9. Datenerhebung und Stichprobe

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1 Datenerhebung und Stichprobe Datenerhebung und Stichprobe 9.1. Die Datenerhebung In diesem Abschnitt wird die Anlage der Untersuchung, das Vorgehen bei der Datenerhebung und die Rücklaufquote der ausgegebenen Testbatterien beschrieben. Da die Testbatterie, die dieser Studie zugrunde liegt, verhältnismäßig umfangreich ist, war zunächst geplant, die Erhebung vollständig in zwei Teilen vorzunehmen. Es wurde ein System gewählt, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Untersuchung ein sechsstelliges Codewort angeben sollten, das sich aus den ersten beiden Buchstaben des Vornamens des Vaters, den ersten beiden Buchstaben des Vornamens der Mutter und dem Tag der eigenen Geburt zusammensetzt. Für die Teilnahme an der Studie wurde vollständige Anonymität zugesichert. Da auf dem Fragebogen als Kennung lediglich das persönliche Kennwort anzugeben war, wußten auch die Personen, die an der Untersuchung teilnahmen, daß eine personenbezogene Zuordnung der Daten durch den Untersucher nicht möglich ist. Im Zeitraum Oktober 1999 bis Februar 2000 wurden an die im Studiengang Psychologie eingeschriebenen Studierenden im ersten Semester insgesamt ca. 300 Fragebögen, u.a. bestehend aus den Instrumenten PANAS, ASB und NEO-FFI, ausgegeben. Die ca. 80 Studierenden wurden angewiesen, einen dieser Fragebögen selbst zu beantworten und weitere Exemplare in ihrem Bekanntenkreis, hier insbesondere nicht nur an jüngere Personen weiterzugeben und anschließend wieder einzusammeln. Die Motivation der Studierenden für die Teilnahme an der Untersuchung war dadurch sichergestellt, daß für selbst- und fremdausgefüllte Fragebögen jeweils Bescheinigungen über die Teilnahme an wissenschaftlichen Untersuchungen ausgestellt wurden, die für die Studierenden im Rahmen des Studiums einen verpflichtenden Charakter besitzen. Von den ca. 300 eingangs ausgegebenen Fragebögen wurde mit 274 bearbeiteten Exemplaren ein extrem hoher Anteil bearbeitet zurückgegeben.

2 222 Datenerhebung und Stichprobe Der zweite Teil der Erhebung fand im Zeitraum von April bis Juni 2000 statt. An die gleichen Studierenden, die schon an der ersten Erhebung teilgenommen hatten, wurde eine zweite Testbatterie, bestehend aus den Instrumenten SWI, FAdI, SAM, FSSW, Berger-Fragebogen und SES-17, in etwa 300 Exemplaren ausgegeben. Die Instruktion lautete, daß an dieser zweiten Erhebung nur diejenigen Personen teilnehmen durften, die schon an der ersten Erhebung teilgenommen hatten. Dieser Personenkreis sollte dafür möglichst vollständig auch an der zweiten Erhebung teilnehmen. Da jedoch bei der Kontaktierung dieses Personenkreises seitens der Studierenden erhebliche Probleme auftraten (fehlende Erinnerung, an wen die Fragebögen in der ersten Erhebung weitergegeben worden waren, fehlende Möglichkeit, diese Personen ein zweites Mal zu kontaktieren, Probleme bei der Erinnerung des persönlichen Codes), wurden lediglich 147 ausgefüllte Instrumente zurückgegeben, die vom Autor dieser Arbeit im nachhinein zweifelsfrei zur Ersterhebung zugeordnet werden konnten. 35 ausgefüllte Fragebögen in der zweiten Erhebung waren entgegen der Instruktionen von Personen bearbeitet worden, die an der ersten Erhebung nicht teilgenommen hatten. Da der Trend zum mangelhaften Rücklauf in der zweiten Teilerhebung frühzeitig erkennbar war und klar wurde, daß auf diesem Wege keine beabsichtigte Stichprobengröße von mindestens 250 erreicht werden würde, wurde vom Untersucher im Mai 2000 eine Gesamttestbatterie mit allen für diese Studie relevanten Instrumenten erstellt und in 400 Exemplaren aufgelegt. Diese Gesamttestbatterie wurde an Studierende in anderen Studienabschnitten mit der Instruktion ausgegeben, Exemplare auch an Bekannte weiterzugeben. Des weiteren bearbeiteten zwei Schulklassen eines hessischen Gymnasiums die vollständige Testbatterie. Von den ca. 400 in Umlauf gebrachten Testbatterien wurden 172 vollständig bearbeitete Exemplare zurückgegeben. Der zusammengefügte Datensatz, der auch alle unvollständigen Fälle beinhaltet, umfaßt insgesamt 490 Personen. Für alle Personen werden über alle in dieser Studie verwendeten Skalen (vgl. Tabelle 7.13.) Mittelwerte be-

3 Datenerhebung und Stichprobe 223 rechnet. Da die Erstellung von Kovarianzmatrizen für die Berechnung von Lisrel-Modellen nur auf denjenigen Fällen beruhen sollte, die in keiner der Variablen (hier: der Skalenmittelwerte) fehlende Werte aufweisen, wurden alle Fälle in der Datendatei, bei denen dies nicht der Fall war, nicht für die Berechnungen verwendet. Diesem Kriterium genügen insgesamt 294 der 490 Fälle (60%). Die zu analysierende Stichprobe wird damit den Anforderungen der Lisrel-Methode, bei der (1) die Stichprobengröße mindestens 150 bis 200 Personen betragen sollte und (2) jedem im Modell zu schätzenden Parameter mindestens fünf Fälle gegenüber stehen sollten (Schermelleh-Engel, 2000; persönliche Mitteilung) voll und ganz gerecht. Auf der Basis dieser Fälle wird mittels der SPSS-Prozedur 'Reliability' die Kovarianzmatrix erzeugt Die Stichprobe Alle hier mitgeteilten demographischen Angaben zur Stichprobe dieser Studie beziehen sich auf die oben beschriebenen N=294 Fälle, die in keiner der Indikatorvariablen einen fehlenden Wert aufweisen Geschlechterverteilung Geschlechterverteilung n = 294 keine Angabe 5.1% mä nnlich 37.4% weiblich 57.5% Abb. 9.1.: Prozentuale Verteilung des Geschlechts in der Stichprobe

