BAGSO. Nachrichten. Finanziell vorsorgen 4/ Deutscher Seniorentag 2006 Bundesforum Familie Deutsche Schmerzliga

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1 BAGSO Nachrichten 4/2005 Das Magazin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen Finanziell vorsorgen 8. Deutscher Seniorentag 2006 Bundesforum Familie Deutsche Schmerzliga ISSN

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3 Editorial Liebe Leserinnen und Leser, eigentlich gilt Bescheidenheit als eine Tugend. Bei der Darstellung ehrenamtlicher Arbeit erzeugt sie jedoch den gegenteiligen Effekt. Wer heutzutage nicht die Trommel rührt, wird neben den zahlreichen marktschreierischen Angeboten und der allgegenwärtigen Werbung kaum mehr wahrgenommen. Immerhin hat das Internationale Jahr der Freiwilligen 2001 die Erkenntnis gebracht, bürgerschaftliches Engagement durch öffentliche Ehrungen o. ä. sichtbarer zu machen. Einmalige Erfolgsberichte verpuffen allerdings wie Momentaufnahmen. Wer öffentliche oder kommerzielle Unterstützung erhalten will, muss regelmäßig die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und wie bei Werbung für Markenprodukte wieder und wieder die eigenen Leistungen hervorheben. Jeder, der sich ehrenamtlich engagiert, weiß, dass hier das Kernproblem liegt: Wer sich freiwillig für andere einsetzt, tut das nämlich für ein bestimmtes Ziel, das meistens sozial ausgerichtet ist wie Hausaufgabenhilfe für Ausländerkinder, Besuchsdienst im Krankenhaus, Fortbildungsangebote für interessierte Ältere. Mit diesem Engagement verträgt es sich schlecht, dauernd über Erfolge zu reden; denn die Zeit wird lieber zum Nutzen anderer verwandt. Allerdings erfordern die Organisation dieser Dienste und ihre Aufrechterhaltung auch entsprechende Einnahmen, was angesichts der großen Konkurrenz um die schwindenden öffentlichen Töpfe immer schwerer fällt. Daher müssen wir jetzt lernen, uns ähnlich wie Geschäftsleute zu verhalten, um unsere Verbandsarbeit langfristig finanzieren zu können. Bekannte Spendensammler wie die Aktion Mensch, die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und viele andere zeigen uns, wie Mittel für einen guten Zweck gewonnen werden können. Ein solcher Lernprozess bleibt auch uns nicht erspart: Wir erfuhren das bei der Antragstellung für den 8. Deutschen Seniorentag 2006 in Köln. Anstatt mit anderen bundesweiten Großereignissen zu vergleichen, die Unsummen für Organisation, Werbung und Künstlergagen verschlingen, sollen wir gegenüber dem vorherigen Seniorentag noch einsparen. Dabei sind seitdem die Preise kräftig gestiegen und die einzelnen Posten wie Miete der Räumlichkeiten und Technik, Druck der Vorankündigungen und Programme wurden schon so niedrig veranschlagt, dass keine Abstriche mehr möglich sind. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass wir sowieso einen erklecklichen Anteil an Eigenmitteln erwirtschaften müssen z. B. durch Eintrittsgebühren, Vermietung von Standflächen an Firmen, Beiträgen von Sponsoren. Unsere Hinweise auf das hohe Aufkommen ehrenamtlicher Aktivitäten fruchten nicht. Um die effektive Ersparnis durch freiwillige Leistungen in Geldbeträgen ausdrücken zu können, haben wir nun eine Kalkulation der unbaren Eigenmittel vorgelegt. Darin sind Posten enthalten wie die von den Foren-Verantwortlichen für die Planung und Organisation aufgebrachte Zeit, die Mann- bzw. Fraustunden für die Besetzung der Info-Stände auf der SenNova, der Einsatz für die Gestaltung des Rahmenprogramms, die unentgeltlichen Auftritte von Künstlern. Obwohl wir eher tief gestapelt und die Stunde ehrenamtlicher Arbeit mit 12 angesetzt haben, hat sich insgesamt die erstaunlich hohe Summe von ergeben, also etwa ein Viertel der Gesamtkosten. Ob wir mit dieser Gegenrechnung diesmal etwas erreichen, ist noch offen. Aber wir haben gelernt, dass wir den produktiven Beitrag des freiwilligen Engagements viel deutlicher herausstellen müssen, um uns in der Öffentlichkeit und gegenüber Geldgebern zu behaupten. Aufgrund dieser Erfahrung empfehle ich auch Ihnen für 2006 und die nächsten Jahre: Tun Sie zusammen mit anderen etwas für andere und reden Sie öfter darüber! Herzlich grüßt Sie 3

4 Inhalt Impressum Editorial 3 Impressum 4 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen - Das Märchen von den reichen ausgabefreudigen Senioren 5 - Frauen brauchen eine eigene Altersvorsorge 8 - Vorsorge für die Pflege 10 - Private Altersvorsorge aber wie? wo? welche? 12 - Senioren und Steuern 13 - Schulden - auch im Alter? 14 - Ältere als Bankkunden 15 Aktuelles aus: Seniorenarbeit und -politik - 8. Deutscher Seniorentag 2006 in Köln 17 - Leitlinien zur langfristigen Reform der Rentenversicherung 19 - Bundesforum Familie 21 - FORUM SENIORENBILDUNG Köln 22 - BAGSO-Nachrichten in Abonnement 23 Senioren kritische Kunden - Tücken des Betreuungsmarktes 23 - BAGSO-Umfrage: Wohnen im Alter 26 - Gern gesehen oder unerwünscht? 29 Gesundheit / Pflege - Wenn das Altwerden zur Last wird 31 - Sturzprävention in Finnland 33 - Die Deutsche Schmerzliga 34 Senioren unterwegs - Altern in Usbekistan 35 Senioren weltweit - Europäisches Projekt Transnational Action Project on Social Inclusion 37 - SenTrain ICT-Training von Senioren für Senioren 38 - EU-Parlament will Fahrgastrechte stärken 39 - SENIORENQUIZ zu Europa 40 Finanzen / Anlagen - Generationenvertrag mal ganz persönlich! 41 Informationen aus der BAGSO - Aus der Arbeit der BAGSO e. V Der Förderverein informiert 45 - Projekte und Vorhaben der BAGSO-Verbände 47 - Neu in der BAGSO: Deutscher Schwerhörigenbund e.v. ( DSB ) 50 - Die 87 BAGSO-Verbände 51 BAGSO Nachrichten 13 Jg. Nr Zeitschrift für Aktive in der Seniorenarbeit und Seniorenpolitik (ISSN ) Erscheinungsweise: vierteljährlich Redaktionsschluss: jeweils am 1.2./1.5./1.8./1.11. Redaktion: Dr. Erika Neubauer (verantwortlich im Sinne des Presserechts) Ursula Lenz Helga Vieth Marlis Föhr (Buch-Besprechungen für die online Version) Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Autoren sind im Sinne des Presserechtes für den Inhalt selbst verantwortlich. Die Redaktion behält sich vor, eingereichte Beiträge zu kürzen und zu überarbeiten. Die Autoren erklären sich einverstanden, eingereichte Beiträge in gekürzter Version fremdsprachlich übersetzen zu lassen. Nachdruck von Beiträgen aus den BAGSO Nachrichten gegen Quellenangabe und Belegexemplar kostenfrei gestattet. Herausgeber: Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) e. V. Titelbild: Karin Hilterhaus Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) e.v. Eifelstr Bonn Tel.: 02 28/ Fax: 02 28/ URL: Geschäftsführerin: Dr. Erika Neubauer Pressereferentin: Ursula Lenz Tel.: 02 28/ BAGSO-Kontaktstelle Brüssel: Rue de la Pacification 65/67 B-1000 Bruxelles Tel.: 00 32/ Fax: 00 32/ Repräsentantin: Dr. Renate Heinisch Leiterin: Elke Tippelmann Anzeigenvermittlung: BAGSO Service Gesellschaft Dr. Barbara Keck Wahlfelder Mühle Königswinter Tel: / Layout: Karin Hilterhaus, Heidelberg Druck: Druckerei J.P. Bachem Cottbuser Str. 1, Köln Tel.: / Fax / Auflage: Abonnement: 16 inkl. Mwst. jährlich 12 inkl. Mwst. für Mitglieder eines BAGSO-Verbandes, zu beziehen über die BAGSO. Für den Druck dieser Ausgabe wurde im Interesse unserer Umwelt chlorfrei gebleichtes Druckpapier verwendet. Hinweis: Die BAGSO-Kontaktstelle in Brüssel gibt zweimal jährlich den Senioren- Report in Englisch und Französisch heraus. Bitte beachten Sie auch die Beilage der DBV-Winterthur Versicherungen zum Pflegetagegeld Schwerpunkt der nächsten BAGSO-Nachrichten: Beziehungskisten im Ruhestand Der Vorstand der BAGSO Vorsitzende: Roswitha Verhülsdonk, Koblenz 1. Stellvertreter, Schatzmeister: Clemens Pick, Marmagen 2. Stellvertreter: Frieder Theysohn, Speyer Beisitzer/innen: Gotlind Braun, Tübingen Dr. Rudolf Fitzner, Berlin Dr. Franz-Josef Oldiges, Bonn Helga Walter, Berlin Ehrenvorsitzende: Marieluise Kluge-Steudel, Mannheim 4

