Lehrerausbildung für Gesundheitsberufe: Notwendige Differenzierung, Bildungssackgassen oder mögliche Standardisierung?

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1 Lehrerausbildung für Gesundheitsberufe: Notwendige Differenzierung, Bildungssackgassen oder mögliche Standardisierung? Prof. Dr. rer. nat. habil. Britta Wulfhorst Medical School Hamburg

2 Was erwartet Sie? 1 Status quo Lehrerbildung für Gesundheitsberufe 2 KMK: Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen Strukturelle Probleme und Chancen Inhaltliche Probleme und Chancen 3 Fazit 2

3 Was erwartet Sie? 1 Status quo Lehrerbildung für Gesundheitsberufe 2 KMK: Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen Strukturelle Probleme und Chancen Inhaltliche Probleme und Chancen 3 Fazit 3

4 Gesundheitsfachberufe als Outlaws der Berufsbildung Gesetzlicher Rahmen Ministerielle Zuständigkeit Trägerschaft/ Angebotspalette Qualifikation Lehrkräfte Finanzierung Ordnungsmittel Durchlässigkeit Gesundheitsfachberufe Berufszulassungsgesetze Zuständigkeit Arbeits-/ Sozialbzw. Gesundheitsministerien Ausbildungsstätten bzw. (Ersatz-/ Ergänzungs-)Schulen in freier Trägerschaft für einzelne Berufe weitergebildete Berufsangehörige und nebenberuflich tätige Heilberufsangehörige, Bachelor- Lehrer, z.t. Master-Lehrer Entgelte für Krankenhausleistungen, staatl. Finanzhilfe und/oder Schulgeld utilitaristisch orientierte Ordnungsmittel mangelnde vertikale und horizontale Durchlässigkeit, Bildungssackgassen Duale u. vollschulische Ausbildungsberufe Berufsbildungsgesetz bzw. Länderschulgesetze Kultusministerien Öffentliche berufliche Schulen, zahlreiche Ausbildungsberufe und Schulformen Lehrer mit entsprechenden Lehrämtern (Master of Education) reguläre Mittelansätze in kommunalen- und Landesetats Curricula mit funktionsspezifischen und allgemeinbildenden Lehr-/ Lerninhalten vertikale und horizontale Durchlässigkeit

5 Qualifikationsirrgarten... Für die meisten (Heilberufe) entstehen Benachteiligungen gegenüber dualen Ausbildungsberufen hinsichtlich zentraler Qualitätsstandards bezüglich der Qualifikation der Lehrkräfte und der Strukturierung der praktischen Ausbildung. (Dielmann 2013, S. 149) 5

6 Anforderung an Lehrer: Beispiel Niedersachsen und Brandenburg... Land Schulleitung Lehrkräfte Bemerkung Niedersachsen 1) Master Bachelor Brandenburg 2) Master Master KMK Berlin 3) Bachelor 4) / Weiterbildungsleh rgang 5) NRW 6) Bachelor/ Weiterbildungslehrgang Dipl.- Berufspädagoge FR Pflege Dipl.- Berufspädagoge FR Pflege Quellen: 1) Mindestanforderungen an Schulen für andere als ärztliche Heilberufe. Erl. d. MK v /2/5 (Nds. MBl. Nr. 3/2015 S. 87) - VORIS ) Verordnung über die staatliche Anerkennung von Schulen für Gesundheitsberufe im Land Brandenburg (Gesundheitsberufeschulverordnung GBSchV) vom 25. Februar 2015 (GVBl.II/15, [Nr. 9]) 3) Verordnung zur Durchführung des Gesundheitsschulanerkennungsgesetzes (GesSchulAnerkV) Vom 8. Dezember ) 80 ECTS Pädagogik 5) Außer Gesundheits- und Krankenpflege, hier: Bachelorabschluss 6) Verordnung zur Durchführung des Krankenpflegegesetzes (DVO-KrPflG NRW) Vom 7. März

