulrich Muchenberger in ein völlig neues Licht getaucht wurde. Nach Kräftigung am biologisch-dynamischen buffet riche begab sich die Festgemeinschaft in das unweit gelegene Stadtcasino. Die Festansprachen dort hielten Christoph Oling Ita Wegman-Klinik, Sascha Philipp Landgut Pretschen und Franz-Xaver Leonhardt Hotel Krafft. Musik und Gesang wurden dargeboten von Musikern des Ensemble Weltformat und von der Sopranistin Marion Ammann. Das Kabarettisten-Duo Sibylle und Michael Birkenmeier führte durch das Programm und bereicherte den Abend durch eigene Einlagen. Zurück im Unternehmen Mitte und bei verschiedenen Desserts wurde noch bis spät in den Abend hinein gefeiert.

7 Jubiläumsfeier im Unternehmen Mitte, Basel 5

8 Stiftungsjubiläum 6 Impressionen von der Jubiläumsfeier

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10 Stiftungsjubiläum Im Herbst kamen wir dann unseren Berlinern Freunden, Projektpartnern und Unterstützern entgegen, um das Jubiläum auch mit möglichst vielen von ihnen feiern zu können. Auf dem in Berlin-Wedding gelegenen ExRotaprint-Gelände veranstalteten wir am 17. September 2010 einen abendlichen Jubiläumsempfang. Beide Jubiläumsanlässe spiegelten in schöner Weise die Vielfalt unserer Stiftung und der Menschen, Projekte und Initiativen, mit denen wir zusammen arbeiten können. Bereits im ersten Halbjahr 2010, zwischen Februar und Juni, luden wir wiederum in das Unternehmen Mitte in Basel zu einer öffentlichen Vortragsreihe ein. Zur Reflexion der gesellschaftlichen Bedeutung von Grund und Boden und von neuen Formen des Zusammenwohnens und der Zusammenarbeit boten wir Interessierten ein gut besuchtes Forum. Jeweils 60 bis 70 Personen kamen zu den einzelnen Vorträgen. In einem Fall, zum «Wohnen im Alter», kamen sogar mehr als 100 Zuhörer für uns ein Beleg für die hohe gesellschaftliche Relevanz dieses Themas. 8 Das Jubiläumsjahr der Stiftung wurde auch von verschiedenen Medien begleitet. So berichteten in Jahresverlauf u.a. die Basler ProgrammZeitung, Radio DRS, moneta die Kundenzeitschrift der Alternativen Bank, die gesellschaftskritischen Zeitschriften Zeitpunkt und Politische Ökologie, sowie die Mitteilungen aus dem anthroposophischen Leben in der Schweiz über die Stiftung und ihr Jubiläum. Udo Herrmannstorfer beim Vortrag

11 Vortragsreihe Themen und Referenten Umgang mit Immobilien eine Schlüsselfrage sozialer Verantwortung Referent Udo Herrmannstorfer Berater, Institut für zeitgemässe Wirtschafts- und Sozialgestaltung Edith Maryon: Leben und Wirken Referent Rembert Biemond Unternehmer und Kulturunternehmer, Stiftungsrat der Stiftung Edith Maryon Die soziale Frage als Zukunftsfrage Referent Prof. Dr. Walter Kugler Leiter des Rudolf Steiner Archivs, Beirat der Stiftung Edith Maryon Innovative Wohnformen für die Gesellschaft von heute Referent Andreas Hofer archipel Planung und Innovation GmbH Neues gemeinschaftliches Wohnen im Alter Referentin Dr. Margrit Hugentobler Leiterin ETH Wohnforum ETH CASE Die Vorträge sind bei uns als Tonaufnahme für je CHF 10 erhältlich. 9 Prof. Dr. Walter Kugler beim Vortrag