5 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Das Märchen von den reichen ausgabefreudigen Senioren In letzter Zeit hört und liest man immer häufiger, dass die Generation 50plus nicht nur anders als alle vorherigen Seniorengenerationen ist, sondern auch so reich, dass man nur das richtige Produkt oder die richtige Dienstleistung anbieten muss, um ihr das Geld aus der Tasche ziehen zu können. Bezeichnungen wie Master Consumer, Smart Shopper oder Golden Agers verdeutlichen dabei die Geldaktivität und Konsumfreudigkeit der heutigen Senioren. Einige Finanz- und Wirtschaftspropheten meinen sogar, die reichen Senioren könnten mit ihrer Kaufkraft die derzeit am Boden liegende deutsche Wirtschaft sanieren und wieder zum Blühen bringen. Was ist daran wahr? Die Kaufkraft der Generation 50plus ist enorm Fakt ist, dass die Generation 50plus reicher als frühere Seniorengenerationen ist und tatsächlich eine beachtliche Kaufkraft besitzt. Die heutigen über 50-Jährigen verfügen im Durchschnitt pro Person über mehr Vermögen als die viel umworbene Personengruppe der unter 50-Jährigen. Und obwohl das Rentenniveau künftig eher sinken wird, rechnet man nicht zuletzt durch ein Anwachsen der vorhandenen Vermögenswerte und durch zu erwartende Erbschaften mittelfristig noch mit einer Verbesserung der Kaufkraftsituation von Senioren. Die erlebnishungrigen Aktiven (22 %) Die risikoscheuen Traditionalisten (19 %) Die sparsamen Zurückgezogenen (11 %) Sechs verschiedene Senioren-Typen kel, sondern wollen oftmals die Früchte selbst ernten, die sie im Verlauf langer arbeitsreicher Jahrzehnte gesät haben. Sie wollen die Jahre, die noch vor ihnen liegen, genießen und sich einen hohen Lebensstandard leisten. Aber: Die Senioren sind sehr heterogen Die Generation 50plus ist aber eine sehr heterogene Personengruppe. Sie umfasst Menschen, die noch im Berufsleben stehen genauso wie aktive und sich jung fühlende Ruheständler über 65 bis hin zu den über 80-jährigen Hochbetagten und den kranken und pflegebedürftigen Alten. Die sich in unserer Bevölkerung immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich ist auch bei der Generation 50plus zu beobachten: Die einen häufen immer mehr Vermögenswerte an und werden immer reicher, die an- Die anspruchsvollen Konsumfreudigen (22 %) Fakt ist auch, dass die heute über 50- Jährigen prinzipiell ausgabefreudiger als frühere Generationen sind, welche die Entbehrungen durch zwei Weltkriege erlebt haben und für die Wertvorstellungen wie Sparsamkeit, Bescheidenheit und Genügsamkeit viel wichtiger waren. Die heutigen Senioren sparen nicht mehr selbstlos für ihre Kinder und Enderen werden durch unser durchlässigeres soziales Netz und die zunehmend schlechter werdende Rentenversorgung immer ärmer. Und auch die Einstellung zum Geldausgeben ist trotz generellen Trends zur Konsumfreude bei Senioren sehr unterschiedlich. Während die einen für Premiumqualität auch entsprechend Geld auszugeben bereit sind, drehen die anderen jeden Cent um und kaufen prinzipiell möglichst preiswert ein. Sechs unterschiedliche Senioren-Typen Die wertkonservativen Genießer (15 %) Die ausgabebereiten Innovatoren (11 %) Eine vom Frankfurter Marktforschungsinstitut T.E.A.M. Ende 2004 durchgeführte Grundlagenstudie mit dem Titel Die unterschätzte Generation zeigt nicht nur stark differenzierende Bedürfnisse, Wünsche und Einstellungen innerhalb der Seniorenschaft, sondern auch große Unterschiede in der 5

6 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen finanziellen Situation und in der Bereitschaft heutiger Senioren, Geld auszugeben. Das Institut T.E.A.M. ermittelte sechs verschiedene Seniorentypen, die sich auch in ihrer Konsumfreude voneinander unterscheiden(siehe auch Grafik auf Seite 5). Die anspruchsvollen Konsumfreudigen (22 %) kaufen gern ein, haben Spaß am Shopping, sind sehr modebewusst und lieben es, in Geschäften auch nur herumzustöbern. Sie sind in der Regel finanziell gut situiert und legen großen Wert auf die Qualität der Ware; der Preis spielt bei ihnen nur eine untergeordnete Rolle. Sie möchten nach einem langen Arbeitsleben endlich ihre neu gewonnene Freiheit genießen und die verbleibenden Jahre so angenehm wie möglich verbringen. Die ausgabefreudigen Innovatoren (11 %) verfügen ebenfalls über die entsprechenden finanziellen Mittel und haben hohe Qualitätsansprüche: Sie geben gern etwas mehr Geld aus, wenn sie dafür gute Qualität bekommen. Sie sind sehr innovationsfreudig und probieren oft neue Produkte aus: Nicht nur bei Waren des täglichen Bedarfs, sondern auch bei technischen Neuerungen gehören sie zu den Ersten, die damit praktische Erfahrungen sammeln. Die erlebnishungrigen Aktiven (22 %) fühlen sich jung und fit, sind sehr unternehmungslustig und lieben die Abwechslung. Beim Konsum sind sie wählerisch: Sie achten beim Einkauf auf ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis und sind grundsätzlich der Meinung, dass auch preiswerte Produkte gut sein können. Sie wechseln häufiger die Einkaufsstätte je nach dem, wo sie gute Qualität zum niedrigen Preis bekommen. Diese drei Typen repräsentieren in ihrer Gesamtheit bereits mehr als die Hälfte aller Senioren über 50 ein Zeichen dafür, dass die Generation 50plus heutzutage viel konsumfreudiger ist als früher. 6 Die sparsamen Zurückgezogenen (11 %) entsprechen am ehesten dem traditionellen, inzwischen aber weitgehend überholten Vorstellungsbild von Senioren. Sie leben eher zurückgezogen im eigenen Haushalt und sind oft auch gesundheitlich nicht mehr auf der Höhe. Ihr Leben läuft Tag für Tag ähnlich ab, sie haben relativ wenige Sozialkontakte und fühlen sich mitunter auch sehr einsam. Sie verfügen über relativ wenig Geld, sind grundsätzlich sehr sparsam und kaufen generell preiswerte Produkte. Die wertkonservativen Genießer (15 %) sind traditionsverbundene Senioren, die nach langjähriger Arbeit und Pflichterfüllung jetzt ihr Leben endlich genießen wollen. Neuen Produkten oder modernen Ansichten stehen sie eher ablehnend gegenüber; innere Werte sind ihnen wichtiger als Äußerlichkeiten. Beim Kauf und beim Konsum ist ihnen Qualität zwar nicht unwichtig, sie sind aber grundsätzlich eher sparsam und der Ansicht, dass preiswerte Produkte heutzutage genauso gut sind wie teure. Die risikoscheuen Traditionalisten (19 %) sind die Konservativsten unter den Senioren. Sie sind sehr sicherheitsbewusst und verlassen sich gern auf Altbewährtes, das sie kennen. Neuen Produkten gegenüber sind sie grundsätzlich misstrauisch, das Ausprobieren überlassen sie anderen. Sie sind die markentreuesten Senioren von allen und haben in der Regel auch ihre festen Geschäfte, in denen sie einkaufen. Qualität und Preis müssen stimmen; Beurteilungskriterien sind aber am ehesten die eigenen Erfahrungen, nach denen sie sich richten. Die Generation 50plus ist damit sowohl in ihrer Kaufkraft als auch in ihrer Konsumfreude und im Geldausgeben sehr heterogen und setzt sich aus ganz unterschiedlichen Personengruppen zusammen. Diese und ihre Einstellungen und Bedürfnisse muss man kennen, wenn man zielgruppenspezifische Marketingmaßnahmen plant. Darüber hinaus gibt es noch mehrere grundsätzliche Aspekte, die man beim Seniorenmarketing berücksichtigen sollte. Kaufkraft ist nicht gleich Geldausgeben Große Teile des Kapitals vermögender und kaufkräftiger Senioren sind in Immobilien oder sonstigen Kapitalanlagen gebunden und damit nicht frei verfügbar, können also nicht unmittelbar ausgegeben werden. Senioren präferieren mehrheitlich sichere und risikoarme Kapitalanlagen das Sparbuch ist bei Älteren immer noch die beliebteste Anlageform. Das hat nichts mit Sparsamkeit zu tun, sondern mit Sicherheitsbewusstsein und Vernunft: Das in der Regel über Jahrzehnte erarbeitete Vermögen will man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Denn öfter als jüngere Leute haben Senioren bereits schlechte Erfahrungen mit Kapitalanlagen gemacht oder schon erlebt, wie schnell mühsam gespartes Geld wieder verloren sein kann. Zudem neigen Senioren nur selten zum spontanen Geldausgeben. Die heutige Generation 50plus besteht aus sehr konsumerfahrenen Verbrauchern mit hohen Ansprüchen, die im Laufe ihres langen Konsumlebens gelernt haben, wann ein Produkt oder eine Dienstleistung den Preis wert ist, welche Vorteile eine gute Qualität hat, welche falschen Versprechungen gemacht werden, wann bei bestimmten Angeboten Vorsicht angeraten ist, welchen Marken man vertrauen kann usw. Vor diesem Erfahrungshintergrund werden Kaufentscheidungen vor allem wenn es um größere Summen geht überlegter und rationaler getroffen als bei vielen jüngeren Verbrauchern. Auch bei Finanzdienstleistungen egal ob es um Kapitalanlagen, Versicherungsleistungen oder andere Formen ökonomischer Serviceleistungen geht verhalten sich Senioren in der

