Herzensbildung. Gesundheitsförderung zur Stärkung von Gesundheitskompetenzen für kardiologische Patientinnen und Patienten

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1 GESFÖ Herzensbildung Gesundheitsförderung zur Stärkung von Gesundheitskompetenzen für kardiologische Patientinnen und Patienten Seite 1

2 GESFÖ Der gesellschaftliche Wandel der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte hat auch zu einem Paradigmenwechsel des Krankheitsspektrums geführt. Chronische Krankheiten stellen heute für die Betroffenen genauso wie für die Einrichtungen im Gesundheitswesen eine große Herausforderung dar. Seite 2

3 Chronische Krankheiten Typische Merkmale: lange Dauer besondere Eigen- oder Verlaufsdynamik sie bleiben selten auf physiologische Krankheitseinbußen beschränkt, typisch ist, dass sie mit physischen, psychischen, sozialen, biografischen, ökonomischen Konsequenzen einhergehen und Auswirkungen auf fast alle Lebensbereiche haben (Corbin et.al. 2009) das Krankheitsmanagement verlangt ein hohes Wissen Der Gesundheitsförderung kommt angesichts der steigenden Zahl chronischer Krankheiten eine immer höhere Bedeutung zu, umfassender Gesundheits-/Krankheitsbegriff, Konzept des Empowerment etc. (Rosenbrock) Seite 3

4 HLS-EU Health Literacy Survey-Europe (HLS-EU) Länder haben teilgenommen: Österreich, Deutschland, Bulgarien, Niederlande, Polen, etc. 56,4 % der österreichischen Bevölkerung sind von limitierter (d.h. inadäquater oder problematischer) Gesundheitskompetenz betroffen, d.h. jede/r zweite ÖsterreicherIn ist von mangelnder Gesundheitskompetenz betroffen, in einigen besonders vulnerablen Gruppen sogar über 76 % ( ) Internationaler Durschnitt: 47,6 % (Röthlin, 2013) Seite 4

5 Chronische Krankheiten Herzkreislaufkrankheiten zählen zu den wichtigsten chronischen Krankheiten und stellen die häufigste Todesursache der Wienerinnen und Wiener dar (45 %) Binden einen erheblichen Teil der stationären Leistungen Tragen wesentlich zur Frühpensionierung bei (Gesundheitsbericht 2010) Prognosen zufolge ist in den nächsten Jahrzehnten aufgrund der demografischen Entwicklung mit einem enormen Anstieg zu rechnen Seite 5

6 Problembereiche Trotz hoher Versorgungsqualität Niedrige Gesundheitskompetenz (handeln und entscheiden) Symptome und Beschwerden oft nicht richtig eingeschätzt Fehlendes Krankheitsmanagement Niedrige Compliance ca. 40 % der Medikamente werden nicht eingenommen Kaum Lebensstilveränderungen Nach Myokardinfarkt: Rauchen + keine Diät + kein Sport: Risiko 3,8 x höher! (M. Zehetgruber) Hohes Potenzial von Gesundheitsförderung bei Herzkreislauferkrankungen Seite 6

7 Ursache Non-Compliance Zu fachliche Kommunikation % der PatientInnen verstehen nicht, was ihnen der Arzt erklärt Nur 25 % d. KHK-PatientInnen können RF benennen Sprachbarrieren (MigrantInnen,...) Unverständnis (Zehetgruber 2010; Gesundheitsbericht der Stadt Wien : Prävention Potenzial der Zukunft) Seite 7

8 Folge Hospitalisierung 10 % aller Spitalsaufnahmen Non-Compliance bedingt Kosten geschätzt wird, dass 13 % aller Krankheitskosten NC bedingt sind Non-Compliance kostet Gesundheit, Lebenszeit und Geld! (Zehetgruber 2010; Gesundheitsbericht der Stadt Wien : Prävention Potenzial der Zukunft) Seite 8