12 Neuer Auftritt Der Jahreswechsel 2010/11 markiert einen Einschnitt im Auftritt der Stiftung. Nach einigen Anläufen haben wir uns vom bisherigen äusseren Erscheinungsbild der Stiftung verabschiedet. Seit Anfang 2011 tritt die Stiftung in einem gänzlich neu gefassten «Corporate Design» auf. Die Umstellung betrifft die gesamte Geschäftsausstattung, die Website sowie alle künftigen Drucksachen. Der Jahresbericht, den Sie im Moment in Ihren Händen halten, ist die erste Drucksache der Stiftung im neuen Design. Der thematischen und kulturellen Vielfalt der Stiftung und ihrer Projekte entsprechend handelt es sich um eine schlichte und offene Gestaltung. Leitidee ist das Hauptanliegen der Stiftung, Grund und Boden dauerhaft der Spekulation zu entziehen und auf diese Weise soziale Wohn- und Arbeitsstätten zu fördern: Der Boden als das Fundament, auf dem die Projekte der Stiftung gedeihen und sich weiter entwickeln. 10 Verantwortlich für den grafischen Entwurf des neuen Stiftungsauftritts ist das Atelier Frank aus Berlin. Ausgebildet an der Schule für Gestaltung Basel führen Simone A. und Markus Frank seit 1998 von dort aus die Tradition des Schweizer Grafik Design und der Typografie fort. Ihre Auftraggeber sind vor allem kulturelle Institutionen und Museen, wissenschaftliche Organisationen und soziale Projekte sowie Unternehmen aus Wirtschaft und freien Berufen.

13 Verbürgte Mietkautionen Das Hinterlegen von Mietkautionen beim Abschluss eines Wohnungs-Mietvertrages oft in der Höhe bis zu drei Monatsmieten ist heute die Norm. Zahlreiche Menschen können sich jedoch diesen finanziellen Zusatzaufwand nicht leisten, was ihre Chancen auf dem Wohnungsmarkt deutlich einschränkt. Hier greift unser Projekt «Solidaritätsfonds Mietkaution». Der Solidaritätsfonds wird durch die Einlagen der Mieter sowie durch freie Mittel der Stiftung gespiesen. Allfällige Verluste aus der Verbürgung von Mietkautionen werden durch den Solidaritätsfonds ausgeglichen. Der Solidaritätsfonds erfreut sich weiterhin steigender Beliebtheit. Die meisten Anfragen erreichten und erreichen uns von Mietern, die von der Sozialhilfe o.ä. leben oder von sozialen Institutionen betreut werden. So haben wir im Jahr neue Bürgschaften erstellt. Insgesamt sind bei uns derzeit rund Bürgschaften aktiv. Im Jahr 2010 haben wir CHF an Vermieter ausbezahlt. Eine besondere Mietkaution ist unsere Bürgschaft zugunsten des Projekts STELLWERK in Basel. Das STELLWERK ist ein Gründerzentrum für Kreative, welches wir auf diese Weise mit ermöglicht haben. Es startete im Dezember 2010 nach einigen Jahren Vorarbeit in einem Bahnhofs- und Stellwerkgebäude der SBB im Basler St. Johann-Quartier. Im «Showroom» können Produkte junger Designer und Künstler käuflich erworben werden, ein Buffet bietet Speisen und Getränke, und demnächst öffnet sogar ein Dampfbad. Siehe 11

