Sexualität im Internet Pornografie und die Anbahnung sexueller Kontakte. Fachtag am 31. Mai 2012 Klaus Hinze

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1 Sexualität im Internet Pornografie und die Anbahnung sexueller Kontakte Fachtag am 31. Mai 2012 Klaus Hinze

2 Hintergrund: Medien im Alltag junger Menschen! Totalausstattung im Haushalt mit Handy 100% - 4 Geräte, Computer 100% - 2,7 Geräte, Internet 98% + Fernsehen 99% - 2,4 Geräte (JIM-Studie 2010: Jährige in Deutschland)! Bedürfnisse nach Kommunikation, Information und Unterhaltung stehen im Vordergrund! Konvergenz der Medien! Trend zu mobilen Medien! Teil einer (für Erwachsene unverständlichen) Alltagskultur und Jugendkultur

3

4

5 Risiken der Mediennutzung! Gefahren im Internet (bis zu 3 Nennungen): Pädophile an 8. Stelle (w: 7% m: 4%) (JIM 2009)! 1/3 hat im Freundeskreis den Austausch von gewalthaltigen oder pornografischen Inhalten mitbekommen. Jeder zehnte Jugendliche war selbst betroffen und bekam solche jugendgefährdenden Inhalte auf sein Handy geschickt. (JIM 2007)! 45 % sind beim Surfen auf pornografische Inhalte gestoßen, 10% mindestens einmal pro Woche (JIM 2004)

6 Chancen und Risiken von Internet und Handy Chancen Risiken Europäische Vergleichsstudie EU-Kids Online 2010 Deutschland: Hans-Bredow-Institut Hamburg

7 Kind als Rezipient: Sex im Internet am The Internet is for Porn! sexuelle und pornografische Inhalte im Internet sind allgegenwärtig! 372 Millionen Websites besitzen pornografische Inhalte, 266 kommen täglich hinzu.! ¼ aller Suchanfragen sind pornografischer Natur.! etwa 35% des gesamten Datenverkehrs im Internet ist Pornografie! Umsatz 2010 in USA: 2,64 Mrd.$

8 Kind als Rezipient: Risiken Pornografische Inhalte im Web

9

10 Erotische und pornografische Inhalte in Medien...! können Kinder und Jugendliche irritieren, abstoßen, neugierig machen, Modelle liefern, zur Masturbation dienen! werden in den gesetzlichen Regelungen des JMStV und JuSchG in der Wirkung auf die Rezipienten i.d.r. als entwicklungsbeeinträchtigend bzw. jugendgefährdend angesehen! werden in der Regel nur Erwachsenen zugänglich gemacht (Verbot mit Erlaubnisvorbehalt) z.b. in geschlossenen Benutzergruppen (Altersverifikationssysteme, Pay-TV mit Zugangs-Codierung)! dies gilt für Angebote aus Deutschland

11 Kind als Teilnehmer: in Medien aktiv Social Communities 46 (mpfs: JIM 2011) Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest schülervz Genutzte Online Communities offene Nennungen, Auswahl Facebook Wer-kennt-wen Schueler.CC Jahre Jahre Jahre Jahre Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent, Nennungen ab 5 Prozent Basis: Internet-Nutzer, n=1.188

12 Kind als Teilnehmer: Nutzung von Social Communities 47 Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest Online-Communities: Funktionen Nutzungsfrequenz 2011 In einer Online- Community chatten Nachrichten an andere verschicken Bei anderen auf die Pinnwand schreiben Posten was man gerade so macht täglich/mehrmals pro Woche einmal/woche - einmal/14 Tage einmal/monat - seltener nie Quelle: JIM 2011, Angaben in Prozent Basis: Nutzer Online-Communities, n=1.041

13 Risiken Unangenehme Erfahrungen mpfs 2011 / / 37 Probleme im Internet 2010 Bist du schon mal auf Sachen gestoßen, die dir unangenehm waren, die für Kinder ungeeignet waren oder die dir Angst gemacht haben? Gesamt Mädchen Jungen Basis: Kinder, die auf problematische Inhalte gestoßen sind (n=127) Erotik/Porno: 54 % Gewalt/Prügelszenen: 20 % Horrorvideos: 9 % 6-7 Jahre* 8-9 Jahre Jahre Jahre war mir unangenehm hat mir Angst gemacht war für Kinder nicht geeignet * n=66 in Prozent Quelle: KIM-Studie 2010 Basis: Internet-Nutzer, n=687

14 Risiken - Chat: Bedürfnis nach Kommunikation und Kontakt! Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest Wurde im Chat schon mal von Fremden nach Adresse, Telefonnummer oder Namen gefragt Daten gegeben Daten nicht gegeben Gesamt 49 Gesamt Mädchen 57 Mädchen Jungen 42 Jungen Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Hauptschule 53 Hauptschule Realschule 52 Realschule Gymnasium 45 Gymnasium Quelle: JIM 2008, Angaben in Prozent Basis: Chatroom-Nutzer, n=572

15 Risiken: Gefährdende Kontakte... können zustande kommen über! Chat-Räume! interne Foren und Gruppen! Kommentare zu Fotos, Hobby, Blog-Einträge zumeist vermittelt über private Nachrichten, die nur für Sender und Empfänger ersichtlich sind, z.b. über! Instant Messengers! Flüsterfunktion im Chat! interne Message-Services in Social Networks

16 Risiken: sexuelle Belästigungen... Vorgehensweisen:! schon die ersten Sätze können sexuell belästigend sein! erst wird small-talk betrieben, um dann die sexuelle Annäherung zu vollziehen! Fragen nach dem Entwicklungsstand Haste schon Titten?! Fragen nach sexuellen Erfahrungen Haste schon mal gefickt?! Schilderungen eigener sexueller Praktiken und Wünsche Würde dich gerne mal ins Gesicht besamen

