Rauchen und Geschlecht

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1 Presseinformation von VIVID Fachstelle für Suchtprävention Anlässlich des Weltnichtrauchertags 2010 zum Motto Gender and Tobacco Rauchen und Geschlecht Weltnichtrauchertag, Der heurige Weltnichtrauchertag steht weltweit unter dem Motto "Gender and Tobacco with an emphasis on marketing to women". Frauen machen ca. 20 Prozent der weltweit mehr als eine Milliarde Rauchenden aus. Dieser Prozentsatz steigt jedoch rasant an, während der Anteil männlicher Raucher sinkt. Frauen und Mädchen stehen auch besonders im Visier der Marketingaktivitäten der Tabakindustrie. Rauchen und Geschlecht einst Lange Zeit war der Tabakkonsum ausschließlich Männern vorbehalten. Mit Erfindung der Zigarette im 19. Jahrhundert begann sich das Rauchen auch bei Frauen allmählich größerer Beliebtheit zu erfreuen. Ab den 1920er Jahren trat die Zigarette gefördert durch massive Werbung der Tabakindustrie ihren Siegeszug beim weiblichen Geschlecht an. Rauchende Frauen galten fortan als emanzipiert, selbstständig, modern, erfolgreich und attraktiv. Weltweit rauchen mehr Buben, aber die Mädchen holen rasant auf Der aktuelle WHO-Report "Women and health: today's evidence, tomorrow's agenda" zeigt anhand der Daten von 151 Ländern auf, dass rund 7 Prozent der adoleszenten Mädchen und etwa 12 Prozent der adoleszenten Buben rauchen. Tendenz: Die Mädchen holen auf. In manchen Ländern rauchen bereits mehr Mädchen als Buben. Parallel dazu steigt der Frauenanteil bei tabakassoziierten Erkrankungen und Todesursachen. Rauchen und Geschlecht in der Steiermark (Erwachsene): Bei den steirischen Erwachsenen (ab 15 Jahren) rauchen 12,9% der Frauen täglich, 4,9% gelegentlich. 16% sind Ex-Raucherinnen, 66,2% haben nie geraucht. Zum Vergleich: 17,2%

2 der erwachsenen männlichen Steirer rauchen täglich, 7,1% gelegentlich. 23,1% sind Ex- Raucher und 52,7% haben nie geraucht. [Quelle: Tabakpräventionsstrategie Steiermark 2009, Follow Up-Erwachsenenbefragung; ab 15jährige Wohnbevölkerung; N=3000] Rauchen und Geschlecht in der Steiermark (SchülerInnen) In der Steiermark rauchen bereits mehr Mädchen als Buben: 5 Prozent der 11- bis 15- jährigen Mädchen sind tägliche RaucherInnen (3,7 Prozent der Buben), 10,9 Prozent greifen gelegentlich zur Zigarette (8,6 Prozent der Buben). [Quelle: Tabakpräventionsstrategie Steiermark 2009, VIVID-SchülerInnenbefragung; 11- bis 15-jährige Wohnbevölkerung; N=2000] Tabakindustrie: Zielgruppe Kinder und Jugendliche Der Einstieg ins Rauchen erfolgt in der Regel in der Pubertät. Denn wer mit 20 noch Nichtraucher ist, wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr zum Raucher. Daher betreibt die Tabakindustrie gezielt Marketing für Kinder und Jugendliche. Für Mädchen und Buben werden unterschiedliche Werbebotschaften (z.b. Buben: cool, erwachsen; Mädchen: sexy, macht schlank, ist wenig gesundheitsgefährdend) kreiert. Unterschiedliche Geschmacksrichtungen, unterschiedliche Verpackungen und unterschiedliche Werbeformen (z.b. In welchen Filmen werden welche Zigarettenmarken von wem geraucht?) runden das geschlechtsspezifische Marketing ab. Zusatzstoffe erleichtern Einstieg ins Rauchen Zusatzstoffe sollen das Rauchen schmackhafter machen, das Suchtpotenzial erhöhen und die unangenehmen Nebenwirkungen (Husten, unangenehmer Geschmack, Kopfweh, ) verringern. Beispielsweise mindert Menthol mindert den Hustenreiz. Für Mädchen wurden spezielle Einstiegsmarken erfunden, die durch die Zusatzstoffe Zucker, Lakritze, Vanille usw. zum Rauchen verführen sollen. Anliegen der Tabakprävention ist daher u.a., Zusatzstoffe zu verbieten.