14 Neue Projekte Fusion mit der Stiftung Waldo von der Reichenau 12 Martina und Christopher Mann, Thomas Jensen, Dr. med. Julian Schuurmans-Stekhoven und Dr. iur. Hans Jörg Landolt gründeten 1976 in Dornach die Stiftung «Waldo von der Reichenau» mit einem Vermögen von CHF wurde von der Stiftung ein Teil des Landes «Schönhof» in Dornach mit dem Ziel erworben, es anthroposophischen Initiativen langfristig zur Verfügung zu stellen. Der Hauptzweck der Stiftung Waldo von der Reichenau war, Land zu sichern, damit es nicht mehr gehandelt oder vererbt werden kann, jedoch freien Initiativen zur Verfügung steht. Land sollte so dem Warenstrom entzogen und zum Rechtsgut umgewandelt werden. In Dornach konnte die Stiftung Waldo von der Reichenau dem Rudolf Steiner Seminar für Heilpädagogik heute: Höhere Fachschule für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialpädagogik und Sozialtherapie, dem Lehrerseminar heute: Akademie für anthroposophische Pädagogik und der Ausbildungsstätte für plastisch-künstlerische Therapie Baugrundstücke oder Land für ihre Ausbildungsgebäude im Baurecht zur Verfügung stellen. Später kamen das Baugrundstück Erli an der Ecke Juraweg/Dorneckstrasse und das Land des Studentenwohnhauses Julian hinzu. Die Unabhängigkeit der Stiftung als Grundlage für die Aufgabe, «Boden» für verschiedene soziale Impulse zu sein, war von Beginn an intendiert. Im Sinne der Dreigliederung des sozialen Organismus wollte sich die eigenständig geführte Stiftung Waldo von der Reichenau frei in den Zusammenhang der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft stellen. Die Gründung der Stiftung wurde mit dem damaligen Vorstand am Goetheanum in verschiedenen Gesprächen abgestimmt. Durch den Landkauf der Stiftung wurde die Intention des Vorstandes, am Goetheanum Ausbildungen auszugliedern, unterstützt.

15 Im Hinblick darauf, dass die Stiftungen Waldo von der Reichenau und Edith Maryon ähnliche Zielsetzungen verfolgen wobei die Zielsetzungen der Stiftung Edith Maryon weiter gefasst sind, die Ziele der Stiftung Waldo von der Reichenau jedoch innerhalb des Rahmens der Stiftung Edith Maryon besser verfolgt werden können, strebten die Stiftungen seit dem Jahr 2009 eine Fusion durch Absorption der Stiftung Waldo von der Reichenau mit der Stiftung Edith Maryon an. Die Stiftungsaufsicht des Kantons Solothurn hat diese Fusion schliesslich im Oktober 2010 rückwirkend zum 1. Januar 2010 genehmigt. Die ursprünglichen Stifter der Stiftung Waldo von der Reichenau, wenngleich sie formell dazu nicht mehr befragt hätten müssen, begrüssen diese Entscheidung ausdrücklich. 13 Akademie für anthroposophische Pädagogik, Dornach

16 Neue Projekte Fusion mit der Stiftung Waldo von der Reichenau Dr. Oliver Conradt, bisher Präsident der Stiftung Waldo von der Reichenau, wurde bereits im Juni 2010 in den Stiftungsrat der Stiftung Edith Maryon aufgenommen. Dr. Seija Zimmermann, bisher Stiftungsrätin der Stiftung Waldo von der Reichenau, ist, ebenfalls seit Juni 2010, neue Beirätin der Stiftung Edith Maryon. 14 Für die Stiftung Waldo von der Reichenau führt die Fusion zu einer Belebung und Wachstumsmöglichkeit, indem ihre Anliegen durch eine grössere und mit einer Geschäftsstelle ausgestatteten Stiftung realisiert werden können. Die Stiftung Edith Maryon verstärkt mit der Fusion ihre Tätigkeit im Umkreis des Goetheanum.

17 Mit der Fusion gehen die folgenden, sämtlich in Dornach gelegenen Grundstücke in das Eigentum der Stiftung Edith Maryon über, wobei das Baurecht jeweils bei Dritten liegt. Die einzelnen Liegenschaften sind näher beschrieben auf unserer Website Akademie für anthroposophische Pädagogik Ruchtiweg 5 zugleich Baurechtnehmer Höhere Fachschule für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialpädagogik und Sozialtherapie Ruchtiweg 7 und 9 Baurechtnehmer: Verein für Ausbildung in anthroposophischer Heilpädagogik Haus Julian Dorneckstrasse 37 Baurechtnehmer: Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft Ausbildungsstätte für plastisch-bildnerische Therapie Dorneckstrasse 61 Baurechtnehmer: Stiftung Ausbildungs- und Arbeitsstätte für plastisch-bildnerische Therapie Baugrundstück Erli Juraweg/Dorneckstrasse Baurechtnehmer: Wohnbaugenossenschaft Trigon 15 Höhere Fachschule für anthroposophische Heilpädagogik, Sozialpädagogik und Sozialtherapie, «Villa Laval», Dornach (Detail Dachrinne)

