IWW-Studienprogramm. Aufbaustudium. Modul XIX Jahresabschlussanalyse

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1 Institut für Wirtschaftswissenschaftliche Forschung und Weiterbildung GmbH Institut an der FernUniversität in Hagen IWW-Studienprogramm Aufbaustudium Modul XIX Jahresabschlussanalyse Lösungshinweise zur 2. Musterklausur

2 Jahresabschlussanalyse 2 Aufgabe 1 56 Punkte Verdeutlichen Sie die Grundkonzeption der Cash-Flow-Analyse, indem Sie zu den folgenden Teilaufgaben in strukturierter Form Stellung nehmen! Illustrieren Sie Ihre Ausführungen jeweils durch geeignete Beispiele! a) Die Ermittlung des Cash-Flow ist in erster Linie ein Instrument, um das Innenfinanzierungsvolumen eines Unternehmens abzuschätzen. Erläutern Sie den Begriff der Innenfinanzierung und grenzen Sie ihn von der Außenfinanzierung ab! (14 P.) Lösungsstichworte: 1) Innenfinanzierung: Überschuss der aus der laufenden Geschäftstätigkeit resultierenden Einzahlungen (insbesondere aus Umsätzen) über die damit einhergehenden Auszahlungen (z.b. für Personal, Material etc.). Außenfinanzierung: Aus gesonderten Finanzkontrakten außerhalb der laufenden Geschäftstätigkeit resultierende Zahlungsmittelzuflüsse (z.b. aus der Aufnahme von Darlehen oder der Ausgabe von Aktien). b) Um den Cash-Flow aus dem Jahresüberschuss herzuleiten, bedarf es mehrerer Korrekturschritte. Verdeutlichen Sie systematisch die vier Korrekturschritte, die verbleiben, wenn unterstellt werden kann, dass alle erfolgswirksamen Zahlungen der Innenfinanzierung zuzurechnen sind! (28 P.) Lösungsstichworte: 1) Eliminierung: + nicht zahlungswirksame Aufwendungen (z.b. Abschreibungen)./. nicht zahlungswirksame Erträge (z.b. Umsätze auf Ziel) Ergänzung:./. nicht aufwandswirksame laufende Auszahlungen (z.b. geleistete Anzahlungen auf Vorräte) + nicht ertragswirksame laufende Einzahlungen (z.b. erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen) 1 Zur vollständigen Lösung dieser Aufgabe werden in der Klausur ausführlichere Ausführungen zu den hier nur stichwortartig angesprochenen Sachverhalten erwartet.

3 Jahresabschlussanalyse 3 c) Ein Unternehmen hat gebrauchte LKW im Buchwert von 3 Mio. Euro gegen sofortige Barzahlungen von 5 Mio. Euro veräußert. Wie schlägt sich dieser Vorgang bei der Herleitung des Cash-Flow aus dem Jahresabschluss nieder? Gehen Sie bei Ihrer Antwort auf verschiedene Varianten zur Abgrenzung des Begriffs der Innenfinanzierung ein! (14 P.) Lösungsstichworte: 1) Innenfinanzierung im engeren Sinne (ohne Liquidationserlöse): Verminderung des Jahresüberschusses um den darin enthaltenen Liquidationsgewinn von 2 Mio. Euro als zahlungswirksamer Ertrag, der nicht der Innenfinanzierung zuzurechnen ist. Innenfinanzierung im weiteren Sinne (inkl. Liquidationserlöse): Erhöhung des Jahresüberschusses um den Buchwert der verkauften LKW von 3 Mio. Euro als nicht erfolgswirksame Einzahlungen, die der Innenfinanzierung zuzurechnen sind. 1 Zur vollständigen Lösung dieser Aufgabe werden in der Klausur ausführlichere Ausführungen zu den hier nur stichwortartig angesprochenen Sachverhalten erwartet.