7 Landesberichterstattung Gesundheitsberufe Nordrhein-Westfalen 2013 Situation der Ausbildung und Beschäftigung, S. 92 7

8 Positionen von Fachvertretern Akademischer Abschluss (Bildungswiss. + Fachwiss.) Masterabschluss Masterabschluss Aus: Bonse-Rohmann, Mathias [Hrsg.]; Burchert, Heiko [Hrsg.]: Neue Bildungskonzepte für das Gesundheitswesen. 2011, S

9 Position Fachverband 2. Sie müssen ein Lehramtsstudium auf Masterniveau absolviert haben. 9

10 Qualifikation Schulleitung/Lehrkräfte Bund-Länder-Arbeitsgruppe Weiterentwicklung der Pflegeberufe Eckpunkte zur Vorbereitung des Entwurfs eines neuen Pflegeberufegesetzes, : S

11 Was erwartet Sie? 1 Status quo Lehrerbildung für Gesundheitsberufe 2 KMK: Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen Strukturelle Probleme und Chancen Inhaltliche Probleme und Chancen 3 Fazit 11

12 Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung. Beschluss der Kultusministerkonferenz vom i.d.f. vom Ziele: Grundlage für die Akkreditierung und Evaluierung von lehramtsbezogenen Studiengängen Mobilität und Durchlässigkeit im deutschen Hochschulsystem wechselseitige Anerkennung der erbrachten Studienleistungen und der erreichten Studienabschlüsse zwischen den Ländern gewährleisten. 12

13 KMK: Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen Zuschnitt berufliche Fachrichtungen?? Standards Lehrerausbildung für die Berufliche Fachrichtung Gesundheit und Körperpflege Standards Lehrerausbildung für die Berufliche Fachrichtung Pflege Beschluss der Kultusministerkonferenz vom : vom Biotechnik/Körperpflege Gesundheit Gesundheit und Körperpflege Pflege Pflege 13

14 Zuordnung Berufe zu berufl. Fachrichtung

15 Zusammenfassende Empfehlungen der Expertengruppen Pflege und Gesundheit Therapiewissenschaften als eine eigenständige Berufliche Fachrichtung, potentielle Übergangslösung: Vertiefungsmöglichkeiten/ Wahlmöglichkeiten für therapiewissenschaftliche Inhalte innerhalb der Beruflichen Fachrichtung Gesundheit 15

16 Inhaltliche Anforderungen Gesundheit, Beispiele Prävention und Gesundheitsförderung, Gesundheitsverhalten Evidenzbasierung Ethik... Grundlagen im Bereich Public Health Medizinische und naturwissenschaftliche Grundlagen Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie Diagnostik und Therapie Spezielle Krankheitslehre... fachdidaktische Modelle, Pädagogische Diagnostik Heterogenität, Inklusion Weitere Grundlagen beruflicher Tätigkeiten im Gesundheitswesen Berufsfelddidaktische Grundlagen Kommunikation rechtliche Grundlagen Qualitätssicherung Organisation und Verwaltung 16

17 Keine Dimensionierung Inhalte Zuordnung zu 90 CP Berufliche Fachrichtung: Prävention und Gesundheitsförderung Gesundheitsverhalten Evidenzbasierung Ethik... Grundlagen im Bereich Public Health Medizinische und naturwissenschaftliche Grundlagen Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie Diagnostik und Therapie Spezielle Krankheitslehre... Hochschule A: 80 CP Hochschule A: 10 CP Hochschule B: 10 CP Hochschule B: 80 CP Standardisierung Fachinhalte und Fachdidaktik? 17

18 Keine Dimensionierung Verteilung Bachelor-/ Masterphase KMK Vorgaben 90 CP Hochschule A Hochschule B Erhöhung Flexibilität/Mobilität im Rahmen des Bildungswissen- Studiums? schaften Berufliche Fachrichtung Bachelor Master Bachelor Master Unterrichtsfach Erhöhung Flexibilität/Mobilität im Rahmen des Studiums? 18