18 Neue Projekte Bärenfelserstrasse 34 Basel 16 Das im Boomjahr 1969 ursprünglich als Wohnhaus konzipierte, sechsgeschossige Gebäude wurde noch vor seiner Fertigstellung zunächst als Bürogebäude für die ehemalige CIBA-Geigy AG eingerichtet wurde es schliesslich doch zu einem Wohnhaus. Die Mietzinse wurden regelmässig stark erhöht. Das Wohnen war anonym und von häufigen Mieterwechseln geprägt mit entsprechenden Leerständen als Folge. Der damalige Eigentümer konnte die defizitär verwaltete Liegenschaft nicht mehr länger halten. Als das Haus dann 1984 in die Verantwortung einer sozial engagierten Basler Privatperson gelangte, wendete sich das Blatt. Die neue Besitzerin suchte den Kontakt mit den Mietern und investierte sichtbar in Verbesserungen der Wohnsituation. Sie liess aus einer 1-Zimmer-Wohnung einen Gemeinschaftsraum für die Mieter einrichten und zunächst dennoch die Mietzinse einfrieren. Als Ergebnis einer Mieterbefragung wurde die externe Verwaltung abgelöst, und seither wird das Haus unter Einbezug der Mieterschaft verwaltet. Die neue Situation wurde auch äusserlich sichtbar. So ranken Pflanzen an der Fassade hoch, und die Mieter haben die Gemeinschaftsflächen und den Garten «wohnlich» gestaltet. Mehrere Wohnungen wurden zusammen gelegt, so dass auch Wohnraum für Familien entstand. War das Haus früher überwiegend von Alleinstehenden ohne Kinder bewohnt, so leben hier heute verschiedene Generationen unter einem Dach. Auch steht keine Wohnung mehr über längere Zeit leer, überhaupt gibt es nur wenige Mieterwechsel. Die Bärenfelserstrasse 34 ist ein in der Öffentlichkeit wie auch Fachwelt viel beachtetes Beispiel für Gemeinschaftswohnen aus den 1980er Jahren. Überhaupt ist die Bärenfelserstrasse insgesamt von mehreren Haus- bzw. Wohnprojekten und gelebter Nachbarschaft geprägt, was beispielsweise durch das in der Regel jährlich stattfindende Wohnstrassenfest deutlich zum Ausdruck kommt. Die bisherige Eigentümerin von Haus Nr. 34 hat mit der Übergabe dieser Liegenschaft an die Stiftung Edith Maryon massgebend dazu beigetragen, dass dieses von ihr ermöglichte soziale Wohnprojekt auf Dauer erhalten bleiben kann.

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20 Neue Projekte Baselstrasse 8 Arlesheim 18 Dieses Projekt ist im Zusammenhang mit der Fusion der Stiftung Waldo von der Reichenau mit unserer Stiftung zu uns gelangt. Mit Hilfe einer zweckgebundenen Spende haben wir die in Arlesheim zum Verkauf stehende Wohnung von Frau Dr. Marianne Fiechter-Bischof, der langjährigen Leiterin der Ita Wegman Klinik, von einem privaten Eigentümer, erworben. Bei einem Verkauf an einen Dritten wäre Frau Dr. Fiechter, hochbetagt, gezwungen gewesen auszuziehen. So waren die Ita Wegman Klinik und die Stiftung Waldo von der Reichenau bemüht, eine sozial verträgliche Lösung zu finden, die letztlich in den Erwerb der Wohnung durch unsere Stiftung mündete.