9 Rahmen-Gesundheitsziele für Österreich Ziel 3: Gesundheitskompetenzen der Bevölkerung stärken Gesundheitskompetenz basiert auf allgemeiner Literacy und umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Domänen der Krankheitsbewältigung, der Krankheitsprävention und der Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, die ihre Lebensqualität während des gesamten Lebenslaufs erhalten oder verbessern. (Sorensen et.al. 2012) Seite 9

10 Projekt Projekt: Herzensbildung Gesundheitsförderung zur Stärkung der Gesundheitskompetenzen für kardiologische Patientinnen und Patienten Landeszielsteuerungsprojekt 3 Kardiologische Abteilungen im KAV Dauer: 2 Jahre Seite 10

11 Wirkungsmodell und Nutzen des Projekts Stärkung der Gesundheitskompetenzen um Komplikationen zu senken Wiederaufnahmezahlen zu senken Verbesserte Prognose / Verlauf der zumeist chronischen Herzkreislauferkrankungen Seite 11

12 Intervention Die Intervention setzt sich aus mehreren Maßnahmen zusammen: Mehrsprachiges Aufklärungsvideo (Tablets oder ipads) Deutsch, Serbokroatisch, Türkisch Gruppenseminar/ -schulung Maßnahmen um Kontinuität einer fachärztlichen Betreuung im niedergelassenen Bereich zu sichern Seite 12

13 Aufklärungsvideo Seite 13

14 Aufklärungsvideo Fokusgruppen: Deutschsprachige Fokusgruppe Türkischsprachige Fokusgruppe Bosnisch-kroatisch-serbische Fokusgruppe Alter: Jahren TeilnehmerInnen: 12 Männer und 15 Frauen Fragestellung: 1. Wie hat Ihnen der Film im Allgemeinen gefallen? Gibt es etwas was sie gestört hat bzw. negativ aufgefallen ist? 2. Was sind für Sie die wichtigsten Botschaften des Filmes? 3. Abschließend gab es noch eine offene Fragerunde, ob es sonst noch wichtige Rückmeldungen gibt. 1. Seite 14

15 Aufklärungsvideo Ergebnisse: die Rückmeldungen waren von allen TeilnehmerInnen sehr positiv: leicht verständliche Sprache, der Inhalt gut nachvollziehbar (ohne Fach-Chinesisch), sehr informativ ( hab viel Neues erfahren ) Die Botschaft Medikamente dürfen nicht selbständig abgesetzt werden und regelmäßige Arztkontrollen sind wichtig ist angekommen. Die Botschaft, dass bei HKK der Lebensstil Einfluss auf Entstehung, Verlauf etc. hat, ist angekommen. Seite 15

16 Aufklärungsvideo Ergebnisse: (Fortsetzung) Die Botschaft der gesundheitlichen Eigenverantwortung wurde klar gesehen. Vieles wurde zum ersten Mal verstanden. (z.b. was ein Stent ist) Die Mehrsprachigkeit/Muttersprachlichkeit wurde als sehr wertschätzend und als wichtige Vereinfachung der Kommunikation erlebt. Ältere Menschen mit Bewegungseinschränkungen zu wenig beachtet Geschäftsbereich Qualitätsmanagement Seite 16

17 Projektablauf Projektdauer: 2 Jahre 1. Jahr 2. Jahr

18 Evaluation Wirkung der Maßnahmen durch prospektive Kohorten-Studie evaluiert Kontrollgruppe: standard care Interventionsgruppe: standard care + Herzensbildung Erhebungsphase von insgesamt 14 Monaten Gemessen und verglichen wird: Gesundheitswissen, Gesundheitsverhalten, ausgewählte kardiologische Risikofaktoren (BMI, Bluthochdruck, Blutcholesterinwerte) Seite 18

19 Projekt Herzensbildung Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Wiener Krankenanstaltenverbund 1030 Wien Tel:40409/70562

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