7 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Regel bedacht und überlegt. Wenn hier der eigene Erfahrungshintergrund fehlt, greifen sie bei der Entscheidungsfindung auf den Rat von vertrauenswürdigen Personen zurück. Dies kann jemand aus dem eigenen Verwandten- oder Bekanntenkreis, aber auch ein externer Berater sein, wenn er das Vertrauen der betreffenden Person genießt. Der psychologische Mehrwert ist entscheidend Produkte oder Dienstleistungen sind für Senioren nur dann attraktiv, wenn sie auf relevante Bedürfnisse treffen und einen subjektiven Mehrwert bieten, d. h. wenn die Senioren das Gefühl haben, das Produkt wirklich zu benötigen oder einen persönlichen Nutzen davon zu haben, der größer ist als das Geld, das sie dafür ausgeben müssen. Ein neues Auto zum Beispiel muss den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen. Es kann ruhig etwas kleiner als das letzte sein (Repräsentationsbedürfnisse spielen jenseits des Berufslebens nicht mehr eine so dominante Rolle). Es muss aber die jetzt vorhandenen Mobilitätsbedürfnisse optimal befriedigen: bequemer, sicherer, handlicher, sparsamer und nicht größer als nötig. Senioren: eine Zielgruppe für Finanzdienstleistungen? Bei Finanzdienstleistungen ist dies nicht anders. Natürlich sind auch Senioren bestrebt, das Beste aus ihrem Geld zu machen. Natürlich sind auch sie generell offen für Finanzdienstleistungen. Aber sie müssen davon überzeugt sein, dass ein entsprechendes Angebot sinnvoll und nutzbringend ist und ihren Bedürfnissen und Anforderungen auch langfristig standhält. So müssen Versicherungen an die spezifischen Bedürfnisse im Seniorenalter angepasst sein: Kapital-Lebensversicherungen für das fortgeschrittene Alter, Sterbegeldversicherungen, Unfall- und Pflegeversicherungen, Vorsorgeversicherungen für adäquates Wohnen im Alter oder Ähnliches könnten hier Beispiele für bedürfnisorientierte Angebote sein. Auch Kapitalanlagen müssen seniorenspezifische Bedürfnisse berücksichtigen, wenn sie in diesem Markt erfolgreich sein wollen. Senioren neigen dazu, ihr Geld in einer Form anzulegen, die eine Bestandssicherung gewährleistet, d. h.: Sicherheit geht ihnen meist vor Ertrag. Renditechancen sollten mit einer Risikoabsicherung gepaart sein, und die Verfügbarkeit des Kapitals sollte den individuellen Anforderungen entsprechen. Die angebotenen Finanzdienstleistungen dürfen aber nicht zu kompliziert sein, sondern sollten leicht verständlich und logisch nachvollziehbar erklärt werden können. Und sie müssen dem Urteil vertrauenswürdiger Personen im Umfeld der Senioren standhalten können und dürfen eigenen Finanzerfahrungen nicht widersprechen. Der psychologische Mehrwert bei diesen Beispielen ist natürlich je nach individueller Bedürfnislage unterschiedlich. Deshalb ist es wichtig, dass Produkte und Dienstleistungen für Senioren daraufhin überprüft werden, inwieweit sie die Bedürfnisse der Zielgruppe treffen. Chancen haben sie nur dann, wenn sie einen subjektiv relevanten psychologischen Mehrwert bieten. Die reichen, ausgabefreudigen Senioren gibt es generell also nicht. Zum einen sind sie nur eine Teilgruppe innerhalb der gesamten Seniorenschaft. Und zum anderen geben auch sie ihr Geld nicht freizügig und unüberlegt aus, sondern nur dann, wenn das Produkt oder die Dienstleistung maßgeschneidert auf ihre Bedürfnisse trifft. Für die Anbieter bzw. Marketingverantwortlichen heißt das, dass sie sich um die älteren Verbraucher bemühen und dass sie deren Wünsche und Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen müssen, wenn sie Erfolg im Seniorenmarkt haben wollen. Literatur Deutscher Fachverlag GmbH: Generation Strategien für die Mehrheit von morgen, Lebensmittel Zeitung Spezial, 1/2005 GfK e.v.: Generation Silber: Marketing für die Märkte von morgen, Nürnberg 2005 Kirchmair, R.: Preis-Psychologie so finden Sie den richtigen Verkaufspreis für Ihre Dienstleistungen und Produkte, Werbeberater, 12/1998, S Kirchmair, R.: Senioren: die sparsame Generation?, Wirtschaftspsychologie aktuell, 2/2005, S T.E.A.M. GmbH: Seniorenstudie Die unterschätzte Generation, Frankfurt am Main, 2004 SenioRResearch Rolf Kirchmair Heerstr. 50, Frankfurt Mail: Rolf Kirchmair, Diplom-Psychologe, hat im März 2005 SenioRResearch gegründet das erste deutsche Institut für Seniorenmarktforschung. Er arbeitet seit über 30 Jahren in leitenden Positionen in der Marktforschung, davon seit sieben Jahren als Leiter des Institutes T.E.A.M. Team für effiziente angewandte Marktpsychologie in Frankfurt am Main. Er ist Mitglied im Aufnahmegremium des BVM (Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher e. V.), Leiter der Fachgruppe Marktpsychologie im BDP (Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.v.) und Autor zahlreicher Veröffentlichungen im Bereich Marktforschung und Seniorenmarketing. 7

8 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Frauen brauchen eine eigene Altersvorsorge Die Armut ist alt, weiblich und kinderreich, diese Aussage, die bereits vor vielen Jahrzehnten getroffen wurde, hat bis heute nicht an Aussagekraft verloren. Vielen Frauen droht noch immer Altersarmut: Sie erhielten im Jahr 2002 durchschnittlich nur 555 Rente monatlich, während Männer mit 929 beinahe doppelt so viel bezogen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Delta Lloyd, Hannover, in Kooperation mit NFO Infratest, München. Dort wird als Grund für die niedrige Rente angegeben, dass Frauen in der Regel weniger in die Rentenversicherung einzahlen, da sie ihre Berufstätigkeit für die Kindererziehung unterbrechen oder gar einstellen. Die damit verbundenen Nachteile werden auch durch die Anrechnung der Erziehungszeiten auf den Rentenanspruch kaum ausgeglichen. Mehrere Umfragen belegen, dass rund drei Viertel aller Frauen in Deutschland befürchten, dass ihr Alterseinkommen nicht ausreichen wird. Trotzdem verlässt sich die Mehrheit Haushaltstyp West-Deutschland: Durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen grv = gesetzliche Rentenversicherung bav = betriebliche Altersvorsorge; pav = private Altersvorsorge darauf, durch ihren Partner finanziell abgesichert zu sein, sodass diese Frauen keine eigenen Vorkehrungen für ihr Alter treffen. Ein Blick auf die Tabelle: Die Einkommenssituation von Rentnerhaushalten in Deutschland zeigt, dass dieses ein gefährlicher Trugschluss sein kann. Zahl der Haushalte in Ehepaare Allein stehende Männer Allein stehende Frauen Ost-Deutschland: Ehepaare Allein stehende Männer Allein stehende Frauen Quelle: BMA, Schmähl, 1998 In West-Deutschland bezogen ,7 Mio. Ehepaare ein monatliches Einkommen (Renten und andere Einnahmen) von Diesen Ehepaaren standen aber 4,4 Mio. allein stehender Rentnerinnen gegenüber, die gerade einmal im Monat zur Verfügung hatten. Konkret bedeutet dieses, dass die meisten älteren Frauen allein stehende Frauen sind bzw. sein werden, die nur ein geringes Einkommen (eigene Renten, Witwenrenten, sonstige Einnahmen) haben. Alle Frauen unabhängig davon, ob sie allein stehend oder verheiratet sind sollten deshalb über eine eigene Altersvorsorge nachdenken. Nicht vergessen werden darf darüber hinaus, dass Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung länger vom Ersparten leben müssen als Männer. Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass Frauen bisher oft die Notwendigkeit verdrängt hätten, für das Alter finanziell vorzusorgen. Ein besonderes Hemmnis sei die unübersichtliche Vielzahl und die Komplexität der Investmentangebote gemäß einer DIA Studie fühlen sich 60 % der Frauen in Investmentfragen überfordert. Sicherlich dürfte dazu noch das seit Januar 2005 in Kraft getretene Alterseinkünftegesetz beitragen. Die Bundesregierung war durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes dazu angehalten worden, die Altersvorsorge in Deutschland auf die so genannte 8