21 Neue Projekte Neuensteinerstrasse 14 Basel Das kleinere Mehrfamilienhaus in der ruhig gelegenen Neuensteinerstrasse im Gundeldingerquartier in Basel wurde uns von einer Erbengemeinschaft zu günstigen Konditionen zum Kauf angeboten. Der Ausbaustandard der Wohnungen ist einfach, aber gut erhalten. Die Stiftung Edith Maryon erhält damit günstigen Wohnraum mitten in der Stadt. 19

22 Dr. Marianne Fiechter-Bischof Meine Begegnung mit Dr. Ita Wegman Der Pfeffingerhof in Arlesheim, eine Einrichtung der Ita Wegman Klinik, welche in 2011 ihr 90-jähriges Bestehen feiert, ist eines unserer Baurechtprojekte. Mit unserem Kunstfonds unterstützen wir das Ita Wegman Institut, welches u.a. das Edith Maryon-Zimmer in Dornach musealisch betreut. Ita Wegman begleitete Edith Maryon in ihren letzten Lebenstagen. Aus diesen Gründen möchten wir einmal die Aufmerksamkeit auf die Person Ita Wegman (* 1876, 1943) richten. Gemeinsam mit Rudolf Steiner hat sie die anthroposophische Medizin begründet. Dr. Marianne Fiechter-Bischof, geboren 1915 in Zürich, aufgewachsen in Zürich, Waldshut (D) und Schaffhausen, schildert nachfolgend ihre Begegnung mit Ita Wegman. Frau Fiechter studierte von 1933 bis 1939 Medizin an der Universität Zürich. Bereits bald danach und bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1972 leitete sie die Ita Wegman Klinik in Arlesheim. Danach war sie bis 1987 privat praktizierend tätig. Sie lebt in Arlesheim, in einer Wohnung unserer Stiftung. Seit 1933 interessierte ich mich für Anthroposophie. Ich erinnere mich an Vorträge von Dr. Ernst Marti. Auch besuchte ich von da an, bis zum Staatsexamen, Eurythmiekurse. Das Wichtigste für meinen weiteren Weg war, dass ich erfuhr, dass Pfingsten 1933 in Dornach das Drama «Der Sturz des Antichrist» von Albert Steffen aufgeführt werde. Ich konnte meinen Vater dazu bewegen, mich mit einer befreundeten Mitschülerin zusammen zu dieser Aufführung zu bringen. So kam ich das erste Mal nach Dornach. Das Goetheanum als Bau hat mich sehr beeindruckt. 20 Herbst 1933 kam ich zum zweiten Mal nach Dornach. Bei der Michaeli-Tagung wurde das vierte Mysteriendrama aufgeführt, das mich zutiefst beeindruckte, ja erschütterte. Alles andere sagte mir nichts und ich wunderte mich über Verschiedenes. Von Rudolf Steiner hatte ich bis dahin nur angefangen mit dem Lesen von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten». Dieses Buch schenk- Dr. Marianne Fiechter-Bischof

23 te mir eine befreundete Lehrerin nach meinem ersten Besuch in Dornach, mit der Bemerkung: «Sie sei auch einmal dort gewesen und da habe man ihr für den Anfang dieses Buch anempfohlen, aber ich könne vielleicht mehr damit anfangen.» So war es auch. Es begleitete mich alle folgenden Jahre. Im Oktober 1933 begann ich mein Medizinstudium in Zürich. Da begegnete mir ein ehemaliger Mitschüler, der wusste, dass ich mich für Anthroposophie interessierte. Er erzählte mir, dass es eine anthroposophische Studentengruppe bei Robert Spörri gäbe. Da könne jeder unangemeldet hingehen. So kam ich November 1933 zu dieser Gruppe. Ein Teilnehmer war Paul Fiechter, der Elektro-Ingenieur studierte. Paul Fiechter war schwer erkrankt und kam deswegen im Sommer 1935 in die Klinik von Ita Wegman und in Behandlung des Krebsspezialisten Dr. Werner Kaelin. Dadurch erfuhr ich erstmals von Ita Wegman und ihrer Klinik in Arlesheim. Robert Spörri war sehr erstaunt, dass ich von all den Aktivitäten von Ita Wegman in Arlesheim noch nichts wusste. Er gab mir eine Veröffentlichung von Dr. Kaelin über seine besondere «kapillar-dynamische Blutuntersuchung». Nach Kenntnisnahme schrieb ich an Dr. Kaelin, ob ich in den Semesterferien 1936 in sein Labor kommen dürfe, was er bejahte. Zu Beginn sollte ich die erkrankte Laborantin in der «Klinik» besuchen und weitere Instruktionen erhalten. So betrat und sah ich zum ersten Mal das Klinisch-Therapeutische Institut von Ita Wegman. Die Laborantin meinte, ich könne vielleicht in der Klinik essen und solle mich deswegen mit Dr. Madeleine van Deventer verständigen. Mit ihr hatte ich sofort herzlichen Kontakt. Wir unterhielten uns circa eine Stunde lebhaft. Selbstverständlich könne ich in der Klinik vegetarisch essen. Sie lud mich auch zu den Ärzteabenden, allen Veranstaltungen und Kursen in der Klinik ein. Ich fühlte mich rasch an diesem Ort zu Hause, nahm alles Gebotene freudig und interessiert auf. Nach dem Gespräch mit Madeleine van Deventer war ich zu Dr. Kaelin bestellt. Auch wir hatten direkt guten Kontakt. Ihm verdanke ich viel über anthroposophische Medizin. An ihm hatte ich dann in den folgenden Jahren eine grosse Hilfe und führte unter seiner Anleitung die Behandlung von Paul Fiechter, bis zu dessen Tod, Januar 1945, durch. 21

