Copyright 2002 Dr. Rolf Ebeling. Case Management in der Sozialen Arbeit im Fokus des Dienstleistungsgedanken im KJHG

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1 Copyright 2002 Dr. Rolf Ebeling Case Management in der Sozialen Arbeit im Fokus des Dienstleistungsgedanken im KJHG

2 Dr. Rolf Ebeling 2 Case Management: Konzept in der Sozialen Arbeit Case Management ist eine Verfahrensweise in Sozialund Gesundheitsdiensten, mit der im Einzelfall die nötige Unterstützung, Behandlung und Versorgung von Menschen rational bewerkstelligt wird. Case Management ist in der Annahme entstanden, dass im Sozialwesen und im Gesundheitswesen - effektiver, d.h. erfolgreicher, und - effizienter, d.h. kostengünstiger gearbeitet werden kann.

3 Dr. Rolf Ebeling 3 Case Management: Konzept in der Sozialen Arbeit Case Management systemzentriert: Wie managen wir am besten (effektiv und effizient) die Versorgung im Gebiet unserer Zuständigkeit? Wie optimieren wir das System der Versorgung? Case Management personenzentriert: Wie begleiten und unterstützen wir am besten (effektiv und effizient) einzelne hilfebedürftige Menschen?

4 Case Management als Verknüpfungsaufgabe Klient (Patient-) System Einzelne Menschen und Gruppen mit Problemen/ in Notlagen/Belastungen Was soll erreicht werden? Ressourcen (Hilfe-) System Soziale Umwelt, Mitmenschen (Familie, Freunde, Kollegen usw.), natürliches Netzwerk und professionelle Einrichtungen (institutionelles Netzwerk) Was haben sie zu bieten? Wie können diese beiden Systeme zeitlich, räumlich, kompetent bestmöglich zusammengebracht werden? Dr. Rolf Ebeling 4

5 Dr. Rolf Ebeling 5 Versorgungsmanagement/ care management Das Versorgungssystem erbringt seine Dienste fallübergreifend, fallspezifisch und fallunspezifisch. Fälle kommen vor, Fälle sind gemacht, Fälle werden behandelt. Was wird zum Fall? (Verhältnis von Bedarf und Angebot) Wann tritt ein Fall ein? (präventiv, kurativ, rehabilitativ) Wie werden Fälle behandelt? (ambulant, stationär, im Verbundsystem, kontinuierlich oder punktuell Versorgungspfade) Fälle sind Objekt, Menschen Subjekt einer Versorgung. Betroffene bestimmen mit und sind Koproduzenten ihrer Versorgung.

6 Dr. Rolf Ebeling 6 Case Management- Schritte 1. Zugangsöffnung (Intake) 2. Feststellung des Handlungsbedarfs (Assessment) 3. Zielvereinbarung, Planung des Weges (Service planning) 4. Kontrollierte Durchführung (Intervention - Monitoring) 5. Klientenfürsprache (Advocate) 6. Gemeinsame Evaluation 7. Rechenschaftsablegung

7 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL 7 Gliederung: Case Management als ideales Instrument zur Umsetzung des Dienstleistungsgedanken im KJHG? Aufgaben der Erziehungshilfen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) Strukturmaximen der Jugendhilfe Auftrag der Jugendamtes (Sozialer Dienst) Die Hilfeangebote im Rahmen der Jugendhilfe Das Hilfedreieck der Erziehungshilfen Fachliche Haltung der Case Manager im sozialen Dienst des Jugendamtes Ressourcenblick Kommunikative Kompetenzen Kompetenzen der Situation- und Problemanalyse Sozialmanagement Kompetenzen Erste praktische Erfahrungen aus Adressatensicht Erste praktische Erfahrungen aus der Perspektive der Fachkräfte Erste praktische Erfahrungen in Kooperation mit den Leistungserbringern Fazit: Case Management ist..

8 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL 8 1. Aufgaben der Erziehungshilfen nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) In Krisen- und Belastungssituationen haben sorgeberechtigte Eltern ein Recht auf Hilfe und Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder, z.b. bei Erziehungsproblemen, Konflikten in der Familie, in Trennungs- und Scheidungssituationen. Ein Personensorgeberechtigter hat bei der Erziehung eines Kindes oder Jugendlichen Anspruch auf Hilfe (Hilfe zur Erziehung), wenn eine dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist. [ 27ff. SGB VIII 8KJHG)]

9 2. Strukturmaximen der Jugendhilfe Gemäß dem 8. Jugendbericht der Bundesregierung von 1990 sind die Leistungen der Jugendhilfe an folgenden Maximen auszurichten: Prävention, Dezentralisierung/Regionalisierung, Alltagsorientierung in den institutionellen Settings und in den Methoden, Integration Normalisierung, Partizipation, Lebensweltorientierung zwischen Hilfe und Kontrolle. Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL 9

10 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Auftrag der Jugendamtes (Sozialer Dienst) Der Soziale Dienst des Jugendamtes: berät Eltern, Kinder und Jugendliche vermittelt notwendige und geeignete Hilfen, die mancherorts das Jugendamt selbst anbietet, die aber meistens von den freien Trägern bereitgestellt werden sichert das Kindeswohl.