19 Lehrerbildungsdebatte Welche Impulse gibt es für die Lehrerbildung für Gesundheitsberufe? 19

20 Wissenschaftsrat 2012, S.86 Ausbildung an den berufsbildenden Schulen muss verbessert werden Theoretische und praktische Lehre heterogen und nicht zeitgemäß Die berufsbildenden Schulen werden ihre wichtige Funktion in der Gesamtsystematik des Bildungswesens nur dann dauerhaft erfüllen können, wenn auch sie sich stetig weiterentwickeln und die für sie relevanten Veränderungen im Gesundheitswesen aufgreifen. In diesem Zusammenhang ist kritisch zu bewerten, dass das Lehrpersonal an den berufsbildenden Schulen derzeit nur zu einem vergleichsweise geringen Anteil über einen Hochschulabschluss verfügt. 20

21 Interprofessionelle Kooperation Zahlreiche Institutionen/Vereinigungen/Wissenschaftler fordern interprofessionelle Kooperationen, z.b. Deutscher Pflegerat (2004) SVR (2007, 2010) Lancet-Kommission (2010) WHO (2010) Wissenschaftsrat (2012) GMA (2015) 21

22 Inklusion 22

23 Chancen: Ansätze zur Integration aktueller Impulse für die Lehrerbildung für Gesundheitsberufe Interdisziplinarität/ -professionalität Inklusion als Leitorientierung der Lehrerbildung Berufsfelddidaktische Perspektive Fachwissenschaftliche Perspektive 23

24 Was erwartet Sie? 1 Status quo Lehrerbildung für Gesundheitsberufe 2 KMK: Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen Strukturelle Probleme und Chancen Inhaltliche Probleme und Chancen 3 Fazit 24

25 Fazit KMK Ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen Wenig Standardisierung Keine Mobilitäts-/Flexibilitätserhöhung Zuschnitt der beruflichen Fachrichtungen ist zu überdenken Gegenseitige Anerkennung erleichtert Lehrerbildung für Schulen des Gesundheitswesens Bildungssackgasse, Qualifikationsanforderungschaos Mit Master of Education in Vorleistung gehen (Strukturen fehlen, z.b. Vorbereitungsdienst, finanzielle Aspekte)? Inhaltliche Herausforderungen und Chancen Vorreiterrolle zur Berücksichtigung und Verknüpfung aktueller Impulse (Verzahnung Fachdidaktik/Fachwissenschaften, Inklusion, Interdisziplinarität) 25

26 Quellen Bals, T.: Lehrerstudiengänge für Gesundheits- und Pflegeberufe Gestaltungoptionen und restriktionen auf der Grundlage des BA-/MA-Konzeptes. Vortrag auf der Tagung von Stifterverband und HRK: Von Bologna nach Quedlingburg. Die Reform des Lehrerstudiums in Deutschland. 23./ , Berlin. Bischoff-Wanner, C.; Reiber, K.: Lehrerbildung in der Pflege: Standortbestimmung, Perspektiven und Empfehlungen vor dem Hintergrund der Studienreformen. Juventa, Weinheim und Basel, 2008 Eckpunkte für die gegenseitige Anerkennung von Bachelor- und Masterabschlüssen in Studiengängen, mit denen die Bildungsvoraussetzungen für ein Lehramt vermittelt werden (Beschluss der KMK vom ) download/dateien/kmk Eckpunkte_Lehramt_ pdf Ertl-Schmuck, R.; Fichtmüller F.: Pflegedidaktik als Disziplin: Eine systematische Einführung. Beltz Juventa, Weinheim und Basel, 2009 Euler, D.: Qualitätsentwicklung in der Berufsausbildung. Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK), Heft 127, 2005 KMK-Standard, lehramtsbezogenes Profil, KMK-Beschluss vom Steiner, P./ Landwehr, N. : Das Q2E.Modell Schritte zur Schulqualität. Aspekte eines ganzheitlichen Qualitätsmanagements an Schulen. Bern/ Schweiz 2003 Terhart, E. (Hg.): Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland. Abschlussbericht der von der KMK eingesetzten Kommission. Juventa, Weinheim und Basel 2000, S. 27f

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