24 Dr. Marianne Fiechter-Bischof Meine Begegnung mit Dr. Ita Wegman Inzwischen war ich nun schon einige Wochen in Arlesheim tätig ohne Ita Wegman zu begegnen. Sie war August/September auf einer Reise nach Island, um dort ein heilpädagogisches Heim zu besuchen. Zur Michaelizeit dann sollte eine Ärztetagung über Mysterien-Medizin stattfinden. Ita Wegman war davor nach Arlesheim zurück gekommen, und ich wurde ihr von Madeleine van Deventer kurz vorgestellt. Ita Wegman war mir sofort sympathisch. Sie wollte von mir wissen wie es jetzt an der Universität von Zürich ist, wo sie einst studiert hatte. Auch fragte sie mich von da an immer wieder, ob ich ihr nicht Schweizer Krankenschwestern für die Klinik vermitteln könne, wozu ich leider nie in der Lage war. An der Ärztetagung hielt Ita Wegman einen Vortrag zur Eröffnung. Sie entwickelte auf grossartige Weise die Grundlagen einer modernen Mysterien-Medizin, ausgehend von der Therapie mit den Metallen. Ich war tief beindruckt, erschüttert und begeistert. Zu dieser Zeit war ich in einer Krise, wusste nicht, ob ich das Medizinstudium überhaupt fortsetzen, oder nicht besser einen anderen anthroposophischen Beruf ergreifen sollte. Nach diesem Vortrag war es klar für mich: Wenn es eine solche Medizin gibt, dann bleibe ich bei der Medizin. Aber von dem was die Universität bot, war ich sehr enttäuscht. 22 An ihrer Sprache störte ich mich nie. Sie war mir auch bei vielen späteren Anlässen immer verständlich. Wenn ich sie etwas fragte, z.b. über den Merkurstab, dann sagte sie: «Das werden Sie später verstehen», oder sie empfahl mir, entsprechende Vorträge von Rudolf Steiner zu lesen. Ita Wegman wollte nie belehren, was ich manchmal eher gewünscht hätte. Man sollte durch eigene Anstrengung zur Lösung kommen. Dr. Ita Wegman