17 Risiken: sexuelle Belästigungen erfolgen! meist in der direkten (nicht öffentlich einsehbaren) Kommunikation! mittels Kommentarfunktion! im Gästebuch mit! falscher Identität/ Fakes unter Nutzung der Anonymität durch Nicknames bezüglich! Alter (gleichaltriger Freund)! Funktion (Casting-Agentur, Star)

18 Risiken: sexuelle Belästigungen erfolgen durch! Missbrauch der Link-Funktion auf Fotos, auf dem der Intimbereich markiert wird mit entsprechenden Kommentaren: da will mein nschwans rein oh oh oh stöhn! versenden pornografischer Dateien und Links (selbst aufgenommene Ton-, Bild und Filmaufnahmen) und! Aufforderungen zu sexuellen Handlungen an sich oder anderen! Fragen nach Nacktfotos oder Webcam-Übertragungen! Locken mit Geld/ Geschenken (z.b. Handy-Guthaben aufladen) zur Anbahnung realer Treffen mit ein bisschen Küssen

19 Risiken: 1. Vorbereitung realer Treffen Täter versuchen! Vertrauen zu gewinnen über freundliche und interessierte Kontakte! Anknüpfungspunkte zu finden:! Alter, Wohnort, , Handynummer! Hobbys und Interessen! Test der Bereitschaft des Kindes zu einem realen Treffen und! eines möglichen sexuellen Interesses des Kindes

20 Risiken: 2. reale Treffen Überprüfung der Erreichbarkeit durch den Täter mittels! Telefonkontakt! SMS oder MMS oder Webcam! Check, ob es sich wirklich um ein Kind handelt oder ein Fake ist Realisierung der konkreten Verabredung! Ort, der für Kinder reizvoll ist (Schwimmbad, Kino...)! wenn die Telefonnummer/ Adresse bekannt ist, kann der Täter dauerhaft das Kind belästigen (Bilder mit erigierten Geschlechtsteilen, pornografische Texte oder Aufnahmen)

21 Recherche-Beispiele (jugendschutz.net)

22 Prävention vor realen Gefahren durch Eltern und Pädagogen! Begleitung des Kindes! Gemeinsames Festlegen geeigneter Kommunikationsangebote! Sicherheits-Check: wo hält sich mein Kind im Internet auf, wie sind diese Websites einzuschätzen?! Sicherheits-Regeln vermitteln! Probleme ansprechen! Meldung von Auffälligkeiten und Verstößen! Beratungsstellen: ;

23 Jugendsexualität und sexuelle Inhalte in Medien Erotische und pornografische Inhalte in den Medien! sind weit verbreitet und jederzeit erreichbar (trotz gesetzlicher Bestimmungen)! können einfach weiter gegeben werden! stoßen auf Akzeptanz (besonders bei Jungen)! Trotzdem werden sexualisierte Gewalt und bizarre Praktiken abgelehnt! für junge Menschen stehen Treue, romantische und liebevolle Erfahrungen im Vordergrund! Bindungsdefizite, eigene Gewalterfahrungen sind biografische Ereignisse, die zu problematischem Verhalten führen

24 Präferierte Medien zur Wissensaneignung in Bezug auf Sexualität präferierte Medien Mädchen (dt) Jungen (dt.) Jugendzeitschriften 36 % 26 % Aufklärungsbroschüren 36 % 24 % Bücher 34 % 24 % Internet 27 % 36 % Illustrierte/ Zeitungen 20 % 16 % Fernsehfilme 17 % 20 % Video, DVD 8 % 10 % Quelle: Auszug aus BZgA 2010 nach: Dagmar Hoffmann in Kjug 1/2011

25 Dagmar Hoffmann Wissensaneignungsprozesse in Bezug auf Liebe, Sexualität und Körperlichkeit Potsdamer Studie: Informationsquellen über Sexualität:! Fernsehen 31 %! Internet 27 %! Pornomagazine/-filme 21 % (m 34%/ w 10%)! Modemagazine 21 % (w 33% / m 7%)! Jugendzeitschriften verlieren mit zunehmendem Alter an Bedeutung! Peers: 66% der Befragten (15-25 J) wenden sich an Freund/in! Mutter ist für Mädchen (14-17 J) wichtig

26 Prävention: Begleitung der Entwicklung der sexuellen Identität Entwicklungsaufgabe: Reifung von Sexualität und Körperlichkeit! als biologisch, aber auch sozial, kulturell und gesellschaftlichnormativ bedingter Prozess! Sexualität vermittelt sich über Symbole und Bilder! im Kontext von Peer-Gruppe! in medialer Inszenierung von Körperlichkeit (Casting- und Dating- und Model-Shows im TV) und durch Selbstdarstellungen im Internet! Verknüpfung sexualpädagogischer Arbeit mit medienpädagogischen Aspekten

27 Ausblick: Verknüpfung von Sexual- und Medienpädagogik (Flotho/ Hajok) Gesprächsangebote zu Haltungen, Einstellungen, Erfahrungen, eigenen Handlungen! Pornografie im www! in der Jungenarbeit: was ist normal? wie ist männliche Sexualität? wie muss ich als Mann sein? was wird von mir erwartet?! in der Mädchenarbeit: fühle ich mich unter Druck gesetzt? wie finde ich einen Freund? was macht mich attraktiv, weiblich, sexy? was ist normal? welche Ängste und Wünsche habe ich? welches Bild habe ich von Männern?! freizügige Selbstdarstellungen! sexuelle Übergriffe bei Online-Kommunikation

28 Danke für die Aufmerksamkeit Klaus Hinze Aktion Kinder- und Jugendschutz Brandenburg e.v. Breite Straße 7 a Potsdam

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