9 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen nachgelagerte Besteuerung umzustellen. Aus dem ehemaligen Drei-Säulen Modell wurde das heutige Drei-Schichten-Modell. Die erste Schicht bilden die Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung und die neue Basis-Rente (die so genannte Rürup-Rente ), die zweite Schicht besteht aus der so genannten Riester-Rente und den verschiedenen (fünf) Formen der betrieblichen Altersvorsorge. Die dritte Schicht bildet dann die private Altersvorsorge. Bei allen Formen der ersten und zweiten Schicht werden die späteren Renten versteuert (nachgelagerte Besteuerung). Diesen Nachteil versüßt der Staat durch Steuerersparnis während der Ansparzeit. Seit Anfang 2002 unterstützt er gesetzlich Versicherte oder Beamtinnen und Beamte, die privat in einen Riester-Vertrag einzahlen. Das kann eine Versicherung, ein Banksparplan oder ein Fondsprodukt sein. Die Förderung, benannt nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester, besteht aus Zulagen und Steuervorteilen. Der staatliche Zuschuss beläuft sich auf derzeitig 76 pro Person und 92 pro Kind jährlich. Im nächsten Jahr schenkt der Staat als so genannte Grundzulage 114 und 138 Kinderzulage und ab 2008 gibt es sogar 154 plus 185 je Kind. Darüber hinaus können auch noch erhebliche Steuervorteile realisiert werden, da in diesem Jahr bis zu 1.050, die in einen Riester-Vertrag eingezahlt worden sind, vom steuerpflichtigen Einkommen in Abzug gebracht werden können. Die Förderquoten können bis zu 90 % betragen. Jede Frau unabhängig vom Alter sollte sich beraten lassen und prüfen, ob ein solcher Vertrag für sie in Frage kommt. Die zweite Variante ist die betriebliche Altersvorsorge. Sie kommt für alle Arbeitnehmerinnen in Frage. Sie können bis zu 4 % der für die Rentenversicherung geltenden Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in einer Pensionskasse, einem Pensionsfonds, einer Unterstützungskasse oder einer Direktversicherung ansparen, ohne dass für diesen Teil des Lohnes Sozialbeiträge, Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag oder Kirchensteuer fällig werden. Auf den ersten Blick wird deutlich, wie lukrativ diese Form der Altersvorsorge ist. Jede Arbeitnehmerin sollte deshalb nachfragen, welche Formen der betrieblichen Altersvorsorge in ihrer Firma angeboten werden. Doch was machen Frauen, die keiner abhängigen Erwerbstätigkeit nachgehen oder selbstständig beschäftigt sind? Sie haben in der Regel keine oder nur geringe (aus früheren Tätigkeiten oder aus dem Versorgungsausgleich bei Scheidungen) Rentenansprüche aus der BfA und können in der Regel nicht von der Riester-Rente oder von der betrieblichen Altersvorsorge profitieren. Für sie bleiben nur die so genannte Rürup- Rente und das breite Angebot anderer privater Vorsorgemöglichkeiten. Die neu eingeführte Basis - oder Rürup-Rente sieht vor, dass die Versicherte frühestens ab dem 60. Lebensjahr ihre Rente beziehen darf. Eine Einmalkapitalauszahlung ist nicht möglich. Diese Renten sind weder vererbbar noch beleihbar und müssen im Alter auch noch besteuert werden! Die Nachfrage nach diesen Angeboten hält sich deshalb verständlicherweise in Grenzen. Wer möchte gern sein ganzes erspartes Geld im Todesfall an die Allgemeinheit vererben? Aber dennoch, auch die Rürup-Rente bietet Vorteile: Die monatlichen Sparraten können zum Teil steuerlich geltend gemacht werden und vor allem: sie sind Hartz-sicher. Sparerinnen, die keine Hinterbliebenen zu versorgen haben und sich um ihre Zukunft sorgen, können mit dieser Rentenvorsorge sehr sicher vorsorgen! Wem auch dieses Modell nicht zusagt, der sollte einen Blick auf die Vielzahl anderer privater Vorsorgemöglichkeiten werfen. Sehr beliebt bleibt die eigene Immobilie, die im Alter die Mietzahlungen einspart. Darüber hinaus bieten private Lebensversicherungsunternehmen mit den so genannten privaten Rentenversicherungen das Recht auf eine lebenslange Rente. Während der Ansparzeit können die Einzahlungen zwar nicht steuerlich geltend gemacht werden, dafür sind die späteren Renten fast steuerfrei! Risikobewussten Anlegerinnen stehen dann auch noch mehr als Investmentfonds zur Verfügung. Wichtig ist hierbei, dass mit sich näherndem Rentenbeginn die Aktienquote nicht zu hoch sein sollte. Wer möchte schon kurz vor der Rente bei einem Aktiencrash sein Geld schwinden sehen! Es bleibt festzustellen, dass sich vor allem Frauen mit dem Thema Altersvorsorge auseinander setzen sollten. Frauen leben länger, sie verdienen im Laufe des Lebens weniger als Männer und erhalten deshalb auch geringere Renten. Frauen müssen also die Kunst beherrschen, aus wenig viel zu machen. Sinnvoll ist es dabei, sich entweder selbst gut zu informieren oder gute Beratung in Anspruch zu nehmen. Denn: Wer nichts weiß, muss alles glauben, so Marie von Ebner-Eschenbach. Dr. Mechthild Upgang Finanzdienstleistungen Kaiserstr , Bonn Vorstand Dr. Upgang AG, Bonn Vorstand Bundesverband unabhängiger Finanzdienstleisterinnen (BuF) e.v. 9

10 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Vorsorge für die Pflege Der Deutsche Altenpflege-Monitor 2005 alarmiert: 47 % der Menschen über 50 Jahre haben sich bislang weder über die Möglichkeiten noch über die Kosten der Pflege informiert! Und noch erschreckender ist: Nur 24 % der Befragten glauben, dass sie im Pflegefall gut versorgt wären. Dies sind zwei Ergebnisse des Altenpflege- Monitors, bei dem über 50-Jährige befragt wurden. Pflegebedürftigkeit kann Menschen jeden Alters betreffen, Vorsorge ist also dringend gefordert und Information ist immer der erste Schritt dazu. Wer ist im Alter pflegebedürftig? Von den über 20,3 Millionen Menschen über 60 Jahre sind 7,6 % pflegebedürftig (in Zahlen: über 1,5 Millionen, Stand ). Dabei nimmt das Risiko der Pflegebedürftigkeit mit steigendem Alter zu: Liegt der Anteil der Pflegebedürftigen in der Altersgruppe von 60 bis 80 Jahren noch bei 4 %, so steigt er bei den über 80-Jährigen auf 32 %. Der häufigste Grund im Alter dafür sind akut oder chronisch auftretende Erkrankungen mit einem Teilverlust der Gehirnfunktionen. Dabei benötigen etwa 25 % der aus der Akutklinik entlassenen Schlaganfall-Patienten dauernde Hilfe und umfassende Betreuung. Zeitweise auf Hilfe angewiesen sind weitere 28 %. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Auffallend ist, dass Frauen mit fortschreitendem Alter eher pflegebedürftig werden als Männer. Bei den 85- bis 90- Jährigen sind es knapp 45 % (Männer 29,5 %) und bei den über 90-jährigen Frauen mehr als 61 % (Männer 38,3 %). Für sie ist das Risiko der Pflegebedürftigkeit aufgrund der längeren Lebenserwartung deutlich höher. 10 Wie leben ältere pflegebedürftige Menschen? Durch die Berichterstattung in den Medien, bei denen vor allem Pflegebedürftige in Heimen im Mittelpunkt stehen, entsteht die Vorstellung, dass die meisten Pflegebedürftigen dort leben. Legt man aber Zahlen der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger der Pflegeversicherung zugrunde, nehmen zwei Drittel von ihnen Leistungen zur häuslichen Pflege in Anspruch. Dies ändert sich mit steigendem Alter: Während 76 % der 60- bis 64-Jährigen zu Hause leben, sind es bei den 80- bis 84-Jährigen noch 65,6 % und den über 90-Jährigen 43,2 %. In der Regel übernehmen die Angehörigen allein die Versorgung. Die hohe Zahl der Alleinlebenden und der Scheidungen führt zu einem Verlust der Familienbande, daher befürchten Experten, dass zukünftig weniger Angehörige für die häusliche Pflege zur Verfügung stehen. Anders stellt sich die Situation heute schon für allein lebende Pflegebedürftige dar. Zwar werden 57 % der Pflegebedürftigen von Angehörigen versorgt, doch 21 % erfahren keine Unterstützung Beispiel 1 durch private Helfer und greifen allein auf die Hilfe von ambulanten Diensten und Sozialstationen zurück. Grenzen der gesetzlichen Pflegeversicherung Oft wird nur ein Teil der Kosten für die Pflege durch die gesetzliche Pflegeversicherung mit ihren Leistungen für die drei Pflegestufen und für Härtefälle insbesondere bei der stationären Versorgung voll abgedeckt. Diese Versorgungslücke wird in den folgenden Beispielen deutlich. Bei den Pflegesätzen der Pflegeheime und bei den Kosten für Unterkunft und Pflege gibt es zwischen den Bundesländern erhebliche Unterschiede. Daher liegen unseren Beispielen Pflegesätze sowie Entgelte für Unterkunft und Verpflegung einmal der alten, und im zweiten Beispiel der neuen Bundesländer zugrunde (BAGSO-Berechnungen nach Angaben des 3. Berichts über die Entwicklung der Pflegeversicherung). Beispiel 1: Die pflegebedürftige Person muss 984 durchschnittlich im Monat selbst tragen, 376 für die Pflege und 608 für Unterkunft und Verpflegung. Alte Bundesländer / Pflegestufe II Stationäre Pflege / Monatliche Beträge: Durchschnittliche Kosten Pflegestufe II: 54,41 x 365 Tage : 12 = Kosten für Unterkunft / Verpflegung 20 x 365 Tage: 12 = 608 Gesamtkosten Pauschalbetrag der Pflegeversicherung für vollstationäre Pflege Differenzkosten gesamt 984