25 Im Oktober 1936 ging ich zurück nach Zürich ins Studium. An Wochenenden kam ich öfters nach Arlesheim mit einer Liste von Fragen an Madeleine van Deventer. Sonntagmorgens hielt Ita Wegman meist einen Vortrag über anthroposophische Themen, wodurch ich mit Vielem bekannt wurde, was Rudolf Steiner mitgeteilt hatte. Anfang 1937 fragte mich Ita Wegman, ob ich im Sommer für etwa drei Monate zur Vertretung an die Klinik kommen könne, wenn sie abwesend sei. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass ich dann erst drei klinische Semester habe, aber gerne kommen würde. Ich hatte ja Madeleine van Deventer zur Seite. Drei klinische Semester war zu dieser Zeit das Minimum, um eine Arztvertretung zu machen. So war ich vom August bis Ende Oktober 1937 erstmals an der Klinik ärztlich tätig. Zur Michaeli-Zeit fand wieder eine Ärztetagung statt. Es war wohl die letzte, an der noch einige Ärzte aus dem Ausland teilnehmen konnten. Ita Wegman ging vom Wirken der Erzengel im dreigliedrigen Menschen aus. Weiter wurden Krankheiten vom Gesichtspunkt des zu schwachen oder zu starken Wirkens der Wesensglieder aus betrachtet. Mit Ita Wegman entwickelte sich allmählich ein geisterfülltes Zusammenwirken. Ihre irdisch-physische Gestalt verblasste, wenn sie sprach, vor mir immer mehr, und ich fühlte eine starke wie erlösende, befreiende Kraft von ihr ausgehend. Im Sommer 1937 nahm sie mich in die Klasse auf. Als ich sie zu Michaeli 1939 nach Kriegsausbruch und nach ihrem Unfall noch am Krankenbett besuchte, fragte sie mich, ob ich nicht sogleich fest an die Klinik kommen könne. Ich konnte erst auf Februar 1940 für dauernd kommen. Bis zu ihrer Übersiedlung nach Ascona erhielt ich von ihr viele wertvolle Ratschläge auf medizinischem und vor allem auf allgemein anthroposophischem Gebiet. Tiefste Dankbarkeit erfüllt mich Ita Wegman gegenüber. 23

26 Weitere Aktivitäten 24 Hanro-Areal Liestal Im Jahresbericht 2009 haben wir ausführlich über das Projekt Hanro berichtet. Seit Erwerb des Areals durch die Stiftung Edith Maryon und die CoOpera Sammelstiftung PUK sind die Eigentümerinnen in enger Zusammenarbeit mit dem baubüro in situ gmbh und der Hanroareal GmbH daran, das Areal umzunutzen bzw. weiter zu entwickeln. Die Arbeiten an der Handwerkerstrasse, die Umbauarbeiten der Fachhochschule Nordwestschweiz Pädagogische Hochschule, die Sanierung der Künstlerateliers sowie weitere Arbeiten sind in vollem Gange. Die bestehende Bausubstanz wird einer energetischen Sanierung unterzogen. Gemäss Bauprogramm wird die Umnutzung samt Entwicklung voraussichtlich im Jahr 2015 grösstenteils vollendet sein. Stollenrain 17 Arlesheim Die ehemaligen Druckereigebäude werden gegenwärtig für eine Zwischennutzung Atelier-/Büro-/Gewerbe-/Lagerraum bis längstens 30. Juni 2014 zu moderaten Konditionen angeboten bzw. vermietet. Hauptmieter ist das Neue Theater am Bahnhof Dornach im Exil. Die Stiftung ist daran, für dieses in unmittelbarer Nähe des Dorfzentrums Arlesheim gelegene Areal einen Quartierplan auszuarbeiten. Dabei werden verschiedene Nutzungsmischungen geprüft. Die bestehenden Gebäude unterschiedlichen Alters werden zu Gunsten eines Neubaus weichen müssen. Sonnenbergstrasse 55 Zürich Die umfassenden Sanierungs- und Umbauarbeiten wurden weitgehend abgeschlossen und die Mieter konnten die neuen Räumlichkeiten übernehmen. Neben einem zweiten Rudolf Steiner Kindergarten als neuem Mieter hat sich auch das Paracelsus-Zentrum Sonnenbergstrasse weiter vergrössert und sein Angebot erweitert.

