Datenschutzkonzept: Phishing-Kampagne von datenschutz nord GmbH. im Auftrag der Context Information Security Ltd.

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1 Datenschutzkonzept: Phishing-Kampagne von datenschutz nord GmbH im Auftrag der Context Information Security Ltd. April 2015

2 Inhalt 1 Einleitung Kurzbeschreibung der Dienstleistung 3 2 Rechtliche Bewertung Weitergabe der -Adressen Speicherung und Nutzung der -Adressen Protokollierung und Auswertung des Nutzerverhaltens Phishing Phishing detailliert Gezieltes Phishing Erweitertes Phishing Weitergabe der Ergebnisse an den Kunden 7 Seite 2 / 7 Page 2/7

3 1 Einleitung Das vorliegende Datenschutzkonzept wurde im März 2015 von der datenschutz nord GmbH für die Context Information Security Ltd. (nachfolgend Context ) erstellt. Es enthält eine Kurzbeschreibung sowie eine datenschutzrechtliche Bewertung der von Context angebotenen Dienstleistung Phishing-Kampagne. 1.1 Kurzbeschreibung der Dienstleistung Context bietet ihren Kunden die Durchführung einer Phishing-Kampagne an, um das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter für Phishing- s zu bewerten und zu steigern. Phishing beschreibt den Versuch, über gefälschte Webseiten, s oder Kurznachrichten an persönliche oder sicherheitsrelevante Daten eines Nutzers oder Unternehmens zu gelangen. Mit Hilfe simulierter Phishing- s versucht Context, die Mitarbeiter des Kunden dazu zu verleiteten, über einen Link auf manipulierte Internetseiten zu gelangen oder einen Datei-Anhang zu öffnen. Die Inhalte und Konsequenzen der Kampagne werden vorab individuell mit dem Kunden abgestimmt. Anschließend übergibt der Kunde die dienstlichen -Adressen (Firmenadressen) der Mitarbeiter, die mit der Kampagne angesprochen werden sollen, an Context. Context wiederum speichert die -Adressen auf eigenen Systemen und nutzt sie für den Versand der simulierten Phishing- s. Nach Abschluss der Kampagne wertet Context das Nutzerverhalten statistisch aus und bereitet die Ergebnisse für den Kunden auf. Dieser kann sich anschließend ein Bild davon machen, wie ausgeprägt das Sicherheitsbewusstsein der Nutzer für Phishing- Attacken ist und in welchen Teilen des Unternehmens diesbezüglich noch Aufklärungsbedarf besteht. Datenschutzrechtlich relevant sind die folgenden Vorgänge: a) Weitergabe der -Adressen an Context (siehe Ziff. 2.1) b) Speicherung und Nutzung der -Adressen durch Context (siehe Ziff. 2.2) c) Protokollierung und Auswertung des Nutzerverhaltens (siehe Ziff. 2.3) d) Weitergabe der Ergebnisse an den Kunden (siehe Ziff. 2.4) Seite 3 / 7 Page 3/7