11 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Beispiel 2 Neue Bundesländer / Pflegestufe III Stationäre Pflege / Monatliche Beträge: Durchschnittliche Kosten Pflegestufe III: 58,68 x 365 Tage : 12 = Kosten für Unterkunft / Verpflegung 16 x 365 Tage: 12 = 487 Gesamtkosten Pauschalbetrag der Pflegeversicherung für vollstationäre Pflege Differenzkosten gesamt 840 im Umfang der Ausschlusskriterien, wie z. B. Schwerbehinderung, Frühberentung, Pflegebedürftigkeit in den versicherten Pflegestufen in den Einstufungssystemen für die Pflegebedürftigkeit. Bei einem Vergleich der Pflegeversicherungen sollten diese Unterschiede beachtet werden. Beispiel 2: Die pflegebedürftige Person muss 840 durchschnittlich im Monat selbst tragen. 353 für die Pflege und 487 für Unterkunft und Verpflegung. Zunächst werden für den Ausgleich der Differenzkosten Einkünfte und Vermögen herangezogen, des Weiteren Einkünfte und Vermögen unterhaltspflichtiger Angehöriger, in der Regel das der Kinder. Unzureichende Vorsorge kann sowohl das eigene Vermögen aufzehren als auch Angehörige belasten und früher oder später in die Abhängigkeit von Sozialhilfe führen. Die Forderungen nach besserer Qualität in der Pflege werden zukünftig die Kosten eher erhöhen als senken. Insbesondere die immer wieder zu Recht geforderte ausreichende Bezahlung der Pflegekräfte und die bessere Betreuung demenziell veränderter Menschen sind meist nur durch zusätzliche finanzielle Mittel realisierbar. Geld allein ist zwar nicht ausreichend für Qualitätsverbesserungen, aber doch eine wichtige Voraussetzung. Daher wird private finanzielle Vorsorge über die gesetzliche Pflegeversicherung hinaus in Zukunft an Bedeutung zunehmen. Möglichkeiten zur privaten Pflegevorsorge im Alter Grundsätzlich gibt es zwei Modelle zur zusätzlichen privaten Pflegeversicherung: über die Krankenversicherung und über eine private Lebensversicherung als Rente. Die Krankenversicherung zahlt in diesem Falle ein vereinbartes Pflegetagegeld, unabhängig von den tatsächlichen Pflegekosten während der Pflegebedürftigkeit. Die Pflegerentenversicherung zahlt im Falle von Pflegebedürftigkeit eine Pflegerente. Diese setzt sich aus einem garantierten vereinbarten Anteil und einer nicht garantierten Gewinnrente zusammen. Über eine solche Gewinnbeteiligung während des Leistungsbezugs soll durch laufende Dynamisierung der Gewinnrenten eine Anpassung an die erwarteten Preissteigerungen im Pflegesektor erfolgen. Die Versicherung kann entweder mit laufender Beitragszahlung oder mit Einmalzahlung abgeschlossen werden. Inzwischen erweitert sich der Versicherungsmarkt für Ältere, z. B. auch für den Fall der Pflegebedürftigkeit bei Vertragsabschluss. Je später eine Versicherung abgeschlossen wird, desto höher sind die zu zahlenden Beiträge. Die Versicherungsangebote unterscheiden sich weiterhin im Umfang der Gesundheitsprüfung in den Dauer der Warte- und Ansparzeit im maximalen Eintrittsalter Literaturverzeichnis und Quellenangaben Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS), unter Zahlen und Fakten zur Pflegeversicherung 2004/2005 Deutscher Altenpflege-Monitor 2005, ein Gemeinschaftsprojekt der Evang. Heimstiftung Stuttgart, des Marktforschungsinstituts Konzept und Markt Wiesbaden und des Fachverlags VincentzNetwork, Berlin/Hannover nach unter Sozial-Praxis/Pflege Dritter Bericht über die Entwicklung der Pflegeversicherung (BMGS) Fakten und Felder der freien Seniorenarbeit Ältere Menschen in Deutschland. (BAGSO), Kapitel 6, 2005 Sozialhilfe in Deutschland 2003 Entwicklung, Umfang, Strukturen, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, 2003 Statistisches Bundesamt, Wiesbaden Bevölkerungsfortschreibung, 2004 Empfehlung: Pflegeversicherung Hrsg.: Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) Referat Öffentlichkeitsarbeit Berlin Tel.: / Fax: / Bestell-Nr.: A500 oder unter Dr. Barbara Keck, Bettina Kloppig BAGSO Service Gesellschaft 11

12 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Private Altersvorsorge aber wie? wo? welche? Dass zur Aufrechterhaltung des gewohnten Lebensstandards bzw. sogar zur Vermeidung von Altersarmut für jeden eine zusätzliche Altersvorsorge ein unverzichtbares Gebot ist, sollte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Doch ein Patenrezept gibt es nicht. Vielmehr müssen der und die Einzelne individuell nach dem für ihn oder sie sinnvollsten Weg suchen. Inzwischen bestehen viele Möglichkeiten zur privaten Vorsorge. Sparer können Geld in Wertpapieren, Immobilien oder Lebensversicherungen anlegen, sie können sich mit einer zusätzlichen betrieblichen Altersvorsorge absichern oder einen so genannten Riester-Vertrag unterschreiben. Dank staatlicher Förderung winken hier meist höhere Renditen als bei anderen Anlageformen. Doch welche Absicherung ist die richtige? Da gerade bei Altersvorsorgestrategien die Sicherheit einer Anlage Vorrang hat, sind gute Informationen wichtig, um sich in dem Angebotsdschungel orientieren und vor betrügerischen Anlageberatern und Anlageangeboten schützen zu können. Die unabhängige Verbraucher-Organisation STIFTUNG WARENTEST hat sich in der Ausgabe 10 / 2005 ihres monatlich erscheinenden Magazins FINANZtest ganz dem Thema Geldanlage für Senioren - Mehr Geld im Ruhestand gewidmet. Dort sowie in dem 2004 zusammen mit der Verbraucherzentrale NRW herausgegebenen Ratgeber Private Altersvorsorge gezielt absichern in jeder Lebensphase und auch auf der Internet-Seite bietet sie Menschen, die sich kundig machen möchten, wertvolle Informationen an. Private Altersvorsorge gezielt absichern in jeder Lebensphase Der Ratgeber bietet allen einen einfachen Einstieg, die ihre Rentenlücke schließen und selbst fürs Alter vorsorgen möchten. Er erläutert die Grundlagen der Alterssicherung und die Berechnung des individuellen Bedarfs. Selbstständige sind dabei ebenso angesprochen wie Arbeitnehmer und Hausfrauen und -männer. Der erste Teil zeigt, welche Anlagemöglichkeiten in welcher Lebensphase, je nach Alter und persönlichem Sicherheitsbedürfnis, am besten geeignet sind. Im zweiten Teil werden alle für die Altersvorsorge in Frage kommenden Produkte mit ihren Stärken und Schwachen vorgestellt: Riester-Produkte, Sparanlagen, Versicherungen, Fonds, Immobilien. Wie sicher sind sie? Wie sind ihre Renditechancen? Wie flexibel kann man über das eingezahlte Geld verfügen? Wie wirken sie sich steuerlich aus? Wo bekomme ich sie, und was ist beim Kauf zu beachten? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich angespartes Kapital sinnvoll verrenten? Die Strategie-Empfehlungen sind nach Lebensabschnitten differenziert: Einstieg bis 40 Jahre Einstieg zwischen 41 und 50 Jahren Einstieg zwischen 51 Jahren und Rentenbeginn Geldanlage im Rentenalter. Berücksichtigt sind auch alle Neuregelungen des Alterseinkünftegesetzes, das seit dem in Kraft ist. Altersvorsorge Für jeden das Richtige Mit einem Vorsorgerechner von STIFTUNG WARENTEST, den Sie auf deren Internetseite finden, können Sie individuelle Analysen vornehmen und Ihren Finanzbedarf ermitteln und prüfen, ob das, was Sie zurzeit sparen für die Zusatzrente, die Sie haben möchten bzw. müssen, ausreicht. Dazu stehen Ihnen vier Arbeitsmappen (als Excel-Dateien) zur Verfügung: 1. Inflationsrechner Welche Zusatzrente benötigen Sie? im Monat? Mit dem Inflationsrechner können Sie ausrechnen, dass es z. B. bei einer Inflation von jährlich 2 % in 20 Jahren 1.485,95 sein müssten, um die gleiche Kaufkraft zu erzielen wie heute. 2. Gewünschte Rente Wie viel müssen Sie für die gewünschte Rente sparen? Beispiel: Sie brauchen ein Vermögen von mehr als , um sich bei einer Verzinsung von jährlich 4 % zwanzig Jahre lang eine Monatsrente von zu finanzieren. Mit dem Planer können Sie ermitteln, wie Sie dies ansparen können. Sie geben ein, ob Sie monatlich, vierteljährlich oder jährlich sparen wollen, und wie viele Raten Sie bis Beginn der 12