3 Frauen rauchen anders Anders als bei den Männern gaben die Steirerinnen als Gründe für ihren Hang zum Nikotin neben der Gewohnheit und dem körperlichen Verlangen nach der Zigarette in erster Linie Stress und Frustration an. Die Gewichtskontrolle ist zwar nur für 1,5 Prozent der Befragten der ausschlaggebende Grund um zu rauchen, die Angst vor einer Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp ist jedoch bei vielen Frauen und Mädchen vorhanden. Leicht-Zigaretten In der Annahme ihrem Körper weniger Schaden zuzufügen bevorzugt knapp die Hälfte der steirischen Raucherinnen nach wie vor Leicht-Zigaretten. Und das, obwohl erwiesenermaßen gerade beim Konsum von Leicht-Zigaretten der Tabakrauch tiefer inhaliert und länger in der Lunge behalten wird. Zudem müssen mehr Zigaretten geraucht werden, um die gewünschte Nikotindosis zu erreichen. Rauchen schadet Frauen noch mehr als Männern Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Rauchen der Gesundheit von Frauen noch mehr schadet als jener der Männer. Sie sind offensichtlich sensibler für tabakassoziierte Erkrankungen, wobei die Ursache noch nicht geklärt ist. Möglicherweise spielen dabei der unterschiedliche Hormonhaushalt und das durchschnittlich geringere Gewicht eine Rolle. Auch eine in Abhängigkeit vom Geschlecht unterschiedliche Verstoffwechselung der Bestandteile des Tabaks wird derzeit wissenschaftlich diskutiert. Rauchende Frauen haben gegenüber gleich stark und gleich lang rauchenden Männern ein höheres Risiko für Herzinfarkte, sonstige Herz-Kreislauferkrankungen, Osteoporose und Lungenkrebs und COPD. 2008, S. 17ff.

4 Rauchen und Fruchtbarkeit Rauchen verringert die Fruchtbarkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen: Raucherinnen und Raucher sind häufiger unfruchtbar als Nichtraucherinnen und Nichtraucher. Bis zu 13 Prozent der weiblichen Infertilität lassen sich auf das Rauchen zurückführen, und das schon bei einem Konsum von ca. 10 Zigaretten pro Tag, wobei selbstverständlich auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Auch eine künstliche Befruchtung gelingt bei Raucherinnen schlechter als bei Nichtraucherinnen. 2008, S. 24. Rauchen und Pille Die Kombination Rauchen und Pille gilt als besonderer Giftcocktail. Denn sowohl Rauchen als auch orale Kontrazeptiva erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, was sich in Kombination potenziert. Zunehmendes Alter verstärkt diese Wirkung. So haben rauchende Frauen, die älter als 35 sind und die Antibabypille nehmen, ein 5-fach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Generell erhöht sich durch die Kombination Rauchen und Pille die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und Thrombosen um ein Vielfaches. 2008, S. 24. Rauchen in der Schwangerschaft Rauchen führt bei Schwangeren zu einer Verengung der Blutgefäße und minimiert die Blutzirkulation im Bereich der Plazenta. In der Plazenta findet jedoch der gesamte Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind statt. Durch das Rauchen wird daher der Sauer- und Nährstoffaustausch stark eingeschränkt und die normale Entwicklung des Fötus beeinträchtigt. Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben oder intensiv Passivrauch ausgesetzt waren (z.b. als Gastronomie-Bedienstete oder mit im Wohnbereich rauchendem Partner), haben daher nicht nur Entzugserscheinungen, sondern auch eine größere Wahrscheinlichkeit, an Entwicklungsbeeinträchtigungen zu leiden z.b. ADHS, Atemwegserkrankungen, Leukämie.

5 Mit dem Rauchen aufhören Rauchen kann innerhalb weniger Wochen und Monate und schon bei geringem Konsum zu einer Tabakabhängigkeit führen. Frauen fällt ein Rauchstopp schwerer als Männern. Sie haben auch häufiger Angst vor Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp und beginnen häufiger wieder mit dem Rauchen, weil sie zugenommen haben. Studien haben zudem gezeigt, dass Frauen beim Rauchstopp auch ihren Menstruationszyklus beachten sollten. Das weibliche Rauchverhalten schwankt mit dem Menstruationszyklus. Vor und während der Regelblutung ist das Verlangen nach Nikotin stärker. Der Abschied von der Zigarette fällt Frauen daher im Allgemeinen in der ersten Zyklushälfte, unmittelbar nach der Menstruation, leichter als in der zweiten. Unterstützung beim Aufhören Tabakentwöhnung im Rahmen der Tabakpräventionsstrategie Steiermark Information und Anmeldung: STGKK-RaucherInnen-Helpline, Mo bis Fr Uhr und Di, unter 0316/ ; Die Tabakpräventionsstrategie Steiermark wurde von Land Steiermark, Ressort Gesundheit und Steiermärkischer Gebietskrankenkasse in Auftrag gegeben. Tabakentwöhnung österreichweit sowie Beratung zum Thema Rauchen Rauchertelefon, 0801/ , Das Rauchertelefon ist eine Einrichtung aller österreichischen Bundesländer, aller österreichischen Sozialversicherungsträger sowie des Bundesministeriums für Gesundheit. Kontakt: Mag. Waltraud Posch, VIVID Fachstelle für Suchtprävention, 0316/ , 0676/ ,

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