11 4. Die Hilfeangebote im Rahmen der Jugendhilfe Familienunterstützende Hilfen Familienergänzende Hilfen Familienersetzende Hilfen z.b. Erziehungsberatung, Sozialpädagogische Familienhilfe z.b. Gemeinsame Wohnformen für Väter/ Mütter u. Kinder, Tagesgruppen z.b. Heimerziehung, Vollzeitpflege Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL 11

12 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Das Hilfedreieck der Erziehungshilfen Adressaten Hilfeplanverfahren Jugendamt Leistungsgewährer Freie Träger Leistungserbringer

13 6. Fachliche Haltung der Case Manager im sozialen Dienst des Jugendamtes Paradimawechsel in der Arbeit des ASD: Nicht die Probleme für die Eltern und das Kind lösen - mit Unterstützung helfen diese sich selbst! Nicht nur auf die Löcher im Käse schauen, sondern auf den Käse - Eltern und Kinder haben Kompetenzen! Nicht nur nach normativen Hilfen suchen - individuelle und maßgeschneiderte Hilfen arrangieren! Nicht mit den vorhandenen Hilfsangeboten abfinden - passende Hilfen im Sozialraum organisieren! Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL 13

14 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Ressourcenblick Fünf Ressourcenebenen 1. Klient 2. Familie 3. Verwandte Freunde Nachbarn 4. Infra- Strukturelle Ressourcen Im Sozialraum 5. Professionelle Helfer

15 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Kommunikative Kompetenzen Einen guten sach- und situationsbezogenen Kontakt aufbauen, damit sich Eltern, Kinder und Jugendliche akzeptiert und unterstützt fühlen. Eigene Rolle und Funktion erläutern, damit allen Beteiligten der Handlungsrahmen klar ist. Sicherheit in der Gesprächsführung, damit die Probleme deutlich beschrieben werden, klare Ziele verabredet und verbindliche Verabredungen getroffen werden.

16 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Kompetenzen der Situation- und Problemanalyse Systemische Kenntnisse bezogen auf die Familie und das soziale Umfeld. Ressourcen- und lösungsorientierte Sicht. Fähigkeiten des Fallverstehens. Fähigkeiten zum Einsatz sozialpädagogischer Diagnostikinstrumente mit der Familie.

17 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Sozialmanagement Kompetenzen Vermittlung und Controlling von Hilfen Moderation von Hilfeprozessen Entwicklung neuer Hilfeangebote (Projektmanagement)

18 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Erste praktische Erfahrungen aus Adressatensicht Adressaten fühlen sich ernst genommen, großes Interesse am Erfolg der Hilfen. Die Auftragserteilung durch die Adressaten schafft eine tragfähige Arbeitsgrundlage für die Zusammenarbeit. Die Berücksichtigung der Ressourcen stärkt die Adressaten. Die Hilfen sind insgesamt effizienter.

19 12. Erste praktische Erfahrungen aus der Perspektive der Fachkräfte des ASD Alte Muster schleichen sich schnell ein, z. B. zu wissen, was für den Adressaten gut ist, auch wenn diese es selbst anders sehen. Haltung, Rolle und Funktion bedürfen deshalb einer kontinuierlichen Überprüfung (Kollegiale Beratung / Supervision) Die Kompetenz mit Adressaten konkrete, realisierbare und überprüfbare Ziele zu entwickeln ist unbedingt notwendig, aber nicht im Handwerkskasten jedes Sozialpädagogen / Sozialarbeiters vorhanden. Das detaillierte Herausarbeiten von Unterstützungsbedarfen und die genaue Abstimmung und Steuerung der Hilfen ist eine hohe Anforderung. Die Versuchung ist groß, weiterhin in Maßnahmen zu denken. (z.b. Die Familie braucht eine Familienhilfe!) Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL 19

20 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Erste praktische Erfahrungen in Kooperation mit den Leistungserbringern Case Management erfordert eine gemeinsame Philosophie des Sozialen Dienstes und der Leistungsanbieter. Die Leistungserbringer müssen flexibel bezogen auf Inhalte, Umfang und Rahmen ihrer Hilfeleistungen sein. Kooperationsverfahren für die Einzelfallarbeit und die fallübergreifende Arbeit sowie Vernetzungsarbeit im Sozialraum müssen entwickelt und vereinbart werden.

21 Dr. Rolf Ebeling/ B. Rotering LWL Fazit: Case Management ist.. eine fürsorgliche statt fürsorgerische Unterstützung von Eltern, Kindern und Jugendlichen, ein hochgradig qualifizierter und effizienter Arbeitsansatz, der nicht zwangsläufig kostensparend ist, eine tiefgreifende fachliche Veränderung für alle am Hilfeprozess beteiligten HelferInnen, und wird in Korrespondenz mit anderen fachlichen Entwicklungen (Flexible Erziehungshilfen) die Hilfelandschaft im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe maßgeblich verändern.

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