4 Jahresabschlussanalyse 4 Aufgabe 2 32 Punkte Die Gesamtkapitalrendite eines Unternehmens hat sich als Kennzahl zur Insolvenzprognose in diversen empirischen Untersuchungen bewährt. Die STATISTIK BANK möchte zukünftige Kreditvergabeentscheidungen von der Ausprägung dieser Kennzahl abhängig machen. Nachfolgende Tabelle enthält für 32 Unternehmen j (j = 1, 2,, 32), von denen 16 zwischenzeitlich insolvent geworden sind, die Ausprägung dieser Kennzahl (auf ganze Prozentsätze gerundet): Insolvent geworden Solvent geblieben Nr. [j] Gesamtkapitalrendite [%] Nr. [j] Gesamtkapitalrendite [%] Arbeitshinweis: Für die Bearbeitung der folgenden Aufgaben kann es hilfreich sein, die beiden Gruppen der solvent gebliebenen und der insolvent gewordenen Unternehmen jeweils getrennt nach der Höhe der Gesamtrendite umzusortieren und zu notieren, mit welchen Häufigkeiten die einzelnen Renditewerte in den beiden Gruppen jeweils vertreten sind.

5 Jahresabschlussanalyse 5 a) Welchen kritischen Wert der Gesamtkapitalrendite müsste die STATISTIK BANK auf Basis dieser Daten festlegen, wenn Sie die Anzahl der Fehlklassifikationen insgesamt minimieren möchte? Ergänzen Sie für Ihre Lösung die folgende Tabelle. Nehmen Sie dabei an, dass ausschließlich die dort angegebenen kritischen Werte (0,5/1,5 etc.) in Betracht gezogen werden! Interpretieren Sie Ihr Ergebnis! (20 P.) Gesamtkapitalrendite kumulierte Häufigkeiten Insolvenz (a) Solvenz (b) kritischer Wert 1. Art (=16 a) Fehler 2. Art (= b) Gesamt 0, , , , , , , , , , Interpretation: Ginge es der STATISTIK BANK darum, einfach die Gesamtzahl der Klassifikationsfehler zu minimieren, so müsste sie den kritischen Wert auf 4,5 festlegen. Bei Fortgeltung der Beobachtungen der Vergangenheit würde das zu sechs Fehlern der ersten Art sowie zu einem Fehler der zweiten Art führen. Das heißt, dass ein ausfallbedrohter Kredit in 6 von 16 Fällen, also mit einer Wahrscheinlichkeit von 37,5 % doch vergeben würde. Umgekehrt käme es bei guten Krediten in einem von 16 Fällen, also mit einer Wahrscheinlichkeit von 6,25 %, zu einer Ablehnung.

6 Jahresabschlussanalyse 6 b) Die Kosten eines Fehlers 1. Art seien mit 10 GE genau doppelt so hoch wie eines Fehlers 2. Art. Welchen kritischen Wert der Gesamtkapitalrendite müsste die STATISTIK BANK dann festlegen, wenn sie im Gegensatz zu Aufgabenteil a) nicht einfach die Zahl der Fehlklassifikationen, sondern die damit verbundenen Kosten minimieren möchte? Greifen Sie auf Ihre Lösung zu a) zurück und füllen Sie folgende Tabelle aus! Interpretieren Sie Ihr Ergebnis! (12 P.) kritischer Wert Kosten Fehler 1. Art Kosten Fehler 2. Art Gesamtkosten 0, = = , = = , = = , = = , = = , = = , = = , = = , = = , = = Interpretation: In diesem Fall müsste der kritische Wert auf 5,5 festgelegt werden, also etwas höher als im Fall a). Die Zahl der zu erwartenden Fehler 1. Art würde dadurch von 6 auf 3 gesenkt (Kostenvorteil +30), während die Zahl der zu erwartenden Fehler 2. Art von 1 auf 5 gesteigert würde (Mehrkosten +20). Trotz einer insgesamt erhöhten Anzahl an Gesamtfehlern würden die zu erwartenden Kosten also per Saldo im Vergleich zu a) um 10 GE gesenkt. Die Kreditvergabepolitik fiele insgesamt zurückhaltender aus, so dass es bei einem ausfallbedrohten Kredit nur noch in 3 von 16 Fällen, also mit einer Wahrscheinlichkeit von 18,75 %, doch zur Vergabe kommen würde. Umgekehrt würden jetzt 5 von 16, also 31,25 %, der guten Kredite abgelehnt.