4 2 Rechtliche Bewertung 2.1 Weitergabe der -Adressen -Adressen sind personenbezogene Daten im Sinne von 3 Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG). Die Weitergabe der -Adressen an Context stellt aus Sicht des Kunden entweder eine Datenübermittlung oder eine sog. Auftragsdatenverarbeitung dar. Eine Auftragsdatenverarbeitung ist in der Regel anzunehmen, wenn der Dienstleister die Daten nur nach Weisung des Auftraggebers verarbeiten darf und dabei keine eigenen Entscheidungsspielräume hat. Gemeint sind Konstellationen, in denen der Dienstleister vornehmlich sachbearbeitend und ohne Spezialwissen tätig wird. Liegt ein Fall der Auftragsdatenverarbeitung vor, verbleibt die datenschutzrechtliche Verantwortung beim Auftraggeber. Verarbeitet und nutzt der Dienstleister die Daten dagegen eigenverantwortlich, spricht dies für eine Datenübermittlung. In dieser Konstellation geht die datenschutzrechtliche Verantwortung auf den Dienstleister über, der selbst zur verantwortlichen Stelle im Sinne von 3 Abs. 7 BDSG wird. Vorliegend sprechen die Gesamtumstände für eine Datenübermittlung, da Context eigenständig mit den -Adressen umgeht und die Phishing-Kampagne mit speziellem Fachwissen durchführt. Eine Übermittlung von personenbezogenen Daten ist genauso wie die Erhebung, sonstige Verarbeitung oder Nutzung nur zulässig, soweit eine Rechtsvorschrift dies erlaubt oder anordnet oder der Betroffene eingewilligt hat, 4 Abs. 1 BDSG. Für den Vorgang wird also eine Rechtsgrundlage benötigt. Im vorliegenden Fall lässt sich die Datenübermittlung über 28 Abs. 2 Nr. 1 BDSG i.v.m. 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG legitimieren. Da die -Adressen auf Seiten des Kunden ursprünglich nicht für den Zweck Durchführung einer Phishing-Kampagne gespeichert sind, stellt eine Datenübermittlung zu diesem Zweck eine sog. Zweckänderung dar. Aus diesem Grund muss der Umweg über den hierfür einschlägigen 28 Abs. 2 Nr. 1 BDSG gegangen werden, der jedoch auf den allgemeinen 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG verweist. Danach ist die Übermittlung personenbezogener Daten als Mittel für die Erfüllung eigener Geschäftszwecke zulässig, soweit es zur Wahrung berechtigter Interessen der verantwortlichen Stelle erforderlich ist und kein Grund zu der Annahme besteht, dass das schutzwürdige Interesse des Betroffenen an dem Ausschluss der Übermittlung überwiegt. Die Rechtsgrundlage sieht eine Interessenabwägung zwischen dem berechtigen Interesse der verantwortlichen Stelle (hier des Kunden) und dem entgegenstehenden schutzwürdigen Interesse der betroffenen Mitarbeiter vor. Berechtigt ist jedes wirtschaftliche oder ideelle Interesse, das von der Rechtsordnung nicht missbilligt wird. Vor diesem Hintergrund hat der Kunde zweifelsohne ein berechtigtes Interesse an der Durchführung der Kampagne und damit auch an der Datenübermittlung an Context. Sofern ausschließlich dienstliche -Adressen übermittelt werden, besteht auch kein Grund zur Annahme, dass das schutzwürdige Interesse der Betroffenen an dem Ausschluss der Übermittlung überwiegt. Das gilt selbst dann, Seite 4 / 7 Page 4/7

