Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz

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1 Eidgenössisches Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung WBF Staatssekretariat für Wirtschaft SECO Arbeitsbedingungen Prävention psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz Vollzugsschwerpunkt des SECO Quelle fotolia

2 Inhalt 1. Ausgangslage 2. Vollzugsschwerpunkt des SECO 3. Psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz 4. Rechtliche Grundlagen 5. Vorkehrungen zum Schutz vor psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz 6. Betriebsbesuch der kantonalen Arbeitsinspektoren und -inspektorinnen 7. Hilfsmittel und weiterführende Informationen 2

3 Ausgangslage Veränderungen in der Arbeitswelt Psychosoziale Risiken als grosse Herausforderung im Zusammenhang mit Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz Betriebliche Präventionsmassnahmen in der Regel aus freier Überzeugung und Motivation der Betriebsleitung Vollzugsschwerpunkt des SECO in Anlehnung an europäische Kampagnen Breite Unterstützung durch Sozialpartner und kantonale Arbeitsinspektionen 3

4 Ausgangslage Betriebsunfälle

5 SECO Vollzugsschwerpunkt Der Kenntnisstand und die Kontrollpraxis der Vollzugsorgane betreffend psychosozialer Risiken am Arbeitsplatz ist verbessert. Die Arbeitgeber sind für psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz sensibilisiert. Die Arbeitssituation der Arbeitnehmenden kann durch den Betrieb mit konkreten Massnahmen verbessert werden. Stressbedingte Unfälle und Krankheiten werden vermieden.

6 Begleitende Massnahmen kantonale Arbeitsinspektoren- und inspektorinnen Ausbildungen Hilfsmittel im Umgang mit psychosozialen Risiken Betriebe Publikationen Beiträge in Zeitschriften Referentenpool Tagungen

7 Sicht Arbeitnehmende: Stress im 2000 und 2010 Erwerbstätige in Prozent, N 2000 = 996, N 2010 = nie manchmal häufig/sehr häufig Stress-Studie 2000 Stress-Studie 2010 Quelle: Grebner, Berlowitz, Alvarado, & Cassina (2011): Stress bei Schweizer Erwerbstätigen. Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen, Personenmerkmalen, Befinden und Gesundheit 7

8 Perspektive Management: Bedeutung verschiedener Aspekte der Gesundheit (CH, EU-27), in % der Unternehmen Quelle: European Agency for Safety and Health at Work (2010). European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks (ESENER)

9 Perspektive Management: Prävention Unternehmen, in welchen es einen Massnahmenplan bei den genannten Problemen gibt, in % 40% 30% % % 0% Arbeitsbedingter Stress Mobbing und Belästigung Arbeitsbedingte Gewalt Schweiz EU-27 Quelle: European Agency for Safety and Health at Work (2010). European Survey of Enterprises on New and Emerging Risks (ESENER)

10 Herausforderungen Psychische Belastungen nur zum Teil äusserlich wahrnehmbar Messung durch Befragung und Beobachtung keine «klassischen» Grenzwerte» wie bei physikalischen und chemischen Risiken multikausale Ursachen und unspezifische Auswirkungen psychische Belastungen sind noch immer oft Tabuthema Nur wer genau beobachtet, zuhört und darüber spricht, deckt psychosozialen Risiken auf.

11 Rechtliche Grundlage Gesetz: ArG Art. 6 Der Arbeitgeber ist verpflichtet, zum Schutze der Gesundheit der Arbeitnehmer alle Massnahmen zu treffen Er hat im Weiteren die erforderlichen Massnahmen zum Schutze der persönlichen Integrität der Arbeitnehmer vorzusehen. Verordnung: ArGV3 Art. 2 Grundsatz Der Arbeitgeber muss alle Massnahmen treffen, die nötig sind, um den Gesundheitsschutz zu wahren und zu verbessern und die physische und psychische Gesundheit der Arbeitnehmer zu gewährleisten. Insbesondere muss er dafür sorgen, dass c. übermässige starke oder allzu einseitige Beanspruchung vermieden wird d. die Arbeit geeignet organisiert ist

12 ASA-Systematik Systematisches Vorgehen, um die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten 10 Elemente für sichere und gesunde Arbeitsplätze: 1. Sicherheitsleitbild, Sicherheitsziele 2. Sicherheitsorganisation 3. Ausbildung, Instruktion, Information 4. Sicherheitsregeln 5. Gefahrenermittlung, Risikobeurteilung 6. Massnahmenplanung und -realisierung 7. Notfallorganisation 8. Mitwirkung 9. Gesundheitsschutz 10. Kontrolle, Audit

13 ASA-System Punkt 1 Leitbild explizite Absicht der Betriebsleitung zum Schutz vor psychischen Fehlbelastungen und Verletzungen der persönlichen Integrität Quelle: fotolia

14 ASA-System Punkt 2 Organisation Aktive Beteiligung aller mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement betrauten Personen im Management psychosozialer Risiken Regelung der Zusammenarbeit und Abgrenzung zwischen den verschiedenen Zuständigen (Organigramm, Pflichtenheft) Sicherstellen des erforderlichen Fachwissens, evtl. via Beizug externer Fachpersonen

15 ASA-System Punkt 3 Ausbildung und Information Vorgesetzte kennen ihre Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf psychische Belastungen. Führungskräfte, Sicherheitsbeauftragte, Personalverantwortliche (u.a.) verfügen über grundlegende Kenntnisse betreffend gute Arbeitsgestaltung und -organisation sowie Konfliktbewältigung. Instruktionen, Schulungen, Informationskampagnen finden statt.