13 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Rente noch schaffen. Nennen Sie den Zins, mit dem Ihr Erspartes sich vermehrt. Dann berechnet das Programm Ihre Rate. 3. Gewünschte Sparrate Sie tragen die Höhe der Sparrate ein und den Rhythmus, in dem Sie sparen wollen: monatlich, vierteljährlich oder jährlich. Dieses Blatt zeigt Ihnen, wie viele Sparraten Sie noch bis zur Rente schaffen und welchen Zins Sie mit Ihrer Anlage erzielen können. Das Vermögen zu Beginn des Rentenbezugs erhalten Sie, wenn Sie zusätzlich noch die Sparsumme eingeben, die Sie bereits besitzen. 4. Ewige Rente Vielleicht haben Sie ja schon eine Lebensversicherung oder einen anderen Vertrag, aus dem Sie zu Beginn des Ruhestands ein hübsches Sümmchen kassieren. Dann rechnen Sie mit diesem Programm: Setzen Sie den Zins, zu dem Ihr Geld angelegt ist, niedrig an, um Raum für eine Inflationsanpassung Ihrer Rente zu schaffen. Wollen Sie ewig etwas von Ihrem Vermögen haben? Das Programm rechnet Ihnen nicht nur aus, wie viel Mal Sie Ihre Wunschrente bekommen könnten. Es ermittelt auch, wie viel Rente Sie bei gleich bleibendem Zinssatz bekommen, wenn das Vermögen nicht angegriffen werden soll. Außerdem finden Sie eine Übersicht der aktuellsten Tests zur Privaten Altersvorsorge von börsennotierten Investments bis zur klassischen Rentenversicherung. Diese sind entweder als Kurzinformation kostenfrei oder komplett und interaktiv gegen eine Gebühr einzusehen. Grauer Kapitalmarkt: Gutgläubige Anleger erleiden jedes Jahr Milliardenverluste Auf dem staatlich nicht geregelten und überwachten Kapitalmarkt gehen jährlich mehrstellige Millionensummen verloren, die gutgläubige Anleger in der Hoffnung auf eine ergänzende Altersvorsorge und auf steuerliche Vorteile in geschlossene Fonds und Beteiligungen investieren. Vor der Unterschrift sollten dubios erscheinende Angebote, die im häuslichen Bereich und mit hohen Renditeversprechungen angeboten werden, genau geprüft werden, darauf verweist die Verbraucherzentrale Rheinland- Pfalz und bietet auf ihrer Internetseite eine Checkliste an. Außerdem können Sie sich über die Finanzberater auf dem Grauen Kapitalmarkt und deren Offerten aus den Bereichen leasing, Immobilienfonds, Erwerbermodelle, Grüne Geldanlagen und Genussscheine sowie über ein Urteil des Bundesgerichtshofs informieren. Weitere Ratgeber der Verbraucherzentralen: Finanz-Fahrplan ab 50 Abgesichert ins Rentenalter Betriebliche Altersvorsorge Der Weg zur Rente Wegweiser zur aktuellen Rechtslage Meine Rente Rentenberechnung verständlich und kompakt Senioren und Steuern Wenn ich nicht mehr beruflich aktiv bin, habe ich endlich Ruhe vor der Steuer, so denkt mancher Ruheständler und irrt dabei gewaltig. Während in der Vergangenheit dieser Irrtum vielleicht ohne Folgen blieb, hat sich dies seit dem mit der Besteuerung von Alterseinkünften grundlegend geändert: In Zukunft werden Beitragszahlungen zur Rentenversicherung steuerlich geschont, dafür aber die Rentenzahlungen zunehmend besteuert. Allerdings gibt es für Senioren einige Sonderregelungen und Vergünstigungen, die zusammen mit den allgemeinen Freibeträgen dazu führen, dass im Einzelfall keine Einkommensteuer gezahlt werden muss. Umfassende Information ist also angebracht, damit Senioren einschätzen können, ob und wie viel Einkommenssteuer sie zahlen müssen. Der Bund der Steuerzahler hat daher alles Wissenswerte zum Thema Steuern in einer Broschüre zusammengefasst. Auf die Besteuerung der Rentenzahlungen wird darin besonders eingegangen, wie auch auf Regelungen, die Einkünfte aus Erwerbstätigkeit, Kapitalvermögen und Vermietung betreffen. Außerdem werden Grundzüge der Erbschaftsund Schenkungsteuer dargestellt. Durch viele Fall- und Rechenbeispiele werden dem Leser die teilweise recht komplizierten steuerlichen Vorschriften näher gebracht und ein übersichtlich gestaltetes Grundlagenwissen vermittelt. Die Broschüre Senioren und Steuern Tipps und Informationen für ältere Menschen kann kostenlos angefordert werden. Bitte senden Sie dafür einen an sich selbst adressierten und mit 85 Cent (Büchersendung) frankierten C5- Rückumschlag an Bund der Steuerzahler Französische Straße Berlin 13

14 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Schulden auch im Alter? Foto: K. Hilterhaus Persönliche und berufliche Biografien haben sich in den zurückliegenden drei Jahrzehnten verändert. Man wagt kaum noch von einem geruhsamen Lebensabend zu sprechen, denn ab wann soll man diesen datieren? Auch sind die Aktivitäten vieler älterer Menschen alles andere als geruhsam. Dennoch kann man wohl davon ausgehen, dass eine gesicherte finanzielle Ausstattung zu mehr Gelassenheit und weniger Sorgen im Alter erheblich beiträgt. Die gefühlte Sicherheit kann unter anderem an den Aussagen in repräsentativen Meinungserhebungen abgelesen werden. Demnach schätzten im Jahr 2004 wesentlich mehr Befragte (39 %) über 64 Jahre ihre finanzielle Lage jetzt und für die Zukunft als schlechter ein, als dies noch im Jahr 2000 der Fall war (11 %). Auch die eigene Beurteilung der ausreichenden Absicherung für das Alter nimmt im Zeitraum 2000 bis 2004 von 80 % Zustimmung auf 70 % ab. Etwas im Widerspruch dazu steigt jedoch die Zahl derjenigen älteren Menschen, die Geld sparen und zurücklegen können, von 72 % auf 78 %. Durchschnittlich werden von dieser Gruppe im Jahr bis auf Sparbücher eingezahlt. Für jeden zweiten älteren Menschen ist das Motiv für finanzielle Rücklagen die Absicherung der Zukunft ihrer Kinder oder Enkel. Schulden sind eher ein Phänomen in der Familienaufbau- und Konsolidierungsphase zwischen 25 und 44 Jahren. Während in diesem Alter rund 25 % einen Konsumenten- bzw. Ratenzahlungskredit aufnehmen, gilt dies nur für 3 % der Altersgruppe ab 65 Jahre. Der durch Kreditaufnahmen abzudeckende zusätzliche Finanzierungsbedarf bei älteren Menschen ist in der Regel nicht hoch, da weitgehend die übliche Lebensstandardausstattung erreicht ist. Dennoch ist die Beobachtung interessant, dass einige Kreditinstitute über 64-Jährigen keine Kredite mehr geben bzw. nur zu kurzen Laufzeiten mit hohen Zinsen. Die Kredithöhen liegen bei den älteren Menschen im Durchschnitt im Westen bei und im Osten bei Nach den Daten der SCHUFA-Holding liegt die aktuelle Kreditbelastung, d. h. die Summe des noch zurückzuzahlenden Kreditbetrages, bei den älteren Kreditnehmern bei im Westen und im Osten. 7 % der Senioren zahlen Hypotheken zurück. Als überschuldet gilt jemand, der trotz Reduzierung des Lebensstils mit dem Einkommensrest nach Abzug der Lebenshaltungskosten seine Schulden dauerhaft nicht fristgerecht tilgen kann (relative Überschuldung). Absolute Überschuldung (Insolvenz) liegt vor, wenn Einkommen und Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr decken. Nach den Auswertungen der SCHUFA-Holding haben rund 1 % der über 64-Jährigen im Jahr 2004 einen harten Negativeintrag, d. h. sind überschuldet, verglichen mit 10 bis 12 % der 25 - bis 44 - Jährigen. Es zeichnet sich jedoch auch bei den älteren Menschen eine schleichende Negativentwicklung ab. So bekamen im Jahr 2002 rund im Alter von 65 Jahren und älter ihren ersten negativen Eintrag bei einer Bank (z. B. wegen Kreditkündigung), im Jahr 2004 waren es bereits rund Personen dieser Altersgruppe. Im Personenkreis, der von Schuldnerberatungsstellen betreut wird oder der in einem Insolvenzverfahren ist, ist der Anteil der über 60-Jährigen mit 3,7 % ebenfalls noch sehr gering. Dies heißt aber nicht, dass ältere Menschen stark unterdurchschnittlich von Armut betroffen sind. Denn es gilt: Wer überschuldet ist, ist immer arm. Wer arm ist, muss aber noch lange nicht überschuldet sein. Im 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung wird die Armutsrisikoquote für über- 64-Jährige für das Jahr 2003 mit 11,4 % angegeben. Zum Vergleich: Die höchsten Armutsrisikoquoten in Deutschland haben die 16-bis 24-Jährigen (19,1 %), Arbeitslose (40,9 %) und allein Erziehende (35,4 %). Armutsrisiko 14