5 wenn der Kunde seinen Mitarbeitern die private Nutzung dieser -Adressen erlaubt. Die dienstlichen -Adressen dienen in erster Linie der geschäftlichen Kommunikation und genießen daher vergleichsweise geringen Schutz. Im Ergebnis sind die Voraussetzungen des 28 Ab. 2 Nr. 1 BDSG i.v.m. 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG erfüllt. Die Übermittlung der -Adressen an Context ist damit zulässig. 2.2 Speicherung und Nutzung der -Adressen Context darf die -Adressen nach 28 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BDSG auf eigenen Systemen speichern und zur Durchführung der Phishing-Kampagne nutzen. Die Erbringung der Dienstleistung liegt im berechtigten Interesse von Context. Ein überwiegendes schutzwürdiges Interesse der Mitarbeiter am Ausschluss der Speicherung und Nutzung muss auch hier nicht angenommen werden. Insoweit wird auf die Ausführungen in Ziff. 2.1 verwiesen. Werden wie im vorliegenden Fall erstmals personenbezogene Daten ohne Kenntnis der Betroffenen gespeichert, kann dies nach 33 Abs. 1 Satz 1 BDSG jedoch eine Benachrichtigungspflicht gegenüber dem Betroffenen auslösen. Der Betroffene ist grundsätzlich über die Art der Speicherung, die Art der Daten, die Zweckbestimmung der Erhebung, Verarbeitung oder Nutzung und die Identität der verantwortlichen Stelle in Kenntnis zu setzen. Nach 33 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BDSG besteht die Benachrichtigungspflicht ausnahmsweise nicht, wenn die Daten [...] ihrem Wesen nach, namentlich wegen des überwiegenden rechtlichen Interesses eines Dritten, geheim gehalten werden müssen. Eine Benachrichtigungspflicht würde im vorliegenden Fall den Erfolg der Phishing- Kampagne in Frage stellen. Der Kunde hat folglich ein sehr hohes Interesse daran, die Maßnahme an sich und auch die Identität von Context als Dienstleister im Vorfeld geheim zu halten. Da nur dienstliche -Adressen betroffen sind, wiegt das Informationsinteresse der Betroffenen dagegen verhältnismäßig gering. Eine Benachrichtigungspflicht nach 33 Abs. 1 Satz 1 BDSG besteht daher ausnahmsweise nicht. 2.3 Protokollierung und Auswertung des Nutzerverhaltens Bei der Protokollierung und Auswertung des Nutzerverhaltens sind verschiedene Detailgrade denkbar. Diese lassen sich wie folgt kategorisieren: Phishing Beim allgemeinen Phishing erfolgt eine durchweg anonymisierte Protokollierung und Auswertung des Nutzerverhaltens. Weder aus den Protokolldaten noch aus den Ergebnissen der Auswertung lässt sich ein Bezug zu dem einzelnen Nutzer herleiten. Das allgemeine Phishing kommt gänzlich ohne Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus und begegnet damit keinen datenschutzrechtlichen Bedenken. Seite 5 / 7 Page 5/7

6 2.3.2 Phishing detailliert Auch bei dieser Variante wird das Nutzerverhalten anonym ausgewertet, allerdings werden mit Hilfe eines Nutzer-Trackings eindeutige Statistiken darüber angefertigt, wie viele Nutzer einen Link angeklickt haben. Eine anonyme Protokollierung und Auswertung nach Bezugsgruppen ist zulässig. Die Bezugsgruppen müssen jedoch eine gewisse Mindestgröße aufweisen, damit kein Rückschluss auf einzelne Mitglieder möglich ist. Vor diesem Hintergrund wird eine Mindestgröße von 5 Personen empfohlen. Problematisch sind jedoch die Fälle, in denen keiner oder alle Mitglieder der Bezugsgruppe dem Link einer Phishing-Mail folgen. Hier kann das genaue Ergebnis jedem einzelnen Mitglied zweifelsfrei zugeordnet werden. Um einen datenschutzrechtlich unzulässigen Personenbezug dennoch auszuschließen, sollten die Auswertungen eine gewisse Unschärfe aufweisen. Denkbar ist etwa eine prozentuale Darstellung von Schwellenwerten: a.) 25 % oder weniger haben den Link geklickt/die Datei geöffnet b.) Zwischen 25 und 50 % haben den Link geklickt/die Datei geöffnet. c.) 75 % oder mehr haben den Link geklickt/die Datei geöffnet. Um die Anonymität des Ergebnisses nicht zu gefährden, sollte auf eine Prozentangabe von über 75 % verzichtet werden. Sofern nicht alle Mitglieder der Bezugsgruppe dasselbe Nutzerverhalten zeigen, können die Ergebnisse schärfer dargestellt werden. Möglich ist dann auch eine Auswertung nach dem Muster: 4 von 5 Mitgliedern der Bezugsgruppe haben auf die Phishing- reagiert. Werden jedoch die Ergebnisse der Bezugsgruppen, bei denen alle Mitglieder auf die Kampagne reagiert haben, mit einer unscharfen Prozentangabe ( über 75 % haben reagiert ) dargestellt und alle übrigen Gruppen mit einem scharfen Ergebnis ( 4 von 5 haben reagiert ), besteht die Gefahr, dass man schon anhand der gewählten Darstellungsweise einen Personenbezug herleiten kann. Aus diesem Grund sollte auf eine vermischte Darstellungsweise verzichtet werden. Lässt sich eine anonyme Auswertung nur über eine personenbezogene Protokollierung des Nutzerverhaltens erreichen, sollte dies nach Möglichkeit in einem sog. Blackbox- Verfahren erfolgen. Bei einem Blackbox-Verfahren wird die Auswertung automatisiert in einem geschlossenen System (der sog. Blackbox) vorgenommen, das von außen nicht einsehbar ist. Nach Abschluss der Auswertung wird der Personenbezug des Datensatzes unverzüglich und noch in der Blackbox entfernt Gezieltes Phishing Beim gezielten Phishing wird das Nutzerverhalten mit Personenbezug protokolliert und ausgewertet. Der Kunde erfährt anschließend namentlich, wer auf die Phishing- reagiert hat und wer nicht. Seite 6 / 7 Page 6/7