7 Jahresabschlussanalyse 7 Aufgabe 3 32 Punkte Die GuV der BERTHA-AG für das abgelaufene Jahr weist in komprimierter Form folgende Werte auf (Angaben in Mio. Euro; Vorjahreswerte in Klammern): (1) Umsatz 200 (220) (2) Bestandserhöhung fertiger Erzeugnisse 20 (0) (3) Materialaufwand 120 (115) (4) Personalaufwand 30 (28) (5) Abschreibungen auf Sachanlagen 36 (42) (6) Beteiligungs-, Wertpapier- und Zinserträge 5 (6) (7) Abschreibungen auf Finanzanlagen 4 (0) (8) Zinsaufwand 10 (10) (9) Steuern 9 (14) (10) Jahresüberschuss 16 (17) Gehen Sie im Folgenden davon aus, dass bei der BERTHA-AG auch im analysetechnischen Sinn keine außerordentlichen Erträge und Aufwendungen angefallen sind. a) Bestimmen Sie für das Berichtsjahr folgende Erfolgskennzahlen für den Fall, dass der Zinsaufwand in voller Höhe dem ordentlichen Betriebsergebnis angelastet wird! Beachten Sie dabei die in Klammern angegebenen präzisierenden Hinweise und erläutern Sie jeweils Ihren Rechenweg! (24 P.) (1) Jahresüberschuss vor Steuern (10) 16 + (9) + 9 = + 25 Ergebnis: + 25

8 Jahresabschlussanalyse 8 (2) Ordentliches Betriebsergebnis (nach Steuern, nach Zinsen) (10) 16 + (7) + 4 (6) 5 = + 15 oder (1) (2) + 20 (3) 120 (4) 30 (5) 36 (8) 10 (9) 9 = + 15 Ergebnis: + 15 (3) Ordentliches Finanzergebnis (kompatibel zu (2)) (6) 5 (7) 4 = + 1 (Der Zinsaufwand wird ja nach Vorgabe dem ordentlichen Betriebsergebnis angelastet.) Ergebnis: + 1 (4) Ordentliches Gesamtergebnis (nach Steuern und Zinsen) Lösung [(2)] Lösung [(3)] + 1 = + 16 Oder: Da nach Vorgabe keine außerordentlichen Erträge und Aufwendungen angefallen sind, stimmt das ordentliche Gesamtergebnis mit dem Jahresüberschuss überein. Ergebnis: + 16

9 Jahresabschlussanalyse 9 (5) EBIT (auf der Basis des ordentlichen Betriebsergebnisses) ordentliches Betriebsergebnis gem. [(2)] (8) (9) + 9 = + 34 Ergebnis: + 34 (6) EBITDA (kompatibel zu (5)) EBIT gem. [(5)] 34 + (5) + 36 = + 70 (Abschreibungen auf Finanzanlagen sind hier nicht zu erfassen, da EBITDA auf der Basis des ordentlichen Betriebsergebnisses zu ermitteln ist.) Ergebnis: + 70 b) In dem Geschäftsbericht der BERTHA-AG heißt es unter anderem: Die Steigerung der Umsatzrendite von 7,73 % auf 8,00 % ist ein deutliches Zeichen für die ungebrochene Aufwärtsentwicklung der Gesellschaft. (1) Überprüfen Sie zunächst, ob der kursiv gedruckte Teil der Aussage zutrifft. Zeigen Sie Ihre Berechnungen! (4 P.) Berichtsjahr: 16/200 = 8,00% Vorjahr: 17/220 = 7,73% Die Aussage stimmt.

10 Jahresabschlussanalyse 10 (2) Falls die Aussage zutrifft: Begründen Sie, warum dies sein kann, obwohl der Jahresüberschuss zurückgegangen ist! (4 P.) Falls die Aussage nicht zutrifft: Erläutern Sie, unter welchen Voraussetzungen es allgemein möglich sein kann, dass die Umsatzrendite trotz rückläufigen Jahresüberschusses steigt! Da der Zähler des Quotienten [JÜ : Umsatz] mit 5,88% (Senkung von 17 auf 16) um weniger zurückgegangen ist als der Nenner mit 9,09% (Senkung von 220 auf 200), erhöht sich der Wert des Quotienten trotz rückläufigen Jahresüberschusses.

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