16 ASA-System Punkt 4 Regeln und Standards Schriftliche Weisung zum Schutz der persönlichen Integrität ist vorhanden und bekannt. Unerwünschte Verhaltensweisen und Sanktionen bei Verstössen sind schriftlich festgelegt und im Betrieb aktiv kommuniziert. Vorgehen bei psychosozialen Problemen ist geregelt.

17 ASA-System Punkt 5 Gefährdungsermittlung Indikatoren für psychische Fehlbelastungen Ermittlung von psychischen Fehlbelastungen unter Einbezug der Mitarbeitenden: Gestaltung der Arbeitsaufgaben und -abläufe Arbeitszeiten und -organisation soziale Beziehungen Arbeitsumgebung Dokumentieren der Ergebnisse der Gefährdungsermittlung bzgl. psychischen Belastungen

18 ASA-System Punkt 6 Massnahmen Ursachenbezogen und kollektiv wirksam planen und umsetzen Prioritäten sind gesetzt Mitarbeitende in die Erarbeitung von Massnahmen aktiv miteinbeziehen

19 ASA-System Punkt 7 Notfallorganisation Anweisungen sind erstellt für Ereignisfälle wie z. B. Burnout Mobbing sexuelle Belästigung Gewalt traumatische Ereignisse etc. Es ist bekannt, wer im akuten Fall welche Aufgaben übernimmt und welche Fachpersonen fachliche Unterstützung bieten können.

20 ASA-System Punkt 8 Mitwirkung Mitarbeitende können sich aktiv beteiligen an der Ermittlung psychischer Belastungen sowie der Erarbeitung von Schutzmassnahmen Mitarbeitende können Anliegen einbringen und Verbesserungsvorschläge zu ihrer Arbeit unterbreiten (direkt oder via Personalkommission) Es finden regelmässige Gespräche statt, bei denen auch Fragen im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen besprochen werden Psychische Belastungen sind Bestandteil der jährlichen Zielvereinbarungsgespräche

21 ASA-System Punkt 9 Gesundheitsschutz Schutz vor Gefährdungen durch psychische und körperliche Fehlbelastungen sowie Schutz der persönlichen Integrität => eingebettet in die Punkte 1-10 ASA-Systematik weitere Themen des Gesundheitsschutzes (z. B. Schwangerschaft, Jugendliche)

22 ASA-System Punkt 10 Monitoring / Evaluation Evaluierung der Massnahmen gegen psychosoziale Überbeanspruchungen bzgl. ihres Nutzens

23 Betriebsbesuch: Rolle Arbeitsinspektion Sensibilisieren und Informieren Betriebe für ihre Verantwortung im Bereich psychosoziale Risiken sensibilisieren, informieren über entsprechende Massnahmen zum Schutz der Gesundheit. Beraten Aufzeigen, wie erste Massnahmen zur Prävention psychosozialer Risiken angegangen werden können. Kontrollieren Überprüfen, wie der Betrieb seine Verantwortung zur Prävention wahrnimmt

24 Betriebsbesuch: Kernfragen Stand der Prävention: Welche systematischen Vorkehrungen trifft der Betrieb, um seine Mitarbeitenden vor psychischen Fehlbelastungen und Persönlichkeitsverletzungen zu schützen? Indikatoren: Gibt es Hinweise, die eine mögliche Gesundheitsbeeinträchtigung durch psychosoziale Risiken wahrscheinlich erscheinen lassen? 24

25 Betriebsbesuch: Themenschwerpunkte Systematische Vorkehrungen zum Schutz vor psychischen Fehlbelastungen Betriebliche Vorkehrungen zum Schutz der persönlichen Integrität Indikatoren für das Vorhandensein psychischer Fehlbelastungen oder psychosozialer Probleme 25

26 Hilfsmittel des SECO (1) Psychosoziale Risiken Flyer Psychosoziale Risiken am Arbeitsplatz Broschüre Schutz vor psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz. Informationen für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen 26

27 Hilfsmittel des SECO (2) Schutz der persönlichen Integrität Broschüre Mobbing und andere Belästigungen. Schutz der persönlichen Integrität am Arbeitsplatz Broschüren und Checkliste Schutz vor Sexueller Belästigung Broschüre und Checkliste Überwachung der Arbeitsnehmenden 27

28 Hilfsmittel des SECO (3) Probleme erkennen Gefährdungen ermitteln Flyer Erschöpfung frühzeitig erkennen Burnout vorbeugen Broschüre Psychische Belastungen, Checklisten für den Einstieg 28

29 Weitere Hilfsmittel Web: psyatwork.ch stressnostress.ch sexuellebelaestigung.ch ekas-box.ch Publikationen der Stiftung «Gesundheitsförderung Schweiz» der SUVA der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz

30 Kontakt SECO Stephanie Lauterburg Spori Eidg. Arbeitsinspektion SECO

31 Rechtsprechung Beispiele Unter grossem Druck stehen - Bundesgerichtsentscheid 4C.24/ Bundesgerichtsentscheid 4C.320/2005 Verfahren zur Konfliktlösung - Bundesgerichtsentscheid 2C 462/2011 Überwachung der Arbeitnehmer - Bundesgerichtsentscheid 9C_785/2010

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