7 Mangels Erforderlichkeit ist diese Variante nach deutschem Recht nicht zulässig. Erforderlich ist stets das mildeste aller geeigneten Mittel. Kommen mildere Mittel als eine personenbezogene Protokollierung und Auswertung der Nutzerreaktionen in Betracht, müssen diese bevorzugt werden. Der Kunde hat ein berechtigtes Interesse daran, den einzelnen Nutzer, der auf die Phishing- reagiert, auf die damit verbundenen Gefahren aufmerksam zu machen. Dafür bedarf es jedoch nicht unbedingt einer personenbezogenen Auswertung. Ein milderes Mittel wäre etwa die Anzeige eines Schulungsvideos, das unmittelbar nach dem Klick auf den Phishing-Link oder die Phishing-Datei gestartet wird. Zudem reicht es in der Regel aus, wenn der Kunde weiß, in welchen Bereichen/Abteilungen seines Unternehmens noch Schulungsbedarf besteht. Dabei muss er nicht zwingend die Namen der einzelnen Nutzer kennen, die auf die Phishing-Kampagne reagiert haben. Eine anonyme Auswertung stellt im Vergleich zur personenbezogenen Auswertung ein milderes aber ebenso geeignetes Mittel dar Erweitertes Phishing Neben dem Versenden von Phishing- s mit einfachen Links oder Dateianhängen sind auch alternative Wege denkbar. So können die Nutzer beispielsweise per Phishing- dazu bewegt werden, interne Dokumente hochzuladen oder zu verschicken. Auch ist es möglich, die Nutzer dazu aufzufordern, ihre Logindaten preiszugeben oder die Phishing- wiederum per zu beantworten. Die konkrete Ausgestaltung der Phishing-Kampagne ändert nichts an der rechtlichen Beurteilung. Insoweit besteht ein großer Gestaltungsspielraum. Wichtig ist nur, dass die Ergebnisse der Kampagne nicht personenbezogen oder personenbeziehbar sind. Die Auswertung darf sich weder direkt noch über Umwege eindeutig einem einzelnen Nutzer zuordnen lassen. Ist das gewährleistet, bestehen keine datenschutzrechtlichen Bedenken. 2.4 Weitergabe der Ergebnisse an den Kunden Soweit die Ergebnisse der Phishing-Kampagne wie in Ziff. 2.3Protokollierung und Auswertung des Nutzerverhaltens beschrieben anonym sind, ist ihre Weitergabe an den Kunden datenschutzrechtlich zulässig. Bei anonymen Daten handelt es sich nicht mehr um personenbezogene Daten, so dass die datenschutzrechtlichen Vorgaben diesbezüglich nicht beachtet werden müssen. Seite 7 / 7 Page 7/7

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