15 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen heißt, dass diese Gruppe weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung hat. Im EU-Vergleich stehen somit die deutschen Senioren sehr gut dar, nur Luxemburg und die Niederlande sind in noch geringerem Maße mit Altersarmut konfrontiert. Literatur: Korczak, D.: Definitionen der Verschuldung und Überschuldung im europäischen Raum. München 2003 Korczak, D.: Überschuldungsexpertise für den 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. München 2004 Korczak, D.: Überschuldungssituation in Deutschland im Jahr Aktualisierung der Daten zur Überschuldung. München 2004 Soll und Haben 5, SPIEGEL-Verlag. Hamburg 2000 Soll und Haben 6, SPIEGEL-Verlag. Hamburg 2004 Lebenslagen in Deutschland. Der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung Foto: Vohler Dieter Korczak ist promovierter Soziologe und leitet das Institut für Grundlagen- und Programmforschung in München. Er hat mehrere Gutachten zu den Themen Verschuldung und Überschuldung für verschiedene Bundesministerien verfasst und ist Mitglied des wissenschaftlichen Expertengremiums der Bundesregierung für den 2. Armuts- und Reichtumsbericht. Weitere Informationen unter: Ältere als Bankkunden Ziele der Studie Das Leitthema dieser BAGSO-Nachrichten macht deutlich, wie wichtig die richtige finanzielle Planung ist. Dabei kommt den Banken eine besondere Bedeutung zu. In einer Befragung, die die BAGSO durchgeführt hat, wollte sie mehr erfahren über Beratungs- und Informationsbedürfnisse Servicewünsche Nutzung der technischen Möglichkeiten Kritikpunkte der älteren Menschen an Banken Ablauf der Studie Gemeinsam mit BAGSO-Verbänden, der Unternehmensberatung Lüghausen & Partner sowie der Kreissparkasse Bad Neuenahr-Ahrweiler, der Kreissparkasse Steinfurt und der Sparkasse Wittgenstein wurde ein Fragebogen mit 21 Fachfragen zum Thema und acht statistischen Fragen zur Person konzipiert. Diese wurden an die Zielgruppe 55plus mit gleichmäßiger Verteilung in Altersklassen versandt. Die BAGSO hat den Fragebogen im Verbraucherforum online gestellt und an die Verbände weitergegeben. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Gesamtstichprobe von 1573 Personen. Die Befragten Das Durchschnittsalter der Befragten ist 68 Jahre, sogar über 90-Jährige nahmen an der Studie teil (1 % der Befragten). Gleichermaßen gaben Frauen und Männer ihre Meinung kund. 60 % leben zu zweit, 14 % mit drei und mehr Personen in einem Haushalt und 26 % allein. Die meisten befragten Personen (76%) haben Eigentum. Während die meisten (63%) über ein monatliches Nettoeinkommen bis verfügen, zeigt sich bei den Vermögen ein sehr unterschiedliches Bild. Hier gaben immerhin knapp die Hälfte ein Vermögen von über an. Zu 83 % beziehen sich die Ergebnisse auf Kunden der Sparkassen. Zentrale Ergebnisse Für die Hälfte ist der bevorzugte Ort für die Beratung das Beratungszimmer. Ca. einem Viertel ist es egal, wo die Beratung stattfindet. Nur wenige schätzen eine Beratung am Schalter (4 %) oder zu Hause (2 %). Gefragt danach, wie der ältere Kundenkreis angesprochen werden möchte, steht persönliche Ansprache in der Filiale an erster Stelle. Aber auch die Ansprache per Brief und Telefon wird durchaus gewünscht. Einen Hausbesuch nach Absprache kann sich gut die Hälfte vorstellen, knapp die Hälfte möchte dies jedoch auf keinen Fall. Die Ansprache per ist bisher nur für eine kleine Gruppe Älterer interessant. Fast die Hälfte der Befragten favorisiert kein bestimmtes Alter der beratenden Person. Diejenigen, die ein bestimmtes Alter wünschen, bevorzugen zur Hälfte 40- bis 50-jährige Personen. Ältere Kunden bevorzugen in der Regel kein bestimmtes Geschlecht bei der beratenden Person. Knapp die Hälfte der älteren Menschen wird von anderen Personen bei der Regelung der Bankgeschäfte unterstützt, wobei die Familienmitglieder hier eine zentrale Rolle spielen. Zwei Drittel der unterstützten Personen 15

16 Schwerpunkt: Finanziell vorsorgen Ergebnisse: Frage 17 (N= 1357) Hat Ihre Bank aufgrund Ihres Alters eine Leistung nicht gewährt bzw. hat sich etwas zum Nachteil verändert? Nein 95 % Ja 5 % BAGSO Service Gesellschaft Befragung zur seniorengerechten Bank, Gerade mit Blick auf das Thema Altersdiskriminierung war die Frage gestellt worden: Hat Ihre Bank aufgrund Ihres Alters eine Leistung nicht gewährt bzw. hat sich etwas zum Nachteil verändert? Diese Frage bejahten nur 5 %. Dennoch, auch wenn nur 68 Personen entsprechende Erlebnisse hatten, so werden wir uns die genannten Vorfälle in dem BAGSO-Arbeitskreis Banken genau anschauen. Auch das Thema Online-Banking und ältere Menschen werden wir noch näher betrachten. Außerdem wird in diesem Arbeitskreis auf der Grundlage der Befragung eine Kriterienliste entwickelt, mit der geprüft werden kann, inwieweit sich eine Bank auch an den Wünschen des älteren Kundenkreises orientiert. Dr. Barbara Keck BAGSO Service Gesellschaft Einen Beitrag zum Umgang von Banken und Versicherungen mit älteren Kunden von Dr. Guido Klumpp finden Sie auf Seite 29. möchten, dass diese Personen an Beratungsgesprächen teilnehmen. Auf der Hitliste, worüber Ältere mehr von ihrer Bank erfahren möchten, stehen die Sparanlagen und das Thema Erben und Vererben. 16 % der älteren Menschen nutzen Online-Banking, rund 70 % lehnen es ab, das heißt, sie haben auch kein Interesse daran. Nur wenige Befragte sind mit ihrer Bank oder Sparkasse nicht zufrieden. Wenn Kritik geübt wird, dann vor allem in Bezug auf Kosten und Konditionen und rund um Service und Beratung. Neben dem Wohnortwechsel sind dies die Hauptgründe für den Wechsel zu einer anderen Bank. Allerdings war auch die Schließung von Filialen neben der Gebührenerhöhung der zweithäufigste Grund für den Wechsel. Ergebnisse: Frage 20 (N= 1414) Nutzen Sie Online-Banking? Ja Nein, aber Interesse und Internet zuhause Nein, aber Interesse und kein Internet zuhause Nein, kein Interesse 0 % 15,5 % 9,5 % 9,6 % 68,5 % 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % BAGSO Service Gesellschaft Befragung zur seniorengerechten Bank,

17 Aus Seniorenarbeit/-politik Aktuelles 8. Deutscher Seniorentag vom Mai 2006 in Köln Die Vorankündigung ist erschienen! Dort erfahren Sie Genaueres über die vielen interessanten Veranstaltungen, die Foren und Workshops, den Kölner Treff, die Festveranstaltung, den ökumenischen Gottesdienst im Dom, die Gala im Gürzenich sowie die begleitende Ausstellung SenNova mit einem abwechslungsreichen Aktionsprogramm. Ende Januar erscheint das ausführliche Programmheft, das Sie ebenfalls in der BAGSO-Geschäftsstelle anfordern können. Schon heute möchten wir Sie über zwei Angebote informieren, so dass Sie die nächsten Wochen und Monate nutzen können: Erstens zum Fotografieren, zweitens um Ihre Reise nach Köln vorzubereiten. Diesmal sind auch private Gastgeber bereit, Ihnen ein Quartier zur Verfügung zu stellen. Alter als Chance der Fotowettbewerb zum 8. Deutschen Seniorentag Anlässlich des 8. Deutschen Seniorentags schreiben BAGSO und Feierabend.de, der Online Dienst für Senioren, einen Fotowettbewerb aus. Sein Motto wie das des Seniorentags ist: Alter als Chance. Im Mittelpunkt steht der ältere Mensch, herausgestellt werden sollen die positiven Aspekte des Alters. Die Themen Mittendrin: Senioren und Familie Miteinander Füreinander: Gemeinsames (er)leben und gestalten Lieben und Leben Aktiv mit neuen Medien Haus und Garten Mit Tieren leben Endlich reisen Der Ablauf Jede Hobbyfotografin und jeder Hobbyfotograf kann sich beteiligen und die Fotos vom 1. bis 31. März 2006 bei über ein vorbereitetes Internet-Formular hochladen und auf eine eigens eingerichtete Seite einstellen. Auf der BAGSO-Homepage wird ein Link installiert, der auf die Feierabend-Seiten weiterleitet. Die Abstimmung ausschließlich via Internet beginnt am 1. April und dauert bis zum 10. Mai Um Manipulationen zu vermeiden, erlaubt das System von Feierabend.de jedem Wähler nur eine einmalige Abstimmung. Beim Deutschen Seniorentag werden die Top 25 in einer Fotoausstellung gezeigt, so dass auch die Besucher des Seniorentages ebenfalls am PC über die Bilder abstimmen können. Am 18. Mai werden die Gewinner bekannt gegeben. Die Preise Ausgelobt werden Preise im Wert von mehreren Tausend Euro, der 1. Preis der Gesamtwertung ist eine Flusskreuzfahrt für zwei Personen. Die Wettbewerbsbedingungen Jeder Teilnehmer darf bis zu sieben Fotos einreichen, ein Foto pro Kategorie. Mit der Zusendung stimmt der Einsender einer unentgeltlichen Nutzung der Bilder durch die BAGSO, Feierabend und die Feierabend-Mitglieder zu. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 17

18 Aktuelles Aus Seniorenarbeit/-politik Foto: Mechthild Michalski Siegerfoto des Wettbewerbs Alter im Blickpunkt anlässlich des 7. Deutschen Seniorentages 2003 Kölner Seniorinnen und Senioren als Gastgeber Der Deutsche Seniorentag 2006 in Köln soll auch ein Ort der Begegnung und des Gespräches sein. Ältere und jüngere Menschen aus ganz Deutschland und Gäste aus dem Ausland kommen zusammen, um über aktuelle seniorenpolitische Fragen zu diskutieren, Neues aus der Seniorenarbeit zu erfahren, an einem ökumenischen Gottesdienst im Dom teilzunehmen und gemeinsam im Gürzenich zu fiere. Daher möchten die Seniorenvertretung der Stadt Köln und die BAGSO zwischen Senioren, die einen Gast beherbergen wollen, und Besuchern, die eine Übernachtungsmöglichkeit wünschen, den Kontakt herstellen. Wir hoffen, dass sich ähnlich wie beim Weltjugendtag im August in Köln genügend Seniorinnen und Senioren bereit finden, Gastgeber für einige Nächte zu sein. Elke Rieder, Ursula Richter und Horst Zimmermann haben sich bereit erklärt, Gastgeber und Gäste zusammenzubringen. Ab Montag, 9. Januar 2006 können Sie sich direkt mit ihnen in Verbindung setzen oder auch persönlich vorbeigehen. Jeweils montags von Uhr und mittwochs von Uhr im Büro der Kölner Seniorenvertretung in Köln-Kalk oder telefonisch unter: / Sie können auch gern schreiben an: Kölner Seniorenvertretung Stichwort: 8. Deutscher Seniorentag Kölner als Gastgeber Ottmar-Pohl-Platz Köln Zimmer 3.C.56 Auch wenn Sie eine Mail schicken, geben Sie bitte das Stichwort an. 18