27 Riederenhof Buus Die bisherigen Pächter Armin und Annemarie Goll haben nach 28-jähriger Tätigkeit auf dem Riederenhof den Betrieb in jüngere Hände übergeben. Seit September 2010 wird der Betrieb oberhalb von Buus von Christoph und Michèle Fankhauser bewirtschaftet. An dieser Stelle möchten wir nochmals unseren Dank für die langjährige und umsichtige Bewirtschaftung an Armin und Annemarie Goll richten und wünschen beiden viel Erfolg für die Zukunft. Auch den neuen Pächtern wünschen wir viel Erfolg bei ihrer neuen Aufgabe und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit. Bio-Bodenfonds Schorfheide Ziel des Bio-Bodenfonds der GLS Gemeinschaftsbank eg und des GLS Treuhand e.v. ist die dauerhafte Sicherung land- und forstwirtschaftlicher Flächen für den ökologischen Landbau. Der Fonds hat bisher rund ha Land in der Schorfheide in Brandenburg Deutschland erworben, das er ausschliesslich und langfristig an Bio-Betriebe verpachtet. Wir erwarben einen Fondsanteil im Wert von EUR Experimentdays Berlin Am 30. Oktober 2010 war unsere Stiftung in Berlin mit einem eigenen Stand auf den Experimentdays, der dort jährlich stattfindenden Projektbörse für gemeinschaftliche Wohnprojekte, vertreten. Ebenfalls mit einem eigenen Stand, betreut von unserem Berliner Architektenteam scarchitekten, haben wir Interessenten auf unser Passivhaus im Bau, das Haus Melchiorstrasse 1 in der Berliner Luisenstadt, aufmerksam gemacht. Stiftungstreffen Basel Vom 18. bis 20. Mai 2010 kamen mehrere Stiftungen aus verschiedenen Ländern und dem anthroposophischen Umfeld in Basel zusammen. Schwerpunktthema des Treffens, das alljährlich an wechselnden Orten stattfindet, war die Zukunft des biodynamischen Landbaus und die Frage, welchen Beitrag die Stiftungen dazu leisten können. Unserer Stiftung oblag zusammen mit der Stiftung Evidenz die Organisation des Treffens. 25

28 Kunstfonds der Stiftung Edith Maryon Im Jahr 2010 haben wir aus unseren verschiedenen Kunstfonds 24 Projekte mit einem Gesamtbetrag von CHF unterstützt. Von dieser Summe gingen 91 Prozent 21 Projekte in die Schweiz, der Rest ins Ausland Deutschland und Schweden. 26 Im Jahr 2010 unterstützte Projekte Auswahl Save Our Souls Patrick Gusset Lumpenbrüder Productions Weltformat Theaterkabarett Birkenmeier Memory Lost Musiktheaterprojekt von Martin Schütz und Markus Wolff Architekturführer zu den Bauten am Dornacher Goetheanum-Hügel freilager für neue musik, licht und tanz die nomadisierenden veranstalter My Life Between transdisziplinäres Performanceprojekt von Cornelia Huber Eurythmie-Festival an der Alanus Hochschule in Alfter/Deutschland Raumfilter Civitas Installation in der Elisabethenkirche Basel Stefan Heinrich Ebner Durch die Wand Ausstellungsprojekt in Freiburg/Br. Steinsuppe Figurentheater für Kinder Doris Weiller Die Vergabetätigkeit unserer Stiftung hat neue Aspekte hinzugewonnen. Der Fonds Goldener Schnitt zur Förderung von Kunst am Bau ist nach längerer Ruhezeit wieder aktiv geworden. Der Fonds ermöglichte in Deutschland die künstlerische Umgestaltung eines Gebäudes der Freien Schule Elztal bewilligt bereits 2009, Auszahlung Zum anderern hat er einen Beitrag in Höhe von CHF an die Gestaltung eines Stadtführers zum Thema Kunst im öffentlichen Raum in Basel gesprochen. Der Fonds Goldener Schnitt wurde ursprünglich als Stiftung im Jahre 1988 gegründet und wird seit 2005 durch die Stiftung Edith Maryon verwaltet. Er verfügt über recht bescheidene Mittel, so dass es sinnvoll sein kann, längere Vergabepausen zu machen, um den Fonds zu äufnen. Ein weiterer Fonds, der nach der Musikerin und Musikwissenschaftlerin Maria Renold benannt wurde, hat neu seine Tätigkeit aufgenommen. Dieser so genannte Renold-Fonds wurde gestiftet zur Förderung von Projekten, die sich an

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