4 224 Datenerhebung und Stichprobe Wie in Abb ersichtlich wird, ist der Anteil der Frauen in der Stichprobe mit 57.7% im Verhältnis zur Normalbevölkerung überrepräsentiert. Der Grund hierfür mag darin zu sehen sein, daß die überwiegende Mehrheit der Studierenden im Studiengang Psychologie, die (1) die Testbatterie selbst bearbeiteten und (2) an Bekannte zur Bearbeitung weitergaben, weiblich ist. Die Geschlechterverteilung ist allerdings nicht in einem Maß ungleich, das eine Generalisierung der an dieser Stichprobe gewonnenen Erkenntnisse auf die Normalbevölkerung unmöglich machen würde Altersverteilung Altersverteilung n = 294, Angaben in Jahren keine Angabe, 6.5% ab 71, 1.7% 61 bis 70, 4.4% 51 bis 60, 5.1% 10 bis 20, 27.2% 41 bis 50, 6.5% 31 bis 40, 12.9% 21 bis 30, 35.7% Abb. 9.2.: Prozentuale Verteilung der Alterskohorten in der Stichprobe Abb zeigt die prozentuale Verteilung der vom Untersucher willkürlich vorgenommenen Einteilung in verschiedene Alterskohorten. Wie ersichtlich ist, sind die Kohorten von 10-20, und Jahren mit großem Abstand am stärksten vertreten. Auch hier ist der Grund in der Art der Weitergabe der Testbatterie zu suchen. Der Anteil der "alten" Personen in der Stichprobe (ab 41 Jahren) beträgt 17.7% und ist damit im Verhältnis zur Normalbevölkerung deutlich unterrepräsentiert.

5 Datenerhebung und Stichprobe Verteilung des Familienstandes Verteilung des Familienstandes n = 294 geschieden, 6.1% keine Angabe, 5.1% verw itw et, 2.0% v erheiratet, 20.1% ledig, 66.7% Abb. 9.3.: Prozentuale Verteilung des Familienstandes in der Stichprobe Abb zeigt, daß in der Stichprobe bezüglich des Anteils der Ledigen ein deutliches Übergewicht besteht. Dies ist auf den relativ hohen Anteil der Studierenden und den hohen Anteil der Personen, die 30 Jahre oder jünger sind, zurückzuführen.

6 226 Datenerhebung und Stichprobe Verteilung der Bildungsklassen Verteilung der Bildungsklassen n = 294 keine Angabe, 6.8% Studium mit, 12.2% Hauptsch. ohne, 0.3% Hauptsch. mit, 5.8% Realsch. ohne, 2.0% Realsch. mit, 13.6% Studium ohne, 32.2% Gymn. ohne, 17.7% Abitur ohne, 9.2% Abb. 9.4.: Prozentuale Verteilung der Bildungsklassen in der Stichprobe Hauptsch. ohne = Hauptschule/Volksschule ohne Abschluß; Hauptsch. mit = Hauptschule/ Volksschule mit Abschluß; Realsch. ohne = Real- (Mittel-) oder Handelsschule ohne Abschluß; Realsch. mit = Real- (Mittel-) oder Handelsschule mit Abschluß; Gymn. ohne = Gymnasium (Höhere Schule) ohne Abitur/Fachabitur; Abitur ohne = Abitur/Fachabitur ohne anschließendes Studium; Studium ohne = Abitur/Fachabitur mit nicht abgeschlossenem Studium; Studium mit = Abitur/Fachabitur mit abgeschlossenem Studium Wie in Abb deutlich wird, sind Angehörige der nicht-akademischen Bildungsklassen in der Stichprobe unterrepräsentiert. Der Anteil von 32.2% in der Klasse 'Studium ohne' entspricht dem Anteil der Studierenden.

7 Datenerhebung und Stichprobe Professionelle Beschäftigung mit Psychologie in der Stichprobe Professionelle Beschäftigung mit Psychologie n = 294 keine Angabe, 8.2% s tud. derzeit 22.4% nie Kontakt, 65.3% Dipl.-Psych., 0.3% fr üher einmal, 3.7% Abb. 9.5.: Prozentanteile der Beschäftigung mit Psychologie in der Stichprobe Stud. derzeit = 'ich studiere derzeit Psychologie'; Dipl-Psych. = 'ich bin Diplom-Psychologe'; früher einmal = 'ich habe früher einmal Psychologie studiert (z.b. als Nebenfach) jedoch kein Diplom erworben'; nie Kontakt = 'ich habe nie Psychologie studiert' Aus Abb geht hervor, daß der Anteil der Personen, die sich in irgendeiner Weise professionell mit Psychologie beschäftigen, mit insgesamt 26.4% zwar im Verhältnis zur Normalbevölkerung deutlich erhöht ist, im Vergleich zu anderen psychologischen Studien, die sich oftmals ausschließlich auf Daten stützen, die an Studierenden der Psychologie erhoben wurden, jedoch erfreulich gering ist. Etwa zwei Drittel der Personen in der Stichprobe haben keinerlei professionelle Bindung zur Psychologie.

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9 III. Ergebnisse 229

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