19 Aus Seniorenarbeit/-politik Aktuelles Leitlinien zur langfristigen Reform der Rentenversicherung Erwerbsbiografien (z. B. aufgrund von Arbeitslosigkeit, Erziehungs- und Pflegezeiten) droht zukünftig Altersarmut. Die steigende Bedeutung freiwilliger privater Vorsorge, die sich viele gar nicht leisten können, verstärkt den Trend zu Einkommensungleichheiten im Alter. Prof. Dr. Winfried Schmähl erläuterte wesentliche Modelle zur Rentenreform Aufgrund der einschneidenden Belastungen, die Rentnerinnen und Rentner zunehmend betreffen und auch mit Blick auf künftige Generationen, hat die BAG- SO als Lobby der Älteren Leitlinien zur langfristigen Reform der Rentenversicherung entwickelt., die auf einer BAGSO- Rententagung am nach einem Vortrag von Prof. Dr. Schmähl intensiv diskutiert und verabschiedet wurden. In den vergangenen Jahren wurde in der Alterssicherungspolitik ein Paradigmenwechsel vollzogen: War früher die Erhaltung des Lebensstandards nach dem Äquivalenzprinzip vorrangig, so steht heute die Sicherung von Beitragssatzstabilität an erster Stelle. Als Folge der mit dieser Zielsetzung bereits vorgenommenen und erst nach und nach wirksam werdenden Änderungen in der gesetzlichen Rentenversicherung ist das tatsächliche Rentenniveau gesunken und wird weiter deutlich zurückgehen. Zusätzlich sind aus den Renten verstärkt Aufwendungen für Gesundheit und Pflege selbst zu tragen. Weiter gehende Einschnitte sind den Rentnerinnen und Rentnern nicht zuzumuten. Insbesondere darf nicht an der Rentensicherungsklausel, die eine nominale Rentenkürzung verhindert, gerüttelt werden. Auf lange Sicht wird ein Durchschnittsverdiener erst nach 35 Jahren einen Rentenanspruch in Höhe der beitragsfreien, steuerfinanzierten Grundsicherung erarbeiten. Dadurch gerät das beitragsfinanzierte Rentensystem in erhebliche Legitimationsschwierigkeiten. Menschen mit unterdurchschnittlichem Verdienst oder unterbrochenen 1. Beibehaltung des solidarischen Versicherungsprinzips Die umlagefinanzierte solidarische Rentenversicherung hat sich im Prinzip bewährt. Nur ein solches staatliches Rentensystem kann auch Menschen mit Behinderungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie Menschen in Risikoberufen und mit Arbeitsplatzrisiken eine angemessene Absicherung gewährleisten. Daraus folgt: 1.1. Es muss sichergestellt sein, dass die Rente die eigene Beitragsleistung aus dem Arbeitsleben widerspiegelt (Äquivalenzprinzip) Auch unter den Belastungen des demografischen Wandels und den Veränderungen in der Arbeitswelt muss in Zukunft deutlich mehr als eine Armut vermeidende Grundsicherung erhalten bleiben. Ein Rentenniveau, das bei längerer Versicherungsdauer die Leistungen der Sozialhilfe nur unwesentlich übersteigt, stellt die Grundlage der gesetzlichen Rentenversicherung das Umlageverfahren mit lohnbezogener Beitragsfinanzierung und enger Beitrags-Leistungs-Beziehung in Frage Das Einkommen der meisten ostdeutschen Seniorenhaushalte beschränkt sich anders als im Westen auf Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Vor allem deshalb, aber auch mit Blick auf die Angleichung 19

20 Aus Seniorenarbeit/-politik Aktuelles der Lebenshaltungskosten in Ost- und Westdeutschland müssen in der nun beginnenden Legislaturperiode die Renten schrittweise angeglichen werden. Das darf aber nicht zu Beitragserhöhungen führen. 2. Anerkennung von Familienleistungen Kindererziehung kommt wie die Pflege von Angehörigen der ganzen Gesellschaft zugute und stützt langfristig das Rentensystem. Daraus folgt: 2.1. Rente für Kindererziehung ist grundsätzlich aus dem Steuerhaushalt zu finanzieren. Die Dauer der Anrechnungszeit muss dem Erziehungsaufwand entsprechen Auch der Anreiz zur Familienpflege muss über die geltende Regelung hinaus in Zukunft durch angemessene Rentenbeiträge (aus der Pflegeversicherung) deutlich verstärkt werden, weil bei wachsender Zahl alter und hoch betagter Menschen Pflege sonst personell nicht mehr gesichert werden kann Die Hinterbliebenenrente ist in den vergangenen Jahren erheblich eingeschränkt worden. Eine weitere Reduzierung, die aus Einsparungsgründen vorgeschlagen wird, kann nur langfristig und bei entsprechenden Rahmenbedingungen ins Auge gefasst werden. Dazu zählen vor allem eine stärkere Berücksichtigung der Familienleistungen im Rentenrecht, eine ausreichende Kinderbetreuung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 3. Arbeitsmarkt und Renteneintrittsalter Die Rente wird auf lange Sicht nicht zu finanzieren sein, wenn die Spanne zwischen Berufseinstieg und Ausscheiden aus dem Berufsleben immer kürzer wird und die Beschäftigungsquote nicht steigt. Daraus folgt: 3.1. Auf dem Arbeitsmarkt müssen Anreize zur Frühverrentung beseitigt und solche zur Beschäftigung älterer Menschen geschaffen werden. Eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters kommt jedoch erst dann in Betracht, wenn die Arbeitschancen vor allem der Älteren deutlich verbessert worden sind Bei allen Bestrebungen zur Anhebung des Rentenalters darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es auch weiterhin Menschen geben wird, die aus gesundheitlichen Gründen oder wegen der besonderen Belastungen ihrer Tätigkeit nicht in der Lage sind, länger zu arbeiten. Die Absicherung dieser Menschen über eine Erwerbsminderungsrente in ausreichender Höhe muss sichergestellt sein Darüber hinaus ist eine weitergehende Flexibilisierung des Renteneintrittsalters notwendig. Sie muss auch eine Renten steigernde Verlängerung der Lebensarbeitszeit zulassen Langfristig muss durch eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen, jungen Menschen (Abbau der Jugendarbeitslosigkeit, Verkürzung von Ausbildungszeiten) und Älteren die Beschäftigungsquote erhöht werden. Die Beschäftigungsfähigkeit älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter muss durch vielfältige qualifizierende und gesundheitserhaltende Maßnahmen gefördert werden In einer globalisierten Gesellschaft dürfen die Lohnnebenkosten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und den Arbeitsmarkt nicht übermäßig belasten. Deshalb ist es erforderlich, dass Sozialbeiträge nicht zur Finanzierung solcher Ausgaben herangezogen werden, die sachgerecht aus Steuern zu finanzieren sind. 4. Betriebliche und private Altersvorsorge Der betrieblichen und privaten Altersvorsorge kommt eine Renten ergänzende Funktion zu. Allerdings haben die rentennahen Jahrgänge wegen der kurzen Laufzeiten kaum Chancen, zu finanzierbaren Bedingungen Zusatzversicherungen abzuschließen. Auch die jüngeren Beschäftigten haben bisher wenig Gebrauch von solchen Angeboten gemacht, entweder mangels finanzieller Spielräume oder weil sie über die Probleme ihrer zukünftigen Alterssicherung nicht ausreichend informiert sind. Daraus folgt: 4.1. Große Bedeutung hat der weitere Ausbau der betrieblichen Alterssicherung. Dazu kommen auch tarifvertragliche oder gruppenversicherungsvertragliche Regelungen in Betracht. Neue Formen der gesetzlichen Ausgestaltung auch unter Einbeziehung von steuerlichen Vergünstigungen müssen weiter entwickelt werden. Kleinere Unternehmen müssen beraten werden Bei den privaten Zusatzversicherungen ist der Ausbau eines transparenten und unbürokratischen Angebots ebenso notwendig wie eine funktionierende Verbraucherberatung Eine verpflichtende betriebliche oder private Zusatzversicherung wird vor allem dann unabdingbar, wenn an der beschlossenen Reduzierung des Leistungsniveaus in der gesetzlichen Rentenversicherung festgehalten und nicht sichergestellt wird, dass bei längerer Versicherungsdauer die Rente über dem Sozialhilfeniveau liegt. Eine solche Verpflichtung müsste dann allerdings mit erheblichen Steuermitteln sozial verträglich ausgestattet sein. 5. Vertrauensschutz Als Lobby der Älteren fordert die BAGSO: Wer durch Beitragsleistungen Ansprüche erworben hat, muss sich darauf verlassen können, dass sie nicht durch spätere gesetzliche Änderungen gemindert werden. Nur so werden die Menschen wieder Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung gewinnen. 20

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